{"id":15140,"date":"2016-03-01T00:00:00","date_gmt":"2016-02-29T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2016\/03\/ein-toter-zu-wenig\/"},"modified":"2022-07-26T14:22:10","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:10","slug":"ein-toter-zu-wenig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/03\/ein-toter-zu-wenig\/","title":{"rendered":"Ein Toter zu wenig?"},"content":{"rendered":"<p>Breit wurde berichtet, denn die Mitteilung schien authentisch und keiner Gegenrecherche bed\u00fcrftig &#8211; ein social-media-Effekt. Als sich dann herausstellte, dass der \u00fcberarbeitete Helfer offenbar ein Opfer seiner \u00fcberreizten Nerven und halluzinierenden Phantasie geworden war, ging ein emp\u00f6rter Aufschrei durch die sich genasf\u00fchrt w\u00e4hnende \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Noch am besonnensten reagierte ausgerechnet der allem Anschein nach sonst \u00fcberforderte CDU-Sozialsenator Czaja, der f\u00fcr das LAGeSo zust\u00e4ndig ist. Er mahnte zur Sachlichkeit und Beruhigung. Innerlich mag er, der Angez\u00e4hlte, aufgeatmet haben, dass dieser Kelch noch einmal an ihm vor\u00fcberging.<\/p>\n<p>Also noch kein unmittelbarer Toter am LAGeSo, aber wohl f\u00fcnf t\u00f6dliche Fehlgeburten, ein Herzinfarkt und ein dort entf\u00fchrtes, missbrauchtes und ermordetes Fl\u00fcchtlingskind.<\/p>\n<p>T\u00e4glich werden am LAGeSo Menschenrechte mit F\u00fc\u00dfen getreten, manchmal ist das w\u00f6rtlich zu nehmen, wie der dokumentierte Fall eines am Boden liegenden, von Wachpersonal getretenen Fl\u00fcchtlings zeigt.<\/p>\n<p>Menschenunw\u00fcrdig sind die Bedingungen, unter denen oft traumatisierte Gefl\u00fcchtete wochenlang aufeinander gedr\u00e4ngt, oft ernsthaft erkrankt, und in Ungewissheit auf Hilfe warten m\u00fcssen. Skandal\u00f6s ist, dass sich sog. Sicherheitsleute als Rechtsradikale oder arabisch-t\u00fcrkische Chauvinisten und Schl\u00e4ger entpuppen.<\/p>\n<h3>\u00dcberlebende<\/h3>\n<p>Das durch die oben genannte Meldung aufgerufene Szenario k\u00f6nnte jeden Tag eintreffen, das ist allen bewusst. Bewusst sind sich \u00fcberdies alle, dass die Menschen vor dem LAGeSo nur ein Teil von denen sind, die es bis hierher geschafft haben &#8211; \u00dcberlebende einer todbringenden, krankmachenden, m\u00fchseligen Reise.<\/p>\n<p>Ein Toter in Moabit zu wenig, aber Tausende, die im Mittelmeer oder Atlantik ertrunken sind und weiter ertrinken, Tausende Abgezockte, Beraubte, Verschwundene, Vergewaltigte, Verhungerte, Erfrorene, Traumatisierte, \u00fcber die es keine emp\u00f6rten Schlagzeilen gibt. Im Wohlstand suhlend, \u00fcberlegt die Adipositas-Gesellschaft, wie sie sich massenhaftes Elend m\u00f6glichst weit vom Hals h\u00e4lt. Die daf\u00fcr geschaffene Sondertruppe FRONTEX verr\u00e4t schon durch ihren Namen das Ziel: Front machen und Ex &#8211; raushalten.<\/p>\n<p>Der seinen warmen roten Umhang teilende Sankt Martin ist nicht mehr als ein R\u00fchrst\u00fcck ohne Gegenwartswert.<\/p>\n<p>Auch das Jesus-Wort &#8222;Was ihr dem geringsten meiner Br\u00fcder getan habt, das habt ihr mir getan&#8220; ist im angeblich so christlichen Leitkultur-Abendland bei den meisten in Vergessenheit geraten.<\/p>\n<p>Das massenhafte Elend verunwichtigt den einzelnen Fall.<\/p>\n<p>Alleine in diesem ersehnten Europa der christlichen Werte gibt es laut Europol mindestens zehntausend vermisste, verschwundene Fl\u00fcchtlingskinder innerhalb der letzten ein bis zwei Jahre, davon 5.000 in Deutschland (dpa-Meldung 31. Januar 2016). Wir sprechen also von Kindern, die &#8222;hier in der Sicherheit&#8220; angekommen sind! Nicht von den vielen ertrunkenen oder auf dem langen Treck verstorbenen und versehrten.<\/p>\n<p>Wir malen uns lieber nicht aus, wo die Verschwundenen sind oder wessen Sklaven sie jetzt sein m\u00f6gen &#8211; der entf\u00fchrte und ermordete Junge vom LAGeSo ist nur die \u00e4u\u00dferste Spitze des Eisbergs.<\/p>\n<h3>Ersch\u00fctternde Berichte<\/h3>\n<p>Wir wissen viel \u00fcber die Schicksale exilierter Deutscher im Nazifaschismus und lesen bis heute ihre ersch\u00fctternden Lebens- und \u00dcberlebensberichte. Die heute sich ereignenden Schicksale sind nicht weniger grausam.<\/p>\n<p>Manches Schicksal unserer Naziverfolgten oder Vertriebenen k\u00f6nnte beinahe eine Blaupause f\u00fcr Schicksale der heutigen Menschen auf der Flucht sein.<\/p>\n<p>Nur gibt es \u00fcber sie noch kaum B\u00fccher. T\u00e4glich k\u00f6nnen wir uns \u00fcber das Internet vor Augen f\u00fchren, wie entsetzlich die Realit\u00e4t der Fluchtrouten ist.<\/p>\n<p>Der Exodus aus der syrischen Millionenstadt Aleppo, herbeigebombt vom &#8222;vern\u00fcnftigen&#8220; Putin, ist nur eine weitere Etappe des politischen Pokers und Macht-Wahnsinns auf dem Weg nach Armageddon.<\/p>\n<p>Daran \u00e4ndert nichts, dass die Gefl\u00fcchteten keine homogene Masse sind. Sie bringen ihre gesellschaftlichen Verwerfungen mit. Sie bringen ihre Religionen und Weltsichten, ihre Traumata, ihren Hass und ihre Vorurteile, Vorlieben, Tr\u00e4ume und ihre gesellschaftlichen Pr\u00e4gungen mit &#8211; und ihre Kriminellen. Schon untereinander sind die Gefl\u00fcchteten eine vielf\u00e4ltig gespaltene Klassengesellschaft. Das f\u00e4ngt schon mit der Zielland-Einteilung in Nationalit\u00e4ten an, in der es eine Willkommenshierarchie gibt, in der die einen Chancen haben und die anderen keine.<\/p>\n<p>Religionsfanatiker*innen beharken sich in den \u00fcberf\u00fcllten Unterk\u00fcnften gegenseitig und pr\u00fcgeln sich krankenhausreif, gef\u00f6rdert durch die konfrontative Enge und h\u00e4ufige W\u00fcrdelosigkeit der Unterbringung. Aufgekl\u00e4rte und Gebildete stehen Fundamentalisten und primitiven T\u00f6lpeln gegen\u00fcber. Konflikte brechen auf. Frauen m\u00fcssen um ihre Unversehrtheit bangen, ganz zu schweigen vom h\u00e4ufig fehlenden Respekt f\u00fcr diese eine H\u00e4lfte der Menschheit. Mit all diesen Widerspr\u00fcchlichkeiten m\u00fcssen die Angekommenen und die hier Lebenden, sie Empfangenden, klarkommen, ein Umgehen finden. Viel Konfliktstoff in jede Richtung. Aber auch beidseitige Chancen zu lernen.<\/p>\n<h3>Das Meer ist voll<\/h3>\n<p>Wenn fr\u00fcher vor 20 Jahren schon angeblich &#8222;das Boot voll&#8220; war, so ist nun das Meer voll mit Toten und abgesoffenen Booten. Ein kollektives Verbrechen ungeheuren Ausma\u00dfes entrollt sich heute vor unseren trag\u00f6diengewohnten Augen, die kaum noch weinen k\u00f6nnen. Hierzulande treiben pathologische NeoNaziverbrecher erneut weitgehend ungehindert ihr Unwesen &#8211; \u00fcber eintausend Attacken auf Fl\u00fcchtlingsunterbringungen im Jahr 2015 sind ein schrilles Alarmsignal. Dem gegen\u00fcber stehen Tausende von freiwilligen Helfer*innen aus allen Bev\u00f6lkerungsschichten, die oft bis zur Ersch\u00f6pfung und nach einem vollen Arbeitstag versuchen, den in Not Gekommenen beizustehen, auch gegen das Versagen staatlicher Institutionen, die oft noch zus\u00e4tzlich im Wege stehen.<\/p>\n<p>Hier ist Gegenseitige Hilfe mal mehr als ein Spruch und ermutigt zu glauben, dass trotz AfD und sonstiger Afterdeutscher an diesem Land noch nicht aller Hopfen und Malz verloren ist.<\/p>\n<h3>Herausforderungen<\/h3>\n<p>Die gro\u00dfe Zahl von Fl\u00fcchtenden und Armutsmigrant*inn*en stellt diese Gesellschaft vor Belastungen, sogar vor gro\u00dfe. Weniger die materielle Bew\u00e4ltigung stellt die saturierte Gesellschaft und den Staat vor Herausforderungen, als die soziale.<\/p>\n<p>Es kann freiheitlich denkenden Menschen nicht egal sein, wer das gesellschaftliche Klima beeinflusst und mitpr\u00e4gt. Das weitgehend fehlende Entgegentreten gegen die Macho-Unkultur auch mancher Einwanderergruppen hat schon l\u00e4nger in einer sich gerade emanzipierenden Gesellschaft erheblichen Schaden getan, auch indem \u00fcberreichlich vorhandene autochthone Macker sich best\u00e4tigt f\u00fchlen konnten und selbstverst\u00e4ndlich in einen Obermacker-Wettbewerb mit den Hinzugekommen eintraten.<\/p>\n<p>Die Frauen, die sich diesen Figuren an den Hals warfen und werfen, taten und tun ein \u00fcbriges zum Rollback und lenken zudem ein schlechtes Licht darauf, wie es mit origin\u00e4r weiblicher Emanzipation bestellt ist.<\/p>\n<p>Wir haben klar R\u00fcckschl\u00e4ge erlitten. Auf der Positivseite dieses Problems ist allerdings zu vermelden, dass viele der zugereisten M\u00e4nner und Frauen sich ebenfalls emanzipier(t)en. Und dass gerade diese erfreuliche Sorte M\u00e4nner und Frauen eine positive R\u00fcckwirkung auf ihre Heimatl\u00e4nder und -kulturen haben und hatten. Dies gilt vor allem f\u00fcr die Stadtgesellschaften.<\/p>\n<h3>Positiver Wandel der Gesellschaft<\/h3>\n<p>In den letzten 50 Jahren zuwandernde Kulturen haben unsere moderne Gesellschaft auch positiv mitgepr\u00e4gt. Die meisten Menschen in Deutschland sind weltoffener und toleranter geworden und fremdeln weniger bei Ber\u00fchrung mit Neuem, Unbekannten und Fremdem.<\/p>\n<p>Im Osten der Republik gibt es damit weniger \u00dcbung. Dies ist auch eine Frage von Generationen.<\/p>\n<p>Waren in den 1950\/60er Jahren Ausl\u00e4nder*innen in Schulklassen und im Stra\u00dfenbild der BRD noch die Ausnahme, so sind sie heute die Regel, ja dominieren als Menschen &#8222;mit Migrationshintergrund&#8220; mancherorts die Klassen und Wohnviertel.<\/p>\n<p>War es in den 1950er und 1960er Jahren noch die bestaunte Ausnahme, dass jemand in D-Land Fremdsprachen verstand oder sprach, ist es heute fast die Regel. Wir sind in fremde L\u00e4nder gereist, oft sogar in viele davon, auch weit entfernte.<\/p>\n<p>Wir kennen das Global Village aus eigener Anschauung &#8211; oder zumindest aus dem &#8222;Farbfernsehen&#8220; mit hunderten w\u00e4hlbaren Kan\u00e4len \u0085 und neuerdings aus dem Internet.<\/p>\n<p>In alten Zeiten kannte man nur die Schwarzwei\u00df-Glotze mit ARD und ZDF und ebenso schwarzwei\u00dfen Nachrichten. Man kannte dar\u00fcber hinaus aus Herrenmenschenperspektive nur die L\u00e4nder, die man mit der Nazi-Wehrmacht besetzt hatte.<\/p>\n<p>Das postfaschistische Italien und (Franco-)Spanien als Massentouristikl\u00e4nder kamen erst sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Damals hatte man genug mit den eigenen obdachlosen Ausgebombten und den etwa 12 bis 14 Millionen Fl\u00fcchtlingsdeutschen und &#8222;Beutedeutschen&#8220; zu tun, die nach 1945 nach Kerndeutschland abgedr\u00e4ngt worden waren. Viele nannten die geflohenen Ostdeutschen damals ver\u00e4chtlich &#8222;Polacken&#8220;. Also solche, die bei sexuellem Kontakt zu Reichsdeutschen noch kurz zuvor der &#8222;Blutschande&#8220; angeklagt und gehenkt wurden&#8230; Bei diesen Generationen (Ur-\/Gro\u00dfeltern, Eltern) kommen nun Kriegs- und Fluchterinnerungen hoch, die mit denen heute Fliehender vergleichbar sind. Viele dieser Vertriebenen von damals finden verst\u00e4ndnisvolle Worte, spenden oder helfen praktisch mit. Oft haben sie erstmals die Chance, sich anhand des D\u00e9j\u00e0-vu mit den eigenen verdr\u00e4ngten Erlebnissen auseinanderzusetzen und sie zu sublimieren.<\/p>\n<h3>&#8222;Wir schaffen das&#8220; ist realistisch<\/h3>\n<p>Angesichts der Masse damaliger Entwurzelter und Heimatloser, f\u00fcr die im damals weitgehend zerst\u00f6rten und verarmten Deutschland nicht einmal Wohnraum zur Verf\u00fcgung stand (sie standen tats\u00e4chlich in direkter Konkurrenz zu den Nichtvertriebenen), ist Merkels &#8222;Wir schaffen das&#8220; im reichen Gegenwartsdeutschland kein Wunschzauber.<\/p>\n<p>Im Osten der Republik, der leider trotz gebetsm\u00fchlenhafter DDR-&#8222;V\u00f6lkerfreundschaft&#8220; die fremdenfeindlichsten Ausw\u00fcchse zeigt, g\u00e4be es gen\u00fcgend Siedlungs- oder zumindest Aufenthaltsplatz f\u00fcr Millionen.<\/p>\n<p>Millionen &#8222;Ossis&#8220; sind schlie\u00dflich nach Westen abgewandert. Im Osten der NeuBRD wurden und werden sogar Milliarden Euro per F\u00f6rdermittel in den &#8222;R\u00fcckbau&#8220; = Abriss nicht mehr ben\u00f6tigten Wohnraums investiert. Warum kann dieser nun nicht mit einem Gro\u00dfteil Selbsthilfe der Gefl\u00fcchteten (Modell Instandbesetzer*innen-Bewegung Berlin-West) instandgesetzt und genutzt werden?<\/p>\n<p>Warum werden nicht zehntausende leerstehender H\u00e4user in den (ostdeutschen) Innenst\u00e4dten mit Hilfe der Angekommenen endlich saniert und dem Verfall entrissen? Ist die ganze ostdeutsche Bev\u00f6lkerung faschistoid?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich nicht! Sonst w\u00e4re ich der erste, der den Wiederaufbau der Mauer fordern w\u00fcrde &#8211; nur: drei ReichsMeter h\u00f6her!<\/p>\n<p>Es w\u00e4re also an der Zeit, mit denjenigen Deutschen etwas zu wagen, die statt brauner Flitzkacke Vernunft im Kopf haben, und von denen gibt es eine ganze Menge mehr als Nazis und Halbnazis. Das Gleiche wie f\u00fcr den Osten gilt auch f\u00fcr das ausged\u00fcnnte Ruhrgebiet, das als sogenannte strukturschwache Region die Impulse begabter und unternehmerischer Einwanderer gebrauchen k\u00f6nnte. Wie Westberlin schon zu Mauerzeiten eine erhebliche Anzahl von Ausl\u00e4nder*innen beherbergte, k\u00f6nnte das Ruhrgebiet zu seinen geradezu sprichw\u00f6rtlichen polnischen Bergbauzuwanderern auch einen arabischen Impuls verkraften und integrieren.<\/p>\n<h3>No-Go-Areas<\/h3>\n<p>Warum sehen wir st\u00e4ndig (illegale) Pr\u00fcgelorgien enthemmter Polizeska gegen h\u00e4ufig friedliche Demonstrationen (wie z.B. in Stuttgart 21) und kein hartes Vorgehen gegen Nazis und andere Verbrecher? Wenn es schon No-Go-Areas geben soll, dann bitte f\u00fcr Nazis und Konsorten!<\/p>\n<p>Wir sind es leid, die Leidtragenden einer eingebildeten konservativ reaktion\u00e4ren &#8222;Leitkultur&#8220; zu sein. Wir wollen, dass den Nazi-Terroristen gezeigt wird, wo der Hammer h\u00e4ngt. Nazi Organisationen muss endlich der Geldhahn (aus unseren Steuergeldern) zugedreht werden.<\/p>\n<h3>Wie weiter?<\/h3>\n<p>Es bleibt zu \u00fcberlegen, wie weit wir als Zivilgesellschaft staatsverzichtend in die heutigen Verh\u00e4ltnisse eingreifen k\u00f6nnen, ohne von ihnen geg\u00e4ngelt zu werden. Mit der Hilfe f\u00fcr Gefl\u00fcchtete sind vielfache Kontakte entstanden, die es gilt weiter auszubauen. Tausende Gefl\u00fcchtete haben Aufnahme in Privatwohnungen gefunden. Zehntausenden wurde menschenfreundlich geholfen, ohne den Staat zu bem\u00fchen. Der Staat hat versagt und er versagt weiter. Er versch\u00e4rft die desolate Situation.<\/p>\n<p>Bei purer caritativer Hilfe kann und darf es nicht bleiben. Neue Konzepte m\u00fcssen gefunden werden, um uns selbst und den Gefl\u00fcchteten zu helfen, eine bessere Gesellschaft gemeinsam aufzubauen, in der es weniger Verblendung und Hass gibt und mehr Gegenseitige Hilfe und Achtung. Das wirklich emanzipative Projekt bezieht sich nicht auf nationale und kulturelle Grenzen, sondern auf deren \u00dcberwindung im bereichernden Zusammenleben.<\/p>\n<p>Nicht die &#8222;Integration&#8220; in die Einbahnstra\u00dfe des kapitalistischen Modells kann das meinen, sondern jegliche Schritte, die \u00fcber dieses hinausgehen, zu auf eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, Unterdr\u00fcckung und Grenzen jeglicher Art. Jeder befreite, freie Mensch ist eine Bereicherung und macht das Leben aller zusammen wertvoller.<\/p>\n<p>Der internationalistische Gedanke kann hier vor Ort mit Leben erf\u00fcllt werden, wenn das Nationalistische und das fanatisch Religi\u00f6se \u00fcberwunden wird. Libert\u00e4r denkende Menschen k\u00f6nnen dabei eine entscheidende Rolle spielen. Lokal und regional sind dazu passende Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Es besteht die Chance, mit neuen Menschen Neues zu entwickeln und die Dinge besser zu machen, als sie sind.<\/p>\n<p>Aber mensch muss sich schon von der Couch erheben, die vermittelte Welt des TV abschalten und sich selbst einschalten. Auf der Couch w\u00e4re dann auch Platz f\u00fcr einen Fl\u00fcchtling.<\/p>\n<h3>Zu den Medien, die den Anlass f\u00fcr diesen Artikel boten<\/h3>\n<p>Dass es die Massenmedien mit der Wahrheit oft nicht allzu genau nehmen, vom schlechten Journalismus ganz abgesehen, und dass wir im Wesentlichen gefilterte kapitalismus-kompatible Nachrichten erhalten und warum das so ist, ist ein alter Hut.<\/p>\n<p>G\u00fcnter Wallraffs &#8222;BILD-Reportagen&#8220; und Noam Chomskys &#8222;Manufacturing Consent&#8220; (Die Herstellung des Konsens, Film und Buch) sind unverzichtbare Lehrst\u00fccke daf\u00fcr. Dazwischen und zur &#8222;Gehirnpygm\u00e4enzeit&#8220; (Wolfgang Neuss) gibt es dann auch mal Brauchbares oder gar Gutes.<\/p>\n<p>Der springende Punkt ist der Mainstream, das, wor\u00fcber und in welcher Weise berichtet wird. Hier ziehen sich mir als gelerntem Kommunikationswissenschaftler schmerzlich die Magennerven zusammen. Bei einer seri\u00f6sen Nachrichtenanalyse w\u00fcrde wahrscheinlich herauskommen, dass st\u00e4ndig und vorwiegend &#8222;das Problem&#8220; Fl\u00fcchtlinge suggeriert wird, selbst da, wo wohlmeinend berichtet wird.<\/p>\n<p>Negative Schlagworte bleiben h\u00e4ngen, auch da, wo die Gesamtbotschaft des Beitrages anders ist.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die \u00fcberproportionale Aufmerksamkeit an zentraler Stelle, die relativ marginalen Gruppen wie Pegida und AfD gratis beschert wurde und wird. Diese kommt einem st\u00e4ndigen kostenlosen Werbegetrommel f\u00fcr diese Rattenf\u00e4nger gleich.<\/p>\n<p>Die Rechte wird hochgeschrieben, hochberichtet und gewinnt durch ihre \u00fcberproportionale Medienpr\u00e4senz an Einfluss. Fatal. Deutschland rutscht nach rechts, und die Medien in ihrem Hauptanteil bilden die Gleitschicht.<\/p>\n<p>Erst heute h\u00f6rte ich im rechtlich-\u00f6ffentlichen Radio wieder eine Meldung \u00fcber eine Demo von 400 (vierhundert!) rechten Dummdeubeln im Zuge des Pegida-Aktionstages 6.2.2016 in einer europ\u00e4ischen Hauptstadt. Demgegen\u00fcber wird h\u00e4ufig \u00fcber Demonstrationen von Tausenden aus dem linksalternativen Spektrum nicht oder nur am Rande berichtet. Es ist kein Zufall, dass die AfD in den Wahlprognosen nun zweistellig vor anderen Parteien liegt. Das ist wohl gewollt und wird nach den n\u00e4chsten Wahlen zur Folge haben, dass AfD und Konsorten Millionenbetr\u00e4ge aus der Steuerkasse beschert werden, die sie wiederum nutzen werden, weitere Gehirne mit ihrem Unrat zu verseuchen und sich strukturell und organisatorisch zu festigen.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Es werden auch in Zukunft viele Menschen zur Flucht gezwungen. Unsere politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen im Westen haben langfristig die Fluchten getriggert. Ihre Politik, ihre &#8222;wirtschaftlichen Interessen&#8220; und Waffenexporte haben Kriege, Umweltzerst\u00f6rung, Korruption, Diktaturen und Cliquenwirtschaft in den betroffenen L\u00e4ndern massiv mitverursacht.<\/p>\n<p>Mit der Ausbremsung der &#8222;Energiewende&#8220; haben sie jahrzehntelang verhindert, uns von Kohle, Uran, Erd\u00f6l und Erdgas unabh\u00e4ngig zu machen, um des billigen Profits willen.<\/p>\n<p>Sie haben global korrupte und reaktion\u00e4re Eliten an der Macht gehalten und kurzsichtig Entwicklung und Emanzipation der betroffenen L\u00e4nder verhindert.<\/p>\n<p>Um dieses \u00d6l werden seit Jahrzehnten Kriege gef\u00fchrt. Natur wird vernichtet, zusammen mit Menschen und Tieren, die darin leben. Unsere nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen auf diesem Planeten werden zerst\u00f6rt. Absehbar sind weitere Fluchtbewegungen aus \u00f6kologischen Katastrophengr\u00fcnden. Gegenw\u00e4rtig hungern weite Teile Afrikas wegen der D\u00fcrrekatastrophen &#8211; Millionen sind betroffen und auf der Flucht.<\/p>\n<p>Manche sprechen schon von einem neuen Zeitalter der V\u00f6lkerwanderungen. Dagegen Grenzen, Mauern und Festungen bauen zu wollen, ist l\u00e4cherlich, es sei denn, man wolle das Massaker an den neu aufgeworfenen W\u00e4llen der &#8222;Festung Europa&#8220;. Eines mit Gewehren und Kanonen, wie es die AfD-Demagoginnen Petry und von Storch nahelegen. Es w\u00e4re nichts als eine tempor\u00e4re blutige Farce. Auch das m\u00e4chtige Rom wurde einst \u00fcberrannt.<\/p>\n<p>Das stille Massaker jedoch l\u00e4uft l\u00e4ngst: das der unterlassenen Hilfeleistung. Unser Planet ist in Bewegung geraten. Klimawandel und Massenflucht k\u00f6nnen nicht einfach per Verordnung gestoppt werden.<\/p>\n<p>Die Welt kann nur gemeinsam gerettet und ge\u00e4ndert werden. Der Preis daf\u00fcr w\u00e4chst mit jedem Tag der ungerechten Sozial- und Wirtschafts(un)ordnung, und wir werden als Menschheit einen langen Atem daf\u00fcr brauchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Breit wurde berichtet, denn die Mitteilung schien authentisch und keiner Gegenrecherche bed\u00fcrftig &#8211; ein social-media-Effekt. Als sich dann herausstellte, dass der \u00fcberarbeitete Helfer offenbar ein Opfer seiner \u00fcberreizten Nerven und halluzinierenden Phantasie geworden war, ging ein emp\u00f6rter Aufschrei durch die sich genasf\u00fchrt w\u00e4hnende \u00d6ffentlichkeit. 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