{"id":14194,"date":"2015-04-01T00:00:00","date_gmt":"2015-03-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/04\/eine-eu-armee-fuer-das-deutsche-europa\/"},"modified":"2022-07-26T14:22:14","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:14","slug":"eine-eu-armee-fuer-das-deutsche-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/04\/eine-eu-armee-fuer-das-deutsche-europa\/","title":{"rendered":"Eine EU-Armee f\u00fcr das deutsche EUropa?"},"content":{"rendered":"<p>Tats\u00e4chlich wurde aus genau diesen Gr\u00fcnden mit dem &#8211; schrittweisen                 &#8211; Aufbau einer EU-Armee l\u00e4ngst begonnen.<\/p>\n<p>Die wohl wichtigste Ma\u00dfnahme in diesem Bereich ist das sogenannte                 Pooling &#038; Sharing (P&#038;S), die gemeinsame Beschaffung und Nutzung                 von Milit\u00e4rger\u00e4t. <\/p>\n<p>Damit droht jedoch der komplette au\u00dfen- und sicherheitspolitische                 Bereich jeglicher nennenswerten parlamentarischen Kontrolle entzogen                 zu werden. Dies d\u00fcrfte allerdings sogar eher ein gew\u00fcnschter Effekt                 sein &#8211; was dem Aufbau einer EU-Armee dagegen aktuell wirklich                 ernsthaft im Wege steht, sind die unterschiedlichen Interessen                 zwischen Deutschland und dem \u00fcberwiegenden Rest der EU-L\u00e4nder.               <\/p>\n<h3>Machtpolitischer Mehrwert <\/h3>\n<p>Wie gesagt, die Forderung nach einer EU-Armee ist nicht eben                 originell, teils neu ist allerdings der Begr\u00fcndungszusammenhang                  ((1)), in den EU-Kommissionspr\u00e4sident                 Juncker seine Initiative stellte: &#8222;Eine europ\u00e4ische Armee hat                 man nicht, um sie sofort einzusetzen. [\u2026] Aber eine gemeinsame                 Armee der Europ\u00e4er w\u00fcrde Russland den Eindruck vermitteln, dass                 wir es ernst meinen mit der Verteidigung der Werte der Europ\u00e4ischen                 Union. [\u2026] Eine solche Armee w\u00fcrde uns helfen, eine gemeinsame                 Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik zu gestalten und gemeinsam die Verantwortung                 Europas in der Welt wahrzunehmen. [\u2026] Im \u00dcbrigen w\u00fcrde eine europ\u00e4ische                 Armee zu einer intensiven Zusammenarbeit bei der Entwicklung und                 beim Kauf von milit\u00e4rischem Ger\u00e4t f\u00fchren und erhebliche Einsparungen                 bringen.&#8220;<\/p>\n<p>Der Verweis auf Russland soll hier augenscheinlich den n\u00f6tigen                 Alarmismus erzeugen, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen.                 Viel interessanter ist dagegen Junckers \u00c4u\u00dferung, eine solche                 Armee sei generell von gro\u00dfem Nutzen, und zwar unabh\u00e4ngig davon,                 ob sie \u00fcberhaupt eingesetzt wird. Hier reproduziert der EU-Kommissionschef                 die innerhalb der Eliten omnipr\u00e4sente Vorstellung, dass der weltpolitische                 Einfluss eines Landes eng mit dessen milit\u00e4rischen Schlagkraft                 zusammenh\u00e4ngt. Mit anderen Worten brachte diesen Gedanken der                 ehemalige EU-Parlamentspr\u00e4sident Hans-Gert P\u00f6ttering folgenderma\u00dfen                 auf den Punkt: &#8222;Politische Gestaltungskraft ist in der internationalen                 Politik aber unver\u00e4nderlich an milit\u00e4rische St\u00e4rke gebunden. [\u2026]                 Die EU sollte sich daher nicht nur in ihrem Wunschdenken und ihrer                 Rhetorik zu einem Akteur von globaler Relevanz erkl\u00e4ren, sondern                 sie muss auch die Mittel besitzen und danach handeln.&#8220;<\/p>\n<p>Folgt man dieser Auffassung, so ist ein Zuwachs an milit\u00e4rischer                 Macht allein deshalb schon w\u00fcnschenswert, da er mit der Vergr\u00f6\u00dferung                 des eigenen Einflusses einhergeht. Hier setzt Junckers zweites                 Argument in seinem Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine EU-Armee an: beim Geld. Denn                 selbstredend sollen die von ihm prognostizierten Einsparungen                 nicht zu einer Absenkung der R\u00fcstungshaushalte f\u00fchren, sondern                 zu Effizienzsteigerungen, also knapp zusammengefasst: Zu mehr                 Krieg pro Euro!<\/p>\n<p>Ausgangspunkt der diesbez\u00fcglichen \u00dcberlegungen ist der kleinteilige                 europ\u00e4ische R\u00fcstungssektor, der sich auf viele L\u00e4nder und R\u00fcstungsbetriebe                 verteilt und durch den das ganze Gesch\u00e4ft mit dem Krieg reichlich                 ineffizient wird. So argumentierte etwa Wirtschaftsminister Sigmar                 Gabriel in seiner r\u00fcstungspolitischen Grundsatzrede ((2))                 vom 8. Oktober 2014: &#8222;Die Verteidigungsindustrie in der EU ist                 nach wie vor national ausgerichtet und stark fragmentiert. Europa                 leistet sich den &#8218;Luxus&#8216; zahlreicher Programme f\u00fcr gepanzerte                 Fahrzeuge, den intensiven Wettstreit zwischen drei Kampfflugzeugen                 und eine starke Konkurrenz z. B. im U-Boot-Bereich. [\u2026] Folgen                 dieser unbefriedigenden Situation sind hohe Kosten und nachteilige                 Folgen f\u00fcr den internationalen Wettbewerb, aber auch negative                 Auswirkungen f\u00fcr die Streitkr\u00e4fte. Die Bundesregierung muss daher                 nach meiner Meinung verst\u00e4rkt auf eine europ\u00e4ische Zusammenarbeit                 bis hin zum Zusammengehen von in einzelnen Mitgliedstaaten ans\u00e4ssigen                 Unternehmen setzen.&#8220;<\/p>\n<p>Eine B\u00fcndelung des R\u00fcstungssektors in einer EU-Armee (im Fachjargon:                 Konsolidierung) soll hier Abhilfe schaffen, wie etwa eine Studie                 des wissenschaftlichen Dienstes des EU-Parlaments namens &#8222;Cost                 of Non-Europe Report&#8220; ((3)) argumentiert:                 &#8222;73 Prozent der Beschaffungsvorhaben w\u00fcrden bis heute nicht europaweit                 ausgeschrieben. &#8218;Zusammenarbeit bleibt die Ausnahme&#8216;, urteilen                 die Experten. Die daraus entstehenden Mehrkosten sind immens.                 Laut Bericht belaufen sie sich auf mindestens 26 Milliarden Euro                 pro Jahr. Maximal k\u00f6nnten sich die verschwendeten Steuergelder                 sogar auf 130 Milliarden Euro j\u00e4hrlich summieren. Im Jahr 2012                 gaben die EU-Staaten rund 190 Milliarden f\u00fcr R\u00fcstung aus.&#8220; (Spiegel                 Online, 08.12.2013) Auch Junckers Pressesprecher Margaritis Schinas                 gab an, mit der vom EU-Kommissionschef geforderten Intensivierung                 der &#8222;Zusammenarbeit bei der Entwicklung und beim Kauf von milit\u00e4rischem                 Ger\u00e4t&#8220;, also mit Pooling &#038; Sharing, k\u00f6nnten Kostensenkungen in                 dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung erreicht werden: &#8222;Wir haben Studien, die                 zeigen, dass wir bis zu 100 oder 120 Milliarden Euro pro Jahr                 einsparen k\u00f6nnen&#8220; (euraciv.de, 10.03.2015)<\/p>\n<h3>Nukleus einer EU-Armee<\/h3>\n<p>Auch wenn die Einschnitte in den R\u00fcstungshaushalten bei weitem                 nicht so dramatisch ausfallen, wie das Gejammer von Politik, Milit\u00e4r                 und R\u00fcstungsindustrie nahe legt, existiert trotzdem aus oben beschriebenen                 Gr\u00fcnden ein hohes Interesse an einer Vergr\u00f6\u00dferung der milit\u00e4rischen                 Schlagkraft &#8211; und P&#038;S soll genau dies bewerkstelligen. So hei\u00dft                 es in einem Papier der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP):                 &#8222;Europa verliert die F\u00e4higkeit, jenseits seiner Grenzen milit\u00e4risch                 zu handeln. [\u2026] Die chronisch unterentwickelten milit\u00e4rischen                 F\u00e4higkeiten drohen weiter zu verk\u00fcmmern: als Folge der Finanzkrise                 schrumpfen die Verteidigungsapparate rasant. [\u2026] In den verteidigungspolitischen                 Kommuniqu\u00e9s von Nato und EU gilt Pooling und Sharing (P&#038;S) derzeit                 als technokratische Wunderwaffe gegen drohende milit\u00e4rische Handlungsunf\u00e4higkeit.&#8220;<\/p>\n<p>Die bislang aus 28 Einzelarmeen mit h\u00e4ufig vollkommen unterschiedlicher                 Ausr\u00fcstung modular oder ad-hoc zusammengesetzten EU-Einheiten                 sollen sukzessive in immer mehr Teilbereichen durch stehende gemeinsame                 Truppenteile mit gemeinsamen St\u00e4ben und einheitlicher Bewaffnung                 ersetzt werden. Die derart geb\u00fcndelten Kr\u00e4fte stellen den Nukleus                 einer k\u00fcnftigen EU-Armee dar und sollen dann die prognostizierten                 deutlichen Kostensenkungen in den Bereichen Anschaffung, Betrieb                 und Wartung milit\u00e4rischen Ger\u00e4ts nach sich ziehen. Das Ganze ergibt                 dann deutlich mehr Milit\u00e4rmacht als die Summe seiner Teile, so                 die Argumentation.<\/p>\n<p>Der erste wesentliche Impuls zur Intensivierung von Pooling &#038;                 Sharing ging von der deutsch-schwedischen Gent-Initiative aus,                 deren Vorschl\u00e4ge der Europ\u00e4ische Rat am 9. Dezember 2010 billigte.                 Im Dezember 2011 wurden elf Pilotprojekte vereinbart, die sich                 etwa auf Bereiche wie Luftbetankung, Satellitenkommunikation,                 &#8222;intelligente&#8220; Munition usw. erstrecken. Um diese Bereiche auszuweiten,                 wurde am 19. November 2012 ein Verhaltenskodex (Code of Conduct)                 verabschiedet, dessen Zweck der damalige Staatssekret\u00e4r im Verteidigungsministerium,                 Christian Schmidt, folgenderma\u00dfen zusammenfasste: &#8222;Dieser Verhaltenskodex                 enth\u00e4lt eine starke politische Selbstverpflichtung der Mitgliedstaaten,                 die multinationale Kooperation st\u00e4rker und von Anfang an in ihre                 nationalen Planungen einzubeziehen und m\u00f6glichst zur bevorzugten                 Methode im Bereich der F\u00e4higkeitsentwicklung zu machen.&#8220; <\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcstungsgipfel im Dezember 2013 wurde dann ein &#8222;Policy                 Framework for Systematic and Long-Term Defence Cooperation&#8220; in                 Auftrag gegeben, das im November 2014 ver\u00f6ffentlicht wurde. Beim                 n\u00e4chsten anstehenden R\u00fcstungsgipfel der Staats- und Regierungschefs                 im Juni 2015 soll die Intensivierung von Pooling &#038; Sharing erneut                 weit oben auf der Agenda stehen &#8211; u.a. d\u00fcrfte dabei der wiederholt                 gemachte Vorschlag debattiert werden, europaweite Beschaffungsprojekt                 generell von der Mehrwertsteuer zu befreien, um so P&#038;S voranzubringen.<\/p>\n<h3>Kriegspolitik im stillen K\u00e4mmerlein<\/h3>\n<p>Zwar darf bezweifelt werden, dass Pooling &#038; Sharing auch nur                 ansatzweise zu Einsparungen in Dimensionen f\u00fchren wird, wie sie                 die oben genannten Studien nahelegen. Doch selbst wenn dies der                 Fall w\u00e4re, besteht, wie bereits erw\u00e4hnt, die Absicht dann ohnehin                 nicht darin, dies f\u00fcr eine Senkung der R\u00fcstungshaushalte zu nutzen,                 sondern f\u00fcr die Erh\u00f6hung der milit\u00e4rischen Schlagkraft. Allein                 schon deshalb ist das gesamte Konzept friedenspolitisch bedenklich.               <\/p>\n<p>Doch der eigentliche Haken ist die Frage der demokratischen Kontrolle                 &#8211; in einigen EU-L\u00e4ndern, unter anderem auch hierzulande, verf\u00fcgen                 die nationalen Parlamente (noch) \u00fcber erhebliche Mitspracherechte,                 insbesondere was die Zustimmung zu Auslandseins\u00e4tzen anbelangt.                 Obwohl ein Szenario, in dem der Bundestag einen von der Regierung                 beschlossenen Einsatz kippen w\u00fcrde, nur schwer vorstellbar ist,                 hat der Parlamentsvorbehalt dennoch eine wichtige Funktion: Er                 zwingt dazu, \u00fcber den Sinn bzw. Unsinn von Milit\u00e4reins\u00e4tzen \u00f6ffentlich                 zu debattieren und ein Mindestma\u00df an Rechenschaft dar\u00fcber abzulegen.               <\/p>\n<p>Genau hier ergibt sich aus der Debatte um eine EU-Armee ein militaristischer                 Kollaterallnutzen, indem argumentiert wird, es k\u00f6nne nicht angehen,                 dass der Bundestag &#8211; und sei es nur theoretisch &#8211; den Einsatz                 von gemeinsam angeschafftem und\/oder genutztem Milit\u00e4rger\u00e4t die                 Zustimmung versagen k\u00f6nnte. Dieser Mangel an &#8222;Verl\u00e4sslichkeit&#8220;                 sei der wesentliche Stolperstein, weshalb P&#038;S nur langsam vorankomme.                 Er m\u00fcsse aus diesem Grund aus dem Weg ger\u00e4umt werden. <\/p>\n<p>Am lautst\u00e4rksten fassten diese \u00dcberlegungen der inzwischen verstorbene                 CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Schockenhoff und sein Kollege                 Roderich Kiesewetter schon 2012 folgenderma\u00dfen zusammen: &#8222;Wichtig                 ist, dass wir wie unsere Verb\u00fcndeten auf Kommando-, Logistik-,                 Aufkl\u00e4rungs- oder Ausbildungseinheiten, die &#8218;geteilt&#8216; werden,                 verl\u00e4sslich zugreifen k\u00f6nnen. [\u2026] Eine wirkungsvolle GSVP [Gemeinsame                 Sicherheits- und Verteidigungspolitik] wird die milit\u00e4rischen                 F\u00e4higkeiten der einzelnen Staaten in so starkem Ma\u00dfe zusammenlegen                 und unter geteilte F\u00fchrung stellen, dass es nicht m\u00f6glich sein                 wird, nationale Vorbehalte als Einzelmeinung durchzusetzen. Deutsche                 Soldaten k\u00f6nnten damit in einen EU-Einsatz gehen, den die deutsche                 Regierung und der Deutsche Bundestag allein aus eigener Initiative                 nicht beschlossen h\u00e4tten. [\u2026] Dieser Souver\u00e4nit\u00e4tsverzicht betrifft                 gerade den Bundestag mit seiner im europ\u00e4ischen Vergleich eher                 starken Mitspracherolle und m\u00fcsste sich in einer Reform des Parlamentsvorbehalts                 bei Auslandseins\u00e4tzen der Bundeswehr niederschlagen. Der Bundestag                 muss weiterhin das letzte Wort in Form eines R\u00fcckrufvorbehalts                 bei solchen Entscheidungen behalten.&#8220; <\/p>\n<p>Mit der Frage, wie sich der Parlamentsvorbehalt am &#8222;besten&#8220; aushebeln                 l\u00e4sst, besch\u00e4ftigt sich derzeit eine Kommission unter Leitung                 des ehemaligen Verteidigungsministers Volker R\u00fche, die in absehbarer                 Zeit ihre Vorschl\u00e4ge pr\u00e4sentieren will. Dabei ist zu sagen, dass                 ein Abbau nationaler Kontrollm\u00f6glichkeiten grunds\u00e4tzlich abzulehnen                 ist. Dies gilt aber umso mehr dann, wenn gleichzeitig keine St\u00e4rkung                 des EU-Parlaments erfolgt &#8211; und genau hiervon ist nirgends in                 der gesamten Debatte ernsthaft die Rede. Bislang hat das EU-Parlament                 in der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik faktisch nichts zu sagen                 und es deutet auch nichts darauf hin, dass sich dies in absehbarer                 Zeit \u00e4ndern k\u00f6nnte. Die als Exekutive agierenden EU-Staats- und                 Regierungschefs &#8211; und zwar v.a. die der gro\u00dfen EU-L\u00e4nder, allen                 voran Deutschland &#8211; k\u00f6nnten also in absehbarer Zukunft die EU-Milit\u00e4rpolitik                 im Alleingang weitgehend unbehelligt von nationaler oder europ\u00e4ischer                 Kontrolle betreiben. <\/p>\n<h3>Pleven Redux<\/h3>\n<p>Trotz der machtpolitischen Attraktivit\u00e4t von P&#038;S sind viele Bef\u00fcrworterInnen                 des Konzeptes unzufrieden, mit den eher mauen bisherigen Fortschritten                 in diesem Bereich. An Deutschland liegt es hier bestimmt nicht:                 Auch die Juncker-Initiative erfreute sich gro\u00dfer Unterst\u00fctzung                 quer durchs nahezu komplette politische Farbenspektrum. Verteidigungsministerin                 Ursula von der Leyen und auch Kanzlerin Angela Merkel begr\u00fc\u00dften                 den Vorsto\u00df ebenso wie der SPD-Vorsitzende des Verteidigungsausschusses,                 Hans-Peter Bartels und Au\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier.                 Als eine &#8222;hervorragende Idee&#8220; bezeichnete auch der Gr\u00fcnen-Au\u00dfenpolitiker                 Omid Nouripour die j\u00fcngste EU-Armee-Initiative, verwies allerdings                 darauf, dass dem einige &#8222;Elefanten&#8220; im Weg st\u00fcnden, etwa, dass                 eine EU-Armee unrealistisch sei, &#8222;solange es nicht eine europ\u00e4ische                 Au\u00dfenpolitik gibt&#8220;.<\/p>\n<p>Ungewollt verweist der heutige Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung                 Hans-Gert P\u00f6ttering auf den eigentlichen Elefanten im Raum: &#8222;Die                 EU kann nur gemeinsam das Gewicht, das sie mit Blick auf ihre                 Bev\u00f6lkerung und Wirtschaftskraft besitzt, in die Waagschale werfen.                 Die Schuldenkrise in einigen EU-L\u00e4ndern macht noch einmal offenkundig,                 was l\u00e4ngst h\u00e4tte klar sein m\u00fcssen: Von einer gemeinsamen W\u00e4hrung                 profitieren alle, und daher m\u00fcssen sich auch alle an die Spielregeln,                 an die vertraglichen Grundlagen der W\u00e4hrungsunion halten. [\u2026]                 In der Finanz- und Wirtschaftspolitik haben die Eurostaaten entscheidende                 nationale Kompetenzen schon an die supranationale Ebene \u00fcbertragen.                 Es ist an der Zeit, dies auch im Bereich der Sicherheits- und                 Verteidigungspolitik zu wagen.&#8220;<\/p>\n<p>Angesichts solcher S\u00e4tze d\u00fcrften in nahezu allen EU-Hauptst\u00e4dten                 die Alarmglocken angehen. Schlie\u00dflich hat die Bundesregierung                 gerade im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise unter Beweis gestellt,                 dass sie bereit und in der Lage ist, ihren Willen in diesem Bereich                 auch rabiat gegen andere EU-L\u00e4nder durchzusetzen. Gepaart mit                 den teils offen artikulierten Forderungen nach einem &#8222;deutschen                 Europa&#8220; d\u00fcrfte hier die Ursache liegen, dass sich der Enthusiasmus                 daf\u00fcr, auch im Milit\u00e4rbereich &#8222;nationale Kompetenzen an die supranationale                 Ebene zu \u00fcbertragen&#8220;, derzeit in Grenzen h\u00e4lt. So \u00e4u\u00dferte sich                 etwa der britische Premier David Cameron zu Junckers Vorschl\u00e4gen:                 &#8222;Unsere Position ist absolut klar. F\u00fcr die Verteidigung sind konkrete                 Staaten und nicht die Europ\u00e4ische Union zust\u00e4ndig.&#8220; Auch Polens                 Au\u00dfenminister Grzegorz Schetyna nannte die Initiative eine &#8222;sehr                 riskante Idee&#8220;. <\/p>\n<p>Und selbst aus Frankreich kommen eher zur\u00fcckhaltende T\u00f6ne und                 zwar aus nicht g\u00e4nzlich anderen Gr\u00fcnden, weshalb die franz\u00f6sische                 Nationalversammlung bereits den Pleven-Plan zum Aufbau einer Europ\u00e4ischen                 Verteidigungsgemeinschaft im Jahr 1954 versenkte. Louis Terrenoire,                 der damalige Generalsekret\u00e4r der Gaullisten, kritisierte den Plan                 ein Jahr vor seinem Scheitern folgenderma\u00dfen: &#8222;Acht Jahre nach                 dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus sind die diplomatischen                 Bestandteile der germanischen Macht wiederhergestellt. Wenn die                 europ\u00e4ischen Integrationspl\u00e4ne, vor allem die Europ\u00e4ische Verteidigungsgemeinschaft,                 verwirklicht werden sollten, wird k\u00fcnftig \u00fcber die deutsche Vorherrschaft                 kein Zweifel mehr m\u00f6glich sein.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tats\u00e4chlich wurde aus genau diesen Gr\u00fcnden mit dem &#8211; schrittweisen &#8211; Aufbau einer EU-Armee l\u00e4ngst begonnen. Die wohl wichtigste Ma\u00dfnahme in diesem Bereich ist das sogenannte Pooling &#038; Sharing (P&#038;S), die gemeinsame Beschaffung und Nutzung von Milit\u00e4rger\u00e4t. Damit droht jedoch der komplette au\u00dfen- und sicherheitspolitische Bereich jeglicher nennenswerten parlamentarischen Kontrolle entzogen zu werden. 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