{"id":14864,"date":"2015-09-01T00:00:00","date_gmt":"2015-08-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/09\/ende-gelaende\/"},"modified":"2016-11-18T23:58:17","modified_gmt":"2016-11-18T21:58:17","slug":"ende-gelaende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/09\/ende-gelaende\/","title":{"rendered":"Ende Gel\u00e4nde"},"content":{"rendered":"<p>Genau das war am Vortag geschehen. An die tausend Klimasch\u00fctzer*innen waren an Polizeiketten vorbei in den Tagebau Garzweiler hinabgestiegen und hatten den dort stattfindenden Braunkohleabbau f\u00fcr Stunden blockiert.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfartige Erfolg des Klimacamps im Rheinland und der &#8222;Ende Gel\u00e4nde&#8220;-Aktion besteht vor allem darin, dass die Dringlichkeit des Kohleausstiegs un\u00fcberh\u00f6rbar auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Wer am 15. August den Kommentar von J\u00fcrgen D\u00f6schner auf &#8222;tageschau.de&#8220; las, traute den eigenen Augen nicht: &#8222;Hut ab! Die Klima-Aktivisten im rheinischen Braunkohle-Revier verdienen Hochachtung und Respekt!&#8220; D\u00f6schner lobt die Strategie des zivilen Ungehorsams und der gewaltfreien Regel\u00fcbertretung, macht auf die Absurdit\u00e4t des (formaljuristisch vielleicht zutreffenden) Vorwurfs des &#8222;Hausfriedensbruchs&#8220; gegen die Klimaaktivist*innen aufmerksam &#8211; erhoben vom RWE-Konzern, der dort mit seinen Braunkohlebaggern hunderte von H\u00e4usern seit Jahrzehnten nicht nur in ihrem Frieden st\u00f6rt, sondern zerst\u00f6rt und ihre Bewohner*innen vertreibt. Der WDR-Journalist konkludiert: &#8222;Die Proteste im rheinischen Braunkohlerevier m\u00f6gen nicht immer legal gewesen sein, aber sie sind angesichts der Ignoranz von Geld und Macht und angesichts der Bedrohung, die es abzuwehren gilt, v\u00f6llig legitim.&#8220;<\/p>\n<p>D\u00f6schner hat recht, und die Baggerblockade der Klimacamp-Leute scheint auf ihn abgef\u00e4rbt zu haben; denn was er schreibt, ist f\u00fcr einen Journalisten im \u00f6ffentlich-rechtlichen System ebenfalls ein Zeichen von Zivilcourage. Hoffen wir, dass es Schule macht.<\/p>\n<p>Neben dem Erfolg in der Sache &#8211; Kampf gegen die Politik der ungebremsten Klimazerst\u00f6rung &#8211; stellt das Klimacamp 2015 und die &#8222;Ende-Gel\u00e4nde&#8220;-Aktion aber auch ein politisches Lehrst\u00fcck erster G\u00fcte dar. An dem Camp nahmen am Wochenende mehr als 1500 Personen teil, die aus aller Welt angereist waren. Man h\u00f6rte \u00fcberwiegend Englisch, wenn man \u00fcber den Platz schlenderte, auch viel Deutsch, Franz\u00f6sisch, Spanisch &#8230; Das Wichtigste, was schriftlich und m\u00fcndlich zu kommunizieren war, wurde auch in viele Sprachen (mindestens aber ins Englische) \u00fcbersetzt. Aus \u00fcber 40 L\u00e4ndern waren die Leute zum Tagebaugebiet Garzweiler gekommen, und die Verst\u00e4ndigung war m\u00fchelos.<\/p>\n<p>Und dies ist nur ein Aspekt der gro\u00dfartigen Selbstorganisationsleistung, die hier erbracht wurde. Alleine die Campk\u00fcche zu beobachten, wie sie in gigantischen T\u00f6pfen warmes Essen f\u00fcr tausend Leute zubereitete, war \u00e4u\u00dferst imponierend, und die &#8222;reibungslose&#8220; Koordination setzte sich durch die Bezugsgruppen-Struktur in alle organisatorischen und politischen Fragen weiter durch. (Am Freitag vor der gro\u00dfen Blockade-Aktion fand im Hauptzelt eine Delegiertenversammlung der Bezugsgruppen statt, mit alleine schon \u00fcber hundert Teilnehmer*innen; da dort die Aktionsdetails geplant wurden, war die Presse (und damit auch ich) davon ausgeschlossen, aber bereits vorher war unter dieser bunten Zirkuskuppel die beeindruckende basisdemokratische Disziplin zu sp\u00fcren, die dann am Samstag zum Erfolg der Aktion beitrug.) Hier war wirklich mit H\u00e4nden zu greifen, dass ein besseres Leben m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Auch die andere Seite war zu kreativer Grenz\u00fcberschreitung imstande. D\u00f6schners Kommentar weist auch darauf hin: Den Blockierer*innen stand eine Public-Private-Partnership aus RWE-Werkschutz und Polizei gegen\u00fcber. In dem unwegsamen Gel\u00e4nde am Boden des Braunkohlelochs lie\u00dfen sich die Uniformierten von den RWE-Gel\u00e4ndefahrzeugen chauffieren, und wie es in der Presseerkl\u00e4rung von &#8222;Ende Gel\u00e4nde&#8220; hei\u00dft, wurden Aktivist*innen teilweise durch bunte Teams von Staatsbediensteten und &#8222;Werkschutz&#8220;-Leuten eingekesselt. Rechtsstaatlich vielleicht nicht ganz astrein, diese Allianz von Bauhelmen und Polizeihelmen, die &#8211; mit welchen Befehlsketten auch immer &#8211; eine verlorene Sache verteidigen mussten.<\/p>\n<p>Die kulturelle Hegemonie lag an diesem Tag auf der Seite des Protests. Das merkte man auch auf der Unterst\u00fctzungs-Demo unter dem Motto &#8222;Kohleausstieg jetzt!&#8220;, die im fast schon komplett &#8222;umgesiedelten&#8220; Dorf Immerath bei Regenwetter von 800 Menschen besucht wurde. Es h\u00e4tten ruhig ein paar mehr sein d\u00fcrfen, aber immerhin haben wir dort die eine oder andere Hundertschaft und Reiterstaffel &#8222;gebunden&#8220;, die dadurch nicht die Aktivist*innen unten in der Grube bel\u00e4stigen konnten. Und wir h\u00f6rten Reden u.a. von einer Indigena aus Kanada, wo man gegen die Ausbeutung von Teersand in riesigen Regionen k\u00e4mpft, sowie von einer Aktivistin aus Indien &#8211; beide betonten, wie inspirierend der Kampf hier im Rheinland f\u00fcr ihre eigenen Klimaschutz-Kampagnen sei. Und sie bewirkten so, dass diese Inspiration keine Einbahnstra\u00dfe ist. &#8222;System change &#8211; not climate change&#8220;, das ist die weltweite Devise. Vielleicht kann man J\u00fcrgen D\u00f6schners Kommentar auch darauf m\u00fcnzen, wenn er sagt: &#8222;Noch glaubt RWE, diesen Wandel mit Schlagst\u00f6cken und Pfefferspray aufhalten zu k\u00f6nnen. Aber so wie an der B\u00f6rse wird der Energieriese auch in den Braunkohlegruben fr\u00fcher oder sp\u00e4ter scheitern.&#8220; Im Namen des Klimas: Gerne fr\u00fcher!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genau das war am Vortag geschehen. An die tausend Klimasch\u00fctzer*innen waren an Polizeiketten vorbei in den Tagebau Garzweiler hinabgestiegen und hatten den dort stattfindenden Braunkohleabbau f\u00fcr Stunden blockiert. Der gro\u00dfartige Erfolg des Klimacamps im Rheinland und der &#8222;Ende Gel\u00e4nde&#8220;-Aktion besteht vor allem darin, dass die Dringlichkeit des Kohleausstiegs un\u00fcberh\u00f6rbar auf die Tagesordnung gesetzt wurde. 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