{"id":13715,"date":"2014-10-01T00:00:29","date_gmt":"2014-09-30T22:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13715"},"modified":"2022-07-26T13:31:00","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:00","slug":"nie-wieder-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2014\/10\/nie-wieder-krieg\/","title":{"rendered":"Nie wieder Krieg!"},"content":{"rendered":"<p>Die drei Worte &#8222;Nie wieder Krieg&#8220; sind im Laufe der Jahre zu                 Schlagworten geworden.<\/p>\n<p>Sie werden immer wieder in die Welt gerufen. Mit dem Motto: Nie                 wieder Krieg! werden Protestveranstaltungen abgehalten, Resolutionen                 gefasst, Zeitungsartikel geschrieben, erregte Diskussionen abgehalten,                 alles zu dem Zweck, die gro\u00dfe Forderung: Nie wieder Krieg! in                 die Herzen und Hirne der Menschen einzutrichtern. <\/p>\n<p>Und trotz dieser hei\u00dfen und aufrechten Bem\u00fchungen \u00fcberzeugter,                 idealistischer Menschen bin ich pers\u00f6nlich nicht ganz davon \u00fcberzeugt,                 dass die Menschen sich bewusst sind, was sie, wenn sie in die                 Welt rufen: Nie wieder Krieg! verpflichtet sind, im Kriegsfalle                 zu tun. <\/p>\n<p>Denn es w\u00e4re Unsinn zu glauben, dass die Regierungen bei pl\u00f6tzlicher                 Kriegsgefahr ihre kriegsl\u00fcsternen Ideen fallen lie\u00dfen und der                 Militarismus und seine Verfechter zur Einsicht k\u00e4men, einzig allein,                 weil eine bestimmte Anzahl Idealisten die drei Worte: Nie wieder                 Krieg! in die Welt gerufen haben. <\/p>\n<p>Nein, eine Regierung kehrt sich nicht an Protestversammlungen,                 nicht die Regierung ist es, die die Worte: Nie wieder Krieg! zur                 Tat wird reifen lassen.<\/p>\n<h3>Nie wieder Krieg! Nicht Lippenbekenntnis, sondern Tat!<\/h3>\n<p>Zehn Jahre [Aim\u00e9e K\u00f6ster schrieb den Artikel 1924; Red.] sind                 es her, dass der gro\u00dfe Krieg entbrannte, an dem alle Staaten,                 die daran beteiligt waren und sich seit Jahrzehnten zum Kriege                 ger\u00fcstet hatten, schuldig sind. Alle sind schuldig an dem Weltverbrechen,                 nicht nur Deutschland allein. Und deshalb will es eine gerechte                 Nemesis [G\u00f6ttin der ausgleichenden Gerechtigkeit; Red.], dass                 kein Staat aus dem ungerechten und blutigen Kriege sich Lorbeeren                 geholt und seine Mitb\u00fcrger gl\u00fccklich gemacht hat. <\/p>\n<p>Sogar das stolze und reiche Amerika hat wirtschaftliche Not,                 hat Erwerbslose, die nirgends unterzubringen sind, hat verzweifelte                 Menschen, die arbeiten m\u00f6chten und nicht Arbeit finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Nachwirkungen des Krieges kennen wir alle: Und es ist nicht                 nur eine ethische, sondern auch eine durchaus wirtschaftliche                 und rechnerische Kulturfrage f\u00fcr jedes Land, dass die Kriege auch                 dann, wenn ein Land sich &#8222;angegriffen&#8220; glaubt, abgeschafft werden                 m\u00fcssen! <\/p>\n<p>Keine noch so gro\u00dfe Kriegsentsch\u00e4digung von Seiten des Besiegten                 kann gro\u00df genug sein, um das Leid um die vielen Toten, Verwundeten,                 Verst\u00fcmmelten, die Kriegsfolgen des Hungers, des Elends, der zerst\u00f6rten                 Verbindung zwischen den Nationen zu stillen. Kein Sieg ist entscheidend                 genug, um die Lasten, die wirtschaftliche Vernichtung eines Landes                 zu entsch\u00e4digen. <\/p>\n<p>In wirtschaftlicher Hinsicht ist jeder Krieg ein vollst\u00e4ndiger                 Konkurs. \u00dcbrigens ist es ein Unding, die Kriegsfrage rechnerisch                 beleuchten zu wollen, aber da die Kriege im Grunde genommen rein                 kapitalistisch sind und um materielle Fragen gef\u00fchrt werden, ist                 es auch logisch, den grunds\u00e4tzlichen Rechnungsfehler der Kriege                 besonders hervorzuheben.<\/p>\n<p>Jene Menschen aber, die den Ruf: Nie wieder Krieg! ert\u00f6nen lassen,                 sind keine Rechner, keine Menschen, die die Kriege verabscheuen,                 weil sie den Staaten den gew\u00fcnschten Nutzen nicht bringen. <\/p>\n<p>Nein, die Pr\u00e4ger und Verfechter dieser drei Worte sind Idealisten                 und verabscheuen den Krieg, weil der Krieg unmenschlich ist, weil                 der Krieg eine Kulturschande ist, weil der Krieger, der bewaffnet                 einem Menschenbruder gegen\u00fcbersteht, den er nie gesehen hat, der                 ihm nie etwas zuleide getan hat, und den er auf Befehl eines Vorgesetzten                 kalten Blutes ermorden soll, ein seelenloser, grausamer, gewissenloser                 Misset\u00e4ter ist. <\/p>\n<p>Es ist eine unglaubliche Rohheit, wenn Nationen sich bekriegen                 und strategischer Vorteile halber den Kampf durch Niedertr\u00e4chtigkeiten,                 Spionage, Betrug, Verrat, Verhetzung, alle m\u00f6glichen L\u00fcgen unterst\u00fctzen,                 wobei der Volksbetrug und die Pressel\u00fcge die gr\u00f6\u00dften Sch\u00e4ndlichkeiten                 sind. <\/p>\n<p>Ja, jene Menschen, welche protestieren gegen den Krieg, sind                 in den meisten F\u00e4llen Idealisten und handeln in vollster \u00dcberzeugung,                 auch wenn wir gegenw\u00e4rtig keinen Krieg haben, und dieser Ruf ganz                 gefahrlos ist. <\/p>\n<p>Ich selber halte ja diese Propaganda nicht gerade f\u00fcr aussichtslos,                 aber bef\u00fcrchte, dass auch hier in sehr vielen F\u00e4llen die drei                 Worte: Nie wieder Krieg! nur Worte bleiben werden und der Antimilitarismus                 nicht immer zur Tat reifen wird. <\/p>\n<p>Aber die Worte: Nie wieder Krieg! d\u00fcrfen nicht nur ein Lippengebet                 sein, man muss auch willens sein, im Falle eines Krieges seine                 Pers\u00f6nlichkeit f\u00fcr dieses Gel\u00fcbde in die Waagschale zu werfen.<\/p>\n<h3>Der Aufruf einer italienischen Mutter gegen den Krieg<\/h3>\n<p>In dem sch\u00f6nen Aufruf einer Mutter, den ich auf der ersten Seite                 [dieser selben Ausgabe von &#8222;Die schaffende Frau&#8220;] ver\u00f6ffentlichte                 und der im Jahre 1918 im &#8222;Pionier&#8220;, einer sozialrevolution\u00e4ren                 Wochenzeitung Berlins ((2)),                 erschien, wendet sich eine italienische Frau an die Menschheit,                 die wie sie den Krieg verabscheut. <\/p>\n<p>Dieser Aufruf erschien in kriegsschwangerer Zeit, bewirkte die                 Beschlagnahme der betreffenden Nummer des &#8222;Pioniers&#8220; und begl\u00fcckw\u00fcnschte                 den verantwortlichen Schriftleiter mit einer Gef\u00e4ngnisstrafe von                 einem Monat. Im Originaltext, der zur Zeit des tripolitanischen                 Krieges [1911-12 zwischen Italien und der T\u00fcrkei, wobei Libyen                 von Italien besetzt wurde; GWR-Red.] in der italienischen Zeitung                 &#8222;La Pace&#8220; ver\u00f6ffentlicht worden war, hatte das Prosapoem von der                 italienischen Zensur keine Beachtung erfahren. Ein Beweis, dass                 die kaiserliche Regierung in Deutschland bez\u00fcglich der Sch\u00e4rfe                 der Zensur immer einen meilenweiten Vorsprung hatte.<\/p>\n<p>Selten hat wohl eine Frau hei\u00dfere, \u00fcberzeugtere Worte gegen den                 Krieg gesprochen als diese unbekannte Italienerin. Ja, sie belehrt                 die Frauen, wie sie ihre S\u00f6nne erziehen sollen, sie betont klipp                 und klar, dass der \u00fcberzeugte Mensch die Pflicht hat, nicht nur                 den Krieg mit Worten zu verdammen, sondern auch f\u00fcr seine \u00dcberzeugung                 mit seiner Person einzustehen und jeden Gedanken an Teilnehmerschaft                 am Kriege fallen zu lassen. Diese Frau ist echt und gro\u00df, und                 ihre Worte sollten von jeder Mutter, von jedem jungen Genossen,                 jeder jungen Genossin auswendig gelernt werden.<\/p>\n<p>Von den jungen Genossen zur eigenen Wegrichtung, von den M\u00fcttern,                 Br\u00e4uten und Schwestern als Warnungsruf im Falle, dass Sohn, Bruder                 oder Geliebter der antimilitaristischen Ideale untreu werden.                 Wir haben in Deutschland auch Kriegsgegner gehabt. Mehrere sind                 mir dem Namen nach bekannt, viele nat\u00fcrlich haben einsam gelitten,                 sind einsam erschossen worden und haben, ohne dass ein Hahn nach                 ihnen kr\u00e4hte, geschweige eine weiche [sic!] Frauenhand ihnen die                 Augen zudr\u00fcckte, einen furchtbaren Tod gefunden, sind verurteilt,                 gemartert, erschossen worden von eigenen Volksgenossen. <\/p>\n<p>Welch bitterer Tod! Und welche Schande f\u00fcr den Militarismus!<\/p>\n<h3>Die Entscheidung eines Kriegsdienstverweigerers im Angesicht                 des Mordens<\/h3>\n<p>Vielleicht ist es gut, wenn ich meinen Leserinnen die Geschichte                 eines Kriegsdienstgegners erz\u00e4hle, der es gewagt hat, w\u00e4hrend                 der f\u00fcrchterlichsten Zeit dem Scheusal Krieg die Stirn zu bieten.                 Ich erfuhr die Begebenheit aus dem Munde des Vaters dieses Soldaten,                 eines unserer aufrechtesten Genossen. Sein Sohn, ein junger Mann                 von etwa 24 Jahren, der eine junge Frau und einen kleinen Sohn                 hatte, wurde aufgefordert, sich seinem Regiment zu stellen.<\/p>\n<p>Dieser junge Mann hatte eine durchaus antimilitaristische Erziehung                 erhalten. Der reine Sozialismus herrschte im v\u00e4terlichen Heim                 und jeder, sowohl Vater als Sohn, waren fest entschlossen, im                 Kriegsfall keine Waffe zu ergreifen. <\/p>\n<p>Als der junge Mann die Aufforderung bekam, begann der schwere                 Gewissenskampf. Er eilte zu seinem Vater und wollte sich Rat holen.                 &#8222;Was soll ich tun?&#8220;, fragte er den alten Vater. Ersch\u00fcttert erwiderte                 dieser: &#8222;Ich wei\u00df es nicht!&#8220; &#8211; &#8222;Vater&#8220;, rief der Sohn, &#8222;Du hast                 mir gesagt, dass der Sozialist nicht zur Waffe greifen darf und                 jetzt versagst Du mir die Antwort!&#8220; &#8211; &#8222;Ich kann Dir nicht raten&#8220;,                 erwiderte der Vater, &#8222;wenn Du in den Krieg ziehst, so handelst                 Du gegen die Grunds\u00e4tze des Menschentums, gegen alles, was wir                 hochhalten und was wir glauben. Wenn Du in den Krieg ziehst, bist                 Du ein Abtr\u00fcnniger unserer Weltanschauung. &#8211; Wenn du nicht hingehst,                 um Br\u00fcder zu morden, so wirst Du erschossen. &#8211; Wei\u00df ich denn,                 was ich Dir raten soll, wei\u00df ich denn, ob Du die Kraft aufbringst,                 Deine Weltanschauung hochzuhalten?&#8220; &#8211; Stumm verflossen einige                 Minuten. Dann begann der Sohn von neuem: &#8222;Was t\u00e4test Du, Vater,                 an meiner Stelle?&#8220; &#8211; Und wieder lautete die Antwort des alten                 Vaters: &#8222;Ich wei\u00df es nicht &#8211; ich kann es nicht wissen!&#8220;<\/p>\n<h3>Der gerechte Krieg der christlichen Religionen<\/h3>\n<p>Dann erfolgte der Abschied, ein tr\u00e4nenloser, stummer, furchtbarer                 Abschied!<\/p>\n<p>Der Sohn wurde Soldat. Solange das Regiment nicht an der Front                 war, tat der Soldat seine so genannte Soldatenpflicht. Monate                 verstrichen, ohne dass das Regiment Kanonendonner h\u00f6rte. Als aber                 der Leutnant an einem sch\u00f6nen Morgen der Mannschaft erkl\u00e4rte,                 dass der n\u00e4chste Tag die Feuertaufe bringen w\u00fcrde, trat unser                 Genosse vor die Front des Regiments und erkl\u00e4rte dem Leutnant,                 dass seine Weltanschauung ihm verbiete, auf Menschenbr\u00fcder zu                 zielen. Der Leutnant war w\u00fctend und lie\u00df den widerspenstigen Soldaten                 abf\u00fchren. In den n\u00e4chsten Tagen bearbeiteten den jungen Genossen                 die Geistlichen beider Konfessionen. Der protestantische Pastor                 wechselte [sich] ab mit seinem Kollegen, dem katholischen Feldgeistlichen.<\/p>\n<p>Jeder bem\u00fchte sich im Namen Gottes dem Soldaten zu erkl\u00e4ren,                 dass es seine Pflicht sei, sich am Weltbrudermorde zu beteiligen.                 Aber keiner erreichte sein Ziel. Der Soldat blieb dabei, dass,                 solange man von ihm nicht verlangt habe zu morden, er seine Pflicht                 als Soldat getan habe, dass aber von der Stunde an, da sein Handwerk                 das eines Menschenm\u00f6rders sein m\u00fcsse, seine Menschenpflicht h\u00f6her                 st\u00e4nde als die Soldatenpflicht.<\/p>\n<h3>Psychiatrisierung und Haft unter unmenschlichen Bedingungen<\/h3>\n<p>Als die beiden christlichen Seelsorger nichts erreichten, versuchte                 man es mit einem Irrenarzt. Dieser untersuchte den jungen Mann                 darauf hin, ob seine intellektuellen F\u00e4higkeiten nicht Schaden                 gelitten h\u00e4tten. Aber sowohl der Leutnant als auch seine anderen                 Vorgesetzten mussten zugeben, dass unser Genosse ein gehorsamer,                 pflichttreuer Soldat sei, leider aber habe er ganz &#8222;verworrene&#8220;                 Ansichten. Und dann kam der Schluss. Kriegsgericht und Verurteilung                 zu 11 Monaten Festungshaft. W\u00e4hrend dieser Haft litt der junge                 Mann furchtbar. K\u00e4lte, Hunger, harte Arbeit, Strapazen jeder Art                 wurden sein Los. Jeden Monat hatte er die Erlaubnis, Post zu empfangen                 und Post abzusenden. <\/p>\n<p>Die Nachrichten aus der Heimat lauteten tieftraurig, der Krieg                 w\u00fctete weiter, der Hunger herrschte im Land, das deutsche Volk                 war stumm geworden.<\/p>\n<p>In der Festung aber herrschte die Willk\u00fcr, die Grausamkeit des                 Militarismus, die entmenschte Tyrannei. Langsam, langsam verstrichen                 die 11 Monate. Als die Haft vor\u00fcber war, wurde der Soldat in seine                 Heimat gebracht. Er war so geschw\u00e4cht, dass seine Beine ihn nicht                 mehr tragen und er nicht mehr aufrecht stehen konnte. Eine Stunde                 gab man ihm Zeit, um unter Aufsicht eines Offiziers mit seinen                 Eltern, seiner jungen Frau und seinem Kind R\u00fccksprache zu halten.                 Dann wurde er ins Lazarett bef\u00f6rdert. Hier wurde er, soweit es                 m\u00f6glich war, gesund gepflegt. Und seine Angeh\u00f6rigen hatten die                 Erlaubnis, ihn ab und zu zu besuchen. Als er halbwegs gesund war,                 fing der Tanz um seine Seele wieder an. Aber jetzt war er noch                 fester, entschlossener als je, nicht nachzugeben. Die 11 Monate                 der Tortur und der Willk\u00fcr sollten nicht umsonst gewesen [im Original:                 gebracht; Red.] sein. Allerdings konnte er nicht daran zweifeln,                 dass eine neue Verurteilung den Tod bedeuten w\u00fcrde, denn sein                 geschw\u00e4chter K\u00f6rper konnte die gleichen seelischen und k\u00f6rperlichen                 Ersch\u00fctterungen nicht noch einmal ertragen. Aber jetzt geschah                 ein Wunder. Man steckte den Soldaten nicht mehr ins Heer, sondern                 bef\u00f6rderte ihn zum Eisenbahner. Hier blieb er bis zum Kriegsabschluss.               <\/p>\n<p>Wahrscheinlich hatte der Vorgesetzte seines Regiments nicht mehr                 gewagt, diesen unnachgiebigen Antimilitaristen wieder ins Regiment                 zu stellen. Die Propaganda dieses unentwegten Kriegsdienstgegners                 erschien dem milit\u00e4rischen Vorgesetzten als zu gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<h3>Kriegsdienstverweigerung aus \u00dcberzeugung<\/h3>\n<p>Dies ist ja nicht das einzige Beispiel, dass ein deutscher Soldat                 aus Verantwortungsgef\u00fchl, aus \u00dcberzeugungstreue sich geweigert                 hat, auf Menschenbr\u00fcder zu schie\u00dfen. Es ist aber unter vielen,                 die mir sonst bekannt wurden, der interessanteste Fall. Und zwar                 war die Verweigerung des Kriegsdienstes eine Folge der inneren                 \u00dcberzeugung. Wie viele haben sich geweigert, in den Krieg zu ziehen                 und bedienten sich dabei aller m\u00f6glichen Listen. Die selbstbewusste,                 unzweideutige Weigerung vor den milit\u00e4rischen Vorgesetzten macht                 diesen Fall besonders hochwertig.<\/p>\n<p>Ich verga\u00df zu erw\u00e4hnen, dass der Vater des betreffenden Genossen                 versucht hatte, dieses Kriegsurteil im Auslande bekannt zu machen.                 Doch die Zensur gestattete ja keine Nachrichten ins Ausland. Und                 doch kam die Nachricht durch die List in die Schweiz und der ganze                 Fall wurde in der Schweizer Presse ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Wenn man bedenkt, wie ein einziger Fall von entschlossener Kriegsdienstverweigerung                 Beispiel gebend wirken kann, so bedauert man besonders, dass so                 viel geredet und so wenig gehandelt wird, wenn der Moment da ist.                 Hundert und tausend junge und \u00e4ltere Genossen demonstrieren: Nie                 wieder Krieg! und wie viele werden es sein, die auch mit ihrem                 Leben, mit ihrer Freiheit diese drei Worte zur Tat werden lassen,                 wenn einmal der Moment da ist? <\/p>\n<p>Pfarrer [Leonhard] Ragaz, ein bekannter antimilitaristischer                 schweizerischer Pfarrer, hat einmal gesagt: Der Militarismus wird                 erst dann geschlagen werden, wenn zuerst einer, dann zehn, dann                 hundert, dann tausend f\u00fcr die Idee des Antimilitarismus gelitten                 und gestritten und ihre Freiheit hingegeben haben. So lange aber                 der Militarismus st\u00e4rker ist als die moralische Kraft des Einzelnen,                 wird er auch nicht verschwinden. Und so ist es auch! Freilich                 ist es schwer, vor dem Kriegsgericht zu stehen und die Folgen                 der Kriegsdienstverweigerung auf sich zu nehmen, aber nur die                 furchtlose, aufrechte, entschlossene Weigerung, auf Br\u00fcder zu                 schie\u00dfen, wird dem Militarismus zu Leibe r\u00fccken. <\/p>\n<p>Bei dieser Gelegenheit erinnere ich noch einmal an das pr\u00e4chtige                 Buch &#8222;Friedenskrieger des Hinterlandes&#8220; von Pierre Ramus [\u00f6sterreichischer                 gewaltfreier Anarchist, 1882-1942; Red.], das ebenfalls in ausf\u00fchrlichen                 Schilderungen die K\u00e4mpfe und Leiden eines Kriegsdienstverweigerers                 schildert.<\/p>\n<p>Wer also in den letzten Wochen und Tagen in den Ruf: Nie wieder                 Krieg! gedankenlos oder \u00fcberzeugungsvoll eingestimmt hat, dem                 erw\u00e4chst die Menschenpflicht, im Kriegsfalle diesen Schwur auch                 mit seiner Freiheit zu bet\u00e4tigen. Und den Frauen erw\u00e4chst die                 Pflicht, darauf zu wachen, dass ihre S\u00f6hne von Kindheit an begreifen                 und erfassen, wie viel daran liegt, die Worte: Nie wieder Krieg!                 auch wirklich zu leben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die drei Worte &#8222;Nie wieder Krieg&#8220; sind im Laufe der Jahre zu Schlagworten geworden. Sie werden immer wieder in die Welt gerufen. 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