{"id":13380,"date":"2014-04-01T00:00:24","date_gmt":"2014-03-31T22:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13380"},"modified":"2022-07-26T14:22:20","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:20","slug":"neue-deutsche-machtpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2014\/04\/neue-deutsche-machtpolitik\/","title":{"rendered":"Neue deutsche Machtpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Als Direktor des &#8222;German Marshall Funds&#8220; war auch Thomas Kleine-Brockhoff                 an der Erarbeitung der Studie beteiligt, der im Sommer 2013 von                 Joachim Gauck als neuer Leiter der Stabsstelle Planung und Reden                 verpflichtet wurde (S\u00fcddeutsche Zeitung, 18.07.2013). <\/p>\n<p>Und so ist es nicht verwunderlich, dass es sich der Bundespr\u00e4sident                 augenscheinlich zu seiner Aufgabe gemacht hatte, der &#8211; diesbez\u00fcglich                 etwas unwilligen &#8211; Bev\u00f6lkerung diesen von langer Hand geplanten                 neuen Elitenkonsens schmackhaft zu machen. Als Ort hierf\u00fcr wurde                 die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz Anfang Februar 2014 auserkoren,                 wo der Bundespr\u00e4sident, zusammen mit Verteidigungsministerin Ursula                 von der Leyen und Au\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier, buchst\u00e4blich                 in die Offensive ging. <\/p>\n<p>Geradezu gruselig war es, dass nahezu alle Medienkommentare die                 Rede des Bundespr\u00e4sidenten als machtpolitischen Befreiungsschlag                 eines &#8222;erwachsenen&#8220; Deutschlands feierten.<\/p>\n<p>Exemplarisch hierf\u00fcr wurde im Spiegel gejubelt: &#8222;Die Begeisterung                 ist gro\u00df auf der Sicherheitskonferenz in M\u00fcnchen. Fast euphorisch                 wurden die Reden der deutschen Politiker aufgenommen, die eine                 engagiertere Au\u00dfenpolitik ank\u00fcndigten oder anmahnten. Endlich                 wird Deutschland erwachsen, so die hoffnungsvolle Reaktion, endlich                 ist Berlin bereit, die Verantwortung zu \u00fcbernehmen, die seinem                 Gewicht in der Welt entspricht. Endlich wird Deutschland erwachsen,                 so die hoffnungsvolle Reaktion, endlich ist Berlin bereit, die                 Verantwortung zu \u00fcbernehmen, die seinem Gewicht in der Welt entspricht.&#8220;                  ((2)) <\/p>\n<p>Nahezu parallel erhielt die \u00d6ffentlichkeit einen ersten Vorgeschmack                 der neuen Sto\u00dfrichtung, indem die Bundesregierung ank\u00fcndigte,                 ihr milit\u00e4risches Engagement in Afrika massiv auszubauen (siehe                 GWR Nr. 387). Ein anderes Testfeld, auf dem die neue Weltmachtpolitik                 aktuell erprobt wird, ist die Ukraine. <\/p>\n<p>Dort unterst\u00fctzte Berlin seit Jahren die pro-westliche Opposition                 und arbeitete zielstrebig auf die Abl\u00f6sung des (eher) pro-russischen                 Pr\u00e4sidenten Wiktor Janukowytsch hin. <\/p>\n<p>Nach dem Staatsstreich und der ma\u00dfgeblich mit deutscher Hilfe                 betriebenen Absetzung Janukowytschs wurde dies in den Medien zufrieden                 als Erfolg der neuen deutschen Strategie gewertet: &#8222;&#8218;Die Ukraine                 hat gezeigt, was deutsche Diplomatie erreichen kann, wenn sie                 selbstbewu\u00dft auftritt&#8216;, jubelt der Tagesspiegel. Und: &#8218;Endlich                 kann man sich vorstellen, was sich die Gro\u00dfe Koalition unter einer                 &#8218;aktiveren deutschen Rolle in der Welt&#8216; vorstellt.'&#8220; ((3))<\/p>\n<h3>Verantwortung predigen &#8211; Imperialismus ausschenken<\/h3>\n<p>Deutschland als eine Art &#8222;milit\u00e4risch-machtpolitischen Abstinenzler&#8220;                 darzustellen, ist eine grobe Verkennung der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Diplomatisch spielt Deutschland etwa in den Verhandlungen um                 das iranische Atomprogramm und auf anderen Feldern seit Jahren                 eine f\u00fchrende Rolle. Und auch milit\u00e4risch ist man unter anderem                 als drittgr\u00f6\u00dfter Truppensteller in Afghanistan ganz vorne mit                 dabei. <\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund beschwert sich auch ein Kommentar in der                 FAZ (01.02.2014): &#8222;Alle machen mit, bis zum Bundespr\u00e4sidenten.                 Was soll das? Deutschland war im Kosovo-Krieg dabei, hat seit                 mehr als einem Jahrzehnt viele tausend Soldaten am Hindukusch.                 Die Bundeswehr hat dort Tanklaster bombardieren lassen mit zahlreichen                 zivilen Opfern, hat viele eigene Soldaten verloren. Deutsche Truppen                 haben eine Wahl im Kongo gesichert und k\u00e4mpfen vor der K\u00fcste Ostafrikas                 gegen Piraterie. Jetzt zu behaupten, wir m\u00fcssten endlich unsere                 Zur\u00fcckhaltung aufgeben und uns mehr einmischen, ist Unsinn.&#8220;<\/p>\n<p>Es geht also demzufolge vor allem darum, auf diese Politik noch                 einmal ordentlich etwas draufzusatteln, insgesamt dabei k\u00fcnftig                 deutlich offensiver vorzugehen und diese Absicht der Bev\u00f6lkerung                 als &#8222;verantwortungsvolle&#8220; Politik zu verkaufen. Dies wurde von                 Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck in seiner Rede auf der Sicherheitskonferenz                  ((4)) mit einem schier unertr\u00e4glichen                 Pathos versucht, indem er sich zun\u00e4chst einmal darum bem\u00fchte,                 das &#8222;gute&#8220; heutige vom &#8222;schlechten&#8220; nationalsozialistischen Deutschland                 abzugrenzen: &#8222;Eines gleich vorweg: Dies ist ein gutes Deutschland,                 das beste, das wir kennen. Das auszusprechen, ist keine Sch\u00f6nf\u00e4rberei.&#8220;                 Und weil Deutschland ganz grunds\u00e4tzlich gel\u00e4utert sei, k\u00f6nne nun                 auch mit einem lange dominierenden, heute aber \u00fcberholten Pazifismus                 gebrochen werden, so die Kernbotschaft, die augenscheinlich auch                 genau so verstanden wurde: &#8222;[Gauck] erkannte an, dass milit\u00e4rische                 Beitr\u00e4ge von Deutschland wegen seiner historischen Schuld aus                 der Zeit des Nationalsozialismus lange nicht verlangt worden seien.                 Doch nun d\u00fcrfe Pazifismus kein Deckmantel f\u00fcr Bequemlichkeit werden.                 Er bestritt, dass Deutschland wegen seiner Geschichte dauerhaft                 ein &#8218;Recht auf Wegsehen&#8216; erworben habe. Dies f\u00fchre zu &#8217;so etwas                 wie Selbstprivilegierung'&#8220;. ((5))<\/p>\n<p>Ganz im Sinne des neuen Elitenkonsenses postulierte Gauck darauf                 hin, Deutschland trage als einer der \u00f6konomisch m\u00e4chtigsten Staaten                 in der Welt eine Verantwortung f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des globalen                 Systems, von dem es ja schlie\u00dflich mit am meisten profitiere:                 &#8222;Deutschland ist \u00fcberdurchschnittlich globalisiert und profitiert                 deshalb \u00fcberdurchschnittlich von einer offenen Weltordnung &#8211; einer                 Weltordnung, die Deutschland erlaubt, Interessen mit grundlegenden                 Werten zu verbinden. [&#8230;] Die Beschw\u00f6rung des Altbekannten wird                 k\u00fcnftig nicht ausreichen! Die Kernfrage lautet doch: Hat Deutschland                 die neuen Gefahren und die Ver\u00e4nderungen im Gef\u00fcge der internationalen                 Ordnung schon angemessen wahrgenommen? Reagiert es seinem Gewicht                 entsprechend? [&#8230;] Ich meine: Die Bundesrepublik sollte sich                 als guter Partner fr\u00fcher, entschiedener und substantieller einbringen.                 [&#8230;] Manchmal kann auch der Einsatz von Soldaten erforderlich                 sein. [&#8230;] Auch wer nicht handelt, \u00fcbernimmt Verantwortung. Es                 ist tr\u00fcgerisch sich vorzustellen, Deutschland sei gesch\u00fctzt vor                 den Verwerfungen unserer Zeit &#8211; wie eine Insel. Denn Deutschland                 ist so tief verwoben mit der Welt wie wenige andere Staaten. Somit                 profitiert Deutschland besonders von der offenen Ordnung der Welt.                 Und es ist anf\u00e4llig f\u00fcr St\u00f6rungen im System. Eben deshalb k\u00f6nnen                 die Folgen des Unterlassens ebenso gravierend wie die Folgen des                 Eingreifens sein &#8211; manchmal sogar gravierender.&#8220;<\/p>\n<p>Zweifellos ist es richtig, dass Deutschland von diesem System                 profitiert &#8211; und an der Ausbeutung und Unterprivilegierung von                 Milliarden Menschen aktiv beteiligt ist. Dieses &#8222;Gef\u00fcge der internationalen                 Ordnung&#8220; wird zuerst mittels ziviler Instrumente &#8211; Diplomatie,                 Entwicklungspolitik, Au\u00dfenwirtschaftspolitik etc. &#8211; zurechtgezimmert.                 Da es aber zweifellos &#8222;st\u00f6ranf\u00e4llig&#8220; ist, muss es &#8222;notfalls&#8220; mit                 milit\u00e4rischen Mitteln stabilisiert werden. Gauck fordert letztinstanzlich                 also nichts anderes, als das bestehende ungerechte Weltwirtschaftssystem                 milit\u00e4risch abzusichern &#8211; er predigt Verantwortung, schenkt aber                 Imperialismus aus. Besonders heikel wird dies, wenn, wie aktuell                 in der Ukraine, versucht wird, das westlich dominierte &#8222;Gef\u00fcge                 der internationalen Ordnung&#8220; auszuweiten und man dabei sowohl                 mit innenpolitischen Akteuren als auch mit anderen Gro\u00dfm\u00e4chten                 in Konflikt ger\u00e4t.<\/p>\n<h3>Testfall Ukraine <\/h3>\n<p>Nicht zuletzt Deutschland hat ein gro\u00dfes Interesse, dass es zur                 Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens zwischen der Ukraine                 und der Europ\u00e4ischen Union kommt.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich w\u00fcrde die Ukraine hierdurch f\u00fcr westeurop\u00e4ische Waren                 und Investitionen ge\u00f6ffnet sowie als Niedrigsteuerland und verl\u00e4ngerte                 Werkbank peripher an die Europ\u00e4ische Union angegliedert. Das Land                 w\u00fcrde hierdurch dauerhaft der eigenen Einflusssph\u00e4re einverleibt                 und der russischen entzogen ((6)).               <\/p>\n<p>Mit der Entscheidung Ende November 2013, die Unterzeichnung des                 Abkommens auf Eis zu legen, hatte sich Pr\u00e4sident Janukowytsch                 deshalb m\u00e4chtige Feinde in Br\u00fcssel und vor allem in Berlin gemacht.               <\/p>\n<p>Bereits die unmittelbare Reaktion der deutschen Kanzlerin enthielt                 deshalb eine kaum versteckte Drohung: &#8222;&#8218;Die T\u00fcr f\u00fcr die Ukraine                 bleibt offen&#8216;, betonte Merkel nach der Pleite mehrfach. Man sei                 weiterhin gespr\u00e4chsbereit. Das klang nach m\u00fchsamer Gesichtswahrung,                 wie sie nach Niederlagen \u00fcblich ist. <\/p>\n<p>Aber es hei\u00dft auch: Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Und                 die Kanzlerin will vor der n\u00e4chsten Runde eine neue Figur ins                 Spiel bringen: Vitali Klitschko.&#8220; (Spiegel 50\/2013)<\/p>\n<p>Fortan ging Deutschland dort tats\u00e4chlich \u00fcberaus &#8222;ambitioniert&#8220;                 zu Werke und unterst\u00fctzte nahezu vorbehaltlos die Proteste der                 Opposition, die zuvor ma\u00dfgeblich von ihr (und den USA) finanziert                 worden war. <\/p>\n<p>Die aggressive Politik der Bundesregierung trug somit erheblich                 zum Sturz Janukowytschs bei, weshalb man meinen k\u00f6nnte, dieser                 Testlauf der neuen deutschen Weltmachtpolitik sei ein Erfolg auf                 ganzer Linie.<\/p>\n<p>Doch dies trifft nicht ganz zu, denn nun stellt sich die Frage,                 wer in der Ukraine k\u00fcnftig das Sagen haben soll. Aus deutscher                 Sicht steht dies au\u00dfer Frage, betrachtet man neben den Aussagen                 Merkels auch die w\u00e4hrend der Proteste ge\u00e4u\u00dferten Bemerkungen des                 hochrangigen CDU-Politikers Elmar Brok (EVP), Vorsitzender des                 Ausw\u00e4rtigen Ausschusses des Europ\u00e4ischen Parlaments: &#8222;Wir erleben                 Demonstrationen der Opposition, wie es sie auch schon bei der                 orangenen Revolution 2004 gegeben hat. Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger                 protestieren gegen Manipulationen der Regierung Janukowytsch und                 wollen verhindern, dass das Angebot der Europ\u00e4ischen Union eines                 Assoziierungs- und Freihandelsabkommens gegen ihren Willen ausgeschlagen                 wird. [&#8230;] Die Ukraine braucht Freiheit, Rechtsstaatlichkeit                 und Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Dem Pr\u00e4sidenten fehlt dazu der Mut,                 er scheut davor zur\u00fcck, Russland entgegenzutreten. [&#8230;] Den besten                 Dienst w\u00fcrde er seinem Land erweisen, wenn er jetzt den Weg f\u00fcr                 Neuwahlen freimachen w\u00fcrde. [&#8230;] Vitali Klitschko hat das Zeug,                 bei der n\u00e4chsten Wahl sp\u00e4testens 2015 Staatspr\u00e4sident der Ukraine                 zu werden.&#8220; (Donaukurier, 03.12.2013)<\/p>\n<p>Doch genau in dieser Phase ging der \u00c4rger innerhalb des westlichen                 Lagers richtig los. Dies deutete sich bereits bei &#8222;Nulandgate&#8220;                 an, dem abgeh\u00f6rten und im Internet ver\u00f6ffentlichten &#8222;Fuck-the-EU-Telefonat&#8220;                 der Abteilungsleiterin f\u00fcr Europafragen im US-Au\u00dfenministerium                 Victoria Nuland: &#8222;&#8218;Fuck the EU&#8216;: Eine amerikanische Top-Diplomatin                 \u00e4u\u00dfert sich abf\u00e4llig \u00fcber Br\u00fcssel. Die Kanzlerin nennt das absolut                 inakzeptabel &#8211; der Graben zwischen Berlin und Washington w\u00e4chst.&#8220;                 (SZ, 08.02.2014)<\/p>\n<p>Was die deutsche Seite an dem Telefonat aber wirklich emp\u00f6rte,                 war nicht die etwas undiplomatische Wortwahl, sondern dass aus                 ihm klar hervorging, dass die USA augenscheinlich keinerlei Absicht                 haben, den mit viel deutschem Geld und Know-how aufgep\u00e4ppelten                 ehemaligen Box-Weltmeister Witali Klitschko eine prominente Rolle                 \u00fcbernehmen zu lassen: &#8222;Die US-Verantwortlichen schienen nicht                 begeistert von der Idee zu sein, dass Klitschko stellvertretender                 Ministerpr\u00e4sident werden k\u00f6nnte. &#8218;Die Klitschko-Sache ist offenkundig                 das komplizierte Elektron hier&#8216;, ist Pyatt zu h\u00f6ren. Der Boxweltmeister                 sollte das Amt nicht antreten und &#8217;seine politischen Hausaufgaben&#8216;                 machen. Auch Nuland \u00e4u\u00dfert sich skeptisch \u00fcber eine Regierungsbeteiligung                 von Klitschko: &#8218;Ich glaube nicht, dass das notwendig und eine                 gute Idee ist.'&#8220; (Focus, 06.02.2014)<\/p>\n<p>Im Kern geht es also darum, ob in der Ukraine k\u00fcnftig ein pro-amerikanischer                 (Tymoschenko oder jemand aus ihrer Partei) oder pro-deutscher                 (Klitschko) Potentat regieren wird. Wie heftig hier das Gerangel                 zwischen Deutschland und den USA war, zeigt ein zweites, am 31.                 Januar 2014 abgeh\u00f6rtes und im Internet ver\u00f6ffentlichtes Telefonat.                  ((7)) <\/p>\n<p>In ihm beschwert sich die stellvertretende Generalsekret\u00e4rin                 f\u00fcr politische Fragen des Europ\u00e4ischen Ausw\u00e4rtigen Dienstes, Helga                 Schmid, gegen\u00fcber dem EU-Botschafter in der Ukraine, Jan Tombinski,                 heftig \u00fcber den amerikanischen &#8222;Verb\u00fcndeten&#8220;: &#8222;Ich wollte Dir                 nur eine Sache noch vertraulich sagen. Die Amerikaner gehen ein                 bisschen rum und erz\u00e4hlen, dass wir zu weich sind, was Sanktionen                 angeht. [&#8230;] Was mich sehr \u00e4rgert ist, dass die Amerikaner rumgehen                 und die EU an den Pranger stellen und sagen, wir w\u00e4ren da zu soft.                 [&#8230;] Ich will Dir das nur sagen, dass Du vielleicht mit dem amerikanischen                 Botschafter auch sprichst und ihm sagst, wir sind \u00fcberhaupt nicht                 soft. [&#8230;] Es \u00e4rgert mich, wenn die Presse jetzt berichtet, die                 EU ist nicht auf der Seite der Freiheit. [&#8230;] Es soll hier nicht                 um ein Wettrennen gehen, aber es ist wirklich sehr unfair, wenn                 sie das hier verbreiten.&#8220;<\/p>\n<p>Offensichtlich k\u00fcmmerte die USA die deutsche Jammerei wenig,                 denn die nach Janukowytschs Sturz gebildete \u00dcbergangsregierung                 wird von den Proteg\u00e9s der USA dominiert.<\/p>\n<p>Daneben finden sich im Kabinett zwar noch Vertreter der faschistischen                 Swoboda, Mitglieder der Klitschko-Partei Udar wurden aber nicht                 ber\u00fccksichtigt: &#8222;Tymoschenkos Partei hat die Kontrolle, auch die                 Nationalisten haben sich wichtige Posten gesichert. Klitschkos                 Partei ist in der Regierung nicht vertreten&#8220;, fasst Zeit Online                 (27.02.2014) die feindliche \u00dcbernahme zusammen. <\/p>\n<p>Doch Deutschland bzw. Witali Klitschko hat die Flinte noch nicht                 ins Korn geworfen, weshalb der ehemalige Box-Weltmeister ank\u00fcndigte,                 bei den auf den 25. Mai 2014 vorgezogenen Wahlen antreten zu wollen.<\/p>\n<p>Auch Julia Tymoschenko erkl\u00e4rte inzwischen ihre Absicht, zu kandidieren.                 Sie war bereits nach dem ersten westlichen Putsch, der &#8222;Orangenen                 Revolution&#8220; im Jahr 2004, als prominentes und hochkorruptes Mitglied                 an einer ukrainischen Regierung beteiligt, die sich als derart                 unf\u00e4hig erwies, dass sie 2010 wieder sang- und klanglos abgew\u00e4hlt                 wurde ((8)). <\/p>\n<p>Doch erst jetzt, vor dem Hintergrund der wachsenden Konflikte                 mit den USA, entdecken deutsche Medien die &#8222;Schwachstellen&#8220; Tymoschenkos:                 &#8222;So schnell kann&#8217;s gehen. Da hat man sich jahrelang von den deutschen                 Mainstreammedien eintrichtern lassen m\u00fcssen, die inhaftierte ukrainische                 Oppositionspolitikerin Julia Tymoschenko sei ein unschuldiger                 Engel, und kaum kommt sie aus der Haft frei, da h\u00f6rt man das Gegenteil.                 Kritiker w\u00fcrfen ihr &#8218;dubiose Gesch\u00e4fte&#8216; vor und hielten sie f\u00fcr                 &#8218;opportunistisch und skrupellos&#8216;, hat das ZDF \u00fcberraschend erfahren.               <\/p>\n<p>Die S\u00fcddeutsche enth\u00fcllt, Tymoschenko sei &#8218;als Teil einer dubiosen                 Wirtschafts- und Machtelite selbst belastet&#8216;. Die Welt hat gleich                 einen ganz schlimmen Verdacht: Tymoschenko sei &#8218;wie Janukowytsch                 &#8211; nur h\u00fcbscher und mit Zopf&#8216;.&#8220; (junge Welt, 26.02.2014)<\/p>\n<h3>Showdown in Kiew? <\/h3>\n<p>Vor diesem Hintergrund dr\u00e4ngen sich abschlie\u00dfend zwei Fragen                 auf: Einmal, ob es angesichts der innerimperialistischen Konflikte                 zum Bruch mit Washington kommen wird. Dies ist eher unwahrscheinlich,                 da auch die USA vehement auf die Unterzeichnung des Assoziationsabkommens                 dr\u00e4ngen und somit mit Deutschland ein zentrales Interesse teilen.               <\/p>\n<p>Auch wenn es also nicht gel\u00e4nge, Klitschko als deutschen Statthalter                 in Kiew zu installieren, k\u00f6nnte ein Assoziationsabkommen als wichtiger                 Teilerfolg der neuen deutschen Machtpolitik verbucht werden.<\/p>\n<p>Zweitens stellt sich die Frage, wie unter anderem Deutschland                 auf russische Gegenma\u00dfnahmen reagieren wird. Auch wenn angesichts                 der enormen Risiken nicht damit zu rechnen ist, dass es zu einer                 totalen Eskalation kommen wird, so ist doch davon auszugehen,                 dass die Ukraine und ihre Bev\u00f6lkerung noch l\u00e4nger unter dem Machtgerangel                 der Gro\u00dfm\u00e4chte wird leiden m\u00fcssen. Deutschland hat dabei ma\u00dfgeblich                 dazu beigetragen, das Land ins Ungl\u00fcck zu st\u00fcrzen &#8211; so sieht sie                 also aus, die neue, &#8222;verantwortungsbewusste&#8220; deutsche Au\u00dfenpolitik. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Direktor des &#8222;German Marshall Funds&#8220; war auch Thomas Kleine-Brockhoff an der Erarbeitung der Studie beteiligt, der im Sommer 2013 von Joachim Gauck als neuer Leiter der Stabsstelle Planung und Reden verpflichtet wurde (S\u00fcddeutsche Zeitung, 18.07.2013). Und so ist es nicht verwunderlich, dass es sich der Bundespr\u00e4sident augenscheinlich zu seiner Aufgabe gemacht hatte, der &#8211; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2014\/04\/neue-deutsche-machtpolitik\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Neue deutsche Machtpolitik - graswurzelrevolution","description":"Als Direktor des \"German Marshall Funds\" war auch Thomas Kleine-Brockhoff an der Erarbeitung der Studie beteiligt, der im Sommer 2013 von Joachim Gauck als neue"},"footnotes":""},"categories":[738,1025,1027],"tags":[],"class_list":["post-13380","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-388-april-2014","category-die-waffen-nieder","category-wir-sind-nicht-alleine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13380","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13380"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13380\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13380"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13380"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13380"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}