{"id":14972,"date":"2015-11-01T00:00:00","date_gmt":"2015-10-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/11\/traeume-brauchen-raeume\/"},"modified":"2022-07-26T14:12:00","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:00","slug":"traeume-brauchen-raeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/11\/traeume-brauchen-raeume\/","title":{"rendered":"Tr\u00e4ume brauchen R\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p><b>Graswurzelrevolution: In M\u00fcnster gibt es eine lange Tradition von Hausbesetzungen. Die erste fand 1972 mit der Besetzung der Grevener Stra\u00dfe 31 statt. Ein Grund war die gro\u00dfe Wohnungsnot, auch unter den Studierenden. Das Haus wurde legalisiert. Der damalige linke AStA hat zusammen mit der Stadt verhandelt und durchgesetzt, dass die Grevener 31 vom AStA als Verwalter und den BewohnerInnen in Selbstverwaltung \u00fcbernommen wird. Das Haus existiert immer noch und ist Teil der alternativen Szene. Kurz darauf, 1973, wurde die Frauenstra\u00dfe 24 besetzt. Ein Haus, das bis zur Legalisierung 1981 besetzt war. In M\u00fcnster gab es zig weitere Besetzungen, die leider meistens mit R\u00e4umung endeten ((2)). Die letzte 2011 in der Gravertstra\u00dfe. Und jetzt ist das ehemalige Hauptzollamt in der Sonnenstra\u00dfe 85 besetzt. Wie ist es dazu gekommen? Warum habt Ihr das Haus besetzt?<\/b><\/p>\n<p><i>Emma: <\/i>Ein aktueller Anlass ist, dass es in M\u00fcnster kaum R\u00e4ume gibt f\u00fcr Gruppen und Einzelpersonen, die etwas Selbstbestimmtes, Nicht-Kommerzielles machen wollen im kulturellen, k\u00fcnstlerischen Bereich. Gruppen in solchen, antikapitalistischen Kontexten haben kaum einen Raum.<\/p>\n<p><i>Marion:<\/i> Aber auch: In der Nachbarschaft gibt es meist wenig M\u00f6glichkeiten zusammenzukommen, au\u00dfer im Caf\u00e9, wo es dann oft Konsumzwang gibt. Es fehlt ein Ort, an dem Menschen einfach zusammen schauen k\u00f6nnen, wie sie zusammenleben wollen und einen angenehmen Umgang miteinander finden.<\/p>\n<p><i>Mikky:<\/i> Zudem stehen in M\u00fcnster laut DGB-Leerstandsmelder \u00fcber 600 Geb\u00e4ude leer. Viel Leerstand bleibt ungenutzt. Wir verstehen die Besetzung auch als Forderung, den Leerstand zu nutzen. Es werden nicht nur soziale und kulturelle Freir\u00e4ume ben\u00f6tigt, sondern auch R\u00e4ume, wo politische Organisation von unten stattfinden kann. G\u00fcnstiger Wohnraum, auch f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen. Wir verstehen uns als Teil des Kampfes um die Stadt, darum, wie die Stadt genutzt wird.<\/p>\n<p><i>Marion:<\/i> Wobei ich das so sehe, dass bei uns der Fokus weniger auf Wohnraum liegt. Wir haben nicht vor, das zum Wohnprojekt zu machen. Es gibt gen\u00fcgend andere H\u00e4user, die daf\u00fcr genutzt werden k\u00f6nnten. Vorwiegend geht es uns darum, ein Soziales Zentrum aufzubauen.<\/p>\n<p><b>GWR: Wie habt Ihr die ersten Tage erlebt und empfunden? Ist es etwas ganz anderes als &#8222;normal&#8220; zu wohnen?<\/b><\/p>\n<p><i>Marion:<\/i> Ich habe gemerkt, dass sehr viel mit mir passiert ist. Ich habe gemerkt, dass das ein wirklicher Freiraum ist, der auf mich wirkt. Viele Leute ergreifen einfach die Initiative und nehmen Sachen in die Hand. Es steckt eine besondere Energie in diesem Haus und viele Leute bringen sich ein.<\/p>\n<p><i>Mikky:<\/i> Als wir reingekommen sind, war das Haus leer. Mittlerweile haben wir eine funktionierende K\u00fcche, wo wir Kochen und Backen k\u00f6nnen. Wir haben eine Theke, wo wir schon Kneipenabende gemacht haben, die sehr gut besucht waren. Wir haben einen Werkzeugraum, wir haben einen Bastelraum, wo extrem viel Kreatives entstanden ist, wir haben ein Arbeitszimmer eingerichtet, wo schon Menschen zum Studieren hingekommen sind, wo Texte geschrieben worden sind, wir haben einen Leseraum, wo Menschen sich B\u00fccher und Brosch\u00fcren ausleihen und lesen k\u00f6nnen. Das Haus wird rege gestaltet. Es gibt einen Proberaum im Keller in Planung, es gibt viel Bedarf an dem Raum.<\/p>\n<p><i>Marion: <\/i>Auch der Garten ist sch\u00f6n und wurde schon eingeweiht mit Grillen. Vielleicht ungew\u00f6hnlich f\u00fcr eine Hausbesetzung: Es wurde auch schon Rasen gem\u00e4ht.<\/p>\n<p><b>GWR: Gibt es eine B\u00fcndnispolitik und Vernetzung? Wie sehen Eure weiteren Pl\u00e4ne aus?<\/b><\/p>\n<p><i>Mikky:<\/i> Unser Plan ist zu bleiben. Unser Plan ist weiter zu machen. Unser Plan ist es, hier das soziale und kulturelle Zentrum weiter zu entwickeln und aufzubauen. Vernetzungsarbeit findet statt. Wir haben uns mit lokalen Gruppen in M\u00fcnster vernetzt. Es wurden auch schon Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rungen gemacht.<\/p>\n<p>Wir haben auch \u00fcberregionale Vernetzungen mit Leuten aus Essen, Dortmund,&#8230; Aus Potsdam waren Personen da, die da in H\u00e4userk\u00e4mpfe involviert sind. Das ist uns ein wichtiges Anliegen, um sonstige K\u00e4mpfe um die Stadt, um Partizipation innerhalb der Stadt mit einzubeziehen.<\/p>\n<p><b>GWR: Am 12.10. schrieb die WN \u00fcber die Besetzung: &#8222;Der ordnungspolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion, Stefan Leschniok, forderte die Bundesanstalt f\u00fcr Immobilienaufgaben und die Stadt M\u00fcnster via Facebook auf, das \u201avon Linksradikalen besetzte Hauptzollamt umgehend von der Polizei r\u00e4umen zu lassen&#8216;. Rechtsfreie R\u00e4ume d\u00fcrfe es in der Stadt nicht geben.&#8220; Was sagt Ihr dazu?<\/b><\/p>\n<p><i>Marion:<\/i> Na ja, dieses Zitat kommt nicht \u00fcberraschend. Aber die Meinung von diesem Menschen halte ich nicht f\u00fcr wichtiger als die von jeder anderen Person. Besonders auch von den Menschen, die in der N\u00e4he des Zollamts wohnen, haben wir viel Unterst\u00fctzung erfahren.<\/p>\n<p>Es kommen viele AnwohnerInnen vorbei, bringen Spenden, trinken Kaffee mit uns und halten sich in unseren R\u00e4umen auf, die ja auch ihre sein sollen. Wir sollten uns von so einem Politiker-Statement nicht verunsichern lassen.<\/p>\n<p><b>GWR: K\u00f6nnt Ihr noch mehr zu den Reaktionen aus der Bev\u00f6lkerung erz\u00e4hlen?<\/b><\/p>\n<p><i>Emma:<\/i> Die meisten Reaktionen sind ziemlich positiv. Es gibt viele Menschen, die begeistert sind von dem Projekt. Das kommt auch daher, dass die Leute im Umfeld des Zollamtes das Haus ja kennen. Sie wissen, dass es seit Jahren leer steht und fragen sich wahrscheinlich auch, was es damit auf sich hat. Dann ist eine Nutzung durch eine Gruppe eine gute Sache. Au\u00dferdem machen wir das AnwohnerInnen-Caf\u00e9, das positiv angenommen wurde.<\/p>\n<p><b>GWR: Das h\u00f6rt sich gut an. In der Lokalpresse war die Reaktion allerdings zwiesp\u00e4ltig. Die WN hat am 13.10. die Besetzung u.a. mit folgendem Satz kommentiert: &#8222;Hausfriedensbruch bleibt Hausfriedensbruch. Anarchistisch angehauchte Sozialromantiker, junge wie alte, m\u00fcssen ihre Abenteuerlust nicht in leeren Zollgeb\u00e4uden austoben.&#8220; Was sagt Ihr dazu?<\/b><\/p>\n<p><i>Emma:<\/i> Ja, das ist eine gewisse Gleichsetzung der BesetzerInnen mit Einbr\u00fcchen oder Diebst\u00e4hlen im Allgemeinen. Ich sehe das anders. Das Haus ist ja kein Privateigentum einer Person oder einer Familie, sondern Eigentum der Bundesanstalt f\u00fcr Immobilienaufgaben (BImA), die eigentlich die Aufgabe hat \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude zu verwalten. Dem ist sie nicht nachgekommen. Wir denken, dass die Besetzung eines \u00f6ffentlichen Raumes okay ist und dieses Zitat &#8222;Einbruch bleibt Einbruch&#8220; zieht da nicht richtig.<\/p>\n<p><i>Mikky:<\/i> Emma hat ja gerade schon gesagt, dass eigentlich eine Kriminalisierung stattfindet von Eigeninitiative von Menschen, die in der Stadt leben.<\/p>\n<p>Es wird renoviert, es wird geputzt und instandbesetzt.<\/p>\n<p>Es handelt sich nicht um Zerst\u00f6rung, sondern darum, sich den Raum zu nehmen, der den Menschen zusteht. Ihn zu nutzen, nach eigenen W\u00fcnschen und Bed\u00fcrfnissen.<\/p>\n<p><b>GWR: Das Zitat &#8222;anarchistisch angehaucht&#8220; des WN-Redakteurs impliziert ja wahrscheinlich aus WN-Sicht &#8222;anarchistisch&#8220; als Synonym f\u00fcr &#8222;chaotisch&#8220;. Was versteht Ihr unter &#8222;anarchistisch&#8220; und unter &#8222;Anarchie&#8220;?<\/b><\/p>\n<p><i>Mikky:<\/i> Anarchie bedeutet Herrschaftsfreiheit und Anarchismus, dass man nach Herrschaftsfreiheit strebt, dass alle Menschen sich beteiligen k\u00f6nnen, dass nach dem Prinzip der Konsensfindung agiert wird. Das hei\u00dft: alle Stimmen werden geh\u00f6rt. Es gibt nicht Menschen oder Institutionen, die mehr wiegen. Das bedeutet: Anarchismus ist etwas Positives, auch wenn das im Volksmund als etwas Negatives gesehen wird. Das Haus an sich versteht sich aber nicht als anarchistisches Kollektiv. Es gibt viele Menschen, die da zusammenkommen. Wir sind breit aufgestellt. Wenn gesagt wird, dass das anarchistisch ist, dann bedeutet das f\u00fcr uns erstmal, dass sich alle beteiligen k\u00f6nnen, die das m\u00f6gen und dass nicht-hierarchische Strukturen aufgebaut werden. Von daher kann das eigentlich als Kompliment verstanden werden.<\/p>\n<p><b>GWR: Ich zitiere einen weiteren CDU-Politiker, aus der WN vom 14.10.2015: &#8222;Angesichts der Besetzung des seit Jahren leer stehenden Hauptzollamtes fragt der CDU-Kreisvorsitzende Josef Rickfelder, warum das Geb\u00e4ude nicht als Fl\u00fcchtlingsunterkunft genutzt werde. Es sei nicht vermittelbar, dass die Kommunen teilweise auf Turnhallen zur\u00fcckgreifen m\u00fcssten, \u201aaber eine solche Immobilie ungenutzt&#8216; bleibe.&#8220; Was sagt Ihr zu diesem Versuch, Euch gegen gefl\u00fcchtete Menschen auszuspielen?<\/b><\/p>\n<p><i>Mikky:<\/i> Der Rickfelder hat Recht, dass es nicht verst\u00e4ndlich ist, dass es so viel Leerstand gibt und eigentlich Unterk\u00fcnfte gebraucht werden f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen und die stattdessen teilweise in Zelten oder Turnhallen untergebracht werden. Die Frage ist, warum Rickfelder und der Stadtpolitik diese Frage jetzt erst einf\u00e4llt. Dass die Fl\u00fcchtlingszahlen steigen, l\u00e4sst sich seit 2008 absehen. Und es gibt auch viele Wohnungslose in M\u00fcnster. Warum wird daf\u00fcr der Leerstand nicht genutzt? Wir sind sehr daf\u00fcr, den Leerstand zu nutzen f\u00fcr Menschen, die Wohnraum brauchen. Zum Beispiel steht auch das Geb\u00e4ude direkt neben dem Zollamt leer. Dort kann eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft eingerichtet werden, wo ein Soziales Zentrum direkt nebenan von Vorteil w\u00e4re. Hier ist ein Anlaufpunkt f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen, weil Menschen, die nach Deutschland gefl\u00fcchtet sind, nicht nur eine Unterkunft brauchen. Sie m\u00fcssen auch soziale und kulturelle Teilhabe finden k\u00f6nnen. Von daher sehen wir nicht, dass es da einen Widerspruch gibt zwischen Leerstand nutzen f\u00fcr Gefl\u00fcchteten-Unterk\u00fcnfte und f\u00fcr soziale, selbstverwaltete Zentren.<\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis gegen Abschiebungen hat am 16.10. ein Statement ver\u00f6ffentlicht, wo sie darauf eingehen wie Leerstand genutzt werden k\u00f6nnte, aber auch ein Soziales Zentrum gebraucht wird. ((3))<\/p>\n<p><b>GWR: Seht Ihr die besetzte Sonnenstra\u00dfe eher als tempor\u00e4re autonome Zone oder auch als l\u00e4ngerfristiges Projekt, mit dem dann ein Soziales Zentrum durchgesetzt werden kann, wie es ja in anderen St\u00e4dten gelungen ist? Wie zum Beispiel in Oldenburg mit dem Selbstverwalteten Kultur- und Kommunikationszentrum Alhambra ((4)), das letztlich gekauft und dem Kapitalmarkt entzogen werden konnte? Wie sch\u00e4tzt Ihr das ein?<\/b><\/p>\n<p><i>Marion:<\/i> Wir w\u00fcrden auf jeden Fall gerne so weiter machen wie bisher, die Energie und die vielen R\u00e4ume nutzen, die wir da haben. Es gibt viele M\u00f6glichkeiten, die sich da bieten w\u00fcrden. Anderseits sehen wir uns als akut r\u00e4umungsbedroht. Gerade jetzt ist es wichtig, dass viele Menschen vorbeikommen, Anteil nehmen, sich im Haus einbringen, einfach da sind.<\/p>\n<p>Aber auch, wenn sie nicht da sind, Leuten davon erz\u00e4hlen, uns unterst\u00fctzen. Wir freuen uns \u00fcber jede Solidarit\u00e4tsaktion.<\/p>\n<p><i>Emma:<\/i> Die Energie, die in dieser Tempor\u00e4ren Autonomen Zone entstanden ist, die Dynamik, die da entsteht, wird, glaube ich, auch in der Stadt bleiben, wenn das Zollamt irgendwann ger\u00e4umt ist. Vielleicht wird das langfristig einen Effekt haben auf die Stadtpolitik und -entwicklung und die Frage nach dem Recht auf Stadt und wie wir uns da einbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><i>Mikky:<\/i> Es wurde Strafanzeige gegen die BesetzerInnen gestellt. Es wurde von CDU-Politikern und der BImA gefordert, das Geb\u00e4ude zu r\u00e4umen.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass Leerstand der Eigeninitiative vorgezogen wird, dass das Engagement der Menschen kriminalisiert wird.<\/p>\n<p>Wenn ger\u00e4umt und Strafanzeige gestellt wird, bedeutet das Repression, Strafverfolgung, Verurteilung, die Konsequenzen haben f\u00fcr die Menschen, die sich da engagieren. Wir versuchen mit der R\u00e4umungsdrohung umzugehen, aber wir wollen bleiben und sind \u00fcberzeugt von unserem Vorhaben.<\/p>\n<p><b>GWR: Das Haus ist ein Freiraum, den Ihr jetzt erk\u00e4mpft habt und der gef\u00fcllt wird mit Inhalten. Vielleicht ist es auch ein St\u00fcck gelebte Herrschaftslosigkeit, gelebte Utopie? Da w\u00e4re die Frage: Was ist Eure Utopie? Wie s\u00e4he die aus?<\/b><\/p>\n<p><i>Mikky:<\/i> Es kommen viele verschiedene Utopien zusammen im Haus, weil viele verschiedene Menschen zusammenkommen. Wegweisend ist, dass die Menschen, die vor Ort, selber entscheiden k\u00f6nnen, was sie brauchen. Es gibt Raum f\u00fcr Kultur und politische Beteiligung.<\/p>\n<p>Das ist Teil einer Utopie, in der Menschen selbst entscheiden k\u00f6nnen innerhalb der Zusammenh\u00e4nge, die sie betreffen. Das ist immer auch bedingt von Strukturen und strukturellen Bedingungen. Das darf man nicht au\u00dfer acht lassen. Aber gleichzeitig kann im Zollamt schon gesehen werden, wie viel Kreativit\u00e4t und Energie entsteht, wenn es die M\u00f6glichkeit gibt f\u00fcr Selbstbestimmung.<\/p>\n<p><i>Marion:<\/i> Ich finde, dass sichtbar wird, dass Leute sich einen anderen Umgang sowohl von der Politik als auch in der Stadt w\u00fcnschen. Aber auch einfach, wie zusammen gearbeitet wird. Dass alle Menschen ernst genommen werden. Dass versucht wird einen fehlerfreundlichen Raum aufzubauen, dass Leute unterst\u00fctzt werden, dass offen miteinander gesprochen wird, auch wie es Menschen gerade geht. Dass aufeinander geachtet wird, dass es m\u00f6glichst allen in diesem Raum gut geht. Das spielt eine gro\u00dfe Rolle und hat auch schon etwas Utopisches.<\/p>\n<p><i>Emma:<\/i> Utopie ist etwas Pers\u00f6nliches, aber es gibt gewisse Grundannahmen, wie die angestrebte Herrschaftsfreiheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>GWR: Was w\u00fcnscht Ihr euch von den LeserInnen der Graswurzelrevolution? Wie k\u00f6nnen die Euch und die Hausbesetzung unterst\u00fctzen? <\/b><\/p>\n<p><i>Mikky:<\/i> Lasst uns wissen, was Eure Ideen und W\u00fcnsche sind. Kontaktiert uns. ((5)) Wir haben einen Twitter-Account, da k\u00f6nnt Ihr euch Infos holen ((6)). Schreibt uns, was Ihr denkt. Schickt uns Solidarit\u00e4tsgr\u00fc\u00dfe. Wendet Euch an die BImA und erkl\u00e4rt ihr, warum es wichtig ist, dass das Zollamt ein Soziales Zentrum bleibt ((7)). Erkl\u00e4rt, warum Ihr gegen eine R\u00e4umung seid, wendet Euch auch an lokale PolitikerInnen. Auch wenn Ihr einfach mal auf einen Kaffee vorbeigucken wollt oder sehen wollt, wer da alles so unterwegs ist, kommt vorbei und sprecht mit uns.<\/p>\n<p><b>GWR: Wie trefft Ihr Entscheidungen? Wie sieht der Alltag in der Sonnenstra\u00dfe aus? <\/b><\/p>\n<p><i>Marion:<\/i> Es gibt jeden Morgen um 11 Uhr ein Plenum, da k\u00f6nnen immer auch Leute dazu kommen, aber nat\u00fcrlich sind auch die Leute da, die zurzeit im Haus \u00fcbernachten. Da werden Entscheidungen im Konsens getroffen. Ansonsten stehen auch die Arbeiten an, die in jeder anderen Wohnung anfallen, wie Klos putzen, Sp\u00fclen, Kochen, Aufr\u00e4umen. Da k\u00f6nnen immer auch Leute mithelfen. Essensspenden, Putzmittelspenden und so weiter sind auch immer gut.<\/p>\n<p><i>Emma:<\/i> Ansonsten gibt es t\u00e4glich Veranstaltungen und die m\u00fcssen vorbereitet werden. Da m\u00fcssen sich Leute finden, die das durchziehen. Ansonsten organisiert sich das Leben ziemlich viel \u00fcber AGs, die bestimmte Lebensbereiche organisieren.<\/p>\n<p><i>Mikky:<\/i> Wir haben schon kurz \u00fcber Gefl\u00fcchtete gesprochen. Die BesetzerInnen werden gerade kriminalisiert, das bedeutet f\u00fcr Gefl\u00fcchtete erst recht Repression, wenn die sich im Geb\u00e4ude aufhalten und dort zum Beispiel von der Polizei gesehen oder verzeichnet werden.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen uns dort auch einen Begegnungsort f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen und Menschen ohne Fluchthintergrund schaffen zu k\u00f6nnen. Das k\u00f6nnen wir unter den aktuellen Umst\u00e4nden aber noch nicht, aufgrund der Strukturen, die wir nicht einfach aufl\u00f6sen k\u00f6nnen innerhalb des Hauses.<\/p>\n<p><i>Emma:<\/i> Trotzdem probieren wir das aus. Das macht eine Hausbesetzung auch aus, zu sehen wie es halt auch anders gehen kann.<\/p>\n<p><b>GWR: Ein Ausblick? Was w\u00fcnscht Ihr euch f\u00fcr die Zukunft? <\/b><\/p>\n<p><i>Mikky:<\/i> Wir wollen bleiben \u2026<\/p>\n<p><i>Emma:<\/i> \u2026 und, dass ganz viele H\u00e4user besetzt werden \u2026<\/p>\n<p><i>Marion:<\/i> \u2026 und es so weiter geht.<\/p>\n<p><b>GWR: Herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graswurzelrevolution: In M\u00fcnster gibt es eine lange Tradition von Hausbesetzungen. Die erste fand 1972 mit der Besetzung der Grevener Stra\u00dfe 31 statt. Ein Grund war die gro\u00dfe Wohnungsnot, auch unter den Studierenden. Das Haus wurde legalisiert. 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