{"id":15290,"date":"2016-05-01T00:00:00","date_gmt":"2016-04-30T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2016\/05\/veganismus-und-anarchie\/"},"modified":"2016-11-19T22:30:17","modified_gmt":"2016-11-19T20:30:17","slug":"veganismus-und-anarchie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/05\/veganismus-und-anarchie\/","title":{"rendered":"Veganismus und Anarchie"},"content":{"rendered":"<p><b>GWR: Was ist <i>roots of compassion<\/i>?<\/b><\/p>\n<p><i>Denise: roots of compassion<\/i> ist ein Kollektiv mit Sitz in M\u00fcnster. Wir betreiben haupts\u00e4chlich einen Onlineshop f\u00fcr vegane Artikel wie Schuhe, G\u00fcrtel, Lebensmittel, fair gehandelte T-Shirts, Literatur, Sticker und vieles mehr.<\/p>\n<p>Entwickelt hat es sich ganz klein, Schritt f\u00fcr Schritt, ab 2001, da hatte Marc, ein fr\u00fcherer Genosse, mit seiner damaligen Freundin die Idee, den Gedanken des Veganismus zu verbreiten und Aufkl\u00e4rungsarbeit zu leisten. Sie haben auf Konzerten Infost\u00e4nde gemacht und angefangen, f\u00fcr Demos Buttons und T-Shirts zu drucken. Als ich 2004 in die WG gezogen bin, gab es roots of compassion in Marcs Zimmer.<\/p>\n<p>Da gab es ein Regal mit ein paar T-Shirts. Ich habe dann angefangen mitzuhelfen. Und es hat sich so peu \u00e0 peu entwickelt. 2002 ist unsere Website rootsofcompassion.org online gegangen, damals mit vielen Interviews, und der Schwerpunkt lag noch nicht so sehr auf dem Verkauf.<\/p>\n<p>roots of compassion hat sich dann mehr und mehr zu einem Einzelunternehmen entwickelt, war als ein solches angemeldet, was nicht besonders mit unserem Kollektivgedanken korrespondiert hat, weswegen wir uns sp\u00e4ter die Form einer Genossenschaft gegeben haben.<\/p>\n<p><b>GWR: Wie bist Du dazu gekommen, Sania?<\/b><\/p>\n<p><i>Sania:<\/i> Ich stand nach dem Studium vor der schwierigen Aufgabe, einen Job zu finden.<\/p>\n<p>Angesichts der Ideale, die ich habe, und des Lebens, das ich gerne f\u00fchren w\u00fcrde, hat sich die Stelle bei roots of compassion mehr als angeboten. Ich kannte das Kollektiv bereits seit mehreren Jahren und hatte als Kunde mehrfach bestellt. Als ich die Stellenanzeige las, war ich gleich Feuer und Flamme und hatte schlie\u00dflich das Gl\u00fcck, in das Kollektiv aufgenommen zu werden.<\/p>\n<p><b>GWR: Wie seid Ihr auf den Namen &#8222;roots of compassion&#8220; gekommen?<\/b><\/p>\n<p><i>Denise: <\/i>Den hatte sich Marc mit seiner damaligen Freundin \u00fcberlegt. Der Schwerpunkt bei roots of compassion liegt schon beim Veganismus, der f\u00fcr uns mit allen anderen Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnissen in Verbindung steht.<\/p>\n<p>Die Wurzel des Mitgef\u00fchls setzt bei uns auch bei den Tieren an, sie als Individuen, als Lebewesen zu sehen, deren Grenzen nicht einfach \u00fcberschritten werden sollen.<\/p>\n<p><b>GWR: Was ist Veganismus f\u00fcr Euch?<\/b><\/p>\n<p><i>Sania: <\/i>Das ist eine schwierige Frage. Veganismus kann sehr unterschiedlich gefasst werden.<\/p>\n<p>Gemeinhin bezeichnet mensch darunter das Vorhaben, keine mit Tierausbeutung verbundenen Produkte zu konsumieren. Das geht beim Essen los, mit Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und Eiern, aber auch Honig f\u00e4llt darunter. Ein umfassender Veganismus geht dar\u00fcber hinaus. Es gilt dabei z.B. Kleidung zu vermeiden, die aus Leder oder Daunen hergestellt ist, und bei Kosmetika und Medikamenten auf Tierversuchsfreiheit zu achten. Veganerinnen und Veganer versuchen also, je nachdem, wie konsequent sie sind, alle diese mit Tierleid verbundenen Produkte zu vermeiden.<\/p>\n<p><b>GWR: Wie ging es mit roots of compassion weiter? Ihr seid jetzt neun Leute im Verlag?<\/b><\/p>\n<p><i>Denise:<\/i> Genau, jetzt sind wir zu neunt, nicht nur im Verlag, sondern generell im Kollektiv.<\/p>\n<p>Wir haben 2008 einen eigenen Verlag gegr\u00fcndet, den Compassion Media-Verlag ((2)), in dem wir eigene und fremde Publikationen ver\u00f6ffentlichen. In M\u00fcnster sind wir insgesamt dreimal umgezogen, von der WG in die Heissstra\u00dfe, dann in die Friedensstra\u00dfe und nun sind wir am Schiffahrter Damm in der Rudolf Diesel-Stra\u00dfe. Wir haben ein sch\u00f6nes Lager, das von den R\u00e4umlichkeiten her unserem Onlineversand und Verlag st\u00e4rker entgegenkommt. Interessierte k\u00f6nnen gerne bei uns vorbei schauen und direkt bei uns einkaufen.<\/p>\n<p><b>GWR: Was habt Ihr im Programm?<\/b><\/p>\n<p><i>Sania: <\/i>Wir versuchen, das Ganze ziemlich breit zu halten und dem DIY-Gedanken ((3)) gerecht zu werden. Wir decken von Lebensmitteln, biofairen Textilien bis hin zu Accessoires und Literatur ein breites Sortiment ab, um eine Gegenkultur zum Mainstream zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><b>GWR: Ihr habt auch anarchistische B\u00fccher im Programm, zum Beispiel &#8222;Anarchismus&#8220; von Jochen Knoblauch und Hans J\u00fcrgen Degen aus der theorie.org-Reihe des Schmetterling-Verlags oder &#8222;Das Schlachten beenden&#8220; aus dem Verlag Graswurzelrevolution. Was bedeutet Anarchie f\u00fcr Euch?<\/b><\/p>\n<p><i>Denise:<\/i> In unserem Kollektiv ist es sehr harmonisch. Ich finde die Grundgedanken des Anarchismus sehr erstrebenswert. Ich sch\u00e4tze die Gleichheit unter den Menschen, den Respekt einander gegen\u00fcber. Dazu geh\u00f6rt, dass es keinen Chef gibt, keine Chefin, niemanden, der anderen Befehle gibt, was sie zu tun haben. Stattdessen arbeiten wir in unserem Kollektiv auf Augenh\u00f6he.<\/p>\n<p><i>Sania: <\/i>Wir versuchen, diese Idee der Gleichheit und den Ansatz, dass niemand durch andere ausgebeutet werden soll, nach innen und au\u00dfen zu leben und mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen. Dazu geh\u00f6ren f\u00fcr uns die Hierarchiefreiheit und das Konsensprinzip. Wenn jemand aus dem Kollektiv gegen eine Entscheidung ist, wird es eben nicht gemacht, oder es wird solange ein Kompromiss gesucht, bis alle die Entscheidung mittragen k\u00f6nnen. Des Weiteren verdienen wir alle denselben Stundenlohn und versuchen das Machtgef\u00e4lle, welches unserer Gesellschaft leider immanent ist, abzubauen, um auf Augenh\u00f6he agieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>GWR: Welche Perspektiven seht Ihr f\u00fcr Euer Projekt roots of compassion, auch im Zusammenhang mit dem Anarchismus? Welche Chancen f\u00fcr eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft seht Ihr?<\/b><\/p>\n<p><i>Denise:<\/i> F\u00fcr mich ist am wichtigsten zu verbreiten, dass es Alternativen zu den g\u00e4ngigen Wirtschaftsformen gibt und zu zeigen, dass es m\u00f6glich ist, in Kollektiven zu arbeiten. Es gibt eine gro\u00dfe Anzahl unterschiedlicher Kollektive, zum Beispiel Baukollektive, Druckereien, Kommunikationstrainer*innen, Kneipen, etc. Da m\u00f6chte ich jeden und jede motivieren, sich zu informieren, sich die Kollektive vor Ort mal anzugucken, um Alternativen erfahrbar werden zu lassen. F\u00fcr roots of compassion strebe ich f\u00fcr die Zukunft noch weitere Vernetzung mit anderen Kollektiven an. Das ist mein Hauptwunsch.<\/p>\n<p><i>Sania: <\/i>Mit unserem Verlag und den B\u00fcchern, die wir verlegen, tragen wir ja schon zu einem gewissen Teil dazu bei, diese Idee nach au\u00dfen zu tragen. Dar\u00fcber hinaus geht es uns auch darum, den besonderen Charakter von roots of compassion zu verbreiten. Wozu dieses Interview eine perfekte Gelegenheit bietet.<\/p>\n<p>Aber auch sonst beteiligen wir uns an Bildungsarbeit, zum Beispiel mit Schulklassen, die uns besuchen und denen wir unsere Arbeitsweise, aber auch die Inhalte, mit denen wir zu tun haben, n\u00e4her bringen.<\/p>\n<p>Aufkl\u00e4rung, gerade bei jungen Menschen, halte ich f\u00fcr die essentielle Voraussetzung einer auf Gleichheit basierenden Gesellschaft. Denn nur dann k\u00f6nnen sich die Verh\u00e4ltnisse nachhaltig \u00e4ndern. Das ist das, was wir eigentlich mit unserem Kollektiv zum Ziel haben und seit Jahren verfolgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GWR: Was ist roots of compassion? Denise: roots of compassion ist ein Kollektiv mit Sitz in M\u00fcnster. 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