{"id":17200,"date":"2017-05-01T00:00:00","date_gmt":"2017-04-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/05\/globale-landwirtschaft-als-kriegsoekonomie\/"},"modified":"2022-07-26T14:22:05","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:05","slug":"globale-landwirtschaft-als-kriegsoekonomie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/05\/globale-landwirtschaft-als-kriegsoekonomie\/","title":{"rendered":"Globale Landwirtschaft als Kriegs\u00f6konomie?"},"content":{"rendered":"<p>Seit den 1950er Jahren erfolgt die Zufuhr von Phosphor nicht mehr prim\u00e4r \u00fcber Dung aus der Landwirtschaft, sondern durch Minerald\u00fcnger, die auf dem Abbau von Phosphatgestein beruhen. Sp\u00e4testens seit dem haben wir es mit globalen Produktionsketten auch in der Landwirtschaft zu tun, denn in der EU beispielsweise verf\u00fcgt nur Finnland \u00fcber geringe Vorkommen von Phosphatgestein. Auch in den USA wird das dort vor allem in Florida vorkommende Phosphat zunehmend knapp und l\u00e4ngst nicht nur als Gestein oder konzentrierte Phosphors\u00e4ure, sondern auch \u00fcber Pflanzenfutter vor allem aus Lateinamerika importiert,\u00a0((2))\u00a0dessen Vorr\u00e4te jedoch ebenfalls begrenzt sind.<\/p>\n<p>Die dringendste Nachfrage besteht aktuell in den bev\u00f6lkerungsreichen Staaten Asiens. Die gr\u00f6\u00dften Reserven werden auf der Arabischen Halbinsel und auf dem afrikanischen Kontinent vermutet, wo selbst kaum Phosphatprodukte zur Anwendung kommen. Die Gr\u00f6\u00dften Vorkommen konzentrieren sich auf einige wenige L\u00e4nder, und auch L\u00e4nder mit mittleren Vorkommen und geringem eigenen Verbrauch bauen gegenw\u00e4rtig massiv ihre F\u00f6rderkapazit\u00e4ten aus. Dabei ist zu beobachten, dass Phosphatabbau und Phosphatminen gegenw\u00e4rtig in zahlreichen Konflikten eine Rolle spielen und L\u00e4nder mit gro\u00dfen Vorkommen aufr\u00fcsten bzw. aufger\u00fcstet werden.<\/p>\n<h3>Phosphatabbau im syrischen B\u00fcrgerkrieg<\/h3>\n<p>Als im Mai 2015 der Islamische Staat Palmyra im Zentrum Syriens einnahm, war die Berichterstattung von der Zerst\u00f6rung dortiger Kulturg\u00fcter gepr\u00e4gt. Einige Medien berichteten damals jedoch dar\u00fcber hinaus, dass der IS auch die s\u00fcdlich von Palmyra gelegenen Phosphatminen erobert h\u00e4tte. Laut IS-Propaganda sei damit das Regime nicht nur &#8222;einer seiner letzten gro\u00dfen Einkommensquellen beraubt&#8220;, sondern es seien durch den zuk\u00fcnftigen Abbau unter eigener Regie auch &#8222;Millionen Dollar&#8220; f\u00fcr den IS zu erwarten.\u00a0((3))<\/p>\n<p>Im Januar 2017 berichtete u.a. der Deutschlandfunk, dass der Iran f\u00fcr seine Unterst\u00fctzung im syrischen B\u00fcrgerkrieg &#8222;vom Assad-Regime mit lukrativen Kontrakten und Auftr\u00e4gen belohnt&#8220; worden sei. U.a. d\u00fcrften die iranischen &#8222;Revolutionsw\u00e4chter&#8220; in Syrien ein Mobilfunknetz aufbauen und betreiben, dar\u00fcber hinaus w\u00fcrden ihnen &#8222;5.000 Hektar Agrarland und eine gro\u00dfe Phosphat-Mine zur Verf\u00fcgung&#8220; gestellt.\u00a0((4))<\/p>\n<p>Nach einem Bericht von Reuters handelt es sich dabei um die al-Sharqiya-Minen 50km s\u00fcd\u00f6stlich von Palmyra.\u00a0((5))<\/p>\n<p>Bei ihnen beginnt eine Eisenbahnlinie, die von hier aus zun\u00e4chst nach Westen verl\u00e4uft, dort nach gut zehn Kilometern die zweitgr\u00f6\u00dfte Phosphatmine bei Khunayfis passiert und \u00fcber Al-Qaryatayn, wo sich zwei weitere, kleinere Minen befinden, in nordwestliche Richtung nach Homs weiterf\u00fchrt. Laut dem Jahresbericht des U.S. Geological Survey f\u00fcr Syrien von 2011 gewann die staatliche Minenbaugesellschaft GCOPHAM hier 2010 (nach eigenen Angaben) noch 3,1 Mio. Tonnen Phosphatgestein, das in Homs von der ebenfalls staatseigenen General Fertilizers Co. zu 176.000t D\u00fcnger und 61.000t Phosphors\u00e4ure weiterverarbeitet worden sei.\u00a0((6))<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt waren europ\u00e4ische Staaten die Hauptabnehmer der syrischen Phosphorproduktion, die bis 2013 aufgrund des eskalierenden B\u00fcrgerkrieges und der EU-Sanktionen auf (gesch\u00e4tzt) eine Mio. Tonnen einbrach.\u00a0((7))<\/p>\n<p>Nach einem knappen Jahr unter Kontrolle des IS eroberte die syrische Armee Palmyra im Fr\u00fchjahr 2016 zur\u00fcck, um die Stadt im Dezember desselben Jahres wieder an den IS zu verlieren. Aktuell (April 2017) gilt die Stadt nach liveuamap.com als umk\u00e4mpft, aber vom IS kontrolliert. S\u00fcdlich der Stadt zieht sich demnach das zusammenh\u00e4ngende Gebiet des IS entlang den Phosphatminen und der dazugeh\u00f6renden Eisenbahn am weitesten nach Westen und endet in Al-Qaryatayn.<\/p>\n<h3>Abbau in der besetzten Westsahara<\/h3>\n<p>2015 baute nach China, dessen Angaben jedoch als \u00fcbersch\u00e4tzt gelten, Marokko die gr\u00f6\u00dften Mengen Phosphatgesteins (29 Mio. Tonnen) ab, wobei die v\u00f6lkerrechtswidrig von Marokko besetzte Westsahara die gr\u00f6\u00dften Abbaugebiete beherbergt. Zusammengenommen werden Marokko und der Westsahara 75% der globalen Phosphatreserven zugeschrieben.\u00a0((8))\u00a0Nach Marokko (und damit der Westsahara) folgen in der weltweiten Phosphatproduktion die USA (27,4 Mio. Tonnen) und Russland (11,6 Mio. Tonnen), die jedoch \u00fcberwiegend f\u00fcr den heimischen Markt produzieren. Marokko ist demgegen\u00fcber seit Jahren gr\u00f6\u00dfter Exporteur von Phosphatgestein (40% Weltmarktanteil), Phosphors\u00e4ure (50%) und fertigen D\u00fcngern (21%).<\/p>\n<p>Weltweit gr\u00f6\u00dfter Importeur von Phosphatprodukten sind trotz gro\u00dfer eigener Produktion die USA, die 2013 64% ihrer Importe aus Marokko (und der besetzten Westsahara) und den Rest aus Peru bezogen.<\/p>\n<p>Nicht nur wegen ihrer enormen Reserven, sondern auch aufgrund der politischen Rahmenbedingungen bildet die Westsahara ein geradezu optimales Abbaugebiet: Die urspr\u00fcnglich hier lebende Bev\u00f6lkerung wurde im Zuge der marokkanischen Besetzung Ende der 1970er Jahre politisch entrechtet, zu gro\u00dfen Teilen vertrieben und durch staatlich alimentierte Siedler ersetzt. Nach Westen ist das Gebiet vom Meer und nach Osten von mehreren, h\u00e4ufig verminten und von Soldaten gesicherten Sperranlagen begrenzt. Internationale Beobachter_innen und Organisationen erhalten kaum Zugang zur Westsahara, von ihrer &#8222;Besetzung&#8220; zu sprechen bzw. ihre Zugeh\u00f6rigkeit zu Marokko zu bezweifeln, steht unter Strafe. Demonstrationen und Versammlungen werden h\u00e4ufig gewaltsam aufgel\u00f6st, Aktivist_innen von Milit\u00e4rgerichten verurteilt und gefoltert.\u00a0((9))<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden wird bei Bou Craa die W\u00fcste geradezu umgegraben und das Phosphatgestein von hier aus von einem \u00fcber 100km langen F\u00f6rderband (angeblich das l\u00e4ngste der Welt) an die K\u00fcste transportiert. Die tats\u00e4chliche F\u00f6rdermenge aus der Westsahara kann nur gesch\u00e4tzt werden und diese Sch\u00e4tzungen belaufen sich seit Jahren auf etwa 10% der Gesamtproduktion Marokkos, 2013 etwa 2 Mio. Tonnen. Die Bundesregierung hat mehrfach indirekt einger\u00e4umt, dass ihr die Beteiligung deutscher Firmen an Phosphatabbau und -aufbereitung bekannt ist, verweigert jedoch seit Jahrzehnten eine Antwort auf Fragen danach, um welche Firmen es sich handelt und worin ihre Beteiligung bestehen.\u00a0((10))<\/p>\n<p>Sie unterst\u00fctzte jedoch den Ausbau der Aufbereitungsanlagen am Hafen von Jarf Lasfar durch einen Kredit der staatlichen F\u00f6rderbank KfW. Dort ans\u00e4ssig ist u.a. das Unternehmen Euro-Maroc Phosphore, das Phosphors\u00e4ure herstellt und zu einem Drittel der Chemischen Fabrik Budenheim KG geh\u00f6rt. Bei den anderen Aufbereitungsanlagen in Jorf Lasfar handelt es sich vor allem um Joint Ventures der staatlichen Phosphatgesellschaft OCP (Office Ch\u00e9rifien des Phosphates) mit D\u00fcngemittelproduzenten aus Brasilien, Indien und Pakistan.<\/p>\n<h3>Phosphatabbau in der &#8222;Sahel-Region&#8220;<\/h3>\n<p>Auch jenseits Marokkos wird der Phosphatabbau in der Sahara und der &#8222;Sahelregion&#8220; gegenw\u00e4rtig massiv ausgebaut. In Mauretanien, s\u00fcdlich der Westsahara, wird bislang vor allem Eisenerz abgebaut, das gemeinsam mit Kupfer und Gold etwa 70% der Exporte des Landes ausmacht. Die mauretanischen Staatseinnahmen sind hochgradig vom Bergbau abh\u00e4ngig und flie\u00dfen zu erheblichen Teilen in den Milit\u00e4rapparat, der die Politik kontrolliert (mit wenigen Ausnahmen wurden alle Regierungen seit 1978 durch Milit\u00e4rputsche bestimmt) und dar\u00fcber hinaus umfangreiche Unterst\u00fctzung aus den USA\u00a0((11))\u00a0und Frankreich erh\u00e4lt. In den vergangenen Jahren wurden in Mauretanien jedoch auch zwei gr\u00f6\u00dfere Lagerst\u00e4tten von Phosphat ausgemacht, deren Erschlie\u00dfung 2010 begann. 2013 sollte der Abbau bei Bofal an der Grenze zum Senegal beginnen und 2015 eine Aufbereitungsanlage gebaut werden, die Projekte verz\u00f6gerten sich jedoch zun\u00e4chst.\u00a0((12))<\/p>\n<p>Das westlich angrenzende Mali war schneller in der Erschlie\u00dfung. Nach eigenen Angaben begann die kanadische Firma Great Quest Fertilizer Ltd. 2008 mit der Untersuchung der Phosphatvorkommen und erwarb bis 2011 drei Konzessionen f\u00fcr eine Fl\u00e4che von 1.206 qm im Distrikt Gao, zwischen Bourem und Kidal. 2009 wurden bereits die ersten 1.900 Tonnen Phosphatgestein dort abgebaut, bis 2012 sollte die Produktion bereits auf 20.000t ansteigen.\u00a0((13))<\/p>\n<p>2012 jedoch stellte die Firma ihre T\u00e4tigkeiten wegen &#8222;Unruhen&#8220; ein. Der US Geological Survey, eine Abteilung des US-Innenministeriums, urteilte: &#8222;Vor dem Beginn der politischen Unruhen war Mali auf dem Weg, ein bedeutender Produzent von Phosphatgestein in der Subsahara-Region zu werden &#8230; Die Weiterf\u00fchrung bzw. Wiederaufnahme des Abbaus, von Erweiterungs- und Explorationsprojekten wird jedoch absehbar von einer Beendigung der Feindseligkeiten, der Konsolidierung des Friedens und der Wiederherstellung von Frieden im Land abh\u00e4ngen.&#8220; Einer der Ursp\u00fcnge f\u00fcr diese Unruhen war ein von der EU finanziertes Programm zur Aufr\u00fcstung des n\u00f6rdlichen Malis 2010\/2011, also just zu der Zeit, als die Verhandlungen \u00fcber die Abbaukonzessionen stattfanden.\u00a0((14))<\/p>\n<p>Anfang 2013 intervenierte dann Frankreich und mittlerweile sind auch 1.000 Bundeswehrsoldat_innen in ihrem aktuell gef\u00e4hrlichsten Einsatz in Gao, etwa 200km s\u00fcdlich der Phosphatminen stationiert, von wo aus sie u.a. mit Heron-I-Drohnen das Gel\u00e4nde \u00fcberwachen sollen, das insbesondere n\u00f6rdlich von Gao und in Kidal nicht unter Kontrolle der internationalen Truppen ist.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr, dass der beginnende Abbau von Phosphat ein entscheidender Faktor f\u00fcr den zugleich ausbrechenden Aufstand und die anschlie\u00dfende Sezession des Nordens Malis war, gibt es keine Anzeichen. Allerdings steht au\u00dfer Frage, dass etwa die riesigen Uranminen bei Arlit im benachbarten Niger wesentlich zur Entfremdung zwischen der ans\u00e4ssigen, (semi-)nomadischen Bev\u00f6lkerung und der Zentralregierung einschlie\u00dflich ihrer internationalen Verb\u00fcndeten, allen voran Frankreich, beigetragen hat. Die Entf\u00fchrung mehrerer dort t\u00e4tiger Mitarbeiter des franz\u00f6sischen AREVA-Konzerns 2010 und ein Anschlag auf die Mine 2013 durch islamistische Gruppen zielten durchaus darauf ab, bei diesen Bev\u00f6lkerungsgruppen Sympathien zu schaffen. Auch in Niger finden sich umfangreiche Phosphatvorkommen, die jedoch bislang nur in kleinem Ma\u00dfstab und jenseits des Exportes nach Nigeria \u00fcberwiegend f\u00fcr den Gebrauch im Inland abgebaut werden. 2008 jedoch sah die OECD in ihrem &#8222;Economic Outlook Africa&#8220; im Ausbau der Mine bei Tahoua eine m\u00f6gliche Triebfeder f\u00fcr zuk\u00fcnftiges und anhaltendes Wirtschaftswachstum im Niger.\u00a0((15))<\/p>\n<p>Auch dort sind aktuell franz\u00f6sische Spezialeinheiten und die Bundeswehr (im Rahmen ihres Mali-Einsatzes) stationiert, eine EU-Trainingsmission begleitet den Aufbau von Gendarmerieeinheiten.<\/p>\n<h3>&#8222;Ert\u00fcchtigung&#8220; und Phosphatabbau<\/h3>\n<p>Die Staaten, die nach wie vor gro\u00dfe Reserven an Phosphaten aufweisen und f\u00fcr den Export produzieren, liegen \u00fcberwiegend in Nordafrika und auf der Arabischen Halbinsel, der sog. MENA-Region. Es ist auff\u00e4llig, dass jene Staaten &#8211; sofern sie sich nicht wie Syrien in einem B\u00fcrgerkrieg befinden &#8211; nahezu deckungsgleich sind mit denjenigen Staaten, die am umfangreichsten R\u00fcstungsg\u00fcter importieren oder &#8211; z.B. von Deutschland im Rahmen der &#8222;Ert\u00fcchtigungsinitiative&#8220; &#8211; sogar kostenlos R\u00fcstungsg\u00fcter und Milit\u00e4rausbildung erhalten. Marokko etwa erhielt von Deutschland zwischen 2001 und 2015 trotz katastrophaler Menschenrechtslage R\u00fcstungsg\u00fcter im Wert von \u00fcber 100 Mio. Euro, darunter Panzer und Fahrzeuge f\u00fcr \u00fcber 25 Mio. Euro. Wichtiger noch als die R\u00fcstungsexporte d\u00fcrfte jedoch die implizite Unterst\u00fctzung der v\u00f6lkerrechtswidrigen Besatzung des Westsahara sein, die sich auch darin ausdr\u00fcckt, dass Handelsabkommen und von der Durchf\u00fchrungsorganisation der deutschen Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterst\u00fctzte Infrastrukturprojekte sich wie selbstverst\u00e4ndlich auch auf die Westsahara beziehen.<\/p>\n<p>Obwohl Algerien, dem die weltweit drittgr\u00f6\u00dften Phosphatvorkommen zugerechnet werden, sich in latentem Konflikt mit Marokko befindet, wurden auch hierher allein seit 2011 R\u00fcstungsexporte in H\u00f6he von fast 2 Mrd. Euro genehmigt, darunter eine Fabrik f\u00fcr die Produktion von Fuchs-Panzern der Firma Rheinmetall. Das \u00f6stlich angrenzende Tunesien galt trotz eher geringer Reserven insbesondere vor der Revolte 2011 als zumindest kurzfristig potenter Exporteur und war 2014 noch auf Platz acht der wichtigsten Phosphor-Produzenten (2014 jedoch brach die Produktion aufgrund von Streiks fast vollst\u00e4ndig ein). Es ist auch ein Schwerpunktland der deutschen &#8222;Ert\u00fcchtigungsinitiative&#8220;, die seit 2016 \u00fcber einen eigenen Titel im Bundeshaushalt verf\u00fcgt, wonach Ausw\u00e4rtiges Amt und Verteidigungsministerium gemeinsam f\u00fcr 100 Mio. Euro milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung an Drittstaaten liefern k\u00f6nnen, im Fall Tunesiens handelt es sich dabei v.a. um Systeme zur mobilen Grenz\u00fcberwachung des R\u00fcstungsunternehmens Airbus Defence and Space.\u00a0((16))<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus werden tunesische Polizei-, Gendarmerie- und Geheimdienstkr\u00e4fte im Rahmen der &#8222;Transformationspartnerschaft&#8220; von Deutschland, insbesondere Angeh\u00f6rigen des BKA, aus- und fortgebildet. Au\u00dferdem leistet Deutschland Hilfe bei der biometrischen Erfassung der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>\u00c4gypten als sechstgr\u00f6\u00dfter Phosphatproduzent 2015 geh\u00f6rt zwar nicht zu den Hauptempf\u00e4ngerl\u00e4ndern deutscher R\u00fcstungsg\u00fcter &#8211; seit 2011 wurden Exporte in H\u00f6he von knapp 130 Mio. Euro genehmigt &#8211; was jedoch vor allem an der engen Bindung an den US-amerikanischen R\u00fcstungsmarkt liegen d\u00fcrfte. Denn \u00c4gypten erh\u00e4lt nach Israel weltweit die h\u00f6chsten Milit\u00e4rhilfen aus den USA, seit 1987 j\u00e4hrlich 1,3 Mrd. US$, die nahezu ausschlie\u00dflich in Waffenk\u00e4ufe aus den USA umgesetzt werden.\u00a0((17))<\/p>\n<p>Jenseits von R\u00fcstungsexporten und langsam wieder einsetzender Polizei- und Milit\u00e4rkooperation unterst\u00fctzt die Bundesregierung die Milit\u00e4rdiktatur in \u00c4gypten durch Anerkennung und warme Worte: General Sisi, der 2013 die Macht in einem Milit\u00e4rputsch an sich riss, wurde vom heutigen Bundesau\u00dfenminister Gabriel als &#8222;beeindruckender Pr\u00e4sident&#8220; bezeichnet und von Kanzlerin Merkel und dem damaligen Bundespr\u00e4sidenten Gauck mit milit\u00e4rischen Ehren in Berlin empfangen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Schwerpunktland der deutschen &#8222;Ert\u00fcchtigungsinitiative&#8220; ist Jordanien, dessen Reserven in etwa jenen Russlands entsprechen und das sowohl hinsichtlich der Reserven als auch was die F\u00f6rdermenge 2015 angeht auf Rang f\u00fcnf weltweit rangiert. Jordanien soll allein im Jahr 2017 nicht nur 50 Sch\u00fctzenpanzer vom Typ Marder erhalten, sondern dar\u00fcber hinaus Abh\u00f6rtechnologie im Wert von 6,6 Mio. Euro &#8211; beides finanziert aus dem Bundeshaushalt. Saudi Arabien, das es von 2011 bis 2015 zum achtgr\u00f6\u00dften Produzenten von Phosphatgestein geschafft hat, gilt im selben Zeitraum als zweitgr\u00f6\u00dfter Importeur von R\u00fcstungsg\u00fctern weltweit.\u00a0((18))<\/p>\n<p>Mit diesen Zahlen und Schlaglichtern soll nicht behauptet werden, dass Phosphat die heimliche Ursache des syrischen B\u00fcrgerkrieges oder die eigentliche Triebfeder der &#8222;Ert\u00fcchtigungsinitiative&#8220; und vieler R\u00fcstungsexporte sei. Allerdings sollte zur Kenntnis genommen werden, dass ein Rohstoff, der R\u00fcckgrat einer globalisierten, &#8222;arbeitsteiligen&#8220; Landwirtschaft ist, knapper wird und bereits jetzt in vielen Konflikten eine &#8211; wenn auch nachgeordnete &#8211; Rolle spielt. Der globale Handel mit Phosphaten birgt dar\u00fcber hinaus noch anderes Konfliktpotential und \u00f6kologische Zerst\u00f6rungskraft. Abbau und Aufbereitung von Phosphat geht stets mit der Freisetzung giftiger und h\u00e4ufig auch radioaktiver Stoffe einher, welche die Abbaugebiete belasten.<\/p>\n<p>Auch geografisch gedacht auf der anderen Seite belastet das ausgewaschene Phosphat in Gebieten mit hoher landwirtschaftlicher Produktion Gew\u00e4sser und ganze \u00d6kosysteme bis zum Zusammenbruch. Tats\u00e4chlich jedoch k\u00f6nnte es eine L\u00f6sung geben: &#8222;Der europ\u00e4ische Phosphorzyklus k\u00f6nnte vollst\u00e4ndig geschlossen werden, wenn die importierten chemischen Phosphatd\u00fcnger komplett gegen biologische und recycelte chemische Phosphord\u00fcnger ersetzt w\u00fcrden&#8230; Doch um das zu erreichen, m\u00fcsste das Diktat der &#8218;Marktkr\u00e4fte&#8216; \u00fcberwunden werden&#8220;, so Peter Clausing in einem Beitrag f\u00fcr welt-ernaehrung.de.\u00a0((19))<\/p>\n<p><b>Christoph Marischka<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit den 1950er Jahren erfolgt die Zufuhr von Phosphor nicht mehr prim\u00e4r \u00fcber Dung aus der Landwirtschaft, sondern durch Minerald\u00fcnger, die auf dem Abbau von Phosphatgestein beruhen. 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