{"id":1335,"date":"1997-08-02T00:00:40","date_gmt":"1997-08-01T22:00:40","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1335"},"modified":"2022-07-26T13:11:57","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:57","slug":"stellungnahme-der-red-graswurzelrevolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1997\/08\/stellungnahme-der-red-graswurzelrevolution\/","title":{"rendered":"Stellungnahme der Red. Graswurzelrevolution"},"content":{"rendered":"<p>TODOIn der aaa 78 spucken &#8222;einige FreundInnen des wendl&auml;ndischen               Widerstands&#8220; Gift und Galle auf Jochen Stay, langj&auml;hriger Redakteur               der Graswurzelrevolution. Da mit dieser Spuckerei Jochen demontiert               aber die gesamte Graswurzelbewegung getroffen werden soll, sehen               wir uns gezwungen, dazu Stellung zu beziehen.               <\/p>\n<p> Die FreundInnen des wendl&auml;ndischen Widerstands werfen zwar                 Jochen unsauberes Zitieren vor, ihnen selbst passiert aber schon                 in der Einleitung ihres Beitrages der erste faux-pas: &#8222;<cite>Wie                 w&uuml;rde es wohl einem Hannes Kempmann, ehemaliger Pressesprecher                 der BI L&uuml;chow-Dannenberg, angesichts eines Jochen Stay ergehen,                 der dereinst offen der Atommafia mit nordirischen Verh&auml;ltnissen                 drohte<\/cite> &#8230;&#8220;, fragen sie einleitend und suggerieren dabei                 so ganz nebenbei, nicht Hannes Kempmann, sondern Jochen Stay habe                 mit &#8222;<cite>nordirischen Verh&auml;ltnissen<\/cite>&#8220; gedroht. Mitnichten,                 und auch wenn die Unregierbarkeit des Wendlandes (und nicht nur                 des Wendlandes) sicherlich ein Ziel graswurzelrevolution&auml;rer                 Politik war (und ist), so dachte dabei weder Jochen noch sonst                 jemand in der GWR-Redaktion jemals an &#8222;nordirische Verh&auml;ltnisse&#8220;,                 die vom Ziel einer &#8222;gewaltfreien, herrschaftslosen Gesellschaft&#8220;                 (Untertitel der GWR) wohl genauso weit entfernt sind wie die &#8222;teutschen                 Zust&auml;nde&#8220;.               <\/p>\n<p> Es ist im &uuml;brigen nicht gerade ein Beitrag zur solidarischen                 Diskussion von Seiten der Redaktion der aaa, wenn sie es zul&auml;&szlig;t,                 ihren viele Jahre solidarischen und &uuml;beraus produktiven Mitarbeiter                 und Autor auf diesem pers&ouml;nlichen Niveau in die Pfanne zu                 hauen. Wenn der Artikel schon abgedruckt wird, h&auml;tte es der                 aaa-Redaktion gut zu Gesicht gestanden, den Beitrag ihrem langj&auml;hrigen                 Autor wenigstens vorab zuzusenden und ihm die M&ouml;glichkeit                 zur Replik in der gleichen Ausgabe zu geben. In \u2018Gift und Galle\u2019                 wird Jochen von interessierter Seite als Zielscheibe genommen,                 um dadurch bestimmte gewaltfreie Ans&auml;tze als spalterisch                 und sich anbiedernd, deren VertreterInnen als bestenfalls naive                 B&uuml;ttel des Verfassungsschutzes aus dem Widerstand auszugrenzen.                 Es ist eine bequeme Position, sich auf die Forderung nach &#8222;<cite>uneingeschr&auml;nkter                 Solidarit&auml;t<\/cite>&#8220; zur&uuml;ckzuziehen und gleichzeitig                 Denunziation zu suggerieren: &#8222;<cite>Schwerer indes wirkt seine                 offen denunziatorische Haltung, indem er praktisch mit dem Finger                 auf jene weist, die \u2018offen Militanz propagieren und auch agieren\u2019.                 Von diesem \u2018seht her, es sind doch die anderen\u2019 bis zum &Auml;u&szlig;ern                 von vermeintlich konkreten Vermutungen ist es nur ein sehr kleiner                 Schritt<\/cite>.&#8220; (aaa 78) Soll da Jochen etwa unterstellt werden,                 er w&uuml;rde Informationen an den Staatsapparat weitergeben?                 Wie absurd soll es denn noch werden? Eine Auseinandersetzung mit                 solchen Unterstellungen er&uuml;brigt sich.               <\/p>\n<p> In GWR 215 hat sich Jochen u.a. mit dem Verfassungsschutzbericht                 zu &#8222;linksextremistischen und militanten Bestrebungen im Rahmen                 des Anti-Castor-Widerstands&#8220; auseinandergesetzt und diesen politisch                 analysiert. Er macht deutlich, da&szlig; der VS-Bericht gezielt                 versucht, gewaltfreien Widerstand als \u2018gewaltsam\u2019 bzw. \u2018militant\u2019                 zu diffamieren und so die Grundlage f&uuml;r ein h&auml;rteres                 Vorgehen der Staatsgewalt zu liefern. &#8222;<cite>Es ist doch offensichtlich:                 Je deutlicher es Regierenden und gewissen Teilen der Presse im                 Vorfeld gelingt, den Castor- Widerstand pauschal als gewaltt&auml;tig                 abzuqualifizieren, um so mehr Polizeigewalt wird die &Ouml;ffentlichkeit                 widerspruchslos hinnehmen<\/cite>.&#8220; (GWR 215)               <\/p>\n<p> Es ist schlicht eine interessegeleitete Interpretation, daraus                 einen &#8222;<cite>wichtigtuerischen Aufschrei, ihr trefft die Falschen<\/cite>&#8220;                 (aaa 78) zu machen, und gegen Ende einzufordern, da&szlig; &#8222;<cite>politisch                 mit diesem Bericht umgegangen wird<\/cite>&#8220; (aaa 78). Wenn dann                 genau dieser politische Umgang zu einem Ergebnis f&uuml;hrt, das                 nicht dem eigenen (Kurz-)Schlu&szlig; folgt, so wird dieses als                 &#8222;<cite>sich anzubiedern und so zum Spielball jener staatlichen                 Kr&auml;fte zu werden, denen nichts wichtiger ist, als den Widerstand                 gegen den Castor und damit den neu aufkeimenden Protest gegen                 das Atomprogramm zu zerschlagen<\/cite>&#8220; (aaa 78) diffamiert. Eine                 politische Auseinandersetzung mit gewaltfreien Konzepten des Widerstandes                 findet dagegen nicht statt!               <\/p>\n<p> Dabei hat der Tag X<sup>3<\/sup> gezeigt, da&szlig; es gerade                 diese gewaltfreien Strategien waren, die sich als erfolgreich                 erwiesen haben. Die Konzeption, mittels einer eindeutigen gewaltfreien                 Sitzblockade &#8222;<cite>vielen Unerfahrenen oder &Auml;ngstlichen                 die M&ouml;glichkeit der Teilnahme am Castor-Widerstand<\/cite>&#8220;                 (GWR 215) zu er&ouml;ffnen hat sich ausgezahlt und schlie&szlig;lich                 zu der gr&ouml;&szlig;ten Aktion Zivilen Ungehorsams in der Geschichte                 der BRD gef&uuml;hrt. &#8222;X-tausendmal quer&#8220; hat es geschafft, nicht                 beim Lippenbekenntnis stehen zu bleiben, da&szlig; es uns darum                 geht, viele Menschen am Widerstand zu beteiligen und in die Aktionen                 einzubeziehen, sondern hat diese Menschen mit ihren &Auml;ngsten                 ernst genommen und so gerade zu einer erheblichen Verbreiterung                 des Widerstandes ohne &#8222;<cite>Anbiederung<\/cite>&#8220; und &#8222;<cite>dem                 Staat auf den Leim (zu) gehen<\/cite>&#8220; (aaa 78) beigetragen. Der                 \u2018starre\u2019 Aktionsrahmen, der die f&uuml;r die einen notwendige                 Sicherheit schafft, schr&auml;nkt nat&uuml;rlich die Spontanit&auml;t                 der anderen ein. Das ist und bleibt ein schwieriger Balanceakt,                 mit dem konstruktiv umzugehen ist, und da kann in Zukunft bestimmt                 einiges besser \u2018ausbalanciert\u2019 werden. Aber v&ouml;llig an der                 Realit&auml;t vorbei geht eine Einsch&auml;tzung wie in der interim                 vom 20. M&auml;rz, wenn &#8222;X-tausendmal quer&#8220; zu einem &#8222;<cite>Synonym                 f&uuml;r Entpolitisierung und gr&uuml;ne W&auml;hlerInnenschaft<\/cite>&#8220;                 gemacht und in Widerspruch zu Gewaltfreien, &#8222;<cite>deren gewaltfreier                 Widerstand weiterhin phantasievoll, unberechenbar und effektiv                 sein soll<\/cite>&#8220; (interim, 20.3.97) gestellt wird. Das gipfelt                 dann in folgenden &Auml;u&szlig;erungen: &#8222;<cite>\u2018X-1000mal quer\u2019                 war f&uuml;r die Atomindustrie so \u2018gef&auml;hrlich\u2019, wie die nieders&auml;chsische                 Landesregierung. Die Bullen und die Atomlobby hatten keinen Grund,                 sich zu &auml;ngstigen. Alles war abgesprochen. Wir sitzen hier                 \u2018ne Weile f&uuml;r die Presse und ihr r&auml;umt uns dann friedlich                 ab. Daf&uuml;r sorgen wir, da&szlig; es keine h&auml;&szlig;lichen                 Bilder am Verladekran gibt und distanzieren uns von Gewaltt&auml;terInnen.                 Etwas besseres h&auml;tte den Bullen nicht passieren k&ouml;nnen.                 &#8230; Wenn aber das, was X-1000mal Quer praktiziert hat, Graswurzellinie                 ist, dann hat sich diese Bewegung vom Widerstand verabschiedet                 und bewegt sich zum Helfer der Inszenierung eines konservativen                 Gewaltmonopolbegriffs<\/cite>.&#8220; (interim, 20.3.97) Auch wenn die                 \u2018FreundInnen des wendl&auml;ndischen Widerstands\u2019 das so in ihrem                 Beitrag nicht formulieren, so geht ihr Angriff in der Tendenz                 in die gleiche Richtung.               <\/p>\n<p> Wir sehen das bei &#8222;X-tausendmal&#8220; zum Ausdruck gekommene Konzept                 als ein m&ouml;gliches von vielen, vielf&auml;ltigen und unterschiedlichen                 Ans&auml;tzen, Konzepten und Formen gewaltfreier Aktion. Wir sehen                 als Graswurzelrevolution&auml;rInnen auch nach den Aktionen beim                 letzten Transport &uuml;berhaupt keinen Anla&szlig;, uns davon                 zu distanzieren. Und wir wissen, da&szlig; sich die InitiatorInnen                 f&uuml;r &#8222;X-tausenmal quer&#8220; eingesetzt haben, nicht etwa weil                 sie andere direkte Aktionen wie Sabotage, Stra&szlig;enunterh&ouml;hlungen,                 Barrikaden usw. ablehnen, sondern weil nach politischer Einsch&auml;tzung                 der Gesamtsituation f&uuml;r die vielen Neuen und Unorganisierten                 ein solches Konzept einer Massenblockade das Sinnvollste erschien                 und sich zudem mit anderen Aktionsformen im Streckenkonzept erg&auml;nzen                 konnte.               <\/p>\n<p> Da&szlig; &#8222;X-tausendmal quer&#8220; durchaus gef&auml;hrlich (allerdings                 nicht im Sinne einer physischen Gef&auml;hrdung) war f&uuml;r                 die Polizei und die Atomindustrie zeigte der Ablauf selbst. Allein                 die Masse der 9.000 BlockiererInnen zeigten der Polizei die Unm&ouml;glichkeit,                 hier &#8222;verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig&#8220; vorgehen zu k&ouml;nnen.                 Da&szlig; die Versuche &#8222;<cite>friedlich abzur&auml;umen<\/cite>&#8220;                 schnell scheiterten, und dann eben doch Wasserwerfer und Gummikn&uuml;ppel                 eingesetzt wurden, d&uuml;rfte hinl&auml;nglich bekannt sein.                 Da&szlig; dabei immer noch nicht so brutal vorgegangen werden                 konnte, wie dies sicherlich gegen&uuml;ber militanten Aktionen                 h&auml;ufig geschieht, ist eine der St&auml;rken gewaltfreier                 Aktion. Abgesprochen war bei dem ganzen gar nichts, auch wenn                 die Polizei das gerne gehabt h&auml;tte und am Tag vor der R&auml;umung                 den Kontakt zu &#8222;X-tausendmal quer&#8220; gesucht hat. Auch das ein Zeichen                 unserer St&auml;rke. Ebenso absurd ist der Vorwurf der Distanzierungen:                 &#8222;<cite>Deshalb ist es so wichtig, da&szlig; die Kampagne in &ouml;ffentlichen                 &Auml;u&szlig;erungen immer wieder klarmacht, da&szlig; es genauso                 gewaltfrei ist, wenn die B&auml;uerliche Notgemeinschaft mit ihren                 Treckern auf die Strecke geht, die Gorlebenfrauen Schmierseife                 auskippen, Leute damit anfangen, &ouml;ffentlich die Stra&szlig;e                 abzubauen oder irgendwo spontane Sitzblockaden ohne vorherige                 Selbstverpflichtung und &Uuml;bereinkunft stattfinden<\/cite>.&#8220;                 (Interview mit Jochen in GWR 216)               <\/p>\n<p> &#8222;X-tausendmal quer&#8220; hat sich von Anfang an als der Teil des                 Wendland-Widerstandes verstanden, der sich darauf konzentriert,                 durch eine deutliche Begrenzung der Aktionsformen an einem bestimmten                 Ort die Hemmschwelle f&uuml;r die Beteiligung m&ouml;glichst vieler                 m&ouml;glichst niedrig zu h&auml;ngen: &#8222;<cite>Wichtig ist, da&szlig;                 es Orte gibt, an denen Leute sicher sein k&ouml;nnen, da&szlig;                 ihnen niemand die Stra&szlig;e unterm Hintern weggr&auml;bt, wenn                 sie das nicht wollen<\/cite>.&#8220; (GWR 216) Wer daraus Distanzierung                 und Ausgrenzung bestimmter Aktionsformen konstruiert, hat das                 Streckenkonzept des Widerstandes nicht kapiert oder sich im Nachhinein                 davon verabschiedet &#8211; das sollte er\/sie dann aber auch &ouml;ffentlich                 so erkl&auml;ren.               <\/p>\n<p> &#8222;X-tausendmal quer&#8220; war alles andere als eine &#8222;Entpolitisierung&#8220;                 des Widerstandes. Tausende haben sich im Rahmen der Aktion in                 Bezugsgruppen organisiert und sich somit an den Diskussionen und                 Entscheidungsprozessen im Rahmen der Aktion beteiligt. Ein gr&ouml;&szlig;eres                 politisches Bildungsprogramm in Sachen herrschaftsfreier Entscheidungsstrukturen,                 Konsensfindung und eigenverantwortlichem Handeln hat es wohl bisher                 nicht gegeben. Die Kritik an autonomen Entscheidungsstrukturen                 in den Camps (z.B. in Quickborn), wo gerade das nicht stattfand,                 sparen wir uns hier.               <\/p>\n<p> Die Entwicklung bei den drei Castor-Transporten hat eine ungeheure                 Dynamik des Widerstandes gezeigt, die gerade auch von der Vielfalt                 der Aktionsformen lebte. &#8222;X-tausendmal quer&#8220; war dabei einer der                 gewaltfreien Aktionsans&auml;tze, und der Erfolg hat best&auml;tigt,                 da&szlig; ein solches Konzept der Massenblockade ein wichtiger                 Bestandteil des Widerstandes sein sollte. Es geht daher darum,                 die Diskussionen &uuml;ber Strategien im Hinblick auf den n&auml;chsten                 Castor-Transport (eventuell auch nach Ahaus) nicht destruktiv                 zu f&uuml;hren, sondern unter Ber&uuml;cksichtigung der Vielfalt                 durch konstruktive Kritik &#8211; auch an &#8222;X-tausendmal quer&#8220; &#8211; weiterzuentwickeln.                 Wir sollten die entstandene Dynamik nicht durch bewegungsinterne                 Streitereien brechen, sondern ausweiten. Das Streckenkonzept &#8211;                 und als ein Bestandteil &#8222;X-tausendmal quer&#8220; &#8211; war dabei ein erfolgreicher                 Ansatz, den es weiterzuentwickeln gilt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TODOIn der aaa 78 spucken &#8222;einige FreundInnen des wendl&auml;ndischen Widerstands&#8220; Gift und Galle auf Jochen Stay, langj&auml;hriger Redakteur der Graswurzelrevolution. 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