{"id":15099,"date":"2016-02-01T00:00:00","date_gmt":"2016-01-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2016\/02\/gut-aufgestellt\/"},"modified":"2022-07-26T12:58:52","modified_gmt":"2022-07-26T10:58:52","slug":"gut-aufgestellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/02\/gut-aufgestellt\/","title":{"rendered":"Gut aufgestellt"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Kurz vor Mitternacht musste der Bahnhofsvorplatz im Bereich des Treppenaufgangs zum Dom durch Uniformierte ger\u00e4umt werden. Um eine Massenpanik durch Z\u00fcnden von pyrotechnischer Munition bei den circa 1000 Feiernden zu verhindern, begannen die Beamten kurzfristig die Platzfl\u00e4che zu r\u00e4umen. Trotz der ungeplanten Feierpause gestaltete sich die Einsatzlage entspannt &#8211; auch weil die Polizei sich an neuralgischen Orten gut aufgestellt und pr\u00e4sent zeigte.&#8220;<\/p>\n<p>(Die K\u00f6lner Polizei zieht Bilanz: POL-K: 160101-1-K\/LEV Ausgelassene Stimmung &#8211; Feiern weitgehend friedlich, Pressemitteilung vom 01.01.2016)<\/p>\n<h3>Wie konnte die Wirklichkeit so verkannt oder verleugnet werden?<\/h3>\n<p>Mussten die Verantwortlichen nicht damit rechnen, dass das hier gezeichnete Bild schnell widerlegt wird? An diese Presseerkl\u00e4rung der K\u00f6lner Polizei werden immer wieder Vermutungen herangetragen, &#8222;politische Korrektheit&#8220; habe dazu gef\u00fchrt, dass unerw\u00fcnschte Sachverhalte nicht erfasst, berichtet und polizeilich-strafrechtlich verfolgt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Eine &#8222;Schweigespirale&#8220; gegen\u00fcber unerw\u00fcnschten Ph\u00e4nomenen bestimme \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen der Polizei und die Medien, die solche Erkl\u00e4rungen in aller Regel einfach nur wiedergeben (so wie ihre redaktionelle T\u00e4tigkeit insgesamt zunehmend auf den Abdruck von Presseerkl\u00e4rungen von Konzernen, Lobbygruppen, der Exekutive zusammenschrumpft). Aber der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis solcher einseitiger und falscher Informationen ist nicht &#8222;L\u00fcgenpresse&#8220;, sondern &#8222;Marketing&#8220;.<\/p>\n<p>Ging es nicht vielleicht um den &#8222;Standort K\u00f6ln&#8220;, das &#8222;Image&#8220; der Stadt und damit ihre Attraktivit\u00e4t f\u00fcr TouristInnen, InvestorInnen, die BewohnerInnen selbst? Ist es nicht im Rahmen einer &#8222;Standortlogik&#8220; und eines &#8222;Stadtmarketings&#8220; geradezu zwingend, dass unerfreuliche Entwicklungen von einer &#8222;gute Laune&#8220;-Oberfl\u00e4che \u00fcberdeckt werden m\u00fcssen? Wozu ist in den letzten Jahren die Stadt als &#8222;Event&#8220; und &#8222;Image&#8220; inszeniert worden, wenn man das von ein paar \u0085 st\u00f6ren und herunterwirtschaften l\u00e4sst?<\/p>\n<p>&#8222;Gut aufgestellt&#8220; ist ein Schl\u00fcsselbegriff dieser Konzeptionen. Es ist heute beinahe unm\u00f6glich geworden, Kritik zu formulieren, die prinzipiell gemeint ist; statt dessen: &#8222;\u0085mu\u00df sich besser aufstellen&#8220;, &#8222;&#8230;ist noch nicht optimal aufgestellt&#8220;, ob Sportverein, Gewerkschaft, Kaninchenz\u00fcchter oder Umweltverband. Das hat immer eine Seite tats\u00e4chlicher Organisationsausrichtung, aber auch sehr viel mit Strategien \u00f6ffentlicher Darstellung und deren Manipulation zu tun.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr braucht es l\u00e4ngst keine Anweisungen von oben mehr (auch wenn es die durchaus gibt und sehr penibel kontrolliert wird, welche Tatsachen \u00f6ffentlich werden d\u00fcrfen, das treibt jede Organisation von der Deutschen Bank bis zu den HausbesetzerInnen um). Seit Jahren besteht &#8222;Organisationsentwicklung&#8220; und &#8222;Personalentwicklung&#8220; auch in der unausgesetzten Propaganda von &#8222;Corporate Identity&#8220;, von &#8222;Wording&#8220; (also dem Festlegen, welche Ausdr\u00fccke und S\u00e4tze von den Organisationsangeh\u00f6rigen verwendet werden sollen, oft besch\u00f6nigende &#8222;Newspeak&#8220;-Phrasen). Viele Formen einer vereinheitlichenden Hochglanz-Darstellung aller Aktivit\u00e4ten haben l\u00e4ngst auch allen Besch\u00e4ftigten (und den Pressestellen sowieso) klar gemacht, wie Sachverhalte darzustellen sind.<\/p>\n<p>So wird jede Rationalisierungsma\u00dfnahme, jede Verlagerung von Arbeit auf &#8222;Kunden&#8220; als &#8222;Verbesserung des Service&#8220; verkauft. So gesehen verwundert es fast, dass die K\u00f6lner Presseverantwortlichen \u0085 nein, das wollen wir uns nicht weiter ausmalen.<\/p>\n<p>&#8222;Benchmarking&#8220;-Vergleiche der verschiedenen &#8222;Anbieter&#8220; beziehen sich bei St\u00e4dten l\u00e4ngst nicht mehr nur auf Mieth\u00f6hen, Verkehrsanbindung, Kinderbetreuung, sondern stark auf die Sicherheit des \u00f6ffentlichen Raums, neben &#8222;Kultur&#8220;-&#8222;Events&#8220;, Erholungswert und anderen damit wiederum zusammenh\u00e4ngenden Strukturen. Besch\u00f6nigende Darstellungen sind deshalb keine Ausnahme, sondern zwingend. Ein &#8222;Imagefilm&#8220; zeigt ja auch keine Schmuddelecken, sondern nur die besten Seiten. Und VW hat eine Software entwickelt, die Messdaten bei Abgasuntersuchungen manipuliert. \u00dcbrigens: Jede Organisation rechnet sich &#8222;Erfolge&#8220; zu, das waren dann die Ergebnisse der Anstrengungen, gut gemacht. Misserfolge k\u00f6nnen nur an widrigen Umst\u00e4nden oder einer feindlichen Umwelt liegen. Gute Sch\u00fcler hat die Schule ausgebildet, schlechte Sch\u00fcler sind unf\u00e4hig, faul oder aus bildungsfernen Schichten.<\/p>\n<p>So auch die Polizei zu K\u00f6ln: Nach einer kurzen, &#8222;ungeplanten Feierpause&#8220; (nicht: Feuerpause, merkw\u00fcrdige Assoziationsketten, es war ja davor die Rede von der Pyrotechnik!) war &#8222;die Einsatzlage entspannt &#8211; auch weil die Polizei sich an neuralgischen Orten gut aufgestellt und pr\u00e4sent zeigte.&#8220;<\/p>\n<p>So geht Marketing!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Kurz vor Mitternacht musste der Bahnhofsvorplatz im Bereich des Treppenaufgangs zum Dom durch Uniformierte ger\u00e4umt werden. Um eine Massenpanik durch Z\u00fcnden von pyrotechnischer Munition bei den circa 1000 Feiernden zu verhindern, begannen die Beamten kurzfristig die Platzfl\u00e4che zu r\u00e4umen. 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