{"id":14974,"date":"2015-11-01T00:00:00","date_gmt":"2015-10-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2015\/11\/ein-aussenseiter-wie-alle-anarchisten\/"},"modified":"2022-07-26T14:11:59","modified_gmt":"2022-07-26T12:11:59","slug":"ein-aussenseiter-wie-alle-anarchisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2015\/11\/ein-aussenseiter-wie-alle-anarchisten\/","title":{"rendered":"&#8222;Ein Au\u00dfenseiter, wie alle Anarchisten&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_15000\" aria-describedby=\"caption-attachment-15000\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-15000\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/helga_wolfgang.jpg\" alt=\"Helga Weber und Wolfgang Zucht (Foto: Ilka Anger)\" width=\"400\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/helga_wolfgang.jpg 400w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/helga_wolfgang-300x224.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/helga_wolfgang-132x99.jpg 132w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/helga_wolfgang-31x23.jpg 31w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/helga_wolfgang-38x28.jpg 38w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/helga_wolfgang-288x215.jpg 288w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/helga_wolfgang-150x112.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15000\" class=\"wp-caption-text\">Helga Weber und Wolfgang Zucht (Foto: Ilka Anger)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Liebe Helga, liebe Familie Zucht, liebe Familie Weber, liebe Angeh\u00f6rige, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen, verehrte Trauerg\u00e4ste,<\/p>\n<p>wir haben uns heute hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Wolfgang Zucht.<\/p>\n<p>Wolfgang war ein lieber Freund und Genosse, ein liebenswerter und wundervoller Mensch.<\/p>\n<p>Wolfgang lebt weiter, in unseren Herzen, in unseren Erinnerungen, in unserer Liebe f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p>Am 30. Januar wurde er 86 Jahre alt. Am 17. September ist er gestorben.<\/p>\n<p>Es war ein Gelebtes Leben im besten Sinne. Wer sich die Fotos von Wolfgang anschaut, der wird hinter seinem Rauschebart und diesem herzlichen Lachen einen gl\u00fccklichen, lebensfrohen Menschen erkennen. Wolfgang hat viel mehr erreicht, als sich die meisten Menschen erhoffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Kindheit<\/h3>\n<p>Zusammen mit seiner \u00e4lteren Schwester Marlis und der j\u00fcngeren (schon verstorbenen) Schwester Inge hat er einen gro\u00dfen Teil seiner Kindheit im Nationalsozialismus verbracht.<\/p>\n<p>Seine Eltern waren zun\u00e4chst Bauern. Ihre Familien hatten bis zum Ende des Ersten Weltkrieges in Westpreu\u00dfen gelebt, das mit dem Versailler Vertrag von 1919 polnisch wurde.<\/p>\n<p>Seine Gro\u00dfeltern siedelten sich Mitte der zwanziger Jahre in der Uckermark an. Dort heirateten seine Eltern.<\/p>\n<p>Wolfgang wurde in Berlin geboren und hat seine Kindheit in Funkenhagen und Boizenburg verbracht. Manchmal sagte er: &#8222;Im Grunde bin ich ein Bauer.&#8220; Die Liebe zum Garten, zum Arbeiten mit der Hand, zum einfachen und gesunden Leben ist ihm immer geblieben.<\/p>\n<p>Als Wolfgang drei Jahre alt war, verlor sein Vater ein Bein bei einem Unfall in der Landwirtschaft. Er war fortan Hausmann, die Mutter wurde daraufhin Hebamme. Die v\u00e4terliche Erziehung war autorit\u00e4r und oft auch mit vielen Schl\u00e4gen verbunden.<\/p>\n<p>Wolfgangs Vater stand der Nazi-Ideologie nahe, was auch eine Indoktrinierung des Jungen zur Folge hatte.<\/p>\n<p>Wolfgang ging kurz ins Internat in Templin und dann als Fahrsch\u00fcler in die gleiche Schule.<\/p>\n<p>Diese Zeit hat ihn gepr\u00e4gt: die Schule am See mit schuleigenen Booten, das Baden dort. Die Sehnsucht nach der Uckermark hat ihn sein ganzes Leben lang begleitet. 1943 zog die Familie nach Brandenburg, von wo aus Wolfgang nach Genthin zur Schule fuhr.<\/p>\n<p>Bei Kriegsende war Wolfgang 16, verbrachte viele N\u00e4chte im Keller, wenn die Erde bebte vom Einschlag der Bomben.<\/p>\n<p>Als sich die sowjetischen Soldaten n\u00e4herten, machte er sich mit dem Fahrrad alleine auf den Weg in den Westen. Mehr zuf\u00e4llig traf er seine Eltern und die j\u00fcngere Schwester unterwegs in Genthin wieder und zusammen flohen sie bis zur Elbe, zu den Amerikanern.<\/p>\n<p>Es folgte eine Zeit in Salzgitter als Gefl\u00fcchtete, bis die Mutter mit der j\u00fcngeren Schwester nach Brandenburg zur\u00fcckzog.<\/p>\n<p>Wolfgang zog mit seinem Vater, der laut Wolfgang die Niederlage der Nazis wohl nie verwunden hat, bald nach Braunschweig.<\/p>\n<p>In einem Interview, das ich 2003 mit Wolfgang und Helga f\u00fcr die Graswurzelrevolution gef\u00fchrt habe, beschreibt Wolfgang seine bewusste und systematische Auseinandersetzung mit der Nazizeit, die etwa drei Jahre nach Kriegsende einsetzte:<\/p>\n<p>&#8222;In den letzten Monaten unserer Schulzeit in Braunschweig hatten wir einen Lehrer, der uns dazu brachte, unsere Besch\u00e4ftigung mit der Philosophie im sokratischen Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren. Diese Methode bietet die M\u00f6glichkeit zur gewalt- und herrschaftsfreien Diskussion philosophisch-politischer Fragen. Sie erfordert viel Bereitschaft zu aktiver Mitarbeit, zum sich \u00d6ffnen f\u00fcr die Argumente der anderen und In Frage Stellen der eigenen Denkgewohnheiten. Das alles war f\u00fcr uns, die wir die Nazizeit in lebhafter Erinnerung hatten, eine enorme Herausforderung. Vor allem durch diesen Lehrer sind wir alle unsere \u201aNazi-Hangups&#8216; gr\u00fcndlich losgeworden. Von ihm h\u00f6rten wir zum ersten Mal von einem Sozialismus freiwilliger Zusammenschl\u00fcsse, von gegenseitiger Hilfe, von der Notwendigkeit von Gewerkschaften ohne Hierarchie und B\u00fcrokratie, damit die Kontrolle \u00fcber die Entscheidungen durch die Arbeitenden gew\u00e4hrleistet ist.&#8220; ((2))<\/p>\n<p>Dieser Lehrer geh\u00f6rte dem \u201aInternationalen Sozialistischen Kampfbund&#8216; an. Dass Helgas Eltern in der Vorl\u00e4ufer-Organisation dieses Bundes organisiert waren, war eine der vielen ideellen Verbindungen zwischen Helga und Wolfgang.<\/p>\n<p>Die Idee der Frauenbefreiung, der v\u00f6lligen Gleichberechtigung der Geschlechter geh\u00f6rte mit zu den Grundgedanken dieser Organisation.<\/p>\n<h3>Familie<\/h3>\n<p>Das in Braunschweig begonnene Biologie-Studium brach Wolfgang ab, um seinen erkrankten und vor\u00fcbergehend in der DDR lebenden Vater mit Medikamenten unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Daf\u00fcr arbeitete er im Stra\u00dfenbau, als Kesselschwei\u00dfer, im Gro\u00dfhallen- und auch im Hausbau.<\/p>\n<p>Der Vater ging schlie\u00dflich wieder zur\u00fcck nach Braunschweig, so dass au\u00dfer ihm und Wolfgang alle anderen Angeh\u00f6rigen in der DDR lebten. So trennte der Grenzzaun auch Wolfgangs Familie. Welche Belastung das f\u00fcr alle war, mag das Beispiel einer von der War Resisters&#8216; International in London organisierten Demonstration in Ungarn zeigen, an der Wolfgang am 21. September 1968 &#8212; mit weiteren 4 Personen teilnahm, um gegen die Besetzung der Tschechoslowakei durch die Warschauer Pakt Staaten zu protestieren. Als Folge durfte seine Schwester Inge, die als \u00dcbersetzerin f\u00fcr eine Au\u00dfenhandelsfirma der DDR arbeitete, f\u00fcr geraume Zeit nicht mehr in \u00c4gypten und anderen L\u00e4ndern eingesetzt werden, weil ihr Bruder gegen den Warschauer Pakt agiert hatte.<\/p>\n<p>Andere Familienangeh\u00f6rige wurden aufgefordert, sich nicht mehr von Wolfgang besuchen zu lassen. Bewundernswerter Weise haben alle gesagt: Meine Familie, meine Beziehungen sind mir wichtiger als meine Karriere.<\/p>\n<p>Wolfgang war seiner Familie immer in Liebe verbunden. Wie gut er das schwierige Verh\u00e4ltnis zu seinem Vater aufarbeiten konnte, zeigt sich unter anderem daran, dass der Vater die letzten Monate seines Lebens bei Helga und Wolfgang verbrachte und Wolfgang mit ihm ausges\u00f6hnt war.<\/p>\n<h3>Politische Entwicklung<\/h3>\n<p>Wolfgang entwickelte sich zum Antimilitaristen und gewaltfreien Anarchisten. 1960 zog er nach Hannover, lebte zuerst in Untermiete, dann in einer Laube in seinem Kleingarten.<\/p>\n<p>Durch den Ostermarsch gegen Atomwaffen kam er in Kontakt mit einem Freundeskreis, der sich um die Kriegsdienstverweigerung herum gebildet hatte.<\/p>\n<p>In dieser Zeit wurde er Mitglied der Internationale der Kriegsdienstgegner (IdK) und des Verbands der Kriegsdienstverweigerer (VK).<\/p>\n<p>Beeinflusst unter anderem von Tolstoi, Gandhi, Landauer und Kropotkin gr\u00fcndete seine Gruppe die &#8222;Direkte Aktion&#8220;.<\/p>\n<p>Diese &#8222;Zeitschrift f\u00fcr Gewaltfreiheit und Anarchismus&#8220; kann als Vorg\u00e4nger der Graswurzelrevolution gesehen werden.<\/p>\n<p>Wolfgang orientierte sich zunehmend international, bewarb sich bei der War Resisters&#8216; International (WRI) in London und nahm an Kongressen im In- und Ausland teil. Auf einem solchen Kongress 1964 in Offenbach lernte er Helga kennen, die im gemeinsamen B\u00fcro der Naturfreundejugend, des Verbandes der Kriegsverweigerer und des Ostermarsches arbeitete.<\/p>\n<p>1965 wurde Wolfgang in London bei der WRI angenommen.<\/p>\n<p>Helga entschied sich 1967, ebenfalls nach London zu gehen, arbeitete zun\u00e4chst als Au pair M\u00e4dchen und begann nach einem Jahr, auch bei der WRI zu arbeiten. In dieser Zeit entstanden enge pers\u00f6nliche Beziehungen, zum Beispiel zum Generalsekret\u00e4r der WRI, Devi Prasad, mit dem erst Helga und dann auch Wolfgang die Leidenschaft des T\u00f6pferns teilte.<\/p>\n<p>Ganz besonders war aber auch die Beziehung zu Tony Smythe und seiner Familie, in deren Haus Wolfgang und Helga mehrere Jahre wohnten.<\/p>\n<p>Diese Freundschaften haben ein Leben lang gehalten. Zwei T\u00f6chter aus dem Hause Smythe, Quita und Hansi, sind extra aus England zu dieser Beerdigung angereist.<\/p>\n<p>Wolfgang nahm dann die Arbeit auf beim \u201aNational Council of Civil Liberties&#8216;, dessen Themen unter anderem Rassismus und die Demonstrationsfreiheit waren.<\/p>\n<p>1973 kehrten Helga und Wolfgang nach Deutschland zur\u00fcck, beteiligten sich an der 1972 von Wolfgang Hertle gegr\u00fcndeten Graswurzelrevolution und gr\u00fcndeten 1974 zusammen mit anderen in Kassel die Graswurzelwerkstatt. Dort wurden sie angestellt.<\/p>\n<p>Als Graswurzelwerkstatt-Arbeiter gaben Helga und Wolfgang von 1974 bis 1980 den &#8222;Informationsdienst f\u00fcr gewaltfreie Organisatoren&#8220; heraus.<\/p>\n<p>Mitte der 1970er Jahre war Wolfgang aktiv in der Anti-Atom-Bewegung, bei Gewaltfreien Aktionen und der Kampagne Stromgeldverweigerung gegen Atomenergie.<\/p>\n<p>Als Mitinitiator der F\u00f6deration Gewaltfreier Aktionsgruppen (F\u00f6GA) \u00fcbernahm er 1980\/81 die deutsche und dann die internationale Koordination f\u00fcr den Internationalen gewaltfreien Marsch f\u00fcr Entmilitarisierung.<\/p>\n<p>1982 schieden beide aus der Graswurzelwerkstatt aus, waren aber in diesen Jahren auch beratend t\u00e4tig f\u00fcr Kriegsdienst- und Totalverweigerer. Von 1992 bis 1995 war Wolfgang Mitherausgeber des Graswurzelrevolution-Kalenders.<\/p>\n<h3>Pers\u00f6nliches<\/h3>\n<p>Ich habe Helga und Wolfgang erst kennengelernt, nachdem ich 1998 von den Herausgeberinnen und Herausgebern der Graswurzelrevolution zum Koordinationsredakteur gew\u00e4hlt wurde. Vorher kannte ich beide nur aus Erz\u00e4hlungen und durch ihre Schriften und die B\u00fccher des 1976 gegr\u00fcndeten Weber-Zucht-Verlags, die ich auch f\u00fcr meine Doktorarbeit \u00fcber anarchistische Presse gelesen habe.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen hat sich Helga verwundert gezeigt \u00fcber junge Menschen, die sie nicht kennt, die aber im Internet ihre Traurigkeit \u00fcber Wolfgangs Tod ge\u00e4u\u00dfert hatten. Mich wundert das nicht. Das waren ehemalige Praktikantinnen von mir, die die beiden nur einmal gesehen und fast nur aus meinen Erz\u00e4hlungen und dem Interview aus dem &#8222;ja! Anarchismus&#8220;-Buch kannten.<\/p>\n<p>Mir ging es 1998 vielleicht \u00e4hnlich. Als ich die beiden kennenlernte, war sofort diese gro\u00dfe Vertrautheit da, dieses Gef\u00fchl der Geborgenheit, Solidarit\u00e4t, Freundschaft und menschlichen W\u00e4rme, die Wolfgang und Helga immer ausgestrahlt haben.<\/p>\n<p>Es war immer zu sp\u00fcren wie sehr Helga und Wolfgang sich lieben. Seit 1964 waren sie ein Liebespaar und wie tief diese Liebe ist, konnte erahnen, wer gesehen hat wie charmant sie miteinander flirteten.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich gerne an unsere Zusammenk\u00fcnfte, im Garten von Helga und Wolfgang, in ihrer Wohnung, bei Isabel und Martin, bei den Sitzungen des GWR-HerausgeberInnenkreises, bei Festen und Veranstaltungen.<\/p>\n<p>Als 2001 in Hannover ein anarchistischer Kongress stattfand, referierte ich dort \u00fcber anarchistische Presse. Ich legte den Fokus auch auf die &#8222;Direkte Aktion&#8220; und andere in Hannover erschienene Anarchobl\u00e4tter. Anschlie\u00dfend meldete sich ein junger Zuh\u00f6rer und erz\u00e4hlte, dass sein Vater 1965 Mitherausgeber der &#8222;Direkten Aktion&#8220; war und er ihn zur Veranstaltung mitgebracht habe. Helga und Wolfgang waren auch da und hatten ihren riesigen, bundesweit einzigartigen B\u00fcchertisch aufgebaut. Es war das erste Mal nach vielen Jahren, dass sich Joachim Dunz und Wolfgang wieder in den Armen lagen.<\/p>\n<p>Nachdem Wolfgang und Helga nach London gezogen waren, hatten sie Joachim nur noch sporadisch getroffen. Das Wiedersehen war bewegend.<\/p>\n<p>In der Todesanzeige f\u00fcr Wolfgang, die die Internationale der KriegsdienstgegnerInnen, die GWR und die WRI gemeinsam unter anderem in der taz und der Graswurzelrevolution Nr. 402 ver\u00f6ffentlicht haben, findet sich ein Zitat des gewaltfreien Anarchisten Bart de Ligt:<\/p>\n<h3>&#8222;Neue Ideen werden nur bekannt aufgrund der Beharrlichkeit einer wagemutigen Minderheit!&#8220;<\/h3>\n<p>Wer Wolfgang kennenlernen durfte, wird das best\u00e4tigen. Wolfgang war, wie alle Anarchisten, ein Au\u00dfenseiter, ein Mitglied einer kleinen radikalen Minderheit. Und diese Minderheit wurde hierzulande von kaum einem so sehr beeinflusst wie von diesem bescheidenen, in sich ruhenden Menschen, der bis zu seinem Tod beharrlich f\u00fcr eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft eingetreten ist.<\/p>\n<p>Dass die Graswurzelrevolution die langlebigste anarchistische Zeitschrift im deutschsprachigen Raum ist und in weiten Kreisen der Gesellschaft hohes Ansehen genie\u00dft, hat sie unter anderem auch dem kontinuierlichen Engagement von Wolfgang und Helga zu verdanken.<\/p>\n<p>Wolfgang war bis zuletzt im Graswurzelrevolution-HerausgeberInnenkreis aktiv. Helga ist es noch immer.<\/p>\n<p>Beide haben mit ihrem solidarischen Handeln die Graswurzelbewegung und ihr Organ mit gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Als ich 2003 ein Interview mit Helga und Wolfgang gef\u00fchrt habe, fragte ich die beiden auch, was sie sich f\u00fcr die Zukunft w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Helga meinte dazu: &#8222;Ich w\u00fcnsche uns genug Gesundheit und Energie f\u00fcr noch viele Jahre, damit wir weiter mitmischen k\u00f6nnen, wo es uns wichtig ist.&#8220;<\/p>\n<p>Wolfgang antwortete: &#8222;Ich w\u00fcnsche uns eine lebendige und kraftvolle Graswurzelbewegung, f\u00fcr die es in unserer sozialen, politischen und wirtschaftlichen Situation viele Aufgaben g\u00e4be.&#8220;<\/p>\n<p>Ich hoffe, wir k\u00f6nnen dazu beitragen, dass sich die W\u00fcnsche von Helga und Wolfgang erf\u00fcllen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Helga, liebe Familie Zucht, liebe Familie Weber, liebe Angeh\u00f6rige, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen, verehrte Trauerg\u00e4ste, wir haben uns heute hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Wolfgang Zucht. 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