{"id":17392,"date":"2017-12-01T00:00:00","date_gmt":"2017-11-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/12\/machtstrukturen-sind-das-problem\/"},"modified":"2022-01-25T18:49:32","modified_gmt":"2022-01-25T16:49:32","slug":"machtstrukturen-sind-das-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/12\/machtstrukturen-sind-das-problem\/","title":{"rendered":"Machtstrukturen sind das Problem"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">An die, die noch unter den Folgen der Taten leiden: Es ist ein harter Weg, solche Taten zu verarbeiten. Aber es gibt ein &#8222;Leben danach, in dem dies Erinnerung wird, ohne st\u00e4ndigen Einfluss auf das Gef\u00fchlserleben zu haben. Vergessen wird man es nie. Nur ist man nicht zu lebenslangem Leid daran verurteilt. Auch wenn man sich das zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen kann &#8211; gebt nicht auf, um dieses euer Leben zu k\u00e4mpfen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus einer Abgrenzung durch Wut und Hass entstand bei mir die Kraft und der Mut, mich dem zu stellen, was erinnert und verarbeitet werden musste, um mich nicht mehr als Opfer zu f\u00fchlen. Dazu war auch die Auseinandersetzung mit dieser eigenen Wut und dem Hass n\u00f6tig, um aus dem damals alles beherrschenden Opfer-Gef\u00fchl endlich heraus zu kommen.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Sexualisierte Gewalt, na und?<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fr\u00fcher &#8222;Nischen-Thema feministischer Kreise&#8220;, sind die Themen Sexismus und sexualisierte Gewalt mittlerweile in der \u00f6ffentlichen Diskussion angekommen, kaum ein Medium oder soziales Netzwerk, in dem nicht hunderte Beitr\u00e4ge zu finden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl schon lange bekannt ist, dass Sexismus und sexualisierte Gewalt \u00fcberall in Gesellschaften weltweit vorkommen, scheint das Wissen erst durch die Vielzahl der aktuellen Berichte betroffener Frauen im Bewusstsein &#8222;der Gesellschaft&#8220; anzukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn der MeToo-Kampagne lag die \u00fcbliche Konsumhaltung zu Opfergeschichten vor, in Folge Betroffenheits- bis Emp\u00f6rungsbekundungen, inklusive der medialen Inszenierung Weinsteins als DER T\u00e4ter, der &#8222;DAS B\u00f6se&#8220; tat, dem viele Frauen &#8222;zum Opfer fielen&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Megan Nolan wurde als Studentin bei einer StudentInnenparty vergewaltigt, schwieg lange dar\u00fcber aus Scham, und schreibt heute zum Thema sexualisierte Gewalt. <a href=\"#u1\">((1))<\/a> Sie kritisiert in einem Artikel auf Vice diese Konsumhaltung, welche auch die Opfer sexualisierter Gewalt als ewige Opfer in der Wahrnehmung anderer festschreibt, wie sie selbst erfahren hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie erl\u00e4utert, wie Zuschreibung sexueller Gewalt an &#8222;das B\u00f6se&#8220; verhindert, bei sich selbst und im Freundeskreis eine solche zu erkennen, &#8230; &#8222;auch, weil diese Taten spezifisch und kontextabh\u00e4ngig sind &#8211; es l\u00e4uft eben nicht immer plakativ und filmreif ab. Und immer gibt es \u0082Gr\u00fcnde&#8216; daf\u00fcr, kleine Rechtfertigungen und Ausreden, die wir uns erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, die Opfer wie die T\u00e4ter.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine \u00c4nderung scheitert ihrer Meinung nach &#8222;nicht daran, dass sich nicht genug Frauen zu Wort melden &#8211; sondern dass sich nie genug M\u00e4nner angesprochen f\u00fchlen&#8220;. Megan Nolan meint: &#8222;Der Zustand des Frauseins ist ein Zustand sexueller Unterdr\u00fcckung. (&#8230;) das allgegenw\u00e4rtige Klima sexueller Unterdr\u00fcckung [hat] die Bausteine geformt, aus denen sich Teile meiner Person und meine Erfahrungen zusammensetzen. Es gibt keinen Menschen, der von der patriarchalen Gesellschaftsform unbeeinflusst bleibt, weil unsere Kultur selbst darauf basiert.&#8220;<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Patriarchat und sexuelle Unterdr\u00fcckung der Frau als Grundlage der Kultur?<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">In vielen Diskussionen werden Begriffe wie Sexismus, struktureller Sexismus, sexistische Bemerkungen und sexualisierte Gewalt durcheinander und gegeneinander diskutiert oder gleichgesetzt. Dies l\u00f6st Verwirrung, Verunsicherung und auch Abwehr aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits l\u00f6st sich die Debatte an manchen Stellen von der Fixierung auf sexuelle Gewalt als Tat an sich. Zusammenh\u00e4nge werden benannt. Sexistische Bemerkungen bis sexualisierte Gewalt gegen Frauen, die in Ausbildung und Arbeitsleben vor allem von in den Hierarchien h\u00f6her stehenden M\u00e4nnern ausge\u00fcbt werden. Erste Hinweise auf Konkurrenzkampf in der Arbeitswelt als Problem, in der M\u00e4nner sich durch Gleichberechtigung einem noch h\u00f6heren Konkurrenzdruck ausgesetzt sehen als vorher schon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erste Posts erscheinen auf Twitter und Facebook, die Macht und Machtstrukturen an sich damit in Zusammenhang bringen. Daneben die Abwehr: &#8222;M\u00e4nner unter Generalverdacht, das ist ungerecht&#8220;. Von &#8222;Frauen, die sich auf Kosten echter Opfer von sexualisierter Gewalt mit ihren Geschichten profilieren wollen&#8220;, ist die Rede. &#8222;Was ist mit den Kellnerinnen in Hollywood, die NEIN gesagt haben, w\u00e4hrend andere, die mitgemacht haben, ihre Karriere hatten &#8211; und jetzt anklagen?&#8220;. Daneben die obligatorischen Hinweise auf sexualisierte Gewalt durch &#8222;die Fl\u00fcchtlinge&#8220; und Posts derer, die jegliche Sexismusdiskussion als &#8222;Beweis des vorherrschenden Femfaschismus&#8220; anprangern.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Jede siebte Frau in Deutschland wurde sexuell gen\u00f6tigt oder vergewaltigt<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur f\u00fcnf bis sieben Prozent der F\u00e4lle werden europaweit angezeigt. Mindestens 93% aller Taten werden gar nicht angezeigt. Von den angezeigten Taten werden laut Terre des femmes nur zwischen 8% und 13% verurteilt. Faktisch ist sexualisierte Gewalt gegen Frauen damit nahezu straffrei. Und das, obwohl hierzulande schon relativ lange ein &#8222;Bewusstsein f\u00fcr die Problematik&#8220; vorhanden ist, anders als in L\u00e4ndern, in denen sexualisierte Gewalt noch formal gestattet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insofern ist es ein bestechender Gedanke, Sexismus und sexualisierte Gewalt als Grundlage der Kultur zu betrachten. Harvey Weinstein bietet sich als Protagonist f\u00fcr diese These an. Ein wei\u00dfer, m\u00e4chtiger Mann, der untergeordnete bzw. von ihm und seinem &#8222;Wohlwollen&#8220; abh\u00e4ngige Frauen missbraucht. Die Opfer schweigen viele Jahre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der mediale Aufschrei, der dazu gerade stattfindet, ist jedoch auch eine Best\u00e4tigung, dass dieser Mann eine solche Macht gehabt hat, dass sich Frauen ihm unterworfen haben, mitgemacht haben, dass er sie zwingen konnte &#8211; und diese und die Mitwisserinnen und Mitwisser geschwiegen haben. Je mehr seine Macht und sein Erfolg betont wird in Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt, umso mehr wird im Bewusstsein Erfolg MIT sexualisierter Gewalt verkn\u00fcpft, diese also als Zeichen der Macht best\u00e4tigt. &#8222;Was ist schon das bisschen \u00c4rger gegen den jahrelangen Spa\u00df, den er hatte&#8220;, so der zynische Kommentar eines Mannes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den m\u00e4nnlichen Teil der Menschheit bietet Sexismus und sexualisierte Gewalt bzw. diese f\u00f6rdernde Strukturen, gleich ob formal oder informell, einen erheblichen Vorteil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberspitzt ausgedr\u00fcckt, der letzte Mann mit dem geringsten Selbstwertgef\u00fchl und ohne jeglichen Einfluss in der Hierarchie &#8222;der M\u00e4nner&#8220; auf diesem Planeten kann sich einbilden, innerhalb der gedachten Welt-Gesamthierarchie \u00fcber dem gr\u00f6\u00dferen, weiblichen Teil der Menschheit zu stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abwertung von Frauen ist dabei auch Kompensationsmittel gegen selbst erlittene bzw. wieder bef\u00fcrchtete Ohnmacht an anderer Stelle. Macht als Heilmittel gegen Machtfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eigen-Definition des &#8222;Mann-Seins&#8220; als &#8222;Mehr-Wert&#8220; allein reicht aus, um diese Phantasie zu bef\u00f6rdern und daraus Macht aus\u00fcbendes Verhalten gegen den gr\u00f6\u00dferen Teil der Menschheit, den Frauen, zu legitimieren. In dieser Grundhaltung best\u00e4tigen sich M\u00e4nner kultur\u00fcbergreifend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob M\u00e4nnergruppen ihre angebliche Ehre vom sexuellen Nicht-Verhalten einer Frau ableiten, oder M\u00e4nner in Machtpositionen gemeinsam ein Bordell aufsuchen und sich in gegenseitiger Beobachtung in ihrem Verhalten zu Frauen darin best\u00e4tigen, wie &#8222;gut&#8220; sie sind, macht in der Einstellung zu Frauen keinen Unterschied.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein stellvertretender Abteilungsleiter IT-Sicherheit eines weltweiten Automobilzulieferer-Konzerns \u00fcber einen Mitarbeiter: &#8222;Der hat sich nicht getraut, nach dem Table-Dance mit ins Bordell zu kommen, er steht unter dem Pantoffel seiner Frau, so kommt der nie weiter&#8220;. Das war nur EIN Kommentar zu einem Kollegen, der sich der obligatorischen Freizeitgestaltung nach mehrt\u00e4gigen internationalen Meetings nicht unterwarf. Meine Frage, wie sich diese Freizeit denn gestalten w\u00fcrde, wenn pl\u00f6tzlich Frauen bei diesen Meetings dabei w\u00e4ren, wurde mit &#8222;Das wird nicht passieren, daf\u00fcr sorgen wir schon&#8220; abgeb\u00fcgelt. Nat\u00fcrlich hat diese Firma das Thema Frauenf\u00f6rderung und Gleichstellung auf der Agenda, sogar eine Frau ist im Vorstand. Nichts desto trotz ist die Bef\u00f6rderung sicher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gezeigte sexistische Haltung gegen\u00fcber Frauen dient auch dazu, untereinander zu konkurrieren. Der &#8222;rangh\u00f6here Mann&#8220; ist der, der die Frau und ihre Sexualit\u00e4t unter Kontrolle hat. Unabh\u00e4ngig davon, wie diese Kontrolle im Einzelfall konkret aussieht. In Kriegen dient die Vergewaltigung von Frauen des Gegners als ultimatives Zeichen der \u00dcberlegenheit \u00fcber diesen m\u00e4nnlichen! Gegner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sich selbst zugeschriebene Recht, \u00fcber den K\u00f6rper und die Sexualit\u00e4t von Frauen herrschen zu d\u00fcrfen, ist neben der Unterdr\u00fcckung der Frau also gleichzeitig eine Methode im Machtkampf innerhalb der eigenen informellen und formalen M\u00e4nnerhierarchie UND zwischen nebeneinander bestehenden und konkurrierenden M\u00e4nnerhierarchien.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Sexismus als Machtinstrument findet NICHT nur von M\u00e4nnern gegen Frauen statt<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00e4nner verwenden Sexismus gegeneinander, wenn sie vorgeben, wie &#8222;ein richtiger Mann&#8220; zu sein hat, was sich AUCH darin &#8222;beweist&#8220; wie heterosexuell sexistisch er sich gegen\u00fcber Frauen verh\u00e4lt. M\u00e4nner, die diesem Bild nicht folgen, dies nicht mitmachen oder gar kritisieren, werden verbal &#8222;entm\u00e4nnlicht&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Frauen ihrerseits gegen M\u00e4nner allgemein abwertend denken und sprechen, oder definieren, wie &#8222;ein richtiger Mann&#8220; zu sein hat, und auch dort, wo M\u00e4nner als T\u00e4ter festgeschrieben werden, ist dies auch Sexismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frauen verwenden Sexismus gegen Frauen, wenn sie nach von M\u00e4nnern vorgegebenen Kriterien definieren, wie eine &#8222;richtige Frau&#8220; zu sein hat, sich und andere Frauen danach bewerten und anhand dieser Kriterien miteinander konkurrieren ODER ein eigenes starres Frauenbild entwickeln, dem Frau folgen soll. Es ist auch Sexismus, wenn Frauen selbst die Worte &#8222;Frau&#8220;, &#8222;Opfer&#8220; und &#8222;gut&#8220; synonym setzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Opfer einer Gewalttat sind und f\u00fchlen sich lange danach noch hilflos und ohnm\u00e4chtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehr als den Aufschrei und den Wunsch nach Hilfe gibt es im Opfer-Sein nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frauen, die die Begriffe Frau = Opfer = gut synonym setzen, halten damit genau das Bild von Frau aufrecht, welches (potenziellen) T\u00e4tern dient, ihnen vorauseilend Macht zuschreibt, und nach erfolgten Taten weiter best\u00e4tigt. Sie schreiben Frau-Sein als hilflos und ohnm\u00e4chtig fest.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Frauen an die Macht?<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Innerhalb von Machtstrukturen versuchen Frauen ihrerseits, Macht und Einfluss zu erlangen. Wo erlaubt und m\u00f6glich, in Konkurrenz zu M\u00e4nnern, wo nicht, in dem sie \u00fcber ihren Einfluss auf M\u00e4nner ihre Interessen durchsetzen. Dazu benutzen viele Frauen auch ihren K\u00f6rper.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenfalls \u00fcben Frauen \u00fcber die Erziehung, in der sie u.a. S\u00f6hnen oder Sch\u00fclern vermitteln, wie ein &#8222;richtiger Mann&#8220; zu sein bzw. was dieser zu tun hat, Macht aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo ist der Unterschied zwischen einer Mutter in Gambia, die ihren Sohn unter Druck setzt, sich auf die lebensgef\u00e4hrliche Reise nach Europa zu machen, um dort Geld f\u00fcr die Familie zu verdienen und einer Mutter, die aus eigenem Gewalterleben ihrem Sohn permanent Schuldgef\u00fchle vermittelt, dass M\u00e4nner an sich schlecht sind, ihn unter Druck setzt, dass er machen m\u00fcsse, was sie sagt, um zu beweisen, dass er ein &#8222;besserer Mann&#8220; ist? Schuldgef\u00fchle erzeugen ist ein h\u00e4ufiges Machtmittel, auch und gerade von Frauen, um (nicht nur) M\u00e4nner &#8222;unter Kontrolle&#8220; zu halten, damit die Macht \u00fcber diese zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Frauen geben eigenes erlebtes Unrecht und Leid an andere Frauen weiter. Sie benutzen abwertende Aussagen, die sie von M\u00e4nnern \u00fcber Frauen geh\u00f6rt und \u00fcbernommen haben. Sie folgen dem von M\u00e4nnern f\u00fcr Frauen genehmigten und vorgegebenen Konkurrenzkampf, den sie innerhalb der &#8222;Frauengesellschaft&#8220; f\u00fchren &#8222;d\u00fcrfen&#8220;.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Idealbilder von Mann und Frau in den Medien<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allgemein werden die Kriterien f\u00fcr die &#8222;richtige Frau&#8220; immer h\u00f6her gesteckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sch\u00f6n, schlank, fit, gesund, gute Ausbildung, perfekte Mutter, gut geratene Kinder, ordentlicher Haushalt, Mutter UND Karriere und dazu die perfekte Partnerin und Geliebte des Mannes, der seinerseits nat\u00fcrlich ein &#8222;guter&#8220; Mann sein muss. Andernfalls hat sie einen Fehler gemacht in der Auswahl. Aber auch &#8222;der Mann&#8220; soll selbstbewusst, kooperativ, einf\u00fchlsam, unterst\u00fctzend, nicht-sexistisch (gegen Frauen) liebevoller, perfekter Vater mit Zeit f\u00fcr die Kinder UND erfolgreich sein, also innerhalb der vorgegebenen Machtstrukturen, in denen Sexismus gegen Frauen ein Kampfmittel ist, in der Hierarchie aufsteigen und &#8222;siegen&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00dcberforderung, die diese medial verbreiteten Vor-Bilder anlegt, f\u00fchrt zu Spannungen, Konkurrenz und gegenseitigem &#8222;Aufrechnen&#8220;, \u00fcberall dort, wo Frauen und M\u00e4nner auf Kooperation angewiesen sind.<\/p>\n<h3 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">M\u00e4nner als Opfer sexualisierter Gewalt<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Kinder gibt es mittlerweile eine gewisse offizielle gesellschaftliche Solidarit\u00e4t mit den Opfern, und zumindest einige Hilfen. Sie d\u00fcrfen heute dar\u00fcber reden und ihre Geschichte erz\u00e4hlen, werden als Opfer anerkannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Mittel der sexualisierten Gewalt wenden M\u00e4nner jedoch auch gegen\u00fcber M\u00e4nnern an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bekannt wird dies selten, meist aus institutionalisierten, weitgehend geschlossenen Machtstrukturen, wie Gef\u00e4ngnissen (&#8222;zur Frau machen&#8220;) oder Milit\u00e4r, in Heimen und Schulen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betroffene M\u00e4nner erfahren diese Solidarit\u00e4t in der Regel nicht. Wo ist die MeToo-Kampagne, in der von sexualisierter Gewalt betroffene M\u00e4nner ihre Geschichte erz\u00e4hlen k\u00f6nnen? Dort die gleiche Solidarit\u00e4t erfahren? Vor allem auch VON M\u00e4nnern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein betroffener Mann sagte mir, es ist schrecklich, was du erlebt hast, aber das, was du erlebt hast, hat dich immer noch in deinem Frau-Sein best\u00e4tigt, wenn auch auf negative Weise. Ich habe meine bisherige Identit\u00e4t als Mann verloren. Ich wei\u00df nicht mehr, was Mann eigentlich ist. Ich bin seitdem ein Nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nochmals schwieriger zu verarbeiten ist dies f\u00fcr M\u00e4nner, die durch Frauen sexualisierte Gewalt erlitten haben. Sexualisierte Gewalt von Frauen gegen M\u00e4nner ist aus Sicht der meisten Menschen undenkbar. Wie soll man(n) aussprechen, was es doch angeblich gar nicht gibt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unglaube, Auslachen und Kommentare wie &#8222;Was stellst du dich so an, so was w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen&#8220; sind noch die harmloseren Reaktionen, die diese M\u00e4nner erleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Europa haben nach einer neueren Untersuchung auch 27% der M\u00e4nner sexualisierte Gewalt erlebt. <a href=\"#u2\">((2))<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Tabu-Thema, denn Mann = T\u00e4ter und Frau = Opfer sind kollektiv im Bewusstsein von M\u00e4nnern UND Frauen festgeschrieben. Mit Vorteil f\u00fcr die M\u00e4nner, die NICHT betroffen sind, weil ein fiktives Gef\u00fchl von \u00dcberlegenheit erhalten bleiben kann. Frau hat weiter Angst vor dem Mann im dunklen Park zu haben, nicht umgekehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was w\u00e4re, wenn manchen feministischen Aktivistinnen das eindeutige Mann = T\u00e4ter = Gegner = Feind abhanden k\u00e4me?<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Sexismus und Rassismus<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Aufschrei ist immer wieder gro\u00df, wenn nicht-wei\u00dfe M\u00e4nner ohne Erfolgsposition sexualisierte Gewalt aus\u00fcben (siehe K\u00f6ln Silvester 2015\/16). Fast ritualisiert wird jede dieser durch diese M\u00e4nner ausge\u00fcbten Gewalttaten medial ausgeschlachtet (Bonn, Siegaue, 2017).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies scheint verwerflicher zu sein, als der Fall Weinstein und \u00e4hnliche. Wei\u00dfe, m\u00e4chtige M\u00e4nner werden weiter als Person, als Mensch beschrieben, sie erhalten medial ihre eigene Geschichte, w\u00e4hrend nicht-wei\u00dfe, arme M\u00e4nner individuell als Kranke und Kriminelle bezeichnet werden, die jedoch wie Monster aus einer namenlosen amorphen bedrohlichen Masse zu kommen scheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu wei\u00dfen erfolgreichen M\u00e4nnern wird zwar gesagt, dass viele von ihnen T\u00e4ter sind. Nichts desto trotz erzeugt die Medienberichterstattung ein Klima der Angst vor nicht-wei\u00dfen, armen M\u00e4nnern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt bei uns mehr wei\u00dfe erfolgreiche M\u00e4nner, die deutlich mehr sexualisierte Gewalttaten aus\u00fcben. Anhand der reinen Zahlen m\u00fcsste doch jetzt Angst VOR ihnen entstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt dessen wird bei &#8222;Maischberger&#8220; in der Sendung vom 10.11.2017 zu sexualisierter Gewalt erst \u00fcber einen Mann berichtet, der falsch angeklagt wurde, die Psyche der Frau durchleuchtet und sp\u00e4ter darauf hingewiesen, dass auf unsere Gesellschaft eine Gefahr durch einwandernde M\u00e4nner zukommt, &#8222;die sich nichts von einer Frau sagen lassen, weil sie eine Frau ist&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier wird sexualisierte Gewalt gegen Frauen benutzt, um Rassismus gegen bestimmte M\u00e4nner-Gruppen zu verbreiten und die &#8222;eigene M\u00e4nnergruppe&#8220; zu verharmlosen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der wei\u00dfe Mann als gef\u00fchlte Ausnahme, der nicht-wei\u00dfe Mann als Regel-T\u00e4ter. So die gef\u00fchlte Wahrheit vieler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst jetzt, wo viele, \u00fcberwiegend wei\u00dfe, erfolgreiche Frauen \u00fcber ihr Erleben mit sexualisierter Gewalt, sexistischen &#8222;Spr\u00fcchen&#8220; und strukturellem Sexismus \u00f6ffentlich sprechen, beginnt die \u00f6ffentliche Diskussion dazu. Solange &#8222;andere&#8220;, arme, in Hierarchien &#8222;weit unten&#8220; stehende Frauen betroffen waren, geschah dies nicht in diesem Ausma\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Freude dar\u00fcber, dass endlich die Diskussion beginnt, das Bewusstsein f\u00fcr Sexismus und sexualisierte Gewalt gesch\u00e4rft wird, wirft dennoch die Frage auf, wird diese etwas \u00e4ndern f\u00fcr die unz\u00e4hligen Opfer allt\u00e4glicher Gewalt, sexualisiert oder nicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch immer gibt es zu wenig Fluchtorte oder Hilfen f\u00fcr Opfer. Die WHO geht davon aus, dass in Deutschland in jeder Schulklasse an allgemeinbildenden Schulen statistisch ein bis zwei von sexualisierter Gewalt betroffene Kinder sitzen. Wesentlich mehr Kinder sind dazu von anderen Gewaltformen betroffen. Weltweit.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Sexualisierte Gewalt ist die Zuspitzung allgegenw\u00e4rtiger Gewalt und Herrschaft<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Verarbeitung erlebter sexualisierter Gewalt kam der Tag, als ich formulierte &#8222;Die Vergewaltigung hat doch nur zusammengefasst, \u00fcberspitzt und auf den Punkt gebracht, was die ganze Zeit schon an vielen Stellen in vielen Situationen da war.&#8220; An diesem Tag f\u00fcgte sich alles zusammen. Das einzeln Geschehene hatte keine Macht mehr \u00fcber mich. Ich war in meinem Gef\u00fchl zu mir kein Opfer mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Menschen werden nicht als T\u00e4terInnen geboren. Selbst dort, wo aufgrund der Anlagen bestimmte Bereiche des Gehirns wenig bis nicht entwickelt sind <a href=\"#u3\">((3))<\/a>, h\u00e4ngt von vielen Umst\u00e4nden ab, ob ein Mensch sp\u00e4ter Gewalt gegen andere aus\u00fcbt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Gewalt akzeptierende, f\u00f6rdernde und\/oder aus\u00fcbende Umgebung. Gewalt als Vorbild, auch zur Konfliktbeendung bzw. zur Durchsetzung von Interessen. <a href=\"#u4\">((4))<\/a>, selbst erlittene Gewalt, eine Gewalt akzeptierende, f\u00f6rdernde und aus\u00fcbende Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Machtverh\u00e4ltnisse, die erm\u00f6glichen, Druck auszu\u00fcben und das Schweigen der Opfer durch weiteren Druck zu f\u00f6rdern, sind wesentliche Faktoren, die sp\u00e4tere Gewalt beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Die fr\u00fcheste Instanz, in der ein Mensch Ohnmachtsgef\u00fchle erlebt, ist die Familie<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je restriktiver und willk\u00fcrlicher die fraglos M\u00e4chtigen in der Familie erlebt werden, desto geringer das Selbstwertgef\u00fchl und die Sozialkompetenz. <a href=\"#u5\">((5))<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Selbstwert, den ein Mensch zu sich entwickelt, wird dadurch bestimmt, wie andere in der ersten Lebensphase mit, \u00fcber und vor allem zu ihm\/ihr sprechen und handeln und ihm\/ihr an Wert zusprechen. Je geringer das Selbstwertgef\u00fchl eines Menschen, desto st\u00e4rker wird er\/sie je nach Situation mal beschwichtigend, als mal anklagend, oder abwertend, verurteilend, rigide zu anderen denken und sprechen <a href=\"#u6\">((6))<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewalt in fr\u00fcher Kindheit erzeugt sp\u00e4tere soziale Auff\u00e4lligkeiten und eigene Gewaltanwendung <a href=\"#u7\">((7))<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die n\u00e4chsten Instanzen, in denen \u00fcber ein Kind entschieden wird, sind Kindergarten und Schule.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hier bestehende Schulsystem ist der erste kollektive Zwangsdienst f\u00fcr die Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht die Pflicht der Gesellschaft, Kinder bestm\u00f6glich zu lehren, ihre individuelle Entwicklung zu f\u00f6rdern, ist in der Schulpflicht fest geschrieben, sondern die Forderung AN Kinder, dort Wissen und Verhalten zu erlernen, mit denen sie in Machtstrukturen eine Position einnehmen, die dem Erhalt der gesellschaftlich vorgegebenen Machtstrukturen dient.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch hier wird Kindern und Jugendlichen ein &#8222;Wert&#8220; zugesprochen. Funktionieren sie innerhalb der jeweiligen vorgegebenen Machtstrukturen und nehmen die Positionen ein, die diese ihnen (maximal) erlaubt oder zuweist, gelten sie als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft, als erfolgreich, als &#8222;normal&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begehren sie auf, suchen andere Wege, unterwerfen sie sich nicht, oder sind sie dazu nicht in der Lage, gelten sie als &#8222;unnormal&#8220;, krank, behindert bis sch\u00e4dlich f\u00fcr die Gesellschaft. Sie sollen in die Machtstrukturen &#8222;integriert&#8220; werden. Wo dies nicht gelingt, werden sie auf die &#8222;unterste&#8220; Position der Gesellschaft verwiesen und hier im &#8222;Sozialsystem&#8220; als &#8222;nutzlose Esser durchgef\u00fcttert&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer innerhalb der jeweiligen Machtstrukturen nicht funktioniert, wird ausgegrenzt, gedem\u00fctigt, angeklagt, aussortiert. Mit dieser Drohung w\u00e4chst fast jedes Kind in unserer Gesellschaft auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wenigsten Menschen wachsen in einer liebevollen, die Bed\u00fcrfnisse der jeweiligen Lebensphase beachtenden, kooperativ entscheidenden und sich gegenseitig unterst\u00fctzenden Familie auf, in der sie ein eigenes stabiles Selbstwertgef\u00fchl entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen spiegeln viele Familien die Machtstrukturen der Gesellschaft und bereiten ihrerseits auf die Funktion innerhalb dieser Machtstrukturen vor, vermitteln, wer welchen Platz darin einnehmen darf und wer nicht und zu welchen Bedingungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00e4chtig sein bedeutet Einfluss zu haben, Situationen nach eigenem Willen gestalten zu k\u00f6nnen, dies auch ohne Zustimmung bzw. gegen den Willen derer, \u00fcber die diese Macht vorhanden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00e4chtige werden bewundert. M\u00e4chtige scheinen sicher zu sein vor Unterdr\u00fcckung und Gewalt. Wer eine Machtposition erlangt hat, wird diese nicht aufgeben wollen. Wer sich in Ohnmachtsposition befindet, sieht den Erwerb von Macht als Mittel, diese Ohnmachtsposition zu verlassen und sicher zu werden. Wer es nicht schafft, innerhalb seiner\/ihrer Machtstrukturen eine eigene Machtposition zu erringen, w\u00e4hlt das Mittel, sich unter den Schirm der i unterdr\u00fcckenden M\u00e4chtigen zu stellen, diesen zuzustimmen und zuzuarbeiten, in der Hoffnung, daf\u00fcr durch diese vor anderen M\u00e4chtigen gesch\u00fctzter zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen die erlebte Ohnmacht in den eigenen Machtstrukturen wird zur Kompensation das Mittel gew\u00e4hlt, in anderen Lebensbereichen oder gegen\u00fcber anderen Gruppen eine Machtposition zu erlangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Machtstrukturen schaffen ununterbrochen neue Opfer. Opfer, die innerhalb dieser Strukturen versuchen, weniger Opfer zu sein bzw. nie wieder Opfer zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Machtstrukturen bieten als einziges Mittel gegen das Opfer-Dasein an, selbst in der Hierarchie der Machtstruktur aufzusteigen und innerhalb dieser mit der erreichten Position dann zum\/zur T\u00e4terIn gegen\u00fcber anderen zu werden. Die sich ihrerseits wieder der Machtstrukturen bedienen, um sich weniger als Opfer zu f\u00fchlen und fr\u00fchere Opfergef\u00fchle zu kompensieren. Dazu muss die Machtstruktur unbedingt erhalten bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo formale Machtstrukturen diese Kompensation nicht (genug\/mehr) erm\u00f6glichen, werden informelle Strukturen errichtet bzw. formale Strukturen durch informelle ersetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Offiziell wird in unserer Gesellschaft behauptet, &#8222;M\u00e4nner und Frauen sind gleichberechtigt&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Formal sind vor dem Gesetz alle Menschen gleich. Die Lebenswirklichkeit sieht anders aus. Real h\u00e4ngt vom gesellschaftlichen Status und von individuellen Ressourcen ab, ob man \u00fcberhaupt Gelegenheit, Zeit, die psychische Konstitution und genug Geld hat, sich ein Recht gegen einen Rechtsbruch, den anderen an einem selbst begangen haben, zu erk\u00e4mpfen. Dies ist nochmals schwieriger, wenn die VertreterInnen der formalen Machtstruktur diesen Rechtsbruch begangen und damit Fakten geschaffen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob ein\/e abgelehnte AsylbewerberIn trotz laufendem Widerspruchsverfahren abgeschoben wird, ein\/e DemonstrantIn unberechtigt inhaftiert und in Gewahrsam festgehalten wird, eine LehrerIn trotz guter Noten keine Gymnasialempfehlung ausspricht, ein\/e ChefIn eine\/n MitarbeiterIn entl\u00e4sst, der\/die &#8222;nicht zu Willen war&#8220;, \u00fcberall findet sich das, was dann als &#8222;Missbrauch von Macht&#8220; bezeichnet wird. Dabei IST Macht selbst der Missbrauch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Informelle Machtstrukturen (auch\/wieder) zu formalisieren findet sich in ehemals scheinbar demokratischen Staaten mit einer noch informell stark patriarchalisch gepr\u00e4gten Gesellschaft. Auch in der Forderung mancher Kreise hier, die Frau soll auch hier wieder in erster Linie Hausfrau und Mutter sein und ihre &#8222;nat\u00fcrliche Rolle&#8220; wieder einnehmen, findet sich dieses Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewalt ist das Mittel der Wahl, um eigene Interessen innerhalb einer Machtstruktur durchzusetzen bzw. eine eigene Machtstruktur zu errichten, in der Hoffnung, eine h\u00f6here Position zu erlangen, oder sich selbst als &#8222;h\u00f6herwertig&#8220; bezeichnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Machtstrukturen bedienen sich des Sexismus<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sexualisierte Gewalt ist nur eine Form der demonstrativen Machtaus\u00fcbung, des Machterwerbs und des Erhalts von Machtstrukturen. M\u00e4nner wie Frauen bedienen sich des Sexismus, um innerhalb gegebener Machtstrukturen eigene Machtpositionen zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die aktuelle \u00f6ffentliche Diskussion zu sexualisierter Gewalt, aber auch die allgemeine Forderung nach Gleichstellung ist ein Kampf um bessere Positionen und ein &#8222;angenehmeres Leben&#8220; INNERHALB dieser Machtstrukturen. In diesen Machtstrukturen \u00e4ndert sich damit nur, wer wozu die Macht hat bzw. erreichen kann, und gegen wen wann wo und wie welche Machtmittel, oder welche Formen der Gewalt (und damit auch sexualisierte Gewalt), angewendet werden &#8222;d\u00fcrfen&#8220;, bzw. wo und zu wem dies (weiter) stillschweigend hingenommen wird.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Machtstrukturen f\u00f6rdern den Kampf von Opfergruppen untereinander<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer ist mehr zu beachten, wer und welche Anliegen sind &#8222;wichtiger&#8220;? Opfergruppen konkurrieren untereinander um einen Platz in der Opferhierarchie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dem Versuch, Gleichberechtigung formal herzustellen (&#8222;Bei gleicher Eignung werden Frauen bevorzugt eingestellt bis zu Quote xy&#8220;) wird ein realer Verlust bisheriger M\u00f6glichkeiten f\u00fcr M\u00e4nner, die sich bisher nur im beruflichen Konkurrenzkampf unter M\u00e4nnern befanden. Die darin Opfer innerhalb des Konkurrenzkampfes waren bzw. werden k\u00f6nnten. Dieser real existierende, oft brutale Konkurrenzkampf wird nicht in Frage gestellt. Gef\u00fchlt hat sich nur die Zahl der &#8222;Feinde&#8220; erh\u00f6ht, und das durch einen in diesen Strukturen noch ungewohnten Gegner. Eine Frau als Gegner ist das Gegenteil des Frau=Opfer-Bildes. Dieser neue Gegner wird in der Konkurrenz nicht als &#8222;weiblich&#8220; gedacht, sondern mittels Sexismus und sexualisierter Gewalt immer wieder &#8222;weiblich&#8220; gemacht, um ihn auf den &#8222;angestammten Platz&#8220; verwiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jegliche Forderung von Opfer-Gruppen nach Verbesserung der eigenen Lage oder nach Gleichberechtigung f\u00fchrt dazu, dass andere Gruppen ihre &#8222;Eigenwertigkeit&#8220; in der Machtstruktur bedroht sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hinweis auf &#8222;knappe Kassen&#8220; l\u00f6st dazu die Angst aus, dass dann f\u00fcr alle &#8222;zu wenig \u00fcbrig sein wird&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage nach der st\u00e4ndig weiter wachsenden ungerechten Verteilung des Vorhandenen, bei dem nur wenige M\u00e4chtige das meiste &#8222;einkassieren&#8220;, stellt sich nicht beim Blick auf das eigene leere Konto.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daf\u00fcr f\u00e4llt der Blick auf ein\/e VertreterIn einer anderen Opfergruppe, die vielleicht noch ein wenig im Portemonnaie hat oder haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">T\u00e4glich werden Millionen Menschen in fast allen Lebensbereichen, durch Krieg und Armut, aber auch durch die in Wohlstand und &#8222;Frieden&#8220; stattfindenden allt\u00e4glichen strukturellen und kulturellen, psychischen und physischen Gewaltformen zu Opfern von Macht und Gewalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist die Grundlage f\u00fcr alle Ismen. Sexismus ist die Gemeinsamkeit in allen und verbindet sie. Sexualisierte Gewalt bringt es jeweils nur &#8222;auf den Punkt&#8220;.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Geld ist Macht. Macht macht Geld. Der Krieg &#8222;Reich gegen Arm&#8220;<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reichen werden reicher, die Armen \u00e4rmer. <a href=\"#u8\">((8))<\/a> Die Menschen in der &#8222;gef\u00fchlten Mitte&#8220; bef\u00fcrchten nicht unbegr\u00fcndet, &#8222;bald schon zu den Armen zu z\u00e4hlen&#8220;. Seit einiger Zeit wird sogar in \u00f6ffentlichen Medien der Begriff &#8222;Der Krieg Reich gegen Arm&#8220; verwendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Chefin des Internationalen W\u00e4hrungsfonds auf der Jahrestagung von IWF und Weltbank 2017 jedoch die politischen Entscheidungstr\u00e4ger auffordert, den Wohlstand besser zu verteilen, dann frage ich mich, was genau sie mit &#8222;besser&#8220; meint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die IWF-Auflagen z.B. f\u00fcr Griechenland, die so viele Menschen in Armut bringen, sprechen dazu die ehrlichere Sprache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist f\u00fcr mich kein Zufall, wenn sexualisierte Gewalt, ausge\u00fcbt durch reiche, erfolgreiche, \u00fcberwiegend wei\u00dfe M\u00e4nner, in dem Moment Thema wird, wo die Opfer entweder selbst eine &#8222;Position&#8220; erreicht haben, aufgrund derer sie angeh\u00f6rt werden ODER solche Vertreterinnen im Hinter- und Vordergrund haben, die ihnen Geh\u00f6r verschaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genug Frauen haben sich heute innerhalb der bestehenden patriarchalen, sexistischen Machtstrukturen eine Position erk\u00e4mpft, als dass sie ungeh\u00f6rt bleiben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn dies jedoch nur dazu f\u00fchrt, dass diese eine komfortablere Position erhalten, die grunds\u00e4tzlichen Fragen aber nicht gestellt werden, dann \u00e4ndert sich weiter f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil der Menschheit nichts. Der backlash wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wieder folgen.<\/p>\n<h5>Macht, Kapitalismus, Rassismus, Sexismus sind untrennbar ineinander verwoben<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer Sexismus und sexualisierte Gewalt bek\u00e4mpfen will, muss auch Macht an sich, Kapitalismus, Rassismus und jegliche Form von Gewalt und Diskriminierung in Frage stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer Kapitalismus, Rassismus, Gewalt und Diskriminierung bek\u00e4mpfen will, muss sich mit Sexismus und sexualisierter Gewalt gegen Frauen UND M\u00e4nner, vor allem auch in &#8222;dein eigenen Reihen&#8220; auseinandersetzten. Wo sie getrennt betrachtet oder gar gegeneinander diskutiert werden, st\u00e4rkt dies weiter die Machtstrukturen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine eigene Geschichte sexualisierter Gewalt, die Jahre der Verarbeitung, und die folgenden vielen Gespr\u00e4che mit Opfern, Frauen wie M\u00e4nnern, haben mich gelehrt, jegliche Form von Macht, Machtstrukturen und Gewalt, sowie alles, was diese f\u00f6rdert, in allen Lebensbereichen in Frage zu stellen. Auch zu mir in meinem Denken und Verhalten. Und besonders, wenn es offiziell angeblich &#8222;um (potenzielle) Opfer und deren Schutz geht&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An die, die noch unter den Folgen der Taten leiden: Es ist ein harter Weg, solche Taten zu verarbeiten. Aber es gibt ein &#8222;Leben danach, in dem dies Erinnerung wird, ohne st\u00e4ndigen Einfluss auf das Gef\u00fchlserleben zu haben. Vergessen wird man es nie. Nur ist man nicht zu lebenslangem Leid daran verurteilt. 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