{"id":17373,"date":"2017-11-01T00:00:00","date_gmt":"2017-10-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/11\/freiraeume-im-ruhrgebiet\/"},"modified":"2022-07-26T12:53:04","modified_gmt":"2022-07-26T10:53:04","slug":"freiraeume-im-ruhrgebiet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/11\/freiraeume-im-ruhrgebiet\/","title":{"rendered":"Freir\u00e4ume im Ruhrgebiet"},"content":{"rendered":"<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Matthias, Du hast gerade Deinen neuen Film &#8222;Das Gegenteil von Grau&#8220; in die Kinos gebracht. Kannst Du ein bisschen was zum Film erz\u00e4hlen?<\/b><\/p>\n<p>Matthias Coers: Ja, der Film ist eine Co-Produktion mit einer Initiative aus dem Ruhrgebiet, eine Art Netzwerk &#8211; &#8222;Recht auf Stadt Ruhr&#8220;. Der Name ist Programm. &#8222;Das Gegenteil von Grau&#8220; stellt unterschiedliche Initiativen im Ruhrgebiet vor, die im weitesten Sinne, man kann sagen mit Transition-Town-Aspekten, aber auch mit sozialen K\u00e4mpfen, mit Wohnungsfragen, mit Fragen zu Gefl\u00fcchteten zu tun haben. Da werden Initiativen portr\u00e4tiert. Das Ganze ist ein Kinofilm geworden, der aber nicht nur in Kinos gezeigt wird, sondern auch an unterschiedlichen Orten, auch in wissenschaftlichen Kontexten und in Nachbarschaften. Mein Motto ist: &#8222;Ein Film soll da laufen, wo er gebraucht wird.&#8220; Also auch bei politischen Initiativen oder Interventionen. Es ist auch als politischer Film gedacht.<\/p>\n<p><b>Bernd: Es gibt einen gro\u00dfen Bedarf nach diesem Film. Er kam genau zur richtigen Zeit. Ein Thema des Films ist die Gentrifizierung im Ruhrgebiet. Wenn wir das Ruhrgebiet mit der Unistadt M\u00fcnster vergleichen, gibt es gro\u00dfe Unterschiede. Der Durschnittsm\u00fcnsteraner muss \u00fcber 20 Prozent seines Geldes f\u00fcr die Miete ausgeben. Im Ruhrgebiet sind es durchschnittlich etwa 10 Prozent. In der Provinzmetropole ist die Gentrifizierung also schon weiter vorangeschritten. Hier gibt es weniger Leerstand als im Ruhrgebiet. Du kennst beide Regionen: M\u00fcnsterland und Ruhrgebiet, wie w\u00fcrdest Du sagen, sind da die unterschiedlichen Perspektiven?<\/b><\/p>\n<p>Matthias: Das Besondere am Ruhrgebiet ist, dass es einen gro\u00dfen Bruch gibt. Es war die wichtigste Industrieregion der Bundesrepublik. Es ist immer noch ein wenig Industriegebiet, aber fr\u00fcher war es eine Hochlohnregion, Stahl, Kohle &#8211; alles was gebraucht wurde. Diese Arbeitspl\u00e4tze sind mehr oder minder weg. Sie existieren auf der Welt vielleicht in China oder Bangladesch. Die Struktur der Arbeit hat sich gewandelt.<\/p>\n<p>Im Vergleich dazu sind St\u00e4dte wie M\u00fcnster, die eher traditionelle Dienstleistungs-, Verwaltungs-, Universit\u00e4tsst\u00e4dte mit einer gro\u00dfen Beamtenschaft sind, anders dran und haben ganz andere M\u00f6glichkeiten: Die Leute sind relativ versorgt und das Leben funktioniert. Auch wenn einzelne Kosten hoch und auch, wenn sie f\u00fcr nicht wenige Menschen in einer Stadt wie M\u00fcnster ein Armutsrisiko sind, wie die Wohnkosten. Aber im Ruhrgebiet gibt es einen Bruch. Seitdem jetzt eine der letzten gro\u00dfen Fabriken wie Opel Bochum zugemacht hat, wissen alle, es hat sich radikal etwas ge\u00e4ndert. Die St\u00e4dte versuchen dagegen zu arbeiten mit dem Label &#8222;Metropolregion&#8220;, mit &#8222;Industriekultur&#8220;, mit vielen Ebenen, Events und so weiter. Aber es ist doch eine gro\u00dfe Leerstelle da. Viele Leute sind au\u00dferhalb der Arbeit, die j\u00fcngere Generation ist kaum mit dieser verdichteten Industriearbeit in Ber\u00fchrung gekommen.<\/p>\n<p>In diesen Nischen entstehen kleine Initiativen, die versuchen etwas Anderes zu machen. Diese stehen nicht allein, es gibt hier weltweit Ans\u00e4tze und Bewegungen. Das Ruhrgebiet ist quasi prototypisch f\u00fcr eine solche Region. So einen Film kann man nicht so leicht \u00fcber M\u00fcnster machen, weil es eine Stadt ist, die im Moment noch gut zurecht kommt, trotz aller Widerspr\u00fcche in der &#8222;sozialen Marktwirtschaft&#8220; oder im Kapitalismus.<\/p>\n<p><b>Bernd: Der Film ist stark. Zwanzig unterschiedliche Projekte werden vorstellt. Die Dichte der dargestellten Projekte ist \u00fcberw\u00e4ltigend. Wenn man mit schlechter Laune in die Filmvorf\u00fchrung geht, kommt man mit guter wieder raus. Das Ruhrgebiet ist ja eigentlich nicht bekannt daf\u00fcr, dass es dort heute eine lebendige soziale bis sozialrevolution\u00e4re Bewegung gibt. Da erzeugt dieser Film einen ganz anderen Eindruck.<\/b><\/p>\n<p>Matthias: Ja, ein bisschen liegt es am Medium Film selbst. Auch ein Dokumentarfilm ist immer Schnitt und damit auch Illusion und ein St\u00fcck Manipulation, aber so war es gar nicht gedacht. Das Besondere ist, dass sehr unterschiedliche Projekte zusammenkommen. Darin liegt eine gewisse St\u00e4rke. Das hei\u00dft, das sind einerseits Menschen, die f\u00fcr ihre Mietwohnung streiten und gleichzeitig Leute, die auf einem Wagenplatz leben. Das sind unterschiedliche Konzepte, Vorstellungen, Lebenskulturen, politische Entw\u00fcrfe und Mentalit\u00e4ten. Das ist im Film zusammen. Dadurch, dass es zusammenkommt, und der Betrachter das sieht, geht dieser ganze Reichtum auf. Es ist eine Geschichte z.B. von einem Lernbauernhof und von einer solidarischen Landwirtschaft. Wo auch \u00fcber den alten Bauern, den Vater des Betriebs, geredet wird vom Sohn. Der Sohn emanzipiert sich auf eine Art schon, hat aber die Arbeit, die er kennengelernt hat. Die Arbeitsweise wei\u00df er zu sch\u00e4tzen, da drin steckt Potential, das gibt er wieder weiter an die Kinder. Der Sohn hat ein ganz anderes Konzept. Von einem Bauernhof alleine k\u00f6nnte er vermutlich gar nicht leben, also macht er einen Lernbauernhof. Da dockt sich dann wieder eine st\u00e4dtische Initiative aus Dortmund an, um solidarische Landwirtschaft zu machen. So gibt es bestimmte Links und Vernetzungen, die m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p><b>Bernd: Ich habe den Eindruck, dass der Film jetzt schon einiges im Ruhrgebiet bewegt. Er verst\u00e4rkt ein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl der Ruhrgebietsszene und dargestellten Projekte. Wenn man das Ruhrgebiet heute sieht, dann ist es ja so, dass viele gar nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden wollen. Das sieht man an den Autobahn-Schildern, wenn man z.B. von M\u00fcnster ins Ruhrgebiet f\u00e4hrt. Fr\u00fcher stand auf dem braun-wei\u00dfen Schild bei Hamm &#8222;Ruhrgebiet&#8220;, heute steht da &#8222;Metropole Ruhr&#8220;. Das wurde so yuppie-m\u00e4\u00dfig ver\u00e4ndert, weil der Begriff Ruhrgebiet wahrscheinlich Assoziationen weckt wie: Arbeit, Proletariermilieu, Klassenkampf, Streik und Revolte. Das sind auch Aspekte, die da mit rein spielen. Der Name des Films ist &#8222;Gegenteil von Grau&#8220; &#8211; was habt Ihr euch dabei gedacht? Der Titel weckt ja nicht sofort Assoziationen mit dem Ruhrgebiet?<\/b><\/p>\n<p>Matthias: Der Name kommt aus dem Ruhrgebietsfilmteam &#8211; &#8222;Das Gegenteil von Grau&#8220;. Es war auch ein starker Wunsch, das &#8222;Ruhr&#8220; nicht in den Vordergrund zu dr\u00fccken. So ist ja auch der Film gemacht, dass wir nicht, sage ich mal, die alte Geschichte erz\u00e4hlen. Es sind zwar einige Industriebauten zu sehen. Es kommt mal ein Arbeiter vor, der jetzt in Pension ist und erz\u00e4hlt wie sein Leben war. Oder es ist ein Buchladen, der die Geschichte der Arbeitsmigrant*innen mit aufnimmt. Also viele wichtige Aspekte, aber es ging im Wesentlichen darum, neue Initiativen vorzustellen, die quasi auf die Reaktion und ein St\u00fcck auch auf diese Krise der Arbeit und die Ver\u00e4nderung reagieren. Es gibt auch einen gewissen Unwillen von den ganzen Initiativen, ob es &#8222;Netzwerk X&#8220; oder &#8222;Recht auf Stadt Ruhr&#8220; ist &#8211; diese Metropolengedanken oder Kulturhauptstadt Essen oder all das, was es gibt, dieses Labeln soll gebrochen werden.<\/p>\n<p>Man bleibt aber doch auch im Film da drin. Das ist ja klar, dass sind die materiellen und geistigen Grundlagen.<\/p>\n<p><b>Bernd: Das &#8222;Gegenteil von Grau&#8220;, was w\u00e4re das?<\/b><\/p>\n<p>Matthias: Vielleicht ist es bunt, ja? Und damit haben wir schon wieder das Ruhrgebiet, was ja auch wirklich mit grau assoziiert wird und in den 70er und 80er Jahren, 90er Jahren, als die Schlote noch voll qualmten, da war es grau und dunkel. Das wissen die Leute und da gibt es eine Art Ver\u00e4nderung. Hier ging es aber wirklich darum, diese kleinen versteckten, konkreten, utopischen Momente hochzuholen. Es gibt ja auch eine alte Geschichte von interessanten Arbeiterjugendkulturzentren: Druckluft Oberhausen und so weiter. Das haben wir nicht portr\u00e4tiert. Oder der Bahnhof Langendreer in Bochum. Die sind ja auch erk\u00e4mpft worden. Aber das waren quasi die Kinder der Arbeiter*innen. Wo die Arbeiter*innen noch in Lohn und Brot waren. Die Initiativen heute sind neu. Die Leute sind eigentlich au\u00dferhalb der Industriearbeit, die diese betreiben, trotz ihrer unterschiedlichen biografischen Situation. Es kommen ja auch Senioren vor, genauso wie ganz junge Leute, die versuchen etwas zu besetzen.<\/p>\n<p><b>Bernd: Was mich besonders gefreut hat, ist, dass in &#8222;Gegenteil von Grau&#8220; auch anarchistische Projekte portraitiert werden, wie das &#8222;Black Pigeon&#8220; und viele antiautorit\u00e4re Projekte, die dem Anarchismus nahe stehen. F\u00fcr die H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer, die den falschen Eindruck haben: Anarchie sei Chaos und Anarchismus sei die Lehre vom Chaos und vom Terror. Was ist f\u00fcr Dich Anarchismus? Was ist Anarchie?<\/b><\/p>\n<p>Matthias: F\u00fcr mich w\u00e4re da das &#8222;Black Pigeon&#8220; ein gutes Beispiel. Das ist ein wunderbarer Laden, der in Dortmund umgezogen ist und jetzt ein Lokal betreibt, gleich angegriffen wurde von Neonazis. Dessen Verst\u00e4ndnis von Anarchismus sehe ich auf eine Art als Bildungsarbeit. Es geht um emanzipatorische Bildungsarbeit und einen Raum herzustellen, wo ein geistiger Freiraum herrscht und gedacht werden kann. Und nicht das gedacht werden kann, was scheinbar gedacht werden muss oder was gedacht werden soll oder was ganz unausweichlich ist. Also, da steckt ein kreatives geistiges Potential darin.<\/p>\n<p><b>Merlin Sandow: Du hast ja gerade \u00fcber die Projekte im Ruhrgebiet gesprochen, die Du in deinem Film erlebt hast. Das ist so ein bisschen der Ist-Zustand. Was siehst Du denn perspektivisch f\u00fcrs Ruhrgebiet?<\/b><\/p>\n<p>Matthias: Das ist nicht leicht so eine makro\u00f6konomische Ebene da aufzumachen. Das Ruhrgebiet ist ein interessanter Ort, weil es eben auf eine Art diese Implosion der industriellen Welt dort vor Ort gibt, in einem riesigen st\u00e4dtischen Raum. Dieser Metropolenbegriff einerseits ist nat\u00fcrlich Marketing und Illusion. Und gleichzeitig, wenn man von &#8222;Google Earth&#8220; nachts guckt, dann sieht man doch, es ist ein riesiger bebauter Raum. Die Menschen sind alle noch da, Millionen Menschen. Da, wo Menschen zusammenkommen, steckt immer ein kreatives Potential. Das kann auch schiefgehen und, wie in andern L\u00e4ndern und Regionen, gerade in kriegerischen Ebenen enden. Das glaube ich aber nicht f\u00fcr diese hochlohn- und hochindustrialisierten Gegenden des Kapitalismus. Die Zentren werden wahrscheinlich stabil gehalten und die ganze Gesellschaft muss dr\u00fcber nachdenken, wie diese Millionen Menschen ohne die klassische Industriearbeit zusammenleben k\u00f6nnen. Da entsteht eine ganze Menge.<\/p>\n<p>Es gibt ja auch aus Reihen der B\u00fcrgerschaft heraus immer schon die Idee des Ehrenamtes. Das w\u00fcrde ich pers\u00f6nlich jetzt ein bisschen kritisieren, weil es nat\u00fcrlich schwierig ist, Leute engagieren sich ehrenamtlich und haben aber kein richtiges Einkommen, um die Lebenshaltungskosten selbst bestreiten zu k\u00f6nnen. Das ist schwierig, aber das Potential, f\u00fcr andere, mit anderen was zu machen, zu kooperieren, zusammen zu kommen, Ideen zu entwickeln und dann tatkr\u00e4ftig f\u00fcr die Gesellschaft zu arbeiten, das ist eine wunderbare Sache. So stehen diese Initiativen eher so wie kleine Bausteine, die zeigen, was Anderes m\u00f6glich ist. Es ist klar, wenn die Leute solidarische Landwirtschaft machen, in dem Stil, dann w\u00fcrden sie vielleicht verhungern. Sie k\u00f6nnen also Aldi oder die Bio Company &#8211; je nach Einkommen &#8211; nicht ersetzen. Aber umgekehrt zeigen sie, man kann in einem gemeinsamen Projekt etwas erwirtschaften, gutes Gem\u00fcse f\u00fcr alle. Das kann dann wieder zum einen oder anderen Projekt gehen: Im Film beispielhaft an die &#8222;Velokitchen&#8220;, ein kleines Fahrradprojekt, wo viele Kinder unterst\u00fctzt werden, viele Leute mit wenig Geld ihre Fahrr\u00e4der reparieren k\u00f6nnen und ein gewisser Zusammenhalt ist. Da gibt es so eine Art Austausch. Ein anderes Beispiel, ganz wunderbar, kitev Oberhausen. Oberhausen war ja eine totale Industriestadt und hatte dann diese neoliberale S\u00fcnde: Das Centro in Oberhausen Anfang der 90er, wo wirklich dereguliert wurde. Der ganze Niedriglohnsektor wurde da, w\u00fcrde ich sagen, im Massenma\u00dfstab eingef\u00fchrt. Da sind jetzt mitten in der Stadt im Bahnhofsturm und in einem zentralen Wohngeb\u00e4ude, ich glaube &#8222;Vonovia&#8220; unterh\u00e4lt das, die &#8222;Refugees&#8216; Kitchen&#8220; und das Projekt &#8222;kitev &#8211; Kultur im Turm&#8220; eingezogen. Und die machen da etwas ganz Anderes. Die arbeiten mit Gefl\u00fcchteten zusammen, erstellen die Wohnungen zusammen, laden z.B. K\u00fcnstler*innen aus Osteuropa ein und bringen etwas nach Oberhausen hinein, wo die Innenstadt eigentlich total implodiert ist, genauso wie die Industriearbeit auf eine Art weg ist. Also in diesen Widerspr\u00fcchen ist das, gerade da, wo es am dunkelsten ist, w\u00fcrde es bei &#8222;Ton Steine Scherben&#8220; hei\u00dfen, oder wo wenig oder es ganz schrecklich ist, da ist auch das Rettende nah. Erst aus der Krise kommt auch etwas. Da kann man das sehen und da bin ich ganz optimistisch. F\u00fcr mich ist das ein prototypisches Gebiet. Was es oft gibt, ob in Leeds, ob in Manchester, ob in Turin und so weiter, das ist ein weltweites Ph\u00e4nomen. Als Symbol f\u00fcr diese ganze Frage steht die US-amerikanische Autostadt Detroit.<\/p>\n<p><b>Merlin: Sowohl an anderen Orten als auch in Detroit, zeigt sich aber auch, dass, wenn Initiativen entstehen und alternative Projekte, das teilweise auch mit Aufwertung einhergeht. Wie siehst Du das Risiko, dass zum Beispiel durch viele Kunstinitiativen, die ein sehr bestimmtes Publikum anziehen &#8211; ich w\u00fcrde nicht sagen, dass es das gleiche ist wie bei einem solidarischen Landwirtschaftsprojekt &#8211; eine Aufwertung stattfindet in Stadtteilen: Reichere Personen dahinziehen und gleichzeitig die Mieten steigen. An Orten wie in Berlin und Hamburg hat man das ja teilweise schon. Wie siehst Du das allgemein und wie mit Bezug aufs Ruhrgebiet?<\/b><\/p>\n<p>Matthias: Das ist ambivalent. Erstmal w\u00fcrde ich sagen, jede Form der Aufwertung oder Modernisierung ist an sich positiv, wenn die sozialen Aspekte mitgedacht werden. Wenn man das kurz am Beispiel Berlin betrachtet: Ein gro\u00dfes Problem ist die energetische Modernisierung. Da wird eben \u00f6kologisch ein Haus aufgewertet. Das ist eine super Sache &#8211; eine bessere CO2-Neutralit\u00e4t hinzu bekommen, schlecht ist wenn die ganzen Kosten auf die Mieter*innen umgelegt werden und die dann ihre Wohnung verlieren oder auf einmal eine Arbeit machen m\u00fcssen, die sie gar nicht wollen, um noch mehr Geld zu erwirtschaften. Da wird dann das \u00d6kologische gegen das Soziale ausgespielt. Das ist sinnlos, aber man muss eben gucken, wie kommen die Gesetze so zu Stande, dass es so ist. Aber im Ruhrgebiet, w\u00fcrde ich sagen, kann man von so blanker Gentrifizierung in der Art gar nicht sprechen. Nehmen wir ein konkretes Beispiel aus dem Film: &#8222;Lokal Harmonie&#8220;, Duisburg Ruhrort, da leben viele, viele Tausend Menschen zusammen mit mehr oder minder wenig Kultur und wenigen M\u00f6glichkeiten. Da gibt es zum Beispiel in der &#8222;Schimanski-Gasse&#8220; noch eine kleine Kneipe, ansonsten ist wenig los. Und da ist das &#8222;Lokal Harmonie&#8220;, das \u00fcberregionalen, lokalen, internationalen K\u00fcnstler*innen eine M\u00f6glichkeit gibt, aufzutreten. Da geht der Hut rum, alle k\u00f6nnen reinkommen, es k\u00f6nnen politische Veranstaltungen gemacht werden. Da wird Bewusstseinsarbeit gemacht. Das ist erst einmal etwas ganz Positives und nicht jede Kultur ist automatisch Verdr\u00e4ngung. Das steht immer in einer Ambivalenz. Da geht es nat\u00fcrlich darum, vielen Leuten einen Zugang zu erm\u00f6glichen. Es gibt auch Initiativen und auch aus der B\u00fcrgerschaft heraus solche Ideen, dass so eine Art, in manchen St\u00e4dten hei\u00dft es dann Kulturtaler oder sonst was, dass Karten, die \u00fcber sind, an Menschen mit wenig Einkommen gegeben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das sind erst einmal karitative Ideen, das w\u00fcrde ich sagen, ist immer nicht so gut, weil es ja voraussetzt, dass es diese Armut \u00fcberhaupt gibt. Und die Armut ist in so einer reichen Gesellschaft v\u00f6llig unn\u00f6tig. Aber sie ist eine Realit\u00e4t f\u00fcr viele Menschen. Damit muss umgegangen werden. Dann sind auch Initiativen, die versuchen gleichzeitig eine Gesellschaftsperspektive aufzubauen und ein anderes Arbeiten, etwas ganz Besonderes, weil die noch einen Aspekt mehr mit reinbringen, der ja bisher unabgegolten und ungel\u00f6st ist. Das muss man ja so sehen: Nur weil man eine gute Idee hat, hei\u00dft es noch lange nicht, dass sich dadurch die Gesellschaft \u00e4ndert. Es muss praktisch auch realisiert und praktiziert werden. Auch im Kleinen und das immer jeden Tag aufs Neue.<\/p>\n<p><b>Merlin: Wie siehst Du denn die Perspektive, Projekte auch gr\u00f6\u00dfer zu machen? Also zum Beispiel selbstverwaltete Stadtteile? In Griechenland gibt es ja zum Beispiel den Stadtteil Exarchia, wo viel Infrastruktur selbstorganisiert ist, wo es dann hingeht von selbstorganisierten B\u00e4ckerbetrieben bis hin zu Sozialen Zentren. Wie siehst Du die Perspektiven, so etwas auch langfristig z.B. im Ruhrgebiet aufzubauen?<\/b><\/p>\n<p>Matthias: Ich kann nicht sagen, ob das so einfach m\u00f6glich ist. Es gibt Nachfragen oder Anfragen aus Griechenland zum Film. Der Film &#8222;Das Gegenteil von Grau&#8220; wird im Moment ins Griechische \u00fcbersetzt. Auch &#8222;Mietrebellen&#8220; wurde schon ins Griechische \u00fcbersetzt, weil es einen Bedarf gibt, nat\u00fcrlich, weil das &#8222;ein sehr spannendes Land ist&#8220;, weil es eben so heruntergewirtschaftet ist, heruntergewirtschaftet wurde aus vielen Perspektiven, und nat\u00fcrlich auch unter der deutschen Austerit\u00e4tspolitik besonders leiden musste. Die Menschen sind jetzt gezwungen, Krankenhausprojekte und \u00e4hnliches, wirklich soziale Infrastruktur selbst zu organisieren, aber eben nicht \u00fcber die monet\u00e4re Ebene &#8211; die Bezahlung &#8211; sondern um diese Versorgung und das, was man f\u00fcrs t\u00e4gliche Leben braucht, zu erhalten. Die Not bringt diese Projekte auch hervor.<\/p>\n<p>Ich freue mich, dass es diese Anfragen aus Griechenland gibt und dass wir die M\u00f6glichkeit der \u00dcbersetzung und Untertitelung haben. Der Film lief zum Beispiel gerade im Kosovo. Im Kosovo denkt man sicherlich, im reichen Deutschland sei alles in Butter und allen gehe es irgendwie gut. Man kennt ja die Widerspr\u00fcche nicht, die wiederum hier sind. Da ist es auch gut zu sehen, dass es hier solche Ans\u00e4tze gibt. Ob man gleich eine Stadtteilarbeit, die es mal in den 70er und 80er Jahren gab, in der Form revitalisieren kann, das geht glaube ich alles nicht so schnell. Da sind viele Fragen. Ich glaube, durch ein reines Netzwerk, durch einen Netzwerkgedanken, wie z.B. &#8222;Recht auf Stadt Ruhr&#8220; den vertritt, ist das nicht zu bekommen. Man kann nicht ein Netzwerk bilden und eine Zentrale &#8211; sondern man kann Ideen hereingeben, aber im Endeffekt sind es immer kleine konkrete Projekte, die dann \u00fcber sich hinauswachsen und Verbindungen aufbauen. Dann entsteht etwas Realit\u00e4tst\u00fcchtiges. Wenn das dann mehr Kraft hat als die b\u00fcrgerliche Gesellschaft, die ja sagt &#8222;Es ist in Ordnung, dass jemand hungert, wenn er keine Arbeit findet&#8220;, dann kann man sagen, wir machen es besser.<\/p>\n<p><b>Bernd: Du hast Soziologie studiert. Wie bist Du aufgewachsen, wie hast Du Dich politisiert? Wie wurdest Du ein politischer Filmemacher?<\/b><\/p>\n<p>Matthias: Ich bin in einer l\u00e4ndlichen Region bei Osnabr\u00fcck und in kleinb\u00fcrgerlich-proletarischen Verh\u00e4ltnissen aufgewachsenen, aber mit sehr lieben Eltern und dem Gl\u00fcck, dann auch Abitur machen zu k\u00f6nnen. Sehr viele Jahre habe ich als Jobber gelebt und nie Interesse daran gehabt, eine Berufsidentit\u00e4t in dem Sinne, \u00fcber eine Ausbildung zu haben, weil ich eine Idee habe vom Menschen als Renaissance-Mensch: Dass man viele Talente und viele M\u00f6glichkeiten hat und diese ausbilden soll. Dass es auch sinnvoll ist, eine Ausbildung zu machen als Handwerker oder so, dass w\u00fcrde ich auf jeden Fall sagen. Aber diese extreme Spezialisierung, die hat mich immer ein bisschen gest\u00f6rt. Irgendwann ging die Mauer auf. Da sind aus meiner Heimatstadt Osnabr\u00fcck, wo ich als junger Erwachsener hingezogen bin, einige hundert wunderbare Leute nach Berlin gegangen: Prenzlauer Berg, in den Friedrichshain. Die haben da alle m\u00f6glichen Projekte gemacht. Auf einmal war man da in Osnabr\u00fcck ganz alleine. Da haben wir politische Arbeit gemacht &#8211; Stadtteilarbeit &#8211; mit ein paar Leuten und irgendwann habe ich mir \u00fcberlegt: Ich studiere doch noch. Dann habe ich Soziologie, Philosophie und Literaturwissenschaften studiert, mit Gewinn. Zu der Zeit hatte ich aber auch immer schon ein gro\u00dfes Interesse f\u00fcr Film, Filmmuseen, alle m\u00f6glichen Sachen gehabt, f\u00fcrs European Media Art Festival mitgearbeitet in Osnabr\u00fcck und mich einfach interessiert. Irgendwann bin ich dann ganz nach Berlin gegangen, zuvor bin ich immer gependelt und habe Videos produziert, schon l\u00e4ngere Zeit f\u00fcr Initiativen, f\u00fcr politische Gruppen, aber auch f\u00fcr solche Sachen, f\u00fcr den \u00c4rztetag oder f\u00fcr \u00c4rzte, die im Methadonprogramm arbeiteten. Es ging immer auch um die soziale Frage. Auch mal f\u00fcr den DGB und so weiter. Dann bin ich im Laufe der Zeit, durch die Intensit\u00e4t der Videos, in diese Filmebene reingegangen und habe dann einen Film gemacht, der auch in M\u00fcnster spielt. Der hei\u00dft &#8222;Glotz den ApoCarlypso&#8220;. Es ist eine Biographie \u00fcber einen Mann, der seine Lebensreise macht. Das geht schon in Richtung Langfilm mit 40 Minuten. Danach habe ich den Film &#8222;Mietrebellen &#8211; Widerstand gegen Ausverkauf der Stadt&#8220; zusammen mit einer Freundin, Gertrud Schulte-Westenberg, \u00fcber die Problematik der steigenden Wohnkosten in Berlin produziert. Der wurde relativ oft gespielt: alleine 300 Mal im Kino, in zwanzig L\u00e4ndern gezeigt, in zehn Sprachen \u00fcbersetzt. Ich bin dann \u00fcber diesen Film weiter vorgegangen, habe viele Initiativen im Ruhrgebiet kennengelernt. Daraus ist dann die Realisierung von &#8222;Das Gegenteil von Grau&#8220; entstanden. Durch &#8222;Mietrebellen&#8220; hatte ich mir ein kleines Renommee in der Stadt erspielt. Ich habe mit dem Film etwa 250 Abendveranstaltungen in 80 St\u00e4dten gemacht, weil das Thema Wohnkosten \u00fcberall dr\u00e4ngend ist und das Armutsrisiko durch hohe Wohnkosten steigt auch massiv in der Bundesrepublik, wo die Leute ja zum Teil mit Einkommen noch ganz gut versorgt sind. Aber da klafft quasi eine neue L\u00fccke, das ist quasi eine neue soziale Frage in Berlin, sehr sp\u00fcrbar. Da hatte ich dann das Gl\u00fcck, eingeladen zu werden, als Juror zu arbeiten f\u00fcr die Berlinale f\u00fcr den Friedensfilmpreis. Das ist eine besondere Freude und vielleicht auch Ehre in solchen Bereichen dann t\u00e4tig zu sein. \u00dcber so seinen Film in Berlin schlie\u00dft sich dann ganz viel auf.<\/p>\n<p>So kommt man dann auch als Seiteneinsteiger mit quasi einem geisteswissenschaftlichen Aspekt und gleichzeitig als Jobber, der auch Industriearbeit kennt und die unterschiedlichen Formen der Arbeit, dahin, doch auch Filme produzieren zu k\u00f6nnen. Wir haben ein kleines Team in Berlin und arbeiten da intensiv zusammen, sind quasi Produzenten, Filmemacher und politisches Team in einem. Wir scheuen uns aber auch nicht, weiterhin einfach Videos zu machen f\u00fcr Gruppen, die das brauchen.<\/p>\n<p><b>Merlin: Du hast gerade gesagt, dass Du gar nicht angefangen hast erst zu studieren und dann aktiv zu werden, was ja heute vielleicht ein bisschen ungew\u00f6hnlich ist. Magst Du das n\u00e4her ausf\u00fchren?<\/b><\/p>\n<p>Matthias: Ich bin Jahrgang 1969, also habe ich den W\u00e4rmestrom von 68 noch ein St\u00fcck mitbekommen. Als ich Abitur gemacht habe und quasi ins Erwachsenenleben ging, dachte ich so: &#8222;Super, jetzt kann man loslegen, jetzt kann man was machen&#8220;. Habe dann aber in meiner offenherzigen Naivit\u00e4t festgestellt, es ist eben nicht so. Also ich komme jetzt nicht aus einem Haushalt, wo jetzt so viel klassische Bildung ist oder politische Bildung. Es gab ein Bewusstsein, aber ich habe mir dann viel selbst erarbeitet und es war ja dieser Epochenbruch. Auf einmal war der Realsozialismus, wo ich pers\u00f6nlich vielleicht nicht gl\u00fccklich geworden w\u00e4re, zusammengebrochen. Der Kapitalismus hatte gesiegt und das Motto war weltweit Demokratie, weltweite Marktwirtschaft: &#8222;Alle werden versorgt werden&#8220;.<\/p>\n<p>Das ist ja nicht der Fall, das war auch absehbar. Eine vielleicht neomarxistische Idee verbreitete sich, dass Arbeit nicht die letzte Idee des Menschen ist, sondern Arbeit eigentlich dazu da ist, auch ein gutes Leben herzustellen. Es gab Ideen von Andr\u00e9 Gorz und anderen, dass die Arbeit verschwindet. Zu der Zeit war die Gruppe &#8222;Krisis&#8220; renommiert. Die hat auch \u00fcber die Krise der Arbeit geschrieben. Das ist auch das Thema im Ruhrgebiet. Ich bin auch zu Demonstrationen in Rheinhausen gefahren, wo die Arbeiter*innen, die Stahlarbeiter*innen f\u00fcr ihre Arbeitspl\u00e4tze gek\u00e4mpft haben. Zu der Zeit war auch Bischofferode, der Osten wurde abgewickelt und so weiter. Ich habe aber gesp\u00fcrt, dass diese Form der Industriearbeit nicht die Zukunft ist: &#8222;Was ist es denn dann?&#8220; Da habe ich eine Suchbewegung gemacht und wollte mich nicht beruflich festlegen. Deshalb bin ich da reingegangen. Zu der Zeit gab es auch die &#8222;Gl\u00fccklichen Arbeitslosen&#8220;. Ich finde Arbeit aber eigentlich positiv, bin von meinem Wesen her kein gl\u00fccklicher Arbeitsloser. Also habe ich gejobbt, habe versucht in der Gesellschaft t\u00e4tig zu sein, auch \u00fcber Erwerbsarbeit. Es ist klar, man muss sich reproduzieren, man muss die Miete zahlen, man will auch jemandem mal etwas schenken oder mal ein Getr\u00e4nk ausgeben oder sonst was. Da hatte ich eine Jobber-Identit\u00e4t f\u00fcr mich selbst, also nicht Berufsidentit\u00e4t. Das ist schwer durchzuhalten auf Dauer, weil &#8211; jetzt kommt ein entscheidender Punkt: Zu der Zeit gab es auch die gro\u00dfe neoliberale Wende, die in Deutschland sp\u00fcrbar wurde. Thatcher, Reagan, Kohl &#8211; das ging richtig los. Was vielleicht in den 70ern und 80ern noch gut ging, da konnte man Nachtschicht irgendwo bei VW machen und dann konnte man mit zwei Monaten Arbeit vielleicht wiederum zwei Monate freimachen, um an einem Buch zu schreiben oder mit Leuten eine Reise zu machen oder ein Projekt aufzubauen. Das ging dann nicht mehr. Das hei\u00dft auch, die Normalarbeitspl\u00e4tze wurden dereguliert. Es gab &#8222;5000 mal 5000&#8220; in Wolfsburg. Ganz viel geschah und die sogenannten Normalarbeiter*innen konnten auch nur noch so gerade von ihrer Arbeit leben. Die Zeitarbeit wurde vermasst. Wir haben das Problem, dass die Leute in L\u00e4ndern wie den USA, aber langsam auch schon in Deutschland und Europa ein, zwei, drei Jobs machen m\u00fcssen, um \u00fcber die Runden zu kommen. Also ging das Prinzip des Jobbens nicht mehr, weil man dann quasi Postbote von morgens bis abends war und auf keinen gr\u00fcnen Zweig kam. Da musste eine andere Strategie her, weil ich ja auch kreativ mit anderen Leuten zusammenarbeiten wollte. Ich scheue mich aber nicht auch vor klassischer Arbeit. Mein pers\u00f6nlicher Traum w\u00e4re: Ein Tag in der Woche als Filmemacher, einen Tag in der Kita, ein Tag im Kl\u00e4rwerk, einen Tag in der B\u00e4ckerei und einen Tag in der Hochschule &#8211; so stelle ich mir das vor.<\/p>\n<p><b>Bernd: Das &#8222;Gegenteil von Grau&#8220; k\u00f6nnte man als &#8222;Graswurzelfilm&#8220; bezeichnen, also ein Film aus einer solidarischen Perspektive von unten, aus der Sicht sozialer Bewegungen. Das Thema Gegenseitige Hilfe wird auf die Tagesordnung gesetzt, Projekte, die beispielhaft Gegenseitige Hilfe praktizieren, werden vorgestellt. Was war die Motivation, so einen Film zu drehen? Wird er irgendwann auch im Fernsehen zu sehen sein? Wie lange tourt Ihr noch?<\/b><\/p>\n<p>Matthias: Die Filmidee ist: Wir wollen zusammenarbeiten. Wenn wir alle aus den Fabriken geflogen sind und aus den normalen Arbeitspl\u00e4tzen, dann ist das einerseits schrecklich, weil dann diese alte Solidarit\u00e4t, die M\u00f6glichkeit zusammenzuarbeiten f\u00fcr viele Menschen verloren geht. Sie werden atomisiert, sie vereinzeln, vereinsamen und verarmen. Auf der anderen Seite ist die Industriearbeit auch immer Knechtung gewesen und Ausbeutung. Also braucht es neue Wege. Bei diesen Projekten sieht man viele M\u00f6glichkeiten der solidarischen Hilfe, auch des Sich-Respektierens in seiner Unterschiedlichkeit und sich trotzdem unter die Arme zu greifen, aber auch ein St\u00fcck Utopie &#8211; wie etwas entwickelt wird, das es bisher noch gar nicht gibt. Also eine Art \u00dcbung, ein Probieren. Das f\u00e4ngt klein an, da gibt es Scheitern, aber da gibt es auch M\u00f6glichkeiten. Das war ein starkes Motiv f\u00fcr mich, das nach vorne zu bringen. Wir sollten auch ein St\u00fcck vision\u00e4r denken: Die Gesellschaft kann viele Fragen nicht beantworten; nicht nur die \u00f6kologische nicht, sondern, wirklich, die eines friedlichen und reichen, luxuri\u00f6sen Zusammenlebens f\u00fcr alle Menschen auf dem Planeten. Die Fragen m\u00fcssen auch hier gestellt und bearbeitet werden, wo wir noch relativ viel Zeit und Bildung haben, nicht in Kriegen und in totaler Armut versinken. Also, es ist ein wichtiger Ort.<\/p>\n<p>Der Film l\u00e4uft immer noch in verschiedenen Kinos und St\u00e4dten. Er l\u00e4uft da, wo er gebraucht wird. Wenn Initiativen da sind, die den Film zeigen wollen, dann sollen sie sich gerne melden, oder wenn es Kinos gibt, die interessiert sind oder Initiativen gehen an lokale Kinos heran. Es gibt unterschiedliche Kontexte. Das ist einerseits ein Bewegungsfilm, aber andererseits auch ein klassischer Dokumentarfilm, der auch Menschen, die sich mit dem Thema wenig auskennen oder erst mal neugierig sind, einen Einstieg gibt.<\/p>\n<p><b>Bernd: Was ist Thema Deines n\u00e4chsten Films? Was planst Du an neuen Projekten?<\/b><\/p>\n<p>Matthias: Wir arbeiten zur Wohnungsfrage in Europa. Jetzt fahren wir nach Madrid. Und wir arbeiten zu der Frage der Immobilienwirtschaft. Ein anderes Projekt, was ich seit l\u00e4ngerem verfolge, ist die Geschichte des Antifaschismus in der Bundesrepublik und das tut nat\u00fcrlich bitter Not heutzutage.<\/p>\n<p><b>Merlin und Bernd: Herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/b><\/p>\n<p><b>Interview: Bernd Dr\u00fccke, Merlin Sandow<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernd Dr\u00fccke: Matthias, Du hast gerade Deinen neuen Film &#8222;Das Gegenteil von Grau&#8220; in die Kinos gebracht. Kannst Du ein bisschen was zum Film erz\u00e4hlen? Matthias Coers: Ja, der Film ist eine Co-Produktion mit einer Initiative aus dem Ruhrgebiet, eine Art Netzwerk &#8211; &#8222;Recht auf Stadt Ruhr&#8220;. Der Name ist Programm. &#8222;Das Gegenteil von Grau&#8220; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/11\/freiraeume-im-ruhrgebiet\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Freir\u00e4ume im Ruhrgebiet - graswurzelrevolution","description":"Bernd Dr\u00fccke: Matthias, Du hast gerade Deinen neuen Film \"Das Gegenteil von Grau\" in die Kinos gebracht. Kannst Du ein bisschen was zum Film erz\u00e4hlen? Matthias"},"footnotes":""},"categories":[999,1049],"tags":[],"class_list":["post-17373","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-423-november-2017","category-kurbelkiste"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17373","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17373"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17373\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17373"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17373"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17373"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}