{"id":14873,"date":"2015-09-01T00:00:00","date_gmt":"2015-08-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/09\/spanien-als-speerspitze-fuer-militaerinterventionen-in-afrika\/"},"modified":"2022-07-26T14:22:13","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:13","slug":"spanien-als-speerspitze-fuer-militaerinterventionen-in-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/09\/spanien-als-speerspitze-fuer-militaerinterventionen-in-afrika\/","title":{"rendered":"Spanien als Speerspitze f\u00fcr Milit\u00e4rinterventionen in Afrika"},"content":{"rendered":"<p>Das bedeutet, dass w\u00e4hrend der CPX-Phase die Milit\u00e4rs in ihren Kasernen (oder Kommandozentren) spielen werden, und w\u00e4hrend LIVEX kommen sie raus und werden mit ihren Panzern, Kampfflugzeugen, Kriegsschiffen in unserer Umgebung \u00fcben; 36.000 Soldat_innen aus mehr als 30 L\u00e4ndern. Au\u00dfer in Spanien, Italien und Portugal werden Teile des Man\u00f6vers auch in anderen L\u00e4ndern abgehalten werden: Belgien, Kanada, Deutschland, die Niederlande und Norwegen, sowie die See\u00fcbungen im atlantischen Ozean und im Mittelmeer.<\/p>\n<p>Nach Informationen des spanischen Verteidigungsministeriums werden &#8222;<i>von den teilnehmenden Soldat_innen 20.000 in den nationalen \u00dcbungszentren von San Gregorio (Zaragoza) und Chinchilla (Albacete), auf dem Truppen\u00fcbungs- und Schiessplatz &#8218;\u00c1lvarez de Sotomayor&#8216; (Almer\u00eda), dem amphibischen Truppen\u00fcbungsplatz Sierra del Ret\u00edn (C\u00e1diz) und auch in den Milit\u00e4rbasen von Albacete, Son San Joan (Palma de Mallorca), Torrej\u00f3n und Zaragoza stationiert werden.&#8220;<\/i> ((4)) Die US-Marines von der Basis in Mor\u00f3n de la Frontera (Sevilla) werden am Man\u00f6ver teilnehmen. um &#8222;<i>die Interoperabilit\u00e4t der MV-22 Osprey-Flugzeuge zu testen: starten, landen, und die M\u00f6glichkeit diese zu transportieren&#8220;<\/i> ((5)) auf dem spanischen Flugzeugtr\u00e4ger Juan Carlos I, mit Heimathafen in Rota.<\/p>\n<h3>Trident Juncture 2015: Was &#8222;\u00fcben&#8220; die Milit\u00e4rs eigentlich?<\/h3>\n<p>&#8222;&#8218;<i>Trident Juncture 2015&#8242; [ist] eine sehr sichtbare \u00dcbung der Connected Forces Initiative der Atlantischen Allianz&#8220;<\/i>, so das spanische Verteidigungsministerium. Die &#8222;Connected Forces Initiative&#8220; (CFI) wurde auf dem NATO-Gipfel in Chicago 2012 verabschiedet. Sie ist eines der Schl\u00fcsselprogramme, um das Ziel &#8222;NATO-Streitkr\u00e4fte 2020&#8220; zu erreichen. Unter dem Eindruck der eskalierten Krise zwischen der Ukraine und Russland und den gestiegenen Herausforderungen an kollektive Sicherheit im Mittleren Osten und im Norden Afrikas verabschiedete die NATO auf dem NATO-Gipfel in Wales 2014 den &#8222;Readiness Action Plan (RAP)&#8220; und zus\u00e4tzlich sechs weitere Schl\u00fcsselma\u00dfnahmen als Teil der Connected Forces Initiative &#8211; eine davon das Man\u00f6ver Trident Juncture 2015 und ein intensiveres \u00dcbungsprogramm ab 2016.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Trident Juncture 2015 wird die NATO auch zum ersten Mal den Einsatz der neuen <i>Very High Readiness Joint Task Force<\/i> \u00fcben, die auf dem NATO-Gipfel in Wales beschlossen wurde, und deren Kommando im Jahr 2016 der Spanische Staat \u00fcbernehmen wird.<\/p>\n<p>Wie f\u00fcr jede \u00dcbung hat die NATO auch f\u00fcr Trident Juncture ein Szenario. Das sogenannte SOROTAN-Szenario &#8222;<i>beruht auf einer hochkomplexen Bedrohungslage in einer fiktiven Region und stellt die Soldaten mit verschiedenen Bedrohungen wie hybrider Kriegsf\u00fchrung vor vielf\u00e4ltige Herausforderungen&#8220;.<\/i> ((6)) Konkret geht es bei dem Szenario um einen Konflikt zwischen zwei Staaten um Wasser. &#8222;<i>Der Kampf um Trinkwasser facht den Konflikt in der Region Cerasia an. Diese leidet unter W\u00fcstenbildung, Bodenaustrocknung und Streit um Gew\u00e4ssergrenzen. Der Staat Kamon tritt als Aggressor in der Region auf und verweigert ein internationales Schlichtungsverfahren. Um wichtige Staud\u00e4mme in Lakuta einzunehmen, ist Kamon nach S\u00fcden in das Land einger\u00fcckt.<\/i>&#8220; ((7)) Und so, wenn es nach der Logik der NATO geht, braucht es jetzt eine milit\u00e4rische Intervention.<\/p>\n<p>Die NATO betont das w\u00e4hrend Trident Juncture die Lektionen, die aus dem Krieg in Afghanistan gelernt wurden, in die Praxis umgesetzt werden. Trident Juncture wurde bewusst &#8222;<i>als Schl\u00fcsselereignis der NATO<\/i>&#8220; geplant, &#8222;<i>zu einer Zeit in der die NATO nach mehr als einer Dekade sehr intensiver Aufstandbek\u00e4mpfung ihre Ausrichtung verschiebt; wir beginnen damit, unsere Ausrichtung f\u00fcr die derzeitige Sicherheitslage neu zu kalibrieren.<\/i>&#8220; ((8)) Und wo ist SOROTAN? General Hans-Lothar Domr\u00f6se sagt, Kommandant der \u00dcbung: &#8222;<i>Es handelt sich um ein k\u00fcnstliches fiktives Szenario, das in SOROTAN stattfindet, und das ist so eine Art von Teilen Afrikas.&#8220;<\/i> ((9))<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass die NATO in der Einleitung eines Dokumentes \u00fcber das SOROTAN Szenario ((10)) auf eine Studie des Think Tank &#8222;<i>Strategic Foresight Group&#8220;<\/i>, in der es um Wasser-Kooperation und Konflikt geht ((11)). Ist es nur ein Zufall, dass die Debatte um die Rolle des Klimawandels in derzeitigen (und zuk\u00fcnftigen) bewaffneten Konflikten immer intensiver wird ((12)), und dass eine Studie Trockenheit und Klimawandel mit dem Krieg in Syrien in Zusammenhang bringt ((13))?<\/p>\n<p>Dass die NATO durch den Klimawandel verursachte Konflikte als Herausforderung ansieht, ist nicht neu. Das Strategische Konzept der NATO, das auf dem NATO-Gipfel in Lissabon 2010 verabschiedet wurde ((14)), sowie die strategischen Konzepte der USA, der Europ\u00e4ischen Union oder des Spanischen Staates erw\u00e4hnen den Klimawandel als eine zuk\u00fcnftige &#8222;Herausforderung&#8220; f\u00fcr &#8222;kollektive Sicherheit&#8220;. Jetzt wird mit dem Man\u00f6ver Trident Juncture diese Analyse bei einer milit\u00e4rischen \u00dcbung in die Praxis umgesetzt.<\/p>\n<h3>Afrika: mehr als bewaffnete Konflikte und Klimawandel<\/h3>\n<p>Doch die NATO (und andere Staaten) interessieren sich nicht nur f\u00fcr Afrika aufgrund des Konfliktpotentials als Folge des Klimawandels. Der Kontinent ist reich an Bodensch\u00e4tzen. Zum Beispiel an Mineralien, die etwa einem Drittel der weltweiten Reserven entsprechen, und bei einigen wichtigen Mineralien sogar wesentlich mehr: 89% der Platinum-Reserven, 81% Chrom, 61% Magnesium, 60% Kobalt, u.a. ((15)).<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich, so Didier Lluch, Direktor f\u00fcr Erkundungen in Afrika des spanischen multinationalen Konzerns Repsol, auch wenn die L\u00e4nder Afrikas nur 10% zur globalen Erd\u00f6lproduktion beitragen, so &#8222;<i>ist das doch ein Kontinent, auf dem es noch viel zu tun gibt&#8220;<\/i>. Lluch f\u00e4hrt fort, dass &#8222;e<i>s [&#8230;] noch immer gro\u00dfe Gebiete [gibt,] die fast komplett unerkundet sind, so z.B. der Osten Afrikas<\/i>&#8222;, doch auch L\u00e4nder die als entwickelt angesehen werden, wie z.B. Algerien &#8222;<i>sind gro\u00df und verbergen noch immer viele Bodensch\u00e4tze&#8220;<\/i> ((16)).<\/p>\n<p>Auf dem Kontinent ist der Zusammenhang zwischen Bodensch\u00e4tzen, sozialen sowie bewaffneten Konflikten klar &#8211; zus\u00e4tzlich zu schwerwiegenden Umweltsch\u00e4den, die wiederum auch Konflikte ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Jes\u00fas Garc\u00eda-Luengos schreibt in dem Bericht <i>Ausbeutung von Bodensch\u00e4tzen in Afrika: die extraktive Industrie. Hidrokarburate und Mineralien<\/i>: &#8222;<i>Die Auswirkungen der Ausbeutung dieser Bodensch\u00e4tze auf die Gesellschaft und die Gesundheit lokaler Gemeinschaften und auf die Umwelt sind sehr bedeutsam &#8230;. Zus\u00e4tzlich tr\u00e4gt die Kontrolle \u00fcber Bodensch\u00e4tze auch weiterhin zu einem Ansteigen der Instabilit\u00e4t in weiten Teilen Afrikas s\u00fcdlich der Sahara bei, und versch\u00e4rft und verl\u00e4ngert Konflikte. Andere Ressourcen wie z.B. Fischbest\u00e4nde, W\u00e4lder oder landwirtschaftliche Ressourcen &#8211; mit Landraub auf einem hohen Niveau &#8211; sind ebenso \u00fcber-ausgebeutet und ersch\u00f6pft.&#8220; <\/i>((17))<\/p>\n<h3><b>NATO gemeinsam mit der Zivilgesellschaft? Die neuen Kriege der NATO<\/b><\/h3>\n<p>Eine der Lektionen aus den Kriegen in Afghanistan und Irak ist, dass das, was die NATO mit milit\u00e4rischer Macht erreichen kann, begrenzt ist. Und sie sagen das mittlerweile offen. Der &#8222;hybride Krieg&#8220;, von dem die NATO spricht, ist in Wirklichkeit ein &#8222;totaler Krieg&#8220;, der alle Aspekte der Gesellschaft mit einbezieht. Auf milit\u00e4rischer Ebene beinhaltet &#8222;hybrid&#8220; &#8222;kybernetische Kriege&#8220;, mehr &#8222;militaristische Aufkl\u00e4rung&#8220;, den Einsatz neuer Technologien wie z.B. Dronen f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung und f\u00fcr das T\u00f6ten der vermeintlichen Gegner_innen &#8211; mit zahlreichen &#8222;<i>kollateralen Opfern&#8220;<\/i>, wie wir seit Jahren in Afghanistan, Pakistan, Jemen und in zahlreichen anderen L\u00e4ndern, in denen die USA ihre Dronen einsetzen, beobachten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Teil der \u00dcbung Trident Juncture ist dann auch der &#8222;<i>Kampf um die Narrative&#8220;<\/i> oder &#8222;<i>das Arbeiten innerhalb einer Informationsumgebung, die risikoreich ist, sowohl in den Heimatl\u00e4ndern als auch in der Region in der die Intervention stattfindet.<\/i>&#8220; ((18))<\/p>\n<p>Propaganda ist ein integraler Teil der Kriegsf\u00fchrung. Sowohl der Konflikt in der Ukraine als auch der Krieg in Syrien zeigen, dass es in einem Kontext mit massiver Propaganda von verschiedenen Konfliktakteuren es auch f\u00fcr Antimilitarist_innen schwieriger wird, eine unabh\u00e4ngige Perspektive zu entwickeln. Die NATO arbeitet daran, dies in der Zukunft noch schwerer zu machen.<\/p>\n<p>Heutzutage gibt die NATO zu, dass sie mit milit\u00e4rischen Mitteln keinen Frieden schaffen kann. Im Juli 2015 betonte General Hans-Lothar Domr\u00f6se, Kommandant der \u00dcbung, dass die Schaffung von Frieden &#8222;<i>nur m\u00f6glich ist mit internationalen Organisationen und mit gro\u00dfen Organisationen wie dem Roten Kreuz, humanit\u00e4rer Hilfe, und mit einer wirklich einflussreichen EU&#8220;<\/i> ((19)). Deshalb haben bei den neuen Formen der Kriegsf\u00fchrung der NATO die zivilen Institutionen eine Schl\u00fcsselrolle. In einer ersten Version der Information zu Trident Juncture, die auf der Webseite der NATO ver\u00f6ffentlicht war, hie\u00df es: &#8222;<i>Ziel der Beteiligung von Internationalen Organisationen\/NGO\/Regierungsorganisationen an der \u00dcbung ist die F\u00e4higkeit der NATO mit wichtigen zivilen Akteuren zu interagieren zu verbessern.&#8220;<\/i> Die Liste der Organisationen, die urspr\u00fcnglich \u00f6ffentlich war, beinhaltete die Europ\u00e4ische Union, das Internationale Komitee des Roten Kreuzes und zahlreiche UN-Agenturen ((20)), sowie eine Liste von Nichtregierungsorganisationen (NGO) &#8211; &#8222;<i>Save the Children, Assist\u00eancia M\u00e9dica Internacional Foundation (AMI), Human Rights Watch (HRW), M\u00e9decins Sans Fronti\u00e8res (MSF)&#8220;<\/i> sowie staatlicher humanit\u00e4rer Agenturen und die Afrikanische Union (letztere als Beobachter) ((21))<\/p>\n<p>Die Beteiligung zahlreicher UN-Einrichtungen, der EU oder staatlicher Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit \u00fcberrascht nicht, ebenso wenig die Teilnahme des Roten Kreuzes. Doch die Teilnahme von einigen NGO schon. Tats\u00e4chlich ist die Einbindung von NGO und der &#8222;Zivilgesellschaft&#8220; durch die NATO extrem beunruhigend. Gl\u00fccklicherweise informierten \u00c4rzte ohne Grenzen (<i>M\u00e9decins Sans Fronti\u00e8res<\/i>) einen ihrer Unterst\u00fctzer, dass &#8222;<i>alles ein Fehler der NATO auf deren Webseite ist, und wir erfuhren davon nur durch zahlreiche Nachrichten von unseren Unterst\u00fctzer_innen wie die ihre<\/i>&#8220; ((22)). Tats\u00e4chlich war die Erw\u00e4hnung von \u00c4rzten ohne Grenzen eine \u00dcberraschung; die Organisation hat die Versuche der NATO, humanit\u00e4re NGO in ihre Strategie in Afghanistan einzubeziehen, scharf kritisiert. Und was sagen Human Rights Watch oder Save the Children? Wie rechtfertigen sie ihre Teilnahme an einer Milit\u00e4r\u00fcbung?<\/p>\n<p>F\u00fcr Antimilitarist_innen wissen, dass man mit den Mitteln des Krieges keinen Frieden schaffen kann. Wir k\u00f6nnten sagen das es gut ist, dass jetzt auch die NATO diese Lektion lernt. Doch wenn die NATO dies so sagt, dann sollten wir uns Sorgen machen. Das bedeutet nicht, dass die NATO jetzt einen Weg der Abr\u00fcstung einschlagen wird und die F\u00fchrungsrolle den zivilen Institutionen \u00fcberlassen wird. Im Gegenteil: die NATO bem\u00fcht sich um eine Vereinnahmung der zivilen Institutionen und der NGO, um sie in ihre milit\u00e4rische Strategie zu integrieren, die die NATO dann auch auf die Arbeit der zivilen Institutionen und der NGO anwenden will, wie verschiedene NGO bereits w\u00e4hrend des Krieges in Afghanistan kritisierten ((23)).<\/p>\n<h3>Und Russland?<\/h3>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte NATO-Man\u00f6ver seit mehr als einem Jahrzehnt wurde auch geplant, um eine Nachricht an Russland zu schicken. Es ist wahrscheinlich, dass die Ausweitung der Zahl der beteiligten Truppen von den urspr\u00fcnglich geplanten 20-25.000 Soldat_innen auf mehr als 36.000 Soldat_innen mit der Krise in der Ukraine und Aufheizen des Konfliktes zwischen der NATO und Russland zusammen h\u00e4ngt. In diesem Zusammenhang ist die Teilnahme der Ukraine &#8211; die formal kein Mitgliedsstaat der Allianz ist &#8211; bedeutsam. Trident Juncture dient dazu, Russland die milit\u00e4rische St\u00e4rke (und den Willen) der NATO zu demonstrieren und die Zusammenarbeit mit den Streitkr\u00e4ften der Ukraine zu trainieren.<\/p>\n<p>Trotzdem, die zentrale Nachricht ist nicht f\u00fcr Russland, und noch weniger f\u00fcr den Islamischen Staat, Al-Kaida oder Boko Haram. Es ist wahrscheinlich, dass die zentrale Nachricht an China gerichtet ist, ein Land, das starke wirtschaftliche und geostrategische Interessen in Afrika hat. China investiert stark in L\u00e4ndern Afrikas und konstruiert Infrastruktur, um sich selbst die nat\u00fcrlichen Ressourcen des Kontinentes zu sichern. Die National Petroleum Corporation of China bezieht fast alles \u00d6l aus \u00d6lfeldern im Sudan und im S\u00fcdsudan ((24)). China beteiligt sich auch mit Milit\u00e4rs an der UN-Mission im S\u00fcdsudan. Das ist das erste Mal, dass sich China mit Milit\u00e4reinheiten &#8211; 700 Soldat_innen mit Drohnen, Anti-Panzer-Raketen und anderen Waffen &#8211; an einer Milit\u00e4rintervention in Afrika beteiligt ((25)). Auch wenn China der Staat ist, der am meisten zu den Friedensmissionen der Vereinten Nationen beitr\u00e4gt, &#8222;<i>so handelt es sich dabei im wesentlichen um Ingenieure, medizinisches Personal, Transport- und Wachpersonal&#8220;<\/i>, sagt Chema Caballero in einem Blogbeitrag in El Pais. &#8222;<i>Nie zuvor hat China bewaffnete Kr\u00e4fte entsandt, wenn wir das eine oder andere Elitebatallion in Mali oder S\u00fcdsudan zum Schutz des eigenen Personals ausschlie\u00dfen. Seltsamerweise ist das erste Mal, das China dies tut, im S\u00fcdsudan, und wir m\u00fcssen uns fragen warum.<\/i>&#8220; ((26)) Jetzt verhandelt das Land \u00fcber eine Milit\u00e4rbasis in Djibouti ((27)).<\/p>\n<p>Chema Caballero fasst das so zusammen: &#8222;<i>Es w\u00e4re auch nicht \u00fcberraschend wenn wir in den kommenden Jahren Zeugen einer gr\u00f6\u00dferen milit\u00e4rischen Pr\u00e4senz des asiatischen Giganten in Afrika werden w\u00fcrden, mit der Begr\u00fcndung der Unterst\u00fctzung von UN-Missionen, zum Beispiel.<\/i>&#8220; ((28))<\/p>\n<p>Bereits heute haben zahlreiche der bewaffneten Konflikte in Afrika zumindest als einen wichtigen Aspekt die Kontrolle \u00fcber nat\u00fcrliche Ressourcen &#8211; Wasser, Mineralien, \u00d6l und Gas. Afrika ist ein Kontinent, auf dem noch nicht alle Ressourcen zwischen den Hauptakteuren der globalisierten Welt aufgeteilt wurden. Auf dem Kontinent findet eine heftige Konkurrenz um den Zugang zu und die Kontrolle von nat\u00fcrlichen Ressourcen statt, mit China als einem der wichtigsten Akteure, die mit den US-amerikanischen und europ\u00e4ischen multinationalen Konzernen konkurrieren. Auch wenn die milit\u00e4rische Pr\u00e4senz Chinas im Vergleich zu den USA oder den alten Kolonialm\u00e4chten Frankreich und Vereinigtes K\u00f6nigreich noch eher klein ist, so kann doch das NATO-Man\u00f6ver als eine Nachricht an China verstanden werden, dass die NATO es nicht akzeptieren wird, dass sich China in Afrika als Milit\u00e4rmacht etabliert.<\/p>\n<h3>Der spanische Staat: Speerspitze der NATO<\/h3>\n<p>In den Machtspielen im Zusammenhang mit Afrika hat der Spanische Staat eine wichtige Rolle, und zus\u00e4tzlich hat er seine eigenen milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Interessen. Tats\u00e4chlich ist der Spanische Staat auf dem Kontinent mit den eigenen Streitkr\u00e4ften sehr aktiv, sowohl in UN-Missionen, in Interventionen der Europ\u00e4ischen Union, sowie in bilateralen Kooperationen mit afrikanischen Staaten wie z.B. Mauretanien ((29)).<\/p>\n<p>In Wirklichkeit fanden und finden die gro\u00dfe Mehrheit der spanischen Milit\u00e4rinterventionen auf dem afrikanischen Kontinent oder im Nahen Osten statt ((30)).<\/p>\n<p>Doch der Spanische Staat ist auch Speerspitze aufgrund der N\u00e4he zum Kontinent, und aufgrund seiner milit\u00e4rischen und zivilen Infrastruktur. Zum Beispiel hat sich der Hafen von Las Palmas auf den Kanarischen Inseln in &#8222;<i>eine strategische Basis f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe<\/i>&#8220; f\u00fcr Afrika durch das Rote Kreuz, das Weltern\u00e4hrungsprogramm der Vereinten Nationen und von USAID verwandelt ((31)), die sich an der NATO-\u00dcbung Trident Juncture 2015 beteiligen.<\/p>\n<p>Eine Schl\u00fcsselrolle in der milit\u00e4rischen Strategie f\u00fcr Afrika spielt die US-Basis in Mor\u00f3n de la Frontera in Andalusien, wo Spezialkr\u00e4fte der US-Marines unter dem Kommando von AFRICOM stationiert sind ((32)). Vor wenigen Monaten haben der Spanische Staat und die USA ein Abkommen \u00fcber die Aufstockung des Personals der Basis auf bis zu 3.000 Soldat_innen unterzeichnet ((33)). Es \u00fcberrascht nicht, dass die Marines von Mor\u00f3n auch an der NATO-\u00dcbung teilnehmen werden. Die Marinebasis Rota ist eine andere wichtige Basis. Sie dient als Unterst\u00fctzungsbasis f\u00fcr alle US-Navy-Einheiten in Europa und Afrika, und vor allem f\u00fcr die 6. Flotte. Zus\u00e4tzlich bietet die Basis logistische und Notfallunterst\u00fctzung f\u00fcr alle US- und NATO-Streitkr\u00e4fte ((34)). Und als Hauptquartier der spanischen Marine dient Rota im Jahr 2015 als Hauptquartier der Marinekomponente der NATO-Eingreiftruppe.<\/p>\n<p>Andere wichtige Infrastruktureinrichtugnen beinhalten die britische Marinebasis in Gibraltar sowie verschiedene Milit\u00e4rbasen und Milit\u00e4reinheiten der spanischen Streitkr\u00e4fte. Spanien beheimatet auch ein <i>High Readiness Force Land Headquarters<\/i> der NATO in Betera (Valencia) &#8211; dieses Hauptquartier wird w\u00e4hrend der NATO-\u00dcbung Trident Juncture 2015 die Zertifizierung als Hauptquartier der neuen Very High Readiness Forces der NATO erhalten, und wird diese Einheiten mi Jahr 2016 kommandieren.<\/p>\n<h3>Widerstand!<\/h3>\n<p>Aufgrund der hohen Bedeutung des Man\u00f6vers Trident Juncture 2015 bereiten eine Reihe von Gruppen Protest- und Widerstandsaktionen vor. Aus den Reihen der pazifistischen und antimilitaristischen Bewegung Andalusiens gibt es Initiativen, Aktionen Zivilen Ungehorsams in Barbate (<i>Amphibischer Truppen\u00fcbungsplatz Sierra del Ret\u00edn<\/i>) zu organisieren, mit Unterst\u00fctzung von Alternativa Antimilitarista.MOC auf der Ebene des Spanischen Staates und des Europ\u00e4ischen Antimilitaristischen Netzwerks. Andere Gruppen organisieren Protestaktionen in Zaragoza (<i>Nationales \u00dcbungszentrum San Gregorio<\/i>) und in Barcelona.<\/p>\n<p>Es ist wahrscheinlich, dass im September und Oktober noch weitere Protestaktionen und Aktionen Zivilen Ungehorsams geplant und angek\u00fcndigt werden. Mit einem so wichtigen und bedrohenden NATO-Man\u00f6ver vor unserer Haust\u00fcr muss sich die antimilitaristische Bewegung wieder organisieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das bedeutet, dass w\u00e4hrend der CPX-Phase die Milit\u00e4rs in ihren Kasernen (oder Kommandozentren) spielen werden, und w\u00e4hrend LIVEX kommen sie raus und werden mit ihren Panzern, Kampfflugzeugen, Kriegsschiffen in unserer Umgebung \u00fcben; 36.000 Soldat_innen aus mehr als 30 L\u00e4ndern. 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