{"id":14204,"date":"2015-04-01T00:00:00","date_gmt":"2015-03-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/04\/protestaktion-auf-einem-bankenturm\/"},"modified":"2022-07-26T14:12:02","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:02","slug":"protestaktion-auf-einem-bankenturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/04\/protestaktion-auf-einem-bankenturm\/","title":{"rendered":"Protestaktion auf einem Bankenturm"},"content":{"rendered":"<p>Die Meldung, dass 80 PolizistInnen durch &#8222;\u00e4tzende S\u00e4ure&#8220; verletzt                 worden sind, wurde beispielsweise unkommentiert \u00fcbernommen, obwohl                 es wohl das eigene Pfefferspray und die Tr\u00e4nengasgranaten der                 Beamten waren. Die Polizei tat dann bei ihrer Pressekonferenz,                 als w\u00e4re sie von der Eskalation, die sie selbst hervorrief, \u00fcberrascht                 worden. Dabei handelte es sich um die Fortf\u00fchrung ihrer eigenen                 Eskalationstaktik: 2013 wurde &#8222;das Erscheinungsbild&#8220; einer Demonstration                 als Rechtfertigung f\u00fcr dessen Sprengung herangezogen. <\/p>\n<p>Als meine Klage gegen das Anhalten der Blockupy-Demonstration                 von 2013 im vergangenen Januar vor dem Verwaltungsgericht verhandelt                 wurde, musste ich mir anh\u00f6ren, dass Regenschirme, Seitentransparente                 und Sonnenbrille ein bedrohliches Bild erzeugen und die Sicherheit                 und Ordnung folglich dadurch gef\u00e4hrdet sei. Die Provokation ging                 vor den diesj\u00e4hrigen Protestaktionen weiter, indem die AnmelderInnen                 von Demonstrationen mit \u00fcberzogenen absurden Auflagen belegt wurden                 und die Polizei milit\u00e4risch aufr\u00fcstete &#8211; damit die M\u00e4chtigen dieser                 Welt sich von der Kritik abschotten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch wenn ausgew\u00e4hlte Sensations-Bilder die Berichtserstattung                 \u00fcber die Blockupy-Proteste bestimmten: es bleibt dabei, dass der                 Protest &#8211; wie schon in den Vorjahren &#8211; vielf\u00e4ltig war. <\/p>\n<h3>Es gab viele gute Gr\u00fcnde, sich an den Protestaktionen zu beteiligen<\/h3>\n<p>Die kleine Aktionsgruppe, mit der ich unterwegs war, suchte sich                 f\u00fcr ihre Aktion einen Bankenturm im Bahnhofsviertel aus. Uns gelang,                 trotz der dichten Polizeipr\u00e4senz in der Stadt, ein politisches                 Happening: drei AktivistInnen erkletterten den Skyper, den Wolkenkratzer,                 in dem die Deutsche Bundesbank beheimatet ist. Wir bewegten uns                 mit schweren Rucks\u00e4cken an der Fassade des Wolkenkratzers bis                 zum 13. Stockwerk empor und entrollten nach einem fast zweist\u00fcndigen                 Aufstieg unsere beiden Transparente. &#8222;Kapitalismus t\u00f6tet!&#8220; stand                 auf einem Banner, um unsere Meinung unmissverst\u00e4ndlich auf den                 Punkt zu bringen. Der Spruch auf dem anderen 50 Quadratmeter gro\u00dfen                 Transparent sollte mit einem sarkastischen Spruch die Menschen                 zum Nachdenken bringen: &#8222;Wie reagiert die B\u00f6rse, wenn der Mensch                 ausstirbt?&#8220;. <\/p>\n<h3>Der Mensch und die Umwelt sollten im Mittelpunkt stehen, nicht                 das Geld! <\/h3>\n<p>In einer Erkl\u00e4rung nahmen wir auf einen Aufruf aus der Klimabewegung                 zu den Blockupy-Protesten Bezug ((1)).                 &#8222;Wir protestieren gegen ein System, das nur durch st\u00e4ndig wachsenden                 Rohstoffkonsum am Laufen gehalten wird. Dies verursacht zunehmende                 Umweltzerst\u00f6rung und Ausbeutung von Menschen.&#8220; <\/p>\n<p>Die Menschen, die sich in ihren B\u00fcros im Geb\u00e4ude befanden, nahmen                 die Aktion \u00fcberwiegend positiv auf und twitterten mit Bildern                 der Aktion aus ihrem B\u00fcro, diese verbreiteten sich rasch. &#8222;An                 unserem Geb\u00e4ude sind Aktivisten hochgeklettert und haben Banner                 aufgeh\u00e4ngt. Die waren h\u00f6flich, haben am Ende alles wieder wegger\u00e4umt.                 Daran sieht man: Man muss nicht gleich die Stadt in Brand stecken&#8220;,                 erkl\u00e4rte die Rezeptionistin des Hauses einem Journalisten. Dem                 Hausmeister missfiel dagegen die Aktion. Durch ein spaltbreit                 offenes Fenster schnitt er an unserem Material herum &#8211; wir befanden                 uns in ca. 50 Meter H\u00f6he! Die Polizei wurde durch eine Aktivistin                 am Boden dar\u00fcber unterrichtet und tat ihre Arbeit: Sie unterband                 weitere gef\u00e4hrliche Aktionen des Hausmeisters.<\/p>\n<p>Wir konnten uns nun vom anstrengenden Aufstieg erholen und die                 Sonne genie\u00dfen. Wir beobachteten die zahlreichen Polizeikonvois                 mit Blaulicht und heulenden Sirenen in der Ferne. Auf den Stra\u00dfen                 war kaum etwas anderes als Polizeiautos zu sehen. Entspannen konnten                 wir erst als wir den Boden ber\u00fchrten. Das Beklettern eines Wolkenkratzers                 verlangt auch beim Abstieg volle Konzentration.<\/p>\n<p>Die Polizei nahm anschlie\u00dfend unsere Personalien auf und belehrte                 uns dar\u00fcber, dass ein Mieter des Hochhauses Strafanzeige wegen                 Hausfriedensbruch erstattet habe. Das sehen wir gelassen. Mit                 der Strafbarkeit des Fassadenkletterns kenne ich mich langsam                 aus. Ausgerechnet an der Fassade des Skyper-Hochhauses hing ich                 bereits vor sechs Jahren. &#8222;Dem Kapitalismus auf der Nase herum                 tanzen&#8220;, stand damals auf meinem Transparent &#8211; das Bettlaken gro\u00dfe                 Transparent war damals nicht zu lesen, aber die Polizei zitierte                 dessen Wortlaut in ihrer Pressemitteilung. Ich bin gerne Wiederholungst\u00e4terin.                 Denn Klettern ist eine effektive kreative Art, seine Meinung zum                 Ausdruck zu bringen! <\/p>\n<p>Und die Gerichte wissen nicht so recht damit umzugehen: &#8222;Ob dieses                 Verhalten den Tatbestand des Hausfriedensbruchs (\u00a7 123 StGB) erf\u00fcllt,                 ist rechtlich nicht einfach zu beantworten. Die Betroffene hielt                 sich lediglich im Au\u00dfenbereich auf und hatte gar nicht die Absicht,                 in das Geb\u00e4ude einzudringen. \u00a7 123 StGB setzt in den hier nur                 in Betracht kommenden Tatbestandsmerkmalen voraus, dass jemand                 in das befriedete Besitztum eines anderen widerrechtlich eindringt.               <\/p>\n<p>Es ist fraglich, ob eine Hausfassade ohne besonderen Schutz gegen                 das Erklettern unter das Tatbestandsmerkmal \u201abefriedetes Besitztum&#8216;                 des \u00a7 123 StGB f\u00e4llt und das Erklettern einer solchen Hausfassade                 als \u201aEindringen&#8216; gewertet werden kann&#8220;, schrieb das Oberlandesgericht                 damals. ((2))<\/p>\n<p>Kreativit\u00e4t ist eine Waffe!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Meldung, dass 80 PolizistInnen durch &#8222;\u00e4tzende S\u00e4ure&#8220; verletzt worden sind, wurde beispielsweise unkommentiert \u00fcbernommen, obwohl es wohl das eigene Pfefferspray und die Tr\u00e4nengasgranaten der Beamten waren. Die Polizei tat dann bei ihrer Pressekonferenz, als w\u00e4re sie von der Eskalation, die sie selbst hervorrief, \u00fcberrascht worden. 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