{"id":1558,"date":"1997-12-01T00:00:20","date_gmt":"1997-11-30T22:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1558"},"modified":"2022-07-26T14:26:34","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:34","slug":"prinzipienerklarung-der-war-resisters-international","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1997\/12\/prinzipienerklarung-der-war-resisters-international\/","title":{"rendered":"Prinzipienerkl\u00e4rung der War Resisters&#8216; International"},"content":{"rendered":"<p>Die War Resisters&#8216; International (Internationale der KriegsdienstgegnerInnen) sind ein weltweites Netzwerk unabh\u00e4ngiger Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen, die die WRI-Erkl\u00e4rung akzeptieren:<\/p>\n<blockquote><p>Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschheit.<br \/>\nIch bin daher entschlossen, keine Art von Krieg zu unterst\u00fctzen und f\u00fcr die Beseitigung aller seiner Ursachen zu k\u00e4mpfen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es besteht, um gewaltfreie Aktionen gegen Kriegsursachen zu f\u00f6rdern und um Menschen auf der ganzen Welt zu unterst\u00fctzen und zusammenzubringen, die sich der Beteiligung an Krieg oder der Vorbereitung von Krieg verweigern. Auf dieser Basis arbeitet es f\u00fcr eine Welt ohne Krieg. Die Mitgliedschaft in der WRI ist offen f\u00fcr alle, die die WRI-Erkl\u00e4rung akzeptieren.<\/p>\n<p>Die WRI bekennt sich zur Gewaltfreiheit. F\u00fcr einige ist Gewaltfreiheit eine Lebensweise. F\u00fcr uns alle ist sie eine Aktionsform, die das Leben bejaht, sich gegen Unterdr\u00fcckung ausspricht und den Wert einer jeden Person anerkennt. Gewaltfreiheit kann aktiven Widerstand, einschlie\u00dflich Zivilen Ungehorsams, mit Dialog verbinden, sie kann Nicht-Zusammenarbeit &#8211; den Entzug der Unterst\u00fctzung eines unterdr\u00fcckerischen Systems &#8211; mit der konstruktiven Arbeit des Aufbaus von Alternativen verbinden. Als eine Art sich in einem Konflikt zu engagieren stellt Gewaltfreiheit manchmal den Versuch dar, auch Vers\u00f6hnung zu bringen: St\u00e4rkung der sozialen Strukturen, St\u00e4rkung derjenigen am Boden der Gesellschaft, und Einbeziehung von Menschen verschiedener Seiten in die Suche nach einer L\u00f6sung. Selbst wenn diese Ziele nicht unmittelbar erreicht werden k\u00f6nnen, so bleibt Gewaltfreiheit die feste Grundlage unserer Entschlossenheit, andere Menschen nicht zu vernichten.<\/p>\n<p>Krieg ist eine vermeidbare Form organisierter Gewalt. Seine Wurzeln reichen jedoch tief. Die WRI versucht, diese Wurzeln anzugehen, einschlie\u00dflich der Ver\u00e4nderung von Sozialisationsprozessen und der Wandlung der Schemata der Dominanz, die alle Aspekte des Lebens, sowohl innerhalb als auch zwischen Gesellschaften, beeinflussen. Herrschaft findet sich in der Unterdr\u00fcckung der weniger M\u00e4chtigen und in der Unterjochung der Natur selbst; Herrschaftsmechanismen k\u00f6nnen auf Faktoren wie Geschlecht, Klasse, kulturellen und ethnischen Unterschieden basieren und finden sich zwischen und innerhalb von Nationalstaaten. Kriegsvorbereitungen beschr\u00e4nken sich nicht auf Waffen, sie k\u00f6nnen innerhalb von Kulturen gefunden werden. Es sind nicht nur die SoldatInnen und PolitikerInnen, die daf\u00fcr verantwortlich sind, sondern auch diejenigen, die ihre Einwilligung geben und mitarbeiten. Es sind nicht nur diejenigen, die Befriedigung durch Machtgewinn \u00fcber andere suchen, sondern auch diejenigen, die ihre eigene Identit\u00e4t \u00fcber die D\u00e4monisierung des Anderen definieren, sei es im Namen einer Religion, Ideologie oder Nation.<\/p>\n<p>Die WRI sieht und stellt sich gegen globale Ungerechtigkeit und die Rolle, die das Milit\u00e4r als Verursacher und bei der Aufrechterhaltung dieser Ungerechtigkeit spielt. Als die WRI 1921 gegr\u00fcndet wurde, hatte sie ihre Basis in Europa und ein gro\u00dfer Teil der Welt war noch kolonisiert. Seitdem hat sich die Ausbeutung durch wirtschaftliche, politische und milit\u00e4rische Strukturen fortgesetzt; aufrechterhalten durch das Verhalten der Staaten und Konzerne in der industrialisierten und materiell reichen Welt; und durch das Verhalten der postkolonialen Staaten selbst. Das Muster der \u00f6konomischen Ausbeutung hat nicht nur zu gravierender Ungleichheit und Ungerechtigkeit &#8211; innerhalb und zwischen Gesellschaften &#8211; gef\u00fchrt, sondern auch zu Umweltzerst\u00f6rung. Dies wird durch milit\u00e4rische Macht unterst\u00fctzt, mit aktiver Unterst\u00fctzung und h\u00e4ufig durch direktes Eingreifen der ehemaligen Kolonialregime und anderer dominierender Staaten. Unser Widerstand gegen diese Nutzung milit\u00e4rischer Gewalt &#8211; und gegen die Vorbereitung und damit verbundene Militarisierung der Gesellschaft &#8211; geht Hand in Hand mit aktivem Widerstand gegen das ungerechte System, von dem diese Gewalt ein Teil ist.<\/p>\n<p>Die Kriegsursachen anzugehen verpflichtet zu gesellschaftlicher Ver\u00e4nderung. Die WRI versucht, mit anderen zusammenzuarbeiten, um eine Welt aufzubauen, die weder auf der Angst vor milit\u00e4rischer Gewalt noch auf Herrschaft und Hierarchie beruht, sondern auf Beziehungen der Gleichheit, wo grundlegende menschliche Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllt werden, wo Frauen und M\u00e4nner als gleich betrachtet werden, wo unterschiedliche Kulturen und ethnische Gruppen sich gegenseitig akzeptieren, wo Grenzen nicht trennen, und wo die nat\u00fcrliche Umwelt respektiert wird. Wir arbeiten f\u00fcr den Aufbau von Gesellschaften, wo jede\/r bei den Entscheidungen, die sie\/ihn betreffen mitreden kann und wo kollektive Verantwortung und freiwillige Zusammenarbeit Zwang ersetzen.<\/p>\n<p>Die WRI wird niemals irgendeinen Krieg billigen, egal ob dieser Krieg durch einen Staat, durch eine &#8222;Befreiungsarmee&#8220; oder unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nation gef\u00fchrt wird, oder ob er humanit\u00e4re milit\u00e4rische Intervention genannt wird. Kriege, wie nobel die Rethorik auch immer sei, dienen immer machtpolitischen oder \u00f6konomischen Interessen. Nichtsdestotrotz gestehen wir zu, da\u00df manche Situationen f\u00fcr das Gewissen Probleme aufwerfen k\u00f6nnen: bewaffneter Widerstand gegen Faschismus oder V\u00f6lkermord, oder bewaffnete K\u00e4mpfe f\u00fcr Befreiung von unterdr\u00fcckerischen oder von au\u00dfen gest\u00fctzten Regimes. Jeder Konflikt erfordert eine Analyse. W\u00e4hrend wir uns in Opposition zu der milit\u00e4rischen Politik und den unterdr\u00fcckerischen Strukturen, die zu solchen Situationen f\u00fchren zusammenschlie\u00dfen und gemeinsam gewaltfreie Formen der Solidarit\u00e4t entwickeln, sind wir uns der Grenzen dessen bewu\u00dft, was unsere Herangehensweise kurzfristig erreichen kann. Deshalb verfolgen wir einen langfristigen Ansatz. Wir wissen, wozu Krieg f\u00fchrt &#8211; zu Leiden und Zerst\u00f6rung, zu Vergewaltigung und organisiertem Verbrechen, zum Verrat an Werten und neuen Strukturen der Herrschaft. Und so lehnen wir Krieg ab, und handeln entsprechend unserer Verpflichtung f\u00fcr eine bessere L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Das &#8218;Nein&#8216; der WRI zum Krieg beabsichtigt, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. Auch in der trostlosesten Situation bestehen wir auf der Suche nach Auswegen f\u00fcr gewaltfreie Aktionen, und wir m\u00fcssen erforschen, wie, und mit welchen Gruppen, gewaltfreie Aktion dazu beitragen k\u00f6nnte, die Gewalt zu reduzieren. Wir bleiben bei unserer Verpflichtung mittels Gewaltfreiheit zu arbeiten, da wir \u00fcberzeugt sind, da\u00df die Mittel, die wir benutzen, die Ziele, die wir erreichen werden, gestalten und schon enthalten, und wir wissen, da\u00df Gewalt und Krieg ihre eigene Logik haben: Gewalt neigt dazu, das schlechteste im Menschen nach au\u00dfen zu bringen, und Krieg kann niemals die Wurzeln des Krieges zerst\u00f6ren und f\u00fchrt nur dazu, zuk\u00fcnftige Konflikte zu sch\u00fcren.<\/p>\n<p>Die Mitglieder der WRI beteiligen sich an einer weiten Palette gewaltfreier Aktionen. WRI-Gruppen sind oft gut bekannt f\u00fcr Kriegsdienstverweigerung oder Kriegssteuerverweigerung, Kampagnen gegen Waffenproduktion und R\u00fcstungsexport, oder f\u00fcr die solidarische Zusammenarbeit mit \u00f6rtlichen PazifistInnen in Kriegssituationen. Doch die Gruppen k\u00f6nnen ebenfalls an Projekten zum psychischen und physischen Wiederaufbau w\u00e4hrend und nach eines Krieges arbeiten, den Dialog zwischen Gruppen eines Konfliktes f\u00f6rdern oder kleinr\u00e4umige gemeinschaftliche wirtschaftliche Entwicklungsprojekte unterst\u00fctzen. Hinter all diesen Strategien steht das Grundthema des Aufbaus einer Kultur des Friedens: eine Kultur, die ein globales und umfassenden Bewu\u00dftsein f\u00f6rdert, die unsere Art zu Leben und die Entscheidungen, die wir treffen, in Verbindung damit bringt, welche Wirkungen unser Tun auf andere hat; es geht um eine Kultur, die militaristische, rassistische und patriarchale Werte in Frage stellt, und die die Perspektiven derjenigen mit einschlie\u00dft, die marginalisiert worden sind; eine Kultur, welche die Vielfalt w\u00fcrdigt; es geht um eine Kultur, die ein Gesp\u00fcr der Verantwortlichkeit f\u00fcr die Welt f\u00f6rdert und angemessene Methoden findet, dies lokal mit gewaltfreien Methoden umzusetzen und auszudr\u00fccken. Darin ist die WRI-Erkl\u00e4rung ein wichtiger erster Schritt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die War Resisters&#8216; International (Internationale der KriegsdienstgegnerInnen) sind ein weltweites Netzwerk unabh\u00e4ngiger Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen, die die WRI-Erkl\u00e4rung akzeptieren: Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Ich bin daher entschlossen, keine Art von Krieg zu unterst\u00fctzen und f\u00fcr die Beseitigung aller seiner Ursachen zu k\u00e4mpfen. 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