{"id":13093,"date":"2013-11-01T00:00:24","date_gmt":"2013-10-31T22:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13093"},"modified":"2014-04-15T18:17:17","modified_gmt":"2014-04-15T16:17:17","slug":"jedes-dorf-hat-seinen-preis-kein-dorf-hat-einen-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/11\/jedes-dorf-hat-seinen-preis-kein-dorf-hat-einen-preis\/","title":{"rendered":"Jedes Dorf hat seinen Preis! Kein Dorf hat einen Preis!"},"content":{"rendered":"<p>Am 7. Oktober 2013 berichtete die <i>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/i>                 (SZ) \u00fcber ein internes Papier von RWE, das ihr vorliegen w\u00fcrde.                 In diesem wird ein Szenario benannt, nach dem das Aus f\u00fcr den                 Tagebau Garzweiler 2 schon 2017\/18 wegen Unrentabilit\u00e4t anstehen                 w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Postwendend dementierte RWE diese Meldung. Auffallend war aber                 der Zusatz, dass der Tagebau weitergef\u00fchrt w\u00fcrde, wenn sich die                 regulatorischen Rahmenbedingungen auf den Energiem\u00e4rkten ver\u00e4nderten.                 So lag die Vermutung nahe, dass dieses Szenario ganz bewusst gestreut                 wurde, um w\u00e4hrend den Koalitionsverhandlungen f\u00fcr die Bundesregierung                 Druck auszu\u00fcben, die Energiepolitik (noch) kohlefreundlicher auszurichten.                 RWE und die Lobbyisten des Konzerns fordern n\u00e4mlich seit Monaten                 die &#8222;Kraftwerksteuer&#8220;.<\/p>\n<p>\u00dcber die sollen ausgerechnet die Betreiber_innen von Anlagen                 &#8222;erneuerbarer&#8220; Energien eine Steuer f\u00fcr Betreiber fossiler Kraftwerke                 zahlen. <\/p>\n<p>Die Strategie ging wohl nach hinten los. Die Vertretung der Stadt                 Erkelenz erkl\u00e4rte in einem offenen Brief an die Landesregierung,                 dass sie alle Umsiedlungsma\u00dfnahmen stoppt, bis Klarheit \u00fcber die                 Weiterf\u00fchrung des Tagebaus besteht. Seither ist die Umsiedlung                 im Garzweiler Revier wieder ein Thema; sowohl in der bundesweiten                 Presse als auch in den D\u00f6rfern selbst. Die D\u00f6rfer der ersten Umsiedlungsphase                 sind weitgehend umgesiedelt. Obwohl die alten D\u00f6rfer noch stehen,                 will kaum jemand noch etwas von ihnen wissen. Zu schmerzhaft war                 der Abschied von ihnen und die F\u00fcgung in das, was vor Ort als                 &#8222;Schicksal&#8220; wahrgenommen wird. <\/p>\n<p>Aber in den D\u00f6rfern der Umsiedlungsphase 2 und 3 wird es sich                 herumsprechen, dass die Rentabilit\u00e4t des Tagebaus auf Messers                 Schneide steht. Wenn sich dazu noch mehr und mehr Menschen bewusst                 werden, dass es immer teurer ist, Gro\u00dfprojekte gegen den Widerstand                 vieler Menschen durchzudr\u00fccken, dann muss nur noch eins und eins                 zusammengez\u00e4hlt werden und die Resignation, auf Grund derer RWE                 in der Region nach Belieben walten und schalten kann, wird sich                 in Luft aufl\u00f6sen. Und dann kann der Wert, den RWE f\u00fcr die D\u00f6rfer                 zahlen muss, politisch in die H\u00f6he getrieben werden: Auf dass                 nie wieder jemensch auf die Idee kommt einem Dorf einen Wert zu                 geben, um dessen Zerst\u00f6rung einer wertbasierte Kosten-Nutzen-Kalkulation                 zuf\u00fchren zu k\u00f6nnen!<\/p>\n<h3> Von wegen Kosten-Nutzen-Kalkulationen: Kritik am 5. Sachstandsbericht                 des Weltklimarates<\/h3>\n<p>Die Braunkohleverstromung hat neben der Umsiedlung auch noch                 einen globalen Zerst\u00f6rungsfaktor: den Klimawandel. Im September                 ist der 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates erschienen, in                 dem die aktuellen Forschungen zum Stand der Klimaerw\u00e4rmung zusammengetragen                 werden. Auch wenn der Bericht klar vor den Folgen des Klimawandels                 warnt, und er vor allem von den Klimaskeptiker_innen angefeindet                 wird, muss dennoch auch eine deutliche Kritik von libert\u00e4rer Seite                 ge\u00fcbt werden. Menschen aus dem Braunkohlewiderstand haben angefangen                 sich in den Bericht einzuarbeiten und wollen f\u00fcr eine der n\u00e4chsten                 Ausgaben der <i>Graswurzelrevolution<\/i> eine ausf\u00fchrliche Einordnung                 des Berichts verfassen. <\/p>\n<p>Was aber direkt beim Lesen des Berichts auff\u00e4llt, ist seine Wertfixiertheit.                 2006 hat Nicholas Stern als erster die Auswirkungen des Klimawandels                 in \u00f6konomische Gr\u00f6\u00dfen umgerechnet. Viele Umweltverb\u00e4nde fanden                 das eine gute Idee, weil dadurch die Auswirkungen mit in volks-                 und betriebswirtschaftliche \u00dcberlegungen eingerechnet werden k\u00f6nnten                 und ein Anreiz zur Vermeidung von Umweltzerst\u00f6rung geschaffen                 w\u00fcrde, so die Hoffnung, bar jeder Analyse.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist es n\u00e4mlich von Anfang an eine dumme Idee gewesen,                 die Wertfetischisierung der Klimadebatte zu beklatschen. Denn                 im Umkehrschluss hei\u00dft das eben auch, dass das, was nicht in einen                 \u00f6konomischen Wert umgerechnet werden kann (oder einen geringen                 Wert hat), zuk\u00fcnftig egal sein muss. Als krassestes Beispiel kann                 genannt werden, dass in die Berechnungen von Stern zu den volkswirtschaftlichen                 Sch\u00e4den des Klimawandels ein Europ\u00e4er oder eine Nordamerikanerin,                 die an den Folgen des Klimawandels stirbt, mit einer Millionen                 Dollar Schaden eingerechnet wird &#8211; eine Tote Afrikanerin nur mit                 einem Dollar. Volkswirtschaftlich kann diese Rechnung ohne Frage                 richtig sein. Genau das ist aber ein Grund warum Wertlogiken aus                 allen Lebensbereichen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden sollten, anstatt deren                 Ausdehnung als Akt des Klimaschutzes zu bejubeln.<\/p>\n<p>Im Bericht des Weltklimarates wird der Wertfetisch an vielen                 Stellen \u00fcbernommen, zum Beispiel wenn die Kosten, die die Auswirkungen                 des Klimawandels verursachen, den Kosten der Pr\u00e4vention f\u00fcr die                 jeweiligen Szenarien gegen\u00fcbergestellt werden (wie in einem Workshop-Protokoll,                 in dem eine neue Strukturierung zu den Szenarienmodellen erarbeitet                 wird &#8211; der Teil des 5. Berichts in dem es um den Umgang mit dem                 Klimawandel geht, kommt erst im kommendem Fr\u00fchjahr heraus).<\/p>\n<p>Was den meisten Leser_innen des Berichtes ganz normal erscheinen                 wird (vor allem da der Bericht zum Ergebnis kommt, Vorsorge sei                 billiger), so absurd ist es eigentlich. Denn es blendet all die                 Individuen aus, die ihre Lebensgrundlagen verlieren, sterben oder                 fliehen m\u00fcssen, genauso wie die Arten, die aufgrund der lokalen                 Klima\u00e4nderungen aussterben; \u00d6kosysteme, die kollabieren und vieles                 mehr.<\/p>\n<p>Das, was sich viele Nichtregierungsorganisationen als &#8222;\u00d6konomie                 des Umweltschutzes&#8220; erhofft haben, kann bei genauer Analyse nur                 eine &#8222;\u00d6konomie der Zerst\u00f6rung&#8220; sein.<\/p>\n<p>Ganze Wissenschaftsfelder entstehen, die den \u00f6konomisch lohnendsten                 Grad der Verschmutzung von \u00d6kosystemen berechnen, und Begriffe                 wie &#8222;Unterverschmutztheit&#8220; f\u00fcr Landstriche erfinden.<\/p>\n<p>Der \u00f6konomisch lohnendste Grad der Verschmutzung des Hambacher                 Forstes ist zum Beispiel seine totale Vernichtung und Tieferlegung                 um 500 Meter. Die neue Waldbesetzung, die nun seit 6 Wochen besteht                 (vgl. GWR 382), besteht w\u00e4hrend des Redaktionsschlusses noch immer,                 ist aber stark r\u00e4umungsbedroht. Fast w\u00f6chentlich kommt derzeit                 RWE und Polizei mit schwerer Maschinerie vorbei, um alles Erreichbare                 zu zerst\u00f6ren. <\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck ist die Infrastruktur in den B\u00e4umen inzwischen gut                 ausgebaut. Hier bereiten sich die Aktivist_innen derzeit auf die                 R\u00e4umung oder auf den Winter vor. W\u00e4hrenddessen beginnen die Rodungsarbeiten                 im Hambacher Forst. Wie jeden Winter will RWE einen Streifen roden,                 den sie n\u00e4chstes Jahr abbaggern wollen. <\/p>\n<p>Wem es nicht reicht Vattenfall in Berlin und Hamburg abzuw\u00e4hlen,                 kann also \u00fcber einen kleinen Herbstausflug in den Hambacher Forst                 nachdenken. Zu tun gibt es genug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. Oktober 2013 berichtete die S\u00fcddeutsche Zeitung (SZ) \u00fcber ein internes Papier von RWE, das ihr vorliegen w\u00fcrde. In diesem wird ein Szenario benannt, nach dem das Aus f\u00fcr den Tagebau Garzweiler 2 schon 2017\/18 wegen Unrentabilit\u00e4t anstehen w\u00fcrde. Postwendend dementierte RWE diese Meldung. Auffallend war aber der Zusatz, dass der Tagebau weitergef\u00fchrt w\u00fcrde, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/11\/jedes-dorf-hat-seinen-preis-kein-dorf-hat-einen-preis\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Jedes Dorf hat seinen Preis! Kein Dorf hat einen Preis! - graswurzelrevolution","description":"Am 7. 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