{"id":13837,"date":"2014-12-01T00:00:23","date_gmt":"2014-11-30T22:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13837"},"modified":"2022-07-26T13:11:34","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:34","slug":"raus-aus-kohle-und-atom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2014\/12\/raus-aus-kohle-und-atom\/","title":{"rendered":"Raus aus Kohle und Atom!"},"content":{"rendered":"<p>Die Chance ist da. 2015 k\u00f6nnte das Rheinische Revier zu einem Brennpunkt sowohl der jungen Anti-Kohle-Bewegung als auch der seit 40 Jahren aktiven Anti-Atom-Bewegung werden.<b> <\/b>Es liegt auf der Hand. Kohle und Atom sind sich hier ganz nah.<\/p>\n<p>Mitten im Rheinischen-Braunkohle-Revier, zwischen den Braunkohle-Tagebauen Inden, Hambach und Garzweiler befindet sich im Forschungszentrum J\u00fclich ein verstrahlter Reaktor und Atom-M\u00fcll, der aktuell in die USA exportiert werden soll.<\/p>\n<p>Vielf\u00e4ltige Protest- und Widerstandsaktionen sind von beiden Bewegungen auch f\u00fcr 2015 geplant. Schauen wir genauer hin.<\/p>\n<h3>Das Rheinische Braunkohlerevier ist ein Dauer-Katastrophengebiet<\/h3>\n<p>Bekannter ist schon die Tatsache, dass hier durch j\u00e4hrlich ca. 100 Millionen Tonnen CO2-Emissionen die globale Klima-Katastrophe von RWE, dem Klima-Killer Nr.1 in Europa, mit verursacht wird.<\/p>\n<p>Aber wer zum ersten Mal die drei riesigen Tagebaue im Westen von K\u00f6ln sieht, kann das Ausma\u00df an den weiteren Zerst\u00f6rungen kaum glauben.<\/p>\n<p>Hier &#8222;fressen&#8220; sich t\u00e4glich 24 Stunden die gr\u00f6\u00dften Bagger der Welt immer weiter und bis zu 450 Meter tief in die Erde und verursachen die Zerst\u00f6rung wertvoller Landschaften: \u00fcber eine Million B\u00e4ume des urspr\u00fcnglichen Naturschutzgebietes &#8222;Hambacher Forst&#8220; sind schon gerodet, viele D\u00f6rfer, wertvollste Acker-B\u00f6den sind schon in den zusammen ca. 170 Quadratkilometer gro\u00dfen Tagebauen verschwunden.<\/p>\n<p>Ca. 40.000 Menschen sind schon &#8222;umgesiedelt&#8220; worden, viele erleben das als &#8222;Vertreibung&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcnf gigantische Braunkohle-Kraftwerke verursachen gef\u00e4hrliche Emissionen. Diese &#8222;Wolkenmacher&#8220; emittieren neben dem CO2 u.a. auch Arsen, Stickoxide und das starke Nervengift Quecksilber.<\/p>\n<h3>Atom-M\u00fcll und verstrahlter Reaktor im Rheinischen Revier, in J\u00fclich<\/h3>\n<p>In J\u00fclich lagern aus der Betriebszeit des dortigen Kugelhaufenreaktors (AVR) noch 300.000 strahlende Brennelementkugeln in 152 Castoren. Da dem veralteten Lager von der zust\u00e4ndigen Aufsichtsbeh\u00f6rde die Betriebsgenehmigung entzogen wurde, pr\u00fcft man aktuell, diesen Atomm\u00fcll zum milit\u00e4rischen Atomkomplex Savannah River Site in den USA zu exportieren.<\/p>\n<p>Jeder Transport von Atomm\u00fcll bedeutet ein erhebliches Risiko, f\u00fcr den Abtransport aus J\u00fclich w\u00e4ren 38 (!) Castortransporte durch Deutschland n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat am 11. November 2014 die hochgef\u00e4hrliche Verlagerung des 1988 nach etlichen St\u00f6rf\u00e4llen stillgelegten AVR-Reaktordruckbeh\u00e4lters in J\u00fclich begonnen.<\/p>\n<p>Nach einem jahrelang vertuschten schweren St\u00f6rfall im Jahr 1978 ist nicht nur der Reaktordruckbeh\u00e4lter verstrahlt, sondern auch der Boden darunter u.a. mit Strontium-90, C\u00e4sium-137 und Kohlenstoff-14. Dieser radioaktiv verseuchte Untergrund soll freigelegt und saniert werden.<\/p>\n<p>AtomkraftgegnerInnen haben seit Monaten vor dem weltweit einmaligen und riskanten Man\u00f6ver gewarnt, den 2.100 Tonnen schweren Versuchsreaktor im Forschungszentrum J\u00fclich umzukippen, um diesen in ein ca. 200 Meter entferntes Zwischenlager zu transportieren.<\/p>\n<h3>Braunkohle und Radioaktivit\u00e4t &#8211; Die Bagger wirbeln radioaktiven Feinstaub auf<\/h3>\n<p>T\u00e4glich werden allein im Tagebau Hambach ca. 3 Millionen und 170 Tausend Kubikmeter Erde, Abraum und Kohle hin und her bewegt durch die gr\u00f6\u00dften Bagger der Welt.<\/p>\n<p>So werden sowohl Grob- und Feinstaubpartikel als auch das \u00fcberall im Boden vorkommende URAN in schier unglaublicher Menge in die Luft und ins Grundwasser emittiert: ca. 250 Kilogramm am Tag.<\/p>\n<p>Das nat\u00fcrlich vorkommende Uran-238 zerf\u00e4llt schnell in zahlreiche Radionuklide: Radium-226, das Edelgas Radon-222 und Polonium 210, also radioaktive Alphastrahler. Die radioaktiven Isotope verbinden sich mit den lungeng\u00e4ngigen Feinstaub-Partikeln. Feinstaubpartikel sind mikroskopisch klein: Sie sind Teilchen die lediglich einen Durchmesser von weniger als 0,01 Millimeter haben.<\/p>\n<p>Das radioaktive Zerfallsproduktes Radon-222 (Halbwertszeit: ca. 4 Tage) kann \u00fcber den im Tagebaubetrieb unvermeidlich austretenden Kohlestaub in den menschlichen Organismus gelangen.<\/p>\n<p>Nicht nur f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten besteht diese Gefahr, sondern auch f\u00fcr alle in der Westwindzone wohnenden Menschen bis in den K\u00f6lner Raum. Tochternuklide der nat\u00fcrlich in der Kohle und dem Abraum vorkommenden radioaktiven Stoffe werden \u00fcber den Feinstaub, und das abgepumpte Wasser in die Umwelt freigesetzt.<\/p>\n<p>Aber nicht nur die Tagebaue emittieren radioaktive Stoffe, sondern auch die Braunkohlekraftwerke. Bereits 1978 wies das US-amerikanische Oak Ridge National Laboratory (ORNL) darauf hin, dass die radioaktive Belastung im Umfeld kohlebefeuerter Kraftwerke sogar noch h\u00f6her liegt als in der Umgebung von Atomkraftwerken. Radioaktive Isotope finden sich in den gro\u00dfen Deponien mit Kraftwerksaschen und werden auch \u00fcber die Schornsteine ausgesto\u00dfen. Weltweit gelten Braun- und Steinkohlekraftwerke neben Atomkraftwerken als gr\u00f6\u00dfte Quelle radioaktiver Verseuchung der Umwelt.<\/p>\n<p>Zu den Gesundheitsgefahren einer Feinstaub-Belastung sei auf die HEAL-Studie &#8222;Was Kohlestrom wirklich kostet, Gesundheitsfolgen und externe Kosten durch Schadstoffemissionen&#8220; vom April 2013 verwiesen sowie auf die Greenpeace-Studie &#8222;Tod aus dem Schlot&#8220;.<\/p>\n<p>Feinstaub ist extrem gef\u00e4hrlich, da er wie ein &#8222;Gift-Taxi&#8220; neben den radioaktiven Stoffen auch weitere Schadstoffe aufnimmt und den Weg direkt \u00fcber die Lunge in die Blutbahnen findet. Aufgrund seiner Winzigkeit kann er nicht in den Lungenbl\u00e4schen gestoppt werden.<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t der Feinstaubbelastung durch Braunkohletagebaue wurde allen Interessierten deutlich klar, als am 23. Januar 2013 an der Messstation in Elsdorf-Berrendorf eine Feinstaubwert PM10 von 82 \u00b5g\/m3, an der Messstation in Niederzier 152 \u00b5g\/m3 gleichzeitig gemessen wurde. Beide D\u00f6rfer sind Grubenrandd\u00f6rfer, Berrendorf direkt nord\u00f6stlich am Tagebau Hambach, Niederzier s\u00fcd\u00f6stlich. An diesem Tage kam der Wind ausnahmsweise aus Nordost. Die Steigerung um 70 \u00b5g\/m3 am Messpunkt Niederzier kann nur aus dem Tagebau stammen, denn etwas anderes befindet sich nicht zwischen den beiden Orten.<\/p>\n<p>Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt angesichts der vom Feinstaub ausgehenden Gesundheitsgefahren in ihren Luftg\u00fcte-Richtlinien folgende Grenzwerte f\u00fcr Feinstaub: Jahresmittel PM10 20\u00b5g\/m\u00b3; Tagesmittel PM10 50 \u00b5g\/m\u00b3 ohne zul\u00e4ssige Tage, an denen eine \u00dcberschreitung m\u00f6glich ist. Diese Werte liegen deutlich unter den Grenzwerten der EU: Seit dem 1. Januar 2005 betr\u00e4gt hier der Jahresmittelwert f\u00fcr PM10 doppelt soviel: 40 \u00b5g\/m\u00b3; der einzuhaltende Tagesmittelwert f\u00fcr PM10 50 \u00b5g\/m\u00b3 bei 35 zugelassenen \u00dcberschreitungen im Kalenderjahr.<\/p>\n<h3>Nervengift Quecksilber und Klimagift CO2<\/h3>\n<p>Quecksilber ist ein starkes Nervengift und schon in kleinsten Mengen gef\u00e4hrlich: Es kann zu geistigen Behinderungen, zu Verz\u00f6gerungen bei der Entwicklung oder zu Ged\u00e4chtnisverlust f\u00fchren. Der ORNL-Studie zufolge \u00fcberschreiten fast 50 deutsche Kohlekraftwerke die Grenzwerte einer neuen internationalen Vereinbarung.<\/p>\n<p>Allein das Kraftwerk in Niederau\u00dfem emittiert pro Jahr 497 kg Quecksilber. Dazu erkl\u00e4rt der Energie-Experte des WDR, J\u00fcrgen D\u00f6schner: &#8222;In Deutschland sind die gesetzlichen Vorschriften weniger streng als in den USA, die ja sonst nicht als besonders umweltfreundlich gelten. (\u2026) W\u00fcrde man den US-amerikanischen Grenzwert, der sich an einer neuen internationalen Vereinbarung orientiert, in der Bundesrepublik anwenden, m\u00fcssten 50 deutsche Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke bis auf eine Ausnahme stillgelegt werden.&#8220;<\/p>\n<p>Das Rheinische Braunkohlerevier bzw. der Konzern RWE als Eigent\u00fcmer der Tagebaue, Kohlebahnen, Kraftwerke und Strom-Trassen ist auch der KLIMA-KILLER Nr.1 in Europa. Ca. 100 Millionen Tonnen Braunkohle werden hier j\u00e4hrlich &#8222;verstromt&#8220;, das bedeutet eine Emission von ca. 100 Millionen CO2. Das sind ca. 12,5 % aller CO2-Emissionen in Deutschland. Zum Vergleich: Ca. 20% erzeugt der gesamte Verkehr (PKW- und LKW-Verkehr zusammen). \u00dcber 51 Millionen Kraftfahrzeuge sind in Deutschland angemeldet.<\/p>\n<p>Die f\u00fcnf Braunkohlekraftwerke im Revier sind also genauso klimasch\u00e4dlich wie \u00fcber 30 Millionen Kraftfahrzeuge. Braunkohle ist der klimasch\u00e4dlichste Energietr\u00e4ger \u00fcberhaupt. Denn nur maximal 43% der Ursprungs-Energie wird in Strom umgewandelt &#8211; im Vergleich z.B. Gas zu ca. 50 &#8211; 60%, Steinkohle zu ca. 46%. Dabei werden bei der Braunkohleverstromung mehr als doppelt soviel CO2-Emissionen produziert wie beim Energietr\u00e4ger Gas.<\/p>\n<p>Eine gewichtige Ursache der Klimakatastrophe, die vor allem f\u00fcr die Menschen im globalen S\u00fcden schon begonnen hat, liegt nachweislich auch in der hiesigen Braunkohle-Verstromung.<\/p>\n<p>RWE, die Bundesregierung und die Landesregierung NRW behaupten die Unverzichtbarkeit der Braunkohle noch f\u00fcr viele Jahre. Versorgungssicherheit f\u00fcr die Allgemeinheit und den Industriestandort NRW sei nur mit der Braunkohle m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Damit wird die Vorrangstellung festgeschrieben eines aus meiner Sicht von interessierter Seite konstruierten allgemeinen Interesses an der Braunkohle-Verstromung vor den Interessen all der Menschen, die im Revier, in der Region und auch z.B. in Bangladesh leben. Und es wird erwartet, weitere &#8222;Opfer&#8220; f\u00fcr das nationale Gemeinwohl zu erbringen.<\/p>\n<p>Noch mehr Menschen als die bisherigen knapp 40 Tausend UmsiedlerInnen im Revier sollen ihr Zuhause gezwungenerma\u00dfen verlassen. Auch die Bergsch\u00e4den an den H\u00e4usern in den Grubenrandd\u00f6rfern, verursacht durch gewaltige Grundwasser-Abpumpungen &#8211; rund 550 Millionen Kubikmeter pro Jahr &#8211; sollen als unvermeidlich hingenommen werden. Elsdorf-Berrendorf z.B. ist dadurch ca. 4 Meter abgesunken. Manche H\u00e4user hatten solch gro\u00dfe Risse, dass sie abgerissen werden mussten.<\/p>\n<h3>Warum das Ganze?<\/h3>\n<p>Als notwendige &#8222;\u00dcbergangstechnologie&#8220; zur Bereitstellung der Grundlast, wenn weder die Sonne scheine noch der Wind wehe, sollen die Braunkohlekraftwerke noch f\u00fcr Jahrzehnte notwendig sein. Stimmt diese Aussage von RWE und den entsprechend beeinflussten &#8222;politischen Entscheidungstr\u00e4gern&#8220;?<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wird u.a. mit dem gro\u00dfangelegten Projekt &#8222;Power to Gas&#8220; schon l\u00e4ngst das Ziel verfolgt, \u00fcbersch\u00fcssigen \u00d6kostrom in Gas umzuwandeln und das Erdgasnetz als Stromspeicher zu nutzen. Dazu erkl\u00e4rt Prof. Klaus Heikrodt, Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Energietechnik an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, in einem Interview mit Zeit Online: &#8222;Anstatt die entsprechenden Anlagen an wind- und sonnenreichen Tagen abzuschalten, kann \u00fcbersch\u00fcssiger Strom in Wasserstoff oder Methan umgewandelt und im Gasnetz gespeichert werden.&#8220;<\/p>\n<p>Weitere schon bew\u00e4hrte Speicherm\u00f6glichkeiten sind ja auch noch die Pumpspeicherkraftwerke.<\/p>\n<p>Also sind Braunkohlekraftwerke nicht notwendig! Wenn man dann noch bedenkt, dass 2013 so viel Strom wie noch nie zuvor von Deutschland exportiert wurde, dann fragt sich auch der Laie: Stimmt da etwas nicht?<\/p>\n<h3>Billiger Rohstoff f\u00fcr RWE<\/h3>\n<p>RWE k\u00f6nnte mehr in erneuerbare Energien investieren. Das geschieht aber nicht, im Gegenteil: f\u00fcr dieses Jahr wurden die Investitionen f\u00fcr erneuerbare Energien halbiert. Denn Folgendes ist unbestritten: &#8222;Braunkohle rettet die Bilanz (2012) von RWE&#8220;, so titelte der K\u00f6lner Stadtanzeiger am 6. M\u00e4rz 2013. Tats\u00e4chlich ist die Braunkohleverstromung ein profitables Gesch\u00e4ft. Deshalb hat RWE die Braunkohleverstromung 2013 weiter gesteigert (von 75,6 Mrd. Kwh 2012 auf 75,8 Mrd. kWh) &#8211; und das bei einer angeblich allseits gew\u00fcnschten Energie-Wende zu den &#8222;Erneuerbaren&#8220; hin.<\/p>\n<p>RWE zahlt nichts f\u00fcr den Rohstoff selbst. F\u00fcr das ca. 60 Quadratkilometer gro\u00dfe Naturschutzgebiet Hambacher Forst mit ca. einer Million Eichen und Buchen zahlte RWE in den 1970iger Jahren an die Gemeinden nur 1 bis 2 DM pro Quadratmeter.<\/p>\n<p>An vielen Stellen kann neben dem wertvollen Holz auch Kies verwertet werden, ehe die gr\u00f6\u00dften Bagger der Welt die Braunkohle aus der Tiefe holen. Au\u00dferdem sind die Braunkohlevorr\u00e4te riesig. Und es wird vermutet, dass RWE Braunkohle, die noch in der Erde lagert, schon l\u00e4ngst beliehen hat, wie es in der heutigen Finanzindustrie \u00fcblich ist. RWE muss somit wahrscheinlich diese sich bereits in den Bilanzen befindende Braunkohle zwangsl\u00e4ufig f\u00f6rdern. Deshalb sieht der Energie-Mix 2013 von RWE tats\u00e4chlich so aus: ca. 37,6 % Braunkohle, ca. 23,7 % Steinkohle, ca. 17,0 % Gas, ca. 14,5 % Atom-Energie und nur ca. 6,3 % Erneuerbare Energien (aus dem Gesch\u00e4ftsbericht 2013: Zukunftsgestalter, VORWEGGEHEN. S.57 &#8211; eigene Berechnung aufgrund der dort ver\u00f6ffentlichten Zahlen).<\/p>\n<p>Die Herausforderungen der st\u00e4rker werdenden Anti-Kohle-Bewegung sind also gro\u00df. Der &#8222;Gegner&#8220; ist sehr stark &#8211; das Rheinische Braunkohlerevier ist quasi in den H\u00e4nden einer Besatzungsmacht.<\/p>\n<p>Das Sch\u00fcren der Angst vor Arbeitsplatzverlusten im Revier wirkt leider immer noch. Die RWE AG ist noch kein schwankender Riese, sondern als weltweit operierender Konzern, als &#8222;Cluster-Expertin&#8220; und meinungsmachende Instanz stark.<\/p>\n<p>Mit einer sorgf\u00e4ltig ausgearbeiteten &#8222;Akzeptanz-Studie&#8220; hat RWE sich gut vorbereitet f\u00fcr die Abwehr des gewachsenen Widerstands gegen solche Gro\u00df-Projekte. Dort ist beschrieben, wie der Widerstand in f\u00fcr RWE ungef\u00e4hrliche Bahnen kanalisiert werden kann (die GWR berichtete).<\/p>\n<p>Dialog sei der Schl\u00fcssel zur Akzeptanz, Empathie f\u00fcr die Beweggr\u00fcnde des Einzelnen, der im Widerstand ist, sei notwendig: &#8222;In der fr\u00fchzeitigen, transparenten und ergebnisoffenen Einbeziehung der B\u00fcrger scheint dabei der Schl\u00fcssel zu mehr Akzeptanz zu liegen.&#8220; Die Schlichtung mit Heiner Gei\u00dfler zu Stuttgart 21 wird als vorbildhaft beschrieben. Im Rheinischen Revier bzw. in NRW gehen der BUND und Greenpeace teilweise auf diese Strategie der Einbindung ein und \u00fcbernehmen zeitweise die Rolle der Dialog-Partner von RWE.<\/p>\n<h3>Repression, Militanz und parlamentarische Illusionen<\/h3>\n<p>Gemeinsam gegen Kohle und Atom? Die Stolpersteine auf dem Weg zu einem wirkungsvollem breiten Aktionsb\u00fcndnis innerhalb beider und zwischen beiden Bewegungen sind nicht zu untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>In der jungen Anti-Kohle-Bewegung treten nun \u00e4hnliche Bruchlinien und Konflikte auf, wie immer wieder auch in den vielen Jahren des Widerstands gegen Atomkraft. Das Drehen an der Repressions-Spirale von Seiten des Staates auf Veranlassung von RWE hat Folgen. Die Wald- und Wiesen-Besetzung im Hambacher Forst ist von eskalierender massiver Gewalt sowohl durch den privaten Sicherheitsdienst von RWE als auch durch brutale Polizei-Eins\u00e4tze betroffen, letztlich aufgrund falscher Beschuldigungen durch RWE. Der Konzern l\u00e4sst aktuell ermitteln wegen einem angeblich &#8222;besonders schwerem Fall des Landfriedensbruchs&#8220; und der des Verdachts &#8222;der gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzung&#8220;, schlie\u00dflich wegen des Verdachts des &#8222;Versto\u00dfes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz&#8220;. Weit \u00fcber 200 Ermittlungsverfahren wurden von RWE seit 2012 veranlasst. Diese Kriminalisierungsversuche sollen die Anti-Kohle-Bewegung und das &#8222;B\u00fcndnis gegen Braunkohle&#8220;, die Vernetzung der Wald- und Wiesenbesetzung, der Klima-AktistInnen von www.ausgeco2hlt.de, der B\u00fcrgerinitiativen und der Organisationen wie Attac, BUND und Greenpeace usw. spalten und &#8222;im Keim ersticken&#8220;. Auf keinen Fall soll die Anti-Kohle-Bewegung Ausma\u00dfe der Anti-Atom-Bewegung annehmen.<\/p>\n<p>Einige der AktivistInnen erleben aufgrund der sich h\u00e4ufenden Polizeieins\u00e4tze und der Allgegenw\u00e4rtigkeit des Sicherheitsdienstes im und am Hambacher Forst einen Zustand st\u00e4ndiger Bedrohung. Auch als Reaktion darauf nehmen militante Haltungen bei den WaldbesetzerInnen selbst zu: Die Vermummung der WaldbesetzerInnen wird immer h\u00e4ufiger.<\/p>\n<p>Martialische Parolen, wie &#8222;RWE und Staat zerschlagen&#8220; sind auf http:\/\/hambacherforst.blogsport.de\/ h\u00e4ufig zu lesen. Die Orientierung mancher WaldbesetzerInnen an den mexikanischen Zapatistas, die sich zwar um Gewaltvermeidung bem\u00fchen, aber den bewaffneten Kampf nicht ausschlie\u00dfen, ist auch f\u00fcr manche Aktive der B\u00fcrgerinitiativen und andere Engagierten im Revier irritierend. Bedingt auch durch die einseitige Berichterstattung in den Mainstream-Medien, w\u00e4chst bei den Menschen in der Region und den B\u00fcrgerinitiativen die Verunsicherung: &#8222;Was ist da los im Hambacher Forst?&#8220; Die direkte Unterst\u00fctzung der Waldbesetzung durch die B\u00fcrgerinitiativen nimmt teilweise ab. Noch sind die Waldbesetzung und die Blockaden der Rodung als gewaltfreie direkte Aktionen einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Nicht nur zeigen Repression und Tendenzen von Militanz ihre ung\u00fcnstige Wirkung, sondern auch die aktuell gesteigerten Aktivit\u00e4ten von BUND, Greenpeace und auch von den Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p>Fast 30 Jahre lang bis 2010 hatten BUND und Greenpeace die Definitionsmacht des Widerstands im Rheinischen Braunkohle-Revier. Die geplante Menschenkette im April 2015 im Bereich des Tagebaus Garzweiler wird aus meiner Sicht auch die Funktion haben, die angek\u00fcndigte Verkleinerung des Tagebaus als parlamentarischen Erfolg darstellen zu wollen. Die meisten der Engagierten in den B\u00fcrgerinitiativen haben noch Illusionen und pflegen immer noch die N\u00e4he zu den Gr\u00fcnen.<\/p>\n<h3>Lernen von Larzac und Gorleben<\/h3>\n<p>Eine erfolgreiche breite, vielf\u00e4ltige und kontinuierliche Widerstandskultur, in der direkte Aktionen und Ziviler Ungehorsam zentral sind, ist m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Ein Aufeinanderzugehen und ein gegenseitiges Sich-Einf\u00fchlen der verschiedenen Akteure sind notwendig.<\/p>\n<p>Die gemeinsame Entwicklung von Zielen und eines langfristigen Handlungskonzeptes bzw. Aktions-Stufen-Plans in einer Atmosph\u00e4re der &#8222;Kritischen Solidarit\u00e4t&#8220; ist unumg\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Sowohl eine Bedingungs- und Betroffenheits-Analyse, als auch die Findung eines Aktions-Konsens haben sich bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Das Planen, Vorbereiten und Trainieren auch von niedrigschwelligen Formen direkter Aktionen, z.B. das &#8222;Zur\u00fcck-Schaufeln der Erde in den Tagebau&#8220; k\u00f6nnte auch Engagierte der B\u00fcrgerinitiativen zur begrenzten Gesetzes\u00fcberschreitung motivieren und bewirken, dass wir immer mehr werden. Gemeinsamer Umgang aller AkteurInnen mit der unvermeidbaren Repression und den Spaltungsversuchen wird selbstverst\u00e4ndlich sein.<\/p>\n<p>Eine klare Einigung auf Gewaltfreiheit hatte im Larzac die unmittelbar Betroffenen motiviert, aktiv mitzumachen.<\/p>\n<p>Die Menschen vor Ort k\u00f6nnen kontinuierlich wirksamen Widerstand leisten. Die Unterst\u00fctzung von &#8222;Au\u00dfen&#8220;, von AktivistInnen aus anderen Regionen, ist notwendig.<\/p>\n<p>Punktuelle spektakul\u00e4re Aktionen durch entschlossene Klein-Gruppen k\u00f6nnen ermutigend sein, sind aber zu erg\u00e4nzen durch ein &#8222;Empowerment&#8220; Vieler.<\/p>\n<p>Der Verzicht auf Militanz im gemeinsamen Kampf kann ausgeglichen werden durch das Erleben von nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehaltener breiter Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wenn wir dann auch noch innerhalb der Bewegung im Rheinischen Revier exemplarisch Alternativen wie Solar- und Wind-Energie-Genossenschaften oder Solidarische Landwirtschaften initiieren, schaffen wir auf diese Weise eine &#8222;Werkst\u00e4tte der Zukunft&#8220;, einen ermutigenden Vorgriff auf eine Zukunft ohne Braunkohle und Atom.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Chance ist da. 2015 k\u00f6nnte das Rheinische Revier zu einem Brennpunkt sowohl der jungen Anti-Kohle-Bewegung als auch der seit 40 Jahren aktiven Anti-Atom-Bewegung werden. 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