{"id":13139,"date":"2013-12-01T00:00:04","date_gmt":"2013-11-30T22:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13139"},"modified":"2022-07-26T13:56:37","modified_gmt":"2022-07-26T11:56:37","slug":"oury-jalloh-das-war-mord","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/12\/oury-jalloh-das-war-mord\/","title":{"rendered":"Oury Jalloh &#8211; DAS WAR MORD!"},"content":{"rendered":"<p>Dass sie selbst dabei von der Staatsanwaltschaft und Polizei                 verfolgt und kriminalisiert wurden, Razzien und Schikanen erleben                 mussten und einige von ihnen auf Demonstrationen durch Polizeigewalt                 schwer verletzt wurden, konnte sie nicht zum Schweigen bringen.               <\/p>\n<p>Allein durch die Kraft dieser Initiative konnten die ungeheuerlichen                 Vorg\u00e4nge auf dem Polizeirevier Dessau-Ro\u00dflau benannt und auch                 international bekannt gemacht werden. <\/p>\n<p>Da die Gerichte die bisherigen Brandgutachten immer sehr eng                 formuliert vorgegeben hatten (Fragestellung in etwa: &#8222;Wie war                 es m\u00f6glich, dass Oury Jalloh sich selbst anz\u00fcnden konnte?&#8220;), beschloss                 die Initiative ein umfassenderes und unabh\u00e4ngiges Brandgutachten                 erstellen zu lassen. <\/p>\n<p>Sie beauftragte schlie\u00dflich den Brandsachverst\u00e4ndigen und Thermophysiker                 Maksim Smirnou aus Waterford (Irland), Brandversuche nicht nur                 zur Brandentstehung sondern vor allem auch zum Brandverlauf durchzuf\u00fchren                 und die Ergebnisse mit dem Brandbild in der Dessauer Zelle zu                 vergleichen. <\/p>\n<p>Ein Polizeivideo, das kurz nach dem Feuer aufgenommen wurde,                 zeigt den Leichnam von Oury Jalloh, auf dem R\u00fccken liegend bis                 zur Unkenntlichkeit verbrannt. Die wei\u00dfen Kacheln der Zelle sind                 durch schwarzen Ru\u00df dunkel gef\u00e4rbt &#8211; eine Kachel ist geborsten.               <\/p>\n<p>Die Fragestellung war also: Was muss geschehen sein, damit ein                 menschlicher K\u00f6rper und eine feuerfeste Matratze nach einem Feuer                 so aussehen, wie auf dem dokumentierten Brandbild der Zelle 5                 vom 7. Januar 2005? <\/p>\n<p>In einem Nachbau der Dessauer Zelle wurden Schweinekadaver, die                 mit T-Shirts und Jeans bekleidet waren, auf einer Matratze mit                 feuerfester PVC-H\u00fclle positioniert. Dann f\u00fchrte der Sachverst\u00e4ndige                 Smirnou die unterschiedlichen Brandversuche durch. <\/p>\n<p>Um die Selbstanz\u00fcndungstheorie der Gerichte zu \u00fcberpr\u00fcfen, wurde                 beim ersten Test versucht, die Matratze mit einem Feuerzeug anzuz\u00fcnden.               <\/p>\n<p>Dies gelang erst nach Aufrei\u00dfen der Matratzenh\u00fclle und es entstand                 ein Schwelbrand im darunter liegenden Schaumstoff. Dieser entwickelte                 wei\u00dfen Rauch und farblose bzw. matte Ru\u00dfablagerungen an den Kacheln.                 Nach \u00fcber einer Stunde war weniger als die H\u00e4lfte der Matratze                 verbrannt, eine Verbrennung von Kleidungsst\u00fccken entstand nur                 bei Kontakt mit dem Schwelbrand an den Auflagefl\u00e4chen. Die Oberseite                 des Schweinekadavers wies keine Verbrennungen auf. Ein Feuerzeug,                 das unter den K\u00f6rper gelegt worden war, blieb unbesch\u00e4digt und                 funktionsf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Auch durch die nachfolgenden Versuche (Entfernung der gesamten                 feuerfesten Oberseite der Matratze, Verwendung von Alkohol, Grill-Anz\u00fcnder                 oder Verwendung von 2 Litern Benzin) konnte das Dessauer Brandbild                 nicht erzeugt werden.<\/p>\n<p>Erst nach Entfernung der ganzen feuerfesten Matratzen-Oberseite                 und durch die Verwendung von 5 Litern Benzin (Kanister) kam es                 zu einer explosiven Feuerentwicklung mit &#8222;unmittelbarem Durchz\u00fcnden&#8220;                 des gesamten Materials (&#8222;flashover&#8220;), die dann &#8211; zum Schutz der                 technischen Ger\u00e4tschaft nach einer Minute gel\u00f6scht werden musste.<\/p>\n<p>Es entstand der benzintypische schwarze Rauch und Kacheln waren                 unter der Hitzeentwicklung geborsten. Der Schweinek\u00f6rper wies                 &#8222;umf\u00e4ngliche Hautdurchkohlung&#8220; auf, wie sie auch bei Oury Jalloh                 vorgefunden worden war.<\/p>\n<p>Das unter den Schweinek\u00f6rper gelegte Feuerzeug blieb in Form                 und Farbe erhalten &#8211; ganz im Gegensatz zu dem Feuerzeug, das nach                 dem Brand in der Dessauer Zelle &#8222;gefunden&#8220; wurde, bei dem der                 gesamte Plastikanteil zu schwarzer Masse verschmolzen war. Dieses                 verbrannte Feuerzeug soll laut Aussagen von Beamten unter dem                 Leichnam Oury Jallohs gelegen haben.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass bei den Versuchen hohe Konzentrationen von                 Cyaniden (Blaus\u00e4ure-Verbindungen) ausschlie\u00dflich bei der Verwendung                 von Benzin und Grill-Anz\u00fcnder auftraten &#8211; nicht jedoch bei den                 Tests ohne Brandbeschleuniger &#8211; k\u00f6nnte die Vermutung unterst\u00fctzen,                 dass Benzin benutzt wurde, denn bei Oury Jalloh wurden Cyanide                 im K\u00f6rper nachgewiesen.<\/p>\n<p>Der Sachverst\u00e4ndige Smirnou kommt zu dem Schluss, dass alle Testergebnisse                 toxikologisch und pathologisch \u00fcberpr\u00fcft werden m\u00fcssen, um die                 tats\u00e4chliche Ursache des Todes von Oury Jalloh zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<h3>Indizien und Beweise <\/h3>\n<p>Auf der Pressekonferenz am 12. November 2013 in Berlin, auf der                 die Oury-Jalloh-Initiative dieses Brandgutachten vorstellte, wurden                 weitere Widerspr\u00fcche und Ungereimtheiten benannt.<\/p>\n<p>Die Aussage eines vom Magdeburger Landgericht beauftragten Brandsachverst\u00e4ndigen,                 der annimmt, dass der Brand-Ausbruchsort im Bereich einer geplatzten                 Wandfliese in der N\u00e4he der rechten Handfessel lag, ist fragw\u00fcrdig.                 Wenn das Feuer dort entstanden w\u00e4re und der Gefangene an einem                 inhalatorischen Hitzeschock gestorben ist, also die hei\u00dfe Luft                 eingeatmet haben muss, dann h\u00e4tte er &#8211; aufgrund der durch die                 Hitze verursachten Schmerzen &#8211; gebeugt seitlich liegen m\u00fcssen.               <\/p>\n<p>Menschen, die einem Hitzeschock erliegen, sterben in der momentanen                 K\u00f6rperhaltung und diese ver\u00e4ndert sich danach auch nicht mehr.                 Da der Leichnam aber auf dem R\u00fccken liegend aufgefunden wurde,                 war Oury Jalloh entweder nicht bei Bewusstsein, dann kann er sich                 nicht selbst entz\u00fcndet haben &#8211; oder das Feuer ist von allen Seiten                 explosionsartig entstanden. <\/p>\n<p>Im Leichnam wurde das Hormon Noradrenalin nicht nachgewiesen,                 das innerhalb weniger Sekunden in Stre\u00dfsituationen im Urin gemessen                 werden kann. Es stellt sich erneut die Frage, ob Oury Jalloh \u00fcberhaupt                 bei Bewusstsein war.<\/p>\n<p>Das von der Polizei pr\u00e4sentierte verkohlte Feuerzeug, mit dem                 sich der Gefangene angez\u00fcndet haben soll, weist weder DNA-Spuren                 von ihm noch Faserspuren von seiner Kleidung auf. Stattdessen                 hafteten dem Feuerzeug gro\u00dfe Mengen von Faserresten an, deren                 Herkunft nicht gekl\u00e4rt wurde, weil das Magdeburger Gericht weitere                 Analysen ablehnte. <\/p>\n<p>Da also ausgeschlossen werden kann, dass das Feuerzeug jemals                 in Kontakt mit Oury Jalloh oder der Matratze war, kann die Hypothese                 der Selbstentz\u00fcndung nicht mehr aufrechterhalten werden, da hierf\u00fcr                 ein nachvollziehbares Tatwerkzeug fehlt.<\/p>\n<p>Das vollst\u00e4ndige Video, das das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt                 am Brandort aufnehmen lie\u00df, ist verschwunden oder gel\u00f6scht. Die                 Aufnahmen brechen nach ca. 4 Minuten aus sich widersprechenden                 Begr\u00fcndungen ab. Das Video h\u00e4tte zeigen k\u00f6nnen, ob sich tats\u00e4chlich                 ein Feuerzeug unter dem K\u00f6rper des Toten befand.<\/p>\n<p>Das Fahrtenbuch zweier Polizei-Beamter ist verschwunden, wodurch                 nicht mehr gekl\u00e4rt werden kann, was die beiden in der Zeit zwischen                 der Festnahme und dem Brandausbruch gemacht haben.<\/p>\n<p>Das elektronische Festnahmeprotokoll zu Oury Jalloh ist &#8211; offensichtlich                 per Hand &#8211; gel\u00f6scht worden.<\/p>\n<p>Die rechte Handfessel wurde zwei Wochen nach dem Brand auf Anordnung                 des Verwaltungsleiters vom Hausmeister des Reviers widerrechtlich                 mit einem Bolzenschneider von der Wand gel\u00f6st und entsorgt. <\/p>\n<p>Ein am Hinterkopf des Toten gesichertes 8 cm gro\u00dfes Stoffst\u00fcck                 wurde zwar der Gerichtsmedizin \u00fcbergeben, taucht aber in der Asservaten-Liste                 nicht auf.<\/p>\n<p>Ein Gespr\u00e4chsvermerk, den ein Dessauer Kriminalbeamter \u00fcber ein                 erstes Gespr\u00e4ch mit Kollegen aus Stendal am Todestag anfertigte                 und seinem Vorgesetzten \u00fcbergab, ist verschwunden. Der Inhalt                 des Gespr\u00e4ches war, dass dem Innenministerium bekannt war, dass                 die Polizeibeamten in Dessau &#8222;mit Ausl\u00e4ndern hart umgehen&#8220;.<\/p>\n<p>Die Liste aller Beamten, die sich am Brandort aufgehalten hatten,                 ist verschwunden. Fotos, die durch Beamte des Reviers am Todestag                 gemacht wurden, sind verschwunden.<\/p>\n<p>Das Landeskriminalamt (LKA) hatte bei der Tatort- und Spurensicherung                 keinen Brandsachverst\u00e4ndigen hinzugezogen und lie\u00df den Ort auch                 nicht auf Brandbeschleuniger untersuchen. <\/p>\n<p>Obwohl es im LKA-Bericht vom 10. Januar 2005 hei\u00dft, dass der                 gesamte Brandschutt gesichert worden sei, wurden lediglich vier                 T\u00fcten mit Brandschutt asserviert und nur zwei davon auf Brandbeschleuniger                 untersucht. Zudem wurde durch Zeugenaussagen vor Gericht deutlich,                 dass diese Aluminiumt\u00fcten wieder ge\u00f6ffnet wurden, so dass der                 Nachweis eines m\u00f6glichen Brandbeschleunigers gar nicht m\u00f6glich                 war. Ru\u00dfablagerungen von den W\u00e4nden der Zelle wurden gar nicht                 erst mitgenommen.<\/p>\n<p>Diese massenhaften Manipulationen an den Beweismitteln, die gravierenden                 Ermittlungsfehler und Unterlassungen und die vielen Widerspr\u00fcche                 bei den Aussagen der Beamt_innen veranlassten die &#8222;Initiative                 in Gedenken an Oury Jalloh&#8220; und einige Einzelpersonen dazu, am                 12. November 2013 eine Strafanzeige wegen Totschlag oder Mord                 gegen unbekannte Polizeibeamte im Todesfall Oury Jalloh beim Generalbundesanwalt                 Harald Range zu stellen.<\/p>\n<p>In der Begr\u00fcndung hei\u00dft es unter anderem: &#8222;Wir wenden uns &#8230;                 an Sie, weil es sich im vorliegenden Fall um eine besonders schwere                 Straftat mit Bezug zur inneren Sicherheit und Verfasstheit der                 Bundesrepublik Deutschland handelt, da die zu ermittelnden T\u00e4ter                 notwendigerweise exekutive Amtstr\u00e4ger des Bundeslandes Sachsen-Anhalt                 sein m\u00fcssen.&#8220; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass sie selbst dabei von der Staatsanwaltschaft und Polizei verfolgt und kriminalisiert wurden, Razzien und Schikanen erleben mussten und einige von ihnen auf Demonstrationen durch Polizeigewalt schwer verletzt wurden, konnte sie nicht zum Schweigen bringen. 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