{"id":15496,"date":"2016-11-01T00:00:00","date_gmt":"2016-10-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/2016\/11\/noch-immer-ist-nichts-gut-in-afghanistan\/"},"modified":"2022-07-26T14:22:07","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:07","slug":"noch-immer-ist-nichts-gut-in-afghanistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/11\/noch-immer-ist-nichts-gut-in-afghanistan\/","title":{"rendered":"Noch immer ist nichts gut in Afghanistan!"},"content":{"rendered":"<p>Eine solche geschieht offensichtlich in den britischen Parlamentskommissionen &#8211; wodurch wenigstens ein innerdemokratischer Mindestanspruch gewahrt bleibt, von dem etwa in der BRD und auch in Frankreich, wo seit nun einem Jahr der Notstand herrscht, keineswegs gesprochen werden kann.<\/p>\n<p>Die Bundeswehr hatte in Kundus \u00fcber mehr als ein Jahrzehnt hinweg den Auftrag, die Region zu befrieden. Wieder einmal muss im Ergebnis konstatiert werden, dass genau das eben mit Milit\u00e4reins\u00e4tzen nicht geht.<\/p>\n<p>2013 \u00fcbergab die Bundeswehr die Verantwortung am Standort Kundus den einheimischen Sicherheitskr\u00e4ften, Ende 2014 zogen offiziell alle NATO-Kampftruppen aus Afghanistan ab, real blieben bis heute rund 12.000 Berater, Ausbilder und vor allem US-Spezialkr\u00e4fte im Land. ((1))<\/p>\n<p>Das Ergebnis dieses Bundeswehreinsatzes kann inzwischen allj\u00e4hrlich bewundert werden.<\/p>\n<p>Bereits im Oktober 2015 gelang es den seither \u00fcberhaupt nicht befriedeten Taliban, gelegentlich verst\u00e4rkt durch IS-K\u00e4mpfer, Kundus f\u00fcr rund zwei Wochen zu besetzen, das dann m\u00fchsam wieder freigek\u00e4mpft werden musste. Ebenso nun 2016: Am 28. September 2016 besetzten die Taliban das Stadtzentrum von Kundus. Kundus wurde so zum Symbol der Verschlimmerung der sicherheitspolitischen Situation in Afghanistan, just zu dem Zeitpunkt, als im europ\u00e4ischen Br\u00fcssel eine Afghanistan-Geberkonferenz zur Stabilisierung des Regimes in Kabul stattfand. Wieder gelang es den Regierungstruppen erst nach fast zweiw\u00f6chigen Gefechten und nach teilweise freiwilligem R\u00fcckzug verbliebener Taliban, Kundus am 12. Oktober zur\u00fcckzuerobern. Besonders makaber, dass die US-Luftwaffe dabei einmal mehr ein Krankenhaus der &#8222;\u00c4rzte ohne Grenzen&#8220; bombardierte, wobei mindestens 22 Menschen ums Leben kamen.<\/p>\n<p>Auch in anderen Landesteilen waren die Taliban offensiv. Ein weiterer Luftschlag traf ein Haus in der Provinz Nangarhar, wo zw\u00f6lf DorfbewohnerInnen starben, was sogar von der &#8222;Hilfsmission der UN in Afghanistan&#8220; (Unama) scharf kritisiert worden ist. Die Vereinten Nationen sprachen alarmiert im Juli von einer &#8222;Rekordzahl&#8220; von toten und verletzten ZivilistInnen im ersten Halbjahr 2016 f\u00fcr Afghanistan. Offiziell wurden 1.601 Tote und 3.565 Verletzte gez\u00e4hlt, das waren 4 Prozent mehr als in derselben Periode des Vorjahres &#8211; Zahlen, die selbst laut UN-Einsch\u00e4tzung &#8222;zu tief veranschlagt werden&#8220;.<\/p>\n<p>Seit der Einf\u00fchrung offizieller Angaben von Ziviltoten in Afghanistan im Jahre 2009 ist das gleichwohl Rekord.<\/p>\n<p>Seit 2009 gab es bis zum 30. Juni 2016 insgesamt 23.000 Tote und 41.000 Verletzte in Afghanistan. Friede sieht anders aus &#8211; und vor diesem Hintergrund ist jede Diskussion in der BRD um &#8222;R\u00fcckf\u00fchrung&#8220; von Gefl\u00fcchteten nach Afghanistan nur zynisch. ((2))<\/p>\n<p>So sieht die aktuelle Lage in den von Frankreich und Deutschland bisher mit Milit\u00e4rinterventionen \u00fcberzogenen Kriegsschaupl\u00e4tzen aus. Und in der BRD erhebt sich heute keine Stimme einer \u00f6ffentlich wahrgenommenen Person wie damals 2009 die von Margot K\u00e4\u00dfmann mehr, die sagt: &#8222;Nichts ist gut in Afghanistan!&#8220;<\/p>\n<p>Wenigstens die Absichtserkl\u00e4rung bei der Einrichtung des NSC in Gro\u00dfbritannien, aus den Fehlern des Irakkrieges lernen zu wollen, w\u00fcrde den Parlamenten in Frankreich und Deutschland gut zu Gesicht stehen &#8211; und eine k\u00fcnftige EU-Armee zumindest wieder erschweren. Aber noch die beste Absichtserkl\u00e4rung hat es auch im Falle Gro\u00dfbritanniens nicht verhindert, von Frankreich in den Libyen-Krieg gezogen zu werden. Selbst wenn der Parlamentarismus einmal funktioniert, wie bei den kritischen Kommissionsberichten des britischen Parlaments, kommt die Einsicht, wenn \u00fcberhaupt, zu sp\u00e4t. Auch das liegt in der Natur der parlamentarischen Herrschaft und der von ihr im Augenblick, in dem es darauf ankommt, immer wieder legitimierten Kriegspolitik.<\/p>\n<p>Wir werden um den Aufbau einer neuen, massenhaften Antikriegsbewegung von unten nicht herumkommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine solche geschieht offensichtlich in den britischen Parlamentskommissionen &#8211; wodurch wenigstens ein innerdemokratischer Mindestanspruch gewahrt bleibt, von dem etwa in der BRD und auch in Frankreich, wo seit nun einem Jahr der Notstand herrscht, keineswegs gesprochen werden kann. 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