{"id":14193,"date":"2015-04-01T00:00:00","date_gmt":"2015-03-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/04\/brennpunkt-braunkohle\/"},"modified":"2022-07-26T13:05:43","modified_gmt":"2022-07-26T11:05:43","slug":"brennpunkt-braunkohle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/04\/brennpunkt-braunkohle\/","title":{"rendered":"Brennpunkt Braunkohle"},"content":{"rendered":"<p>In den n\u00e4chsten Monaten werden viele Menschen auch von weither ins Rheinische Braunkohle-Revier (im St\u00e4dte-Dreieck K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf und Aachen) kommen. Es ist viel los.<\/p>\n<h3>Ein \u00dcberblick zu den &#8222;Highlights&#8220;:<\/h3>\n<p>Vom 10. &#8211; 12. April findet in K\u00f6ln eine gro\u00dfe Internationale Klima-Aktions-Konferenz statt mit dem Titel: &#8222;2015 &#8211; Kampf ums Klima, K\u00f6ln &#8211; Rheinland &#8211; Paris&#8220; (siehe Artikel in dieser GWR, Seite 5).<\/p>\n<p>Am 25.4 planen BUND, Campact, Greenpeace, NABU u.a. eine gro\u00dfe &#8222;Anti-Kohle-Kette&#8220;.<\/p>\n<p>Aus dem Aufruf: &#8222;Menschenkette gegen Kohle im Braunkohle-Tagebau Garzweiler II.<\/p>\n<p>Mit unserer Menschenkette st\u00e4rken wir die breite B\u00fcrgerbewegung gegen Kohle und unterst\u00fctzen den lokalen Widerstand. Kommen Sie am 25. April 2015 zur Menschenkette und zur anschlie\u00dfenden Kundgebung mit Konzert und zeigen den Baggern und Klimakillern die rote Linie auf. Gemeinsam bieten wir der Kohlelobby die Stirn!&#8220;<\/p>\n<p>Vom 7. bis 17.August wird es sowohl ein &#8222;Klima-Camp&#8220; plus eine &#8222;Degrowth-Summer-School&#8220; als auch einen &#8222;Massen-Aktions-Tag&#8220; &#8211; organisiert von einem breiten aktivistischen B\u00fcndnis mit internationaler Mobilisierung &#8211; in der N\u00e4he der Braunkohle-Tagebaue und Kraftwerke geben.<\/p>\n<h3>&#8222;Lebenslaute&#8220;-Aktion 2015: Andante an der Kante<br \/> Musikalische Baggerblockade am rheinischen Braunkohletagebau<\/h3>\n<p>Unter dem Namen &#8222;Lebenslaute&#8220; engagieren sich seit 1986 bundesweit Musiker_innen, einmal j\u00e4hrlich in Chor- und Orchesterst\u00e4rke, dazwischen auch in kleineren Ensembles regional. Als offene Musik- und Aktionsgruppe bringen Lebenslaute \u00fcberwiegend klassische Musik gerade dort zum Klingen, wo dies nicht erwartet wird: auf Milit\u00e4r\u00fcbungspl\u00e4tzen und Abschiebeflugh\u00e4fen, vor Atomfabriken und Raketendepots, in Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden und an anderen menschenbedrohenden Orten.<\/p>\n<p>Lebenslaute plant eine gr\u00f6\u00dfere Aktion im Revier: &#8222;Andante an der Kante&#8220; &#8211; Musikalische Baggerblockade am rheinischen Braunkohletagebau.<\/p>\n<p>Mit einer konzertanten Baggerblockade und anschlie\u00dfender musikalischer Nachtwache unterst\u00fctzt Lebenslaute in diesem Jahr den Widerstand gegen den Braunkohletagebau im Rheinland.<\/p>\n<p>&#8222;Wir werden konkret eingreifen. Aktionsvorbereitungs- und Probewochenende in Buir: 26. bis 28. Juni 2015. Aktionstage Rheinisches Kohlerevier 7 Buir: 19. bis 24. August 2015. F\u00fcr die Lebenslaute-Aktion 2015 suchen wir wieder ge\u00fcbte S\u00e4ngerInnen und Orchester-Musiker_innen sowie sehr gerne auch Unterst\u00fctzer*innen! Kontakt und Anmeldung: lebenslaute2015@riseup.net<\/p>\n<h3>Solidarische Vielfalt<\/h3>\n<p>Vor Ort engagiert sich eine bunte Vielfalt unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure gegen die Braunkohle-Tagebaue und -Kraftwerke:<\/p>\n<p>Die Waldbesetzer*innen &#8222;Hambacher Forst&#8220;, mehrere B\u00fcrgerinitiaven aus dem Revier, u.a. &#8222;LOB &#8211; Leben ohne Braunkohle&#8220; aus Pulheim, die BI aus Elsdorf, &#8222;Buirer f\u00fcr Buir&#8220;, das &#8222;Gelbe Band&#8220;, das &#8222;Netzwerk Bergbaugesch\u00e4digter&#8220;, die Plattform AusgeCO2hlt, Vertreter*innen von Organisationen wie BUND \/ BUND-Jugend, Greenpeace oder Attac, auch Gruppen aus K\u00f6ln sind dabei: BI &#8222;TschoeRheinenergie&#8220; und &#8222;SoVie &#8211; Solidarische Vielfalt &#8211; K\u00f6lner Gruppe gegen Braunkohle&#8220;.<\/p>\n<p>Seit ca. zwei Jahren kommen diese auch zusammen auf den &#8222;B\u00fcndnis gegen Braunkohle&#8220;-Treffen, um sich auszutauschen und neben den eigenst\u00e4ndigen Aktionen eine wirksame Zusammenarbeit zu entwickeln. Aktuell wird versucht, sich auf gemeinsame Ziele und Forderungen zu einigen.<\/p>\n<p>Das Gemeinsame herauszufinden ist angesichts des Dissenz in wichtigen Fragen nicht einfach. Am Beispiel der geplanten Menschenkette wird dies deutlich:<\/p>\n<p>Viele Menschen, auch aus den B\u00fcrgerinitiativen sehen die geplante Menschenkette positiv.<\/p>\n<p>&#8222;Es passiert was gegen den Braunkohle-Wahnsinn&#8220;.&#8220;Wenn viele mitmachen, kommt die Menschenkette ins Fernsehen.&#8220; &#8222;Campact, BUND, Greenpeace, NABU usw. sind gro\u00dfe Organisationen, wenn die sich f\u00fcr unsere Interessen einsetzen, dann ist das gut.&#8220;<\/p>\n<p>Nun haben diese Organisationen folgende zentrale Forderungen f\u00fcr die Menschenkette aufgestellt: &#8222;Wir fordern von der Politik: Schaltet sofort die dreckigsten Kohlemeiler ab und beschlie\u00dft einen Fahrplan zu einem kompletten Kohle-Ausstieg bis sp\u00e4testens 2040. Verkleinert massiv die Braunkohle-Tagebaue. Bis 2030 muss der Abbau im Tagebau Garzweiler II und anderswo beendet sein. Hierf\u00fcr braucht es in den betroffenen Regionen zeitnah einen Strukturwandel, der die Besch\u00e4ftigten in der Kohleindustrie und in davon abh\u00e4ngigen Bereichen sozial absichert und ihnen neue Perspektiven er\u00f6ffnet. Stoppt den Import von Steinkohle, die im Ausland unter Verletzung von Menschenrechten abgebaut wird. Bremst nicht weiter bei der Energiewende, sondern setzt konsequent auf Erneuerbare Energien und Energieeffizienz!&#8220;<\/p>\n<p>Was bedeutet z.B. die Forderung &#8222;bis 2030 muss der Abbau in den Tagebauen beendet sein&#8220; konkret &#8211; in ihren Auswirkungen auf die betroffenen Menschen in der Region?<\/p>\n<p>Heisst dies auf den Tagebau Hambach bezogen, dass der 3. Rahmenbetriebsplan (2020-2030) hingenommen wird?<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde bedeuten, dass die Vernichtung des gesamten Hambacher Forstes und die Vernichtung von Manheim und Morschenich als unab\u00e4nderlich hingenommen wird. Bis 2030 haben sich nach dem 3. Rahmenbetriebsplan die Bagger bis ganz nah an Buir in die Landschaft &#8222;gefressen&#8220; &#8211; der Tagebau w\u00fcrde 2030 fast an der Ortsgrenze enden.<\/p>\n<p>Auf Garzweiler bezogen w\u00fcrde dies bedeuten, dass nur Holzweiler und ein paar H\u00f6fe verschont blieben.<\/p>\n<p>&#8222;2030&#8220; bedeutet u.a. auch noch 15 bis 16 Jahre radioaktive Feinstaub-Belastung durch den Braunkohleabbau. Auf die Kraftwerke bezogen w\u00fcrde dies bedeuten, dass noch 15 bis 16 Jahre &#8222;der Tod aus dem Schlot droht&#8220;. Selbst wenn die sogenannten &#8222;dreckigsten Kohlemeiler&#8220; abgeschaltet werden, die sowieso von RWE abgeschaltet werden aufgrund ihres Alters von \u00fcber 40-50 Jahren, werden noch 15 bis 16 Jahre CO2, Feinstaub, Quecksilber usw. in einem gigantischen Ausma\u00df emittiert. RWE w\u00fcrde noch weitere 15 bis 16 Jahre &#8222;Klima-Killer Nummer 1&#8220; in Europa sein. Die Einsparungen an CO2-Emissionen w\u00fcrden nur gering sein. Das neue BoA Plus Kraftwerk in Niederaussem soll ja auch weiterhin gebaut werden.<\/p>\n<p>SoVie fordert dagegen, wie ausgeCO2hlt und Attac K\u00f6ln, den &#8222;Sofortigen Braunkohle-Ausstieg&#8220; und betrachtet eine Abwicklung in zwei bis vier Jahren als realistisch.<\/p>\n<h3>&#8222;Was kommt nach der Braunkohle?&#8220;<\/h3>\n<p>Diese Frage bewegt viele Menschen in der Region, viele sichern ihre Existenz durch einen Arbeitsplatz bei RWE bzw. bei Zulieferbetrieben.<\/p>\n<p>In zwei bis vier Jahren k\u00f6nnten sich viele Solar- und Wind-Energie-Genossenschaften im Rheinischen Revier gr\u00fcnden und schon viele Windr\u00e4der und Solarenergie-Anlagen installiert haben.<\/p>\n<p>Das Beispiel der Gemeinde Atterwasch in der Braunkohleregion der Lausitz k\u00f6nnte auch im rheinischen Revier probiert werden: Atterwasch soll auch umgesiedelt werden, den Braunkohlebaggern weichen. Aber Atterwasch will bleiben und gibt eine praktische Antwort: das Dorf hat seine Energieversorgung fast vollst\u00e4ndig auf erneuerbare Energien umgestellt. Eine &#8222;Energie-Wende von Unten&#8220; ist m\u00f6glich. Rekommunalisierung und Dezentralisierung einer regenerativen Energieversorgung in Selbstverwaltung k\u00f6nnte Schritt f\u00fcr Schritt realisiert werden. Also nicht wenige neue Arbeitspl\u00e4tze! RWE m\u00fcsste sich aus der Region zur\u00fcckziehen. Damit w\u00e4re auch eine Abkehr m\u00f6glich, weg von der Orientierung an &#8222;Immer mehr Energie!&#8220;, &#8222;Wachstum!&#8220; und &#8222;maximaler Rendite!&#8220;, also von der Kapitalistischen Wachstums-Ideologie und Profit-Maximierung.<\/p>\n<p>Die &#8222;Quasi-Besatzungsmacht&#8220; RWE, die sich seit fast 100 Jahren ein allumfassendes Netzwerk von direkten Verbindungen in die Lokal-, Landes- und Bundespolitik und das Wirtschafts- und Vereinsleben im Rheinischen Braunkohlerevier aufgebaut hat, w\u00fcrde ihre zentralisierte Macht verlieren. Eine neue Form einer &#8222;Demokratie von unten&#8220; w\u00fcrde den Menschen vor Ort neue Entscheidungsm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der bisherigen Energieproduktion dient fragw\u00fcrdigen Zwecken, wie u.a. &#8222;der Verschlei\u00df-Produktion&#8220;, der Produktion von Konsum-Waren, deren Nachfrage durch Werbung erst k\u00fcnstlich erzeugt wird, der Waffenproduktion und dem direkten Export von Strom.<\/p>\n<p>Insofern m\u00fcsste auch nicht mehr soviel Strom wie jetzt produziert werden.<\/p>\n<p>Neue Arbeitspl\u00e4tze k\u00f6nnten auch in der Landwirtschaft entstehen, noch sind viele fruchtbare B\u00f6den in der Region erhalten. Solidarisch Landwirtschaften k\u00f6nnte eine attraktive, alternative Perspektive sein. Auch z.B. im Gesundheitswesen &#8211; das auch mehr &#8222;demokratisiert bzw. selbstverwaltet&#8220; werden k\u00f6nnte &#8211; k\u00f6nnten viele ehemalige MitarbeiterInnen von RWE nach einer Umschulung einen sinnvollen Arbeitsplatz finden.<\/p>\n<p>Das Rheinische Revier k\u00f6nnte sich wandeln von einer Katastrophen-Region zu einer lebenswerten Region.<\/p>\n<p>F\u00fcr den \u00dcbergang wird vielleicht noch eine &#8222;Br\u00fccken-Technologie&#8220; bis ca. 2020 notwendig sein, das k\u00f6nnten sinnvollerweise die im Moment fast \u00fcberhaupt nicht laufenden Gaskraftwerke, wie z.B. in H\u00fcrth, sein. Auch die Steinkohle-Kraftwerke k\u00f6nnten bundesweit sp\u00e4testens in vier Jahren abgeschaltet werden, wenn \u00fcberall konsequent auf Erneuerbare Energie gesetzt wird &#8211; nicht erst 2040.<\/p>\n<p>SoVie wird deshalb mit folgenden Forderungen an der Menschenkette teilnehmen: &#8222;Kohlestopp sofort!&#8220;; &#8222;Sofortiger Rodungs-Stopp im Hambacher Forst!&#8220;; Kein BoA Plus!&#8220;; &#8222;Sonne und Wind ersetzen die Kohle geschwind!; &#8222;Lebenspl\u00e4tze &#8211; nicht nur Arbeitspl\u00e4tze!&#8220;; &#8222;Gewaltfreie direkte Aktionen! Appelle gen\u00fcgen nicht &#8211; f\u00fchren uns hinters Licht!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;F\u00fcr eine echte Energie-Wende von unten &#8211; Erneuerbare Energien in Selbstverwaltung!&#8220;<\/p>\n<h3>Kritische Solidarit\u00e4t und Gewaltfreie Aktion<\/h3>\n<p>Die gewaltfreie Gruppe SoVie (Solidarische Vielfalt), deren Name auch Programm ist, versucht mit diesem Vorgehen auch im Fall der Menschenkette das Prinzip der &#8222;kritischen Solidarit\u00e4t&#8220; zu verwirklichen. Die Differenzen benennen, das Gemeinsame oder das, was uns eint, betonen durch Mitmachen. Aktionen k\u00f6nnen parallel aufeinander bezogen oder gemeinsam mit eigenen Forderungen durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Im Falle der Menschenkette geht es vor allem um die Solidarit\u00e4t mit den Menschen aus den B\u00fcrgerinitativen vor Ort. Trotz aller Differenzen wird auch punktuell an B\u00fcndnissen mit Organisationen wie BUND und Greenpeace festgehalten. Es sind die Spitzenleute, nicht die vielen Mitglieder, die sich strategisch einbinden lassen von der &#8222;Gegenseite&#8220; und Aktionen initiieren, die den Widerstand in f\u00fcr RWE ungef\u00e4hrlichere Bahnen lenken.<\/p>\n<p>Kritische Solidarit\u00e4t ist aber auch gefragt gegen\u00fcber militanten Tendenzen innerhalb der nicht einheitlichen Waldbesetzung im Hambacher Forst, die teilweise ein sogenanntes &#8222;linksautonomes&#8220; Selbstverst\u00e4ndnis hat. U.a. beeinflusst von der Projektwerkstatt Saasen wird Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung nicht ausgeschlossen. In deren Brosch\u00fcre &#8222;Die Mischung macht`s&#8230; Von Theater bis Militanz&#8230;&#8220; hei\u00dft es: &#8220; &#8230; ist Gegengewalt von unten als soziale Notwehr einzusch\u00e4tzen. Wo sich Gewalt gegen Gewalt richtet, dient sie dem Ende der vorhandenen Gewalt&#8230;&#8220;.<\/p>\n<p>Ein aktuelles Plakat der Waldbesetzung, das mehrere Besetzer*innen vermummt und teilweise im milit\u00e4rischen Outfit auf einem gerodeten Baum sitzend zeigt, l\u00f6ste bei mehreren Betrachter*innen Bedrohungsgef\u00fchle und Angst aus. Auch die Bef\u00fcrwortung von Sabotage durch eine Waldbesetzerin im K\u00f6lner Stadtanzeiger im Januar l\u00f6ste breite ablehnende Reaktionen auch bei den B\u00fcrgerinitiativen aus.<\/p>\n<p>Der gegenw\u00e4rtige Zeitpunkt ist zu fr\u00fch f\u00fcr Sabotage-Aktionen, da zurzeit nur ganz wenige Menschen vor Ort bereit sind zu direkten Aktionen bzw. zu Zivilem Ungehorsam. Selbst eine niedrigschwellige und begrenzte Regelverletzung wird noch viel Ermutigung, Motivierungsarbeit und intensives Training zur Voraussetzung haben. Sabotage oder Sachbesch\u00e4digung kann sp\u00e4ter innerhalb eines gut geplanten gewaltfreien Handlungskonzeptes ein sinnvoller Schritt sein, wenn die k\u00f6rperliche Unversehrtheit aller sichergestellt ist und der emanzipatorische Charakter der Zerst\u00f6rung einer breiteren \u00d6ffentlichkeit unmittelbar einsichtig ist.<\/p>\n<p>Kritisch solidarisch bedeutet f\u00fcr mich in diesem Fall das Plakat z.B. als einzelne Handlung oder Aktions-Mittel zu kritisieren und trotzdem weiterhin solidarisch mit der Grundintention der Wald-Besetzung zu sein.<\/p>\n<h3>Gewaltfreie Aktion<\/h3>\n<p>Der Begriff &#8222;Gewaltfreie Aktion&#8220; wird weiterhin oft missverstanden. Oft wird sie als legale oder eher passive Protestaktion identifiziert, dabei ist die gewaltfreie Aktion &#8211; aus meiner Sicht &#8211; eine k\u00e4mpferische und aktive Methode, Konflikte auszutragen. Gewaltfreie Aktionen beschr\u00e4nken sich nicht auf staatlich erlaubte Handlungen sondern \u00fcbertreten in besonnener Art und Weise bestimmte Verbote.<\/p>\n<p>Eine juristische Verfolgung wegen des Vorwurfs, eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat begangen zu haben, wird dabei riskiert. Damit wird der Ernsthaftigkeit des Widerstands gegen skandal\u00f6se Zust\u00e4nde besonderer Nachdruck verliehen.<\/p>\n<p>Gewaltfreies Verhalten will eine glaubw\u00fcrdige Einladung an den Gegner sein, von seinen M\u00f6glichkeiten, Gewalt anzuwenden, keinen Gebrauch zu machen.<\/p>\n<p>Gewaltfrei aktiv sein bedeutet, sich zu weigern, einen Gegner, auch wenn dieser Gewalt anwendet, mit dessen Mitteln zu bek\u00e4mpfen. Durch die Bereitschaft, Gewalt und ungerechte Sanktionen ohne gewaltt\u00e4tige Gegenwehr zu ertragen, wollen gewaltfreie Akteurinnen und Akteure den Herrschenden klarmachen, dass es Ihnen nicht um Vergeltung geht, sondern um die Schaffung einer neuen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Gewaltfreie Aktion ist eine Methode, Schritt f\u00fcr Schritt eine Gegenmacht aufzubauen. Gewaltfreie Aktion im urspr\u00fcnglichen Sinne ist legitimiert durch die konkrete Utopie einer herrschaftslosen, repressions- und gewaltfreien Gesellschaft und hat diese zum Ziel. Deshalb bietet sie allen Mitmachenden die Chance gleichberechtigter Partizipation. Die M\u00f6glichkeit allm\u00e4hlicher Befreiung von Ohnmachtsgef\u00fchlen, \u00c4ngsten, inneren Zw\u00e4ngen, verinnerlicht in einer f\u00fcr viele schmerzvollen Sozialisation der Entmutigung, hat in einem gewaltfreien Aktionskonzept einen hohen Stellenwert.<\/p>\n<p>Eine emanzipatorische Selbst-Organisations-Kultur ohne Hierarchien, getragen von gegenseitiger Empathie und Wertsch\u00e4tzung &#8211; oder &#8222;G\u00fctekraft&#8220; wie Martin Arnold sagt &#8211; wird so eine sichtbare Vorform der angestrebten neuen Gesellschaft. Das macht viel gemeinsames soziales Lernen und Training notwendig. Notwendig ist aber auch Analyse und Planung.<\/p>\n<p>Die Kombination von Analyse, sozialem Lernen und praktischem Widerstand kennzeichnet in meinem Verst\u00e4ndnis Gewaltfreie Aktion.<\/p>\n<p>Die gewaltfreien Aktionsgruppen der 1970er Jahre hatten sich viel Zeit genommen, um dies in die Tat umzusetzen, eine Aktion wurde oft 80 bis 100 Stunden geplant, vorbereitet und trainiert. Dagegen sind die Trainings zur Gewaltfreien Aktion in den letzten Jahren oft nur noch ein kurzes &#8222;Blockade-Training&#8220;.<\/p>\n<h3>Langfristiges Handlungskonzept (Strategie) f\u00fcr die Anti-Kohle-Bewegung<\/h3>\n<p>Auch im Widerstand im Rheinischen Braunkohlerevier zeigt sich, dass die gemeinsame kreative Entwicklung eines langfristigen Handlungskonzeptes notwendig ist.<\/p>\n<p>Die Basis daf\u00fcr ist eine fundierte gemeinsame Analyse der &#8222;Lage&#8220;, sowohl eine Bedingungs-, als auch eine Konflikt- und Betroffenheits-Analyse. Dazu geh\u00f6rt auch m\u00f6gliche &#8222;Bruchlinien&#8220; im Unterst\u00fctzungsnetzwerk der Gegenseite herauszufinden. Dann auch eine gemeinsame Reflexion bisheriger Widerstands-Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Die Gegenseite &#8211; das &#8222;System RWE&#8220; &#8211; die Verfilzung von RWE, staatlichen Institutionen und politischen Akteuren &#8211; geht sehr strategisch vor &#8211; insgesamt, um ihre Interessen durchzusetzen, aber auch gegen das B\u00fcndnis bzw. gegen Teile der Anti-Kohle-Bewegung.<\/p>\n<p>Mit aller Kraft versucht die Gegenseite zu spalten, indem z.B. einerseits versucht wird, durch eskalierende Gewalt durch &#8222;Werkschutz&#8220;, die Wald &#8211; und Wiesenbesetzung zur Gegengewalt zu verf\u00fchren, um dann endlich Beweise als Rechtfertigung f\u00fcr die seit \u00fcber zwei Jahren andauernden Kriminalisierungsversuche zu haben und mit milit\u00e4rischen Mitteln zu siegen.<\/p>\n<p>Andererseits verfolgt RWE auch entlang ihrer &#8222;Akzeptanzstudie&#8220; das Ziel, Teile der Bewegung &#8222;strategisch einzubinden&#8220; und damit auch den Widerstand zu spalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr das im Aufbau befindliche B\u00fcndnis gegen Braunkohle besteht auch angesichts des strategischen Vorgehens der Gegenseite die Notwendigkeit, sich auf gemeinsame Ziele, Forderungen und ein entsprechendes HANDLUNGSKONZEPT zu einigen, indem die Mittel bzw. Handlungsschritte, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen, enthalten sind.<\/p>\n<p>Klar &#8211; immer vorl\u00e4ufig, wir schreiten ja fragend voran im Wechselspiel von Engagement und Reflexion.<\/p>\n<p>(Auf den Begriff &#8222;STRATEGIE&#8220; m\u00f6chte ich verzichten, denn dieser ist ein milit\u00e4rischer Begriff und bedeutet &#8222;Feldherrenkunst&#8220;.)<\/p>\n<p>Ein gewaltfreier Aktionskonsens wird u.a. von SoVie (Solidarische Vielfalt) vorgeschlagen. Die gewaltfreie Aktion von Lebenslaute wird ein ermutigendes Beispiel Gewaltfreier Aktion werden.<\/p>\n<p>Wie hei\u00dft es bei Gandhi sinngem\u00e4\u00df: &#8222;Nicht der Zweck heiligt die Mittel, sondern die Mittel formen die Ziele. Umgekehrt: Die gewaltsamen Mittel deformieren die edelsten Ziele.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den n\u00e4chsten Monaten werden viele Menschen auch von weither ins Rheinische Braunkohle-Revier (im St\u00e4dte-Dreieck K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf und Aachen) kommen. Es ist viel los. Ein \u00dcberblick zu den &#8222;Highlights&#8220;: Vom 10. &#8211; 12. April findet in K\u00f6ln eine gro\u00dfe Internationale Klima-Aktions-Konferenz statt mit dem Titel: &#8222;2015 &#8211; Kampf ums Klima, K\u00f6ln &#8211; Rheinland &#8211; Paris&#8220; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/04\/brennpunkt-braunkohle\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Brennpunkt Braunkohle - graswurzelrevolution","description":"In den n\u00e4chsten Monaten werden viele Menschen auch von weither ins Rheinische Braunkohle-Revier (im St\u00e4dte-Dreieck K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf und Aachen) kommen. 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