{"id":17397,"date":"2017-12-01T00:00:00","date_gmt":"2017-11-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/12\/so-macht-kapitalismus-spass\/"},"modified":"2022-01-25T17:25:08","modified_gmt":"2022-01-25T15:25:08","slug":"so-macht-kapitalismus-spass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2017\/12\/so-macht-kapitalismus-spass\/","title":{"rendered":"So macht Kapitalismus Spa\u00df"},"content":{"rendered":"<p>Die Wirtschaftsdaten des Konzerns weisen, laut einem Artikel der genossenschaftlichen Athener Tageszeitung Efimer\u00edda ton Syntakt\u00f3n vom 4.11.2017, f\u00fcr die ersten neun Monate des Jahres einen Umsatz von ca. 180 Millionen Euro f\u00fcr die erst im April 2017 \u00fcbernommenen Flugh\u00e4fen aus. In den ersten sechs Monaten seit der Privatisierung brachten die Flugh\u00e4fen der Fraport einen Gewinn von 108 Millionen Euro, was ungef\u00e4hr ein Achtel des Gesamtgewinns des Konzerns von 808 Millionen Euro darstellt.<\/p>\n<p>Der Gesamtumsatz der von Fraport betriebenen Flugh\u00e4fen wird sich laut Aussage von Fraport-Chef Stefan Schulte in diesem Jahr auf ca. 2,9 Milliarden Euro belaufen.<\/p>\n<p>&#8222;Wut und intensive politische Fragestellungen rufen die Riesengewinne der Fraport hervor&#8220;, betont die Vereinigung der Luftfahrtsangestellten (OSYPA), die sich vehement gegen die Privatisierung der gewinntr\u00e4chtigen Flugh\u00e4fen gewehrt hatte. In ihrer Erkl\u00e4rung unterstreicht OSYPA, dass die Profite eingefahren wurden, &#8222;ohne dass Fraport mit der Aufwertung der Flugh\u00e4fen auch nur begonnen hat&#8220;.<\/p>\n<p>Der umstrittene Deal war Ende 2014 von der damaligen N\u00e9a Dimokrat\u00eda-Pasok-Regierung eingef\u00e4delt und trotz gegenteiliger Ank\u00fcndigungen von der jetzigen Syriza-Anel-Regierung 2016 unterschrieben worden. In dem Vertragswerk wird Fraport von den ma\u00dfgeblichen Steuerzahlungen in Griechenland befreit. Dar\u00fcber hinaus verpflichtet sich der griechische Staat, den Konzern bei etwaigen Streiks und Arbeitsk\u00e4mpfen des Flughafenpersonals f\u00fcr entgangene Gewinne zu entsch\u00e4digen. Bei zuk\u00fcnftigen t\u00f6dlichen Arbeitsunf\u00e4llen auf den Flugh\u00e4fen sollen die Angeh\u00f6rigen der Get\u00f6teten nicht etwa von Fraport, sondern ebenfalls vom griechischen Staat entsch\u00e4digt werden.<\/p>\n<h5 class=\"western\">Schluss mit lustig &#8211; Polytechnikumsbesetzung 2017<\/h5>\n<p>Am 15. November 1973 besetzten aufst\u00e4ndische Student*innen und Arbeiter*innen das Polytechnikum in Athen und riefen die Bev\u00f6lkerung \u00fcber einen Piratensender zum Widerstand gegen die Obristendiktatur auf. In der Nacht des 17. November st\u00fcrmte die Armee mit Panzern das besetzte Universit\u00e4tsgel\u00e4nde und ermordete viele Besetzer*innen. Im Sommer 1974 st\u00fcrzte die Junta. Die seither stattfindenden j\u00e4hrlichen Gedenkfeierlichkeiten vom 15. bis 17. November sind bis heute politisch umk\u00e4mpftes Terrain. Wir dokumentieren hier die Erkl\u00e4rung der anarchistischen Besetzer*innen von 2017:<\/p>\n<p>&#8222;Die Erinnerung betrachtet den Terror und die Heuchelei der Herrschenden mit Wut. Die Knochen der Toten ertragen es nicht unter Blumen begraben zu werden, die noch am selben Abend verfaulen. Sie warten auf die Umarmung neuer Aufst\u00e4ndischer, die sie zu neuem Leben erwecken.<\/p>\n<p>Heute, am 15. November 2017 haben wir das Polytechnikum besetzt um die Revolte, die an vielen Orten der Erde erneut heranw\u00e4chst, auf die Tagesordnung zu setzen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr finden sich an jedem einzelnen Punkt der uns durch Staat und Kapital aufgezwungenen Harmonie und ihres Friedens. (&#8230;) Es ist die Armut, die zur Regel wird, damit ihr Ausbeutungssystem weiterbestehen kann. Es ist die polizeiliche Besatzungsarmee und ihr chemischer Krieg, es sind ihre automatischen Waffen und ihre gepanzerten Jeeps. Es sind die Entf\u00fchrungen, ihr Terror und die Verh\u00f6re, die sie vorl\u00e4ufige Festnahmen nennen. Es sind die Kn\u00e4ste ihrer Bestrafungsmaschinerie (&#8230;). Es sind die Barrieren im \u00f6ffentlichen Nahverkehr, die elektronische Kontrolle \u00fcberall. Es ist das Exil der Flucht, die Verbannung der Sammellager, die Verbannung der Abschiebungen. Es sind die Folterungen, die gebrochenen Beine und Arme, es sind die Toten und die K\u00e4lte und die Krankheiten in den Polizeiwachen. Es sind die Folterungen der Fremdenpolizei in der P\u00e9trou-R\u00e1lli-Stra\u00dfe und im Hotspot M\u00f3ria. Es ist die Treibjagd auf die gefangenen K\u00e4mpfer*innen, die Antiterrorgesetze, die Verurteilungen zu Jahrzehnten Knast, die politisch gef\u00f6rderte DNA-Alchimie (&#8230;).<\/p>\n<p>Es ist die Mode, die empfiehlt unsere K\u00f6rper nach den Ma\u00dfen der Konzerne auszurichten, es ist die Zwangsprostitution, die t\u00e4gliche legalisierte Vergewaltigung und die Aburteilung von Gegengewalt zur Verteidigung.<\/p>\n<p>Diese Besetzung, so wie jede Konfrontation mit dem Regime, zerrt den herrschenden Krieg ans Tageslicht. Sie versuchen mit allen Mitteln die gesellschaftliche Realit\u00e4t derjenigen zu verstecken, die vernichtet werden sollen weil sie sich wehren, die vernichtet werden sollen, weil schon ihre Existenz f\u00fcr illegal erkl\u00e4rt wird. Wir akzeptieren es nicht unsichtbar zu leben. Wir akzeptieren es nicht, unser Sein und unser \u00dcberleben zu verhandeln. Wir akzeptieren dieses b\u00fcrgerliche Theater nicht, sind jedoch Teil des Krieges, den Staat und Kapital uns erkl\u00e4rt haben &#8211; mit unseren Grunds\u00e4tzen, ohne Hegemon, in direkter Aktion.<\/p>\n<p>Sie haben eine unter der glatten Oberfl\u00e4che versteckte H\u00f6lle erschaffen, die wir nun ans Tageslicht bef\u00f6rdern werden, damit endlich alle Stellung beziehen m\u00fcssen. Schluss mit der bequemen Unentschlossenheit, Schluss mit dem Vertagen auf morgen. Wieviel Tod, wieviel Wegsperren braucht eine Gesellschaft, um sich ihr absolutes Scheitern in Bezug auf die Freiheit einzugestehen (&#8230;)?<\/p>\n<p>Von historischer Bedeutung zur Vergegenw\u00e4rtigung ist die Rolle der Linken (&#8230;).<\/p>\n<p>In ihrem Glauben an den Staat als Werkzeug im Kampf, schl\u00e4gt die Linke immer im allerletzten Moment, kurz vor dessen Zusammenbruch und der Zuspitzung des Kampfes, Br\u00fccken zum System.<\/p>\n<p>Wenn sie es dann nach oben geschafft hat, das erw\u00fcnschte St\u00fcck Macht errungen und ihr die Legalisierung angeboten ist, wird sie zu Fleisch und Blut des selben alten Regimes, das sie bisher bek\u00e4mpft hatte. Sie bezeichnen den b\u00fcrgerlichen Frieden als Errungenschaft dieses Kampfes. Setzen wir also keine falschen Hoffnungen in die linken M\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Speziell beim Gedenken an den Polytechnikums-Aufstand hat die Linke auf dem R\u00fccken der Toten ihre Festungen erbaut und die Revolte selbst viele Male den Kr\u00e4ften des Regimes ausgeliefert (&#8230;).<\/p>\n<p>Immer dann, wenn der Zusammensto\u00df mit den Repressionskr\u00e4ften unausweichlich war, um verlorenen Boden gutzumachen, hat die Linke den R\u00fcckzug im Namen der fehlenden gesellschaftlichen Legitimit\u00e4t gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Erst recht die KKE, die in vielen F\u00e4llen brutale Gewalt gebrauchte, um Revolten niederzuschlagen. Die ganze b\u00fcrgerliche Klassengesellschaft und speziell die rechtsradikalen Parteien haben ihr ihre Bewunderung und Dankbarkeit f\u00fcr diesen ausgezeichneten Dienst als W\u00e4chter des Regimes ausgedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Die KKE, die seit Jahrzehnten die Geschichte des Aufstands des Polytechnikums verschachert, gl\u00e4nzte w\u00e4hrend der Revolte im November 1973 mit Abwesenheit. Sie bezeichnete die Besetzer*innen des Polytechnikums als Provokateure, sogar noch die Toten, deren Tod sie seitdem ordin\u00e4r versucht f\u00fcr sich zu monopolisieren. (&#8230;)<\/p>\n<p>Die KKE, deren Leichenfledderei nicht einmal die Widerstandsk\u00e4mpfer in Frieden ruhen l\u00e4sst, die sie selbst entwaffnete.<\/p>\n<p>Aus all diesen Gr\u00fcnden haben wir uns entschlossen dem Verschachern des Aufstands ein Ende zu setzen und das Fest der Parteien unm\u00f6glich zu machen. Wir werden ein Verfahren verhindern, dass es Ministern, Ministerpr\u00e4sidenten und anderen erm\u00f6glicht, abgeschirmt hinter den schwerbewaffneten Faschisten der griechischen Polizei, Gedenkkr\u00e4nze niederzulegen. Menschen einer Regierung, die, nachdem sie gro\u00dfe Teile verschiedener Bewegungen methodisch aufgesaugt und entwaffnet hat, vergeblich versucht die Gemeinschaften der Revoltierenden zu zerschlagen.<\/p>\n<p>Die Forderung bleibt die gleiche. Aufstand hier und jetzt. Nieder mit der Macht.&#8220; (&#8230;)<b><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wirtschaftsdaten des Konzerns weisen, laut einem Artikel der genossenschaftlichen Athener Tageszeitung Efimer\u00edda ton Syntakt\u00f3n vom 4.11.2017, f\u00fcr die ersten neun Monate des Jahres einen Umsatz von ca. 180 Millionen Euro f\u00fcr die erst im April 2017 \u00fcbernommenen Flugh\u00e4fen aus. 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