{"id":13111,"date":"2013-11-01T00:00:29","date_gmt":"2013-10-31T22:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13111"},"modified":"2022-07-26T14:22:22","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:22","slug":"anarchie-ist-eine-notwendigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/11\/anarchie-ist-eine-notwendigkeit\/","title":{"rendered":"&#8222;Anarchie ist eine Notwendigkeit&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><i>Lucio Urtubia: <\/i>Ich bin hier, weil ich Anarchist bin und weil ich glaube, mit meinen 82 Jahren, dass die Anarchie in der Welt absolut notwendig ist. Wir w\u00fcrden ja gerne auf der Seite einer Regierung stehen, aber das ist nicht m\u00f6glich, da sie kriminell sind. Das sage nicht nur ich, sondern Machiavelli. Es hat noch nie eine Regierung der Leute gegeben.<\/p>\n<p>In dem Moment, in dem Individuen an die Macht kommen, verfallen sie der Korruption und werden kriminell. Wir h\u00e4tten gerne eine L\u00f6sung daf\u00fcr, aber bisher hat noch keiner daf\u00fcr eine L\u00f6sung gefunden. Wir wissen nur, wir m\u00fcssen es selber machen, denn die Leute an der Macht sind unf\u00e4hig und korrupt.<\/p>\n<p>Die Anarchie ist eine Notwendigkeit auf der ganzen Welt. Ich habe fr\u00fcher \u00fcberhaupt nichts gehabt, ich war ein armer Schlucker, aber jetzt werde ich \u00fcberall eingeladen, bin sogar in Universit\u00e4ten zu Gast. Meine Armut war mein Reichtum, denn ich musste \u00fcberhaupt keine Anstrengungen unternehmen, um so zu werden wie ich bin. Alles, was ich habe, was ich bin, habe ich so von der Gesellschaft bekommen. Denn ich sage, meine Armut war mein Reichtum, weil es mir dadurch sehr leicht gefallen ist, den Respekt vor dieser Gesellschaft zu verlieren.<\/p>\n<p>Ich sage nicht, dass ich die L\u00f6sung habe. Die L\u00f6sung k\u00f6nnen wir nur gemeinsam finden, indem wir zusammen k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Oder wie Antonio Machado ((1)) gesagt hat: &#8222;Der Weg entsteht beim Gehen.&#8220; Wir k\u00f6nnen das nur alle zusammen finden.<\/p>\n<p>Anarchie hei\u00dft f\u00fcr mich, wir \u00fcbernehmen Verantwortung, wir sind Arbeiter.<\/p>\n<p>Ich bin nicht gegen Reichtum, aber ich bin gegen schlechte Verteilung.<\/p>\n<p>Deutschland ist eines der reichsten L\u00e4nder der Welt, und was passiert? Sie haben hier Angst vor einer 80j\u00e4hrigen Frau, vor Sonja, einer Freundin von mir ((2)), die lange in der N\u00e4he von mir in Paris gelebt hat. Sie hat niemanden etwas getan und doch haben sie in Deutschland so Angst vor ihr, dass sie sie in den Knast sperren. Wir m\u00fcssen diese ungerechte Gesellschaft unbedingt ver\u00e4ndern und ich sage immer, wir m\u00fcssen nur wollen.<\/p>\n<p>Es gibt nichts, was unm\u00f6glich ist, ich habe es auch geschafft, die schwierigsten Sachen in meinem Leben hinzubekommen. Wir m\u00fcssen es anpacken und wollen. Ich will den Knast noch nicht einmal f\u00fcr meine Feinde haben. Der Knast ist \u00fcberhaupt keine L\u00f6sung.<\/p>\n<p>In Spanien haben wir 600 baskische Gefangene, in Frankreich weitere 150. Was haben sie gemacht? Das Schlimmste, was sie vielleicht gemacht haben, ist dass sie sich geirrt haben. Die Regierungen in Frankreich und Spanien f\u00fchren sich auf, als w\u00e4ren sie Heilige, als w\u00fcrden sie beispielhaft handeln, dabei waren und sind sie alle Kriminelle. Gerade die franz\u00f6sische Regierung hat sich damals im spanischen B\u00fcrgerkrieg absolut mies gegen\u00fcber den republikanischen Fl\u00fcchtlingen verhalten.<\/p>\n<p><b>Wir m\u00f6chten noch einmal zur\u00fcckgehen in deiner pers\u00f6nlichen Geschichte. Wie war deine Jugendzeit und warum bist du vom Milit\u00e4r desertiert und nach Frankreich geflohen? <\/b><\/p>\n<p><i>Lucio Urtubia:<\/i> Ich bin unter absolut armen Bedingungen aufgewachsen. Ich hatte keine Schuhe und kein Brot zu essen. Ich habe schon ganz jung den Knast erfahren m\u00fcssen. Ich habe den Faschismus von Franco miterlebt, der nicht nur von Hitler unterst\u00fctzt wurde, sondern von der ganzen Welt. Das, was sie damals in Spanien &#8222;Vaterland&#8220; nannten, habe ich nur als eine einzige Ungerechtigkeit, als einen einzigen Dreck kennen gelernt. Allein in der kleinen Region, aus der ich komme, sind 4000 Menschen erschossen worden. Bauern, Tagel\u00f6hner, Arbeiter, nur weil sie Republikaner, Sozialisten oder Anarchisten waren. Niemand von ihnen hat irgendjemandem etwas B\u00f6ses getan.<\/p>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte aus mir auch ein gro\u00dfer Krimineller werden m\u00fcssen, denn das einzige, was ich als Kind erlebt habe, war Kriminalit\u00e4t und Ungerechtigkeit. Zum Gl\u00fcck ist das aus mir nicht geworden. Ich habe das Gl\u00fcck, dass ich nie jemanden umgebracht habe. Ich verurteile niemanden, ich bin nicht der Richter, der andere verurteilt, aber ich sage, ich hatte Gl\u00fcck, nie jemanden ermordet zu haben. Ich sage nicht, ich bin besser als irgendjemand anders.<\/p>\n<p>Manchmal wissen wir gar nicht, warum wir uns so oder so verhalten. Vielleicht werden wir in so ein Schicksal auch hineingeboren. Nun, jedenfalls bin ich in den Milit\u00e4rdienst hineingekommen. Ich wurde f\u00fcr das Materiallager eingeteilt und dort sah ich, der nie irgendetwas besessen hatte, Tausende von Hemden, Schuhen, Uhren. Klar, dass ich da angefangen habe zu klauen. Ich habe schon von Klein auf geklaut. Ich hatte \u00fcberhaupt keine andere M\u00f6glichkeit. Wie sollte ich Eigentum respektieren, wo ich nichts hatte? F\u00fcr mich ist Raub eine ehrenwerte Sache, ja ein revolution\u00e4rer Akt, wenn du es nicht machst, um dich selber zu bereichern.<\/p>\n<p>Aber als ich im Urlaub war, ist der aufgeflogen, der mit mir die Unterschlagungen gemacht hat. Das hei\u00dft, ich musste dort weg, denn in diesem kriminellen System war klar, dass sie mich sehr hart bestrafen w\u00fcrden, selbst die Todesstrafe war m\u00f6glich. Ich musste desertieren und ging nach Frankreich. Dort habe ich im Laufe der Zeit wunderbare Menschen kennen gelernt, wie Albert Camus ((3)) oder Andr\u00e9 Breton ((4)), Intellektuelle, die Linke waren, aber keine Stalinisten. Ich, der ich nie ein Buch angefasst hatte, fand mich auf einmal wieder wie ich all die anarchistischen und revolution\u00e4ren B\u00fccher las. Ich hatte vorher keine Bildung, au\u00dfer der Schule der Karmeliternonnen. Es fiel mir aber nicht schwer, mich weiterzuentwickeln. Diese neue Bildung verdanke ich nur den Leuten, die ich kennenlernte. Deswegen sage ich, sie geh\u00f6rt mir nicht selber, sondern der Bewegung. Da waren Leute dabei, die bei der Befreiung von Paris gek\u00e4mpft hatten.<\/p>\n<p>Denn w\u00e4hrend der gr\u00f6\u00dfte Teil der Franzosen mit Hitler kollaboriert hat, waren es die Juden und die spanischen Republikaner, die Waffen in die H\u00e4nde nahmen und Widerstand geleistet haben. Sie hatten auch gar keine andere Wahl. Diejenigen, die am 24. August 1944 als erste Paris befreiten, waren in der 9. Kompanie der 2. gepanzerten Division unter General Leclerc und dem Oberbefehl von de Gaulle. Was viele \u00fcbersehen, General de Gaulle war von dem Vichy Regime in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden, als er das Komitee &#8222;freies Frankreich&#8220; gr\u00fcndete. Teile der Division von Leclerc waren spanische Republikaner, Umgangssprache war Spanisch.<\/p>\n<p>Sie benannten ihre Lastwagen und Panzer nach Schlachten des spanischen B\u00fcrgerkrieges, sie trugen aber auch Namen wie &#8222;Don Quichote&#8220; und &#8222;Durruti&#8220;. In der 9. Kompanie war die gro\u00dfe Mehrheit Anarchisten. Sie waren die ersten, die in Paris hineingingen, um den Aufstand dort zu unterst\u00fctzen. Es waren diese Anarchisten, von denen ich meine Bildung habe. Vorher wusste ich \u00fcberhaupt nichts.<\/p>\n<p><b>Wie hast du dich dann dem Widertand gegen Franco angeschlossen, wie hast du Quico Sabat\u00e9 ((5)) kennen gelernt und welche Aktionen habt ihr dann in den 50iger und 60iger Jahren gemacht? <\/b><\/p>\n<p><i>Lucio Urtubia: <\/i>Ich habe angefangen, in der libert\u00e4ren Jugend mitzumachen. Eines Tages fragten sie mich, ob ich jemand unterbringen k\u00f6nnte, der eine Wohnung brauchte. Sie haben aber nicht gesagt, um wen es sich handelt. Am n\u00e4chsten Tag sollte ich ihn kennen lernen und der Treffpunkt war in St. Germain. Wir sind dann zusammen essen gewesen und dann zu meiner Wohnung gegangen.<\/p>\n<p>Drei von uns sind die Haupttreppe hoch, aber der Mann, den ich nicht kannte, und ich gingen die Hintertreppe hinauf. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rte ich ein merkw\u00fcrdiges Ger\u00e4usch und als ich mich umdrehte hielt er ein enorm langes Klappmesser in der Hand, was mich sehr erschreckte. Er sagte: &#8222;Lucio vertraue nie irgend jemanden!&#8220;<\/p>\n<p>Ich zeigte ihm, wo der Schl\u00fcssel \u00fcber der T\u00fcr lag und sagte, er k\u00f6nne kommen, wann er wolle. Erst einige Tage sp\u00e4ter begegnete ich ihm in meiner Wohnung erneut und da sagte er, er sei Quico Sabat\u00e9. Das war f\u00fcr mich als w\u00e4re der heilige Franziskus wieder auferstanden.<\/p>\n<p>Meine Arbeit war damals in Nanterre, wo ich Slumwohnungen abriss, es war die Zeit des Algerienkrieges. Die Algerier in diesem Slum lebten unter f\u00fcrchterlichen Bedingungen, das waren gar keine H\u00e4user sondern H\u00fctten aus Karton. Ich riss sie ab und baute neue Wohnungen.<\/p>\n<p>Als ich eines Tages von der Arbeit kam, sagte Quico zu mir: &#8222;Zieh dich gut an, wir gehen zu meinem Anwalt.&#8220; Das war Henri Torr\u00e9s, der auch Anwalt von Durruti und Ascaso gewesen war und ein hoher Politiker unter de Gaulle.<\/p>\n<p>Der Anwalt riet ihm, sich zu stellen, weil er so seine Auslieferung nach Spanien h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen, die seinen sicheren Tod bedeutet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>In Frankreich erwartete ihn nur eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringe Strafe. Also brachte Quico mir eine Kiste mit seinen Waffen, darunter seine ber\u00fchmte Maschinenpistole, zum Aufbewahren und stellte sich.<\/p>\n<p>Eines Tages machte ich mir nach der Arbeit die Schuhe sauber und ging zum Gare du Nord, um mich mit einem Freund zu treffen. Wir haben uns dort auf der Toilette umgezogen und etwas geschminkt, jeder einen viertel Liter Wein getrunken und sind dann aufgebrochen. Unser Ziel war eine Bank. Wir haben uns selber zu den Eigent\u00fcmern erkl\u00e4rt und waren in wenigen Minuten Million\u00e4re.<\/p>\n<p>Deswegen sage ich immer, es gibt nichts was unm\u00f6glich ist. Diese erste Geschichte ist gut ausgegangen. Das gibt dir Mut und du machst weiter. Wir haben dann einige erfolgreiche \u00dcberf\u00e4lle gemacht. Ich sage nicht, dass ich besonders gut oder schlau bin, es war Gl\u00fcck, dass sie gut gegangen sind. Mir haben sie nicht wirklich gefallen und ich denke heute, man muss eine Menge Unwissenheit und Naivit\u00e4t haben, um sich darauf einzulassen. Es h\u00e4tte geschehen k\u00f6nnen, dass ich jemanden t\u00f6te oder selber umkomme. Jedes mal habe ich mir fast in die Hose gemacht. Ich hatte Angst, sah aber keine andere M\u00f6glichkeit. Wir Anarchisten hatten keinen Betrieb und keine Minister. Viele Anarchisten sind bei solchen \u00dcberf\u00e4llen gestorben und ich wusste, es h\u00e4tte auch mir passieren k\u00f6nnen oder ich h\u00e4tte jemanden t\u00f6ten und so zum Kriminellen werden k\u00f6nnen. Wenn mich heute die Jugendlichen danach fragen, antworte ich: Ich bin gegen Gewalt, ich will nicht, dass solche Sachen geschehen und wir mit vielen Jahren Gef\u00e4ngnis bezahlen. Ich habe dann irgendwann mit diesen \u00dcberf\u00e4llen aufgeh\u00f6rt und weiter auf dem Bau gearbeitet, bis wir auf die F\u00e4lschungen gekommen sind.<\/p>\n<p><b>Wie sah der antifranquistische Widerstand der Libert\u00e4ren nach Quicos Tod aus? <\/b><\/p>\n<p><i>Lucio Urtubia: <\/i>Ich habe damals [nach der Haftentlassung] nicht gewollt, dass Quico \u00fcber die Grenze ging. Er war \u00fcberall bekannt, wurde \u00fcberall gesucht, war vollst\u00e4ndig &#8222;verbrannt&#8220;. Ich fand, wir J\u00fcngeren sollten gehen, da wir nicht bekannt waren. Aber er hatte die Erfahrung und wollte es unbedingt. Auch waren zwei seiner Br\u00fcder ermordet worden: Jos\u00e9 wurde von der Guardia Civil erschossen, Manuel nach seiner Festnahme mit 23 Jahren ermordet. Es waren damals wegen der Gefahr nur wenige bereit, \u00fcber die Grenze zu gehen. Und es gab die Zusammenarbeit von franz\u00f6sischer und spanischer Polizei. Beim Grenz\u00fcbertritt gab es ein kurzes Feuergefecht, die franz\u00f6sische Polizei stellte fest, dass Quico Sabat\u00e9 nicht zu Hause war und gab den Verdacht weiter, er sei auf dem Weg nach Spanien. Daraufhin mobilisierten die Faschisten ihr ganzes Heer in Katalonien, um Quico zu fangen. Nachdem er und die anderen Genossen get\u00f6tet worden waren, f\u00fchlte ich mich sehr allein. Ich habe dann erst mal nur weiter gearbeitet. Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet und das war mir auch wichtig. Die Anarchisten, die mir alles beigebracht haben, sagten immer, die anarchistische Bewegung ist eine Arbeiterbewegung. Das wissen so wenige. Erst vor kurzem habe ich in Paris einen Richter getroffen und ihm gesagt, die ganze Geschichte ist von Anarchisten gemacht worden. Aber er wusste noch nicht einmal, dass der 1. Mai daher kommt, dass die Anarchisten in Chicago als M\u00e4rtyrer gestorben sind.<\/p>\n<p>Ich hatte aber immer noch Kontakt zu der libert\u00e4ren Jugend. Eines Tages kamen einige von ihnen und baten mich zu helfen, da sie faschistische Anschl\u00e4ge auf ihre Druckerei gehabt hatten und daher eine Stahlt\u00fcr brauchten.<\/p>\n<p>Als Fliesenleger habe ich zu der Zeit auf dem Bau gearbeitet und wusste, dass dort so eine T\u00fcr rumlag. Also bin ich um 5 Uhr morgens los, um sie zu holen. Ich schaffte es aber nicht alleine, sie auf den Lieferwagen zu heben. Da kam eine Polizeistreife, hielt an und fragte was ich da mache. &#8222;Das sehen Sie doch. Ich versuche die T\u00fcr aufzuladen&#8220;, antwortete ich. Einer sagte: &#8222;Dein Chef ist aber miese drauf, dass er dir da nicht jemanden mitgegeben hat.&#8220; Ich meinte: &#8222;Ja, so sind sie eben, die Chefs.&#8220;<\/p>\n<p>Da half mir der eine Polizist, die Stahlt\u00fcr aufzuladen. Sie kamen einfach nicht auf die Idee, dass dieser arme Schlucker mit seinen dreckigen Klamotten und spanischem Akzent gerade dabei war, eine T\u00fcr f\u00fcr eine anarchistische Druckerei zu klauen. Ich habe dann bei dem Aufbau von mehren Druckereien im Viertel mitgeholfen. Dort lernte ich viele Leute kennen, die mir sehr geholfen haben. Sie haben alles f\u00fcr mich gemacht: Flugbl\u00e4tter, Brosch\u00fcren, Geld und P\u00e4sse aus allen L\u00e4ndern. Ohne ihre Hilfe h\u00e4tte ich keine F\u00e4lschungen durchf\u00fchren k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p><b>Nachtrag:<\/b><\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend erkl\u00e4rte Lucio Urtubia die Geschichte der Scheckf\u00e4lschungen, mit denen er eine der gr\u00f6\u00dften Banken der Welt, die Cittibank um viele Millionen erleichterte. Ihm und seinen Anw\u00e4lten gelang es nach seiner Festnahme 1980 durch einen Deal mit der Bank Druckplatten gegen Freiheit und Geld auszutauschen.<\/p>\n<p>Dank an Lucio und VeranstalterInnen, dass sie Lucios Reise m\u00f6glich gemacht haben. Ich denke, er ist erst nach einem Leben mit der harten Arbeit des Maurers, angeregt durch Freunde und beseelt von dem Wunsch, etwas f\u00fcr seine gefangenen Freundinnen und Freunde, wie etwa Sonja Suder, zu tun, dazu gekommen, \u00fcber sein Leben zu berichten. Weil er erkannt hat, dass er damit etwas bewirkt, etwas ver\u00e4ndert, die Menschen erreicht.<\/p>\n<p>Auch im hohen Alter ist die Kraft dieses Mannes ungew\u00f6hnlich: Nach einem kulturellen und politischen Fest in Paris am Sonntag reist er am Montag den gr\u00f6\u00dften Teil des Tages viele hundert Kilometer weit und h\u00e4lt ohne erkennbare Ersch\u00f6pfung einen Vortrag, der ber\u00fchrt und begeistert.<\/p>\n<p>Lucio betont, er sei nicht besser als irgendwer. Einerseits mag dies stimmen, anderseits wird er, glaube ich, von der Liebe zu seinen Mitmenschen und Freunden angetrieben und das trifft nun wirklich nicht auf jeden zu.<\/p>\n<p>Wenn ich dar\u00fcber nachdenke, so finde ich weitere eher seltene Eigenschaften bei Lucio: Da w\u00e4re vor allem seine Ernsthaftigkeit, die dann zur Zielstrebigkeit f\u00fchrt, verbunden mit gro\u00dfer Ausdauer, Genauigkeit und Kraft. Letztere sind wohl auch nicht zuf\u00e4llig alles Eigenschaften eines guten Maurers. Er hat seine F\u00e4higkeiten in den Dienst f\u00fcr eine andere freie, gleichberechtigte und verantwortlichere Gesellschaft gestellt. Das gesammelte Geld geht an die Gefangenen. Danke Lucio!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lucio Urtubia: Ich bin hier, weil ich Anarchist bin und weil ich glaube, mit meinen 82 Jahren, dass die Anarchie in der Welt absolut notwendig ist. Wir w\u00fcrden ja gerne auf der Seite einer Regierung stehen, aber das ist nicht m\u00f6glich, da sie kriminell sind. Das sage nicht nur ich, sondern Machiavelli. 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