{"id":13222,"date":"2014-01-01T00:00:35","date_gmt":"2013-12-31T22:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13222"},"modified":"2022-07-26T13:31:02","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:02","slug":"grosser-zapfenstreich-fuer-ein-in-afghanistan-gescheitertes-korps","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2014\/01\/grosser-zapfenstreich-fuer-ein-in-afghanistan-gescheitertes-korps\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfer Zapfenstreich f\u00fcr ein in Afghanistan gescheitertes Korps"},"content":{"rendered":"<p>Die Rechtfertigung des Milit\u00e4reinsatzes durch Brunnen- und Stra\u00dfenbau                 erwies sich auf Dauer als nicht umsetzbar &#8211; abgesehen davon k\u00f6nnen                 das Afghanen, gibt man ihnen die Geldmittel, mindestens genauso                 gut. <\/p>\n<p>Die irrige Annahme deutscher Stellen (auch der Stiftung Wissenschaft                 und Politik), der Norden sei sicher, hat nach ihrer Widerlegung                 durch erfolgreiche Angriffe der afghanischen Guerilla die durch                 Angst gesteuerte Bereitschaft zum pr\u00e4ventiven Zuschlagen ansteigen                 lassen.<\/p>\n<p>So erkl\u00e4rt sich, dass in der Nacht vom 3.\/4. September 2009 das                 Massaker von Kunduz mit ca. 130 afghanischen Todesopfern, darunter                 viele Kinder, Frauen und Alte, auf Anordnung eines deutschen Obersts                 ver\u00fcbt wurde. Der hatte nicht den Schneid, pers\u00f6nlich die Situation,                 die sich an zwei von Taliban gekaperten, aber in einem Flussbett                 festsitzenden Tankwagen ergeben hatte, in Augenschein zu nehmen.                 Stattdessen forderte er zwei amerikanische Jagdbomber zur Bombardierung                 der Menschenmenge an und schlug das Angebot eines der US-Piloten                 aus, die Menge durch dichtes \u00dcberfliegen auseinander zu treiben.                 Er behauptete f\u00e4lschlich, seine ihm unterstellte deutsche Einheit                 sei unmittelbar bedroht. Damit wurde das schwerste einzelne Massaker                 w\u00e4hrend des ISAF-Einsatzes auf deutschen Befehl ver\u00fcbt. Das Nachspiel                 dieses Verbrechens ist eine Aneinanderreihung von unglaublichen                 Skandalen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend General Stanley Allen McChrystal gleich nach dem Massaker                 die verletzten Afghanen besuchte, entzog sich Oberst Klein dieser                 Pflicht. Er hatte durch sein Fehlverhalten die vier Tage zuvor                 verk\u00fcndete neue Strategie des US-Generals schwer besch\u00e4digt. Gleichwohl:                 Oberst Klein wurde in den staatsanwaltlichen Ermittlungen und                 auch disziplinarrechtlich freigesprochen und trotz zahlreicher                 Proteste zum General bef\u00f6rdert [vgl. GWR 371, S. 1f.]. <\/p>\n<p>Weder er, noch die deutsche Regierung haben sich bei den Angeh\u00f6rigen                 entschuldigt. Die zun\u00e4chst angebotenen Entsch\u00e4digungen wurden                 als Beleidigung zur\u00fcck gewiesen, es wird zurzeit um sie in einem                 Zivilprozess vor dem Bonner Landgericht immer noch (11.11.2013)                 gestritten. <\/p>\n<p>[Anm. d. GWR-Red., 14.12.13: Am 10.12.2013 erkl\u00e4rte das Landgericht                 Bonn, dass General Klein f\u00fcr das Massaker nicht haftbar zu machen                 sei, da &#8222;keine Amtspflichtverletzung&#8220; vorliege. Eine Entsch\u00e4digung                 wurde abgelehnt, das V\u00f6lkerrecht missachtet].<\/p>\n<h3>All dies soll nun der L\u00e4rm des Gro\u00dfen Zapfenstreichs \u00fcbert\u00f6nen<\/h3>\n<p>Das Massaker hatte einen Wutanfall des ISAF Oberbefehlshaber                 Stanley A. McChrystal zur Folge. In dieser Brand- und Blutnacht                 wurde sein Projekt eines einj\u00e4hrigen Insurgentenbek\u00e4mpfungsprogramms                 vernichtet. Chrystal hatte dieses Programm zynischerweise mit                 dem Akronym CIA \u00fcberschrieben. Darin steht: Die Situation ist                 ernst. Sie verlangte einen neuen approach, der innerhalb eines                 Jahres zum Erfolg f\u00fchren musste. Die Maxime war: N\u00e4her ran an                 die Bev\u00f6lkerung (focusing on the community), Strukturaufbau und                 Partnerschaft.<\/p>\n<p>Es ging darum, die Initiative zur\u00fcck zu gewinnen. Diese Strategie                 w\u00e4re aber auch ohne Oberst Kleins Versagen gescheitert. Festzuhalten                 bleibt aber, dass die Bundeswehr in einer Strategie eingesetzt                 wurde, die schon mehrfach, am st\u00e4rksten in Vietnam, gescheitert                 ist (Ausnahmen: Malaya und Oman). <\/p>\n<p>Die Insurgents wurden als Bombenziele markiert mit der Begr\u00fcndung,                 dass sie die rechtm\u00e4\u00dfige afghanische Regierung und ihre internationalen                 Schutztruppen bek\u00e4mpften.<\/p>\n<p>Diese Regierung war aber nicht durch geordnete und freie Wahlen                 zustande gekommen. Diese galten als &#8222;faked&#8220;. Dieses Legitimationsdefizit                 und die durch die von externen M\u00e4chten versch\u00e4rften ethnischen                 Differenzen haben zum Scheitern des Nation Building gef\u00fchrt, was                 inzwischen von den NATO-Strategen eingestanden wird.<\/p>\n<p>Die Schr\u00f6der-Fischer-Koalition hat die Gefahren des Afghanistaneinsatzes                 allerdings v\u00f6llig untersch\u00e4tzt. Sie glaubte auch, damit um die                 Unterst\u00fctzung der US-Aggression gegen den Irak herumkommen zu                 k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Umso erstaunlicher ist die L\u00fcge des damaligen SPD-Verteidigungsministers                 Peter Struck &#8222;Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird                 auch am Hindukusch verteidigt&#8220;; in Wirklichkeit wurde sie durch                 die Teilnahme am ISAF-Einsatz gerade in dieser Region gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>McChrystals Programm war \u00fcberholt, das Kunduzmassaker beschleunigte                 nur die Einsicht in einen notwendigen Strategiewechsel z. B. durch                 Drohneneins\u00e4tze. Formell war dieser Sp\u00e4tling der Counterinsurgency                 erledigt mit der Entlassung McChrystals im Jahr 2010 durch den                 Pr\u00e4sidenten Obama wegen Beleidigung von Ministern der Obama-Administration                 (Aufgrund einer Ver\u00f6ffentlichung von Michael Hastings, der 2013                 unter ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden ums Leben kam). Der Schlusspunkt wurde                 schlie\u00dflich mit dem R\u00fccktritt von Chrystals Nachfolger General                 David Petraeus wegen einer Sexaff\u00e4re gesetzt. Es folgte der \u00dcbergang                 zur v\u00f6lkerrechtswidrigen Drohnenstrategie.<\/p>\n<h3>Warum muss die Bundeswehr weiter in solche Kriseneins\u00e4tze geschickt                 werden?<\/h3>\n<p>Es ist wie mit dem Kohlebergbau in Deutschland. Dessen letzte                 Rechtfertigung berief sich darauf, dass nur bei fortdauerndem                 Betrieb die Bergbaumaschinen und -anlagen ins Ausland verkauft                 werden k\u00f6nnten. \u00c4hnlich dient der R\u00fcstungsexport als Rechtsfertigung                 f\u00fcr das Fortbestehen der Bundeswehr. Dabei k\u00f6nnte der R\u00fcstungsexport                 so reduziert werden, dass das Argument der notwendigen Bundeswehreins\u00e4tze                 sich er\u00fcbrigt.<\/p>\n<p>Die Entsendung der Bundeswehr nach Afghanistan entsprach der                 Satellitenpflicht einer Milit\u00e4rkolonie. Seit dem &#8222;11.09.&#8220; wei\u00df                 man genauer, was dieser zun\u00e4chst polemisch klingende Begriff bedeutet.<\/p>\n<p>Deutschland war und ist nicht nur ein US-Lazarettstandort, sondern                 auch ein Umschlagplatz f\u00fcr Gefangenentransporte. Und seit Neuestem                 wissen wir, dass vom JSOC (Joined Special Operations Command)                 in Ramstein und Stuttgart Mordbefehle des US-Pr\u00e4sidenten \u00fcber                 Drohnen in Afghanistan, Pakistan, Jemen und Ostafrika exekutiert                 werden.<\/p>\n<p>Es ging nicht um die Verteidigung deutscher Interessen an afghanischen                 Rohstoffen. Es handelt sich um die Gegenleistung f\u00fcr den US-Aggressionsschatten,                 den auch das bundesdeutsche Kapital f\u00fcr die Sicherung seines Anteils                 am Welthandel ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens 2006 wurde von kompetenter Seite erkl\u00e4rt, dass nach                 dem Wegfall der Ost-West- Konfrontation die NATO eine neue Aufgabe                 zu suchen hatte. Durch die Attentate vom 11. September 2001 wurde                 unvorhergesehen der von Bush proklamierte Krieg gegen den Terrorismus                 als Angriff auf Afghanistan umgesetzt. Der Erfolg in diesem Krieg                 auf den afghanischen Schlachtfeldern wurde sp\u00e4testens 2006 zur                 \u00dcberlebensfrage der NATO erkl\u00e4rt (General Wesley Clark in Newsweek,                 2. Oktober 2006, Seite 27).<\/p>\n<p>Nikolas Busse hat am 21.09.2013 in der FAZ einf\u00fchlsam konstatiert:                 &#8222;Die Nato sieht sich seit einiger Zeit mit einer Frage konfrontiert,                 die f\u00fcr ein Milit\u00e4rb\u00fcndnis alles andere als belanglos ist: Was                 tun ohne Krieg? Ende n\u00e4chsten Jahres will das B\u00fcndnis seine Kampftruppen                 aus Afghanistan abgezogen haben, die R\u00fcckverlegung der Truppen                 ist in vollem Gang. \u2026 Vor allem den Milit\u00e4rs bereitet das Kopfzerbrechen.                 Wie soll man die Einsatzf\u00e4higkeit erhalten, wenn die Truppen wieder                 in den Kasernen zur\u00fcck sind, fragen sich die f\u00fchrenden Offiziere.                 Eine erste, f\u00fcr Au\u00dfenstehende vielleicht etwas \u00fcberraschende Antwort                 lautet: &#8222;indem man eine Schlacht gegen Russland \u00fcbt.&#8220;<\/p>\n<p>Inzwischen hat dieses Man\u00f6ver im Baltikum und in Polen stattgefunden                 und zur Versch\u00e4rfung Kalter-Kriegs-Strategien beigetragen.<\/p>\n<h3>Der Gro\u00dfe Zapfenstreich passt zum Ungeist der akademischen Kulisse<\/h3>\n<p>Die &#8222;Westf\u00e4lische <b>Wilhelms<\/b> Universit\u00e4t&#8220; in M\u00fcnster hat                 es nicht geschafft sich von dem sch\u00e4ndlichen Namen ihres Patrons                 zu verabschieden. Dabei war dieser Kaiser nicht nur ein Judenver\u00e4chter,                 sondern auch an h\u00f6chster Stelle verantwortlich f\u00fcr die deutschen                 Kriegsverbrechen in China und Afrika. Er hat auch durch tollpatschige                 Interventionen zur Versch\u00e4rfung imperialistischer Gegens\u00e4tze beigetragen.               <\/p>\n<p>Aber der Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist nicht in erster                 Linie ihm anzukreiden. 1914 war er schon seit einigen Jahren kein                 milit\u00e4rischer Entscheider mehr. Jedoch hat er dem deutschen Reich                 einen ebenso \u00fcberholten, wie aggressiven Militarismus vermacht.               <\/p>\n<p>Zu seinen Hinterlassenschaften geh\u00f6rt die Installierung des Reserveoffiziers                 als dominanten Habitus. Die Nachhaltigkeit zeigte sich noch 1997                 bei der Ablehnung von ca. 80% der M\u00fcnsteraner Professoren, den                 blamablen Namenspatron aus dem Namen der Universit\u00e4t zu entfernen.<\/p>\n<p>Der Militarismus pr\u00e4gte die Westf\u00e4lische Wilhelms Universit\u00e4t                 in M\u00fcnster auch nach der Abdankung des Kaisers. Freikorps, wie                 die akademische Landwehr, waren an der Niederschlagung des Arbeiteraufstandes                 im Ruhrgebiet beteiligt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges tat ein Medizinprofessor der                 WWU Dienst an der Rampe in Auschwitz. Nach dem Krieg war M\u00fcnster                 die einzige deutsche Universit\u00e4t, die bereit war den Genetiker                 Otmar Freiherr von Verschuer, der sich von seinem ehemaligen Doktoranden                 Dr. Josef Mengele &#8222;lebend frisches Material&#8220; aus Birkenau besorgen                 lie\u00df, zu berufen.<\/p>\n<h3>Allianz von WWU und Bundeswehr heute<\/h3>\n<p>Der erneute Abfall in die Allianz mit dem Milit\u00e4r wurde mit dem                 Slogan &#8222;Lernen mit dem Milit\u00e4r&#8220;, den der M\u00fcnsteraner Politikprofessor                 Meyers als Devise seiner Graduiertenausbildung f\u00fcr die Unterst\u00fctzung                 von Eins\u00e4tzen in Krisenl\u00e4ndern (failed states) proklamiert hat                 und die in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Niederl\u00e4ndischen Korps                 realisiert wurde, erreicht. Die Magisterarbeit eines Bundeswehrangeh\u00f6rigen                 \u00fcber seinen Einsatz in Afghanistan wurde mit einem lokalen Preis                 ausgezeichnet. Der Gipfel der Inkompetenz wurde mit einer Dissertation                 \u00fcber die Paschtunenst\u00e4mme erreicht, die Meyers unterst\u00fctzt von                 einem anderen ahnungslosen Kollegen mit &#8222;summa cum laude&#8220; bewertete.                  ((1)) Diesmal waren es nicht                 Plagiate, sondern grob fahrl\u00e4ssige Fehler bei sekund\u00e4ren Zitaten,                 falsche Namensangaben wichtiger Autoren, Fehlen von relevanter                 Literatur in der Bibliografie und innovativen Analysen &#8211; insgesamt                 allgemein erschreckende Ausbildungsm\u00e4ngel. Dazu passend wurde                 2013 bekannt, dass zwei an der Uni M\u00fcnster promovierten Juristen                 der Doktorgrad wegen Plagiaten entzogen wurde.<\/p>\n<h3>Der &#8222;Umstand&#8220; des Gro\u00dfen Zapfenstreichs<\/h3>\n<p>Im altdeutschen Recht bezeichnet &#8222;Umstand&#8220; die Teilnehmer an                 einer Gerichtsverhandlung, die durch Murren oder beif\u00e4llige Ger\u00e4usche                 diese begleiten. Der Umstand des Gro\u00dfen Zapfenstreichs am 25.09.2013                 bestand aus den Feldj\u00e4gern, die die Polizeigewalt auf dem Schlossplatz                 in M\u00fcnster hatten und einer kleinen Demonstrationsgruppe, die                 durch Absperrungen und Milit\u00e4rpolizei von den paradierenden NATO-Soldaten                 getrennt waren. Hinter den Protestierenden, die mit Lautsprechern                 die Marschierer des 1. Korps und ihre Kapellen \u00fcbert\u00f6nten, war                 eine Phalanx von Polizeiautos aufgereiht, deren Besatzung sich                 von der studentischen Beschallung gest\u00f6rt f\u00fchlten und genervt                 um Senkung der Lautst\u00e4rke baten.<\/p>\n<p><b>&#8222;Geh doch nach dr\u00fcben.&#8220;<\/b> Das habe ich am 25. September                 2013 zum dritten Mal in meinem \u00f6ffentlichen Leben geh\u00f6rt. Zum                 ersten Mal war es 1974, als ich vor der Duisburger Karstadt-Filiale                 ein von mir und einigen Kollegen, sowie von M\u00fcnsteraner Soziologiestudenten                 unterzeichnetes Flugblatt gegen die Folgen eines Duisburger Polizeieinsatzes                 verteilte. Der Ratschlag kam kurz bevor mich zwei Polizisten zwangen                 in ihren VW-K\u00e4fer zu steigen, wobei der Fahrer durch rasende Fahrweise                 versuchte, mich in Verletzungsgefahr zu bringen.<\/p>\n<p>Der Rat war absurd, weil die KPD (AO) die DDR als Revi-Gebilde                 scharf kritisierte. Das zweite Mal ert\u00f6nte der Unsinn, als ich                 vor dem M\u00fcnsteraner Rathaus gegen die Unterst\u00fctzung der US-Aggression                 gegen Afghanistan protestierte. Den Rat erteilte ein in feines                 Tuch gekleideter Bourgeois, der seine Schweinefinger auf meine                 Schulter dr\u00fcckte.<\/p>\n<p>Zum dritten Mal h\u00f6rte ich diesen irrealen Rat am 25.09.2013 von                 einem als Techniker eingekleideten mittelalten Mann, der es nicht                 dabei belie\u00df, sondern mich als L\u00fcgner und M\u00e4rchenerz\u00e4hler beschimpfte                 und auf meiner ausgebreiteten Afghanistankarte herumh\u00e4mmerte.               <\/p>\n<p>Es stellt sich eine praktische Frage: Wer ist dieser <i>agent                 provocateur<\/i>? Ist er mobil oder lokal identifizierbar? Leider                 fiel mir nicht ein auf seine t\u00f6richte Provokation auf <i>farsi<\/i>                 zu retournieren. Immerhin haben andere Demonstranten diesen Mann                 so abgedr\u00e4ngt, dass er danach nur noch durchgehuscht ist.<\/p>\n<h3>Deutschland verfolgte vom I. bis zum II. Weltkrieg in Afghanistan                 kultur- und geopolitische Interessen (z. B. die Instrumentalisierung                 afghanischer Grenzst\u00e4mme f\u00fcr antibritische Aufst\u00e4nde); dem diente                 auch die Polizeiausbildung<\/h3>\n<p>Die deutschen Angeh\u00f6rigen des I. Deutsch-Niederl\u00e4ndischen Korps                 sind nicht die ersten deutschen Soldaten, die in Afghanistan gewirkt                 haben.<\/p>\n<p>1915\/16 versuchten Oskar Ritter von Niedermayer und der Diplomat                 Otto von Hentig nach abenteuerlichen W\u00fcstendurchquerungen den                 afghanischen K\u00f6nig Habibullah dazu zu \u00fcberreden, die afghanischen                 Grenzst\u00e4mme zu Angriffen auf Britisch Indien aufzurufen. Aber                 diese Mission f\u00fchrte zu keinem Ergebnis. Nach dem III. Anglo-Afghanischen                 Krieg kamen au\u00dfer zahlreichen deutschen Technikern auch Milit\u00e4rausbilder                 im technischen Bereich in das Land. In diese Zeit fiel auch die                 Gr\u00fcndung der deutschen Oberrealschule in Kabul. Die von den Nazis                 im Iran betriebene Arier-Propaganda griff auch auf Afghanistan                 \u00fcber.<\/p>\n<p>Das NS-Reich half bei der milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung der afghanischen                 Armee. Die Firma Rheinmetall-Borsig AG lieferte mithilfe eines                 Kredits des Deutschen Reichs Waffen und Munition f\u00fcr sechs Divisionen.               <\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4fte dieser deutschen Firma wurden von Major Waldemar                 Pabst, dem Verantwortlichen f\u00fcr den Doppelmord an Rosa Luxemburg                 und Karl Liebknecht abgewickelt.<\/p>\n<p>Die Organisation <i>Todt<\/i> f\u00fchrte Infrastrukturaufgaben aus,                 die Spionen als Tarnung dienten. Die Siemens-AG war am Aufbau                 des Telefonnetzes beteiligt und baute nach dem Zweiten Weltkrieg                 das st\u00f6ranf\u00e4llige Mahipar Kraftwerk im Kabul-Fluss.<\/p>\n<p>In den 1930er Jahren waren als \u00c4rzte und Schmetterlingsforscher                 getarnte Deutsche im Grenzbereich t\u00e4tig. <\/p>\n<p>Nach dem deutschen \u00dcberfall 1941 auf die Sowjetunion musste Afghanistan                 die deutschen Experten auf Druck der alliierten M\u00e4chte ausweisen,                 die afghanische Regierung setzte aber ihren freien Abzug in ein                 Land ihrer Wahl durch.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die deutsche Einflussstrategie                 neue Impulse. Afghanistan erhielt als f\u00fchrendes Mitglied der blockfreien                 Staaten die h\u00f6chste westdeutsche Entwicklungshilfe. Die <i>Wirtschaftsgruppe                 Hendrikson<\/i> wirkte im Auftrag der BRD als drittwichtigsten                 Geberlandes an der afghanischen Wirtschaftspolitik mit; f\u00fcr das                 deutsch-afghanische integrierte l\u00e4ndliche Entwicklungsprojekt                 in der Grenzprovinz Paktya versuchte jene Consulting einen \u00e4hnlichen                 Autonomiestatus wie die US-Helmand Valley Authority durchzusetzen.                 Als Ergebnis des zehnj\u00e4hrigen Krieges der Sowjetarmee musste dieses                 Projekt aufgegeben werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Verwertung von afghanischen Rohstoffen reichten und reichen                 die deutschen finanziellen Ressourcen nicht.<\/p>\n<p>Allerdings haben deutsche Firmen wie Siemens und Hochtief die                 durch ausl\u00e4ndische Investitionen in Form von Kapitalhilfe oder                 Krediten ausgel\u00f6ste Nachfrage profitabel nutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hochtief f\u00fchrte den von den USA finanzierten Neubau der Kabuler                 Universit\u00e4t aus, ebenso wie das von der Sowjetunion finanzierte                 Polytechnikum.<\/p>\n<p>Dieser Konzern trug zum Scheitern der afghanischen Verfassungsreform                 bei. Angeblich hatte sie das gesamte Kabinett des neuen nicht                 paschtunischen Ministerpr\u00e4sidenten Dr. Yusuf durch \u00dcbereignung                 von Neubauvillen bestochen. <\/p>\n<p>Die dagegen protestierenden Studenten erzwangen eine Unterbrechung                 der Beratungen des Unterhauses \u00fcber die Best\u00e4tigung des Kabinetts                 nach \u00dcberpr\u00fcfung der Verm\u00f6gensverh\u00e4ltnisse seiner Mitglieder.                 Am 25.10.1965 kam es zu Demonstrationen von Studenten, deren milit\u00e4rische                 Niederschlagung ein Dutzend Opfer forderte.<\/p>\n<p>Hochtief betrieb neben einer Holz und Metallverarbeitungsfabrik                 mehrere Baumaterialienbetriebe. 1968 kam es dort zu mehrw\u00f6chigen                 Streiks, weil Hochtief sich nicht an die arbeitsrechtlichen Normen                 Afghanistans hielt. Von deutschen Beamten ausgebildete Polizeispitzel                 ermittelten R\u00e4delsf\u00fchrer. Die Polizeiausbildung erfolgte unter                 formal-parit\u00e4tischer Leitung, von deutscher Seite war der jeweils                 letzte pensionierte Direktor des BGS zust\u00e4ndig. Es gab in Kabul                 ein &#8222;Landeskriminalamt&#8220;. <\/p>\n<p>Wichtige afghanische Beamte wurden in westdeutschen Landeskriminal\u00e4mtern                 und im Bundesnachrichtendienst (BND) weiter qualifiziert und z.                 T. mehrj\u00e4hrig in Deutschland und \u00d6sterreich eingesetzt. Das waren                 also die guten Jahre der Zusammenarbeit, die nun Illusion \u00fcber                 die erneute deutsche Ausbildung afghanischer Polizeibeamter n\u00e4hren                 sollen.<\/p>\n<h3>Zur Erinnerung, gegen falsche Heldenverehrung<\/h3>\n<p>1,3 Mio. Afghanen sind im Kampf gegen die sowjetischen Truppen                 und ihre Kollaborateure umgekommen. <\/p>\n<p>Die Mujahedin k\u00e4mpften sicherlich nicht f\u00fcr die deutsche Widervereinigung.                 Aber das Scheitern der Sowjetskaja Armija hat diese entzaubert,                 so dass die Nationalisten und Dissidenten in Osteuropa sich nicht                 mehr einsch\u00fcchtern lie\u00dfen &#8211; Zunahme der Proteste in Polen, \u00d6ffnung                 der ungarischen Grenze und Demonstrationen im Baltikum-, das befl\u00fcgelte                 den Mut der Opposition in der DDR.<\/p>\n<p>Am 15.02.1989 zogen die letzten sowjetischen Truppen aus Afghanistan                 ab, am 15.11. des gleichen Jahres fiel die Mauer &#8211; dieser enge                 zeitliche Zusammenhang sollte hierzulande endlich wahrgenommen                 werden. Dass der Fall der Mauer unblutig verlief war nicht nur                 das Ergebnis einer unblutigen mitteldeutschen Revolution, sondern                 auch des erbitterten Widerstands der Afghanen.<\/p>\n<p>Der Anschein der unblutigen \u00dcberwindung der innerdeutschen Grenze                 war auch der Einsicht der DDR NVA\/Stasi zu verdanken, dass die                 Repression systemkritischer Bewegungen unter den neuen weltpolitischen                 Bedingungen nicht aufrecht erhalten werden konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rechtfertigung des Milit\u00e4reinsatzes durch Brunnen- und Stra\u00dfenbau erwies sich auf Dauer als nicht umsetzbar &#8211; abgesehen davon k\u00f6nnen das Afghanen, gibt man ihnen die Geldmittel, mindestens genauso gut. Die irrige Annahme deutscher Stellen (auch der Stiftung Wissenschaft und Politik), der Norden sei sicher, hat nach ihrer Widerlegung durch erfolgreiche Angriffe der afghanischen Guerilla die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2014\/01\/grosser-zapfenstreich-fuer-ein-in-afghanistan-gescheitertes-korps\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Gro\u00dfer Zapfenstreich f\u00fcr ein in Afghanistan gescheitertes Korps - graswurzelrevolution","description":"Die Rechtfertigung des Milit\u00e4reinsatzes durch Brunnen- und Stra\u00dfenbau erwies sich auf Dauer als nicht umsetzbar - abgesehen davon k\u00f6nnen das Afghanen, gibt man"},"footnotes":""},"categories":[730,1025],"tags":[],"class_list":["post-13222","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-385-januar-2014","category-die-waffen-nieder"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13222"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13222\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}