{"id":13665,"date":"2014-09-01T00:00:43","date_gmt":"2014-08-31T22:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13665"},"modified":"2022-07-26T14:22:18","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:18","slug":"fuer-einen-gerechten-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2014\/09\/fuer-einen-gerechten-frieden\/","title":{"rendered":"F\u00fcr einen gerechten Frieden!"},"content":{"rendered":"<p>Ich hei\u00dfe Udi Segal, bin 19 Jahre alt und komme aus dem Kibbuz Tuval im Norden Israels. Vor einigen Monaten habe ich den Brief der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgr\u00fcnden f\u00fcr das Jahr 2014 unterzeichnet (siehe Seite 9), der von insgesamt 130 VerweigerInnen an den Premierminister Israels gesandt worden ist. In diesem Brief erkl\u00e4ren wir unsere Weigerung, in der israelischen Armee zu dienen.<\/p>\n<p>Der wichtigste Grund ist die Besetzung der Gebiete und die fortgesetzte Unterdr\u00fcckung der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung, die sich in ungleichen Sozialsystemen, der Missachtung ihrer Rechte und dem fortgesetzten Mord von mehr als 600 Personen bei der j\u00fcngsten Milit\u00e4roperation in Gaza ausdr\u00fcckt [Stand am 30. Juli 2014; Red.]. Au\u00dferdem tr\u00e4gt der Milit\u00e4rdienst zum israelischen Militarismus bei. Ich zum Beispiel bin als Mann und aschkenasischer Jude ((1)) jemand, der Einfluss auf die israelische Gesellschaft nehmen kann und es auch bei Widerspruch leichter hat davonzukommen. Denn ich komme aus dem herrschenden sozialen Milieu, das sehr zur Unterst\u00fctzung des israelischen Militarismus neigt &#8211; einem Milieu, dem ich mich mit aller Kraft widersetze.<\/p>\n<p>Auch wenn es die Besetzung der pal\u00e4stinensischen Gebiete nicht g\u00e4be, w\u00fcrde ich den Dienst in der Armee verweigern, denn er h\u00e4lt ein politisches System aufrecht, das nationalistisch und kapitalistisch ist, von dem nur einige Wenige profitieren und an dem ich nicht teilnehmen will.<\/p>\n<p>Ich bin nicht der Meinung, dass ich durch die derzeit laufende Milit\u00e4roperation in Gaza besch\u00fctzt werde. Die Milit\u00e4roperationen werden mich auch in Zukunft nicht sch\u00fctzen und sie werden nur neuerliche Milit\u00e4roperationen nach sich ziehen, wie es bereits bei der Operation &#8222;Gegossenes Blei&#8220; (2008-2009) der Fall war, die nur wieder zu der Operation &#8222;S\u00e4ulen der Verteidigung&#8220; (November 2012) gef\u00fchrt hat. Heute setzt sich das mit der Operation &#8222;Schutzlinie&#8220; fort, die dann wahrscheinlich wieder zu weiteren Milit\u00e4roperationen f\u00fchren wird. Was wirklich sch\u00fctzen w\u00fcrde, das w\u00e4re ein gerechter Friede, der die Ungerechtigkeiten anerkennt, die man den Pal\u00e4stinenserInnen angetan hat. Man kann keinen Frieden verwirklichen, solange man Land besetzt, eine Bev\u00f6lkerungsgruppe unterdr\u00fcckt und mit einer Mauer umgibt.<\/p>\n<p>Diese Bev\u00f6lkerung hat ihren Wunsch nach Freiheit nicht aufgegeben und sie vertraut nicht einem eventuellen Mitleid derer, die sie besetzen &#8211; darum sollten auch Sie nicht darauf vertrauen, in solch einer Situation in Sicherheit leben zu k\u00f6nnen. All denjenigen, die trotzdem meinen, dass sie mich in solch einer Situation milit\u00e4risch verteidigen, sage ich: <i>Wenn der f\u00fcr die Sicherheit zu zahlende Preis 600 [Anm. d. S.: mittlerweile \u00fcber 2100] Tote in Gaza sein soll, dann bin ich an einer solchen Form der Sicherheit nicht interessiert.<\/i><\/p>\n<p>Meine Verweigerung des Milit\u00e4rdienstes wird f\u00fcr meine Familie schwierig werden. Mein Bruder ist in der Armee und es ist m\u00f6glich, dass er sich in Gaza befindet, w\u00e4hrend ich im Gef\u00e4ngnis sein werde. Ich hoffe, dass das keine unl\u00f6sbaren Konflikte hervorruft. Jenseits dessen werden die Leute meine Eltern und meine Br\u00fcder mit Misstrauen betrachten.<\/p>\n<p>Ich bin der Meinung, dass ich zur israelischen Gesellschaft beitrage, aber es erscheint mir wichtig klarzustellen, dass meine Aktion nicht Teil einer patriotischen oder zionistischen Utopie ist, sondern Teil einer globalen Utopie, einer Globalit\u00e4t, die Israel mit einschlie\u00dft. Ich bin der Meinung, dass die Besetzung daf\u00fcr ein Hindernis darstellt und dass sie den israelischen B\u00fcrgerInnen schadet.<\/p>\n<p>Viele FreundInnen meines Alters sind in die Armee eingetreten. Ich selbst bin in einem militaristischen Milieu aufgewachsen, meine Schule hat einen der h\u00f6chsten Rekrutierungsprozents\u00e4tze im Land. ((2)) Ja, es gibt zahlreiche Personen, die aufgeh\u00f6rt haben, mit mir zu reden und die mich aufgrund meiner Entscheidung ausgrenzen. Aber es handelt sich dabei vielleicht um eine heilsame Reduzierung meiner Freundschaften, denn es gibt auch FreundInnen, die sich zur Armee gemeldet haben und meine Freunde geblieben sind. Ich habe mich daf\u00fcr entschieden, ins Gef\u00e4ngnis zu gehen, denn ungl\u00fccklicher Weise h\u00f6rt die israelische \u00d6ffentlichkeit eher jenen zu, die bereit zum Opfer sind und dazu, den Preis f\u00fcr ihre Aktion zu bezahlen.<\/p>\n<p>Das Gef\u00e4ngnis wird mir die Freiheit nehmen. Es wird mir schwer fallen, damit umzugehen, denn ich kenne bis jetzt nur das Leben drau\u00dfen, in einer gleichwohl relativen Freiheit. Hinzu kommt, dass die Haftbedingungen f\u00fcr diejenigen, die die Besetzung der Gebiete ablehnen, ganz besonders streng werden k\u00f6nnen. Das zeigt zum Beispiel der Fall von Uriel Ferera, der k\u00fcrzlich gefangengenommen worden ist. Er hat es abgelehnt, die Uniform zu tragen und musste aufgrund seiner Herkunft aus einem orthodoxen Umfeld Dem\u00fctigungen erleiden.<\/p>\n<p>Das Ziel meiner Kriegsdienstverweigerung ist das Ende der Besetzung. Aber in der gegenw\u00e4rtigen Lage z\u00e4hlt vor allem, dass die israelischen B\u00fcrgerInnen ihre Augen \u00f6ffnen, dass sie \u00fcber den Sinn der Besetzung nachdenken und dar\u00fcber, was es bedeutet, in der Armee zu dienen &#8211; und dass dar\u00fcber besonders Heranwachsende nachdenken, die sich dem wehrpflichtigen Alter n\u00e4hern.<\/p>\n<p>Was die laufende Milit\u00e4roperation in Gaza anbetrifft, so rufe ich die SoldatInnen und die ReservistInnen dazu auf, Befehle zu verweigern und nicht am Massaker teilzunehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hei\u00dfe Udi Segal, bin 19 Jahre alt und komme aus dem Kibbuz Tuval im Norden Israels. Vor einigen Monaten habe ich den Brief der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgr\u00fcnden f\u00fcr das Jahr 2014 unterzeichnet (siehe Seite 9), der von insgesamt 130 VerweigerInnen an den Premierminister Israels gesandt worden ist. 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