{"id":14232,"date":"2015-05-01T00:00:00","date_gmt":"2015-04-30T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/05\/mall-of-berlin-auf-ausbeutung-errichtet\/"},"modified":"2022-07-26T13:17:59","modified_gmt":"2022-07-26T11:17:59","slug":"mall-of-berlin-auf-ausbeutung-errichtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/05\/mall-of-berlin-auf-ausbeutung-errichtet\/","title":{"rendered":"Mall of Berlin &#8211; auf Ausbeutung errichtet"},"content":{"rendered":"<p>Die f\u00fcr den Bau der Mall of Berlin zust\u00e4ndigen Unternehmen schoben sich die Verantwortung f\u00fcr die nicht bezahlten L\u00f6hne gegenseitig zu. Die Firma Fettchenhauer Controlling &amp; Logistic, die Generalunternehmer auf der Mall of Berlin war und mittlerweile Insolvenz angemeldet hat, verwies auf die Subunternehmen Metatec-Fundus GmbH &amp; Co. KG&#8220; aus Berlin sowie openmallmaster GmbH aus Frankfurt\/ Main. Beide Unternehmen lassen Presseanfragen unbeantwortet.<\/p>\n<p>In gro\u00dfen Teilen der \u00d6ffentlichkeit war mittlerweile bekannt geworden, dass die Mall of Berlin auf Ausbeutung gebaut ist. Das ist ein Imageverlust f\u00fcr das Einkaufszentrum f\u00fcr die gehobenen Anspr\u00fcche in der N\u00e4he des Potsdamer Platzes. Im Internet hat sich mittlerweile auch der Name Mall of Shame f\u00fcr das Einkaufszentrum durchgesetzt.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr hatte auch die Basisgewerkschaft Freie ArbeiterInnen Union (FAU) gesorgt, die die Bauarbeiter seit Monaten in ihrem Kampf um den Lohn unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Bei Kundgebungen wurde von den ehemaligen Besch\u00e4ftigten und der FAU immer auch auf die Verantwortung des ehemaligen Generalunternehmens der Mall of Berlin, der Firma Fettchenhauer Controlling &amp; Logistic, hingewiesen. Das versuchte deren Inhaber Andreas Fettchenhauer juristisch zu verhindern. In einer Einstweiligen Verf\u00fcgung, die der FAU Mitte Januar zuging, wurde der Gewerkschaft die Aussage verboten, sie befinde sich mit Andras Fettchenhauer in einem Arbeitskampf. Ebenfalls untersagt wurde ihr die Behauptung, Fettchenhauer habe im Zusammenhang mit dem Arbeitskonflikt &#8222;eine gro\u00dfe negative \u00d6ffentlichkeit erhalten. Auch dass gegen die Firma Fettchenhauer Vorw\u00fcrfe der &#8222;massiven Schwarzarbeit&#8220; und der Nichtabf\u00fchrung von Beitr\u00e4gen an die Versicherungstr\u00e4ger&#8220; gegeben habe, sollte die FAU nicht mehr behaupten.<\/p>\n<p>Bei einer Zuwiderhandlung droht der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro und den verantwortlichen Sekret\u00e4ren eine Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten. Wenn die Kapitalseite glaubte, den Konflikt mit Repression beenden zu k\u00f6nnen, hat sie sich gr\u00fcndlich get\u00e4uscht.<\/p>\n<p>Dieser Disziplinierungsversuch einer k\u00e4mpferischen Gewerkschaft f\u00fchrte zu noch mehr Aufsehen und mobilisierte Solidarit\u00e4t f\u00fcr die FAU und die um den Lohn geprellten Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>So erkl\u00e4rte die Sprecherin f\u00fcr Soziale Menschenrechte der Bundestagsfraktion DIE LINKE. Azize Tank:<\/p>\n<p>&#8222;Es ist doch kein Geheimnis, dass seit Wochen ein Arbeitskampf der um ihre L\u00f6hne geprellten rum\u00e4nischen Bauarbeiter der Mall of Berlin gef\u00fchrt wird. Nach meinem Kenntnisstand, wurden auch auf der Baustelle offenbar sozialversicherungsrechtlichen Melde-, Beitrags- oder Aufzeichnungspflichten nicht erf\u00fcllt.&#8220;<\/p>\n<h3>Kritik am Vorgehen des DGB<\/h3>\n<p>Solche F\u00e4lle von Lohndumping sind durchaus nicht selten. Das Besondere ist, dass sich die Betroffenen so ausdauernd wehren und dass die kleine FAU schafft, was der gro\u00dfe DGB nicht einmal in Erw\u00e4gung zog. Nachdem der Kampf um die vorenthaltenen L\u00f6hne auch die \u00d6ffentlichkeit erreicht hatte, fragten mehrere Zeitungen, wo denn der DGB in dem Konflikt bleibe. Tats\u00e4chlich hatten die Bauarbeiter sich Ende Oktober zun\u00e4chst an dem DGB-Berlin Brandenburg gewandt und nach Unterst\u00fctzung gefragt. Das im dortigen Gewerkschaftshaus angesiedelte &#8222;Beratungsb\u00fcro f\u00fcr entsandte Besch\u00e4ftigte&#8220; nahm Kontakt mit den Unternehmen auf und schrieb Geltendmachungen. Au\u00dfer Abschlagszahlungen, die nur einen Bruchteil des vorenthaltenen Lohnes ausmachten, konnten die Bauarbeiter auf diesem Weg allerdings nichts erreichen. Sie hatten weder Arbeitsvertr\u00e4ge noch Gewerbescheine &#8211; das macht die Durchsetzung ihrer Anspr\u00fcche schwierig. Einige nahmen die Abschlagszahlungen an und unterzeichneten zudem eine vom Unternehmen vorbereitete Erkl\u00e4rung, nach der sie auf weitere rechtliche Schritte verzichten sollten. Andere beharrten darauf, ihren vollen Lohn zu erhalten und klagen nun den vorenthaltenen Lohn ein. Der Erfolg vom 10. Mai ist ein erster Erfolg, aber noch ist die Auseinandersetzung nicht endg\u00fcltig gewonnen. Weil openmallmaster GmbH die Klage nicht ernst nahm, ignorierten sie den Gerichtstermin. Weil von den Beklagten niemand erschienen war, blieb dem Arbeitsgericht nur die M\u00f6glichkeit, der Klage stattzugeben. Die Leiharbeitsfirma geht in die n\u00e4chste Instanz. Die Besch\u00e4ftigten werden f\u00fcr den Kampf um ihre L\u00f6hne noch mehr Solidarit\u00e4t brauchen. Noch gr\u00f6\u00dfer allerdings muss der Druck werden, damit auch die politischen Grundlagen infrage gestellt werden, die ein solches Lohndumping erst m\u00f6glich macht. Der bereits unter Rot-Gr\u00fcn gezielt geschaffene Billiglohnbereich und die Flexibilisierung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse schaffen erst die Grundlagen f\u00fcr eine Praxis der Lohndr\u00fcckerei, die nicht nur bei der Mall of Berlin Schlagzeilen macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die f\u00fcr den Bau der Mall of Berlin zust\u00e4ndigen Unternehmen schoben sich die Verantwortung f\u00fcr die nicht bezahlten L\u00f6hne gegenseitig zu. Die Firma Fettchenhauer Controlling &amp; Logistic, die Generalunternehmer auf der Mall of Berlin war und mittlerweile Insolvenz angemeldet hat, verwies auf die Subunternehmen Metatec-Fundus GmbH &amp; Co. 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