{"id":17390,"date":"2017-12-01T00:00:00","date_gmt":"2017-11-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/12\/gewerkschaftliche-solidaritaet-statt-boykott\/"},"modified":"2022-01-25T17:18:23","modified_gmt":"2022-01-25T15:18:23","slug":"gewerkschaftliche-solidaritaet-statt-boykott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/12\/gewerkschaftliche-solidaritaet-statt-boykott\/","title":{"rendered":"Gewerkschaftliche Solidarit\u00e4t statt Boykott"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Gewerkschaften stehen heute an vorderster Stelle bei der Verteidigung der Rechte des pal\u00e4stinensischen Volkes auf Selbstbestimmung, Gerechtigkeit und Freiheit&#8220;, hei\u00dft in einem Aufruf, in dem Gewerkschaften aus aller Welt dazu aufgerufen werden, Israel zu boykottieren. Sieben der 340 im Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) zusammengeschlossenen Organisationen haben diesen Aufruf der BDS-Bewegung, wie die Boykottbewegung international abgek\u00fcrzt wird, unterst\u00fctzt. &#8222;Das sind etwas mehr als zwei Prozent, aber bezogen auf die Mitgliederzahl vertreten diese sieben Verb\u00e4nde 12,5 Millionen der 182 Millionen IGB-Mitglieder&#8220;, schreibt der Journalist Martin Hauptmann in der J\u00fcdischen Allgemeinen Zeitung. 2017 haben sich die tunesische UGTT und die norwegische LO der Israel-Boykottkampagne angeschlossen. Der DGB lehnt die Boykottforderung strikt ab und verweist auf die enge Kooperation mit dem israelischen Gewerkschaftsverband Histadrut. Diskutiert wird die Frage des Israelboykotts jedoch von kleinen Gewerkschaften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor kurzem veranstaltete die anarchosyndikalistische Freie ArbeiterInnen Union (FAU) Berlin eine Diskussion zum Thema &#8222;Gewerkschaftliche Solidarit\u00e4t statt Boykott&#8220;. Die Aktivistin Detlef Georgia Schulze sieht in der Forderung nach einem Boykott Israels keine Perspektive f\u00fcr eine \u00dcberwindung von Nationalismus, Klassen- und Geschlechterwiderspr\u00fcchen. Die BDS-Bewegung positioniere sich im Kampf zweier nationaler Bewegungen auf einer Seite. Das sei nicht die Aufgabe von Gewerkschaften, betonte Schulze mit Verweis auf Grundsatztexte der Boykottkampagne. So sei auff\u00e4llig, dass es dort keine Kritik an der gewerkschaftsfeindlichen Politik der Hamas gebe. Der israelische Gewerkschaftsbund Histadrut hingegen werde von der BDS als Teil des israelischen Staates bezeichnet und heftig angegriffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marc Richter ist aktiv in der Bremer Sektion der Basisgewerkschaft IWW. Auch er formulierte auf der Veranstaltung eine Kritik an der BDS-Kampagne aus gewerkschaftlicher Perspektive. &#8222;Diese Kampagne st\u00e4rkt auf keinen Fall den solidarischen Kampf der ArbeiterInnenklasse \u00fcberall auf der Welt, sondern beg\u00fcnstigt eine Entsolidarisierung und unn\u00f6tige Spaltung in der Arbeiterbewegung&#8220;. \u00dcber diese Frage habe es innerhalb der IWW heftige Diskussionen gegeben, erkl\u00e4rte Richter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Alternative zu einem Boykott solle die Kooperation mit gewerkschaftlichen Organisationen in der Region gesucht werden, die Lohnabh\u00e4ngige unabh\u00e4ngig von der Nationalit\u00e4t organisieren. Bereits vor 20 Jahren organisierte die AK Internationalismus der IG Metall in Berlin Veranstaltungen mit Initiativen, in denen pal\u00e4stinensische und israelische ArbeiterInnen kooperierten. Dass eine solche Kooperation heute schwieriger ist, liegt nicht in erster Line an der Politik Israels. So ist der Druck auf Basisgewerkschaften sowohl im Gaza als auch in der Westbank gro\u00df. Ein aktuelles Beispiel f\u00fcr Solidarit\u00e4t statt Boykott kommt vom israelischen Dachverband Histadrut, der in seiner politischen Ausrichtung mit dem DGB verglichen werden kann. Die Histadrut hat ein Abkommen mit dem pal\u00e4stinensischen Gewerkschaftsbund PGFTU geschlossen. Seitdem \u00fcberweist der israelische Gewerkschaftsbund 50% der Mitgliedsbeitr\u00e4ge von Pal\u00e4stinenserInnen, die legal in Israel arbeiten, an die PGFTU. &#8222;Das geschieht aus Solidarit\u00e4t, um die pal\u00e4stinensischen Gewerkschaften zu st\u00e4rken und unabh\u00e4ngig zu machen&#8220;, erkl\u00e4rte Avital Shapira-Shabirow, die beim Histadrut-Vorstand f\u00fcr internationale Beziehungen zust\u00e4ndig ist, in einem Interview in der Konkret. Maya Peretz von der linken israelischen Gewerkschaft Koach La&#8217;Ovdim, die die Histadrut in vielen Punkten kritisiert, ist sich in dieser Frage mit ihr einig. Die BDS-Kampagne tr\u00e4gt zur Spaltung der ArbeiterInnenklasse bei. F\u00fcr BasisgewerkschafterInnen m\u00fcsste daher klar sein, dass sie nicht Teil der BDS-Kampagne sein sollen. Das gilt auch unabh\u00e4ngig davon, wie man sonst zu dieser Kampagne steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich halte es f\u00fcr falsch, die BDS-Kampagne, an der sich in vielen L\u00e4ndern der Welt sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Motiven beteiligen, pauschal als antisemitisch zu bezeichnen. Ich will aber klarstellen, dass sie f\u00fcr den gewerkschaftlichen Kampf kontraproduktiv ist. Das Prinzip gewerkschaftlicher K\u00e4mpfe soll die transnationale Solidarit\u00e4t aller Lohnabh\u00e4ngigen sein und bleiben.<b><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Gewerkschaften stehen heute an vorderster Stelle bei der Verteidigung der Rechte des pal\u00e4stinensischen Volkes auf Selbstbestimmung, Gerechtigkeit und Freiheit&#8220;, hei\u00dft in einem Aufruf, in dem Gewerkschaften aus aller Welt dazu aufgerufen werden, Israel zu boykottieren. 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