{"id":15277,"date":"2016-05-01T00:00:00","date_gmt":"2016-04-30T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2016\/05\/system-change-not-climate-change\/"},"modified":"2020-12-07T19:33:48","modified_gmt":"2020-12-07T17:33:48","slug":"system-change-not-climate-change","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/05\/system-change-not-climate-change\/","title":{"rendered":"&#8222;System Change, not Climate Change&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wenn \u00fcber Pfingsten viele mutige Menschen in der Lausitz die Tagebaue und deren Infrastruktur blockieren, geht es ihnen nicht allein um ein bisschen mehr Umweltschutz oder einen Umstieg auf erneuerbare Energien. Das breite B\u00fcndnis Ende Gel\u00e4nde besteht aus Umweltgruppen, Graswurzelinitiativen, Nichtregierungsorganisationen, B\u00fcrger*inneninitativen und linken Politgruppen und sie fordern neben dem sofortigen Kohleausstieg eine sozial-\u00f6kologische Wende.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Die Klimakrise ist nur eine von vielen<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aktivist*innen von Ende Gel\u00e4nde sind keine reinen Umweltaktivist*innen, sondern auch radikale Systemkritiker*innen. Sie haben erkannt, dass sich die aktuellen globalen Krisen nicht allein mit einem Fokus auf ein problematisches Symptom oder technischen Verbesserungen beheben lassen, sondern dass unsere Krisen miteinander verkn\u00fcpft sind und deshalb die urs\u00e4chlichen Probleme benannt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Braunkohle ist dabei nur ein Symptom f\u00fcr ein krankes System: Der Kohleabbau steht f\u00fcr gesellschaftliche Naturverh\u00e4ltnisse, in denen sich Menschen ohne R\u00fccksicht auf Verluste Ressourcen aneignen. Die Braunkohleverstromung ist einer der umweltsch\u00e4dlichsten Industrien auf diesem Planeten. In Deutschland werden immer noch fast 25% des Stroms aus Braunkohleverbrennung hergestellt und es ist damit f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Aussto\u00df von CO2-Emissionen verantwortlich. Natur- und Kulturlandschaften werden irreversibel zerst\u00f6rt und ganze Ortschaften, in der Lausitz auch kulturelle Minderheiten, werden vertrieben. Dies alles wird mit der Absicherung von Arbeitspl\u00e4tzen, einer g\u00fcnstigen Stromversorgung und dem Ziel des Wirtschaftswachstums verteidigt. Gerade der Wachstumszwang und die Fixierung auf ein nichtssagendes Bruttoinlandsprodukt offenbaren uneingel\u00f6ste Versprechen von Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit im kapitalistischen System.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem ist kurzfristiges, profitorientiertes Denken und eine auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaft auf einem begrenzten und bereits vom Klimawandel betroffenen Planeten nicht mehr haltbar. Dies zeigt sich sehr stark an den jetzt schon sp\u00fcrbaren Auswirkungen des Klimawandels weltweit, der auf anthropogene CO2-Emissionen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Insofern ist auch der Klimawandel als Ausdruck dieser gesellschaftlichen Naturverh\u00e4ltnisse zu verstehen, die ver\u00e4ndert werden m\u00fcssen. Da die Nutzung von fossilen Energietr\u00e4gern Basis der profitorientierten Wirtschaft ist, ist der Protest gegen die Braunkohle immer auch ein entscheidender Hebel f\u00fcr Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Keine kleinen gr\u00fcnen Schritte, sondern systemische Spr\u00fcnge<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_GoBack\"><\/a><a name=\"_GoBack1\"><\/a>In den letzten Jahrzehnten haben sich \u00f6kologische Forderungen immer st\u00e4rker auch in der Mainstream-Politik verfestigt, gerade Deutschland genie\u00dft international eine Vorbildfunktion f\u00fcr die Energiewende. Doch oftmals werden \u00f6kologische Forderungen nur im Rahmen von gr\u00fcneren (z.B. Elektroautos) und teilweise noch nicht entwickelten Technologien (z.B. CO2-Speicherung) gedacht, w\u00e4hrend das grunds\u00e4tzliche Problem des Wachstumszwangs und der Profitlogik unangetastet bleibt. Zudem besteht die Gefahr, dass kleine \u00f6kologische Verbesserungen, die innerhalb einer kapitalistischen Wachstumslogik verbleiben, tendenziell systemstabilisierend wirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb fordern die Aktivist*innen von Ende Gel\u00e4nde auch umfassende soziale und \u00f6kologische Ver\u00e4nderungen, die ein gerechtes Leben f\u00fcr alle innerhalb der planetaren Grenzen erm\u00f6glichen. Denn solange unser Wirtschaftssystem Gewinne auf Kosten von nat\u00fcrlichen und humanen (hier sind z.B. feministische Analysen zu empfehlen) Ressourcen macht, m\u00fcssen auch diese grundlegenden Strukturen kritisiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies erfordert nat\u00fcrlich auch einen grunds\u00e4tzlichen Mentalit\u00e4tswechsel, der an die Stelle von Konkurrenz, Profit und Ausbeutung eher Kooperation, Gemeinschaft und Solidarit\u00e4t setzt. Diese Werte zu leben, wird schon im Organisationsprozess von Ende Gel\u00e4nde versucht.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Radikale Aktionsformen f\u00fcr radikale Anspr\u00fcche<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch kann es nicht der Anspruch einer Aktion des zivilen Ungehorsams sein, schon alle L\u00f6sungen f\u00fcr eine \u00f6kologisch und sozial gerechtere Gesellschaft zu pr\u00e4sentieren. Auch wir kennen nicht alle Antworten und suchen gemeinsam fragend nach Vorschl\u00e4gen f\u00fcr einen radikalen Wandel. Klar ist aber, dass der Abbau von Braunkohle nicht mehr Teil einer \u00f6kologisch nachhaltigen und sozial gerechten Gesellschaft sein kann und sie nur Ausdruck eines Ungerechtigkeiten produzierenden Wirtschaftssystems ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wissen aber, dass radikale, d.h. an den Wurzeln des \u00dcbels orientierte Forderungen radikale Aktionen erfordern. Das haben zum Beispiel die Castor-Blockaden gezeigt. Auch deshalb w\u00e4hlt Ende Gel\u00e4nde die Protestform von Blockaden mit vielen tausend Menschen, die sich mutig auch \u00fcber legale Grenzen hinweg gegen die Braunkohle und damit auch f\u00fcr eine soziale und \u00f6kologische Transformation der Gesellschaft einsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur so l\u00e4sst sich auch die gro\u00dfe Anziehungskraft der Bewegung erkl\u00e4ren. Wir erwarten zu Pfingsten \u00fcber 2000 Menschen, die sich mutig nicht nur gegen die klimasch\u00e4dliche Braunkohle, sondern auch gegen ein ausbeuterisches Wirtschafts- und Gesellschaftssystem stellen. Deshalb bleibt der Slogan \u201eSystem Change, not Climate Change\u201c auch f\u00fcr Ende Gel\u00e4nde brandaktuell.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Janna Aljets<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn \u00fcber Pfingsten viele mutige Menschen in der Lausitz die Tagebaue und deren Infrastruktur blockieren, geht es ihnen nicht allein um ein bisschen mehr Umweltschutz oder einen Umstieg auf erneuerbare Energien. 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