{"id":15169,"date":"2016-03-01T00:00:00","date_gmt":"2016-02-29T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2016\/03\/den-staat-zerschlagen\/"},"modified":"2022-07-26T14:11:58","modified_gmt":"2022-07-26T12:11:58","slug":"den-staat-zerschlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/03\/den-staat-zerschlagen\/","title":{"rendered":"&#8222;Den Staat zerschlagen!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Der Herausgeber Peter Seyferth w\u00e4hlte f\u00fcr den Sammelband &#8222;Den Staat zerschlagen!&#8220; zw\u00f6lf anarchistische Autor_innen aus, die ihre unterschiedlichen Positionen zur marxistischen und liberalen Staatskritik darlegen, aber auch die Schw\u00e4chen der anarchistischen Staatsfeindschaft deutlich machen. Siegbert Wolf widmet sich auf zehn Seiten der Idee der Entstaatlichung bei Gustav Landauer. Von der millionenfachen freiwilligen Knechtschaft der Menschen und ihrer Projektion der eigenen Verantwortung auf den Staat ist hier die Rede.<\/p>\n<p>Carolin Kosuch analysiert ebenfalls die Schriften Landauers und arbeitet \u00fcber seine biografische Entwicklung die Radikalisierung seines Denkens vom vertr\u00e4umten Dichter zum sozialistischen Protagonisten der M\u00fcnchener R\u00e4terepublik heraus.<\/p>\n<p>Uri Gordon res\u00fcmiert in seinem Kapitel \u00fcber die Zukunft der Staatskunst und \u00fcber die Ablehnung des Staates der modernen Anarchist_innen. Es fehle diesen jedoch eine eigenst\u00e4ndige, analytische Staatskritik. Der Individualanarchismus steht bei Maurice Schuhmann im Fokus seiner staatskritischen Betrachtung. Max Stirner und B.R. Tucker werden von ihm grob skizziert. In seinem Fazit schreibt er: &#8222;Der Staat ist nicht nur das Herrschaftsinstrument einer Klasse oder Schicht, sondern er ist eine bereits verinnerlichte Idee. In dieser Hinsicht ist die Herrschaftskritik des klassischen Individualanarchismus sensibler als die der sozialen Str\u00f6mungen.&#8220; (S. 100)<\/p>\n<p>Helge D\u00f6hring stellt die Staatsgegnerschaft der anarchosyndikalistischen Bewegung auf \u00f6konomischem, politischem und kulturellem Sektor dar. Bez\u00fcglich des Parlamentarismus zitiert er Rudolf Rocker: &#8222;Der revolution\u00e4re Syndikalismus verwirft jede parlamentarische Bet\u00e4tigung und jede Mitarbeit in den K\u00f6rperschaften \u0085 der ganze Parlamentarismus hat nur den Zweck, der Herrschaft der L\u00fcge und der sozialen Ungerechtigkeit den Schein des legalen Rechts zu verleihen.&#8220; (S.239)<\/p>\n<p>Ein Kapitel von Peter Seyfarth widmet sich dem Begr\u00fcnder des Anarcho-Kommunismus Pjotr Kropotkin. Bevor der Staat zerst\u00f6rt werden kann, muss eine intensive Vorarbeit geleistet werden, denn die Ideen der Revolution und der zu erk\u00e4mpfenden freien Gesellschaft m\u00fcssen verbreitet werden. Eine revolution\u00e4re Lage allein gen\u00fcgt nicht. Markus Huber schreibt in seinem Kapitel \u00fcber anarcho-primitivistische Weltanschauungen, die in den sp\u00e4ten 1970er Jahren in Gro\u00dfbritannien und in den USA aufkamen.<\/p>\n<p>Der Text von Birgit Schmidt besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, warum fast zweieinhalb Millionen Juden und J\u00fcdinnen im ausgehenden neunzehnten und beginnenden zwanzigsten Jahrhundert ihre osteurop\u00e4ische oder russische Heimat verlie\u00dfen, um in der sogenannten Neuen Welt, in Gro\u00dfbritannien, im Deutschen Kaiserreich und vor allem in den USA Fu\u00df zu fassen. (S.222) Auf dreizehn Seiten fasst J\u00fcrgen M\u00fcmken die anarchistischen Klassiker und deren Grundsatzthesen zusammen. Hierbei konzentriert er sich auf das Verh\u00e4ltnis von Gesellschaft und Staat dieser Autoren. M\u00fcmken arbeitet die Unterschiede der Begriffe Macht und Herrschaft heraus. Sein Interesse gilt der Geschichte des Staates und der Auseinandersetzung mit den Denkformen bei Marx und Foucault. Der Schwerpunkt bei Wolfgang Eckhardt ist Bakunins Staatskritik. Bakunin erkl\u00e4rte sich zum Gegner jener individualistischen, egoistischen, kleinlichen und fiktiven Freiheit, welche die Schule Rousseaus und all die anderen Schulen des b\u00fcrgerlichen Liberalismus lobpreisen. Im Beitrag von David Strohmaier wird ein anarchistisches Staatsverst\u00e4ndnis behandelt, das den Staat im Innersten auf Gewalt begr\u00fcndet sieht. Dabei wird besonders der Anarcho-Pazifismus als eine von vielen Str\u00f6mungen innerhalb der anarchistischen Bewegung analysiert.<\/p>\n<p>&#8222;Den Staat zerschlagen!&#8220; ist ein gelungenes Werk. Der Ladenpreis ist mit 49 Euro leider sehr hoch. Laut Auskunft des Nomos-Verlages ergibt sich der Preis aus der niedrigen Auflage mit der Zielgruppe Wissenschaftsbetrieb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Herausgeber Peter Seyferth w\u00e4hlte f\u00fcr den Sammelband &#8222;Den Staat zerschlagen!&#8220; zw\u00f6lf anarchistische Autor_innen aus, die ihre unterschiedlichen Positionen zur marxistischen und liberalen Staatskritik darlegen, aber auch die Schw\u00e4chen der anarchistischen Staatsfeindschaft deutlich machen. Siegbert Wolf widmet sich auf zehn Seiten der Idee der Entstaatlichung bei Gustav Landauer. 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