{"id":15110,"date":"2016-02-01T00:00:00","date_gmt":"2016-01-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2016\/02\/tierra-y-libertad-auf-kolumbianisch\/"},"modified":"2022-07-26T14:22:11","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:11","slug":"tierra-y-libertad-auf-kolumbianisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/02\/tierra-y-libertad-auf-kolumbianisch\/","title":{"rendered":"Tierra y Libertad auf kolumbianisch&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><b>Graswurzelrevolution: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, neben dem Kaffee aus Chiapas auch welchen aus Kolumbien importieren zu wollen? Warum Kaffee von der indigenen Bewegung im Cauca?<\/b><\/p>\n<p><i>Dorit Siemers: <\/i>Wir hatten schon seit l\u00e4ngerem die Idee, auch Kaffee von einer anderen unterst\u00fctzenswerten Bewegung ins Sortiment aufzunehmen.<\/p>\n<p>Auf den CRIC in Kolumbien, den Consejo Regional Ind\u00edgena del Cauca, also den Regionalen Rat der Indigenen im Cauca, sind wir gekommen, weil uns jemand aus Kolumbien-Solikreisen, der die CRIC-Bewegung schon mehrere Jahre kennt und vor Ort gelebt hat, auf sie aufmerksam gemacht hat.<\/p>\n<p>Wir haben uns daraufhin n\u00e4her mit der Bewegung besch\u00e4ftigt und uns bei Aktivist_innen in Deutschland und Lateinamerika umgeh\u00f6rt. Die R\u00fcckmeldungen waren alle positiv, so dass wir uns entschieden haben, Kontakt zu ihnen aufzunehmen.<\/p>\n<p><b>GWR: Du warst Anfang 2015 dort und hast den CRIC, die Region Cauca und die Kaffeeproduktion kennengelernt. Was waren Deine Eindr\u00fccke?<\/b><\/p>\n<p><i>Dorit Siemers: <\/i>Zun\u00e4chst einmal: F\u00fcr uns war es wichtig, die Bewegung und die Menschen pers\u00f6nlich kennenzulernen, bevor wir einen neuen Kaffee einer neuen Kooperative ins Sortiment aufnehmen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir auf einer ersten Reise nur einen kleinen Einblick bekommen, aber uns war dieser erste Schritt sehr wichtig. So habe ich mich mit einem Freund aus Mexiko auf die Reise nach S\u00fcdwest-Kolumbien in den Cauca gemacht, eine Region, die einigen wahrscheinlich durch die Pr\u00e4senz der FARC-Guerilla bekannt ist. Zur Info: CRIC und FARC arbeiten nicht zusammen.<\/p>\n<p>Wir wurden von den CRIC-Mitgliedern sehr nett und offen empfangen. Wir haben mehrere Tage mit ihnen verbracht; haben verschiedene Gemeinden und Kaffeeanbauregionen kennengelernt, waren mit Kaffeeanbauenden auf Kaffeefeldern und haben eine Art Uni bzw. Ausbildungszentrum des CRIC besucht. Es war toll, dass wir die M\u00f6glichkeit hatten, uns und unsere Ideen auf Versammlungen in verschiedenen Gemeinden vorzustellen. Es gab Nachfragen zum zapatistischen Aufstand und Ideen zur Vernetzung. Sie haben sich gefreut, dass wir nicht irgendwelche Kaffeeh\u00e4ndler sind, sondern dass wir an ihrer Bewegung interessiert sind.<\/p>\n<p>Ich fand es beeindruckend, wie gut der CRIC organisiert ist. Mensch merkt, dass die Bewegung schon jahrelange Erfahrungen hat &#8211; sie hat sich bereits im Februar 1971 gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p><b>GWR: Was hat Dich besonders beeindruckt? <\/b><\/p>\n<p><i>Dorit Siemers: <\/i>Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass viele Frauen aktiv an den Versammlungen teilgenommen haben und von diesen auch mehrere Amtstr\u00e4ger_innen waren. Beim CRIC wird das Innehaben eines Amtes durch das Tragen eines bast\u00f3n (ein mit B\u00e4ndern geschm\u00fcckter Stock) zum Ausdruck gebracht.<\/p>\n<p><b>GWR: Die zapatistischen Gemeinden in Chiapas haben massive Probleme mit dem Kaffee-Rost, einer Plage, die in manchen Orten bis zu 80 % der Kaffee-Produktion vernichtet hat. Ist der Kaffee aus Kolumbien nun Ersatz oder gar Konkurrenz zum zapatistischen Kaffee?<\/b><\/p>\n<p><i>Dorit Siemers: <\/i>Nein, das soll er auf keinen Fall sein! Es ist schon so, dass wir aufgrund des Kaffee-Engpasses in Chiapas fr\u00fcher als gedacht Kontakt zum CRIC aufgenommen haben, aber es ist f\u00fcr uns klar, dass die Beziehung langfristig angelegt ist.<\/p>\n<p>Wir hoffen, dass beide Sorten gut angenommen werden und jeweils ihre &#8222;Fans&#8220; finden. Die Qualit\u00e4t des Rohkaffees ist aus beiden L\u00e4ndern sehr gut. Und wir finden, dass beide Bewegungen aufgrund ihres Kampfes gegen Ausbeutung, Unterdr\u00fcckung und Naturzerst\u00f6rung und aufgrund ihrer Ideen und Ziele Unterst\u00fctzung verdienen.<\/p>\n<p>Es geht eben nicht nur um bessere Bezahlung, sondern um solidarische politische Zusammenarbeit auf horizontaler Ebene.<\/p>\n<p><b>GWR: Gibt es Kontakt zwischen der zapatistischen Bewegung in Chiapas und dem CRIC in Kolumbien? <\/b><\/p>\n<p><b>Beide sind ja indigene Bewegungen, die gegen Freihandel, Neoliberalismus und f\u00fcr Autonomie und eine andere Wirtschaft k\u00e4mpfen!<\/b><\/p>\n<p><i>Dorit Siemers: <\/i>Wir wissen, dass Vertreter_innen des CRIC an internationalen Treffen der Zapatistas teilgenommen haben, aber ob es dar\u00fcber hinaus tiefergehende Treffen, z.B. einen Austausch mit einem Zapatistischen Rat der Guten Regierung, gegeben hat, wissen wir bisher nicht.<\/p>\n<p>Nach unserer Kolumbienreise und dem ersten Kontakt zum CRIC, hat es Anfang September 2015 auch ein Treffen in Chiapas gegeben: Ein Vertreter der CRIC-Kaffee-Kooperative CENCOIC aus Kolumbien, der unser Begleiter und Ansprechpartner ist, wurde eingeladen, um dort an einem Austausch-Seminar \u00fcber die Kaffeekrankheit Roya teilzunehmen.<\/p>\n<p>Wir haben diese besondere Gelegenheit genutzt und mitgeholfen, ein Treffen mit ihm und zapatistischen Kooperativen zu organisieren.<\/p>\n<p><b>GWR: Wird es im Kaffee-Sortiment eine Mischung von Kaffee aus Chiapas und dem Cauca geben? Eine kulinarische Begegnung von Zapata und Quint\u00edn Lame? <\/b><\/p>\n<p><i>Dorit Siemers: <\/i>Mir gef\u00e4llt das Wortspiel &#8222;kulinarische Begegnung von Zapata und Quintin Lame&#8220;. Vielleicht vorab kurz zur Person Quint\u00ecn Lame: Er war ein bedeutender Indigener im Cauca, der wie Emiliano Zapata im 20. Jahrhundert f\u00fcr mehr Rechte der Indigenen und gegen Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung gek\u00e4mpft hat.<\/p>\n<p>Von 1984 bis 1991 gab es eine bewaffnete Bewegung im Cauca, die sich nach Quint\u00edn Lame benannt hat und in der auch CRIC-Indigene aktiv waren.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Frage: Wir haben lange \u00fcberlegt, zu welchen Sorten wir den kolumbianischen Kaffee r\u00f6sten lassen. Letztendlich haben wir uns entschieden, zwei neue Sorten aufzunehmen: einen Filterkaffee caf\u00e9 minga und einen Espresso kint\u00edn.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus mischen wir einen bestehenden Espresso: Der Estrella Negra wird eine Mischung aus Rohkaffeebohnen von der zapatistischen und der indigenen Bewegung aus dem Cauca und wird Estrella Fusi\u00f3n hei\u00dfen. Somit gibt es hierzulande also auch eine Ann\u00e4herung der beiden Bewegungen, eine kulinarische Begegnung von Zapata und Quintin Lame.<\/p>\n<p><b>GWR: Was ist f\u00fcr Dich bzw. f\u00fcr Euch neu und besonders spannend?<\/b><\/p>\n<p><i>Dorit Siemers: <\/i>Ich finde es spannend, dass die indigene Bewegung im Cauca schon seit mehreren Jahrzehnten existiert. Ich freue mich darauf, die Bewegung Schritt f\u00fcr Schritt mehr kennenzulernen. Durch Veranstaltungen, Interviews und Artikel m\u00f6chten wir sie hier bekannter machen und zur Vernetzung beitragen. Interessant finde ich, dass die Bewegung bis 1990 eine vertikale Struktur hatte &#8211; es gab einen Pr\u00e4sidenten, der viel Macht hatte, wie uns erz\u00e4hlt wurde. Da sie damit schlechte Erfahrungen gemacht haben und unzufrieden waren, haben sie die vertikale Struktur in eine horizontale umgewandelt.<\/p>\n<p>Interessant ist es auch, die Parallelen und Unterschiede zum Zapatismus zu sehen bzw. kennenzulernen.<\/p>\n<p><b>GWR: Warum nennt Ihr einen Kaffee &#8222;MINGA&#8220; (vgl. Artikel in GWR 405)? Was steckt dahinter? <\/b><\/p>\n<p><i>Dorit Siemers: <\/i>Wir haben Namen \u00fcberlegt, die etwas mit der Bewegung des CRIC zu tun haben. Minga hat gleich zwei wichtige Bedeutungen: Zum einen steht minga f\u00fcr kollektive Arbeit und zum anderen werden die gro\u00dfen Demos und Protestaktionen, die h\u00e4ufig vom CRIC initiiert werden, auch als minga bezeichnet. Zwei Bedeutungen, in denen wir uns gut wiederfinden.<\/p>\n<p><b>GWR: \u0085 und wie schmeckt der Kaffee aus dem Cauca und wo kann mensch ihn kaufen?<\/b><\/p>\n<p><i>Dorit Siemers: <\/i>Er hat etwas weniger S\u00e4ure als der zapatistische Kaffee. Uns schmeckt er sehr gut, aber das ist ja auch immer Geschmackssache, die einen schmecken das, was andere wiederum gar nicht schmecken&#8230;<\/p>\n<p>Am Besten probieren.<\/p>\n<p>Der Kaffee kann \u00fcber unseren Webshop oder per Mail\/Telefon bestellt werden. Zudem hoffen wir, dass ihn auch mehrere L\u00e4den ins Sortiment aufnehmen.<\/p>\n<p>Wem der Kaffee schmeckt und wer den indigenen Widerstand im Cauca und ihre Selbstorganisation weiter unterst\u00fctzen will, kann gerne im pers\u00f6nlichen Umfeld werben oder im &#8222;Laden des Vertrauens&#8220; fragen, ob sie den Kaffee anbieten m\u00f6chten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graswurzelrevolution: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, neben dem Kaffee aus Chiapas auch welchen aus Kolumbien importieren zu wollen? Warum Kaffee von der indigenen Bewegung im Cauca? Dorit Siemers: Wir hatten schon seit l\u00e4ngerem die Idee, auch Kaffee von einer anderen unterst\u00fctzenswerten Bewegung ins Sortiment aufzunehmen. 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