{"id":17396,"date":"2017-12-01T00:00:00","date_gmt":"2017-11-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/12\/mein-katalonien\/"},"modified":"2022-01-25T17:29:26","modified_gmt":"2022-01-25T15:29:26","slug":"mein-katalonien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/12\/mein-katalonien\/","title":{"rendered":"Mein Katalonien"},"content":{"rendered":"<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">1.<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sommer 2002: Ich bin zum ersten Mal allein und f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in Barcelona. An einem Zeitungskiosk im Barri Gotic, dem &#8222;gotischen Viertel&#8220; der Altstadt, lasse ich mir die spanische und katalanische Presselandschaft skizzieren. Die ergraute, faltenreiche Verk\u00e4uferin nimmt sich r\u00fchrend viel Zeit f\u00fcr den Neuank\u00f6mmling: Eine Zeitung nach der anderen nimmt sie vom Stapel oder zupft sie aus dem St\u00e4nder, h\u00e4lt sie sich wie eine Zeugin Jehovas vor den Bauch, nennt die politische Zugeh\u00f6rigkeit und erkl\u00e4rt die wichtigsten Eigenheiten. Andere Kundinnen und Kunden, wiewohl d\u00fcnn ges\u00e4t, beachtet sie gar nicht. El Pa\u00eds, El mundo, El p\u00fablico&#8230;und dann kommt La Vanguardia, die gro\u00dfe katalanische Tageszeitung. &#8222;Es Pujol&#8230;es Pujol&#8220; [&#8222;Das ist Pujol&#8220;], brummt sie knapp und wirft die Zeitung auf den Stapel. Jordi Pujol, seit einer gef\u00fchlten Ewigkeit der Pr\u00e4sident der Generalitat, des katalanischen Regionalparlaments, hat also ein eigenes Sprachrohr. Was das bedeutet, erfahre ich in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten: Wann immer Pujol \u00f6ffentlich verd\u00e4chtigt wird, in unlautere Baugesch\u00e4fte und Korruption verstrickt zu sein &#8211; und das geschieht zu dieser Zeit mit erschreckender Regelm\u00e4\u00dfigkeit &#8211; bl\u00e4st La Vanguardia zum Sturm auf den spanischen Zentralstaat. Solche Verd\u00e4chtigungen, hei\u00dft es in wuchtigen Lettern, h\u00e4tten allein zum Ziel, die katalanische Autonomie zu untergraben und die katalanische Kultur mit F\u00fc\u00dfen zu treten. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit versammeln sich erboste Patriotinnen und Patrioten auf den Stra\u00dfen, recken F\u00e4uste, schwenken katalanische Fahnen, br\u00fcllen anti-spanische Parolen und bringen den Verkehr zum erliegen. Meist verlaufen die Anschuldigungen dann lautlos im Sande, und die katalanischen Eliten, Pujol vorneweg, k\u00f6nnen weiter ungest\u00f6rt ihren Gesch\u00e4ften nachgehen. Die g\u00e4ngigen \u00dcbel des Kapitalismus, denke ich staunend, w\u00e4hrend meine Augen dem Demonstrationszug folgen, scheint es in Katalonien gar nicht zu geben. Hier kommen sie immer aus Spanien. Oder sind eben erfunden. Einfach nur frei erfunden.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">2.<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend meiner ersten Monate in Barcelona lebt in der Calle Comtal, einer winzigen, kaum 60 Meter langen Gasse im Barri Gotic, ein Mensch in einem Pappkarton. Ich f\u00fchle mich jedesmal furchtbar, wenn ich an seinen ausgestreckten F\u00fc\u00dfen vorbei zur Arbeit gehen muss. Er tr\u00e4gt eine elegante, rote Windjacke, hat selbst noch im Schlaf eine schicke Baseball-Kappe auf dem Kopf, und dazu einen damals noch gar nicht modischen, gut gestutzten Vollbart. L\u00e4ge er nicht in einem Pappkarton, sondern st\u00fcnde, sagen wir, mit einer Zigarette im Mund an der Pla\u00e7a de Catalunya: Kein Mensch w\u00fcrde auf den Gedanken kommen, er k\u00f6nnte irgendetwas anderes sein als ein gut verdienender B\u00fcroangestellter, oder vielleicht Verk\u00e4ufer in einer der schicken Modeboutiquen der Nachbarschaft. M\u00f6glicherweise ist er sogar eines von beidem. Nur, dass er sich in Barcelona von seinem Lohn eben keine Wohnung leisten kann. Als ich zwei Jahre sp\u00e4ter wiederkehre, dr\u00e4ngeln sich allein in der Calle Comtal mindestens zehn Pappkartons aneinander. Und als ich ein paar Schritte weiter in den alten Stadtgraben rund um die Altstadt schaue, meine ich, ein neu errichtetes Viertel aus Karton, Zeitungspapier und Plastikt\u00fcten zu sehen: Dutzende von Menschen \u00fcbernachten hier, eingerollt in alles, was ihnen ein bisschen W\u00e4rme oder Regenschutz verschafft. Einige liegen sogar im Anzug mit an sich gedr\u00fcckter Aktentasche unter alten Zeitungen. Barcelona ist ein Albtraum an neoliberaler Verw\u00fcstung, und Heimat der vielleicht kriminellsten und korruptesten Bau- und Immobilienwirtschaft des Landes. Aber die g\u00e4ngigen \u00dcbel des Kapitalismus gibt es in Katalonien ja nicht. Hier kommen sie immer aus Spanien. Oder sind eben erfunden. Einfach nur frei erfunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An die gro\u00dfe Finanzkrise von 2008\/2009 denkt zu diesem Zeitpunkt noch kein Mensch.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">3.<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe ein wenig Katalanisch gelernt, m\u00f6chte es testen und gew\u00e4hre meinen geliebten Zeitungskiosken das linguistische Erstversuchsrecht: In der N\u00e4he des sch\u00f6nen Parks der alten Zitadelle nehme ich an einem Stand, an dem kurz zuvor noch angeregt in der Landessprache geplaudert wurde, mein Herz in beide H\u00e4nde und frage auf Katalanisch, ob ich eine bestimmte Zeitschrift haben k\u00f6nne. Mich trifft ein alles andere als wohlwollender Blick. Dann kommt die Antwort: Auf Spanisch. Ich bekomme meine Zeitschrift, bin aber zutiefst verunsichert: Habe ich etwas Falsches gesagt? Zuhause hocke ich mit zerrauften Haaren \u00fcber meiner katalanischen Grammatik und einem W\u00f6rterbuch. Nein, ich habe nicht aus Versehen etwas Unh\u00f6fliches oder Unanst\u00e4ndiges gesagt. Nicht einmal der Satzbau war falsch. So furchtbar schwer ist das Katalanische auch gar nicht. Wer Franz\u00f6sisch kann, dazu Spanisch, und sich an die Reste seines Schullateins erinnert, kann die Sprache zumindest lesen und verstehen. Ich beschlie\u00dfe, mein Gl\u00fcck anderntags in einem anderen Viertel der Stadt zu versuchen. Es wird derselbe Misserfolg. Und dieses Erlebnis wiederholt sich, Tag f\u00fcr Tag: Ich beginne das Gespr\u00e4ch in einem sich (meiner Meinung nach) stetig verbessernden Katalanisch, werde b\u00f6se angeguckt und dann auf Spanisch abgefertigt. Ein Verk\u00e4ufer knurrt mich sogar auf Englisch an. Da begreife ich: Ich habe als Deutscher gar kein Recht, Katalanisch zu sprechen. Dieses Recht kommt allein den geb\u00fcrtigen Katalaninnen und Katalanen zu. Sprache ist hier exklusiver Besitz des Vaterlands, und keine fremde Zunge hat sie zu verunreinigen und zu verunzieren. Wer sie unberufen spricht, der stiehlt.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">4.<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich mache einen kleinen Spaziergang zum Meer, durch das ehemalige Fischerviertel Barceloneta am Nordrand des gro\u00dfen Hafenbeckens. Hier gab es fr\u00fcher gro\u00dfe Webereien und Textilfabriken, hier hatte die anarchosyndikalistische Massengewerkschaft Confederaci\u00f3n Nacional del Trabajo (CNT) [\u0082Nationale Konf\u00f6deration der Arbeit&#8216;] eine ihrer kampfst\u00e4rksten Bastionen. Wer von der Hauptstra\u00dfe an der alten Mole beim Museum f\u00fcr katalanische Geschichte abbiegt, kann noch Reste aus dieser Zeit erkennen: verlassene, zu Werkst\u00e4tten oder alternativen Kulturzentren umfunktionierte Werkshallen, gedrungene, bucklige D\u00e4cher, schmale Gassen und lange, wettergegerbte Ziegelmauern. Pl\u00f6tzlich, nach einer Kehre, stehe ich vor einem Graffito. Meterhoch hat jemand auf Katalanisch mit dickem Pinsel und wei\u00dfer Farbe an die Wand geschrieben: &#8222;Andalusier sind schlimmer als Juden!&#8220;. R\u00fcde werde ich aus meinen proletarischen Tr\u00e4umen gerissen. Tats\u00e4chlich kann ich sie kaum noch z\u00e4hlen, all die Katalaninnen und Katalanen, die mir freundlich weismachen wollen, sie h\u00e4tten nichts gegen Fremde, Franco jedoch h\u00e4tte die Andalusier als Kriegswaffe gegen ihre Nation eingesetzt. Er h\u00e4tte die Massenmigration aus dem verarmten S\u00fcden in den industrialisierten Norden systematisch gef\u00f6rdert, um die nationale Identit\u00e4t Kataloniens zu verw\u00e4ssern: eine Art binnenl\u00e4ndischer Kolonialismus. Deswegen sei man nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht rassistisch, aber mit diesen Andalusiern&#8230;nun ja. Solchem Gerede liegen zwei sich bedingende Annahmen zu Grunde: Zum einen die \u00dcberzeugung, dass nur Katalaninnen und Katalanen nat\u00fcrliche Tr\u00e4gerinnen und Tr\u00e4ger katalanischer Kultur sein k\u00f6nnen. Und zum anderen, dass diese Katalaninnen und Katalanen eine Art Volksk\u00f6rper bilden, der sich gegen Verseuchungen und Sch\u00e4digungen durch fremde \u0082Menschen-Keime&#8216; zu sch\u00fctzen habe. Wie diese ungehobelten Andalusier zum Beispiel, oder heutzutage eben Gefl\u00fcchtete aus nicht-europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Die CNT besetzte \u00fcbrigens w\u00e4hrend der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in Barcelona systematisch wichtige Leitungsfunktionen mit Arbeitsmigranten aus Andalusien, um der schon damals grassierenden Feindseligkeit (auch) in der Arbeiterschaft entgegenzuwirken. Da dachte noch niemand an Franco. &#8222;Wie kommt es eigentlich, dass der katalanische Nationalismus in weiten Teilen der Welt noch immer als \u0082links&#8216; wahrgenommen wird?&#8220;, frage ich verbittert die Wand und schreite hastig weiter zum Meer, um das h\u00e4ssliche Gef\u00fchl abzuwaschen, das sich unaufhaltsam in mir breit macht.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">5.<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin auf dem Weg einen der gro\u00dfen Boulevards hinauf, zu einem anarchistischen Infoladen. Als eine erkennbar linksalternativ angehauchte junge Dame mir von der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite ein: &#8222;\u00a1Hola guapo!&#8220; [&#8222;Hallo, H\u00fcbscher!&#8220;] her\u00fcberruft, werde ich rot. So wenig verstehe ich zu dieser Zeit von den Gepflogenheiten des Landes. \u0082Mal ganz davon abgesehen, dass ich nicht h\u00fcbsch bin. Als ich ankomme, ist der Laden geschlossen. In der Glast\u00fcr h\u00e4ngt ein kleines, schwarz-wei\u00dfes Plakat: Links ein besonders absto\u00dfendes Foto des ehemaligen Diktators Francisco Franco, mit riesiger Milit\u00e4rm\u00fctze und umgeben von Waffenbr\u00fcdern in protzigen Uniformen. Dann in der Mitte ein Gleichheitszeichen. Und dann rechts ein Foto des aktuellen K\u00f6nigs von Spanien, Juan Carlos de Borb\u00f3n y Borb\u00f3n, ebenfalls in Uniform und mit riesiger M\u00fctze. Darunter steht: &#8222;Spanien bleibt ewig Spanien. F\u00fcr ein freies, linkes Katalonien!&#8220;. Ich bin ein wenig verwundert: War es nicht Juan Carlos, der in Katalonien eine bis dahin nie gekannte Begeisterung f\u00fcr die spanische Monarchie ausl\u00f6ste, als er, kaum zwei Jahre nach Francos Tod, den gro\u00dfen alten Mann der Generalitat, Herrn Tarandellas, vor laufenden Kameras auf Katalanisch begr\u00fc\u00dfte? Der sp\u00e4ter sogar einen Teil seiner Rede auf Katalanisch hielt, die katalanische Kultur w\u00fcrdigte und ein baldiges Ende der kulturalistischen Repression versprach? Und der dieses Versprechen auch hielt? Juan Carlos, das repr\u00e4sentative Oberhaupt eines Staates, der in seiner Verfassung von 1978 den Regionen mehr Autonomierechte zubilligte als irgendwo sonst in Europa? All dies tut nichts zur Sache: Wer sich in Barcelona in linken, gar linksradikalen Kreisen bewegt, muss sich bewusst machen, dass Anarchismus und Nationalismus hier kein Widerspruch sein m\u00fcssen. Als am 3. Oktober 2017 schwarze und schwarz-rote Fahnen en masse neben katalanischen durch die Stra\u00dfen wehen [siehe Titelfoto GWR 423], bin ich nicht \u00fcberrascht. Katalanische Genossinnen und Genossen haben dem National-Anarchismus schon vor langer Zeit in Barcelona eine feste Burg gebaut. Selbst ein katalanischer Nationalstaat erscheint vielen nicht als grunds\u00e4tzlich ablehnenswert.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">6.<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hoch geht es her an diesem Abend am Passeig de Pujades. Mit der R\u00fcckseite zu den Museen f\u00fcr Zoologie und Geologie ist eine B\u00fchne aufgebaut, und eine Reihe von Bands heizt vor Tausenden von jungen Zuschauerinnen und Zuschauern gewaltig ein. Wobei, was hei\u00dft da &#8222;jung&#8220;? Zu diesem Zeitpunkt bin ich nur unwesentlich \u00e4lter als all die Jungs und M\u00e4dels, die sich im Takt wiegen, sich die Haare aus dem Gesicht streichen und manchmal sogar mitsingen. Ich bin unter meinesgleichen. Glaube ich zumindest. Denn es verwundert mich schon ein bisschen, wie viele Bands nach einem besonders gelungenen Song ein lautes &#8222;Visca Catalunya!&#8220; [\u0082Es lebe Katalonien&#8216;] von der B\u00fchne herabschmettern, und das Publikum antwortet donnernd mit den gleichen Worten. Einige erheben dazu sogar die linke Faust. Dann, es ist sp\u00e4t geworden und der Mond steht \u00fcber der Stadt, der Headliner steuert dem musikalischen H\u00f6hepunkt des Abends zu, beginnt auf einmal jemand in einer Pause &#8222;Els Segadors&#8220; [\u0082Die Schnitter&#8216;] zu singen, die Nationalhymne Kataloniens. Die Stimme kommt aus dem Publikum, nicht von der B\u00fchne. In k\u00fcrzester Zeit fallen erst hunderte, dann tausende von weiteren Stimmen ein. Am Ende singt, so scheint es mir, beinah der ganze Platz. Neben der niederl\u00e4ndischen hat &#8222;Els Segadors&#8220; die vielleicht sch\u00f6nste Melodie aller g\u00e4ngigen Nationalhymnen. Die Linie ist weich und weit, mit unerwarteten Wendung, und meilenweit entfernt vom hackenschlagenden milit\u00e4rischen Rattern der &#8222;Marcha Real&#8220; [\u0082K\u00f6nigsmarsch&#8216;], der spanischen Nationalhymne, die es in all den Jahren noch nicht einmal zu einem Text gebracht hat. F\u00fcr weite Teile der katalanischen Jugend ist ein eigener katalanischer Nationalstaat ein Traum, zumindest eine Hoffnung: auf bessere Chancen im Leben, auf gr\u00f6\u00dfere politische und soziale Gerechtigkeit, auf stabile Identit\u00e4ten, auf Zugeh\u00f6rigkeit und Solidarit\u00e4t. Angefeindet und angefaucht vom nicht minder aggressiven und engstirnigen zentralspanischen Nationalismus werden sich viele von ihnen in den Folgejahren in den Strudel der sich immer w\u00fctender steigernden nationalistischen Agitation ziehen lassen. Oder sie werden sie selber tatkr\u00e4ftig voranbringen. Nach der Finanzkrise von 2008\/2009 wird Spanien eine Jugendarbeitslosigkeit von 53% haben. Tausende werden ihre Heimat auf der Suche nach Arbeit verlassen. W\u00e4re es da nicht doch den Versuch wert, einen anderen gesellschaftlichen Entwurf in Katalonien umzusetzen? Es sind gute Zeiten f\u00fcr nationalistische Rattenf\u00e4nger, gewiss, aber das Konzept der Nation als best\u00e4ndig aktualisiertes Versprechen haben auch sie nicht erfunden. Es wird eben diese Jugend sein, die sich am 3. Oktober 2017 hinter dem deutlich irritierten Regierungschef Carles Puigdemont auf dem Balkon der Generalitat dr\u00e4ngeln und wiederum aus voller Kehle &#8222;Els Segadors&#8220; singen wird. Und einige werden dazu wieder die linke Faust erheben.<\/p>\n<h5 class=\"western\" style=\"text-align: justify;\">Katalanischer Nationalismus<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Nationalismus in Katalonien ist ein anschauliches Beispiel daf\u00fcr, dass sich das Konzept der Nation nicht beliebig umdeuten oder mit emanzipatorischem Inhalt f\u00fcllen l\u00e4sst. Es tr\u00e4gt ein repressives, diskursives Erbe mit sich, und strukturelle Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten sind ihm eingeschrieben, die sich in allen bisher bekannten Beispielen nationaler Agitation, Losl\u00f6sung und Staatengr\u00fcndung dominant manifestiert haben. In Zeiten, in denen Nationalstaaten Hoheitsrechte \u00fcber ihr Territorium an Club Robinson und internationale Konzerne verkaufen, in denen ganze Bev\u00f6lkerungsgruppen auf dem Marsch sind, sei es freiwillig, sei es erzwungenerma\u00dfen, und transnationale Communities viel eher zeitgen\u00f6ssische Formen des Sozialen repr\u00e4sentieren als als homogen vorgestellte \u0082Nationenv\u00f6lker&#8216;, erscheinen die Konzepte der Nation und des Nationalstaats als nicht l\u00e4nger zeitgem\u00e4\u00df. Die Rolle des l\u00fcgenhaften Selbstlobs einer immer undemokratischer und neoliberaler agierenden Europ\u00e4ischen Union beim Wiedererstarken des Nationalismus auf dem Kontinent kann hier nicht diskutiert werden. Nationalismus jedoch sollte heutzutage nicht einmal mehr eine Hoffnung f\u00fcr die Hoffnungslosen sein.<!-- #EndEditable --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sommer 2002: Ich bin zum ersten Mal allein und f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in Barcelona. An einem Zeitungskiosk im Barri Gotic, dem &#8222;gotischen Viertel&#8220; der Altstadt, lasse ich mir die spanische und katalanische Presselandschaft skizzieren. Die ergraute, faltenreiche Verk\u00e4uferin nimmt sich r\u00fchrend viel Zeit f\u00fcr den Neuank\u00f6mmling: Eine Zeitung nach der anderen nimmt sie vom &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/12\/mein-katalonien\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":504,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Mein Katalonien - graswurzelrevolution","description":"1. 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