{"id":14226,"date":"2015-05-01T00:00:00","date_gmt":"2015-04-30T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/05\/antimuslimischer-rassismus\/"},"modified":"2022-07-26T13:56:35","modified_gmt":"2022-07-26T11:56:35","slug":"antimuslimischer-rassismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/05\/antimuslimischer-rassismus\/","title":{"rendered":"Antimuslimischer Rassismus"},"content":{"rendered":"<p>Das Problem mit dem antimuslimischen Rassismus scheint deshalb komplizierter, weil es nicht nur am rechten Rand zu verorten ist, sondern auch in der sog. b\u00fcrgerlich-liberalen &#8222;Mitte&#8220;, aber auch in der Linken selbst.<\/p>\n<p>&#8222;Ist es nicht bizarr&#8220;, fragt Fanny M\u00fcller-Uri in der Einleitung ihres Buches &#8222;Antimuslimischer Rassismus&#8220; zurecht, &#8222;wenn von der extremen Rechten \u00fcber die liberale \u201aMitte&#8216; bis hinein in die Linke eigentlich ungew\u00f6hnliche Gemeinsamkeiten auftreten?&#8220; (M\u00fcller-Uri, S. 7)<\/p>\n<p>Immer wieder stolpert man in der eigenen Szene \u00fcber Artikel oder Aussagen, die in das Feld des antimuslimischen Rassismus geh\u00f6ren. Oder man ist zumindest gezwungen, lange dar\u00fcber diskutieren zu m\u00fcssen, ob es so etwas wie antimuslimischen Rassismus \u00fcberhaupt gibt &#8211; und wenn ja, was das denn genau sei. In Gegenargumenten wird wahlweise auf eine &#8222;legitime Religionskritik&#8220; verwiesen (und gegen eine Religion k\u00f6nne man nicht rassistisch sein) oder behauptet, dass es sich beim Islam eigentlich um nichts weniger als einen &#8222;Islam<i>faschismus<\/i>&#8220; (eine beliebte antideutsche Diktion) handle, gegen den man sich als AntifaschistIn wehren m\u00fcsse, oder, dass Termini wie &#8222;Islamophobie&#8220; Kampfbegriffe der iranischen Mullahs seien, die lediglich vom Antisemitismus ablenken und denen man nicht auf den Leim gehen solle. In feministischen Kreisen (z.B. Alice Schwarzer und &#8222;Emma&#8220;), bei (antideutschen) Antifas, dem einen oder anderen linken Zeitungsprojekt oder in Queer- und LGBT-Communities findet man manchmal Argumentationsmuster, die an den antimuslimischen Rassismus ankn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>&#8222;Gerade weil der antimuslimische Rassismus im Gewand der Aufkl\u00e4rung und Emanzipation auftritt, steht die antirassistische Bewegung den bisher beschriebenen Ph\u00e4nomenen bisweilen argumentativ und in ihrer politischen Praxis recht unsicher und unentschlossen gegen\u00fcber.&#8220; (M\u00fcller-Uri, S. 10)<\/p>\n<p>Ein Problem ist auch, dass die Forschung zu diesem Ph\u00e4nomen zumindest im deutschsprachigen Raum vor nicht allzu langer Zeit noch nicht sonderlich stark betrieben wurde und deshalb wenig Verbreitung fand. Dieser Umstand \u00e4ndert sich gl\u00fccklicherweise zusehends. Zudem kommt das Hauptproblem, n\u00e4mlich eine radikale (teils militante) Rechte, bei der unschwer zu erkennen ist, dass das prim\u00e4re Feindbild ein imaginiertes und konstruiertes &#8222;islamisches Anderes&#8220; ist, seien es nun politische Parteien wie der Front National, die FP\u00d6, Vlaams Belang, Geert Wilders&#8216; Partij voor de Vrijheid, die Schwedendemokraten oder rechtsradikale Bewegungen wie die Identit\u00e4ren, die English Defense League, Hooligans gegen Salafisten oder eben PEGIDA.<\/p>\n<p>Dies kann von einer antirassistischen Bewegung nicht ignoriert werden, keine Frage, nur: Das Problem muss beim Namen genannt werden. Um dies zu erleichtern, erschienen in j\u00fcngster Zeit gl\u00fccklicherweise einige Publikationen, die helfen, antimuslimischen Rassismus einzuordnen, zu analysieren und dabei Gegenstrategien zu entwerfen (siehe Literaturangaben).<\/p>\n<h3>Vom biologistischen Rassismus zum &#8222;Rassismus ohne Rasse&#8220;<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst zur Begriffswelt, welche die Diskussionen um dieses Thema begleitet, sowie ein Blick auf Aspekte gegenw\u00e4rtiger Rassismusforschung: Islamophobie, Islamfeindlichkeit, Antimuslimismus, antimuslimischer Rassismus, etc. &#8211; das sind Begriffe, mit denen scheinbar das gleiche Ph\u00e4nomen bezeichnet wird. Manche Begriffe erscheinen jedoch aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden geeigneter als andere, in dieser Debatte Verwendung zu finden. Der vorliegende Artikel folgt M\u00fcller-Uri, wenn sie daf\u00fcr pl\u00e4diert, den Begriff des &#8222;antimuslimischen Rassismus&#8220; zu verwenden, da er dieses Ph\u00e4nomen dort verortet, wo es hingeh\u00f6rt: in den Bereich des Rassismus und folglich der Rassismusforschung.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Verortung im Bereich des Rassismus ist es wichtig zu untersuchen, wie sich rassistische Argumentationsmuster ver\u00e4ndert und adaptiert haben: &#8222;In der kritischen Rassismusforschung [&#8230;] ist \u00fcberzeugend herausgearbeitet worden, dass die \u00f6ffentliche Diskreditierung des biologistischen Rassismus nach 1945 eine Restrukturierung rassistischer Argumentationsweisen nach sich gezogen hat.&#8220;<\/p>\n<p>Im Zuge von &#8222;Dekolonisation, Transnationalisierungstendenzen und neuen Migrationsbewegungen&#8220; habe sich ein &#8222;\u201aRassismus ohne Rasse&#8216; [&#8230;] als neue rassistische Konfiguration herausgebildet, dessen ideologischer Kern in der Behauptung der Unaufhebbarkeit <i>kultureller Differenz<\/i> besteht.&#8220; (M\u00fcller-Uri, S. 88)<\/p>\n<p>Dieser von \u00c9tienne Balibar und Stuart Hall gepr\u00e4gte Begriff &#8211; in der Rassismusforschung haben sich noch weitere, synonym zu verwendende Begriffe wie z. B. &#8222;Kulturrassismus&#8220; oder &#8222;Neorassismus&#8220; etabliert &#8211; l\u00e4sst uns u. a. Ph\u00e4nomene wie den antimuslimischen Rassismus besser verstehen. Der &#8222;Rassismus ohne Rasse&#8220;, Neo- oder Kulturrassismus kommt ohne einen biologistischen &#8222;Rasse&#8220;-Begriff aus, ist also nicht &#8222;an die Signifikation k\u00f6rperlicher Differenzmarker gebunden [&#8230;], wie das in den biologistischen Rassismustheorien des 19. und 20. Jahrhunderts der Fall war&#8220;. (M\u00fcller-Uri, S. 69). Kulturalistische Argumentationsmuster treten nun verst\u00e4rkt an diese Stelle, wobei diese selbst beim biologistischen Rassismus bereits eine entscheidende Rolle spielten. Kulturalistische Zuschreibungen dienen so &#8222;als zentrale Bezugspunkte f\u00fcr die Deutung sozialer Praktiken&#8220;, es wird daraus eine &#8222;unab\u00e4nderliche Natur&#8220; konstruiert, die &#8222;in ihrer statischen Abgeschlossenheit und Determiniertheit wie das Konzept der \u201aRasse&#8216; [funktioniert]&#8220; (Attia et al., S. 6), so Iman Attia, Alexander H\u00e4usler und Yasemin Shooman in ihrem Buch &#8222;Antimuslimischer Rassismus am rechten Rand&#8220;.<\/p>\n<p>Ein &#8222;essentialistisch gedachtes Kulturkonzept&#8220; avanciert hier zu einem &#8222;funktionalen \u00c4quivalent des biologistischen <i>Rasse<\/i>begriffs&#8220;. (M\u00fcller-Uri, S. 91)<\/p>\n<p>Rassismus bezeichnet daher nicht einfach &#8222;\u201aFeindlichkeit&#8216; und asymmetrische Verh\u00e4ltnisse der \u00dcber- und Unterordnung zwischen \u201aRassen&#8216;, sondern schon die <i>soziale und diskursive Praxis der Konstruktion<\/i> dieser Gruppe.&#8220; (M\u00fcller-Uri, S. 64).<\/p>\n<p>Im Kern beruht die &#8222;durch rassistische Differenzkonstruktion hergestellte Ordnung&#8220; auf &#8222;der <i>Naturalisierung soziokultureller Ungleichheit<\/i>&#8222;. (M\u00fcller-Uri, S. 67). Rassismus ist also ein gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis, er geh\u00f6rt zu den &#8222;Modi der Begr\u00fcndung, Rechtfertigung und Umsetzung von Herrschaft&#8220; (Hund zit. n. M\u00fcller-Uri, S. 75) und er operiert &#8222;\u00fcber die Homogenisierung und imagin\u00e4re Vereinheitlichung herrschaftlich differenzierter Gruppen, aus denen <i>die Anderen<\/i> aufgrund zugeschriebener nat\u00fcrlicher Defizite ausgeschlossen werden.&#8220; (M\u00fcller-Uri, S. 75)<\/p>\n<p>Somit l\u00e4uft auch jegliches Argument ins Leere, das behauptet, Rassismus gegen\u00fcber als MuslimInnen markierten Menschen sei schon deshalb nicht m\u00f6glich, weil es sich dabei um eine &#8222;Kultur&#8220; oder um ein Religionsbekenntnis handle, nicht um eine &#8222;Rasse&#8220;. &#8222;Diese Argumentation&#8220;, so Attia, &#8222;geht offensichtlich davon aus, dass Hautfarbe oder Gene eine \u201aRasse&#8216; ausmachen, es also tats\u00e4chlich so etwas wie eine \u201aRasse&#8216; g\u00e4be. Im kolonialen, antiromaistischen oder antisemitischen Rassismus werden auf jeweils spezifische Weise und auf dem Hintergrund jeweils konkreter historischer Prozesse k\u00f6rperliche, kulturelle und religi\u00f6se tats\u00e4chliche oder fiktive Merkmale in einer Weise miteinander in Beziehung gesetzt, die aus homogenisierten und essenzialisierten Gruppen quasi-nat\u00fcrliche \u201aRassen&#8216; konstruiert. Hiervon unterscheidet sich der antimuslimische Rassismus nicht.&#8220; (Attia et al., S. 31)<\/p>\n<h3>Antimuslimischer Rassismus und wie er funktioniert<\/h3>\n<p>Ein entscheidendes Ph\u00e4nomen in der Rassismusforschung, das auch speziell beim antimuslimischen Rassismus beobachtbar ist, ist das sog. &#8222;Othering&#8220;.<\/p>\n<p>Diesem Otheringprozess liegt eine Konstruktion zugrunde, die laut Iman Attia darin besteht, &#8222;Menschen entlang von Merkmalen zu Gruppen zusammen[zuf\u00fcgen] und von anderen Gruppen [zu] unterscheiden.&#8220; Kategorien wie &#8222;Religion, Kultur und Ehtnie werden amalgamiert, zu einer \u00fcberm\u00e4chtigen Bezugsgr\u00f6\u00dfe und zu einem zentralen Unterscheidungsmerkmal konstruiert. Ethnie, Kultur und Religion bzw. das, was aufgrund der \u00e4u\u00dferen Erscheinung und der sozialen Praxis daf\u00fcr gehalten wird, ersetzen das Soziale, Gesellschaftliche und Politische.&#8220; (Attia et al., S. 30) Der hier einsetzende Konstruktionsprozess besteht darin, &#8222;alle \u201aMuslim_innen&#8216; als Mitglieder einer Gruppe zu verstehen, sie werden homogenisiert. Begr\u00fcndet wird ihre Homogenisierung damit, dass ihr Anderssein offensichtlich sei, ihre ethnische Zugeh\u00f6rigkeit auf ihre Kultur verweise, die wiederum durch Religion bestimmt werde. Die religi\u00f6s-kulturell begr\u00fcndete ethnische Zugeh\u00f6rigkeit bilde die Grundlage [\u2026] ihres Seins. Die derart essentialisierte und ethnisierte islamische Kultur unterscheide sich grunds\u00e4tzlich von jener der Eigengruppe. Zwischen Eigen- und Fremdgruppe wird eine deutliche Grenze gezogen, es findet eine bin\u00e4re, antagonistische, dichotomisierende Spaltung statt.&#8220; Entscheidend ist hier auch &#8211; und derartige Argumentationsmuster findet man h\u00e4ufig in b\u00fcrgerlichen und liberalen Mainstreammedien -, dass hierbei &#8222;die Eigengruppe als Ma\u00dfstab gesetzt [wird], an dem \u201adas Andere&#8216; gemessen wird und wodurch \u201adas Eigene&#8216; als erstrebenswert gilt.&#8220; Im Otheringprozess werden als MuslimInnen Markierte also zu &#8222;den Anderen&#8220;, sie werden &#8222;homogenisiert und essentialisiert und in Opposition zum \u201aEigenen&#8216; gebracht, das als fortschrittlicher angenommen wird&#8220;. (Attia et al., S. 31)<\/p>\n<p>\u00c4hnlichkeiten lassen sich, so Attia, hier zur Frage der Geschlechterverh\u00e4ltnisse erkennen, wie Simone de Beauvoir es in &#8222;Das andere Geschlecht&#8220; thematisierte, sowie zu Edward Saids Studie &#8222;Orientalismus&#8220;, wo Said die &#8222;westlich-hegemoniale Konstruktion des islamischen Orients&#8220; herausgearbeitet hat. (Attia et al., S. 30) Antimuslimischer Rassismus ist also eine &#8222;soziale Praxis, die Menschen, die als Muslim_innen markiert sind, an der gleichberechtigten Teilhabe an Gesellschaft hindert, ihre Ressourcen blockiert und ihnen signalisiert, dass sie fremd und unerw\u00fcnscht seien.&#8220; (Attia et al., S. 8.)<\/p>\n<p>Wie die Konstruktion eines &#8222;Anderen&#8220; sowie des &#8222;Eigenen&#8220; im Rassismus funktioniert, beschreibt auch M\u00fcller-Uri ausf\u00fchrlich. Rassismus bezeichne &#8222;asymmetrische Verh\u00e4ltnisse der Inferiorit\u00e4t und \u00dcberlegenheit, dient der Abwertung <i>des Anderen<\/i> und der Aufwertung <i>des Eigenen<\/i>. Deshalb schreibt die rassistische Ordnung nicht nur die Charakteristika und Dispositionen eines konstruierten Anderen fest, sondern definiert umgekehrt immer auch identit\u00e4re Entw\u00fcrfe des Selbst: Spiegelbildlich werden die <i>den Anderen<\/i> zugeschriebenen (negativen) Eigenschaften als (positive) Charakteristika auf <i>das Selbst<\/i> zur\u00fcckgeworfen.&#8220; (M\u00fcller-Uri, S. 68)<\/p>\n<h3>Antimuslimischer Rassismus im Alltag<\/h3>\n<p>Dies f\u00fchrt uns direkt zu der Frage, wie antimuslimischer Rassismus nun im Alltag, in rechten, b\u00fcrgerlichen sowie in linken gesellschaftlichen Bereichen funktioniert und sich manifestiert. Das Bild ist hier widerspr\u00fcchlich, treffen sich doch klassisch rassistische \u00dcberlegungen von &#8222;muslimischer Unterlegenheit&#8220; und einer als Ma\u00dfstab positionierten &#8222;wei\u00dfen, christlichen, europ\u00e4ischen \u00dcberlegenheit&#8220; mit teils dazu im Widerspruch stehenden verschw\u00f6rungstheoretischen Ans\u00e4tzen, in denen von einer gezielten und geplanten Unterwanderung Europas fabuliert wird, wo die Gefahr also eher in einer Art hoch entwickelter Hinterlist mit b\u00f6sem &#8222;Masterplan&#8220; zur sukzessiven Durchsetzung von &#8222;Eurabia&#8220; gesehen wird. Dabei werde &#8222;in Verkehrung der realen gesellschaftlichen Machtverh\u00e4ltnisse eine bevorstehende muslimische Vorherrschaft beschworen&#8220; (Attia et al., S. 35), so Yasemin Shooman. Derartige &#8222;Verschw\u00f6rungs- und Unterwanderungsphantasien&#8220; seien ein zentraler Topos vor allem in Internetforen wie PI-News.<\/p>\n<p>Hier gibt es eine interessante Verschiebung in rassistischen Argumentationsweisen sowie Ankn\u00fcpfungspunkte zum Antisemitismus: &#8222;Das Angstszenario einer Ausbreitung des Islams bzw. der Muslim_innen in Europa kennzeichnet eine Wahrnehmungsverschiebung im Vergleich zu herk\u00f6mmlichen rassistischen Diskursen, in denen Muslim_innen als r\u00fcckst\u00e4ndig und kulturell minderwertig stigmatisiert werden. Denn hier werden sie als \u201af\u00fcnfte Kolonne&#8216; imaginiert, die von innen heraus an der Zerst\u00f6rung westlicher Gesellschaften arbeite.&#8220;<\/p>\n<p>In dieser &#8222;Fiktion einer drohenden Dominanz von Muslim_innen&#8220; f\u00e4nde ein &#8222;Transfer antisemitischer Argumentationsmuster statt&#8220;, so Shooman. (Attia et al., S. 41f.)<\/p>\n<p>Doch wie zu Beginn erw\u00e4hnt, ist dieses Problem auch ein in linken und liberalen Kreisen anzutreffendes. Hier werden zum Beispiel gerne Ph\u00e4nomene wie Sexismus, Homophobie oder Antisemitismus in die Sph\u00e4re des &#8222;muslimischen Anderen&#8220; projiziert, um sich im Umkehrschluss so davon loszusagen, es als &#8222;eigenes&#8220; Ph\u00e4nomen und Problem zu leugnen bzw. dies mit der Behauptung zu verkn\u00fcpfen, man habe dies bereits hinter sich gelassen, im Gegensatz zu &#8222;den Anderen&#8220;. Durch die so betriebene &#8222;Kulturalisierung und Muslimisierung werden gesellschaftliche Probleme entpolitisiert und aus dem eigenen Verantwortungsbereich ausgelagert.&#8220; (Attia et al., S. 18)<\/p>\n<p>Dies dient der &#8222;Selbstvergewisserung eines <i>toleranten<\/i>, emanzipativen Europas&#8220;, das &#8222;<i>den MuslimInnen<\/i> die Aufkl\u00e4rung mit p\u00e4dagogischen Mitteln, und zur Not auch mit Gewalt&#8220; beibringen m\u00fcsse. (M\u00fcller-Uri, S. 112)<\/p>\n<p>Am Beispiel der Emanzipation der Frau funktioniert das so: &#8222;In der Gegen\u00fcberstellung der islamisch unterdr\u00fcckten und der westlich emanzipierten Frau werden die Kulturen nicht nur polarisiert und hierarchisiert, sondern beide, und damit auch die westliche Kultur, homogenisiert, indem \u201adie westliche Frau&#8216; umstandslos als emanzipiert gilt.&#8220; (Rommelsbacher zit. n. M\u00fcller-Uri, S. 112) Derartige Argumentationsfiguren seien laut M\u00fcller-Uri &#8222;aus der kolonialen Zivilisationsmission gut bekannt&#8220; (M\u00fcller-Uri, S. 112).<\/p>\n<p>Angesichts der Intensit\u00e4t und Unverbl\u00fcmtheit, mit der antimuslimischer Rassismus mittlerweile vorgebracht wird, ist es an der Zeit, diesem verst\u00e4rkt mit tiefgreifenden Analysen und einer engagiert aktivistischen, antirassistischen Praxis zu begegnen. Hier hat die Linke im deutschsprachigen Raum etwas aufzuholen &#8211; auch was kritische Selbstreflexion anlangt!<\/p>\n<p>Der antimuslimische Rassismus sollte &#8222;als zentrale Dimension der hegemonialen Struktur westlicher Gesellschaften begriffen werden, woraus sich auch entscheidende Konsequenzen f\u00fcr antirassistische Gegenstrategien ergeben.&#8220; (M\u00fcller-Uri, S. 127)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Problem mit dem antimuslimischen Rassismus scheint deshalb komplizierter, weil es nicht nur am rechten Rand zu verorten ist, sondern auch in der sog. b\u00fcrgerlich-liberalen &#8222;Mitte&#8220;, aber auch in der Linken selbst. &#8222;Ist es nicht bizarr&#8220;, fragt Fanny M\u00fcller-Uri in der Einleitung ihres Buches &#8222;Antimuslimischer Rassismus&#8220; zurecht, &#8222;wenn von der extremen Rechten \u00fcber die liberale &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/05\/antimuslimischer-rassismus\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Antimuslimischer Rassismus - graswurzelrevolution","description":"Das Problem mit dem antimuslimischen Rassismus scheint deshalb komplizierter, weil es nicht nur am rechten Rand zu verorten ist, sondern auch in der sog. b\u00fcrger"},"footnotes":""},"categories":[772,1033],"tags":[],"class_list":["post-14226","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-399-mai-2015","category-so-viele-farben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14226","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14226"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14226\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14226"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}