{"id":1376,"date":"1997-10-01T00:00:09","date_gmt":"1997-09-30T22:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1376"},"modified":"2022-07-26T13:34:13","modified_gmt":"2022-07-26T11:34:13","slug":"vermintes-gelande","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1997\/10\/vermintes-gelande\/","title":{"rendered":"Vermintes Gel\u00e4nde"},"content":{"rendered":"<p>Urspr\u00fcnglich wurden f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke angelegte unterirdische Stollen oder Kammern, die mit Sprengmitteln gef\u00fcllt wurden, als Minen bezeichnet. Zuerst wurden Minen von der t\u00fcrkischen Armee Anfang des 16. Jahrhunderts zum Angriff auf Festungen und zur eigenen Verteidigung eingesetzt. Der letzte massenhafte Einsatz derartiger Minenstollen fand w\u00e4hrend der Stellungsk\u00e4mpfe im 1. Weltkrieg statt.<\/p>\n<p>Die Entwicklung der Mine als bereits fertiger, transportabler Sprengk\u00f6rper begann bereits vorher und erreichte w\u00e4hrend dieses Krieges immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung. Im 2. Weltkrieg verwendeten die Streitkr\u00e4fte aller beteiligten Staaten in gro\u00dfem Umfang Anti-Personen-Minen (damals Infanterie-Minen genannt) und Anti- Panzerminen. Zu Beginn der 60er Jahre begann die Entwicklung und massenhafte Produktion moderner Minen und Z\u00fcnder sowie von Verlegemitteln. Der Trend ging in Richtung erh\u00f6hter Wirksamkeit bei gleichzeitiger Verkleinerung. Die Minen wurden durch moderne (meist Plastik-) Geh\u00e4use langlebiger, witterungsresistenter und schwerer zu orten, durch die Einf\u00fchrung neuer Z\u00fcnder auch schwerer r\u00e4umbar.<\/p>\n<p>Wurden Minen bis in die 60er Jahre vorwiegend von Hand oder mit relativ einfachen Verlegemitteln ausgelegt, so \u00e4nderte sich das Bild grundlegend mit Einf\u00fchrung der sogenannten &#8222;Streuminen&#8220;. Das sind Minen, die durch Fernverminungsmittel wie Flugzeuge, Raketen und Granaten an jedem beliebigen Ort eingesetzt werden k\u00f6nnen. So ist das Minenverlegesystem MW-1 (Mehrzweckwaffe 1) der Luftwaffe in der Lage, einen Minen- und Munitionsteppich von 3-500 Metern Breite und 180-2 500 Metern L\u00e4nge sekundenschnell zu erzeugen &#8211; und wird damit zur Offensivwaffe.<\/p>\n<p>Landminen werden \u00fcblicherweise drei Generationen zugeordnet. Die sogenannten Teller- oder Tretminen mit einem durch direkten Kontakt ausgel\u00f6sten einfachen Druck- oder Zugz\u00fcnder gelten als erste Generation. Die zweite bilden Minen mit technisch weiterentwickelten Z\u00fcndern. Ohne da\u00df das Opfer direkt mit der Mine in Kontakt kommt, wird sie durch einen elektronischen oder chemischen Z\u00fcnder zur Detonation gebracht. Verlegt werden diese Minen von Hand oder mit mechanischen Hilfsmitteln. Die dritte Generation bilden schlie\u00dflich zielsuchende oder fernsteuerbare Minen. Sie sind mit Sensoren ausger\u00fcstet, die auf unterschiedlichste Signale reagieren. Sie besitzen au\u00dferdem meist einen Selbstzerst\u00f6rungsmechanismus.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem unterscheidet man\/frau Minen aufgrund ihrer Hauptziele: Sie richten sich entweder gegen Panzer und Fahrzeuge (Antipanzerminen) oder gegen Menschen (Antipersonenminen). Durch die Entwicklung moderner &#8222;Hybridminen&#8220;, die sowohl gegen Panzer als auch gegen Menschen wirken, ist diese Unterscheidung zunehmend irref\u00fchrend. In Milit\u00e4rkreisen werden neuere Minen gerne als &#8222;Submunition&#8220; bezeichnet. Damit hofft man, sie aus der Diskussion um die \u00c4chtung der Landminen heraushalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Wer sind die Opfer?<\/h3>\n<p>Weltweit stellen etwa 100 Firmen in 55 L\u00e4ndern rund 360 Typen von Antipersonenminen her. Die Jahresproduktion liegt zur Zeit bei etwa 5 Mio. St\u00fcck im Wert von rund 100 Mio. Dollar. Die wichtigsten Hersteller der billigen Antipersonenminen sind Firmen aus China, der ehemaligen Sowjetunion, Italien, der ehemaligen Tschechoslowakei, dem ehemaligen Jugoslawien, \u00c4gypten, Pakistan und S\u00fcdafrika.<\/p>\n<p>Alle 20 Minuten explodiert irgendwo in den Krisengebieten dieser Welt eine Landmine. \u00dcber 10 000 Menschen verlieren dabei pro Jahr ihr Leben, weitere 20.000 werden schwer verletzt und verst\u00fcmmelt, so die grausige Bilanz der UN. In Afghanistan, Angola und Kambodscha allein liegen etwa 28 Millionen Minen vergraben. 85 % der Minenopfer kommen aus diesen drei L\u00e4ndern. Insgesamt wird die Zahl der ausgelegten Minen weltweit auf zwischen 60 und 110 Mio. in 68 L\u00e4ndern gesch\u00e4tzt, weitere 100 Mio. Minen warten in Depots auf ihren Einsatz. UNICEF sch\u00e4tzt, da\u00df jedes dritte bis vierte Minenopfer ein Kind ist. Beim Spielen \u00fcbersehen Kinder h\u00e4ufig Warnschilder und durch ihren flacheren Blickwinkel bemerken sie Minen in bewachsenem oder unebenem Gel\u00e4nde sp\u00e4t oder gar nicht. Minen verletzen gerade Kinder sehr schwer: ihre lebenswichtigen Organe befinden sich n\u00e4her am Boden als bei Erwachsenen.<\/p>\n<p>Die Minenopfer m\u00fcssen oft mehrmals operiert werden, was sich gerade in den betroffenen L\u00e4ndern kaum jemand leisten kann. Die Folgen der Landverminung treffen jedoch nicht nur die unmittelbaren Opfer, denn \u00f6konomisch katastrophal wirkt auch die Verminung von landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen. Die Nahrungsmittelproduktion wird blockiert, was f\u00fcr die \u00fcberwiegend aus der Umgebung versorgten Menschen Hunger und Vertreibung zur Folge hat.<\/p>\n<h3>Minen bei der Bundeswehr. Deutsche Minen-Exporte<\/h3>\n<p>Seit Gr\u00fcndung der Bundeswehr wurden in der BRD fast 5 Mrd. DM f\u00fcr die Beschaffung und etwa 1 Mrd. DM f\u00fcr Forschung und Entwicklung von Landminen ausgegeben. 1996 betrug dieser Posten immerhin noch 110 Mio. DM. Die wichtigsten deutschen Minenproduzenten sind die gro\u00dfen R\u00fcstungsfirmen: DASA (ehem. MBB), Rheinmetall, Dynamit Nobel, Diehl, sowie weitere 30 Firmen.<\/p>\n<p>Der Waffenproduzent Dynamit Nobel &#8211; Eigenwerbung: &#8222;Bei Minen die erste Adresse&#8220; &#8211; nennt in Werbeanzeigen folgende Produktionszahlen: F\u00fcr das Light Artillery Rocket System (LARS) 300 000 Minen, f\u00fcr den Minenwerfer &#8222;Skorpion&#8220; 640 000 Minen und f\u00fcr das Mittlere Raketenwerfer-System MARS 226 000 Minen.<\/p>\n<p>Aus der BRD wurden zudem mehrere Hunderttausend Minen in andere Staaten exportiert. Der Gro\u00dfteil ging in andere NATO-Staaten oder an unproblematisch erachtete Staaten Europas. Nachgewiesen sind ebenfalls Direkt-Exporte an Israel und Saudi-Arabien. Doch es gibt eine ganze Reihe weiterer Staaten, in denen deutsche Minen gefunden wurden: \u00c4thiopien, Angola, Eritrea, Irakisch-Kurdistan, Kambodscha, Mosambik, Nicaragua, Sambia und Somalia. Dabei handelt es sich zum Teil auch um DDR-Minen, wovon wahrscheinlich viele erst nach der NVA-Aufl\u00f6sung in diese L\u00e4nder gelangten.<\/p>\n<p>Es gibt zumindest Hinweise, da\u00df zu den zahlreichen an die T\u00fcrkei gelieferten deutschen Waffen auch Minen geh\u00f6ren. Das t\u00fcrkische Milit\u00e4r vermint die Grenze zum Irak, nicht etwa um einen \u00e4u\u00dferen Feind abzuwehren, sondern ganz gezielt, um Bewegungen der kurdischen Minderheit zu minimieren. Aus der T\u00fcrkei gibt es auch gen\u00fcgend Berichte, da\u00df D\u00f6rfer im Anschlu\u00df an ihre Zerst\u00f6rung durch das Milit\u00e4r vermint wurden, um die R\u00fcckkehr ihrer BewohnerInnen unm\u00f6glich zu machen.<\/p>\n<p>Auch wenn die Bundesregierung und die deutschen Minenproduzenten vorgeben, keine Kenntnis zu haben, wie diese Minen dorthin gelangt sein k\u00f6nnten, steht fest: Deutsche Minen sind &#8211; wie auch immer &#8211; in Krisen- und Kriegsgebiete gelangt und dort im Einsatz.<\/p>\n<h3>Minenr\u00e4umung. Wer profitiert?<\/h3>\n<p>Die Kosten f\u00fcr die weltweite Minenr\u00e4umung werden von der UN auf rund 33 Mrd. Dollar gesch\u00e4tzt. Nach dem Golfkrieg 1991 lie\u00df Kuwait f\u00fcr rund 1 Mrd. Dollar seine verminten Gebiete von Spezialfirmen (u.a. deutsche!) r\u00e4umen. Die meisten minenverseuchten Staaten der Erde k\u00f6nnen diese Summen zur Minenr\u00e4umung nicht aufbringen.<\/p>\n<p>Im Jahr 1993 konnten nur 84 000 Minen von UN-Minenr\u00e4umern gefunden und entsch\u00e4rft werden, ca. 46 000 weitere von privaten Hilfsorganisationen. Wie aussichtslos diese Bem\u00fchungen letztlich sind, verdeutlicht die Tatsache, da\u00df j\u00e4hrlich ca. 2-5 Mio. Minen neu verlegt werden. W\u00e4hrend es eine einfache Antipersonenmine bereits zum Preis von 3 Dollar zu kaufen gibt, kostet deren R\u00e4umung zwischen 300 und 1000 Dollar.<\/p>\n<p>Auch die deutsche Minenindustrie hat den Markt &#8222;Minenr\u00e4umung&#8220; entdeckt: Die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG) ist ein Tochterunternehmen des R\u00fcstungskonzerns Diehl. Die Firma wirbt seit Fr\u00fchjahr 97 mit einem Satz von Au\u00dfenminister Kinkel, den er auf einer Expertenkonferenz im Dezember 96 ge\u00e4u\u00dfert haben soll: &#8222;Es ist h\u00f6chste Zeit, dem maschinellen Minenr\u00e4umen zum Durchbruch zu verhelfen.&#8220; FFG &#8211; so die Eigenwerbung &#8211; &#8222;verf\u00fcgt \u00fcber langj\u00e4hrige Erfahrungen im Sonderfahrzeugbau und hat daher ein System zum mechanischen humanit\u00e4ren Minenr\u00e4umen entwickelt.&#8220; Die &#8222;humanit\u00e4ren&#8220; Projekte der FFG nennen sich &#8222;Minebreaker 2000&#8220; und &#8222;Mineclearer 2000&#8220; und kosten im Doppelpack etwa drei Mio. DM. Ab Herbst 97 sollen sie auf Kosten des Ausw\u00e4rtigen Amtes (AA) in Bosnien- Herzegowina erprobt werden. Der Minebreaker ist ein umgebauter Kampfpanzer vom Typ Leopard I, dem eine hydraulisch angetriebene Fr\u00e4swalze vorgeschaltet wurde. Allein zwei Mio. DM hat das AA f\u00fcr 1997 eingeplant, um das schwere R\u00e4umger\u00e4t der FFG und einen weiteren Bundeswehr-Panzer-Zwilling aus dem Hause Rheinmetall zu protegieren: &#8222;Rinho&#8220;, eine Weiterentwicklung des bei der Bundeswehr eingesetzten &#8222;Keiler&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Das Perfide liegt darin, da\u00df oft dieselben Firmen, die an der Verlegung der Minen verdient haben, jetzt Schlange stehen, um an ihrer R\u00e4umung zu verdienen&#8220;, \u00e4rgerte sich der Pax Christi-Vorsitzende und Sprecher des Bundesdeutschen Initiativkreises f\u00fcr das Verbot von Landminen, Bischof Hermann Josef Spital. Kritik wird von den Kampagnen gegen Landminen vor allem an der einseitigen F\u00f6rderung von Gro\u00dfr\u00e4umger\u00e4t ge\u00fcbt: Gro\u00dfe gepanzerte Minenr\u00e4umger\u00e4te werden n\u00e4mlich nach milit\u00e4rischen Kriterien entwickelt und sind somit nicht an den Bed\u00fcrfnissen der Bev\u00f6lkerung in den betroffenen Gebieten orientiert. Nach milit\u00e4rischen Ma\u00dfst\u00e4ben gilt eine Minenr\u00e4umung bereits dann als erfolgreich, wenn 80 bis 90 % der Minen entfernt worden sind. Gro\u00dfger\u00e4te sind denkbar ungeeignet f\u00fcr h\u00fcgeliges Gel\u00e4nde, f\u00fcr Pfade zur Wasserstelle, f\u00fcr brachliegendes Ackerland, f\u00fcr die Minensuche an Br\u00fccken und in der N\u00e4he von H\u00e4usern. Hundertprozentige Minenfreiheit kann hier nur m\u00fchsame Handarbeit mit Detektor und Schaufeln garantieren.<\/p>\n<p>Nach Auffassung der Kampagnen gegen Landminen m\u00fcssen die Kriterien der Geldvergabe ge\u00e4ndert werden. Die notwendigen Gelder m\u00fcssen aus dem Verteidigungshaushalt genommen werden. Um den Kampf gegen Landminen nicht ad absurdum zu f\u00fchren, d\u00fcrfen die Projektgelder keinesfalls an diejenigen Unternehmen flie\u00dfen, die bereits an der Produktion von Landminen verdient haben und verdienen.<\/p>\n<p>Bei einem nicht unerheblichen Teil der Au\u00dfenamtsgelder, die als &#8222;humanit\u00e4re Hilfe bei Minenr\u00e4umprogrammen&#8220; deklariert werden, handelt es sich um nichts anderes als um Subventionen f\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie und einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Minenprogrammen. Die Steigerung der Minenkampff\u00e4higkeit erfordert nat\u00fcrlich parallel die Steigerung der Minenr\u00e4umf\u00e4higkeit. Beide Elemente sind gemeinsamer Bestandteil der Kriegsf\u00fchrung. F\u00fcr die zivile, humanit\u00e4re Minenr\u00e4umung wurden im Haushalt 1996 insgesamt 13 Mio. DM, f\u00fcr Ausr\u00fcstung zum milit\u00e4rischen Minenr\u00e4umen 58,8 Mio. DM bereitgestellt.<\/p>\n<h3>UN-Konferenzen. Ergebnisse, Widerspr\u00fcche.<\/h3>\n<p>Trotz der seit 1981 geltenden Konvention der UN zur Einschr\u00e4nkung des Mineneinsatzes wurden zwei Drittel aller Minen nach 1980 verlegt. Deshalb trat im September 1995 in Wien eine UN-Konferenz zusammen, um die unzureichenden Regelungen zu versch\u00e4rfen. Schnell jedoch wurde klar, da\u00df zwischen den Interessen der Teilnehmerl\u00e4nder schwer zu vermitteln war. Die Industriestaaten wollten, da\u00df ihre modernen Minenentwicklungen nicht verboten werden, sondern nur die einfachen Antipersonenminen. Darin sahen die sogenannten Schwellenl\u00e4nder den Versuch, eine sie diskriminierende &#8222;Zwei-Klassen-Konvention&#8220; zu schaffen. Ein Diplomat aus der &#8222;Dritten Welt&#8220; kommentierte: &#8222;Was die Industriestaaten wirklich wollen ist, da\u00df wir unsere \u2018dummen\u2019 Minen zerst\u00f6ren und ihre teuren High-Tech-Minen kaufen.&#8220;<\/p>\n<p>Auf einer Fortsetzungskonferenz im Fr\u00fchjahr 96 kam es deshalb auch nur zu sehr minimalen Versch\u00e4rfungen der Minenkonvention: Es wurde der Einsatz von nicht detektierbaren (metallosen) Antipersonenminen untersagt. Allerdings gilt dies nicht f\u00fcr die sogenannten &#8222;Hybridminen&#8220;, die sowohl gegen Fahrzeuge als auch gegen Personen wirken. Auch Antipersonenminen, die als R\u00e4umschutz f\u00fcr Antipersonenminen dienen, k\u00f6nnen weiterhin undetektierbar sein. Au\u00dferdem wurde f\u00fcr die Umr\u00fcstung der metallosen Minen eine neunj\u00e4hrige Frist einger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Weiterhin wurde beschlossen, da\u00df fernverlegbare Minen einen Mechanismus zur Selbstzerst\u00f6rung und Entsch\u00e4rfung besitzen m\u00fcssen. Dabei wurden allerdings Fehlerquoten von bis zu 10 % einger\u00e4umt. Das hei\u00dft, bei einem Minenteppich von 10 000 Minen &#8222;d\u00fcrfen&#8220; nach der Selbstzerst\u00f6rung noch 1 000 Minen scharf bleiben!<\/p>\n<p>Die westlichen Industriestaaten haben also ihre Interessen als Produzenten von High-Tech-Minen durchgesetzt, statt sich wirklich um eine Eind\u00e4mmung der Minenproduktion zu bem\u00fchen. UNICEF bewertet das Ergebnis so:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Humanit\u00e4re Bedenken gegen\u00fcber Landminen wurden als Argumente f\u00fcr die weltweite Umr\u00fcstung von Minen und Minentechnologie auf den neuesten Stand mi\u00dfbraucht.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Kampagne &#8222;Daimler Minen Stoppen&#8220; begr\u00fcndet ihre Forderung nach einem Stopp der Minenentwicklung und -produktion bei Daimler Benz folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es ist unmoralisch und unglaubw\u00fcrdig, auf der einen Seite das Verbot von Billigminen zu fordern und auf der anderen Seite weiterhin ungleich effektivere Landminen herstellen und exportieren zu wollen. Jede in Deutschland und in den westlichen Industriel\u00e4ndern hergestellte neue High-Tech-Mine schafft die Legitimation daf\u00fcr, da\u00df anderswo tausende Billigminen produziert und ausgelegt werden.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Solange es den Industriel\u00e4ndern gelingt, die Welt der Minen in &#8222;b\u00f6se&#8220; (d.h. billige Antipersonenminen) und &#8222;gute&#8220; (d.h. moderne High-Tech-Minen) aufzuteilen, kann sich Au\u00dfenminister Kinkel problemlos auf internationalem Parkett als vehementer Minengegner profilieren. Denn die Bundeswehr hat ihre alten Antipersonenminen bis auf geringe Restbest\u00e4nde l\u00e4ngst ausgemustert. Die deutsche Minenindustrie jedenfalls wird durch ein Verbot einfacher, \u00e4lterer Landminentypen nicht getroffen. Sie geh\u00f6rt aber bei der Entwicklung von High-Tech-Minen zu den f\u00fchrenden Akteuren, hat sich in der j\u00fcngsten Vergangenheit Patentrechte f\u00fcr moderne Minen, Z\u00fcndertechnologien und Verlegesysteme gesichert und k\u00f6nnte damit in Zukunft eine beherrschende Stellung auf dem Weltmarkt erobern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urspr\u00fcnglich wurden f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke angelegte unterirdische Stollen oder Kammern, die mit Sprengmitteln gef\u00fcllt wurden, als Minen bezeichnet. Zuerst wurden Minen von der t\u00fcrkischen Armee Anfang des 16. Jahrhunderts zum Angriff auf Festungen und zur eigenen Verteidigung eingesetzt. Der letzte massenhafte Einsatz derartiger Minenstollen fand w\u00e4hrend der Stellungsk\u00e4mpfe im 1. Weltkrieg statt. 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