{"id":15101,"date":"2016-02-01T00:00:00","date_gmt":"2016-01-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2016\/02\/zwischenruf-aus-koeln\/"},"modified":"2022-07-26T13:56:34","modified_gmt":"2022-07-26T11:56:34","slug":"zwischenruf-aus-koeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/02\/zwischenruf-aus-koeln\/","title":{"rendered":"Zwischenruf aus K\u00f6ln"},"content":{"rendered":"<p>Diese &#8222;Vorkommnisse&#8220; sind auch keine Besonderheit des urbanen Raumes. Jedes Dorffest bietet dieses Risiko. Viele dieser Taten werden jedoch nicht angezeigt ((3)).<\/p>\n<p>Das bisherige Strafrecht sch\u00fctzt M\u00e4nner. Die oft vertretene Einstellung, &#8222;frau solle sich nicht so anstellen&#8220;, &#8222;alles sei nur Spa\u00df&#8220;, &#8222;sie sei wohl eine Emanze und\/oder frigide&#8220;, unterst\u00fctzt diese T\u00e4ter sch\u00fctzende Haltung.<\/p>\n<p>Solange frau sich nicht offensiv wehrt, gleich ob aus Schock oder aus dem Gef\u00fchl, mehr Schaden mit Gegenwehr als ohne davonzutragen, gilt dies als Einverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Wenn der &#8222;normale deutsche Mann&#8220; sich dies im Rahmen &#8222;unserer westlichen Kultur&#8220; herausnimmt, handelt es sich wohl um &#8222;etwas anderes&#8220; als bei Einwanderern oder Gefl\u00fcchteten, vor allem wenn es noch f\u00fcr weiterreichende &#8222;Ziele&#8220; wie Diebstahl und Raub genutzt wird.<\/p>\n<h3>Wir nehmen es nicht hin&#8230;<\/h3>\n<p>&#8222;Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische M\u00e4nnergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen&#8220;, so NRW-Innenminister J\u00e4ger im &#8222;K\u00f6lner Stadt-Anzeiger&#8220;.<\/p>\n<p>Wer ist &#8222;wir&#8220;, die das &#8222;nicht hinnehmen&#8220;?<\/p>\n<p>Unertr\u00e4glich f\u00fcr diese &#8222;wir&#8220;, weil es sich um &#8222;wehrlose Frauen&#8220; handelt? W\u00e4re es weniger unertr\u00e4glich, wenn diese Frauen wehrhaft gewesen w\u00e4ren? Oder sind Frauen prinzipiell wehrlos nach dieser Denkweise? Ist die wehrhafte Frau keine &#8222;richtige&#8220; Frau? Liegt es daran, dass es sich in diesem Fall um &#8222;nordafrikanische&#8220; M\u00e4nnergruppen handelt? Eine Gruppe Deutscher, anderer Europ\u00e4er, US-Amerikaner w\u00e4re weniger bedenklich? Oder weil es Gruppen waren, keine Einzelt\u00e4ter?<\/p>\n<p>W\u00e4ren die \u00dcbergriffe weniger schlimm, wenn weniger &#8222;organisiert&#8220;, wobei dann zu fragen w\u00e4re, ab wann man von &#8222;organisiert&#8220; sprechen kann?<\/p>\n<p>Wenn die sexuellen Attacken weniger &#8222;dreist&#8220; gewesen w\u00e4ren (also weniger sichtbar bzw. subtiler eingeleitet), w\u00e4re alles weniger problematisch?<\/p>\n<p>Von der selbstverst\u00e4ndlichen Denkweise, die Opfer sexualisierter Gewalt als de facto &#8222;erniedrigt&#8220; festzuschreiben, ganz abgesehen. Ein\/e sich durch einen sexuellen \u00dcbergriff unbestreitbar erniedrigt f\u00fchlende\/r Betroffene\/r hat in dieser Situation erlebt, worum es dem\/der Aus\u00fcbenden geht &#8211; um eine gewaltt\u00e4tige, sexualisierte Demonstration von Macht und Erzeugung von Ohnmacht.<\/p>\n<p>Damit IST die\/der Betroffene jedoch NICHT als Mensch &#8222;erniedrigt&#8220;.<\/p>\n<p>Wundert es, dass der Begriff &#8222;erniedrigt&#8220; in diesem Zusammenhang fast ausschlie\u00dflich von M\u00e4nnern verwendet wird? Besser kann mann mit einer solchen Sprachwahl den T\u00e4tern von K\u00f6ln nicht indirekt zum &#8222;Erfolg gratulieren&#8220;.<\/p>\n<p>In jeder Nachricht findet sich die wiederkehrende Betonung der vermuteten Herkunft der K\u00f6lner T\u00e4ter. Es ist also unertr\u00e4glicher, wenn diese Taten von Immigranten begangen werden, als wenn dies, begangen von deutschen M\u00e4nnern, auf jeder herk\u00f6mmlichen Kirmes, in einer Disco oder auf dem Oktoberfest geschieht? Zynisch lie\u00dfe sich denken, den T\u00e4tern w\u00fcrde vorgeworfen, dass sie nur gut in das hier vorherrschende m\u00e4nnlich-sexistische Denken integriert sind, sich allerdings unberechtigt daraus Privilegien ableiten, die viele deutsche M\u00e4nner f\u00fcr sich selbstverst\u00e4ndlich in Anspruch nehmen &#8211; und die Polizei DAS nicht verhindert hat.<\/p>\n<h3>Worin hat &#8222;die Polizei versagt&#8220;?<\/h3>\n<p>In K\u00f6ln traf sich eine gro\u00dfe Gruppe von M\u00e4nnern zum Feiern. Wie schnell sich eine Gruppenveranstaltung \u00fcber Facebook und Whatsapp &#8222;organisieren&#8220; l\u00e4sst, kennt jede\/r, die eine Flashmob organisiert bzw. an einem solchen teilgenommen hat.<\/p>\n<p>Ohne Total\u00fcberwachung jeglicher Kommunikation (bzw. die \u00dcberwachung ganzer Gruppen unter Generalverdacht) lie\u00dfe sich das &#8211; mal ganz abgesehen vom technischen und personellen Aufwand &#8211; nicht kontrollieren und so im Vorfeld erfahren.<\/p>\n<p>Innerhalb dieser M\u00e4nnergruppe kam es, auch unter Alkoholeinfluss, zu &#8222;Spielchen&#8220;, in denen sich zunehmend auch gegenseitig mit B\u00f6llern beschossen wurde, was andere Feiernde an diesem Ort gef\u00e4hrdete. Hier wurden die ersten Personenkontrollen durchgef\u00fchrt und die Daten aufgenommen.<\/p>\n<p>In der sich aufheizenden Stimmung beschloss die Einsatzleitung, Bahnhofsvorplatz und Treppe zu r\u00e4umen (Einsatzbeginn 22:00 Uhr), mit dem Ziel, die \u00d6rtlichkeit sp\u00e4ter wieder kontrolliert f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zu \u00f6ffnen. (Wer den Ort kennt, wei\u00df, wie unangenehm diese Treppe werden kann, wenn sich dort Menschenmengen schnell in Bewegung setzen.)<\/p>\n<p>Dieser R\u00e4umungsbeschluss bedeutete, dass aus anderen Bereichen Kr\u00e4fte abgezogen werden mussten, diese Gegenden jetzt weniger gesichert waren. Sicher keine angenehme Entscheidung bei dem Gedanken, dass ja heute bei jeder Gro\u00dfveranstaltung auch die &#8222;Terrorismusgefahr&#8220; mitgedacht werden muss.<\/p>\n<p>Wie bei jeder Gro\u00dfveranstaltung \u00e4hnlicher Art kam es zu diesem Zeitpunkt schon zu Diebst\u00e4hlen, &#8222;Antanzen&#8220;, &#8222;Abziehen&#8220; und einzelnen sexualisierten \u00dcbergriffen. Wie bei jeder Gro\u00dfveranstaltung \u00e4hnlicher Art wurden einzelne Beamte vor Ort angesprochen oder beobachteten selbst einzelne \u00dcbergriffe. Ein Beamter\/eine Beamtin mit Einsatzbefehl kann nicht einfach den ihm\/ihr zugewiesenen Ort und Auftrag verlassen.<\/p>\n<p>Wie immer, wenn man Polizei im Einsatz anspricht, wird man auf das n\u00e4chste Revier verwiesen, um dort Anzeige zu erstatten. Um einen Insider zu zitieren, &#8222;noch um zwei Uhr nachts \u00fcbertraf die Zahl der Anzeigen nicht das bei solchen Gro\u00dfveranstaltungen \u00fcbliche Ma\u00df&#8220;.<\/p>\n<p>Also, alles &#8222;normal&#8220;. M\u00e4nner, die sich alkoholisiert in der Gruppe gegenseitig hochschaukeln, Nachahmungseffekte, nachdem die ersten &#8222;ungestraft&#8220; t\u00e4tlich werden konnten, das Gef\u00fchl, in der Gruppe stark zu sein, sich mehr zu &#8222;trauen&#8220;.<\/p>\n<p>Eine sich sichtbar aufheizende Stimmung, der Platz wird ger\u00e4umt, einzelne Personen kontrolliert, denen jedoch nichts nachzuweisen ist.<\/p>\n<p>Hier den Verantwortlichen den Vorwurf zu machen, dass sie damals nicht wussten, was hinterher geschah bzw. sichtbar wurde, ist scheinheilig.<\/p>\n<h3>Die Polizei hat es nicht verhindert<\/h3>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt h\u00e4tte eine konsequent rassistisch denkende Einsatzleitung, die nur aufgrund der \u00e4u\u00dferen Erscheinung einer auff\u00e4lligen Personengruppe einen erweiterten Verdacht konstruiert, ALLE Personen einzeln \u00fcberpr\u00fcfen bzw. in rechtlich unzul\u00e4ssigen Pr\u00e4ventivgewahrsam nehmen m\u00fcssen. Dies w\u00e4re bei den angegebenen ca. 1000 Personen auf dem Platz selbst mit einer zus\u00e4tzlich angeforderten Hundertschaft &#8211; also BeamtInnen aus der Bereitschaft rufen (eine Stunde bis zum Eintreffen am Abfahrtsort) und aus drei St\u00e4dten, die zwischen 70 und 140 km entfernt liegen, nach K\u00f6ln durch die volle Stadt an den Dom transportieren, die dann zwei bis drei Stunden sp\u00e4ter eintreffen &#8211; kaum m\u00f6glich gewesen (oder fordert jemand einen &#8222;Kessel&#8220; mit Androhung von Schusswaffengebrauch?).<\/p>\n<p>Wenn bedauert wird, dass sich &#8222;Frauen jetzt nicht mehr sicher f\u00fchlen&#8220; und dies dem &#8222;Versagen der Polizei&#8220; zugeschrieben wird, dann \u00fcbersehen diejenigen, dass da wohl vorher eine gef\u00fchlte Scheinsicherheit aus der Phantasie, &#8222;Polizei&#8220; k\u00f6nne sexualisierte \u00dcbergriffe verhindern, bestand. Ihre Anwesenheit kann maximal die Wahrscheinlichkeit etwas verringern, etwas abschreckend wirken, dort wo sie sichtbar ist. Wirklich sicher w\u00e4re frau nur, wenn jeder Frau rund um die Uhr ein\/e BeamtIn als bodyguard zugeteilt w\u00e4re, und selbst dann&#8230; Willkommen in der Wirklichkeit.<\/p>\n<h3>Der Vertuschungsvorwurf<\/h3>\n<p>Noch am n\u00e4chsten Morgen hielt sich die Zahl der Anzeigen &#8222;im \u00fcblichen Rahmen&#8220;. Nur das dieser &#8222;\u00fcbliche Rahmen&#8220; hier schon medial anders betrachtet wurde, nicht zuletzt durch Berichte in den sozialen Netzwerken, die sich jedoch nicht mit der &#8222;eintrudelnden Zahl weiterer Anzeigen&#8220; deckte.<\/p>\n<p>Diese Zahl stieg erst sprunghaft nach der in den Medien verbreiteten Aufforderung, Anzeige zu erstatten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich es als angenehm empfand, dass die Pressestelle der Polizei und auch Polizeipr\u00e4sident Albers differenziert und sachlich zum jeweiligen gesicherten Kenntnisstand berichteten, sich weder in allgemeinen Spekulationen noch Rassismen ergingen, wurde pl\u00f6tzlich genau DAS von allen Seiten zum Vorwurf gemacht, von PolitikerInnen und Medien &#8222;ausgeschlachtet&#8220; und der &#8222;Verantwortliche&#8220; musste gehen.<\/p>\n<p>Ironie, dass mit Albers jemand gehen musste, der NICHT rassistisch und NICHT vorverurteilend dachte und sprach, der sich an die jeweils bekannten Fakten hielt und das NICHT rassistische und NICHT vorverurteilende Handeln seiner BeamtInnen, die sich an geltendes Recht hielten, st\u00fctzte.<\/p>\n<h3>Rassismus als Teilmenge von Sexismus<\/h3>\n<p>&#8222;Frauen sind die Neger aller V\u00f6lker&#8220; titelte Cornelia Eichhorn 1992 provokant ((4)), in Anlehnung an Yoko Onos und John Lennons Frauenbewegungs-Song &#8222;Woman Is the Nigger of the World&#8220; von 1972. Ge\u00e4ndert hat sich wenig. Bei T\u00e4tern wie (potenziellen) Opfern. Straftaten von ImmigrantInnen werden statistisch betrachtet deutlich h\u00e4ufiger angezeigt ((2)) ((3)). Das &#8222;Normale&#8220; wurde erst zum &#8222;Skandal&#8220; als es durch &#8222;andere&#8220; begangen und \u00f6ffentlich wurde.<\/p>\n<p>Die mediale Aufmerksamkeit hat einen Schneeballeffekt hervorgerufen.<\/p>\n<p>Immigrant als T\u00e4ter, hier soll angezeigt werden, so die Botschaft. Die Taten, die von &#8222;heimischen&#8220; M\u00e4nnern begangen wurden und werden bei solchen \u00f6ffentlichen Veranstaltungen, ihre Opfer bekommen nicht so viel Aufmerksamkeit, Zuspruch und W\u00fcrdigung.<\/p>\n<h3>Die Ressource Frau &#8211; Es geht manchen nur um Sex, anderen auch<\/h3>\n<p>Die taz bot schon am 17.11.2010 einen besonderen Beitrag ((5)).<\/p>\n<p>Ein 30-j\u00e4hriger Mann klagt, dass er bei Frauen nicht ankommt. Nein, nicht, weil er zu wenig verdient, zu klein ist, keine Haare, kein Auto oder keinen Job hat und Frauen &#8222;heute&#8220; so oberfl\u00e4chlich seien, wie viele frustrierte M\u00e4nner in g\u00e4ngigen Liebes\/Kummer-online-Foren seit Jahren schreiben, und viele dann mit rassistischen Aussagen zur Zuwanderung, die ihnen das Leben zus\u00e4tzlich erschwert.<\/p>\n<p>Dieser meint, zu seiner Identit\u00e4t als Libanese und Moslem l\u00fcgen zu m\u00fcssen, um \u00fcberhaupt Sex haben zu k\u00f6nnen, hier habe er weniger als im Libanon. Wobei die L\u00fcge sp\u00e4ter potenzielle Beziehungen beendet. Dies wurde im Artikel als gegebenes, trauriges Dilemma vorgestellt.<\/p>\n<p>Der unterschwellige Rassismusvorwurf an Frauen legitimiert f\u00fcr die verst\u00e4ndnisvolle Autorin dieses Verhalten. Ab welchem moralischen oder strafrechtlich geahndetem Handeln darf &#8222;sexueller Frust&#8220; nicht mehr als &#8222;legitimer&#8220; Grund f\u00fcr \u00dcbergriffe herhalten?<\/p>\n<p>Das Grundprinzip, dass jeder Mann ein &#8222;Recht&#8220; auf die Erf\u00fcllung seines Bed\u00fcrfnisses nach Sex habe und sich bitte daf\u00fcr irgendeine Frau umsonst zur Verf\u00fcgung stellen solle, wird nicht hinterfragt.<\/p>\n<p>Handelt es sich gar um einen allgemeinen Kampf frustrierter M\u00e4nner um die &#8222;Ressource Frau&#8220;? Rassismus als Waffe in diesem Kampf? Aussagen aus rechten Kreisen, wie &#8222;Wir m\u00fcssen unsere Frauen und Kinder sch\u00fctzen&#8220; (u.a. Michael Mannheimer), weisen zumindest darauf hin. So manche weibliche &#8222;Ressource&#8220; nimmt diese Rolle unreflektiert an.<\/p>\n<p>Ihre Sicht auf die Probleme teilt sie mit von ihr jeweils akzeptierten m\u00e4nnlichen Ressourcennutzern, wie z.B. die Bloggerin Petra Raab, die &#8222;Deutsche Frauen und Kinder als Freiwild f\u00fcr Asylanten und Migranten&#8220; titelt und der dabei nicht auff\u00e4llt, dass sie prinzipiell nichts gegen den Vergleich der Frau mit &#8222;Wild&#8220; einzuwenden hat, nur soll bitte nicht jeder jedes jagen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Wenn Bundesfrauenministerin Schwesig fordert ((6)), die Polizei m\u00fcsse Frauen sch\u00fctzen (war das bisher nicht auch ihr Auftrag?), von &#8222;hier geltenden Werten&#8220; spricht, zu denen auch der Respekt vor Frauen geh\u00f6rt, k\u00f6nnte der Eindruck entstehen, als h\u00e4tte sie keine Ahnung vom t\u00e4glichen und auch t\u00e4tlichen Sexismus in Arbeit, Freizeit und Familien. Alle 68 Minuten wird statistisch in diesem Land eine Frau vergewaltigt (Hochrechnung nach Statistica 2014).<\/p>\n<p>Schwesig betont, das &#8222;Gastrecht&#8220; w\u00e4re &#8222;verwirkt&#8220;, wenn &#8222;Straftaten AUCH gegen\u00fcber Frauen&#8220; begangen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Frau wundert sich. Bedeutet dies nicht, dass bisher Straftaten gegen\u00fcber Frauen weniger verfolgt und geahndet wurden als andere Straftaten? Oder dass nur &#8222;G\u00e4ste&#8220; sich gegen\u00fcber Frauen &#8222;anst\u00e4ndig&#8220; verhalten m\u00fcssen &#8211; Gastrecht ungleich dem Recht der &#8222;Einheimischen&#8220;?<\/p>\n<h3>Mehr Schutz vor sexualisierter Gewalt?<\/h3>\n<p>In K\u00f6ln wurden Silvester Frauen von M\u00e4nnern bel\u00e4stigt, gen\u00f6tigt, eventuell vergewaltigt. Der Aufschrei ist gro\u00df, &#8222;Konsequenzen&#8220; werden gefordert.<\/p>\n<p>In Erstaufnahmeeinrichtungen werden Frauen bel\u00e4stigt, gen\u00f6tigt, vergewaltigt. Mindeststandards wie wenigstens getrennte sanit\u00e4re Anlagen f\u00fcr einen minimalen Schutz von Frauen gibt es nicht (siehe dazu den Artikel von Maria Braig in dieser GWR). Frau ist eben nicht gleich Frau &#8211; und damit nicht gleich &#8222;sch\u00fctzenswert&#8220;.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz, \u00fcber eine schon lange geforderte Versch\u00e4rfung des Sexualstrafrechts wird jetzt nachgedacht. Was daraus wird, wird auch davon abh\u00e4ngen, wie lange dieses Thema in den Medien bleibt.<\/p>\n<p>Manchem der Fordernden ist sicher nicht bewusst, dies w\u00fcrde auch eine Versch\u00e4rfung f\u00fcr diejenigen M\u00e4nner bedeuten, die Frauen nicht &#8222;sch\u00fctzen&#8220;, sondern vordringlich ihr rassistisch-sexistisch motiviertes Gef\u00fchls-Privileg auf alleinige \u00dcbergriffsberechtigung erhalten wollen.<\/p>\n<h3>Viele Feministinnen fordern schon lange eine \u00c4nderung des Sexualstrafrechts<\/h3>\n<p>Der deutsche Juristinnenbund stellte 2014 fest, &#8222;der Strafrechtsparagraph, der sexuelle N\u00f6tigung und Vergewaltigung unter Strafe stellt, erf\u00fclle die internationale Vorgabe der Kriminalisierung nicht&#8220;.<\/p>\n<p>Das Sexualstrafrecht erm\u00f6gliche &#8222;keine wirksame Strafverfolgung. Insbesondere erm\u00f6gliche das Strafrecht keine wirksame Strafverfolgung aller nicht einvernehmlichen sexuellen Handlungen&#8220;.<\/p>\n<p>Nach Angaben des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen wurden 2012 nur 8% der wegen Vergewaltigung Angeklagten verurteilt. ((7))<\/p>\n<p>Es musste wohl erst zu einer Kombination von mehreren Faktoren bei diesen \u00dcbergriffen kommen. \u00d6ffentlich beobachtbar und beschrieben, vielfach und gleichzeitig stattfindend, von als &#8222;die anderen&#8220; wahrgenommenen Personen begangen, durch vorhandene Polizei nicht zu stoppen, plus medialer Aufmerksamkeit, dies alles war n\u00f6tig, damit sexualisierte Gewalt als Thema in der Politik endlich ernst genommen wird. Wie sehr, wird sich zeigen, denn die Debatten um das &#8222;Versagen&#8220; der Polizei speziell in K\u00f6ln nehmen deutlich mehr Raum in der Berichterstattung ein.<\/p>\n<h3>Am Rande bemerkt<\/h3>\n<p>Im Rahmen der Debatte um ein Verbot der Prostitution argumentierten Gegnerinnen eines generellen Verbotes, dies w\u00fcrde ja in erster Linie die Prostituierten kriminalisieren. Eine Versch\u00e4rfung des Sexualstrafrechts im Sinne der Europakonvention von 2011 dagegen w\u00fcrde bedeuten, dass auch diejenigen, die solche Dienste in Anspruch nehmen, zu T\u00e4terInnnen im Sinne des Gesetzes werden, wenn sie sich der Freiwilligkeit einer Prostituierten nicht sicher sein k\u00f6nnen (z.B. bei Zwangsprostitution oder bei Ausnutzen einer Notlage).<\/p>\n<p>Ob die jetzt auf den Weg gebrachte Strafrechts\u00e4nderung wirklich etwas zum Schutz von Frauen beitr\u00e4gt? Ich zweifele.<\/p>\n<p>Sexualisierte Gewalt entsteht aus der Denkweise der T\u00e4terInnen, mit der sie ihr Handeln vor sich und anderen legitimieren. Solange bei sexualisierter Gewalt im privaten und (halb)\u00f6ffentlichen Raum immer noch weggesehen bzw. verharmlost, nicht einmal thematisiert wird, dies keinen Widerstand erf\u00e4hrt, durch Frauen und M\u00e4nner, gleich ob als Betroffene\/r oder Zeuge, wird auch eine ge\u00e4nderte Gesetzgebung keine gr\u00f6\u00dfere Wirkung haben. Die Wogen der \u00f6ffentlichen Emp\u00f6rung w\u00e4ren ein wenig gegl\u00e4ttet, um sich wieder &#8222;wichtigeren Themen&#8220; wie &#8222;Fl\u00fcchtlingskrise&#8220;, &#8222;bessere \u00dcberwachung&#8220; und &#8222;mehr und besser ausgestattete Polizei&#8220; zu widmen.<\/p>\n<p>Ob die Frage &#8222;Sexualisierte Gewalt und wie man sie \u00fcberwindet&#8220; als wichtiges Thema jetzt im Bewusstsein der \u00d6ffentlichkeit bleibt, oder hinter dem aktuell beliebteren &#8222;Migranten-&#8220; bzw. &#8222;Polizei-Bashing&#8220; wieder in der medialen Nische verschwindet &#8211; wir werden sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese &#8222;Vorkommnisse&#8220; sind auch keine Besonderheit des urbanen Raumes. Jedes Dorffest bietet dieses Risiko. Viele dieser Taten werden jedoch nicht angezeigt ((3)). Das bisherige Strafrecht sch\u00fctzt M\u00e4nner. 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