{"id":13997,"date":"2005-06-21T18:23:56","date_gmt":"2005-06-21T16:23:56","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13997"},"modified":"2018-10-13T19:19:47","modified_gmt":"2018-10-13T17:19:47","slug":"von-ganz-unten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/06\/von-ganz-unten\/","title":{"rendered":"Von ganz unten"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4re die <i>graswurzelrevolution<\/i> (GWR) eine Zeitung wie jede andere, s\u00e4he die soeben erschienene Jubil\u00e4umsausgabe ganz anders aus. Seit eh und je wird \u00fcber das Layout der &#8222;Zeitung f\u00fcr anarchistisch-gewaltfreie Streitkultur&#8220; gemeckert, wird geklagt, die Lekt\u00fcre der an Fotos armen Seiten schmecke zu sehr nach dem Blei ihrer langen, mit Fu\u00dfnoten versehenen Texte. Zur 300. Ausgabe sollte sich das Aussehen \u00e4ndern, doch im Editorial vertagt Bernd Dr\u00fccke, Koordinations-Redakteur der <i>GWR<\/i>, den ersehnten Relaunch: &#8222;Unsere neuen Ideen haben wir noch nicht umgesetzt, auch weil die Layout-Diskussion im <i>GWR<\/i>-HerausgeberInnenkreis nicht beendet ist.&#8220;<\/p>\n<p>In dieser eher beil\u00e4ufigen Bemerkung Dr\u00fcckes steckt viel vom Selbstverst\u00e4ndnis der Zeitung. Seit der Nullnummer im Jahr 1972 h\u00e4lt das kleine, linksalternative Blatt (Auflage bis zu 6.000 St\u00fcck) den Meinungspluralismus hoch. Jeder der \u00fcber ganz Deutschland verstreuten Redakteure erh\u00e4lt die Texte seiner Kollegen per Mail &#8211; und ist nur eine Stimme dagegen, wird \u00fcber den Abdruck diskutiert. Auch dass Dr\u00fccke sich nicht Chef nennt, sondern Koordinationsredakteur steht symbolisch f\u00fcr die basisdemokratischen Ideale, die das Blatt seit Anbeginn vertritt.<\/p>\n<p>Linke Zeitungen, die inzwischen eine Chefredaktion etabliert haben, werden von der <i>GWR<\/i> gerne bel\u00e4chelt. Selbst wechselt man Erscheinungsort und Koordinationsredakteur in einem Turnus von etwa f\u00fcnf Jahren. Bis auf Dr\u00fccke: Der promovierte Soziologe sitzt nun schon seit 1998 in seinem M\u00fcnsteraner Mini-B\u00fcro, bastelt am Layout, organisiert, verfasst eigene Texte. Zur 300. Ausgabe hat Dr\u00fccke in seinen Erinnerungen gew\u00fchlt und unter anderem ein &#8222;Schl\u00fcsselerlebnis&#8220; geborgen: 1981, Dr\u00fccke war &#8222;noch keine 16&#8220; und im Geiste ganz bei Gandhi, fand er sich in einem Park wieder. Im Magen: die Faust eines &#8222;Schl\u00e4gerfaschoprolls&#8220;, der ihm zuvor die M\u00fctze geklaut hatte. Dr\u00fccke wies gelassen darauf hin, dass die M\u00fctze seiner Mutter geh\u00f6re und er sie brauche. Die Faust kehrte zur\u00fcck. Noch zwei Mal. Doch Dr\u00fccke sprach seinen Satz wie einen Refrain. Und bekam seine M\u00fctze mitsamt einer Entschuldigung des Schl\u00e4gers wieder.<\/p>\n<p>Auch dies, wenngleich die Anekdote eines Einzelnen, steht f\u00fcr das, was die <i>GWR<\/i> will. Im Impressum jeder Ausgabe werden die Grunds\u00e4tze des Blattes wiederholt: Die <i>GWR<\/i> ist gegen Gewalt, gegen Diskriminierung jeder Art und f\u00fcr eine &#8222;selbstorganisierte, sozialistische Wirtschaftsordnung&#8220;. Eine gewaltfreie, anarchistisch-politische Bewegung von unten, bei der die politische Farbe der aktuellen Regierung keine Rolle spielt. Sicherlich f\u00e4llt es den <i>GWR<\/i>-Redakteuren leichter, in Opposition zu einer konservativen Staatsf\u00fchrung zu treten. Aber auch Schr\u00f6der und Kumpanen werden nicht verschont. Ganz im Gegenteil. Und nicht von Nachteil: Denn das gro\u00dfenteils durch Abonnements finanzierte Blatt (2,50 Euro pro Ausgabe) liegt auch auf den Schreibtischen einiger Bundestagsabgeordneter. Und dort gewinnt es seit dem 11. September sowie in Zeiten des politischen Umbruchs weiter an Bedeutung. Ein neues Layout t\u00e4te der <i>GWR<\/i> trotzdem gut.<\/p>\n<p><strong>Boris R. Rosenkranz<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4re die graswurzelrevolution (GWR) eine Zeitung wie jede andere, s\u00e4he die soeben erschienene Jubil\u00e4umsausgabe ganz anders aus. Seit eh und je wird \u00fcber das Layout der &#8222;Zeitung f\u00fcr anarchistisch-gewaltfreie Streitkultur&#8220; gemeckert, wird geklagt, die Lekt\u00fcre der an Fotos armen Seiten schmecke zu sehr nach dem Blei ihrer langen, mit Fu\u00dfnoten versehenen Texte. Zur 300. 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