{"id":1702,"date":"1998-02-01T00:00:46","date_gmt":"1998-01-31T22:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1702"},"modified":"2022-07-26T14:26:33","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:33","slug":"tigersprung-in-den-abgrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1998\/02\/tigersprung-in-den-abgrund\/","title":{"rendered":"Tigersprung in den Abgrund!"},"content":{"rendered":"<p>Die westliche Welt k\u00fcmmert das kommende, zum Teil schon eingetretene Elend in den fr\u00fcher so achtvoll &#8222;Tigersprungstaaten&#8220; oder &#8222;Schwellenl\u00e4nder&#8220; genannten L\u00e4ndern S\u00fcdostasiens nicht wirklich &#8211; ihre Sorge ist nur, ob der Finanzcrash an den japanischen, Hongkonger oder Singapur-B\u00f6rsen auch auf die westlichen B\u00f6rsen durchschl\u00e4gt. Hektische Betriebsamkeit, Telefonate Clintons mit Japans und Indonesiens Pr\u00e4sidenten, IWF-Bremskredite in nie dagewesenen, astronomischen H\u00f6hen sollen die Weltwirtschaft retten. Doch Vergleiche mit 1929 werden schon angestellt. Und auch wenn der Durchschlag auf den Westen unmittelbar vermieden werden sollte: den Menschen in S\u00fcdostasien n\u00fctzt das gar nichts, sie sind schon &#8222;abgeschrieben&#8220;.<\/p>\n<p>Das ist die Realit\u00e4t des Kapitalismus im ausgehenden 20. Jahrhundert. Das ist das vielbeschworene &#8222;Ende der Geschichte&#8220; &#8211; gemeint als Sieg und immerw\u00e4hrende Stabilit\u00e4t einer globalen, marktwirtschaftlich organisierten Welt. Im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Papiertiger ist mit den Tigersprungstaaten auch das Vertrauen in diese Stabilit\u00e4t, in unbegrenztes Wachstum, in den Kapitalismus als solchen zusammengest\u00fcrzt &#8211; wenigstens das ist zu begr\u00fc\u00dfen. Doch was nachkommt, ist nicht unbedingt besser: in Indonesien stehen am prognostizierten Ende des brutalen, v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Diktatorenduos Sukarno\/Suharto nurmehr Varianten islamistischer Parteien auf der oppositionellen Seite. Die sozialistische Alternative hat Suharto selbst bei seiner Macht\u00fcbernahme 1965 durch das Niedermetzeln von 500\u00a0000 organisierten Linken und KommunistInnen ausgerottet.<\/p>\n<h3>1:0 f\u00fcr Robert Kurz<\/h3>\n<p>Lange wurde er auf seiten der Linken mehr oder minder bel\u00e4chelt, als Mystiker oder Apokalyptiker verschrieen: nun scheinen die von Robert Kurz von der N\u00fcrnberger Gruppe &#8222;Krisis&#8220; seit Jahren publizierten, im Buch &#8222;Kollaps der Modernisierung&#8220; ((1)) zusammengefa\u00dften Warnungen vor einem Crash des Finanzkapitalismus und infolge dessen der Welt\u00f6konomie keineswegs v\u00f6llig \u00fcberdreht. In Ermangelung einer tragf\u00e4higen anarchistisch-\u00f6konomischen Theorie zur Erkl\u00e4rung der gegenw\u00e4rtigen welt\u00f6konomischen Ereignisse seien hier die Thesen von Robert Kurz zusammengefa\u00dft und herangezogen.<\/p>\n<p>Kurz geht von einer radikalisierten Interpretation der Werttheorie aus, das bedeutet: der im kapitalistischen Produktionsproze\u00df hervorgebrachte Wert gilt nur als solcher, insofern er sich selbst verwertet. Also: Geld ist nur Kapital, wenn es sich zum Ziel setzt, sich in noch mehr Geld zu verwandeln. Der Gebrauchswert einer Ware ist nutzlos, es z\u00e4hlt der Tauschwert, das hei\u00dft die Frage, ob sich eine Ware verkaufen l\u00e4\u00dft. Verkauft kann aber nur werden, was billiger produziert ist als die Ware der Konkurrenz auf dem Markt. Kapitalismus tendiert daher dazu, mit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig immer geringerem Aufwand eine immer gr\u00f6\u00dfere Menge an Produkten herzustellen. Es resultiert aus diesem Mechanismus der Verwertung eine nach Kurz historisch einzigartige Explosion der Produktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Widerspr\u00fcche dieses Prozesses versch\u00e4rfen sich &#8211; so Kurz &#8211; durch die Modernisierung: einerseits werden immer mehr Menschen weltweit gezwungen, ihre Arbeitskraft zu Markte zu tragen, sich also in den Weltkapitalismus einzuklinken; andererseits machen moderne Wissenschaft und Technik die menschliche Arbeitskraft tendenziell \u00fcberfl\u00fcssig. Das organische Verh\u00e4ltnis des Kapitals, das Verh\u00e4ltnis zwischen Maschinen, Infrastruktur, Produktionsmitteln auf der einen und menschlicher Arbeitskraft auf der anderen Seite, verschiebt sich bei Modernisierungsprozessen nach Kurz also immer mehr zugunsten der ersteren, der Kapitalintensit\u00e4t: die Gro\u00dfunternehmen m\u00fcssen heute immer mehr in Maschinen und Produktionsanlagen investieren, um noch rentabel produzieren zu k\u00f6nnen. Daf\u00fcr sind Kredite, Zinssysteme, die Unterst\u00fctzung der Banken n\u00f6tig, die wiederum dem spekulativen Finanzkapital T\u00fcr und Tor \u00f6ffnen. Kurz meint, da\u00df sich so eine Dominanz des Finanzkapitals \u00fcber das produktive Kapital der Unternehmen herausgebildet habe, eine Welt\u00f6konomie, die auf Pump lebt, von ungedeckten Wechseln. Kurz ist sich sicher, da\u00df das nicht lange gut gehen k\u00f6nne und die kapitalistische Modernisierung eine innere Schranke erreicht, bei der die ungedeckten Wechsel platzen oder die Kredite zur\u00fcckgezahlt werden m\u00fcssen, aber nicht gezahlt werden k\u00f6nnen: der Crash!<\/p>\n<h3>Der Crash in S\u00fcdostasien<\/h3>\n<p>Mit den Thesen von Kurz im Hinterkopf kann man\/frau sich erkl\u00e4ren, weshalb es nun gerade die sogenannten &#8222;Schwellenl\u00e4nder&#8220; S\u00fcdostasiens und die Industriemacht Japan erwischte: die Tigersprungstaaten waren noch vor kurzem sogenannte &#8222;Entwicklungsl\u00e4nder&#8220;, die in den letzten beiden Jahrzehnten einen beschleunigten Industrialisierungsproze\u00df durchmachten, hohe Wachstumsraten erzielten und dabei immense Kredite insbesondere von ausl\u00e4ndischen Banken und Investoren benutzten. Vor allem japanische Banken haben ungeheure Summen in die Region investiert, oft hatten die Kredite zudem kurze Laufzeiten. Nachdem Anfang 1997 das erste Schwellenland, Thailand, in die Krise geriet und thail\u00e4ndische Unternehmen ihre Auslandsschulden und Kredite nicht zur\u00fcckzahlen konnten, dann Malaysia, die Philippinen, Indonesien, Hongkong und Singapur in den Sog gerieten, machten pl\u00f6tzlich einige der wichtigsten Kreditinstitute und Banken Japans, die Hauptgeldgeber also, Pleite &#8211; ein einzigartiges Vorkommnis in der Nachkriegsgeschichte des noch vor kurzem als kapitalistisches Vorzeigeland angesehenen Industriegiganten Japan.<\/p>\n<p>In den ersten Einsch\u00e4tzungen und Kommentaren schwimmen die prokapitalistischen Ursachenforscher ((2)), so konfus und so phantasielos wie \u00fcblich, zwischen zwei Erkl\u00e4rungsans\u00e4tzen und dementsprechend entgegengesetzten L\u00f6sungsvorschl\u00e4gen hin und her: entweder sei zuviel Markt schuld am Crash und es wird ein neuer staatlicher Protektionismus und die Besteuerung der Spekulanten sowie die Pr\u00fcfung und Versicherung von Krediten gefordert (das schlagen zum Beispiel so verfeindete Beteiligte wie der malaysische Pr\u00e4sident Mahathir und der US-Oberspekulant Soros vor, die sich gegenseitig die Schuld an der Krise zuschieben). Oder aber zuviel Staat, insbesondere b\u00fcrokratische und vetternwirtschaftliche Strukturen in den Empf\u00e4ngerl\u00e4ndern der Kredite, sei schuld und eine rein profitorientierte Kapitalanlage, die \u00d6ffnung der relativ noch abgeschotteten Binnenm\u00e4rkte f\u00fcr Auslandsinvestoren, radikaler Sparkurs, Wegfall von Subventionen f\u00fcr Grundnahrungsmittel und Privatisierung wird verlangt (das sind die Bedingungen der IWF-St\u00fctzungskredite an die angeschlagenen Regierungen der Schwellenl\u00e4nder, Hungeraufst\u00e4nde sind dabei kurzfristig eingeplant. Die Wirtschaft k\u00f6nne sich nur mittelfristig und langfristig erhohlen &#8211; so lauten die neoliberalistischen IWF-M\u00e4rchen, durch die Realit\u00e4t inzwischen mehrfach widerlegt. Doch den religi\u00f6s Gl\u00e4ubigen des Neoliberalismus kann man\/frau nicht mit Argumenten und Beispielen kommen!).<\/p>\n<p>Es ist klar, da\u00df beide Defizite vereint auftreten, denn Kapitalismus bestand noch nie aus dem Gegensatz, sondern immer schon aus der Verbindung von Markt und Staat. Daher werden auch die vorgeschlagenen L\u00f6sungsans\u00e4tze nichts fruchten und zu kurz greifen. Selbstverst\u00e4ndlich haben vor allem in Thailand und Indonesien b\u00fcrokratische und vetternwirtschaftliche Strukturen eine produktive Kapitalanlage verhindert. Viele Kredite flossen in spekulative und unproduktive Grundst\u00fccks- und Immobiliengesch\u00e4fte, oft unter Zahlung von Schmiergeldern. In Indonesien kann kaum ein gro\u00dfes Kredit- oder Industriegesch\u00e4ft abgeschlossen werden, ohne da\u00df die weitverzweigte Familie Suharto dabei mitverdient. Das Hongkonger Kreditinstitut Peregrine ging nahezu allein daran zugrunde, da\u00df es einen 265-Mill.-Dollar-Kredit einem indonesischen Unternehmen anvertraut hat, das die vielen Inseln mit Autof\u00e4hren verbinden wollte. Dabei verdiente zun\u00e4chst nur die beteiligte \u00e4lteste Tochter Suhartos etwas, obwohl noch gar nichts zuende gebaut und auch v\u00f6llig unklar war, ob die Menschen in Neuguinea etwa alle Autos kaufen wollen, mit denen sie dann im Meer herumschippern, das hei\u00dft: ob die Autof\u00e4hren profitabel betrieben werden k\u00f6nnen. ((3)) Das Privatverm\u00f6gen des Suharto-Clans wird auf ca. 40 Milliarden Dollar gesch\u00e4tzt, ungef\u00e4hr genauso gro\u00df wie der IWF-Kredit, den das Land jetzt zur St\u00fctzung bekommt.<\/p>\n<p>Das Beispiel des Autof\u00e4hrenbankrotts beleuchtet aber auch das rein marktwirtschaftliche Problem mangelnder Binnennachfrage in den Schwellenl\u00e4ndern. Auch die s\u00fcdostasiatischen Tochterfirmen japanischer Autohersteller produzierten wie wild, um irgendwann feststellen zu m\u00fcssen, da\u00df sie \u00dcberkapazit\u00e4ten anh\u00e4uften und der in den Tigersprungstaaten entstehende Mittelstand und dessen Kaufkraft bei weitem nicht mithalten konnte. Jetzt, in Zeiten der Rezession, nat\u00fcrlich schon gleich gar nicht mehr. Die langsame, mindestens \u00fcber das ganze 19. Jahrhundert gehende kapitalistische Entwicklung in Europa konnte noch die ganzen L\u00e4nder kapitalistisch durchdringen und, unterst\u00fctzt auch durch Gewinne aus dem Kolonialismus, eine Binnennachfrage herstellen, die zeitweilige Schocks und \u00dcberkapazit\u00e4ten d\u00e4mpfte. In den Tigersprungstaaten wurde die kapitalistische Entwicklung vergleichsweise im Zeitraffer durchgef\u00fchrt: w\u00e4hrend Subsistenz- und Regenwaldgebiete zum Teil noch kaum erschlossen sind und der zahlungsf\u00e4hige Mittelstand in den St\u00e4dten einer wachsenden Zahl von Loosern der Landflucht gegen\u00fcbersteht, entstanden manhattenartige Hochh\u00e4user mit leeren B\u00fcror\u00e4umen und Freiwirtschaftszonen f\u00fcr den Export. Die ganze kapitalistische Produktion n\u00fctzt aber nichts, wenn nicht genug Leute die Waren kaufen k\u00f6nnen. Die Schere zwischen Produktivit\u00e4t und sich zu langsam entwickelnder Binnennachfrage wurde immer gr\u00f6\u00dfer. Die gro\u00dfe Exportorientierung der Tigersprungstaaten mit ihren Freihandelszonen konnte das noch einige Jahre kompensieren. Als sich aber seit Ende der 80er Jahre die US-Wirtschaft erholte und auf dem Weltmarkt wieder wettbewerbsf\u00e4hig wurde, als zudem die noch billigere ArbeiterInnen bietenden \u00d6konomien Vietnams und Chinas auf den Weltmarkt dr\u00e4ngten, sanken etwa die Chancen der koreanischen IndustriearbeiterInnen drastisch, die bereits in harten Auseinandersetzungen eine Art arbeiteraristokratisches Lohnniveau erk\u00e4mpft hatten.<\/p>\n<h3>Brutalit\u00e4ten des Crashs und Gefahren des Durchschlags<\/h3>\n<p>Der Crash ist bereits da, doch auch nach einem Crash geht das Leben weiter, es fragt sich nur wie. M\u00f6glich w\u00e4ren drei Szenarien: Erstens k\u00f6nnte es einen Aufschwung sozialistischer Bewegungen geben, sowohl freiheitlicher wie auch stockautorit\u00e4rer. Diese Variante wird zwar von Theoretikern wie Karl-Heinz Roth immer herbeigetr\u00e4umt ((4)), ihre Wahrscheinlichkeit ist aber gering: Sozialismus wird weltweit immer noch mit dem gescheiterten Staatssozialismus in Verbindung gebracht oder gar als westlich importiert angesehen, und die gegenw\u00e4rtigen spontanen Pl\u00fcnderungen und Verteidigungsk\u00e4mpfe der von Entlassung bedrohten ArbeiterInnen sind zwar existentiell, aber ungeheuer zersplittert und partikul\u00e4r. Zweitens k\u00f6nnte die Krise durch islamistische oder andere religi\u00f6s-regressive Gruppen ausgenutzt werden, bei K\u00e4mpfen oder Kriegen w\u00fcrden immer fundamentalistischere Gruppen an die Oberfl\u00e4che geschwemmt: die Taleban in Afghanistan oder auch Algerien w\u00e4ren ein Beispiel f\u00fcr das, was etwa in Indonesien geschehen k\u00f6nnte. Diese Perspektive ist schon wahrscheinlicher. Drittens schlie\u00dflich k\u00f6nnte der Kapitalismus auf den Tr\u00fcmmern des Crashs einfach neu beginnen. Den Schwellenl\u00e4ndern ist nun ihr angestammter Platz als &#8222;Dritte-Welt-L\u00e4nder&#8220; wieder zugewiesen, westliche Auslandsfirmen k\u00f6nnten die gestrandeten inl\u00e4ndischen Unternehmen zum durch die Abwertung der inl\u00e4ndischen W\u00e4hrung hergestellten Spottpreis \u00fcbernehmen und dabei aber sowohl das Sagen haben als auch die Profite einstecken. Eine versch\u00e4rfte Form des Neokolonialismus w\u00e4re die Folge, auch das ist wahrscheinlich.<\/p>\n<p>So sehr also der Crash in S\u00fcdostasien zeigt, da\u00df das kapitalistische System als Ganzes abgeschafft werden mu\u00df, so wenig ist ein solcher Crash w\u00fcnschenswert, solange sich keine freiheitlich-sozialistische Alternative als geschichtsm\u00e4chtig zeigt. In S\u00fcdostasien hat die abrupte Verschlechterung der Perspektiven bei den Regierungen zu panikartigen Reaktionen gef\u00fchrt, die nur im staatlichen Rassismus oder in verst\u00e4rkter Milit\u00e4rdiktatur enden k\u00f6nnen: Malaysia will auf einen Schlag ca. 1 Million indonesische und philippinische GastarbeiterInnen ausweisen, Thailand ca. 1,5 Millionen BurmesInnen und Bangla-Deshis, S\u00fcdkorea 270\u00a0000 GastarbeiterInnen aus Nepal und den Philippinen. Die Drohung der indonesischen Milit\u00e4rs, Panikk\u00e4ufe von Nahrungsmitteln mit dem Tode zu bestrafen, zeigt wohin auch dort die Reise gehen kann. Der Druck auf Frauen innerhalb traditional-patriarchaler Gesellschaften, zum Teil mit konfuzianischer Kultur, aus der Industriearbeit wieder auszusteigen und angestammte Rollen in der Familie wieder einzunehmen, steigt drastisch an. Und die sozialstaatlichen Systeme als Auffangnetz f\u00fcr Arbeitslose sind in S\u00fcdostasien nicht nur gering oder gar nicht ausgebildet, sondern ArbeiterInnen wurden nach konfuzianisch-japanischen Vorbild oft durch lebenslangen K\u00fcndigungsschutz an ihre Unternehmen gebunden, wodurch eine Identifikation mit dem Unternehmen erreicht und Arbeitsk\u00e4mpfe vermieden wurden. Letzteres stand zum Teil sogar in Arbeitsgesetzen und -vertr\u00e4gen &#8211; die alle wertlos sind, wenn das Unternehmen pleite macht und die ans Unternehmen &#8222;auf Gedeih und Verderb&#8220; gebundenen ArbeiterInnen und ihre Familien nun eben mit in den &#8222;Verderb&#8220; st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Ich kann mich noch erinnern, wie hei\u00df in unserer S\u00fcdasien-Solidarit\u00e4tsgruppe Anfang der 80er Jahre der gr\u00f6\u00dfte damalige IWF-Kredit an ein Riesenland wie Indien in H\u00f6he von 5 Milliarden Dollar diskutiert wurde und wie er in Indien zu Aufst\u00e4nden bei Besuchen der Kreditgeber f\u00fchrte. ((5)) Bei der Krise infolge der Zahlungsunf\u00e4higkeit Mexikos im Jahre 1994 wurden bereits mehr als 50 Milliarden Dollar an IWF-Krediten ausgesch\u00fcttet, um weltwirtschaftliche Auswirkungen zu vermeiden. Das Ausma\u00df der derzeitigen Krise zeigt allein der Umstand, da\u00df an IWF-Soforthilfen bereits weit mehr als 100 Milliarden Dollar in die kaputten \u00d6konomien gepumpt werden, ohne zu wissen, ob damit die Talfahrt \u00fcberhaupt gestoppt werden kann. Zur Zeit hat der IWF \u00fcberhaupt nur noch ca. 44 Milliarden fl\u00fcssige Mittel, wom\u00f6glich mu\u00df er selbst Schulden machen, wof\u00fcr dann die SteuerzahlerInnen aufkommen m\u00fc\u00dften, weil der IWF ein staatliches Regulationsinstrument darstellt, also Staatshaushalte f\u00fcr die Kredite gradestehen m\u00fcssen. Wenn bei den riesigen Schulden, die die Schwellenl\u00e4nder bei westlichen Banken angeh\u00e4uft haben (allein S\u00fcdkorea hat etwa 150 Milliarden Dollar Schulden bei ausl\u00e4ndischen Kreditgebern, gr\u00f6\u00dftenteils bei Banken), nicht sofortige Umschuldungen greifen, werden die Gl\u00e4ubiger zahlungsunf\u00e4hig und der Crash schl\u00e4gt auf die westlichen B\u00f6rsen durch. ((6)) Obwohl der westliche Kapitalismus derzeit nichts unversucht l\u00e4\u00dft, genau dies zu verhindern, ist ein Crash in Europa m.E. durchaus nicht w\u00fcnschenswert: niemand wei\u00df, wie Menschen und Regierungen nach Jahrzehnten \u00f6konomischen Wachstums und politischer Stabilit\u00e4t etwa in der BRD auf einen solchen Crash reagieren w\u00fcrden. Die Gefahr, da\u00df der ohnehin bereits vorhandene staatliche und gesellschaftliche Rassismus in der BRD nach dem Muster Malaysias potenziert w\u00fcrde, ist gro\u00df. Etwas langsamer k\u00f6nnte der s\u00fcdostasiatische Crash auf Europa dadurch durchschlagen, da\u00df die infolge der Herabsetzung ihrer W\u00e4hrungen weitaus billiger gewordenen Produkte der asiatischen \u00d6konomien die Konkurrenzf\u00e4higkeit hiesiger Produkte gef\u00e4hrden, da\u00df also die Standortpolitik und Weltmarktposition Europas noch st\u00e4rker ins Wanken ger\u00e4t. Die Folge w\u00e4re eine kontinuierliche Steigerung der Arbeitslosigkeit. Aus einer solchen, weniger pl\u00f6tzlichen Entwicklung k\u00f6nnte sich vielleicht eine Arbeitslosenbewegung nach dem erfreulichen Muster Frankreichs europaweit fortentwickeln und antirassistische ebenso wie sozialistische Inhalte langsam ausbilden und verbreitern. Das w\u00e4re ein Hoffnungsfunke, der mit aller Kraft am Leben erhalten werden sollte. Denn was f\u00fcr den Crash gilt &#8211; &#8222;Nichts ist unm\u00f6glich!&#8220; &#8211; das gilt auch f\u00fcr den Sozialismus!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die westliche Welt k\u00fcmmert das kommende, zum Teil schon eingetretene Elend in den fr\u00fcher so achtvoll &#8222;Tigersprungstaaten&#8220; oder &#8222;Schwellenl\u00e4nder&#8220; genannten L\u00e4ndern S\u00fcdostasiens nicht wirklich &#8211; ihre Sorge ist nur, ob der Finanzcrash an den japanischen, Hongkonger oder Singapur-B\u00f6rsen auch auf die westlichen B\u00f6rsen durchschl\u00e4gt. 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