{"id":14866,"date":"2015-09-01T00:00:00","date_gmt":"2015-08-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/09\/frauenhandel\/"},"modified":"2022-07-26T14:12:00","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:00","slug":"frauenhandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/09\/frauenhandel\/","title":{"rendered":"Frauenhandel"},"content":{"rendered":"<\/p>\n<p>Unsere ReformerInnen sind pl\u00f6tzlich auf etwas Interessantes gesto\u00dfen                 &#8211; den Handel mit wei\u00dfen Sklavinnen. Die Zeitungen sind voll der                 Entr\u00fcstung \u00fcber diese &#8218;unerh\u00f6rten Bedingungen&#8216; und die GesetzgeberInnen                 planen bereits eine neue Reihe von Ma\u00dfnahmen gegen den Horror.<b><\/b><\/p>\n<p>Es f\u00e4llt auf, dass solcherlei Kreuzz\u00fcge gegen Unsittlichkeit,                 Gl\u00fccksspiel, Saloons usw. immer dann stattfinden, wenn die \u00f6ffentliche                 Meinung von einem gro\u00dfen gesellschaftlichen Missstand abgelenkt                 werden soll. Und was bringen sie? Das Gl\u00fccksspiel nimmt zu, die                 Saloons machen durch die Hintereing\u00e4nge ein Riesengesch\u00e4ft, die                 Prostitution hat einen H\u00f6chststand erreicht und das System von                 Zuh\u00e4ltern ist nur noch schlimmer geworden.<\/p>\n<p>Wie kommt es, dass etwas, das beinahe jedem Kind bekannt ist,                 so pl\u00f6tzlich entdeckt worden sein soll? Wie kommt es, dass dieses                 \u00dcbel, von dem alle SoziologInnen wissen, nun zu so einem bedeutenden                 Thema gemacht wird?<\/p>\n<p>Wer glaubt, die j\u00fcngste (und nebenbei bemerkt eine sehr oberfl\u00e4chliche)                 Untersuchung zum wei\u00dfen Sklavinnenhandel h\u00e4tte etwas Neues zum                 Thema beigetragen, hat sich, um es gelinde auszudr\u00fccken, arg get\u00e4uscht.                 Prostitution war und ist ein verbreitetes \u00dcbel, aber die Menschheit                 betreibt sie weiter und ist v\u00f6llig gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber dem                 Leiden und Kummer ihrer Opfer &#8211; so gleichg\u00fcltig, wie sie sich                 auch gegen\u00fcber unserem industriellen System oder der wirtschaftlichen                 Prostitution verh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Erst wenn der menschliche Kummer in ein leuchtendes Spielzeug                 verwandelt wird, beginnt sich das Baby Mensch daf\u00fcr zu interessieren                 &#8211; zumindest f\u00fcr eine Weile. Der Mensch ist ein sehr wankelm\u00fctiges                 Baby, das jeden Tag neues Spielzeug braucht. Der &#8218;gerechtfertigte&#8216;                 Aufschrei gegen den wei\u00dfen Sklavinnenhandel ist ein solches Spielzeug.                 Er dient dazu, die Menschen f\u00fcr eine kleine Weile zu unterhalten,                 und er wird dazu beitragen, dass ein paar mehr fette politische                 Jobs geschaffen werden &#8211; f\u00fcr Parasiten, die dann als InspektorInnen,                 WissenschaftlerInnen, Kriminalbeamte usw. durch die Welt schleichen.               <\/p>\n<p>Was ist die wirkliche Ursache f\u00fcr den Frauenhandel (der nicht                 nur mit wei\u00dfen Frauen betrieben wird, sondern auch mit gelben                 und schwarzen). Es ist nat\u00fcrlich Ausbeutung; der gnadenlose Moloch                 des Kapitalismus, der sich an unterbezahlter Arbeit bereichert                 und auf diese Art Tausende Frauen und M\u00e4dchen in die Prostitution                 treibt. Mrs. Warren ((1)) beschreibt                 die Gef\u00fchle dieser M\u00e4dchen so: &#8222;Warum das Leben in einer Sp\u00fclk\u00fcche                 verschwenden, wo man f\u00fcr ein paar Schilling die Woche 18 Stunden                 am Tag schuften muss?&#8220;<\/p>\n<p>Unsere ReformerInnen verlieren nat\u00fcrlich kein Wort \u00fcber diese                 Ursache. Sie ist ihnen nur allzu gut bekannt, aber sie zu benennen                 bringt ihnen keine Vorteile. Es lohnt sich viel mehr, den Pharis\u00e4er                 zu spielen und eine emp\u00f6rte Moral vorzuschieben, als den Dingen                 auf den Grund zu gehen.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch eine lobenswerte Ausnahme unter den jungen AutorInnen:                 Reginald Wright Kauffman, dessen Werk The House of Bondage ((2))                 einen ersten ernsthaften Versuch darstellt, sich mit dem gesellschaftlichen                 \u00dcbel auseinanderzusetzen &#8211; und das nicht aus einer spie\u00dfb\u00fcrgerlichen                 Gef\u00fchlsduselei heraus. Kauffman, ein erfahrener Journalist, zeigt,                 dass unser industrielles System den meisten Frauen keine Alternative                 zur Prostitution l\u00e4sst. Die Frauen, die in The House of Bondage                 portraitiert werden, geh\u00f6ren der ArbeiterInnenklasse an. H\u00e4tte                 der Autor das Leben von Frauen einer anderen Situation portraitiert,                 w\u00e4re er mit den gleichen Tatsachen konfrontiert worden.<\/p>\n<p>Nirgendwo wird die Frau dem Verdienst ihrer Arbeit gem\u00e4\u00df behandelt                 &#8211; stets ist ihr Geschlecht ausschlaggebend. Dadurch ist es nahezu                 unvermeidlich, dass sie f\u00fcr ihr Existenzrecht &#8211; um eine Anstellung                 welcher Ausrichtung auch immer zu behalten &#8211; mit sexuellen Gef\u00e4lligkeiten                 bezahlen muss. Es ist also lediglich eine Frage der Umst\u00e4nde,                 ob sie ihren K\u00f6rper einem Mann innerhalb oder au\u00dferhalb der Ehe                 bzw. an viele M\u00e4nner verkaufen muss. Ob es unsere ReformerInnen                 zugeben oder nicht, es ist die wirtschaftliche und gesellschaftliche                 Unterlegenheit der Frau, die f\u00fcr Prostitution verantwortlich ist.<\/p>\n<p>Momentan sind unsere guten Menschen schockiert \u00fcber die Enth\u00fcllung,                 dass allein in New York City jede zehnte Frau in einer Fabrik                 arbeitet, wobei ihr Durchschnittslohn f\u00fcr eine Arbeitszeit von                 48 bis 60 Stunden w\u00f6chentlich sechs Dollar betr\u00e4gt, und dass die                 Mehrheit der Lohnarbeiterinnen mehrere Monate Leerlauf im Jahr                 haben und damit auf keinen h\u00f6heren Jahresverdienst als 280 Dollar                 kommen. Ist es angesichts dieser wirtschaftlichen Missst\u00e4nde verwunderlich,                 dass Prostitution und der wei\u00dfe Sklavinnenhandel inzwischen eine                 so dominante Rolle spielen?<\/p>\n<p>Die eben genannten Zahlen, die m\u00f6glicherweise eine \u00dcbertreibung                 scheinen, k\u00f6nnen anhand der Aussagen einiger Beh\u00f6rden \u00fcber die                 Prostitution belegt werden:<\/p>\n<p>&#8222;Eine wichtige Ursache f\u00fcr die weibliche Verderbtheit l\u00e4sst sich                 aus verschiedenen Statistiken zu Anstellung und Lohnverh\u00e4ltnissen                 der Frauen vor ihrem Fall ablesen und wird f\u00fcr VolkswirtschaftlerInnen                 ein Anhaltspunkt sein, um daraus abzuleiten, inwiefern reine Gesch\u00e4ftspolitik                 den ArbeitgeberInnen als Vorwand f\u00fcr eine geringere Entlohnung                 dienen sollte und ob die Einsparung eines kleinen Prozentsatzes                 bei den L\u00f6hnen nicht mehr als aufgehoben wird durch die enorme                 Besteuerung der gesamten \u00d6ffentlichkeit, um die Ausgaben zu decken,                 die aus einem System von Lastern entstehen, das in vielen F\u00e4llen                 direkt auf die unzureichende Entsch\u00e4digung ehrlicher Arbeit zur\u00fcckzuf\u00fchren                 ist.&#8220; ((3))<\/p>\n<p>Unsere ReformerInnen von heute t\u00e4ten gut daran, einen Blick in                 Dr. Sangers Buch zu werfen. Dort w\u00fcrden sie erfahren, dass von                 den 2.000 von ihm untersuchten F\u00e4llen die wenigsten Frauen aus                 der Mittelklasse, aus gut situierten Verh\u00e4ltnissen oder angenehmen                 Elternh\u00e4usern stammten. Die weitaus gr\u00f6\u00dfte Mehrheit stellten die                 arbeitenden M\u00e4dchen und die arbeitenden Frauen dar; einige von                 ihnen kamen aus freiem Willen zur Prostitution, andere aufgrund                 der grausamen, elenden Lebensverh\u00e4ltnisse zu Hause, wieder andere                 wegen ihrer verzerrten und verkr\u00fcppelten physischen Natur (worauf                 ich sp\u00e4ter noch zur\u00fcckkommen werde). Es k\u00f6nnte den VerfechterInnen                 von Reinheit und Moral auch nicht schaden, wenn sie erf\u00fchren,                 dass von den 2.000 Frauen 490 verheiratet waren und mit ihren                 Ehegatten zusammenlebten. Offenbar hielt das heilige Sakrament                 der Ehe f\u00fcr sie nicht allzu viel &#8218;Sicherheit und Reinheit&#8216; bereit.                  ((4))<\/p>\n<p>In Prostitution in the Nineteenth Century zeigt Dr. Alfred Blaschko                 noch nachdr\u00fccklicher die wirtschaftlichen Bedingungen als Hauptursache                 der Prostitution auf. ((5))<\/p>\n<p>&#8222;Obgleich es zu allen Zeiten Prostitution gegeben hat, blieb                 es dem 19. Jahrhundert \u00fcberlassen, daraus eine gigantische gesellschaftliche                 Institution zu machen. Die Entwicklung der Industrie und damit                 die Abh\u00e4ngigkeit so vieler Menschen von einem Markt des Wettbewerbs,                 das Wachstum und die \u00dcberf\u00fcllung gro\u00dfer St\u00e4dte, die Unsicherheit                 und Ungewissheit des Arbeitsplatzes, all das hat der Prostitution                 zu einem Aufschwung verholfen, wie er zu keiner Zeit der Geschichte                 der Menschheit denkbar gewesen ist.&#8220;<\/p>\n<p>Und wieder muss Havelock Ellis, auch wenn er sich nicht so intensiv                 mit der wirtschaftlichen Ursache auseinandersetzt, zugeben, dass                 sie direkt oder indirekt die Hauptursache f\u00fcr Prostitution ist.                 Er kommt zu dem Schluss, dass ein gro\u00dfer Anteil der Prostituierten                 aus der Schicht der Dienstm\u00e4dchen stammt, obgleich letztere weniger                 Sorgen und gr\u00f6\u00dfere Sicherheiten haben. Andererseits leugnet Ellis                 nicht, dass die tagt\u00e4gliche Routine, die Schinderei und die Monotonie                 des Schicksals eines Dienstm\u00e4dchen und insbesondere die Tatsache,                 dass es niemals in den Genuss der Gesellschaft und Freude eines                 eigenen Zuhauses kommen mag, keine unbedeutenden Faktoren f\u00fcr                 seine Suche nach Ausgleich und Vergessen in der Fr\u00f6hlichkeit und                 dem Glanz der Prostitution sind. Mit anderen Worten kann das Dienstm\u00e4dchen,                 das als Arbeitssklavin behandelt wird, niemals eigene Rechte hat                 und von den Kapriolen seiner Herrin ersch\u00f6pft ist, wie auch das                 M\u00e4dchen aus der Fabrik oder dem Gesch\u00e4ft allein in der Prostitution                 einen Ausgleich finden.<\/p>\n<p>Der am\u00fcsanteste Aspekt dieser Frage in der \u00d6ffentlichkeit ist                 nun die Emp\u00f6rung unserer &#8218;guten, ehrbaren Menschen&#8216;, insbesondere                 diverser christlicher Herren, die stets in den ersten Reihen eines                 jeden Kreuzzuges zu finden sind. Kennen sie wirklich nicht die                 Geschichte der Religion, insbesondere der christlichen Religion?                 Oder hoffen sie vielleicht, die Generation von heute blenden zu                 k\u00f6nnen, was die Rolle angeht, die die Kirche in der Vergangenheit                 zum Thema Prostitution gespielt hat? Was auch immer ihre Gr\u00fcnde                 sein m\u00f6gen &#8211; sie sollten die letzten sein, die gegen die ungl\u00fcckseligen                 Opfer von heute die Stimme erheben, denn jeder intelligente Mensch                 wei\u00df, dass Prostitution einen christlichen Ursprung hat und insofern                 viele Jahrhunderte erhalten und gef\u00f6rdert wurde &#8211; nicht als Schande,                 sondern als Tugend von den G\u00f6ttern selbst gefeiert.<\/p>\n<p>&#8222;Es scheint, dass der Ursprung der Prostitution haupts\u00e4chlich                 in einem religi\u00f6sen Brauch, in der Religion als der gro\u00dfen Bewahrerin                 gesellschaftlicher Traditionen, liegt. In ver\u00e4nderter Form wurde                 hier eine primitive Freiheit bewahrt, die sich vom allgemeinen                 gesellschaftlichen Leben abhob. Ein typisches Beispiel ist jenes,                 das Herodotus im f\u00fcnften Jahrhundert vor Christus beschreibt und                 das sich im Tempel von Mylitta, der Babylonischen G\u00f6ttin, zugetragen                 hat, wo sich jede Frau einmal in ihrem Leben zu Ehren der G\u00f6ttin                 dem erstbesten Fremden hingeben musste, der ihr eine M\u00fcnze in                 den Scho\u00df warf. Sehr \u00e4hnliche Br\u00e4uche gab es in anderen Teilen                 Westasiens, in Nordafrika, auf Zypern und anderen \u00f6stlichen Mittelmeerinseln,                 ebenso wie in Griechenland, wo dem Tempel der Aphrodite in der                 Festung Korinth \u00fcber 1.000 Hierodulen ((6))                 angeh\u00f6rten, die der G\u00f6ttin dienten.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche prominenten AutorInnen zu diesem Thema vertreten die                 Theorie, dass sich religi\u00f6se Prostitution im Allgemeinen aus dem                 Glauben entwickelte, dass die reproduktive Aktivit\u00e4t des Menschen                 einen mystischen und heiligen Einfluss auf die Fruchtbarkeit der                 Natur habe. Als jedoch Prostitution nach und nach unter dem priesterlichen                 Einfluss zu einer organisierten Institution wurde, entwickelte                 die religi\u00f6se Prostitution zweckgebundene Aspekte und leistete                 so einen Beitrag zur Erh\u00f6hung der \u00f6ffentlichen Einnahmen.<\/p>\n<p>Als das Christentum politische Macht erlangte, \u00e4nderte sich an                 dieser Politik wenig. Die f\u00fchrenden K\u00f6pfe der Kirche tolerierten                 die Prostitution. Im 13. Jahrhundert gab es Bordelle, die dem                 Schutz der Gemeinden unterstanden. Sie stellten eine Art \u00f6ffentlichen                 Dienst bereit und ihre LeiterInnen wurden fast als Staatsbeamte                 angesehen.&#8220; ((7))<\/p>\n<p>Dazu l\u00e4sst sich folgendes aus Dr. Sangers Arbeit erg\u00e4nzen:<\/p>\n<p>&#8222;Papst Clemens II. stellte eine Bulle aus, die besagte, dass                 Prostituierte toleriert wurden, wenn sie einen bestimmten Teil                 ihrer Einnahmen an die Kirche abf\u00fchrten.<\/p>\n<p>Papst Sixtus IV. war praktischer veranlagt; aus einem einzigen                 Bordell, das er selbst eingerichtet hatte, erhielt er Einnahmen                 von 20.000 Dukaten.&#8220;<\/p>\n<p>Heutzutage ist die Kirche in dieser Hinsicht ein wenig vorsichtiger.                 Zumindest fordert sie nicht offen einen Tribut von den Prostituierten                 ein. Als profitabler hat sich das Gesch\u00e4ft mit Immobilien herausgestellt.                 So vermietet z. B. die Trinity Church heruntergekommene Absteigen                 zu exorbitanten Preisen an jene, die von und mit der Prostitution                 leben.<\/p>\n<p>Aus Platzgr\u00fcnden kann ich nicht auf die Prostitution in \u00c4gypten,                 Griechenland, Rom und im Mittelalter eingehen, so gern ich das                 auch tun w\u00fcrde. Die Bedingungen im Mittelalter sind besonders                 interessant, da die Prostitution damals in Z\u00fcnften unter der F\u00fchrung                 einer Bordellk\u00f6nigin organisiert war. Diese Z\u00fcnfte nutzten Streiks                 als Mittel, um ihre Bedingungen zu verbessern und einen Standardlohn                 durchzusetzen. Das ist ganz sicher eine praktischere Methode als                 die der modernen Lohnsklavinnen der heutigen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re einseitig und \u00e4u\u00dferst oberfl\u00e4chlich, wirtschaftliche                 Gr\u00fcnde als einzige Ursache von Prostitution darzustellen. Es gibt                 noch andere Hintergr\u00fcnde, die nicht weniger wichtig und unabdingbar                 sind. Auch das wissen unsere ReformerInnen, wagen aber noch weniger                 dar\u00fcber zu sprechen als \u00fcber die Prostitution selbst, die den                 M\u00e4nnern und Frauen das Leben aussaugt. Ich meine die Frage der                 Sexualit\u00e4t &#8211; deren blo\u00dfe Erw\u00e4hnung bei den meisten Menschen schon                 moralische Kr\u00e4mpfe erzeugt.<\/p>\n<p>Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, dass die Frau als Sexualobjekt                 erzogen wird, wobei sie aber gleichzeitig absolut nichts \u00fcber                 die Bedeutung und Wichtigkeit von Sexualit\u00e4t erf\u00e4hrt. Alles, was                 mit diesem Thema verbunden ist, wird unterdr\u00fcckt, und Menschen,                 die versuchen, Licht in diese schreckliche Finsternis zu bringen,                 werden verfolgt und ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Dennoch darf es uns                 nicht \u00fcberraschen, dass ein M\u00e4dchen, das nicht wei\u00df, wie es auf                 sich aufpassen soll, das nicht wei\u00df, wie der wichtigste Teil ihres                 Lebens funktioniert, eine leichte Beute f\u00fcr die Prostitution oder                 eine andere Art von Beziehung wird, die es zum Objekt simpler                 sexueller Befriedigung degradiert.<\/p>\n<p>Es ist dieser Unwissenheit geschuldet, dass das ganze Leben und                 die Natur des M\u00e4dchens verzerrt und verkr\u00fcppelt werden. Lange                 Zeit war es f\u00fcr uns selbstverst\u00e4ndlich, dass der Junge seinen                 wilden Trieben folgen soll; das hei\u00dft, ein Junge soll seinen Sexualtrieb                 befriedigen, sobald sich dieser bemerkbar macht; aber unsere MoralistInnen                 sind schon bei dem blo\u00dfen Gedanken entsetzt, bei einem M\u00e4dchen                 Gleiches geltend zu machen. F\u00fcr sie ist das Problem der Prostitution                 nicht so sehr, dass die Frau ihren K\u00f6rper verkauft, sondern dass                 sie dies ohne den ehelichen Segen tut. Dass dies nicht nur eine                 Behauptung ist, unterstreicht die Tatsache, dass finanzielle Gr\u00fcnde                 f\u00fcr eine Eheschlie\u00dfung gesetzlich und gesellschaftlich voll und                 ganz anerkannt sind, w\u00e4hrend andere Arten der Vereinigung verurteilt                 und abgelehnt werden. Eine Prostituierte jedoch ist der Definition                 nach nichts anderes als &#8222;eine Person, deren sexuelle Beziehungen                 einen gewinnorientierten Zweck erf\u00fcllen&#8220;. ((8))<\/p>\n<p>&#8222;Prostituierte sind jene Frauen, die ihren K\u00f6rper zur Aus\u00fcbung                 sexueller Handlungen verkaufen und daraus einen Beruf machen.&#8220;                  ((9))<\/p>\n<p>Bonger geht sogar noch weiter; er sagt, dass der Akt der Prostitution                 &#8222;dem Wesen nach dem Mann oder der Frau entspricht, die aus finanziellen                 Gr\u00fcnden eine Ehe eingehen.&#8220;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich tr\u00e4umt jedes M\u00e4dchen vom Heiraten; weil aber Tausende                 M\u00e4dchen nicht heiraten k\u00f6nnen, sind sie aufgrund unserer dummen                 Gesellschaftssitten entweder zu einem Leben im Z\u00f6libat oder zur                 Prostitution verurteilt. Die menschliche Natur behauptet sich                 ohne R\u00fccksicht auf irgendwelche Gesetze und es gibt auch keinen                 plausiblen Grund, warum sie sich einer pervertierten Moralvorstellung                 anpassen sollte.<\/p>\n<p>In der Gesellschaft werden die sexuellen Erfahrungen eines Mannes                 als Teil seiner normalen Entwicklung angesehen, w\u00e4hrend \u00e4hnliche                 Erfahrungen im Leben einer Frau als schreckliche Katastrophe gelten,                 als Verlust ihrer Ehre und von allem, das in einem Menschen gut                 und edel ist. Diese Doppelmoral hat bei der Erschaffung und dem                 Fortbestehen der Prostitution in ihrer heutigen Form keine unbedeutende                 Rolle gespielt. Dazu geh\u00f6rt auch, dass die Jugend in sexuellen                 Fragen absolut unwissend gehalten wird, wobei diese angebliche                 &#8218;Unschuld&#8216; in Kombination mit einer \u00fcberreizten und unterdr\u00fcckten                 sexuellen Natur genau die Situation n\u00e4hrt, die unsere PuritanerInnen                 so begierig verhindern oder vermeiden wollen. <\/p>\n<p>Nicht, dass die Befriedigung sexueller Bed\u00fcrfnisse zu Prostitution                 f\u00fchren muss; die grausame, herzlose, strafrechtliche Verfolgung                 jener, die es wagen, vom vorgeschriebenen Weg abzuweichen, ist                 daf\u00fcr verantwortlich.<\/p>\n<p>M\u00e4dchen, die noch Kinder sind, arbeiten tagt\u00e4glich zehn bis zw\u00f6lf                 Stunden in \u00fcberf\u00fcllten, \u00fcberheizten R\u00e4umen an Maschinen, was dazu                 f\u00fchrt, dass sie st\u00e4ndig sexuell \u00fcber-erregt sind. Viele dieser                 M\u00e4dchen haben kein Zuhause und auch sonst keinerlei Zuflucht und                 so ist die Stra\u00dfe oder ein anderer Ort billiger Zerstreuung das                 einzige Mittel f\u00fcr sie, um die Routine ihres Alltags zu vergessen.                 Das bringt sie nat\u00fcrlich in die extreme N\u00e4he des anderen Geschlechts.                 Es ist schwer zu sagen, welcher der beiden Faktoren die Sexbesessenheit                 zum H\u00f6hepunkt f\u00fchrt, aber sicher ist es die nat\u00fcrlichste Sache                 der Welt, dass ein H\u00f6hepunkt erfolgen sollte. Das ist der erste                 Schritt zur Prostitution. Das M\u00e4dchen kann nicht daf\u00fcr verantwortlich                 gemacht werden. Im Gegenteil, es ist allein das Versagen der Gesellschaft,                 unser fehlendes Verst\u00e4ndnis, unsere geringe Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr                 das Werden des Lebens; insbesondere ist es das Versagen unserer                 MoralistInnen, die ein M\u00e4dchen f\u00fcr alle Ewigkeit verurteilen,                 weil es vom &#8218;Pfad der Tugend&#8216; abgewichen ist; sprich weil seine                 erste sexuelle Erfahrung ohne Zustimmung der Kirche stattgefunden                 hat. <\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen f\u00fchlt sich v\u00f6llig ausgesto\u00dfen, die T\u00fcren seines Zuhauses                 und der Gesellschaft werden ihm vor der Nase zugeschlagen. Seiner                 Erziehung und Tradition gem\u00e4\u00df f\u00fchlt sich das M\u00e4dchen selbst verdorben                 und gefallen, es hat keinen Boden mehr unter den F\u00fc\u00dfen, nichts,                 was ihm aufhilft &#8211; es wird nur immer weiter in die Tiefe gezogen.                 Auf diese Weise erschafft die Gesellschaft die Opfer, die sie                 sp\u00e4ter vergeblich versucht loszuwerden. Der gemeinste, verdorbenste                 und heruntergekommenste Mann ist sich noch zu fein, eine Frau                 zu heiraten, deren Anmut er sich zuvor nicht zu kaufen scheute,                 selbst wenn er sie damit vor einem Leben in Schande bewahren k\u00f6nnte.                 Und diese Frau kann selbst ihre eigene Schwester nicht um Hilfe                 bitten. In ihrer Dummheit verschreibt sich diese der Reinheit                 und Keuschheit, ohne dabei zu bemerken, dass ihre eigene Situation                 in vielerlei Hinsicht bedauernswerter als die ihrer Schwester                 auf der Stra\u00dfe ist.<\/p>\n<p>&#8222;Die Frau, die des Geldes wegen geheiratet hat, ist verglichen                 mit der Prostituierten die eigentlich Ungl\u00fcckselige&#8220;, sagt Havelock                 Ellis. &#8222;Sie bekommt weniger Geld, gibt aber viel mehr von ihrer                 Arbeitskraft und ihrer F\u00fcrsorge und ist dazu noch vollst\u00e4ndig                 an ihren Herren gebunden. Die Prostituierte hingegen verkauft                 nicht das Recht \u00fcber ihre eigene Person, sondern beh\u00e4lt ihre Freiheit                 und ihre pers\u00f6nlichen Rechte und ist auch nicht stets und st\u00e4ndig                 dazu gezwungen, sich der Umarmung des Mannes hinzugeben.&#8220;<\/p>\n<p>Die selbstgerechte Frau versteht auch nicht die rechtfertigende                 Bemerkung von Lecky, dass &#8222;die Prostituierte zwar das gr\u00f6\u00dfte Laster                 sein mag, aber auch die beste H\u00fcterin der Tugend ist. W\u00e4re sie                 nicht, w\u00fcrden gl\u00fcckliche Ehen beschmutzt und es g\u00e4be unnat\u00fcrliche                 und sch\u00e4digende Praktiken im \u00dcberfluss.&#8220;<\/p>\n<p>MoralistInnen sind stets bereit, die H\u00e4lfte der Menschheit einer                 erb\u00e4rmlichen Institution zu opfern, die sie nicht \u00fcberwinden k\u00f6nnen.                 Tatsache ist, dass die Prostitution die Reinheit der Ehe nicht                 mehr sch\u00fctzt, als strenge Gesetze vor Prostitution sch\u00fctzen. Ganze                 50 Prozent der verheirateten M\u00e4nner frequentieren Bordelle. Dieses                 tugendhafte Element bringt es mit sich, dass die verheirateten                 Frauen &#8211; und selbst die Kinder &#8211; mit Geschlechtskrankheiten infiziert                 werden. Aber die Gesellschaft verurteilt den Mann deshalb mit                 keinem Wort, w\u00e4hrend gleichzeitig kein Gesetz zu monstr\u00f6s ist,                 um es gegen das hilflose Opfer zu verwenden. Die Prostituierte                 ist nicht nur die Beute derer, die sie benutzen, sondern auch                 ganz und gar der Gnade jedes Kriminalbeamten und elenden Streifenpolizisten                 ausgeliefert, den Beamten auf den Wachen, den W\u00e4rtern in jedem                 Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Vor Kurzem ver\u00f6ffentlichte eine Frau, die zw\u00f6lf Jahre lang ein                 &#8218;Haus&#8216; geleitet hatte, ein Buch, in dem sich die folgenden Zahlen                 finden: &#8222;Die Beh\u00f6rden zwangen mich, jeden Monat Geb\u00fchren zwischen                 14,70 und 29,70 Dollar zu zahlen, die M\u00e4dchen mussten zwischen                 5,70 und 9,70 Dollar an die Polizei abf\u00fchren.&#8220; Wenn man bedenkt,                 dass das Gesch\u00e4ft der Autorin in einer kleinen Stadt angesiedelt                 war und die von ihr aufgef\u00fchrten Summen keine zus\u00e4tzlichen Bestechungen                 und Strafen beinhalten, kann man leicht die unglaublichen Einnahmen                 absch\u00e4tzen, die die Polizeibeh\u00f6rde vom Blutgeld ihrer Opfer eintreibt,                 die sie dann noch nicht einmal sch\u00fctzt. Und wehe denen, die sich                 weigern, ihren Anteil zu zahlen; sie werden wie Vieh zusammengetrieben,                 &#8222;und sei es nur, um bei den guten B\u00fcrgerInnen der Stadt einen                 g\u00fcnstigen Eindruck zu schinden, oder wenn die M\u00e4chtigen zus\u00e4tzlich                 mehr Geld brauchten. Denn der verwirrte Kopf, der glaubt, dass                 eine gefallene Frau zu keiner menschlichen Emotion f\u00e4hig ist,                 kann unm\u00f6glich den Kummer, die Schande, die Tr\u00e4nen, den verletzten                 Stolz bemerken, die uns jedes Mal \u00fcberkamen, wenn wir wieder hochgenommen                 wurden.&#8220;<\/p>\n<p>Ist es nicht \u00fcberraschend, dass eine Frau, die ein &#8218;Haus&#8216; f\u00fchrte,                 zu solchen Gef\u00fchlen f\u00e4hig ist? Aber noch \u00fcberraschender ist es,                 dass eine gute christliche Welt solche Frauen ausnimmt und abzockt                 und ihnen daf\u00fcr nichts bietet als Verleumdung und Verfolgung.                 Oh, welch N\u00e4chstenliebe in einer christlichen Welt! <\/p>\n<p>Es wird viel \u00fcber die wei\u00dfen Sklavinnen gesprochen, die in die                 USA gebracht werden. Wie k\u00f6nnten die USA jemals ihre Tugend wahren,                 wenn da nicht Europa w\u00e4re? Ich m\u00f6chte nicht leugnen, dass das                 bez\u00fcglich einiger Beispiele der Fall sein mag, und ich m\u00f6chte                 auch nicht leugnen, dass es tats\u00e4chlich Sendboten in Deutschland                 und anderen L\u00e4ndern gibt, die Wirtschaftssklavinnen in die USA                 locken. Ich bestreite jedoch vehement, dass Prostituierte in einem                 nennenswerten Ausma\u00df aus Europa rekrutiert werden. Es mag sein,                 dass die Mehrheit der Prostituierten in New York City Ausl\u00e4nderinnen                 sind, aber das liegt daran, dass der Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung                 an sich aus dem Ausland stammt. Sobald wir in eine andere Stadt                 der USA gehen, nach Chicago oder in den Mittleren Westen, sehen                 wir, dass die ausl\u00e4ndischen Prostituierten dort eine deutliche                 Minderheit darstellen.<\/p>\n<p>Ebenso \u00fcbertrieben ist der Glaube, dass viele Stra\u00dfenm\u00e4dchen                 dieser St\u00e4dte schon das gleiche Gesch\u00e4ft betrieben, bevor sie                 in die USA kamen. Die meisten M\u00e4dchen sprechen hervorragend Englisch                 und haben sich in ihrem Verhalten und ihrer Erscheinung dem Leben                 in den USA angepasst &#8211; was nur m\u00f6glich ist, weil sie schon viele                 Jahre in diesem Land leben. Das bedeutet, dass sie durch die Bedingungen                 in den USA selbst zur Prostitution getrieben wurden, durch die                 schreckliche US-amerikanische Angewohnheit, sich \u00fcbertrieben herauszuputzen                 und zu kleiden, wof\u00fcr nat\u00fcrlich Geld notwendig ist &#8211; Geld, das                 man als Verk\u00e4uferin oder Fabrikarbeiterin nicht hat. <\/p>\n<p>Mit anderen Worten gibt es keinen Grund zu glauben, dass irgendwelche                 M\u00e4nner das Risiko und die Ausgaben auf sich nehmen w\u00fcrden, ausl\u00e4ndische                 Produkte zu bekommen, wenn doch die Bedingungen in den USA den                 Markt mit tausenden M\u00e4dchen \u00fcberschwemmen. Andererseits gibt es                 ausreichend Beweise daf\u00fcr, dass der Export von M\u00e4dchen aus den                 USA zu Prostitutionszwecken alles andere als gering ist.<\/p>\n<p>So klagt Clifford G. Roe, der ehemalige Stellvertretende Staatsanwalt                 von Cook County, Illinois, offen an, dass M\u00e4dchen aus Neuengland                 mit Schiffen nach Panama gebracht werden, um dort den Besch\u00e4ftigten                 von Uncle Sam zur Verf\u00fcgung zu stehen. Roe f\u00fcgt hinzu, dass &#8222;es                 eine geheime Eisenbahnstrecke zwischen Boston und Washington geben                 soll, auf der viele M\u00e4dchen reisen.&#8220; ((10))                 Ist es nicht auff\u00e4llig, dass diese Eisenbahnlinie direkt zum Sitz                 der Bundesbeh\u00f6rden f\u00fchrt? Dass die \u00c4u\u00dferungen von Roe weiter reichten,                 als es einigen Kreisen lieb war, zeigt sich an der Tatsache, dass                 er seinen Posten verlor. F\u00fcr M\u00e4nner im Amt ist es nicht ratsam,                 aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen zu plaudern.<\/p>\n<p>Die Ausrede, die f\u00fcr die Bedingungen in Panama gegeben wird,                 ist, dass es in der Kanalzone keine Bordelle gibt. Damit rechtfertigt                 sich gew\u00f6hnlich die scheinheilige Welt, die der Wahrheit nicht                 ins Auge sehen will. Nicht in der Kanalzone, nicht innerhalb der                 Stadtgrenzen &#8211; und deshalb existiert Prostitution nicht. <\/p>\n<p>Neben Roe ist noch James Bronson Reynolds zu nennen, der den                 wei\u00dfen Sklavinnenhandel in Asien gr\u00fcndlich untersucht hat. Als                 treuer B\u00fcrger der USA und Freund von Theodore Roosevelt, dem zuk\u00fcnftigen                 US-amerikanischen Napoleon, ist er sicher der letzte, der die                 Tugend seines Landes schlechtmachen will. Dennoch informiert er                 uns dar\u00fcber, dass in Hong Kong, Shanghai und Yokohama die Augiasst\u00e4lle                  ((11)) amerikanischen Lasters                 angesiedelt sind. Dort sind die Prostituierten aus den USA derart                 vertreten, dass im Orient die Bezeichnung &#8218;amerikanisches M\u00e4dchen&#8216;                 synonym f\u00fcr &#8218;Prostituierte&#8216; verwendet wird. Reynolds erinnert                 seine Landsleute daran, dass die US-B\u00fcrgerinnen in China unter                 dem Schutz der konsularischen Vertretungen stehen, w\u00e4hrend die                 Chinesinnen in den USA keinerlei Schutz genie\u00dfen. Wer von der                 brutalen und barbarischen Verfolgung wei\u00df, die Chinesinnen und                 Japanerinnen an der Pazifikk\u00fcste erleiden, wird Reynolds zustimmen.<\/p>\n<p>In Anbetracht der genannten Tatsachen ist es ziemlich absurd,                 Europa als den Sumpf zu bezeichnen, aus dem alle gesellschaftlichen                 \u00dcbel der USA stammen. Ebenso absurd ist der Mythos, die Juden                 w\u00fcrden den gr\u00f6\u00dften Teil der willigen Beute ausmachen. Ich bin                 sicher, dass mir kein Mensch nationalistische Tendenzen unterstellen                 kann. Voller Freude kann ich von mir sagen, dass ich ihnen entwachsen                 bin, ebenso wie ich viele andere Vorurteile abgelegt habe. Wenn                 ich also bestreite, dass j\u00fcdische Prostituierte importiert werden,                 dann nicht aufgrund irgendwelcher Sympathien mit dem Judentum,                 sondern weil die Tatsachen dem Leben dieser Menschen nicht entsprechen.                 Nur die oberfl\u00e4chlichsten BeobachterInnen k\u00f6nnen behaupten, dass                 j\u00fcdische M\u00e4dchen in fremde L\u00e4nder migrieren, wenn sie dorthin                 nicht eine Verbindung oder verwandtschaftliche Beziehung haben.                 J\u00fcdische M\u00e4dchen sind nicht abenteuerlustig. Bis vor wenigen Jahren                 haben sie ihr Zuhause niemals verlassen, sind nicht einmal bis                 ins n\u00e4chste Dorf oder in die n\u00e4chste Stadt gekommen, es sei denn,                 um dort Verwandte zu besuchen. Ist es dann wahrscheinlich, dass                 j\u00fcdische M\u00e4dchen jetzt ihre Eltern oder Familien verlassen und                 aufgrund des Einflusses und der Versprechen fremder M\u00e4chte tausende                 Meilen in fremde L\u00e4nder reisen? Gehen Sie doch zu irgendeinem                 der riesigen Dampfschiffe, die im Hafen einlaufen, und sehen Sie                 selbst, ob diese M\u00e4dchen nicht doch zusammen mit ihren Eltern,                 Br\u00fcdern, Tanten oder anderen Verwandten einreisen. Es mag Ausnahmen                 geben, nat\u00fcrlich, aber zu behaupten, dass eine gro\u00dfe Anzahl j\u00fcdischer                 M\u00e4dchen f\u00fcr die Prostitution oder zu einem anderen Zweck importiert                 w\u00fcrde, ist einfach nur mit der Unkenntnis der j\u00fcdischen Psychologie                 zu erkl\u00e4ren. <\/p>\n<p>Diejenigen, die im Glashaus sitzen, sollten keine Steine werfen;                 zudem sind die W\u00e4nde des US-amerikanischen Glashauses ziemlich                 d\u00fcnn. Sie k\u00f6nnen leicht splittern, und was sich drinnen befindet,                 ist alles andere als ein bereichernder Anblick.<\/p>\n<p>Die zunehmende Prostitution auf eine angebliche Einfuhr von M\u00e4dchen,                 auf die Erweiterung des Zuh\u00e4ltersystems oder \u00e4hnliche Ursachen                 zur\u00fcckzuf\u00fchren, ist h\u00f6chst oberfl\u00e4chlich. Zum ersten Punkt habe                 ich mich bereits ge\u00e4u\u00dfert. Und bez\u00fcglich des Systems der Zuh\u00e4lter                 d\u00fcrfen wir, so absto\u00dfend es auch ist, die Tatsache nicht ignorieren,                 dass es im Grunde Bestandteil der modernen Prostitution ist &#8211;                 ein Bestandteil, der sich durch Unterdr\u00fcckung und Bestechung auszeichnet,                 welche aus den sporadischen Kreuzz\u00fcgen gegen das \u00dcbel der Gesellschaft                 erwachsen.<\/p>\n<p>Der Zuh\u00e4lter ist ohne Zweifel ein armseliger Vertreter der menschlichen                 Familie, aber ist er wirklich verachtenswerter als der Polizist,                 der die Arbeiterin auf der Stra\u00dfe ihres letzten Cents beraubt                 und sie dann auf der Wache einsperrt? Warum ist der Zuh\u00e4lter krimineller                 oder eine schlimmere Bedrohung f\u00fcr die Gesellschaft als die Eigent\u00fcmerInnen                 von Warenh\u00e4usern und Fabriken, die sich am Schwei\u00df ihrer Opfer                 fettfressen, nur um sie auf die Stra\u00dfen zu treiben? Ich m\u00f6chte                 den Zuh\u00e4lter nicht verteidigen, aber ich sehe nicht ein, warum                 er gnadenlos verfolgt werden soll, wenn all die wahren Verantwortlichen                 f\u00fcr die sozialen Ungleichheiten Immunit\u00e4t und Respekt genie\u00dfen.                 Auch hier darf nicht vergessen werden, dass es nicht der Zuh\u00e4lter                 ist, der die Prostituierte kreiert. Es ist unsere Heuchelei und                 Scheinheiligkeit, die sowohl die Prostituierte als auch den Zuh\u00e4lter                 erschaffen.<\/p>\n<p>Bis 1894 wusste man in den USA wenig \u00fcber Zuh\u00e4lter. Dann wurden                 wir von einer seuchenartigen Tugend ergriffen. Das Laster wurde                 abgeschafft und das Land gereinigt, koste es, was es wolle. Der                 Krebs der Gesellschaft wurde au\u00dfer Sichtweite gebracht, dabei                 aber noch tiefer in den K\u00f6rper getrieben. BetreiberInnen von Bordellen                 wurden ebenso wie ihre ungl\u00fcckseligen Opfer der zarten Barmherzigkeit                 der Polizei \u00fcbergeben. Unvermeidliche Folgen wie exorbitante Bestechungsgelder                 und Gef\u00e4ngnisstrafen folgten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die M\u00e4dchen in den Bordellen, wo sie einen bestimmten                 Geldwert haben, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gesch\u00fctzt sind, sind diejenigen,                 die sich heutzutage auf der Stra\u00dfe wiederfinden, voll und ganz                 der Gnade der nach Bestechung gierenden Polizei \u00fcberlassen. Verzweifelt,                 schutzbed\u00fcrftig und hungrig nach Zuneigung sind diese M\u00e4dchen                 nat\u00fcrlich f\u00fcr Zuh\u00e4lter eine leichte Beute, die selbst wiederum                 das Ergebnis des kommerziellen Charakters unserer Zeit sind. Das                 Zuh\u00e4ltersystem ist also eine direkte Konsequenz der Verfolgung                 durch die Polizei, der Korruption und der versuchten Unterdr\u00fcckung                 der Prostitution. Es w\u00e4re schlichtweg t\u00f6richt, diesen modernen                 Bestandteil gesellschaftlichen \u00dcbels mit dessen Ursachen zu verwechseln.<\/p>\n<p>Blo\u00dfe Unterdr\u00fcckung und barbarische Gesetze k\u00f6nnen lediglich                 dazu dienen, die ungl\u00fcckseligen Opfer von Ignoranz und Dummheit                 zu verbittern und weiter zu erniedrigen. Einen H\u00f6hepunkt stellte                 der Gesetzesvorschlag dar, der vorsah, die menschliche Behandlung                 von Prostituierten zu kriminalisieren. Wer einer Prostituierten                 Unterkunft gew\u00e4hrte, sollte mit bis zu f\u00fcnf Jahren Haft und einer                 Geldstrafe von 10.000 Dollar bestraft werden. Eine solche Einstellung                 stellt auf schockierende Weise die schreckliche Unkenntnis der                 wahren Ursachen der Prostitution als gesellschaftlichen Faktor                 blo\u00df und offenbart den puritanischen Geist der Zeit des Scarlet                 Letter.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche modernen AutorInnen, die zu diesem Thema schreiben,                 sind sich darin einig, dass Gesetze absolut nichts dazu beitragen,                 das Problem in den Griff zu bekommen. So ist Dr. Blaschko der                 Meinung, dass die Unterdr\u00fcckung und die moralischen Kreuzz\u00fcge                 der Regierung lediglich das \u00dcbel in geheime Kan\u00e4le umlenken und                 damit seine Risiken f\u00fcr die Gesellschaft vervielfachen. Havelock                 Ellis, der die Prostitution am gr\u00fcndlichsten und menschlichsten                 untersucht hat, beweist anhand einer F\u00fclle von Daten, dass sich                 die Bedingungen nur verschlimmern, je strenger die Verfolgungsmethoden                 werden. Neben anderen Fakten erfahren wir von ihm, dass in Frankreich                 &#8222;Karl IX. im Jahr 1560 durch ein Edikt Bordelle verbieten lie\u00df,                 was aber nur dazu f\u00fchrte, dass die Anzahl der Prostituierten stieg,                 w\u00e4hrend neue, gef\u00e4hrlichere Bordelle in unerwarteten Ausma\u00dfen                 er\u00f6ffnet wurden. Trotz der Gesetzgebung oder gerade wegen ihr                 gab es kein Land, in dem die Prostitution auff\u00e4lliger gewesen                 w\u00e4re.&#8220; ((12))<\/p>\n<p>Einzig eine auf Bildung und Aufkl\u00e4rung beruhende \u00f6ffentliche                 Meinung, frei von der rechtlichen und moralischen Hetzjagd auf                 Prostituierte, kann dazu beitragen, die vorherrschenden Bedingungen                 zu verbessern.<\/p>\n<p>Das bewusste Wegschauen und Ignorieren des B\u00f6sen als Bestandteil                 der Gesellschaft im Leben von heute kann die Umst\u00e4nde nur verschlimmern.                 Wir m\u00fcssen unsere t\u00f6richten \u00dcberlegenheitsgef\u00fchle gegen\u00fcber anderen                 Menschen \u00fcberwinden und lernen, in der Prostituierten ein Produkt                 der gesellschaftlichen Umst\u00e4nde zu sehen. Wenn uns das gelingt,                 k\u00f6nnen wir unsere Scheinheiligkeit ablegen und ein besseres Verst\u00e4ndnis                 sowie menschlicheres Miteinander sicherstellen. Um Prostitution                 ganz und gar abzuschaffen, gibt es kein anderes Mittel als die                 v\u00f6llige Umwertung s\u00e4mtlicher akzeptierter Wertvorstellungen, insbesondere                 der moralischen &#8211; zusammen mit der Abschaffung der industriellen                 Sklaverei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere ReformerInnen sind pl\u00f6tzlich auf etwas Interessantes gesto\u00dfen &#8211; den Handel mit wei\u00dfen Sklavinnen. Die Zeitungen sind voll der Entr\u00fcstung \u00fcber diese &#8218;unerh\u00f6rten Bedingungen&#8216; und die GesetzgeberInnen planen bereits eine neue Reihe von Ma\u00dfnahmen gegen den Horror. Es f\u00e4llt auf, dass solcherlei Kreuzz\u00fcge gegen Unsittlichkeit, Gl\u00fccksspiel, Saloons usw. immer dann stattfinden, wenn die \u00f6ffentliche Meinung &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/09\/frauenhandel\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Frauenhandel - graswurzelrevolution","description":"Unsere ReformerInnen sind pl\u00f6tzlich auf etwas Interessantes gesto\u00dfen - den Handel mit wei\u00dfen Sklavinnen. 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