{"id":15242,"date":"2016-04-01T00:00:00","date_gmt":"2016-03-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2016\/04\/hafen-der-ideen\/"},"modified":"2022-07-26T14:11:57","modified_gmt":"2022-07-26T12:11:57","slug":"hafen-der-ideen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/04\/hafen-der-ideen\/","title":{"rendered":"Hafen der Ideen"},"content":{"rendered":"<p>In der Dynamik, die sich entwickelte, als wir geeignete R\u00e4umlichkeiten gefunden hatten, konnten wir vor unserem inneren Auge beinahe schon die ganzen tollen Sachen sehen, die hier nun bald stattfinden w\u00fcrden.<\/p>\n<h3>Leider zog unser Eifer nicht nur wohlwollende Blicke auf sich<\/h3>\n<p>Am 6.11.2015 starteten wir unsere Crowdfunding Kampagne f\u00fcr ein anarchistisches Zentrum in Dortmund. Unser Plan war es, den bisher schon seit rund zwei Jahren bestehenden anarchistischen Buchladen &#8222;Black Pigeon&#8220; zu vergr\u00f6\u00dfern. Ein eigenes Zentrum sollte geschaffen werden mit viel Platz f\u00fcr Kunst, Kultur, Bildung und politische Arbeit. Ein Ort, an dem mensch sich zwanglos ausprobieren und verwirklichen kann.<\/p>\n<p>Silvester feierten wir auf einer von Genoss*innen organisierten Soliparty ganz optimistisch bereits in &#8222;das Jahr der schwarzen Taube&#8220; und verbrachten auch den Solitag am 2. Januar damit, \u00fcber all die M\u00f6glichkeiten zu sprechen, die die neuen R\u00e4umlichkeiten bieten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Zu unserer gro\u00dfen Freude trugen die zur Verf\u00fcgung gestellten Dankesch\u00f6ns unserer lieben Unterst\u00fctzer*innen vom Unrast Verlag, Black Mosquito, Roots of Compassion, Schmetterling Verlag, Anarchistisches Radio Berlin und Bahoe Book dazu bei, dass die Spendenbereitschaft bis zum Ende hoch blieb und wir unser angestrebtes Ziel von 7.000 Euro erreichen konnten!<\/p>\n<p>Als dann am 5. Januar fest stand: Es wird ein anarchistisches Zentrum Dortmund geben, ging damit wohl f\u00fcr manche von uns ein Traum in Erf\u00fcllung. Plenum f\u00fcr Plenum nahm dieser immer mehr Gestalt an. Im Hafenviertel Dortmunds fanden wir dann einen Ort, der mit 300m\u00b2 viel Platz f\u00fcr unsere und eure Ideen bietet.<\/p>\n<p>Es zeigte sich, dass wir die Nachbarschaft um das neue Zuhause der schwarzen Taube richtig eingesch\u00e4tzt hatten. Kaum dass wir den ersten Staub aufgewirbelt hatten, kamen bereits die ersten Menschen im Laden vorbei und zeigten sich interessiert und wohlwollend. Motiviert durch so viel Zuspruch st\u00fcrzten wir uns in die Renovierungsarbeiten und dachten, jetzt k\u00f6nnte uns nichts mehr aufhalten.<\/p>\n<h3>Alles vorbei?<\/h3>\n<p>So weit, so gut. Nur klingt das fast schon zu perfekt. Zumindest dachte das wohl Dortmunds Neonazi-Szene, als sie sich in den Kopf setzte, unseren Pl\u00e4nen ein schnelles Ende zu setzen.<\/p>\n<p>In der Nacht vom 22. auf den 23. Februar flog ein Stein in eines unserer Schaufenster. Hatten einige noch versucht, sich selbst und die anderen zu \u00fcberzeugen, dass es sich um einen &#8222;dummen Zufall&#8220; handelte, legte ein Bericht des Nazi-Internetportals &#8222;Dortmund Echo&#8220; nahe, dass mehr dahinter steckte, denn es wurden hier auch weitere Aktionen sowie Kundgebungen angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>In den folgenden Tagen versuchten die Nazis vor allem durch Druckaus\u00fcbung auf den Vermieter, diesen dazu zu bringen, uns zu k\u00fcndigen. Sie starteten einen gezielten Shitstorm auf der Facebook-Seite der Immobilienfirma und auf Immobilienportalen, was dazu f\u00fchrte, dass Kommentar- und Bewertungsfunktionen deaktiviert und Angebote durch die Firma gel\u00f6scht wurden. Au\u00dferdem wurde in diesem Zeitraum ein Farbanschlag auf das B\u00fcro ver\u00fcbt.<\/p>\n<p>In einem im Internet ver\u00f6ffentlichten Statement k\u00fcndigte die Immobilienfirma daraufhin an, die Rechtsg\u00fcltigkeit des Mietvertrags zu pr\u00fcfen und &#8222;entsprechend der Ergebnisse handeln und das rechtlich m\u00f6gliche veranlassen&#8220; zu wollen. Sie wolle &#8222;mit keinerlei Extremismus in Zusammenhang&#8220; gebracht werden. Unsere Arbeiten gerieten zu diesem Zeitpunkt erst einmal gewaltig ins Stocken. Obwohl wir es nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten hatten, schienen die Neonazis mit ihrem Plan Erfolg zu haben\u0085<\/p>\n<h3>Wir geben nicht nach!<\/h3>\n<p>\u0085 aber das kann und darf nat\u00fcrlich nicht passieren! Nachdem wir den ersten Schock \u00fcberstanden hatten, beschlossen wir, alles zu geben und an unseren Pl\u00e4nen festzuhalten. Wir lassen uns die Idee eines anarchistischen Zentrums nicht durch die Nazis zerst\u00f6ren. Unsere Liebe zur Freiheit hat den l\u00e4ngeren Atem.<\/p>\n<p>Anstatt zu resignieren, gingen wir in die Offensive und starteten eine Medienkampagne, deren Reichweite wir vorher nicht erwartet hatten.<\/p>\n<p>\u00dcber die Vorf\u00e4lle rund um das Zentrum berichteten lokale Medienportale wie die Nordstadtblogger und die Ruhrbarone. Die Tatsache, dass ein Unternehmer Ziel der Angriffe von Neonazis war, stellte eine so vorher nie da gewesene Bedrohung dar und weckte deshalb sogar das Interesse von Mainstream-Medien.<\/p>\n<p>Da es nun um die Belange des Unternehmers und die Frage der Attraktivit\u00e4t des Wirtschaftsstandorts Dortmund ging, kam es zu der absurden Situation, dass sogar ein Sat.1-Kamera-Team an die T\u00fcre des Black Pigeon klopfte, um uns beim H\u00e4mmern, Pinseln und S\u00e4gen zu filmen. Durch den hohen medialen Druck und die Forderungen von Lokalpolitiker*innen, am Mietvertrag festzuhalten, bekannte die Immobilienfirma \u00f6ffentlich, &#8222;dass ein rechtsg\u00fcltiger Mietvertrag vorliegt&#8220;. An dieser Stelle sei vor allem unseren Genoss*innen herzlich gedankt, die uns ihre Solidarit\u00e4t bekundet haben, die uns geholfen haben durch Ratschl\u00e4ge und Kontakte oder die einfach nur mit uns zusammen w\u00fctend waren und sich trotzdem nicht unterkriegen lassen wollen. Wir haben es zusammen geschafft, einer K\u00fcndigung entgegen zu wirken.<\/p>\n<p>Nachdem die Neonazis mit ihren Aktionen gegen den Vermieter keinen Erfolg hatten, konzentrieren sich die Rechtsextremisten nun wieder auf den libert\u00e4ren Buchladen &#8222;Black Pigeon&#8220;.<\/p>\n<h3>Erneute Attacke<\/h3>\n<p>In der Nacht zum 16. M\u00e4rz haben bisher unbekannte T\u00e4ter erneut zwei Schaufenster eingeworfen. Die Nazis wollen so weiter Druck machen gegen ein &#8222;linksextremistisches&#8220; Zentrum und so sicherstellen, dass der auf zwei Jahre befristete Mietvertrag nicht verl\u00e4ngert wird.<\/p>\n<p>Die Ereignisse verdeutlichen einmal mehr die Dimensionen des &#8222;Nazi-Problems&#8220; in Dortmund. Es ist wichtiger denn je, sich dem entschlossen entgegenzustellen. Das waren nicht die ersten und auch nicht die letzten Angriffe dieser Art. Wir k\u00f6nnen am besten etwas dagegen tun, in dem wir Orte schaffen, in denen wir heute schon ein St\u00fcckchen der Utopie von Morgen leben.<\/p>\n<h3>Gelungene Er\u00f6ffnungsfeier<\/h3>\n<p>Am 18. M\u00e4rz feierten wir die Er\u00f6ffnung des anarchistischen Buch- und Kulturzentrums unter gro\u00dfem Besucherinteresse. Daran konnte auch ein Aufmarsch von 35 Nazis am Abend nichts \u00e4ndern. Dagegen hatten sich mehr als 250 Antifas vor dem Laden formiert.<\/p>\n<p>F\u00fcr Stimmung sorgten ein veganes Buffet und ein buntes Kulturprogramm: Duo Fadenlos, Geigerz\u00e4hler und &#8222;Rest in Risiko&#8220;. Der Liedermacher Christoph Holzh\u00f6fer sang zu Texten von Erich M\u00fchsam. Dond &amp; Daniel machten eine Lesung.<\/p>\n<p>&#8222;Unter den G\u00e4sten der Er\u00f6ffnung waren VertreterInnen aller Nordstadt-Fraktionen. Sie wollten damit &#8211; ebenso wie mit der von allen Fraktionen getragenen Resolution &#8211; ein klares Zeichen setzen. &#8230; in den vergangenen fast zwei Jahren war \u0082Black Pigeon&#8216; Teil des Kreativkaufhauses \u0082ConcordiArt&#8216;. Dort hatten sie 16 Quadratmeter &#8211; das neue Ladenlokal ist um ein Vielfaches gr\u00f6\u00dfer.&#8220; (<a href=\"http:\/\/nordstadtblogger.de\/43486\">http:\/\/nordstadtblogger.de\/43486<\/a>)<\/p>\n<p>Eure Ideen sind im anarchistischen Zentrum immer willkommen, denn die Welt kann sich mit unseren Tr\u00e4umen \u00e4ndern!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Dynamik, die sich entwickelte, als wir geeignete R\u00e4umlichkeiten gefunden hatten, konnten wir vor unserem inneren Auge beinahe schon die ganzen tollen Sachen sehen, die hier nun bald stattfinden w\u00fcrden. Leider zog unser Eifer nicht nur wohlwollende Blicke auf sich Am 6.11.2015 starteten wir unsere Crowdfunding Kampagne f\u00fcr ein anarchistisches Zentrum in Dortmund. 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