{"id":17460,"date":"2018-02-01T00:00:00","date_gmt":"2018-01-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/02\/were-not-gonna-let-them-win\/"},"modified":"2018-10-05T16:38:38","modified_gmt":"2018-10-05T14:38:38","slug":"were-not-gonna-let-them-win","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/02\/were-not-gonna-let-them-win\/","title":{"rendered":"We&#8217;re not gonna let them win"},"content":{"rendered":"<p>Auch die Donots, das Musikerkollektiv Typhoon und der New Yorker Jeff Rosenstock haben neue Alben ver\u00f6ffentlicht. Zwei davon sind Empfehlungen, eines ein &#8222;sch\u00f6nes&#8220; Beispiel f\u00fcr beliebige Kulturindustrieproduktionen.<\/p>\n<p>Die Donots sind eine ganz besondere Punkband. Sie haben n\u00e4mlich den Karriereteil, in dem man sich auflehnt, sich mit allen anlegt, Schei\u00dfe redet und produziert, eben &#8222;Punk&#8220; ist, von Anfang an \u00fcbersprungen. Vom ersten Ton an, den sie im Jahr 1996 ver\u00f6ffentlicht haben, haben sie sich hemmungslos dem Mainstream angebiedert. Diese Band hat in ihrer gesamten Karriere nichts gemacht, was irgendwie etwas mit Punk zu tun hat, aber keine Gelegenheit ausgelassen, die Pseudo-Attit\u00fcde zu pflegen und sich mit der eigenen sterilen Glattheit in den Vordergrund zu dr\u00e4ngen &#8211; das ist gewisserma\u00dfen eine Anti-Punkband und seit ihrer Solidarit\u00e4tsbekundung mit dem Reichsb\u00fcrger Xavier Naidoo ohnehin unm\u00f6glich. Auf dem neuen Album Lauter als Bomben wie immer das \u00dcbliche: routinierte Poppunksongs ohne Idee oder Originalit\u00e4t, aber mit allem, was auf Festivals mitgegr\u00f6hlt werden kann. Die Donots sind eine so unglaublich durchschnittliche Band und ihr neues Album selbst f\u00fcr ihre Verh\u00e4ltnisse so unglaublich durchschnittlich, dass es eigentlich hierzulande ein sicherer Chartbreaker sein d\u00fcrfte. Highlights? Keine. Wirkliche Tiefpunkte aber auch nicht. Warum man sich \u00fcber diese Band nicht einmal aufregen oder \u00e4rgern kann, erkl\u00e4ren sie in &#8222;Gegenwindsurfen&#8220; selbst: &#8222;Weil Langeweile langsam langweilig wird.&#8220;<\/p>\n<p>Auf ein ganz anderes Niveau und in ganz andere Sph\u00e4ren begibt sich, wer sich mit der Band Typhoon und ihrem neuen Album Offerings besch\u00e4ftigt. In immer h\u00fcbsch d\u00fcsteren Kompositionen und manchem lyrischen \u00dcberschlag lassen die Musiker des Art-Pop-Kollektivs ihrer Musik Zeit und Raum, sich zu entwickeln. Und obwohl etwa ein Song wie &#8222;Empiricist&#8220; \u00fcber acht Minuten lang ist, schwerm\u00fctigen, d\u00fcsteren Poprock auftischt und sich nie richtig entscheiden kann, wohin mit sich, sind diese Lieder immer aufregend und interessant. Offerings erz\u00e4hlt dabei in 14 Tracks die Geschichte eines Mannes, der nach und nach das Ged\u00e4chtnis verliert und dabei gegen das eigene Verschwinden k\u00e4mpft. Ein einigerma\u00dfen repr\u00e4sentativer Anspieltipp ist das vertrackte &#8222;Unusual&#8220;, das sich in \u00fcber sechs Minuten mehrmals neu erfindet, nur um am Ende auf der Strecke zu bleiben. Aber auch straightere, fast indie-folkige Songs wie &#8222;Remember&#8220; oder das sogar eing\u00e4ngige &#8222;Ariadne&#8220; sind schwer zu empfehlen, und an dem epischen Closer &#8222;Sleep&#8220; (ganz durchh\u00f6ren!) kommt man ohnehin nicht vorbei. Man wird sich auf dieses Album einlassen m\u00fcssen, Musik zum &#8222;Beim Joggen h\u00f6ren&#8220; ist das sicher nicht. Kunst, wie sie Typhoon machen, braucht Zeit und Mu\u00dfe &#8211; dass es so etwas noch gibt!<\/p>\n<p>Lautere, schnellere, aber kaum minder erfreuliche T\u00f6ne finden sich indes auf Jeffs Rosenstocks neuem Streich Post-. Es ist schon erstaunlich, was aus verrosteten (oder bereits verrotteten) Genres wie Punk, Indie, Emo noch herauszuholen ist, wenn Experimente gewagt werden. &#8222;USA&#8220; ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr. Das Lied ist im Grunde drei Lieder in einem. Es startet als punkiger Indierocker, nimmt sich dann eine minutenlange vertr\u00e4umte Auszeit, bevor es sich langsam wieder aufmacht, die dr\u00f6ge Lethargie verl\u00e4sst und sich zu einem w\u00fctenden &#8222;Et tu, USA?&#8220; durchringt. F\u00fcr alle, die ernsthaft glauben, etwas wie Punk k\u00f6nnte jemals sterben, demonstriert Rosenstock noch einmal, dass auch noch das ausgelaugteste Genre noch die sch\u00f6nsten Bl\u00fcten treiben kann, wenn sich Songwriter wie er der Sache annehmen. Highlights gibt es genug, etwa die knackigen und eing\u00e4ngigen Hymnen &#8222;Yr Throat&#8220;, &#8222;All This Useless Energy&#8220; oder das sehr sch\u00f6n Ramones-lastige &#8222;Beating My Head Against A Wall&#8220;.<\/p>\n<p>Auch politisch hat Post- einiges zu sagen, angesichts Trumpismus und sich entsolidarisierender Gesellschaften, ist jedenfalls eines f\u00fcr Rosenstock klar: &#8222;We&#8217;re not gonna let them win \/ Fuck no.&#8220;<\/p>\n<p>Das Album ist unter\u00a0<a href=\"https:\/\/jeffrosenstock.bandcamp.com\/\">https:\/\/jeffrosenstock.bandcamp.com<\/a>\u00a0gegen Spende bzw. zum Wunschpreis erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p><b>Nicolai Hagedorn<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch die Donots, das Musikerkollektiv Typhoon und der New Yorker Jeff Rosenstock haben neue Alben ver\u00f6ffentlicht. Zwei davon sind Empfehlungen, eines ein &#8222;sch\u00f6nes&#8220; Beispiel f\u00fcr beliebige Kulturindustrieproduktionen. 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