{"id":17348,"date":"2017-03-01T00:00:00","date_gmt":"2017-02-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/03\/erdogans-angriffe-auf-die-pressefreiheit\/"},"modified":"2022-01-22T15:23:01","modified_gmt":"2022-01-22T13:23:01","slug":"erdogans-angriffe-auf-die-pressefreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/03\/erdogans-angriffe-auf-die-pressefreiheit\/","title":{"rendered":"Erdogans Angriffe auf die Pressefreiheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Politikwissenschaftler und Journalist Ismail K\u00fcpeli berichtet \u00fcber soziale Proteste und Folgen der neoliberalen Krisenpolitik in Europa. Er analysiert die Konflikte in der T\u00fcrkei und im Nahen und Mittleren Osten. In den letzten sieben Jahren hat er zig Artikel f\u00fcr die &#8222;Graswurzelrevolution&#8220; geschrieben <a href=\"#u1\">((1))<\/a>. Au\u00dferdem publiziert er regelm\u00e4\u00dfig u.a. auch in &#8222;analyse &amp; kritik&#8220;, &#8222;Jungle World&#8220; und &#8222;Neues Deutschland&#8220;. Drohungen und Hassmails von Faschisten und Erdogan-Fans hat Ismail K\u00fcpeli schon oft bekommen. Seit er aber auch bei der in Deutschland produzierten Internetzeitung &#8222;\u00d6zg\u00fcr\u00fcz&#8220; mitarbeitet, hat die Zahl der Drohungen vor allem von fanatischen Erdogan-Anh\u00e4ngern gegen ihn ein unertr\u00e4gliches Ausma\u00df angenommen. Anfang Februar 2017 zog Ismail die Rei\u00dfleine und schrieb seinen zahlreichen Followern auf Twitter und Facebook unter dem Titel &#8222;Ein Abschied&#8220;: &#8222;Hass, Hetze und Angstmacherei sind nie weit weg, wenn man es wagt, sich mit den Rechten anzulegen. Die &#8218;Qualit\u00e4t&#8216; und die Quantit\u00e4t des Hasses habe ich untersch\u00e4tzt. Es ist kaum vorstellbar, mit welchem Elan und welcher H\u00e4rte die Anh\u00e4nger Erdogans missliebige Stimmen zum Verstummen bringen wollen. Im Kampf gegen die &#8218;Verr\u00e4ter&#8216; ist offensichtlich alles erlaubt, und keine Moral und kein Anstand begrenzen diese Menschen. Diese Auseinandersetzung mit Hetzern kostet mehr und mehr Zeit und Kraft, die dann woanders fehlt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ob es eine R\u00fcckkehr geben wird&#8220;, wisse er nicht. &#8222;Ein &#8218;Weiter so&#8216; ist jedenfalls nicht m\u00f6glich.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit diesem, von den Hetzern erzwungenen Abschied aus den sozialen Medien habe er kaum noch Drohungen erhalten, so Ismail im Gespr\u00e4ch mit der GWR-Redaktion am 18. Februar. <a href=\"#u2\">((2))<\/a><\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Deniz Y\u00fccel<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr dramatisch ist die Situation f\u00fcr Deniz Y\u00fccel. Als damaliger &#8222;Jungle World&#8220;-Redakteur berichtete Deniz Y\u00fccel am 30. Mai 2001 unter dem Titel &#8222;In der T\u00fcrkei zensiert: Otk\u00f6k\u00fc&#8220; <a href=\"#u3\">((3))<\/a> in der Wochenzeitung &#8222;Jungle World&#8220; \u00fcber die Repression des t\u00fcrkischen Staates gegen die von der &#8222;Graswurzelrevolution&#8220; (bis 2003) herausgegebene t\u00fcrkisch-deutsche &#8222;Otk\u00f6k\u00fc&#8220;, deren Vertrieb in der T\u00fcrkei damals durch die Repression des t\u00fcrkischen Regimes verhindert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, 16 Jahre sp\u00e4ter, wurde der 1973 in Fl\u00f6rsheim am Main geborene Deniz Y\u00fccel Opfer der gegen kritische JournalistInnen gerichteten Unterdr\u00fcckungspolitik in der T\u00fcrkei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Y\u00fccel war von 2007 bis 2015 Redakteur der taz und ist seit 2015 T\u00fcrkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe. Am 17. Februar 2017 wurde er in der T\u00fcrkei verhaftet. Seine Wohnung wurde durchsucht. Dem 43-J\u00e4hrigen werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch und Terrorpropaganda vorgeworfen. Nach den Regeln des derzeit geltenden Ausnahmezustandes in der T\u00fcrkei kann er bis zu 14 Tage ohne Anh\u00f6rung durch einen Richter in Polizeigewahrsam gehalten werden. Anschlie\u00dfend kann die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft beantragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer in den letzten Jahren die kritischen T\u00fcrkei-Berichte von Y\u00fccel gelesen hat, wei\u00df, dass er eine hervorragende journalistische Arbeit macht und die Vorw\u00fcrfe gegen ihn absurd sind <a href=\"#u4\">((4))<\/a>. Es geht dem t\u00fcrkischen Staat darum, eine weitere kritische Stimme zum Schweigen zu bringen, um ungehindert von jeglicher Gegen\u00f6ffentlichkeit Erdogans Pr\u00e4sidialdiktatur durchzusetzen. Wer sich, wie Y\u00fccel, mit den vielen kriminalisierten JournalistInnen in der T\u00fcrkei solidarisiert und darauf hinweist, dass die T\u00fcrkei in der von &#8222;Reporter ohne Grenzen&#8220; ver\u00f6ffentlichten Liste der Pressefreiheit weltweit auf Platz 159 steht, lebt gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits im Juni 2015 wurde er nach einer Pressekonferenz in ?anliurfa kurzzeitig festgenommen, weil er Fragen zu Fl\u00fcchtlingen aus Syrien stellte, die dem dortigen Gouverneur nicht passten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im August 2015 fuhr Y\u00fccel in das von der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) kontrollierte Kandil-Gebirge. Dort interviewte er ein Mitglied der PKK-F\u00fchrungsriege, Cemil Bayik. Das Interview erschien auf Deutsch in der &#8222;Welt&#8220; und auf T\u00fcrkisch in der Tageszeitung &#8222;Birg\u00fcn&#8220;. Damals wurden die regierungsnahen Medien auf Y\u00fccel aufmerksam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die rechte, AKP-nahe Tageszeitung &#8222;Sabah&#8220; behauptete 2016, dass der Welt-Korrespondent in seinem Interview &#8222;die terroristische PKK lobt&#8220;. Daraufhin wurde Y\u00fccel in der AKP-dominierten t\u00fcrkischen Presse als &#8222;PKK-Anwalt&#8220; und &#8222;Agent Provocateur&#8220; diffamiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts dieser Hetze verlie\u00df der Journalist f\u00fcr zwei Monate die T\u00fcrkei. Wie viele andere JournalistInnen auch, wurde Y\u00fccel als &#8222;Staatsfeind&#8220; stigmatisiert. Anlass f\u00fcr den Haftbefehl gegen ihn war allerdings ein Artikel \u00fcber die linke t\u00fcrkische Hackergruppe RedHack, die die Privatmails des t\u00fcrkischen Energieministers und Schwiegersohns von Erdogan, Berat Albayrak, im September 2016 geleakt hatte. Y\u00fccel berichtete \u00fcber das von Wikileaks f\u00fcr alle \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemachte Leak im Oktober 2016.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter dem Titel &#8222;Ein Drama, zu dem wir nicht schweigen d\u00fcrfen&#8220; schreibt Hasnain Kazim am 17. Februar 2017 auf &#8222;Spiegel Online&#8220;, dass Y\u00fccel in seinem Artikel vor allem \u00fcber die Erkenntnisse seiner Kollegen in der T\u00fcrkei schrieb, die allesamt in einer Polizeioperation in den Morgenstunden des 25. Dezember 2016 verhaftet wurden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Tageszeitung &#8218;Sabah&#8216; nannte die Operation die &#8218;RedHack Operation&#8216;. Neun Journalisten wurde vorgeworfen, &#8218;im Kontakt mit der illegalen Hackergruppe zu stehen und die \u00f6ffentliche Meinung zu manipulieren&#8216;. Sechs weitere Journalisten befinden sich nach wie vor in Haft. Bei drei Journalisten wurde vermutet, dass sie sich im Ausland befinden; Deniz Y\u00fccel war einer davon.&#8220;<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Solidarit\u00e4t<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Solidarit\u00e4t mit Deniz Y\u00fccel <a href=\"#u5\">((5))<\/a> ist wichtig und gro\u00dfartig. Sogar die Berlinale setzte sich am 18. Februar f\u00fcr seine Freilassung ein. In Berlin fand am 19. Februar ein internationaler Autokorso f\u00fcr ihn und alle anderen in der T\u00fcrkei inhaftierten JournalistInnen statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beteiligt Euch an den Protesten und unterschreibt bitte die Petition &#8222;Free &#8218;Welt&#8216; Correspondent Deniz Y\u00fccel&#8220;. <a href=\"#u6\">((6))<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir fordern die Freilassung des Journalisten Deniz Y\u00fccel und aller anderen in der T\u00fcrkei inhaftierten JournalistInnen! Pressefreiheit ist ein Menschenrecht. Setzen wir es durch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Politikwissenschaftler und Journalist Ismail K\u00fcpeli berichtet \u00fcber soziale Proteste und Folgen der neoliberalen Krisenpolitik in Europa. Er analysiert die Konflikte in der T\u00fcrkei und im Nahen und Mittleren Osten. In den letzten sieben Jahren hat er zig Artikel f\u00fcr die &#8222;Graswurzelrevolution&#8220; geschrieben ((1)). 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