{"id":15070,"date":"2016-01-01T00:00:00","date_gmt":"2015-12-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2016\/01\/keine-ferne-utopie-sondern-sozialer-umgang\/"},"modified":"2022-07-26T14:11:59","modified_gmt":"2022-07-26T12:11:59","slug":"keine-ferne-utopie-sondern-sozialer-umgang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/01\/keine-ferne-utopie-sondern-sozialer-umgang\/","title":{"rendered":"Keine ferne Utopie, sondern sozialer Umgang"},"content":{"rendered":"<p><b>Graswurzelrevolution (GWR): Black Pigeon ist der Anarchistische Buchladen im Dortmunder Norden. Wie kamt Ihr auf die Idee, ihn 2014 aufzumachen?<\/b><\/p>\n<p>Sascha Bender: Wir hatten schon l\u00e4nger die Idee, einen anarchistischen Buchladen zu gr\u00fcnden. Das war erstmal eine Spinnerei von uns, zu dritt. Wir haben uns dann nach Leerst\u00e4nden umgeguckt und uns informiert, wieviel die Mieten kosten w\u00fcrden, und so weiter. Dann sind wir auf ein st\u00e4dtisches Projekt gesto\u00dfen, das gerade dabei war, ein Kreativkaufhaus zu gr\u00fcnden, mit vielen verschiedenen Anbietern. Die meinten dann, dass wir uns einfach mal bewerben sollen. Das haben wir gemacht und eigentlich noch nicht so wirklich geglaubt, dass wir tats\u00e4chlich als Anarchistischer Buchladen in ein solch st\u00e4dtisches Projekt reinkommen k\u00f6nnen. Wir haben das auch zun\u00e4chst nicht direkt gesagt, sondern ein bisschen umschrieben als politisches Projekt, das linke und libert\u00e4re Literatur verkaufen will. Also als &#8222;libert\u00e4r&#8220;, weil &#8222;anarchistisch&#8220; ja f\u00fcr viele immer direkt den Klang von &#8222;Chaos und Gewalt&#8220; hat. So sind wir dann in das Projekt gekommen.<\/p>\n<p><b>GWR: Was bedeuten denn f\u00fcr Euch Anarchie und Anarchismus?<\/b><\/p>\n<p>Marvin Landauer: F\u00fcr mich ist der Anarchismus eine herrschaftsfreie Alternative zum Bestehenden. Nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene, sondern auch f\u00fcr mich pers\u00f6nlich, in meinem Umfeld. Anarchismus bedeutet f\u00fcr mich eben auch, dass es kein Wunschtraum von einem Paradies in einer fernen Zukunft, nach einer Revolution oder im Himmel ist, sondern dass ich auch schon im Hier und Jetzt meine Ideen von einem herrschaftsfreien Leben im Kleinen zumindest schon umsetzen kann. Und das hat \u00fcberhaupt nichts Gewalt, Chaos und Terror zu tun, sondern mit Einvernehmlichkeit und Gegenseitiger Hilfe.<\/p>\n<p>Sascha Bender: Das kann ich fast so schon unterschreiben. Anarchie ist f\u00fcr mich auch keine ferne Utopie, sondern ein sozialer Umgang. Das wir da schon etwas ver\u00e4ndern und respektvoller miteinander umgehen. Vor allem, wenn das nicht schon im Hier und Jetzt anders und besser wird im Umgang miteinander, dann funktioniert das nat\u00fcrlich auch nicht in einer fernen Zukunft. F\u00fcr mich hat sich dadurch mein pers\u00f6nliches Umfeld schon sehr verbessert, finde ich.<\/p>\n<p><b>GWR: Euer Buchladen befindet sich direkt am Borsigplatz, im Dortmunder Norden. Dortmund hat die gr\u00f6\u00dfte Naziszene in NRW. Auch der Dortmunder Norden war in der Vergangenheit bekannt daf\u00fcr, dass es dort eine militante Faschoszene gibt. Habt Ihr da Probleme gehabt? Wie sieht die aktuelle Situation aus?<\/b><\/p>\n<p>Marvin Landauer: Die Dortmunder Faschoszene ist heute nicht mehr prim\u00e4r in der Nordstadt aktiv, so wie das fr\u00fcher der Fall war. Sie hat sich vor allem in den Dortmunder Stadtteil Dorstfeld und jetzt auch verst\u00e4rkt nach Dortmund-Eving verlagert. So ist man heute im Dortmunder Norden nicht mehr t\u00e4glich mit militanten Neonazis konfrontiert.<\/p>\n<p>Sascha Bender: Militante Anschl\u00e4ge von Neonazis auf linke L\u00e4den gab es in letzter Zeit in Dortmund eher nicht, sondern mehr auf Fl\u00fcchtlingsheime. Darauf konzentrieren sich die Nazis jetzt verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Marvin Landauer: Das liegt in erster Linie auch daran, dass die &#8222;Kameradschaft&#8220; in Dortmund verboten wurde und sich stattdessen &#8222;Die Rechte&#8220; als Partei gegr\u00fcndet hat, wo sich dann die &#8222;Kameradschaft&#8220; neu organisiert hat. Dadurch versuchen sich die Faschisten einen legalen Anstrich zu geben, um nicht direkt von einem Verbotsverfahren betroffen zu sein.<\/p>\n<p><b>GWR: Wie seid Ihr auf den Namen &#8222;Black Pigeon&#8220; gekommen?<\/b><\/p>\n<p>Sascha Bender: Wir finden, dass die Taube ein cooles Tier ist, das auch viel mit dem Ruhrgebiet zu tun hat und gut zur Gro\u00dfstadtmetropole passt. Und schwarz ist die Farbe des Anarchismus.<\/p>\n<p><b>GWR: Wie sieht Eure Vernetzung aus? Gibt es andere Gruppen, Projekte und Zusammenh\u00e4nge, mit denen Ihr zusammen etwas auf die Beine stellt und auch den Neonazis auf der anderen Seite etwas entgegensetzt?<\/b><\/p>\n<p>Marvin Landauer: Der Buchladen ist eingebunden in die anarchistische Bewegung vor Ort. Es ist nicht so, dass wir isoliert sind und die Leute nur ihre B\u00fccher da kaufen. Es erf\u00fcllt einen Infrastrukturaspekt, der auch im Kampf gegen den Faschismus f\u00fcr uns wichtig ist, weil wir denken, dass wir nur aus einer eigenen St\u00e4rke heraus den Nazis etwas entgegensetzen k\u00f6nnen. Das ist auch ein Aspekt, den wir weiter ausbauen wollen, dann f\u00fcr ein Anarchistisches Zentrum in Dortmund.<\/p>\n<p><b>GWR: Regional werdet Ihr auch unterst\u00fctzt von anderen Gruppen aus dem Ruhrgebiet und NRW?<\/b><\/p>\n<p>Sascha Bender: Da heben wir eine gute Resonanz. Zum Beispiel hat uns der Buchladen Le Sabot seine Hilfe angeboten und meinte, wenn wir Fragen haben, sollten wir die einfach mal anschreiben. Von Black Mosquito, Unrast und verschiedenen A-Verlagen haben wir auch B\u00fccher f\u00fcr unsere Crowdfunding-Kampagne zugeschickt bekommen.<\/p>\n<p>Es gibt eine gute Unterst\u00fctzung der anarchistischen Bewegung f\u00fcr unser Projekt\u0085<\/p>\n<p>Marvin Landauer: \u0085 und dar\u00fcber hinaus auch verschiedene anarchistische Gruppen, zum Beispiel in Bochum, die dann da verschiedene Materialien f\u00fcr die Crowdfunding-Kampagne verteilen. Also, da bekommen wir ordentliche Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p><b>GWR: Ihr wollt jetzt ein gr\u00f6\u00dferes Anarchistisches Zentrum in Dortmund auf die Beine stellen. Was sind Eure weiteren Vorhaben, um das zu realisieren?<\/b><\/p>\n<p>Sascha Bender: Zurzeit sind wir noch am Borsigplatz in diesem st\u00e4dtischen Projekt. Da haben wir einen Raum, der uns zur Verf\u00fcgung steht, aber wir k\u00f6nnen da noch nicht komplett unsere Sache durchziehen. Anfang 2016 wollen wir dann unser eigenes Ladenlokal anmieten und das \u00fcber einen reinen Buchladen hinaus entwerfen, so dass da auch Veranstaltungen gemacht, Vortr\u00e4ge gehalten und Filme gezeigt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig soll politische Infrastruktur gestellt werden. Das hei\u00dft zum einen, dass sich die Leute dort mit ihren Gruppen treffen, Flyer drucken k\u00f6nnen und \u00e4hnliches. Gleichzeitig gibt es in Dortmund bisher wenige Orte, wo man tags\u00fcber vorbei kommen kann und nichts konsumieren muss, wo man diskutieren und eine gute Zeit verbringen kann. Also, das Anarchistische Zentrum soll auch eine Begegnungsst\u00e4tte werden.<\/p>\n<p><b>GWR: Was gibt es denn in Dortmund f\u00fcr Freir\u00e4ume, mit denen Ihr vielleicht auch vernetzt seid?<\/b><\/p>\n<p>Marvin Landauer: In Dortmund gibt es neben uns den Nordpol, das ist eine alternative Kneipe im Dortmunder Norden, die auch kollektiv von verschiedenen Projekten und Initiativen betreut wird. Au\u00dferdem den Langen August, das ist ein Stadtteilprojekt, in dem auch Gruppen ihre R\u00e4ume haben, wie die DFG-VK und das freie Internetprojekt Free. Dann gibt es noch das Taranta Babu, das ist auch ein linker Buchladen mit Veranstaltungsraum, aber in einem anderen Stadtteil. Es gibt noch ein paar \u00e4ltere Sachen wie das Archiv Schwarzer Stern der Gefangeneninitiative.<\/p>\n<p>Die haben auch R\u00e4umlichkeiten, wo ehemalige Gefangene wohnen k\u00f6nnen, wenn sie keine Wohnung finden. Und das Caf\u00e9 Aufbruch, das ist ein Stadtteilladen in Dortmund-H\u00f6rde. Von diesen Projekten bekommen wir auch Unterst\u00fctzung und Kooperation. Im Dortmunder Norden ist es tags\u00fcber schwierig sich zu treffen, weil das Nordpol zum Beispiel erst abends aufmacht. Da kann man dann zum Kneipenabend.<\/p>\n<p><b>GWR: Dortmund war ja nach dem Ersten Weltkrieg f\u00fcr kurze Zeit eine Hochburg des Anarchosyndikalismus in Deutschland. Nach Angaben des Anarchismusforschers Andreas M\u00fcller von der Geschichtswerkstatt Dortmund gab es unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg kurzzeitig bis zu 20.000 organisierte Mitglieder der anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD) in Dortmund. Wie w\u00fcrdet Ihr die Situation heute einsch\u00e4tzen? <\/b><\/p>\n<p>Marvin Landauer: Es gibt in Dortmund keine 20.000 AnarchistInnen mehr. Dortmund war damals eine Arbeitermetropole. Durch den Faschismus ab 1933 wurde die anarchistische Tradition gebrochen und alles wurde in zw\u00f6lf Jahren Nationalsozialismus zerst\u00f6rt. Jetzt sind wir im Vergleich zu fr\u00fcher quasi an einem Nullpunkt, aber im Vergleich zu vor wenigen Jahren nicht. Mit unseren Projekten, die wir seit einigen Jahren betreiben, haben wir schon gut etwas erreicht und wir erh\u00f6hen immer weiter unsere Au\u00dfenwirkung und M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Sascha Bender: In den letzten Jahren gab es auch ein paar Hausbesetzungen in Dortmund, die viele neue Leute wieder politisiert haben und die sich im Nachgang davon heute noch immer engagieren. In den letzten Jahren gab es wieder einen kleinen Aufschwung.<\/p>\n<p><b>GWR: K\u00f6nnt Ihr Eure Utopie beschreiben?<\/b><\/p>\n<p>Marvin Landauer: Ja. Bezogen auf die Nordstadt, ein Viertel, das von au\u00dfen sehr stark marginalisiert wird, wo gesagt wird &#8222;da ist nur Kriminalit\u00e4t, Mord und Todschlag&#8220;. Das ist ein bisschen \u00fcbertrieben, aber so in etwa. Da w\u00fcrden wir sagen, dass die Antwort nicht mehr Polizei und Repression sein kann, nicht mehr Ausschluss aus der Gesellschaft, sondern dass die Leute zusammenkommen, sich in ihrem Viertel vernetzen, in ihrer Nachbarschaft zusammenfinden. Und das ist mit unserem kleinen A-Zentrum ein Schritt hin zu so einer Utopie, dass da ein Ort geschaffen wird, wo Leute gemeinsame Ideen realisieren und Gemeinsamkeiten finden k\u00f6nnen. Das im Kleinen.<\/p>\n<p>So stelle ich mir das auch f\u00fcr die gesamte Gesellschaft vor, dass die Gesellschaft in ganz vielen Einheiten von Versammlungen organisiert wird. Es ist schwer, das in ein paar Worten zusammenzufassen.<\/p>\n<p>Sascha Bender: F\u00fcr mich bedeutet das auch, der Vereinzelung, der heute viele Menschen ausgesetzt sind, etwas entgegen zu setzen. Und Sachen kollektiv zu organisieren und zu verwalten. Das bezieht sich dann auf viele Lebensbereiche. Da ist der Wohnbereich, wo Leute heutzutage zusammen in einem Haus wohnen und nicht einmal den Nachbarn kennen. Dann der Arbeitsbereich, da sind Kollektivbetriebe ein wichtiges Thema. Und dann geht es auch darum, Schule und Bildung anders zu organisieren.<\/p>\n<p>Wir brauchen Stadteilprojekte, wo es wieder Begegnungsorte gibt, die meiner Wahrnehmung nach immer mehr weggefallen sind. Es gibt in den Innenst\u00e4dten fast nur noch Konsumtempel, wo die Leute hingehen und sich gar nicht mehr wirklich begegnen. Die Utopie erstreckt sich auch auf die direkten, zwischenmenschlichen Beziehungen, die es anders zu gestalten gilt. Das ist ein grober Umriss von dem, was ich als Utopie verstehe.<\/p>\n<p><b>GWR: In einer Selbstdarstellung habt Ihr beschrieben, dass mit dem neuen Anarchistischen Zentrum ein Freiraum f\u00fcr all die Menschen entstehen soll, &#8222;die sich abseits von Parteipolitik organisieren m\u00f6chten, neugierig gegen\u00fcber anarchistischen Ideen sind und generell Menschen, die sich von antiautorit\u00e4ren Ideen angesprochen f\u00fchlen&#8220;. Jetzt macht Ihr eine Crowdfunding-Kampagne. K\u00f6nnt Ihr dazu etwas erz\u00e4hlen?<\/b><\/p>\n<p>Marvin Landauer: Wir denken, dass es eine Ver\u00e4nderung der Gesellschaft von unten geben muss, nicht \u00fcber Parteien, sondern selbstorganisiert. Da wir, wie das oft bei selbstorganisierten Strukturen ist, nicht so viel Geld haben, aber die Zeit und den Elan, brauchen wir Geld. Das probieren wir \u00fcber diese Crowdfunding-Kampagne zu akquirieren, damit Leute, die unsere Ideen gut finden und ein bisschen Geld \u00fcber haben, uns unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Sascha Bender: Gleichzeitig hat die Crowdfunding-Kampagne den Zweck erf\u00fcllt, unser Projekt bekannter zu machen, weil wir jetzt diese Idee des Ladens weit gestreut haben. Ich glaube, das hat schon aus der Sicht viel gebracht.<\/p>\n<p><b>GWR: Thorsten, Du machst bei Fairdruckt mit. Kannst Du erz\u00e4hlen, was das f\u00fcr ein Projekt ist?<\/b><\/p>\n<p>Thorsten Hallmann: Fairdruckt ist eine Genossenschaft, die seit 2008 eine Siebdruckerei betreibt. Wir machen Auftragsarbeiten z.B. f\u00fcr Bands, Vereine und andere KundInnen, vor allem T-Shirts, Taschen und \u00e4hnliches. Wir haben inzwischen einen eigenen Laden im G\u00fcterbahnhof M\u00fcnster und vertreiben dort, neben unseren selbst bedruckten Dingen, auch Graffiti-Bedarf, fair gehandelten Kaffee und politische Literatur. Das ist schon ein Gemischtwarenladen. So soll es auch weitergehen.<\/p>\n<p><b>GWR: Wie seid Ihr organisiert?<\/b><\/p>\n<p>Thorsten Hallmann: Wir sind eine eingetragene Genossenschaft. Das hei\u00dft, wir haben Mitglieder, die auch alle Geld hereinbringen. Bei uns gibt es das schlichte Prinzip &#8222;Ein Mensch, eine Stimme&#8220;. Die Mitglieder sind \u00fcberwiegend diejenigen, die auch dort besch\u00e4ftigt sind oder zumindest punktuell mitarbeiten. Es ist also ein kollektiv\u00f6konomisches Projekt, wo die das Sagen haben, die dort arbeiten.<\/p>\n<p><b>GWR: Der Name &#8222;Fairdruckt&#8220; deutet ja schon an, wo die Reise hin geht. Was unterscheidet ein H&amp;M-T-Shirt von einem Fairdruckt-Shirt?<\/b><\/p>\n<p>Thorsten Hallmann: Die T-Shirts, die wir in aller Regel bedrucken, sind von verschiedenen Unternehmen, die der Fair Wear Foundation angeh\u00f6ren. Das ist eine Stiftung in den Niederlanden, der vor allem kleinere Textilhersteller angeh\u00f6ren. Diese Stiftung gibt Ziele vor in Sachen Arbeitsrechte, Bezahlung und Recht auf gewerkschaftliche Organisierung sowie ein Verbot von Kinderarbeit und dergleichen mehr. Die Stiftung kontrolliert, dass die Firmen, die dort Mitglied sind, das in allen ihren Produktionsst\u00e4tten auch sukzessive umsetzen, sei es in ihren eigenen oder in Fabriken, die sie als Subunternehmer beauftragen.<\/p>\n<p><b>GWR: Was sind das f\u00fcr Motive, die Ihr auf die T-Shirts druckt?<\/b><\/p>\n<p>Thorsten Hallmann: Das ist, was uns gerade in den Sinn kommt, entweder an sch\u00f6nen Designs oder an politischen Aussagen. Oder beides in Kombination. Am liebsten so, dass es nicht gleich mit der T\u00fcre ins Haus f\u00e4llt, sondern ein bisschen um die Ecke gedacht ist.<\/p>\n<p><b>GWR: Ihr wollt Euch jetzt erweitern.<\/b><\/p>\n<p>Thorsten Hallmann: Ja. Wir sind im Moment drei Besch\u00e4ftigte, zwei davon haben sozialversicherungspflichtige Teilzeitstellen, einer macht seine Ausbildung als Mediengestalter bei uns. Wir w\u00fcrden unser Angebot gerne verbreitern im Sinne eines Kollektivladens, der ein Laden vom Kollektiv f\u00fcr Kollektive ist. Das hei\u00dft, wir w\u00fcrden uns freuen, mehr Produkte anderer Kollektivbetriebe im Laden zu haben. Wir wollen auch die lokale Musikszene f\u00f6rdern, indem wir deren Musik, aber auch die Bandshirts und \u00e4hnliches online und offline vertreiben.<\/p>\n<p>Aber auch z.B. Verlage mit libert\u00e4rem und emanzipatorischem Programm. Und nat\u00fcrlich hoffen wir, dass unsere ganz unterschiedlichen Zielgruppen &#8211; von der Street-Art-Szene und lokalen DIY-Bands \u00fcber politisch Interessierte bis hin zu Leuten, die gerne besonders guten, fairen Kaffee trinken &#8211; dann auch dieses breitere Angebot unseres Ladens wahrnehmen und quasi auch die Ideen dahinter mitnehmen. Der Laden ist t\u00e4glich von 12 bis 18 Uhr ge\u00f6ffnet, au\u00dfer sonntags. Bisher steht noch &#8222;Fairdruckt&#8220; \u00fcber dem Eingang. Aber wir haben uns schon einen neuen Namen \u00fcberlegt. Der Laden soll &#8222;Onbones&#8220; hei\u00dfen.<\/p>\n<p><b>GWR: Wieso &#8222;Onbones&#8220;?<\/b><\/p>\n<p>Thorsten Hallmann: &#8222;Onbones&#8220; hei\u00dft w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt &#8222;auf Knochen&#8220;. Es spielt auf eine alte Geschichte an: n\u00e4mlich, dass es nicht m\u00f6glich war, Tontr\u00e4ger in die Sowjetunion zu importieren oder sie dort legal zu verkaufen. Dann kamen Leute auf die Idee, diese Tonspuren auf gebrauchte R\u00f6ntgenfilme zu pressen und damit quasi die Musik auf den Knochen zu haben. Also: Gute Musik findet schon ihren Weg und l\u00e4sst sich nicht verbieten.<\/p>\n<p>Das ist der Hintergrund des Namens.<\/p>\n<p><b>GWR: Ihr macht gerade eine Kampagne.<\/b><\/p>\n<p>Thorsten Hallmann: Ja. Wir haben ja wie gesagt vor, unseren Laden auszubauen. Daf\u00fcr brauchen wir Geld und sind auf der Suche nach m\u00f6glichst vielen solidarischen Leuten, die uns ein kleines Darlehen geben. Wir wollen nicht viel und schon gar nichts von der Bank, sondern kleine Direktkredite um die 200 Euro. Wer sich beteiligen m\u00f6chte, kann uns gerne eine Mail schicken (siehe unten).<\/p>\n<p><b>GWR: Du bist auch aktiv bei der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft FAU. Kannst Du etwas zur FAU sagen?<\/b><\/p>\n<p>Thorsten Hallmann: In Spanien gab es vor 80 Jahren eine anarchosyndikalistische Massenbewegung, die einerseits als Gewerkschaft quasi im Untergrund entstand und den KapitalistInnen ordentlich Zunder gegeben hat, anderseits es auch geschafft hat, w\u00e4hrend des Spanischen B\u00fcrgerkriegs einen gro\u00dfen Teil der \u00d6konomie kollektiv zu betreiben. Die FAU generell sieht sich auch in dieser Tradition und will k\u00e4mpferische Basisgewerkschaften vor Ort aufbauen, was in manchen St\u00e4dten auch ganz gut vorangeht. Aber wir versuchen auch, Kollektiv\u00f6konomie als \u00f6konomischen Freiraum zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Es gibt beispielsweise in Berlin neuerdings die &#8222;UnionCoop&#8220;, eine Kooperation von Kollektivbetrieben, die ebenfalls der FAU angeschlossen ist. Wir denken, um zu einem Wirtschaften ohne Ausbeutung zu kommen, geh\u00f6rt notwendig beides dazu: starke Gewerkschaften, in denen sich Leute kollektiv gegen ihre schlechten Arbeitsverh\u00e4ltnisse organisieren, aber auch das Wissen und die praktische M\u00f6glichkeit, selber \u00d6konomie zu betreiben, als Lernort und sichtbarer kleiner Vorgriff auf eine bessere Wirtschaftsordnung. Deswegen sind es zwei Seiten einer Medaille: Kollektivbetriebe und FAU als libert\u00e4re, anarchosyndikalistische Gewerkschaft von unten und ohne Chefs.<\/p>\n<p><b>GWR: &#8222;Ohne Chefs&#8220; ist ein gutes Stichwort. Wir haben ja gerade schon dar\u00fcber geredet, wie eine anarchistische Utopie aussehen k\u00f6nnte und was Anarchie \u00fcberhaupt bedeutet. Was bedeutet Anarchie f\u00fcr Dich?<\/b><\/p>\n<p>Thorsten Hallmann: F\u00fcr mich ist Anarchie vor allem die bestm\u00f6gliche Form der Organisation von Gesellschaft. Es braucht n\u00e4mlich Organisation, um nicht beherrscht zu werden und um m\u00f6glichst gro\u00dfe Freiheit und auch materielle Gerechtigkeit herzustellen. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir lernen, gut organisiert zu sein, so dass die Organisation nicht missbraucht werden kann f\u00fcr Herrschaft, sondern die St\u00e4rke einer solidarischen Selbstorganisation zum Tragen kommt. Sie muss in der Lage sein, alles, was man im t\u00e4glichen Leben so braucht, so zu organisieren, dass es weder eine zentrale Planung oder oberste Autorit\u00e4t braucht, noch ein freies Spiel der Kr\u00e4fte wiederum zu Konkurrenz und Ausbeutung f\u00fchrt.<\/p>\n<p><b>GWR: Ein wunderbares Schlusswort. Herzlichen Dank!<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graswurzelrevolution (GWR): Black Pigeon ist der Anarchistische Buchladen im Dortmunder Norden. Wie kamt Ihr auf die Idee, ihn 2014 aufzumachen? Sascha Bender: Wir hatten schon l\u00e4nger die Idee, einen anarchistischen Buchladen zu gr\u00fcnden. Das war erstmal eine Spinnerei von uns, zu dritt. Wir haben uns dann nach Leerst\u00e4nden umgeguckt und uns informiert, wieviel die Mieten &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/01\/keine-ferne-utopie-sondern-sozialer-umgang\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Keine ferne Utopie, sondern sozialer Umgang - graswurzelrevolution","description":"Graswurzelrevolution (GWR): Black Pigeon ist der Anarchistische Buchladen im Dortmunder Norden. 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