{"id":13717,"date":"2014-10-01T00:00:45","date_gmt":"2014-09-30T22:00:45","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13717"},"modified":"2022-07-26T14:12:06","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:06","slug":"25-jahre-unrast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2014\/10\/25-jahre-unrast\/","title":{"rendered":"25 Jahre Unrast"},"content":{"rendered":"<p><b>Nina Nadig (GWR): Wie ist euer Verlag vor 25 Jahren entstanden?                 <\/b><\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig (Unrast): <\/i>Ich bin der einzige von uns dreien,                 der bei der Gr\u00fcndung 1989 schon dabei war. Wir kommen zwar alle                 aus dem gleichen politischen Projekt, haben aber nicht in der                 heutigen Konstellation den Verlag gegr\u00fcndet. <\/p>\n<p>Wir haben zu Studierendenzeiten eine anarchistisch-libert\u00e4re                 Initiative (Alibi) gegr\u00fcndet, um uns in die Hochschulpolitik einzumischen.                 Diese Phase war relativ kurz, weil wir uns bald als Alibi verst\u00e4rkt                 in au\u00dferuniversit\u00e4re politische Diskussionen und Aktionen eingemischt                 haben.<\/p>\n<p>Wir waren ausdr\u00fccklich eine anarchistische Gruppe, haben uns                 dann aber auch immer mehr mit der autonomen Bewegung auseinandergesetzt,                 die in den 80er Jahren von Bedeutung und von anarchistisch bis                 autonom, libert\u00e4r bis marxistisch zusammengesetzt war. Wir haben                 uns da als AnarchistInnen zugeh\u00f6rig gef\u00fchlt. <\/p>\n<p>Wir waren eine Gruppe von 25 Menschen und haben uns regelm\u00e4\u00dfig                 im Umweltzentrum (UWZ) getroffen und dort irgendwann auch einmal                 einen Text der autonomen L.U.P.U.S.-Gruppe aus dem Rhein-Main-Gebiet                 gemeinsam gelesen. <\/p>\n<p>Der hie\u00df: &#8222;Stand autonomer Bewegung? Langlauf oder Abfahrt im                 Sturz&#8220; ((1)), in dem es nach                 einer umfassenden Kritik der Praxis der Autonomen im Wesentlichen                 darum ging, dass man sich als Bewegungslinke institutionalisieren                 muss, dass man nicht immer nur Aktionen und Kampagnenpolitik machen                 kann und sich wundert, dass hinterher die Gruppen und Strukturen                 wieder zerfallen nach solchen Aktionen. Wir haben diese Diskussion                 als Gruppe aufgegriffen und uns im Ergebnis entschlossen, in M\u00fcnster                 ein Libert\u00e4res Zentrum zu gr\u00fcnden. Daraus hervorgegangen ist das                 Themroc, das zwei, drei Jahre existierte\u2026<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke (GWR): Nee, fast vier, von 1988 bis Januar 1992.<\/b><\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Zeitgleich mit der Gr\u00fcndung des Themroc gab                 es eine Zeitungsinitiative, die das anarchistische Magazin PROJEKT<i>il<\/i>                 herausgebracht hat. Der Titel klingt martialisch, ein bisschen                 militaristisch. War gar nicht so gemeint, sondern es war aus dem                 Wort &#8222;Projekt&#8220; abgeleitet.<\/p>\n<p>Wenn man das Cover der Zeitung sieht, ist &#8222;Projekt&#8220; in Versalien                 geschrieben, das &#8222;il&#8220; hinten dran klein. Diese Zeitung hat das                 Themroc leicht \u00fcberdauert, aber zur Gr\u00fcndungszeit war sie als                 Zeitung unseres Zentrums gedacht und ist dann aber immer mehr                 zu einem anarchistischen Lokalblatt geworden. Es gab eine interessante                 Bewegung zu dieser Zeit, Ende der 80er Jahre in M\u00fcnster. Da haben                 wir uns heimisch gef\u00fchlt, haben f\u00fcr diese lokale Bewegung und                 aus ihr heraus diese Zeitung gemacht, die auch \u00fcberregional Verbreitung                 fand. Aus diesem Zeitungskollektiv haben sich dann drei Menschen                 herauskristallisiert und gesagt, wir wollen etwas Nachhaltigeres                 machen, als nur aktuelle Diskussionen und Flugbl\u00e4tter zu ver\u00f6ffentlichen.                 Wir wollten auch pers\u00f6nlich weiter gehen und kollektiv arbeiten.                 Es gab diese Idee: zusammen k\u00e4mpfen, leben und arbeiten.<\/p>\n<p>Von Anfang an war auch der Aspekt, seinen Lebensunterhalt damit                 zu verdienen im Hinterkopf. So haben wir 1989 den Unrast Verlag                 gegr\u00fcndet. <\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Ich kann mich gut daran erinnern: Als ich 1990                 den <i>Atomkraft Nein!-Kalender 91<\/i> im Umw\u00e4lzzentrum (UWZ)                 zusammengebastelt habe, wurde dort gleichzeitig der erste <i>Antifakalender<\/i>                 gemacht, von einer autonomen Kalendergruppe. Das war das erste                 gro\u00dfe Projekt des Unrast Verlages. Der Antifa-Taschenkalender                 91 erschien im September 1990 mit einer 8.000er Auflage. Ein Riesenerfolg.                 <\/b><\/p>\n<p><b>Wenn ihr die libert\u00e4re Szene in der Themroc-Zeit mit der heutigen                 vergleicht, welche Unterschiede seht ihr dann? Wie hat sich das                 entwickelt? Wie seht ihr die Perspektiven der anarchistischen                 Bewegung? <\/b><\/p>\n<p><i>Martin Sch\u00fcring (Unrast):<\/i> Oh, das sind gro\u00dfe Fragen. Heute                 ist unsere Position ja eine ganz andere. Damals waren wir jung                 und mittendrin in der Szene.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, die gruppierte sich um uns als Zentrum und war sehr                 lebendig. Wir haben damals im Themroc Veranstaltungen mit mehreren                 hundert Leuten gemacht. Ich glaube nicht, dass man das heute noch                 in M\u00fcnster so auf die Beine stellen k\u00f6nnte. Aus meiner Sicht gab                 es damals eine breiter aufgestellte anarchistische Szene als heute.               <\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Ich denke, die meisten Leute wissen nicht was                 Anarchie ist. Was ist Anarchismus? K\u00f6nnt ihr erl\u00e4utern, was ihr                 darunter versteht? <\/b><\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Ja, Anarchismus ist f\u00fcr mich die Leitidee                 von der Freiheit des Menschen als dem gr\u00f6\u00dften zu erringenden gesellschaftlichen                 Gut. Freiheit ist f\u00fcr mich der Leitgedanke, mit dem man alle verschiedenen                 anarchistischen Denkstr\u00f6mungen zusammenfassen kann. Anarchismus                 kann man historisch begreifen, auch aktuell und philosophisch.               <\/p>\n<p>Es gibt militanten Anarchismus, gewaltfreien Anarchismus, kommunistischen                 Anarchismus, es gibt sogar Leute die sich als Kapitalisten verstehen                 und sich Anarchisten nennen, sogenannte &#8222;Libertarians&#8220;. Es gibt                 alles, was man gesellschaftlich thematisieren kann, auch in einer                 anarchistischen Version.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das Entscheidende daran, dass Anarchismus der Leitfaden                 ist, zu mehr Freiheit, perspektivisch der Herrschaftsfreiheit                 unter den Menschen auf allen Ebenen. Ich denke, die <i>Graswurzelrevolution<\/i>-Leser                 und -Leserinnen verstehen, was ich meine, dass es ein Prozess                 ist, der langsam und schrittweise voran geht. Es gibt aber auch                 revolution\u00e4re Str\u00f6mungen, insbesondere in der Geschichte, die                 sich als anarchistisch verstehen und sich von einem radikalen                 gesellschaftlichen Umsturz den richtigen Schritt zur Herrschaftsfreiheit                 versprechen. <\/p>\n<p>Es gibt Anarchosyndikalisten, die sich gewerkschaftlich organisieren                 und m\u00fchsame K\u00e4mpfe in Betrieben f\u00fchren\u2026 usw. <\/p>\n<p><b>Nina Nadig: Du hast gerade schon etwas erz\u00e4hlt von der Gr\u00fcndung                 des Unrast-Kollektivs. Wer war damals dabei? <\/b><\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Als wir das Unrast-Kollektiv gegr\u00fcndet haben,                 waren wir zu dritt. Das waren Ines Gutschmidt, die heute die Beratungsstelle                 des Autonomen Frauenhauses in M\u00fcnster f\u00fchrt, Willi Bischoff, der                 heute die Edition Assemblage [vgl. Interview in GWR 387] macht,                 und ich. Wir drei waren aber auch eingebunden in ein gr\u00f6\u00dferes                 Netzwerk. Also, es gab z.B. &#8211; weil Bernd ja auch den Antifa-Kalender                 angesprochen hat &#8211; die Antifa-Kalender-Redaktion noch als Gruppe,                 aus der dann wieder die Gruppe rat &#8211; <i>reihe antifaschistischer                 texte<\/i> &#8211; entstanden ist, die bis heute B\u00fccher im Unrast Verlag                 herausbringt. Es gab verschiedene Kerne, die sich um den Verlag                 herum assoziiert haben. Genannt habe ich ja schon das PROJEKT<i>il<\/i>,                 das dann, als es das Themroc nicht mehr gab, ja noch weiter erschienen                 ist, mit ein paar Ausgaben, die auch als HerausgeberInnengruppe                 assoziiert waren im weitesten Sinne. Zum Schluss hat der Unrast                 Verlag dann auch den Vertrieb f\u00fcr das PROJEKT<i>il<\/i> \u00fcbernommen,                 f\u00fcr die letzten Ausgaben. ((2))<\/p>\n<p>Heute sind wir zu dritt, auch aus dem gleichen Zusammenhang,                 aber sp\u00e4ter zum Kollektiv dazu gesto\u00dfen. Es gab praktisch ein                 paar Umstrukturierungen. Martin ist 1992 dazu gesto\u00dfen&#8230;<\/p>\n<p><i>Martin Sch\u00fcring:<\/i> &#8230;nee, das war 1994 oder 95, genau wei\u00df                 ich es nicht. <i><\/i><\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Weil wir auch merkten, dass wir uns professionalisieren                 m\u00fcssen. Arbeit gab es viel, das Geld war knapp. Ines und ich sind                 dann 2001 aus dem Verlag ausgestiegen und haben andere Priorit\u00e4ten                 gesetzt. Danach haben Willi und Martin den Verlag alleine gemacht.                 Vor drei Jahren, als es zur Trennung der beiden als Kollektiv                 kam, bin ich wieder in den Verlag eingestiegen und zwei Jahre                 sp\u00e4ter ist Markus dazu gekommen. Zun\u00e4chst als Azubi, weil dadurch                 auch eine externe Finanzierung m\u00f6glich war, f\u00fcr diese zus\u00e4tzliche                 Stelle. Und nach seiner Ausbildung zum Medienkaufmann jetzt als                 vollwertiges Kollektivmitglied (schmunzelt).<\/p>\n<p><i>Martin Sch\u00fcring:<\/i> Wir waren von Anfang an ein Ausbildungsbetrieb.                 Auch Willi und ich haben praktisch bei J\u00f6rn unsere Ausbildung                 gemacht. Ganz am Anfang war der Unrast Verlag schwer unterbesetzt,                 deswegen gab es in den ersten Jahren wenige Publikationen, weil                 J\u00f6rn die Ausbildung zum Verlagskaufmann in einer anderen Stadt                 gemacht hat. Ines hatte gerade ein kleines Kind, das hei\u00dft, es                 war praktisch nur Willi, der dann beschr\u00e4nkt Sachen publizieren                 konnte. Aber diese Idee, Leute zu qualifizieren und auszubilden,                 haben wir beibehalten. Markus ist der bisher letzte Auszubildende                 gewesen, der dann auch wieder in das Kollektiv integriert wurde.               <\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Was bedeutet es f\u00fcr euch, ein Kollektiv zu sein,                 als Unrast Verlag?<\/b><\/p>\n<p><i>Martin Sch\u00fcring:<\/i> Das war von Anfang an ein Kernelement.                 Das geht auch zur\u00fcck auf Alibi, auf das Themroc, wo wir uns auch                 schon als Kollektiv verstanden haben, da waren wir ein 14-Personen                 Kollektiv, das damals das anarchistische Zentrum Themroc betrieben                 hat. Irgendwann haben wir uns ge\u00f6ffnet f\u00fcr die Szene, dann war                 das Kollektiv nicht mehr federf\u00fchrend, sondern ein NutzerInnenplenum                 hat das Themroc organisiert. Aber der Kollektivgedanke ist von                 uns weitergef\u00fchrt worden, im Verlag und auch in der Zeitung. Die                 beiden Projekte waren von Anfang an kollektiv organisiert. Was                 im Verlag noch einmal etwas anderes war, weil es da dann irgendwann                 auch darum ging, dass es da Geld zu verteilen gab, also die Lohnfrage                 gestellt wurde. <\/p>\n<p><b>Nina Nadig: Ihr bezeichnet euch in eurem Selbstverst\u00e4ndnis                 als &#8222;anarchistisch, feministisch, antirassistisch und antifaschistisch&#8220;.                 Gerade habt ihr erw\u00e4hnt, dass Ines ausgetreten und beim Verlag                 nicht mehr dabei ist. Das hei\u00dft, ihr seid nur noch M\u00e4nner im Kollektiv                 zurzeit. Was bedeutet das f\u00fcr euch in Bezug auf den Feminismus,                 in wie fern versteht ihr euch als Feministen? Inwiefern k\u00f6nnen                 auch M\u00e4nner Feministen sein? <\/b><\/p>\n<p><i>Markus Kampk\u00f6tter (Unrast):<\/i> Ja, ich glaube, dass es f\u00fcr                 M\u00e4nner m\u00f6glich ist Feministen zu sein. Ich w\u00fcrde mich jetzt nicht                 unbedingt so bezeichnen, aber jetzt weniger, weil ich da gro\u00dfe                 Schwierigkeiten mit habe &#8211; wenn das jemand zu mir sagen m\u00f6chte,                 darf das auch gerne passieren. Ich bin nur nicht besonders scharf                 darauf, auf die ganzen Ismen. Vielleicht ist es ein bisschen die                 Frage dahin, was macht ein Verlag? Es gibt sicher eine Menge B\u00fccher,                 die wir machen, wo wir nicht hinter jedem einzelnen Wort stehen,                 was da drin steht. Insofern ist es vielleicht verst\u00e4ndlich: wenn                 eine Autorinnengruppe oder auch eine einzelne Autorin mit dem                 Thema zu uns kommt, dann k\u00f6nnen wir das gerne unterst\u00fctzten. Ansonsten                 ist man als Mann in einer komfortablen Rolle im Patriarchat, in                 einer m\u00e4nnerdominierten Gesellschaft. <\/p>\n<p>Da kann man auch selber etwas dran machen, f\u00fcr sich tun, Frauen                 unterst\u00fctzen, in dem was sie strukturell unterdr\u00fcckt, das ist                 in unserem System so, und Feminist_innen versuchen, etwas daran                 zu ver\u00e4ndern. <\/p>\n<p><i>Martin Sch\u00fcring:<\/i> Das war immer ein zentraler inhaltlicher                 Punkt bei uns, auch zu PROJEKT<i>il<\/i>-Zeiten, auch die Geschlechterauseinandersetzung                 mit Geschlechterrollen aus m\u00e4nnlicher Sicht.<\/p>\n<p>Wir geh\u00f6ren zu den obskuren Subjekten, die tats\u00e4chlich so etwas                 als M\u00e4nnergruppe gemacht haben in den 80er Jahren, \u00fcber mehrere                 Jahre, was es heute, soweit ich wei\u00df, gar nicht mehr gibt. Das                 erste Buch des Unrast Verlags begr\u00fcndete folgerichtig die Reihe                 &#8222;Feministische Wissenschaften&#8220;. Als Ines dann ausgestiegen ist                 und uns der direkte Draht gefehlt hat, gab es erst mal ein Loch,                 weil wir die Projekte nicht mehr an den Start gebracht haben.                 Es war aber immer auch ein inhaltlicher Anspruch, in diesem Themenbereich                 zu ver\u00f6ffentlichen und mittlerweile haben wir auch wieder gute                 Kontakte gekn\u00fcpft und machen wieder relativ viele Titel in diesem                 Bereich. <\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Stellt bitte mal das Verlagsprogramm vor. Welche                 B\u00fccher habt ihr publiziert? Wie sieht das aktuelle Programm aus?<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p> <i>Martin Sch\u00fcring:<\/i> Schwerpunktm\u00e4\u00dfig machen wir links-politische                 Sachb\u00fccher, in den Bereichen Antifa, Antirassismus, Anarchismus,                 Kommunismus, \u00d6kologie, Feminismus, P\u00e4dagogik,\u2026 Wir sind breit                 aufgestellt und versuchen diese Bereiche zu bedienen, mit unserm                 Programm.<\/p>\n<p>Jetzt publizieren wir gerade 26 neue B\u00fccher aus allen Sparten.                 Wir haben auch Reihen, wie zum Beispiel die Edition DISS, vom                 Duisburger Institut f\u00fcr Sprach- und Sozialforschung, die sehr                 renommiert ist. Wir haben die Reihe &#8222;Klassiker der Sozialrevolte&#8220;.                 Wir verstehen uns als kleiner, linker Publikumsverlag, der nicht                 eindimensional publiziert, sondern m\u00f6glichst das abdeckt, was                 relevant ist f\u00fcr linke, emanzipatorische Bewegungen. <\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Wir haben eben viel \u00fcber Anarchismus gesprochen.                 Das ist unser pers\u00f6nliches Selbstverst\u00e4ndnis. Als Verlag haben                 wir eher das Selbstverst\u00e4ndnis eines politischen Dienstleisters,                 sozialkritische, emanzipatorische Diskussionen aus verschiedenen                 Richtungen zusammenzubringen bzw. in einen \u00f6ffentlichen Diskussionsraum                 zu werfen, und was dann das Publikum daraus macht, das ist dann                 ein n\u00e4chster Schritt. Das kriegen wir leider selten mit, es gibt                 leider nur wenig Feedback. Am ehesten noch von Rezensenten oder                 Rezensentinnen, die sich mit den B\u00fcchern dann etwas intensiver                 auseinandersetzen und dar\u00fcber schreiben. <\/p>\n<p>Wichtig ist mir zu sagen, der Schritt Richtung Emanzipation,                 Richtung herrschaftsfreie Gesellschaft, schlie\u00dft auch die Auseinandersetzung                 mit verschiedenen anderen Denkrichtungen ein, denen ich ebenfalls                 den n\u00f6tigen Raum geben will, auch wenn ich mich pers\u00f6nlich als                 Anarchist verstehe.<\/p>\n<p><b>Horst Blume (GWR): Ihr habt auch eine umfangreiche Reihe anarchistischer                 Klassiker. Da ist nun auch Pierre Joseph Proudhons &#8222;Was ist das                 Eigentum?&#8220; erschienen. Proudhon ist zu Recht umstritten, weil                 er auch antifeministische und antisemitische \u00c4u\u00dferungen get\u00e4tigt                 hat. Warum habt ihr ausgerechnet den Proudhon jetzt bei euch im                 Programm?<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Diese Reihe ist keine rein anarchistische                 Klassikerreihe, auch wenn die anarchistischen Klassiker und die                 wenigen anarchistischen Klassikerinnen darin dominieren. Die Reihe                 &#8222;Klassiker der Sozialrevolte&#8220; soll ein St\u00fcck weit die historische                 Reihe im Unrast Verlag sein. <\/p>\n<p>Das ist ein bisschen mein Kind. Und die Reihe will versuchen                 aus verschiedenen Spektren, von Klassenk\u00e4mpfen, von sozialen K\u00e4mpfen,                 von der Bauernbewegung im ausgehenden Mittelalter bis in die APO-Jahre,                 Klassiker zur Verf\u00fcgung zu halten. Vieles leistet heute das Internet,                 aber als wir diese Reihe angefangen und gedacht haben, dass das                 wichtig ist, gab es das noch nicht. Das kann man sich heute gar                 nicht mehr vorstellen, da gab es einfach nur das Medium gedrucktes                 Buch, das so etwas wie sozialrevolution\u00e4re Geschichte bewahren                 konnte.<\/p>\n<p>Vieles davon verstaubte in Bibliotheken und der Anspruch war,                 das mal wieder \u00f6ffentlich zur Verf\u00fcgung zu stellen, f\u00fcr ein breiteres                 Publikum. Das haben wir dann getan. Das f\u00e4llt einem am Anfang                 leicht, da kann man seine Lieblingsklassiker bringen und sp\u00e4ter                 muss man dann schon einiges an Energie reinstecken. Ich teile                 deine Einsch\u00e4tzung: Proudhon war Antifeminist, er war Antisemit.                 Das &#8211; muss ich ehrlicherweise zugeben &#8211; ist mir auch erst mit                 der Besch\u00e4ftigung mit ihm n\u00e4her aufgefallen. Wir haben ihn trotzdem                 ins Programm genommen. Ich habe das entsprechend kommentiert,                 in Fu\u00dfnoten an den Stellen, in denen das anklingt. Warum haben                 wir dennoch Proudhon &#8222;Was ist das Eigentum?&#8220; neu herausgebracht?                 Proudhon war einer der ersten, Godwin ist noch ein anderer Zweig,                 des fr\u00fchen Anarchismus, einer der sogenannten &#8222;V\u00e4ter des Anarchismus&#8220;.                 Er hat wesentliche Prinzipien des Anarchismus in seinen Schriften                 zusammengebracht: Mutualismus, F\u00f6deralismus, Antiklerikalismus,                 Antistaatlichkeit. Er hat radikal das Recht auf Eigentum infrage                 gestellt, was seinerzeit infam war. Das war Grund genug, ihn in                 dieser Klassikerreihe zu pr\u00e4sentieren, mit dem heutigen Blick                 mit kritischen Kommentaren zu versehen, aber eben auch, um den                 Text breiter zur Diskussion zu stellen. Proudhon ist ja im Hinblick                 auf Antisemitismus und proletarischen Antifeminismus kein Einzelfall.                 Wir k\u00f6nnen heute sicher einiges besser machen, als die Jungs vor                 150, 200 Jahren.<\/p>\n<p><b>Horst Blume: Ich habe eine kritische Frage. Mir ist aufgefallen,                 dass in eurem Programm kaum Gewaltfreiheit und gewaltfreie Aktionen                 thematisiert werden. M\u00f6chtet ihr euch zu diesem Themenkomplex                 nicht positionieren oder kommt da vielleicht noch einmal was?<\/b><\/p>\n<p><i>Martin Sch\u00fcring: <\/i>Da muss man vielleicht mal schauen, wie                 denn Unrast-B\u00fccher \u00fcberhaupt zustande kommen? Es gibt mindestens                 zwei Wege. Der eine ist, wir initiieren selber Projekte, dann                 h\u00e4ngt es von unserem eigenen pers\u00f6nlichen Interesse ab. Wir kommen                 jetzt alle nicht aus der gewaltfreien Ecke, sondern eher aus der                 Ecke der autonomen Politik, also jeder von uns hat schon einmal                 einen Pflasterstein von Weitem gesehen. Von daher w\u00fcrde ich pers\u00f6nlich                 jetzt von mir aus wahrscheinlich so ein Projekt nicht initiieren.                 Aber die andere Seite ist, wir machen auch viele B\u00fccher, die uns                 angeboten werden und da ist uns bisher in dem Themenbereich nichts                 angeboten worden, vermutlich weil die alle zur <i>Graswurzelrevolution<\/i>                 gehen. (lacht)<\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Ich m\u00f6chte das gerne pers\u00f6nlich erg\u00e4nzen.                 Ich bin politisch als Anarchist sozialisiert worden in einer Graswurzelgruppe                 seinerzeit. Da war ich noch Sch\u00fcler. Also, ich habe die gewaltfreien                 Aktionen trainiert und eingesetzt, habe sie dann zwischenzeitlich                 f\u00fcr unproduktiv empfunden. Eine Zeit lang hab ich mich dann zu                 einem militanten Anarchismus bekannt.<\/p>\n<p>Mittlerweile bin ich \u00fcber diese Spaltung aber hinweg, weil ich                 glaube, Aktionsformen und -strategien sind das eine, die Inhalte                 und Themen, die dahinter stehen, sind das andere und die sind                 mir mittlerweile deutlich wichtiger. Ich r\u00fcttele nicht mehr an                 jedem Bauzaun, wir alle wahrscheinlich nicht mehr. Das haben wir                 aber gemacht. Wir haben explizit in einer Zeit agiert, in der                 es einen unfassbaren Ausbruch faschistischer Gewalt in Deutschland                 gab, gegen MigrantInnen, gegen AsylbewerberInnen, da haben Wohnheime                 gebrannt, Menschen sind ermordet worden und kurz darauf wurde                 das Asylgesetz faktisch abgeschafft: 1993. <\/p>\n<p>Wir haben uns viel um Antifaschismus gek\u00fcmmert. Die pragmatische                 Form von Antifaschismus ist meiner Ansicht nach, nicht die zweite                 Wange hinzuhalten, damals zumindest nicht gewesen, sondern die                 war militant. Dazu werden voraussichtlich im Herbst zwei gute                 B\u00fccher bei uns erscheinen. Eines hei\u00dft &#8222;Antifa hei\u00dft Angriff.                 Zur Geschichte der antifaschistischen Bewegung in den 80er Jahren&#8220;.               <\/p>\n<p>Um auf deine Eingangsfrage zur\u00fcckzukommen: Wir haben auch B\u00fccher                 in unserem Programm wie &#8222;Spa\u00dfguerilla&#8220;, da sind konkrete Beispiele                 gewaltfreier Aktionen drin beschrieben.<\/p>\n<p><b>Nina Nadig: K\u00f6nnt ihr etwas erz\u00e4hlen zu den &#8222;Sorgenkindern&#8220;,                 die ihr in der Verlagsgeschichte hattet? Was waren Projekte, die                 nicht so gut gelaufen sind? Wo ihr Bauchschmerzen mit hattet?<\/b><\/p>\n<p><i>Martin Sch\u00fcring:<\/i> Unser gr\u00f6\u00dftes Sorgenkind war die Belletristik.                 Wir haben etwa 20 Romane in der Verlagsgeschichte publiziert.                 Ich glaube von den 20 sind zwei in den schwarzen Zahlen gelandet,                 alle andern haben ein deutliches Minus geschrieben, obwohl das                 gute B\u00fccher waren, obwohl die teilweise auch gut besprochen worden                 sind. Mein Lieblingsbeispiel ist Kaan Arslanoglu, ein t\u00fcrkischer                 Autor, der das Buch &#8222;Charaktere&#8220; geschrieben hat. In der T\u00fcrkei                 ist das zu einem der hundert besten B\u00fccher gew\u00e4hlt worden, die                 je erschienen sind. Wir hatten eine halbseitige Besprechung in                 der FAZ. Trotzdem war das der gr\u00f6\u00dfte Flopp, den wir je produziert                 haben. Da ist nichts passiert. Daraufhin haben wir die Belletristik                 dann leider beerdigen m\u00fcssen, weil wir gesagt haben, das schaffen                 wir finanziell nicht. Das war das gr\u00f6\u00dfte, was wir je versenkt                 haben. <\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Ich m\u00f6chte auf das eingehen, was J\u00f6rn gerade                 in Bezug auf Gewaltfreiheit gesagt hat. Gewaltfreiheit hei\u00dft f\u00fcr                 gewaltfreie Anarchistinnen und Anarchisten ja nicht, die zweite                 Wange hinzuhalten. Gewaltfreier Widerstand ist eine effektive,                 menschenfreundliche Form des Widerstandes. Das w\u00fcrde vielleicht                 in diesem Fall bedeuten, dass du den Schl\u00e4ger aufh\u00e4ltst und ihm                 entschieden klar machst: &#8222;Lass das sein!&#8220; Ihn also daran hinderst,                 weiter Gewalt auszu\u00fcben, ohne ihn zu verletzen. Ziel sollte ja                 sein, dass sich die eigene Utopie schon in den eigenen, kreativen                 Widerstandsformen widerspiegelt. Direkte gewaltfreie Aktionen,                 Sabotage zum Beispiel, das sind Aktionen, bei denen kein Mensch                 verletzt werden soll. Es geht ja darum, die Menschen zu erreichen,                 Widerstand zu leisten, ohne zu verletzen oder gar zu t\u00f6ten, das                 ist das Konzept der Graswurzelrevolution, der gewaltfreien Revolution.<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p> <i>J\u00f6rn Essig:<\/i> In Bezug auf das Sabotage-Konzept stimme                 ich dir zu 100 Prozent zu, aber das ist nat\u00fcrlich ein militantes                 Konzept. <\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Nee, Sabotage ist ein gewaltfreies Konzept des                 Sozialen Kampfes. Sabotage, der Begriff kommt aus dem Franz\u00f6sischen:                 &#8222;Le sabot&#8220;, das ist der Holzschuh, den die Streikenden in die                 Maschinen geworfen haben, um diese zu stoppen. Das ist also eine                 klassische direkte gewaltfreie Aktion und hat mit Gewalt in dem                 Sinne nichts zu tun.<\/b><\/p>\n<p><b>Durch Sabotage im sozialrevolution\u00e4ren Sinne wird kein Mensch                 verletzt oder gar get\u00f6tet. Sie richtet sich gegen Herrschaft,                 Ausbeutung und Gewalt. Maschinen oder andere Dinge, die durch                 Sabotage gestoppt werden, empfinden keinen Schmerz, das kann von                 daher keine gewaltt\u00e4tige Aktion gewesen sein. Auch Spa\u00df- und Kommunikationsguerillaaktionen                 verstehe ich in diesem Sinne als sozialrevolution\u00e4re Sabotageformen                 und gewaltfreie Aktionen, die Augen \u00f6ffnen und ein befreiendes                 Verlachen von Herrschaft bewirken k\u00f6nnen. <\/b><\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Militant hei\u00dft ja auch nicht gewaltt\u00e4tig.                 Militant, das bedeutet k\u00e4mpferisch. <\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Genau, und gewaltfrei hei\u00dft nicht, die andere                 Wange hinzuhalten. (lacht) <\/b><\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Na ja, ich habe diese gewaltfreie Trainingsgeschichte                 mitgemacht und gerade bei Blockaden ist es schon so etwas wie                 die zweite Wange hinhalten gewesen. Sich ohne Gegenwehr von Bullen                 wegzerren, verpr\u00fcgeln, verletzen zu lassen, oder h\u00e4tte ich jetzt                 besser &#8222;Polizisten&#8220; sagen m\u00fcssen? (lacht) <\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Vielleicht einigen wir uns auf &#8222;PoliZysten&#8220;?                 Ne, im Ernst, Gewaltfreiheit kann man nicht mit Wehrlosigkeit                 gleichsetzen. Im Gegenteil. Gewaltfreier Widerstand erfordert                 Mut, Selbstdisziplin, Kreativit\u00e4t und oft auch Humor. Und wenn                 wir uns die aktuellen Entwicklungen z.B. in Syrien anschauen,                 k\u00f6nnen wir feststellen, dass sich das, was der Anarchopazifist                 Bart de Ligt 1936 geschrieben hat, immer wieder bewahrheitet:                 &#8222;Je mehr Gewalt, desto weniger Revolution&#8220;.<\/b><\/p>\n<p><b>Nina Nadig: Mich interessiert, was f\u00fcr Aufgaben ihr einzeln                 im Verlag habt? Du hast gerade gesagt, das ist eine Frage f\u00fcr                 dich. Warum? Was sind eure speziellen Aufgaben im Verlag? <\/b><\/p>\n<\/p>\n<p><i>Markus Kampk\u00f6tter:<\/i> Es gibt reichlich Aufgaben. Vielleicht                 kann man es an dem Entstehungsprozess eines Buches deutlich machen.                 Also, als erstes m\u00fcssen Kontakte hergestellt werden, das h\u00e4ngt                 wieder davon ab, welche Programmsegmente bedient werden m\u00fcssen.                 Wo muss man sich k\u00fcmmern, wenn man sieht, wir haben hier kein                 Angebot, wen sprechen wir an? Dann m\u00fcssen die B\u00fccher produziert                 werden, was im Vorfeld hei\u00dft, dass der Kontakt mit den Autor_innen                 hergestellt und gepflegt werden muss. Das machen wir alle drei.                 F\u00fcr die einzelnen Buchprojekte dann, das kann man jetzt im Vorhinein                 gar nicht sagen, einer von uns macht nur Antifa, die anderen dann                 Kommunismus und der andere macht Feminismus, sondern das verteilen                 wir auch vor dem Hintergrund, das hat auch etwas mit Spa\u00df zu tun,                 Arbeit darf Spa\u00df machen. <\/p>\n<p>Trotzdem ist es auch so, dass, wenn jetzt ein theoretischer Titel,                 mit viel marxistischen Auseinandersetzungen kommt, dass das dann                 jemand machen sollte, der da vielleicht auch schon in der Vergangenheit                 zu gearbeitet hat. Dann gibt es Vertriebsaufgaben. Unsere Internetseite                 muss gepflegt, Neuerscheinungen reingestellt, das Ganze muss kaufm\u00e4nnisch                 erfasst werden.<\/p>\n<p><i>Martin Sch\u00fcring:<\/i> Im kaufm\u00e4nnischen Bereich sind wir gl\u00fccklicherweise                 flexibel. J\u00f6rn und ich haben z.B. gerade Arbeitsbereiche getauscht.                 Was ich sehr nett fand. Wenn man jahrelang immer dasselbe macht,                 ist es gut, wenn man sagen kann, okay jetzt gebe ich mal die Finanzbuchhaltung                 ab und mach stattdessen Werbung. Das ist auch ein Teil von Kollektivit\u00e4t.               <\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Im Ursprung des Verlags, in der Gr\u00fcndungsphase                 gab es so einen Kollektivanspruch, der lautete, alle m\u00fcssen immer                 alles k\u00f6nnen, in allen Bereichen des Verlags arbeiten k\u00f6nnen.                 Dann gab es eine Art Professionalisierungsschub, kurz bevor Martin                 dazu gesto\u00dfen ist, wo wir gemerkt haben, wenn man etwas richtig                 gut machen will, muss man sich auch ein St\u00fcck weit darauf spezialisieren.                 Also haben wir dann Arbeitsbereiche geschaffen und entsprechende                 Verantwortlichkeiten ausgekegelt, haben die eher langweiligen                 kaufm\u00e4nnischen Sachen unter uns m\u00f6glichst fair aufgeteilt, also                 wer ist f\u00fcr Mahnungen zust\u00e4ndig, wer muss die Rezensionen betreuen,                 wer k\u00fcmmert sich um Werbung, wer macht den Versand usw. Aber wir                 haben auch versucht, ein bisschen inhaltliche Struktur reinzubringen.                 Ines hat die Genderdebatte und die B\u00fccher und Projekte dazu betreut.                 Martin hatte sich stark spezialisiert auf die Belletristik in                 dieser Zeit&#8230; <\/p>\n<p><i>Martin:<\/i> \u2026und Internationalismus.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Welche Perspektiven seht ihr f\u00fcr den Unrast                 Verlag? Und was wollt ihr unbedingt noch loswerden?<\/b><\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Ich fange mal mit den Perspektiven an. Das                 sind jedenfalls keine weiteren 25 Jahre mehr f\u00fcr uns, so wie wir                 hier sitzen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, wir denken dar\u00fcber nach, wie wir uns als Kollektiv                 verj\u00fcngen k\u00f6nnten. Wir sind alle drei jetzt 50 Jahre alt, \u2026<\/p>\n<p><i>Martin Sch\u00fcring:<\/i> &#8230;zusammen\u2026 (lachen)<\/p>\n<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: \u2026 150 Jahre &#8211; Anarchie! (lachen)<\/b><\/p>\n<p><i>J\u00f6rn Essig:<\/i> Als Kollektiv m\u00fcssen wir schauen, dass wir                 uns verj\u00fcngen. Wir haben vorhin, vor der Sendung, ja schon \u00fcber                 Beispiele von linken Verlagen gesprochen, die das vers\u00e4umt haben.                 Die dann irgendwann von der Bildfl\u00e4che verschwinden werden. Das                 f\u00e4nde ich sehr schade. Ein st\u00fcckweit ist dieser Verlag ja unser                 Kind, das man ungern scheitern sehen m\u00f6chte. <\/p>\n<p>Perspektiven? Wir hoffen, dass wir weiterhin beitragen zur libert\u00e4ren                 Entwicklung weltweit, dass wir weiterhin eng mit sozialkritischen,                 kommunistischen, anarchistischen und feministischen Bewegungen,                 und denen, die da noch kommen werden, zusammenarbeiten. Na ja,                 eben gro\u00dfe und kleine Schritte gehen, die eine Gesellschaft auch                 weiterbringen. Und wir w\u00fcrden euch alle gerne mit unseren B\u00fcchern                 dabei begleiten. <\/p>\n<p><b>Nina, Horst und Bernd: Herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nina Nadig (GWR): Wie ist euer Verlag vor 25 Jahren entstanden? J\u00f6rn Essig (Unrast): Ich bin der einzige von uns dreien, der bei der Gr\u00fcndung 1989 schon dabei war. Wir kommen zwar alle aus dem gleichen politischen Projekt, haben aber nicht in der heutigen Konstellation den Verlag gegr\u00fcndet. Wir haben zu Studierendenzeiten eine anarchistisch-libert\u00e4re Initiative &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2014\/10\/25-jahre-unrast\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"25 Jahre Unrast - graswurzelrevolution","description":"Nina Nadig (GWR): Wie ist euer Verlag vor 25 Jahren entstanden? 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