{"id":16346,"date":"2016-12-01T00:00:29","date_gmt":"2016-11-30T22:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=16346"},"modified":"2018-07-14T16:17:42","modified_gmt":"2018-07-14T14:17:42","slug":"mehr-melancholie-leonard-cohen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/12\/mehr-melancholie-leonard-cohen\/","title":{"rendered":"Mehr Melancholie! Leonard Cohen"},"content":{"rendered":"<p><i>Everybody knows that the boat is leaking<br \/>\n<\/i><i>Everybody knows that zhe Captain lied<br \/>\n<\/i><i>Everybody got this broken feeling<br \/>\n<\/i><i>Like their Father or their dog just died<br \/>\n<\/i>&#8222;Everybody knows&#8220; von der CD &#8222;I&#8217;m your Man&#8220;<\/p>\n<p>Manche meinen, er h\u00e4tte eher als Bob Dylan den Literaturnobelpreis verdient, was stimmen mag, aber \u00e4hnlich wie bei den Dylan-Fans d\u00fcrfte es auch f\u00fcr die Cohen-Fans letztlich egal sein. Beide wissen, was sie an ihren singenden Poeten haben und hatten.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Dylan mu\u00dfte Cohen nicht st\u00e4ndig die Richtung wechseln und sich &#8222;neu erfinden&#8220;. Cohen schwamm des \u00f6fteren gegen den Strom und blieb sich dabei immer treu.<\/p>\n<p>Die einen spielten Dylans &#8222;Blowin in the wind&#8220; am Lagerfeuer auf der Klampfe, um den M\u00e4dels zu imponieren, und ich Cohen auf dem Plattenspieler. Hat mitunter auch funktioniert, selbst bei Nick Cave, wie er heute zugibt, am anderen Ende der Welt in Australien.<\/p>\n<p>Mitte der 1960er Jahre ging der Kanadier Cohen nach New York ins ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Chelsea-Hotel.<\/p>\n<p>Er war schon als Dichter bekannt und hatte neben diversen Gedichtb\u00e4nden zwei Romane ver\u00f6ffentlicht mit den programmatischen Titeln &#8222;Sch\u00f6ne Verlierer&#8220; und &#8222;Das Lieblingsspiel&#8220;.<\/p>\n<p>Cohen war \u00e4lter als die damaligen ProtagonistInnen der Greenwich Village-Szene und sah auch ganz anders aus, aber es sollte sein Weg werden, seine Poesie mit Musik anzureichern.<\/p>\n<p>1968 erschien dann die erste LP mit dem Titel &#8222;The Songs of Leonard Cohen&#8220; mit &#8222;Suzanne&#8220;, einem Song \u00fcber eine platonische Liebe, den Cohen bis zum Schluss gesungen hat und der besonders bei Liveauftritten mit den Jahren die Br\u00fcchigkeit seiner Stimme dokumentierte. G\u00e4nsehaut pur.<\/p>\n<p>Als Leonard Cohen 1970 in Berlin auftritt, findet sein Konzert im legend\u00e4ren Sportpalast statt, wo einst Goebbels die Massen zum &#8222;totalen Krieg&#8220; anstachelte. Cohen leidet als Jude an seiner Religion und an solchen Orten, die mit Verbrechen an der Menschlichkeit verbunden sind &#8211; aber auch sp\u00e4ter an Israel. Mit einer Handvoll Hippies und einem Hund st\u00fcrmen wir den Saal, der Einlass war damals nur von ein paar Rentnern gesichert. Mein erstes Cohen-Konzert.<\/p>\n<p>Von den insgesamt 14 Studio-Alben, die Cohen aufgenommen hat, waren f\u00fcr mich jene aus den 1980ern, aufgrund des musikalischen Arrangements, die schwierigsten, da sie ziemlich nach Mainstream klangen, aber das konnte er mit seinen Liveauftritten wieder wett machen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie Dylan war Cohen kaum in Hitparaden vertreten. Einer seiner wenigen kommerziell erfolgreichen Songs war &#8222;Hallelujah&#8220;, an dem er angeblich zehn Jahre gearbeitet hat, ein Song mit 80 Strophen, der dann wieder auf vier Strophen gek\u00fcrzt wurde.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite geh\u00f6rt Cohen zu jenen Singer\/Songwritern, die st\u00e4ndig gecovert werden. &#8222;Hallelujah&#8220; ist eines der meistgecoverten Songs der letzten Jahrzehnte.<\/p>\n<p>B\u00f6se Stimmen unterstellen Cohen Depressionen, die er als Mensch auch hatte, aber seine Musik hat eher was mit Melancholie zu tun.<\/p>\n<p>Seine tiefe Stimme, die Mollakkorde, die Poesie der Texte, das alles machte ihn eher zum Au\u00dfenseiter im Entertainment-Gesch\u00e4ft denn zu einem geschmeidigen Hitproduzenten.<\/p>\n<h3>Melancholie ist das Anhalten der Welt f\u00fcr einen Moment zum Nachdenken<\/h3>\n<p>Als Cohen 2008 nach fast 15j\u00e4hriger B\u00fchnenabstinenz wieder auf Tour ging, er war immerhin schon 74 Jahre alt, war er beliebter denn je.<\/p>\n<p>Ein Mann mit starker B\u00fchnenpr\u00e4senz, mit hervorragenden MusikerInnen, denen er h\u00f6chsten Respekt zollte, vor denen er nicht nur als Geste, sondern ganz \u00f6ffentlich seinen Hut zog, ja sogar vor ihnen auf der B\u00fchne niederkniete.<\/p>\n<p>Das war keine Attit\u00fcde, es war die aufrichtige Bewunderung f\u00fcr Menschen, die keinen Zweifel an ihrer Professionalit\u00e4t zuliessen. Ebenso ging er mit seinem Publikum um. Bei seinen Auftritten sp\u00fcrte man die Dankbarkeit beider Seiten.<\/p>\n<p>Cohen war beeinflu\u00dft von dem spanischen Dichter Federico Garcia Lorca (seiner Tochter gab er den Namen Lorca) und beseelt davon, dass die Liebe, die Poesie und die Musik starke &#8211; auch politische &#8211; Waffen gegen Hass und Intoleranz sind, dass die &#8222;erotische Verzweiflung&#8220; und Poesie der Liebe n\u00e4herkommt als jedes Versprechen, als jede institutionalisierte Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Die Lieder von Leonard Cohen sind f\u00fcr mich nie depressiv oder runterziehend gewesen, im Gegenteil, sie bauen auf.<\/p>\n<p>Der &#8222;Partisan der Liebe&#8220;, der ein wirklich schaffensreiches Leben hatte, obwohl er sich selbst als undiszipliniert empfand, ein Perfektionist und Stilist in fast minimalistischer Art und Weise, ein Boh\u00e9mien, ein Existenzialist, ein Zweifelnder, ein Koch im Zen-Kloster, der mit seinem Meister gerne Whiskey trank und philosophierte.<\/p>\n<p>Mit dem Menschen Leonard Cohen werden sich auch in Zukunft noch zahlreiche BiographInnen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Was aber immer bleiben wird, ist seine sanfte, dunkle Stimme, die uns seit 50 Jahren begleitet hat und jetzt verstummt ist.<\/p>\n<p>Seine Gedichte, seine Lieder bleiben f\u00fcr immer. Es ist Zeit, den Hut zu ziehen und zu lauschen:<\/p>\n<p><i>&#8222;I was born like this, I had no choice<br \/>\n<\/i><i>I was born with the gift of a golden voice&#8230;&#8220;<br \/>\n<\/i>&#8222;Tower of Song&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Everybody knows that the boat is leaking Everybody knows that zhe Captain lied Everybody got this broken feeling Like their Father or their dog just died &#8222;Everybody knows&#8220; von der CD &#8222;I&#8217;m your Man&#8220; Manche meinen, er h\u00e4tte eher als Bob Dylan den Literaturnobelpreis verdient, was stimmen mag, aber \u00e4hnlich wie bei den Dylan-Fans d\u00fcrfte &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2016\/12\/mehr-melancholie-leonard-cohen\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":498,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Mehr Melancholie! 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