{"id":17185,"date":"2017-04-01T00:00:00","date_gmt":"2017-03-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/04\/andrea-caffi-eine-kritik-der-gewalt\/"},"modified":"2022-07-26T14:11:53","modified_gmt":"2022-07-26T12:11:53","slug":"andrea-caffi-eine-kritik-der-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/04\/andrea-caffi-eine-kritik-der-gewalt\/","title":{"rendered":"Andrea Caffi: Eine Kritik der Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>Meine These ist die: Eine &#8222;Bewegung&#8220;, die sich zum Ziel setzt, den Menschen Brot, Freiheit und Frieden zu sichern, und die daher beabsichtigt, die Lohnarbeit, die Unterordnung der Gesellschaft unter den Zwangsapparat des Staates (oder von Gro\u00df-Staaten), die Trennung der Menschen in Klassen ebenso wie in ausl\u00e4ndische und potentiell feindliche Nationen abzuschaffen, muss damit aufh\u00f6ren, die unterschiedlichen Mittel der organisierten Gewalt als n\u00fctzlich oder gar realisierbar zu betrachten. Diese Mittel sind: a) der bewaffnete Aufstand; b) der B\u00fcrgerkrieg; c) der internationale Krieg (sogar gegen Hitler &#8211; oder Stalin); d) ein diktatorisches Regime und die Anwendung des Terrors, um die &#8222;neue Ordnung&#8220; zu konsolidieren.<\/p>\n<p>Mein erstes Argument gr\u00fcndet auf Erfahrung und den normalen Menschenverstand. Es besteht darin, dass diese Mittel ineffizient sind und in Wirklichkeit zu Ergebnissen f\u00fchren, die den beabsichtigten direkt entgegengesetzt sind. Diesem Argument &#8211; das eine &#8222;N\u00fctzlichkeitserw\u00e4gung&#8220; ist, wenn man so will &#8211; k\u00f6nnen einige andere hinzugef\u00fcgt werden: Darunter sind Argumente, die durch Analysen und Gef\u00fchlslagen best\u00e4tigt worden sind und die sich mit bemerkenswerter Einhelligkeit entwickelt haben, seit der Mensch \u00fcberhaupt \u00fcber die menschlichen Lebensbedingungen nachzudenken begann. Andere Argumente sind durch die gegenw\u00e4rtige, bisher noch nie dagewesene Situation bedingt, in der sich die zwei Milliarden BewohnerInnen dieses Planeten Erde in der Mitte des 20. Jahrhundert befinden.<\/p>\n<p>Abscheu vor oder Schrecken gegen\u00fcber der Gewalt sind vielleicht so alt wie die Gewalt selbst, w\u00e4hrend die Glorifizierung der Gewalt sicherlich ein eher j\u00fcngeres Produkt von &#8222;Gem\u00fctslagen&#8220; ist, das wir mit ernsthaften Gr\u00fcnden als k\u00fcnstlich oder gar krankhaft betrachten m\u00fcssen. Ich glaube, dass Simone Weil recht hat, wenn sie einen solchen Schrecken gegen\u00fcber der Gewalt bereits in den Tiefen der Ilias [des Homer] und den griechischen Trag\u00f6dien erkennt. Der Buddhismus mit seiner pazifistischen Botschaft h\u00e4tte es nicht zu einer solch gro\u00dfen Zahl an Anh\u00e4ngerInnen gebracht, wenn es nicht eine vertrauliche Entsprechung zwischen seinen Grunds\u00e4tzen und einem weit verbreiteten Gef\u00fchl in der Bev\u00f6lkerung gegeben h\u00e4tte. Man kann mit guten Gr\u00fcnden annehmen, dass w\u00e4hrend des neolithischen Zeitalters, das wahrscheinlich mehr als einhundert Jahrhunderte andauerte, ein stabiler Friede zwischen seinen sesshaft gewordenen Gemeinschaften geherrscht hat. Grausame Invasoren, die mit bronzenen, sp\u00e4ter eisernen Waffen ausger\u00fcstet waren, folgten in darauf folgenden Zeitaltern, um die Welt mit Massakern und milit\u00e4rischen Heldentaten zu f\u00fcllen. Sie verbreiteten jene blutige Vergiftung, dessen beispielhaftester Wahnsinn von den syrischen K\u00f6nigen und den mongolischen Khans verk\u00f6rpert wurde.<\/p>\n<h3>Das Fieber der Gewalt<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend des letzten, langen Jahrhunderts, von der Massenaushebung Kriegsdienstpflichtiger im Jahr II [entspricht dem republikanischen Kalender der Franz\u00f6sischen Revolution und umfasst die Jahre 1793 und 1794 des gregorianischen Kalenders; d.\u00dc.] bis zu Hitlers SS, den Marsch\u00e4llen Stalins und den Gener\u00e4len nach dem Modell des US-Generals Patton hat der westliche Teil der Menschheit (von Japan und dem &#8222;innovativen, kriegs\u00e4hnlichen&#8220; China einmal ganz abgesehen) dieses Fieber der Gewalt in all seinen Formen erfahren: als patriotisches Hochgef\u00fchl, als revolution\u00e4re Romantik, als die &#8222;Last des Wei\u00dfen Mannes&#8220; [ein prokoloniales Gedicht Rudyard Kiplings, gemeint ist der westliche Kolonialismus; d.\u00dc.], als Glorifizierung des jenseits von Gut und B\u00f6se stehenden \u00dcbermenschen, als Reflexionen &#8222;\u00dcber die Gewalt&#8220; von [Georges] Sorel, als jakobinischen, faschistischen und bolschewistischen Terror usw.<\/p>\n<p>Als der Pazifismus, der im 18. Jahrhundert scheinbar viel an Terrain gewonnen hatte, mit dieser aus den Tiefen hervorsteigenden Grundstr\u00f6mung konfrontiert wurde, lie\u00df er sich nicht nur zur\u00fcckdr\u00e4ngen, sondern hat sich einer Art h\u00fcndischer Mimikry ergeben und gerade auf jenem Terrain nach Auswegen gesucht (ob sie nun durch die Vorsehung bestimmt oder &#8222;dialektischer&#8220; Natur waren), wo sein Gegner von Sieg zu Sieg marschierte &#8211; oder eher: von Katastrophe zu Katastrophe. Der rationalistische Pazifismus der Liberalen machte zu viele Zugest\u00e4ndnisse, nicht nur an den Patriotismus, sondern ebenso an den politischen Opportunismus. Der Pazifismus wiederum eines Robert Owen, eines Saint-Simon oder eines Proudhon, der vor allem gegen den Gedanken der &#8222;revolution\u00e4ren Gewalt&#8220; gerichtet war, der Evangelismus der Qu\u00e4ker und sp\u00e4ter der von Leo Tolstoi wurden bewundert oder verlacht als die Tr\u00e4ume naiver Geister. Die auf Vernunftgr\u00fcnden basierenden Hoffnungen, die von den gro\u00dfen Massen der Menschen geteilt wurden, beinhalteten die Idee eines &#8222;letzten Gefechts&#8220;, nach welchem die Menschheit sich selbst in der Internationale vereinigen w\u00fcrde; oder auch eines &#8222;letzten Kriegs&#8220; (wie etwa dem Krieg von 1914!); oder sogar &#8211; und dabei noch mechanistischer denkend &#8211; des abschreckenden Effekts m\u00f6rderischer Waffen, deren Anwendung so zerst\u00f6rerisch sei, dass es niemand wagen w\u00fcrde, sie einzusetzen. Jede Anstrengung f\u00fcr Frieden etwa eines [Jean] Jaur\u00e8s [dem Anf\u00fchrer der franz\u00f6sischen Sozialisten vor dem Ersten Weltkrieg; d.\u00dc.] wurde grunds\u00e4tzlich dadurch untergraben, dass er den Begriff einer &#8222;nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t&#8220; akzeptierte, die um jeden Preis verteidigt werden musste. Dem Antimilitarismus der franz\u00f6sischen Anarchisten und Syndikalisten (stark bef\u00f6rdert durch den Gedanken eines Generalstreiks der mobilisierten Soldaten) ermangelte es an moralischer Glaubw\u00fcrdigkeit, weil sie zwar den Krieg zwischen Nationen zur\u00fcckwiesen, zugleich aber die Anwendung von Gewalt im Klassenkampf propagierten.<\/p>\n<h3>Jede Gewalt ist antisozial<\/h3>\n<p>Lassen Sie uns nun ein wenig n\u00e4her die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Aversionen des &#8222;kultivierten&#8220; Menschen gegen Gewalt untersuchen. (&#8230;)<\/p>\n<p>Es geht dabei um &#8222;sittliche Normen&#8220;, &#8222;Kultur&#8220;, &#8222;Menschheit&#8220; &#8211; und nicht metaphysische Prinzipien und religi\u00f6se Vorschriften. F\u00fcr die Athener, die ihren Sklaven &#8222;menschlich&#8220; behandelten bis zur englischen Lady, die ihren Kutscher r\u00fcgte, wenn er seine Pferde peitschte, bedeutete H\u00f6flichkeit und Verfeinerung der Sitten im Wesentlichen den Verzicht auf Gewalt. Aber im Namen welcher Zielsetzung? Wenn es im Namen des &#8222;Selbstrespekts&#8220; geschieht &#8211; dann ist das unm\u00f6glich ohne den Respekt f\u00fcr andere. Wenn es im Namen der Gesellschaftsf\u00e4higkeit [im Englischen: sociability; \u00fcberhaupt der zentrale theoretische Begriff bei Caffi; d.\u00dc.] geschieht, die sich von einer Person zur n\u00e4chsten verbreitet, dann endet das logischerweise bei der Miteinbeziehung aller lebenden Wesen. An der Oberfl\u00e4che ist das eine Angelegenheit guter Manieren und &#8222;ziviler Sitten&#8220;; in tiefgr\u00fcndigerem Sinne geht es aber um die Wahrnehmung von Gesellschaft als zugleich einer Tatsache wie einem Wert. Und deshalb geht es unvermeidlich um die Gerechtigkeit in den sozialen Verh\u00e4ltnissen &#8211; ein Gedanke, der, das muss man zugeben, grundlegender ist als jedes religi\u00f6se oder moralische Dogma.<\/p>\n<p>Aber Gesellschaftsf\u00e4higkeit und Gerechtigkeit existieren nicht ohne den Wunsch nach dem Gl\u00fcck aller, ohne den ich selbst nicht gl\u00fccklich sein kann (ob dieser Wunsch nun utilitaristisch, als Gedanke [Jeremy] Benthams ge\u00e4u\u00dfert oder von Konzepten g\u00f6ttlicher Gnade inspiriert wird, hat hier nur wenig Bedeutung). Wie sagte Saint-Just: &#8222;Diese Idee des Gl\u00fccks aller ist so neu in Europa&#8220; &#8211; und fing dann gleich damit an, die K\u00f6pfe der Menschen zu durchtrennen, um die Verwirklichung dieses Gl\u00fccks zu beschleunigen. Wir m\u00fcssen dagegen darauf bestehen: Gerechtigkeit bedingt Gleichheit; Gl\u00fcck f\u00fcr alle schlie\u00dft alle Formen von Unterdr\u00fcckung aus. Es gibt also einen un\u00fcberwindbaren Konflikt zwischen dem Streben nach Gesellschaftsf\u00e4higkeit und dem Willen zur Macht. Jede Gewalt ist, qua Definition, antisozial.<\/p>\n<p>Aber die antisoziale Barbarei existiert in uns selbst, im Instinkt des Eigentums, im Hass, in unserer eigenen Grausamkeit, in Angst und Unwissenheit &#8211; und die antisoziale Barbarei existiert auch in unserer Umwelt (weil n\u00e4mlich Zivilit\u00e4t, H\u00f6flichkeit, kultivierte Gesellschaftsf\u00e4higkeit bis heute das Privileg einer Minderheit von Personen in einer begrenzten Anzahl von R\u00e4umen geblieben ist). Darum dominierte in diesem ganzen letzten Jahrtausend fast immer die Barbarei, besonders eine Barbarei, die von einer sehr d\u00fcnnen Schicht von &#8222;Zivilit\u00e4t&#8220; verdeckt worden ist, um einen Begriff von Abb\u00e9 Gerard [aus dem 19. Jahrhundert Frankreichs; d.\u00dc.] aufzugreifen. Aber die Antinomie existiert bis heute. Immer wieder haben Menschen ihre Vernunftgr\u00fcnde geopfert, um zu \u00fcberleben und ihre nackte Existenz zu bewahren. \u00dcber die Jahrhunderte hinweg war dieser Kompromiss mehr oder weniger erfolgreich, denn eine gewisse Anzahl ernsthafter Gegner der Gewalt konnte \u00fcberleben, weil sie entweder von Zeit zu Zeit selbst der Gewalt oder gewaltsamen Befehlen nachgegeben haben. Aber wo sind wir damit inzwischen angekommen? (&#8230;)<\/p>\n<h3>Kann Gewalt durch Gewalt besiegt werden?<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend des 18. und w\u00e4hrend eines Gro\u00dfteils des 19. Jahrhunderts wurde die Gewalt, trotz der Einf\u00fchrung der allgemeinen Kriegsdienstpflicht durch die Franz\u00f6sische Revolution, beschr\u00e4nkt auf au\u00dfergew\u00f6hnliche Situationen oder begrenzte R\u00e4ume: Im Allgemeinen war sie die Angelegenheit von berufsm\u00e4\u00dfig Gewalt Aus\u00fcbenden, und viele glaubten, diese Praktiken w\u00fcrden tendenziell seltener werden und die Gewalt w\u00fcrde &#8222;humanisiert&#8220;. Erst seit 1914 ist die Welt in eine Epoche der totalen, wahllosen und faktisch ununterbrochenen Gewaltanwendung eingetreten. Wir wissen nur zu gut, was aus der Zivilisation, aus sittlichen Normen und aus H\u00f6flichkeit unter diesen Bedingungen geworden ist. Ob man nun an irgendeine Art von Religion glaubt oder nicht &#8211; seien es auch nur die &#8222;Religion des Fortschritts&#8220; oder die minimalste Form des Humanismus -, das von Dwight Macdonald formulierte Problem ist das Problem aller geworden: Entweder wir befreien uns selbst (wir und das gesamte Erbe unserer Kultur mit ihren Konzepten von Zivilit\u00e4t, Gerechtigkeit und Gl\u00fcck aller, die unseren Lebensentw\u00fcrfen einen Sinn vermittelt haben) vom Apparat der gewaltsamen Zwangsaus\u00fcbung, der nun die soziale Existenz anscheinend auf das Niveau eines Zustands permanenter Angst zur\u00fcckgeworfen hat, der nach [Thomas] Hobbes der Ausbildung einer organisierten Gesellschaft vorausging &#8211; oder wir werden selbst zerrissen.<\/p>\n<p>Kann Gewalt durch Gewalt besiegt werden? Hinter dieser Frage verbergen sich in Wirklichkeit zwei ganz unterschiedliche Probleme. Das erste Problem ist ein praktisches: Welche Wahrscheinlichkeit gibt es, dass eine rebellische Organisation, dass freie Menschen, die sich \u00fcber die zu erringenden Ziele im Klaren sind, die Waffen, die Ausr\u00fcstung, die technischen Fertigkeiten erwerben, die n\u00f6tig sind, um die gegenw\u00e4rtig Herrschenden der Welt mit Aussicht auf eine vern\u00fcnftige Erfolgschance bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen? Aber die entscheidende Frage betrifft das zweite Problem: Selbst wenn wir unterstellen, irgendjemand k\u00f6nne die Massen so organisieren (seien es Rebellen oder Menschen, die pl\u00f6tzlich von einem extrem aufgekl\u00e4rten Ideal der Gesellschaft und der Zivilisation \u00fcberzeugt sind), dass sie die Atombombe ihren gegenw\u00e4rtigen Eignern entziehen und die Schlacht beginnen k\u00f6nnen &#8211; ist es dann wirklich glaubhaft, dass jemand eine Regression in barbarische Haltungen verhindern kann, und seien die Umst\u00e4nde noch so &#8222;revolution\u00e4r&#8220;, wie man sie sich nur w\u00fcnschen kann? K\u00f6nnen dann jene Exzesse des Willens zur Macht verhindert werden; letztlich die Aufspaltung in f\u00fcgsame Herden und gebieterische Herrscher, welche die organisierte Anwendung von Gewalt unaufhaltsam hervorbringt? Wenn sich die Lage so darstellen sollte wie in Frankreich nach dem Thermidor [elfter Monat des republikanischen Kalenders der Franz\u00f6sischen Revolution, meist im Sinne der Absetzung Robespierres im Juli 1794, also nach der Herrschaft des Terrors; d.\u00dc.], in den Jahren 1918 und 1919 \u00fcberall in Europa, oder wie unter Stalin in Russland, w\u00e4re es dann nicht legitim, sich die Frage zu stellen: &#8222;Warum wurden all diese Str\u00f6me von Blut vergossen? Diese Unzahl von jungen Menschenleben, welchem blutigen G\u00f6tzen wurden sie geopfert?&#8220; Und welche Antwort kann jemand auf solche Fragen geben, der dem Kult der Gewalt und des heroischen Opfers nicht fr\u00f6nt?<\/p>\n<h3>Die Beispiele Robespierre\/Saint-Just und Lenin\/Trotzki<\/h3>\n<p>Wer k\u00f6nnte sich je mehr der Sache des Volkes hingegeben haben, dem Ziel der Selbstregierung der Menschheit im Einklang mit den Idealen der Freiheit, Gleichheit und Br\u00fcderlichkeit als Robespierre und Saint-Just? Ganz sicher verfolgte niemand mit solch hartn\u00e4ckigem Nachdruck den Kampf f\u00fcr die Vereinigung der Menschheit in einer F\u00f6deration sozialistischer Kollektivk\u00f6rperschaften wie Lenin und Trotzki. Und doch erstickten Robespierre und Saint-Just jede spontane Erhebung der Pariser Bev\u00f6lkerung und demoralisierten sie mit dem Terror und der Reduzierung der Clubs zu offiziellen Treffen, die nur noch von ver\u00e4ngstigten B\u00fcrokraten besucht wurden. Robespierre und Saint-Just waren es auch, die Frankreich zentralisierten und militarisierten (was die Konsolidierung einer neuen herrschenden Kaste von B\u00fcrokraten, Gener\u00e4len und Gro\u00dfh\u00e4ndlern f\u00fcr den Staat bedeutete), so dass schlie\u00dflich das Land reif wurde f\u00fcr Napoleons Despotismus und die Oligarchie der Notablen. Ganz genauso waren es die zwei gro\u00dfen bolschewistischen Anf\u00fchrer, welche die Sowjets unterdr\u00fcckten, welche die Herrschaft der Geheimpolizei Tscheka schufen, welche die Arbeiter in eine polizeilich-hierarchische Form von Staatsgewerkschaften zwangen, welche die verschiedenartigsten willk\u00fcrlichen Machtpositionen an sich rissen und in die Wirtschaft erstickende Kontrollen einf\u00fchrten &#8211; kurz: die den Boden f\u00fcr die Autokratie Stalins bereiteten.<\/p>\n<p>Die Jakobiner und die Bolschewiki waren weder Verr\u00e4ter noch Feiglinge, doch sie erreichten diese Ergebnisse durch die Verfolgung einer Logik der revolution\u00e4ren Gewalt. Und in der Art und Weise, wie sie diese Gewalt anwandten; in den Aktionen, zu denen sie durch diese Logik gef\u00fchrt wurden, offenbarten sie ihre grundlegend &#8222;antisoziale&#8220; Mentalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sischen Jakobiner und die russischen Bolschewiki betrachteten die Gesellschaft ausschlie\u00dflich in Begriffen der Etablierung bestimmter Machtverh\u00e4ltnisse, die zum Ziel hatten, die Regierung und eine Planwirtschaft im Namen des Volkes oder des Proletariats zu &#8222;organisieren&#8220;. Dabei waren f\u00fcr sie jene sittlichen Normen, jene Gesellschaftsf\u00e4higkeit, jenes Bed\u00fcrfnis nach Gerechtigkeit und nach Gl\u00fcck, die den &#8222;unmittelbaren Inhalt&#8220; der Existenz und die wirkliche Substanz der Freiheit der Massen in einer wahren &#8222;Gesellschaft&#8220; konstituieren, nur Nebenprodukte (oder ein &#8222;\u00dcberbau&#8220;).<\/p>\n<p><b>Andrea Caffi<br \/>\n<\/b>(Fortsetzung folgt)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine These ist die: Eine &#8222;Bewegung&#8220;, die sich zum Ziel setzt, den Menschen Brot, Freiheit und Frieden zu sichern, und die daher beabsichtigt, die Lohnarbeit, die Unterordnung der Gesellschaft unter den Zwangsapparat des Staates (oder von Gro\u00df-Staaten), die Trennung der Menschen in Klassen ebenso wie in ausl\u00e4ndische und potentiell feindliche Nationen abzuschaffen, muss damit aufh\u00f6ren, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/04\/andrea-caffi-eine-kritik-der-gewalt\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":504,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Andrea Caffi: Eine Kritik der Gewalt - graswurzelrevolution","description":"Meine These ist die: Eine \"Bewegung\", die sich zum Ziel setzt, den Menschen Brot, Freiheit und Frieden zu sichern, und die daher beabsichtigt, die Lohnarbeit, d"},"footnotes":""},"categories":[968,1030,1042],"tags":[],"class_list":["post-17185","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-418-april-2017","category-es-wird-ein-laecheln-sein","category-ohne-chef-und-staat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17185","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/504"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17185"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17185\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17185"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}