{"id":14173,"date":"2015-03-01T00:00:00","date_gmt":"2015-02-28T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/03\/eine-stimme-der-sexarbeiterinnen\/"},"modified":"2022-07-26T12:58:53","modified_gmt":"2022-07-26T10:58:53","slug":"eine-stimme-der-sexarbeiterinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/03\/eine-stimme-der-sexarbeiterinnen\/","title":{"rendered":"Eine Stimme der SexarbeiterInnen"},"content":{"rendered":"<p>Melissa Gira Grants Publikation &#8222;Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit&#8220; h\u00e4tte zu keinem besseren Zeitpunkt auf dem deutschen Markt erscheinen k\u00f6nnen. Mitten in der von Alice Schwarzer lancierten Debatte um ein Verbot der Sexarbeit &#8211; die 2014 auch in der <i>Graswurzelrevolution<\/i> \u00fcber mehrere Ausgaben kontrovers gef\u00fchrt wurde &#8211; ergreift Grant als ehemalige Sexarbeiterin mit ihrem autobiographisch unterlegten, aber in erster Linie journalistischem Sachbuch das Wort. Ein solcher Konnex von journalistischer Recherche und Erfahrungsbericht ist dringend n\u00f6tig als Beitrag zu einer Debatte, die haupts\u00e4chlich von FeministInnen, WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen gef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Die Stimme der SexarbeiterInnen erlangt dabei kaum Geh\u00f6r, wie Grant nachdr\u00fccklich kritisiert. Das Buch macht deutlich, dass \u201adie Prostituierte&#8216; selten selbst zu Wort kommt und somit oft nicht viel mehr als eine fiktive Figur ihrer selbsternannten \u201aRetterInnen&#8216; ist. Dagegen profiliert Grant \u201aHuren&#8216; weder als Opfer noch als feministische Fiktion, sondern als ArbeiterInnen, die durch Kriminalisierung ihrer T\u00e4tigkeit prekarisiert werden.<\/p>\n<p>Deutlich macht Grant dies auf der Grundlage ihrer eigenen Erfahrungen in den USA, einem Land, in dem Sexarbeit offiziell verboten ist. Grant erforscht nicht etwa zentral das Verh\u00e4ltnis von SexarbeiterIn zu Freier, sondern das gesamte soziale und diskursive Umfeld, in das die Sexarbeit in den USA eingebunden ist. So ist denn das erste Kapitel nicht etwa der Prostituierten selbst gewidmet (dies folgt im 2. Kapitel), sondern der Polizei, jener staatlichen Instanz, die den SexarbeiterInnen am h\u00e4ufigsten begegnet.<\/p>\n<p>Dieses Kapitel ist das eindringlichste des Textes und sei jenen ans Herz gelegt, die pauschal ein Verbot der Sexarbeit fordern, ohne die Konsequenzen zu vergegenw\u00e4rtigen. Das Kapitel zeichnet eine repressive Gesellschaft voller polizeilicher Willk\u00fcr, unterlassener Hilfeleistung, Gewalt und Korruption, die der Forderung einer Gleichbehandlung der Frau, wie sie mit dem Prostitutionsverbot einher gehen soll, nicht im Geringsten entgegen kommt, sondern die T\u00e4tigkeit der SexarbeiterInnen gef\u00e4hrlicher, prek\u00e4rer und entw\u00fcrdigender macht.<\/p>\n<p>Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Verbotsdebatte, der durch das leider nicht sehr gelungene Vorwort von Mithu M. Sanyal im deutschen Sexarbeitsdiskurs verortet werden soll.<\/p>\n<p>Sinnvoller w\u00e4re diese Aufgabe wohl in einem Nachwort zu l\u00f6sen gewesen. Dennoch werden die Ankn\u00fcpfungspunkte deutlich und Grants Text erscheint als ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Beibehalten einer relativ liberalen Gesetzgebung in Deutschland und gegen die von ihr als &#8222;Wegsperr-Feminismus&#8220; bezeichneten Anschauung, &#8222;die es der staatlichen Ordnungsmacht \u00fcberl\u00e4sst, Geschlechtergerechtigkeit herbeizuf\u00fchren&#8220;. (36)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Melissa Gira Grants Publikation &#8222;Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit&#8220; h\u00e4tte zu keinem besseren Zeitpunkt auf dem deutschen Markt erscheinen k\u00f6nnen. 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