{"id":14210,"date":"2015-04-01T00:00:00","date_gmt":"2015-03-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/04\/rockgiganten-vs-strassenkoeter\/"},"modified":"2022-07-26T14:12:02","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:02","slug":"rockgiganten-vs-strassenkoeter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/04\/rockgiganten-vs-strassenkoeter\/","title":{"rendered":"Rockgiganten vs. Stra\u00dfenk\u00f6ter"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Zufall, dass mir gleichzeitig die Bandbiografien von Slime und Die Toten Hosen vorliegen und ich diese nacheinander weggelesen habe. Die Slime-Biografie lag f\u00fcr mich unter dem Weihnachtsbaum, die Hosen-Biografie f\u00fcr meine Freundin. Jeweils geschenkt von den Eltern, was ich in meinem Fall etwas \u00fcberraschend finde &#8211; ein Buch mit dem Titel &#8222;Deutschland muss sterben&#8220; wurde in der Generation, der die beiden Bands angeh\u00f6ren, bestimmt nicht von den Eltern geschenkt &#8211; und im Fall meiner Freundin gar nicht, ist die doch D\u00fcsseldorferin.<\/p>\n<p>Daniel Ryser ist, als er die Slime-Biografie ver\u00f6ffentlicht, 34 Jahre und schreibt u.a. f\u00fcr die WOZ. Philipp Oehmke ist mit 40 Jahren in meinem Alter und schreibt f\u00fcr den Spiegel. Das merkt man in mehrfacher Hinsicht. Slime scheinen f\u00fcr Ryser manchmal ein historisches Ph\u00e4nomen zu sein, das vor seiner Zeit lag. Die Bedeutung von Slime versucht er zu erkl\u00e4ren, indem er ungleich bekanntere Bands &#8211; neben Tocotronic und Jan Delay eben auch Die Toten Hosen &#8211; zu Wort kommen l\u00e4sst. Slime sind dann eben die Band, die kaum einer kennt, die aber die &#8222;Gro\u00dfen&#8220; von heute inspiriert haben. Das funktioniert leider aus einem einfachen Grund nicht besonders gut: Slime haben zwar mittlerweile einen recht hohen Bekanntheitsstatus, um eine Biografie in die Hand zu nehmen, muss man aber wohl doch eher eingefleischter Fan sein und interessiert sich verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig f\u00fcr die Beurteilungen von Tomte oder Alec Empire &#8211; man hat ja eine eigene. So \u00fcbrigens auch Philipp Oehmke, der in seiner Biografie der Toten Hosen Slime &#8211; und nicht Die \u00c4rzte! &#8211; als zweite gro\u00dfe Punkband der 1980er Jahre benennt &#8211; wenn er auch deutlich macht, dass ihm der politisch-militante Punk nicht nahe liegt.<\/p>\n<p>Oehmke hat einen engeren Bezug zu seinem Thema als Ryser: Die Toten Hosen hat er 1988 zum ersten Mal live gesehen und 1993 zum ersten Mal interviewt &#8211; offenbar am Rande jener gro\u00dfen Demo in Bonn, die sich gegen die massive Einschr\u00e4nkung des Asylgrechtes &#8211; Grundgesetz Artikel 16a &#8211; wendete. Ich finde es erstaunlich, wer alles auf dieser Demo war. Autor Oehmke ebenso wie die Hosen, meine heutige Freundin mit ihrem Vater und ich auf Bildungsreise mit zwei Sozialkunde-Kursen.<\/p>\n<p>Die \u00c4nderung des Asylrechts, damals euphemistisch als &#8222;Asylkompromiss&#8220; bezeichnet, war f\u00fcr uns auch die Kapitulation des Staates vor dem neofaschistischen Terror auf den Stra\u00dfen &#8211; vorhergegangen waren die Anschl\u00e4ge von M\u00f6lln, Rostock-Lichtenhagen, Mannheim-Sch\u00f6nau und &#8211; drei Tage nach besagter Demo &#8211; Solingen. Die damaligen Ereignisse waren f\u00fcr mindestens eine Generation pr\u00e4gend, sogar kollektiv traumatisierend. Das gilt f\u00fcr die 1960er Jahrg\u00e4nge, aus denen die besagten Bands stammen ebenso wie f\u00fcr die 1970er Jahrg\u00e4nge, die sich folgend mindestens ein Jahrzehnt die Themen Antifaschismus und Antirassismus als Priorit\u00e4t setzten. Die Toten Hosen wandelten sich eben zu diesem Zeitpunkt von der Funpunk- zu einer Rockband mit politischen Aussagen. Campino beschreibt das in der Slime-Biografie: &#8222;Ich blickte mich um und merkte, dass die politische Hauptbewegung des Punkrock den R\u00fcckzug angetreten hatte. Kaum noch Bands, die sich politisch \u00e4u\u00dferten. [&#8230;] Wir waren in der Punkszene [&#8230;] kein Gegenpart mehr, weil es den anderen Part kaum mehr gab. Also wurden wir politischer, [&#8230;] um dieses Feld nicht den Rechten zu \u00fcberlassen.&#8220;<\/p>\n<p>Was Campino hier beschreibt, ging vielen so: 1992 habe ich Slime das erste Mal nach ihrer Reunion in Duisburg live gesehen &#8211; kurz vor Ver\u00f6ffentlichung des Reunion-Albums &#8222;Viva la Muerte&#8220;. Anders, als Ryser schreibt (wonach Slime nach der Indizierung 2011 erstmals &#8222;Bullenschweine&#8220; nicht live spielten), distanzierte sich die Band seinerzeit in Interviews von dem &#8222;Aufruf zur Revolte&#8220;. Ein Jahr sp\u00e4ter &#8211; ich sah Slime live auf einem Festival in Spelle &#8211; war der Song zu meiner \u00dcberraschung wieder im Programm: Dazwischen lagen 33 Sch\u00fcsse der GSG 9 auf das RAF-Mitglied Wolfgang Grams in Bad Kleinen am 27. Juni 1993.<\/p>\n<p>Gerade in der <i>Graswurzelrevolution<\/i> die Bedeutung einer Band hervorzuheben, die eben nicht nur singt, &#8222;dies ist ein Aufruf zur Revolte&#8220;, sondern auch &#8222;dies ist ein Aufruf zur Gewalt&#8220;, mag seltsam erscheinen. Fishmob haben den Song 1997 als &#8222;Polizei-Osterei&#8220; gecovert und landeten damit vor\u00fcbergehend auf dem Index &#8211; der Staatsanwalt war allerdings bekennender Fan und erkannte den ironischen Gehalt. &#8222;Bullenschweine&#8220; kann, gerade in Zeiten, in denen ein anderer Klassiker von Slime zum selben Thema &#8211; A.C.A.B. &#8211; auch gerne von Nazis zitiert wird, nur noch zeithistorische Bedeutung haben. Das stellt Daniel Ryser in dem gelungenen Schluss seiner Biografie sch\u00f6n dar: &#8222;Meine einzige Identifikationsfigur im Verein ist im Moment Fabian Boll, der seit mehr als zehn Jahren f\u00fcr die Braun-Wei\u00dfen spielt&#8220;, sagt Slime-S\u00e4nger Dirk Jora, f\u00fcr den St. Pauli vor allem anderen kommt, und Ryser erg\u00e4nzt: &#8222;Boll arbeitet halbtags als Kriminaloberkommissar bei der Hamburger Polizei&#8220; .<\/p>\n<p>Das Zunehmen rechtsextremer Gewalttaten und Angriffe war f\u00fcr Slime das Signal, wieder gebraucht zu werden. Den eigentlichen Soundtrack f\u00fcr die antifaschistische Gegenbewegung lieferten sie 1993 mit &#8222;Schweineherbst&#8220;, vor allem mit &#8222;Der Tod ist ein Meister aus Deutschland&#8220; und dem Titeltrack, der in Zeiten von PEGIDA und NSU erschreckend aktuell ist. Die Toten Hosen steuerten &#8222;Sascha&#8230; ein aufrechter Deutscher&#8220; bei (mit einem durchaus problematischen Text, der Rechtsextremismus mit Erwerbslosigkeit und schlechter Schulbildung verbindet), die Rapper von Anarchist Academy &#8222;Solingen&#8230; willkommen im Jahr 4&#8220;, die \u00c4rzte &#8222;Schrei nach Liebe&#8220; und Die Goldenen Zitronen &#8222;Das bisschen Totschlag&#8220;.<\/p>\n<p>Als neue Band und nicht nur meiner Meinung nach legitime &#8222;Nachfolger&#8220; von Slime pr\u00e4sentierten sich gleichzeitig mit ihrem ersten Album &#8230;But Alive, die in Daniel Rysers Biografie gar nicht vorkommen, obwohl das enge Verh\u00e4ltnis zwischen den beiden Bands deutlich ist. Ryser bezeichnet Slime des \u00f6fteren als textlich-politische Erben von Ton Steine Scherben, zu recht. &#8230; But Alive w\u00e4ren, auch von ihrem Einfluss auf eine Politisierung junger Punks, hier unbedingt in die Reihe einzuf\u00fcgen. &#8230;But Alive-S\u00e4nger Marcus Wiebusch schrieb den Text f\u00fcr den Slime-Song &#8222;Aufrecht gehen&#8220; (Schweineherbst, 1993), Slime-Schlagzeuger und -lyriker Stephan Mahler singt auf dem zweiten &#8230;But Alive-Album mit, der Slime-Gitarrist produzierte ihr drittes Album. &#8230;But Alive standen textlich irgendwo in der Mitte zwischen den politischen Texten Slimes und den privat-nachdenklichen von Tocotronic &#8211; man k\u00f6nnte auch sagen, irgendwo zwischen den Anspr\u00fcchen von Slime-S\u00e4nger Dirk und Slime-Schlagzeuger Stephan. Die L\u00fccke, die &#8230;But Alive mit ihrer Aufl\u00f6sung 1999 im deutschsprachigen Punk hinterlie\u00dfen, ist nicht geschlossen worden &#8211; vielleicht h\u00e4tten das die, den Toten Hosen verbundenen Koyaanisqatsi (deren &#8222;Deutschland muss sterben&#8220; hie\u00df &#8222;Goebbelsplatz&#8220; mit dem Refrain &#8222;An Deutschland denken hei\u00dft Auschwitz denken&#8220;) werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dass sich die vorliegenden Bandbiografien erheblich unterscheiden, liegt nicht nur an den verschiedenen Bez\u00fcgen der Autoren zu den jeweiligen Bands. Oehmke scheint trotz fr\u00fchem Bezug mehr Fan der sp\u00e4teren Stadionrockband zu sein. Fr\u00fche Hosen-Auftritte live oder in Interviews tituliert er als &#8222;peinlich&#8220;. Meine Hosen-Sammlung endet mit &#8222;Learning English, Lesson 1&#8220; 1991 &#8211; just in dem Jahr, als ich auch meine erste Slime-Cassette aufgenommen habe &#8211; gerade also das, was f\u00fcr unsereins vor 25 Jahren wichtig war, wischt Oehmke hinweg. Und dort, wo Ryser die Hintergr\u00fcnde der Hafenstra\u00dfe, der Ereignisse um den Mauerfall und die darauf folgenden Pogrome betont &#8211; wobei die gesellschaftliche Atmosph\u00e4re insbesondere Hamburgs in den fr\u00fchen 1980ern noch wesentlich deutlicher h\u00e4tte beschrieben werden k\u00f6nnen &#8211; beschreibt Oehmke die famili\u00e4ren Hintergr\u00fcnde der Bandmitglieder der Toten Hosen. Es entsteht der Eindruck, dass die Mitglieder der Toten Hosen viel mehr aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen plaudern, den Journalisten n\u00e4her an sich herankommen lassen, als die Mitglieder von Slime.<\/p>\n<p>Auch das ist alles andere als &#8222;unpolitisch&#8220; und der von Campino selber beschriebene Eindruck, dass sie erst mit den fr\u00fchen 1990er Jahren eine politische Band wurden, stimmt nicht, wie auch Bela B. im Hosen-Film &#8222;Nichts als die Wahrheit&#8220; beschreibt und wie auch Oehmke schlussendlich betont. Schon das erste Album Opel-Gang enth\u00e4lt mit &#8222;\u00dcl\u00fcs\u00fc&#8220; eine ironische Kritik an latentem Rassismus, die Single-B-Seite &#8222;Liebeslied&#8220; darf als allgemeiner politischer Text verstanden werden. Vor allem aber war &#8222;1.000 gute Gr\u00fcnde&#8220; vom Album &#8222;Ein kleines bisschen Horrorshow&#8220; f\u00fcr die sich damals Politisierenden nicht unwichtiger als Slimes &#8222;Deutschland muss sterben&#8220;. Es war &#8222;1.000 gute Gr\u00fcnde&#8220;, dessen Songtext zur Beschlagnahmung einer Ausgabe der autonomen Szenezeitung &#8222;radikal&#8220; f\u00fchrte, nicht &#8222;Deutschland muss sterben&#8220;. Bei Oehmke kommt das nicht vor, denn selbst wenn er die Abneigung gegen einen Anruf von Angela Merkel bei Campino nachvollziehen kann, so sind f\u00fcr ihn Die Toten Hosen eine durch und durch deutsche Band. Nicht nachvollziehen kann er die Abneigung, bei einem Sieg der deutschen Mannschaft bei der Fu\u00dfball-WM zu spielen. Und somit wird das beschriebene Engagement der Hosen bei ihm ein deutsch-zivilgesellschaftliches, kein Widerst\u00e4ndiges aus dem Geiste des Punk. &#8222;Tage wie diese&#8220; ist f\u00fcr Oehmke eine deutsche Hymne; dass CDU und Fu\u00dfball-Mannschaften dieses Lied gr\u00f6hlen, fast schon eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Dabei m\u00f6chte ich behaupten, dass jemand, der nicht als junger Punk mit seinen Freund*innen in den n\u00e4chsten Punkladen oder zum n\u00e4chsten Konzert &#8211; oder aber zur n\u00e4chsten Demo &#8211; gestr\u00f6mt ist, gar nicht verstehen kann, worum es in diesem Lied geht. Es geht um die seltenen Momente, wo man auch mit 50 dieses Lebensgef\u00fchl wieder bekommt &#8211; ein Lebensgef\u00fchl, das CDU-Parteimitglieder und Profifu\u00dfballer nie hatten.<\/p>\n<p>Es sind \u00fcbrigens gerade die neusten Lieder wie &#8222;Tage wie diese&#8220; und &#8222;Altes Fieber&#8220;, mit denen Die Toten Hosen sich selber wieder &#8211; altersgerecht verpackt -n\u00e4her kommen als in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Das ist zwar kein Punkrock mehr, aber in Stadionrock verpackter Respekt vor der Tradition des Punkrock.<\/p>\n<p>Die beiden explizit deutschland-feindlichen Songs von Slime und Die Toten Hosen sind es, an denen die Kontaktpunkte der beiden so unterschiedlichen Bands deutlich werden. Der &#8222;wahre Heino&#8220;, der einst als Vorband der Toten Hosen auftrat und zu dessen Prozess nach Klage des &#8222;echten&#8220; Heinos die Band in Sonnenbrille und mit blonden Per\u00fccken erschien, covert heute &#8222;Deutschland muss sterben&#8220; in einer Schlager-Version. Und den Respekt, den Die Toten Hosen vor Slime beweisen, gibt es auch andersrum: &#8222;Fun! Eigentlich ganz geil&#8230;&#8220; hei\u00dft es von Slime \u00fcber die Hosen in einem Interviewausschnitt, der auf der Compilation 81 &#8211; 87 abgedruckt ist.<\/p>\n<p>Bei allen Gemeinsamkeiten, die vielleicht nichts anderes sind als der gemeinsame zeitgen\u00f6ssische Hintergrund und dieselben musikalischen Vorlieben Ende der 1970er Jahre, unterscheiden sich die Bands doch in wesentlichen Punkten, und dies sind weniger politische oder unpolitische Texte: Abgesehen von den ausgetauschten Schlagzeugern hatten Die Toten Hosen niemals einen Besetzungswechsel, haben sich nie aufgel\u00f6st und fahren auch nach 30 Jahren noch gemeinsam in Urlaub. Bei Slime dagegen wundert man sich fast, dass diese unterschiedlichen Typen (und mittlerweile eine Typin) es je geschafft haben, bei den zahlreichen von Ryser berichteten Differenzen auch nur ein Album zusammen aufzunehmen. Und obwohl es die Slime-Interpretation des Erich M\u00fchsam-Klassikers &#8222;Sich f\u00fcgen hei\u00dft l\u00fcgen&#8220; es 2012 bis auf Platz 17 der Charts geschafft hat, sind die Mitglieder von Slime von Jobs abh\u00e4ngig oder sogar verschuldet. Die Toten Hosen dagegen sind heute schlicht ein &#8211; wenn auch relativ sympathischer &#8211; Konzern. Wie im Punk nicht un\u00fcblich, ist selbst auf der H\u00f6he der Karriere hier alles noch D.I.Y. (do-it-yourself), wenn auch auf hohem Niveau &#8211; was \u00fcbrigens auch darauf hinweist, dass das Projekt D.I.Y. nicht automatisch ein Rezept gegen den Kapitalismus ist. Dennoch darf man jeder Kommerzkritik an den Hosen eine Zeile des D\u00fcsseldorfer Rappers Koljah entgegenhalten: &#8222;Denn egal, was er [Campino] f\u00fcrn Dreck erz\u00e4hlt, Ich hab noch jede Blamage gerechtfertigt&#8220;. &#8222;Mein Wunschlabel ist nat\u00fcrlich JKP&#8220; geht dieser Text weiter &#8211; und auf dem Hosen-eigenen Label &#8222;Jochens kleine Plattenfirma&#8220; ist k\u00fcrzlich erst das Deb\u00fct-Album &#8222;Aversion&#8220; von Koljah und seinen Kollegen, der Antilopen Gang, erschienen, das vor Slime-Anspielungen nur so strotzt.<\/p>\n<p>Das Trauma, das am ehesten mit dem Stadtteil Rostock-Lichtenhagen verbunden ist, ist noch lange nicht verarbeitet. Der Weg von den Pogromen der Jahr 1991 &#8211; 1993 zur Asylgesetz\u00e4nderung hat nicht nur die radikale Linke, sondern auch die extreme Rechte massiv gepr\u00e4gt: Hier haben Uwe Mundlos, Uwe B\u00f6hnhardt, Beate Zsch\u00e4pe und diejenigen, deren Namen wir noch nicht wissen, Jahrg\u00e4nge 1973 &#8211; 1975 und damit genau in dem Alter derjenigen, die mit Slime und Die Toten Hosen gro\u00df geworden sind, gelernt, dass man mit Terror und Gewalt Gesetze \u00e4ndern kann. Es folgen die &#8222;patriotischen&#8220; Massen in Gestalt von PEGIDA und Co. So wie 1992\/1993 brauchen wir 20 Jahre sp\u00e4ter nicht nur, aber auch einen kulturellen Aufschrei f\u00fcr Humanit\u00e4t. Christian Mevs von Slime: &#8222;Aber in meinen Augen muss mehr kommen, Konkreteres.&#8220; Oder Beate-Maria Frege, Campinos Schwester, deren Wunsch an die Toten Hosen auch zuk\u00fcnftig Relevanz hat: &#8222;F\u00fcr mich h\u00e4tt&#8217;s da gerne noch klarere Aussagen geben d\u00fcrfen.&#8220; Man sollte K\u00fcnstlerInnen nicht nur dann respektieren und Musik nur dann h\u00f6ren, wenn sie eine &#8222;Message&#8220; haben, das w\u00e4re ein respektloser Umgang mit der Kunstform. Nichtsdestotrotz brauchen wir in diesen Zeiten eine engagierte Kultur wohl mehr als eine autonome.<\/p>\n<blockquote>\n<h3>Die Toten Hosen: 1.000 gute Gr\u00fcnde (Ein kleines bisschen Horrorshow, 1988)<\/h3>\n<p>Hohe Berge, weite T\u00e4ler, klare Fl\u00fcsse, blaue Seen, dazu ein paar Naturschutzgebiete, alles wundersch\u00f6n. Wir lieben unser Land!<\/p>\n<p>Totale Pflichterf\u00fcllung, Ordnung und Sauberkeit, alles l\u00e4uft hier nach Fahrplan, der Zufall ist unser Feind. Wir lieben unser Land!<\/p>\n<p>Unser Fernsehprogramm, unsere Autobahn. Wir lieben unser Land!<\/p>\n<p>Es gibt 1.000 gute Gr\u00fcnde, auf dieses Land stolz zu sein. Warum f\u00e4llt uns jetzt auf einmal kein einziger mehr ein?<\/p>\n<p>Unser Lieblingswort hei\u00dft Leistung, wir sind auf Fortschritt eingestellt.<\/p>\n<p>Nicht ist hier unk\u00e4uflich, wir tun alles f\u00fcr gutes Geld.<\/p>\n<p>Wir lieben unser Land! All die Korruption, die Union! Wir lieben unser Land!<\/p>\n<p>Es gibt 1.000 gute Gr\u00fcnde, auf dieses Land stolz zu sein. Warum f\u00e4llt uns jetzt auf einmal kein einziger mehr ein?<\/p>\n<p>Unsere P\u00e4sse sind f\u00e4lschungssicher und unser Lebenslauf bekannt.<\/p>\n<p>Keiner scheint hier zu merken, dass man kaum noch atmen kann.<\/p>\n<p>Wir lieben unser Land!<\/p>\n<p>F\u00fcr jeden Querkopf ein Gummigeschoss. Wir lieben unser Land! Wir lieben unser Land!<\/p>\n<p>Wo sind all die ganzen Gr\u00fcnde, auf dieses Land stolz zu sein?<\/p>\n<p>So sehr wir auch nachdenken,uns f\u00e4llt dazu nichts ein!<\/p>\n<p>All die ganzen Gr\u00fcnde&#8230;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Zufall, dass mir gleichzeitig die Bandbiografien von Slime und Die Toten Hosen vorliegen und ich diese nacheinander weggelesen habe. Die Slime-Biografie lag f\u00fcr mich unter dem Weihnachtsbaum, die Hosen-Biografie f\u00fcr meine Freundin. 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