{"id":17476,"date":"2018-03-01T00:00:00","date_gmt":"2018-02-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/03\/syrien-2011-die-freien-frauen-darayyas\/"},"modified":"2022-01-28T13:04:40","modified_gmt":"2022-01-28T11:04:40","slug":"syrien-2011-die-freien-frauen-darayyas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/03\/syrien-2011-die-freien-frauen-darayyas\/","title":{"rendered":"Syrien 2011: Die freien Frauen Darayyas"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Darayya ist ein Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus <a href=\"#u1\">((1))<\/a>, in dem bekannte Friedensaktivisten wie Ghiyath <a href=\"#u2\">((2))<\/a>, Matar und Yahya <a href=\"#u3\">((3))<\/a> Shurbaji geboren wurden. Die Stadt ist zum Symbol der gewaltfreien Bewegung in Syrien geworden. Teil dieser zivilen Graswurzelbewegung war eine Frauengruppe mit dem Namen Die freien Frauen Darayyas, die seit Beginn des Aufstands im Fr\u00fchjahr 2011 an zahlreichen Protestaktionen und Initiativen ma\u00dfgeblich beteiligt war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Vor dem Aufstand haben wir uns nicht gekannt&#8220;, sagte eine dieser Frauen in einem Interview mit der oppositionellen Website Syria Untold (Was aus Syrien nicht berichtet wird). &#8222;Doch die Demonstrationen, bei denen so viele auf die Stra\u00dfe gingen, um Freiheit und Gerechtigkeit zu fordern, brachten uns zusammen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichwohl war ein Teil dieser Gruppe, die eine Schl\u00fcsselrolle im Anfangsstadium des Aufstands spielte, bereits an zivilen Initiativen vor 2011 beteiligt. Im Jahre 2003 waren M\u00e4nner und Frauen aus Darayya in zahlreichen Kampagnen aktiv, zum Beispiel bei B\u00fcrgerkomitees gegen die Stadtverschmutzung oder Demonstrationen gegen die US-Invasion des Irak. Sie trugen zur Gr\u00fcndung dessen bei, was dann Jahre sp\u00e4ter im Kontext der arabischen Aufst\u00e4nde als &#8222;zivile Bewegung Syriens&#8220; bekannt werden sollte. Bereits in dieser vorrevolution\u00e4ren Zeit wurde diese Bewegung vom Regime als Bedrohung betrachtet, weshalb schon damals einige AktivistInnen verhaftet worden waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Aktion, die dieser Frauengruppe eine besondere Hochachtung innerhalb der zivilen Bewegung verlieh, fand im April 2011 statt und war ein Sit-in mit der Forderung nach Freilassung von Kriegsdienstverweigerern. W\u00e4hrend dieser Phase erh\u00f6hte das Regime die Repression gegen gewaltfreie DemonstrantInnen, indem es in die Menge schoss, Verhaftungen vornahm und Hunderte von AktivistInnen in den Gef\u00e4ngnissen folterte. Auch Die freien Frauen Darayyas wurden zur Zielscheibe des Regimes in dieser ersten Phase des Widerstands und alsbald wurde auf sie bei ihren Aktionen geschossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Versuche, die Gruppe zum Schweigen zu bringen, konnten nicht verhindern, dass weitere Aktionsinitiativen von ihr ausgingen. Zum Beispiel gro\u00dfe Massendemonstrationen an den Freitagen, die als &#8222;Gro\u00dfer Freitag&#8220; bekannt wurden, gefolgt vom &#8222;Schwarzen Sonntag&#8220;, der als Tag in Erinnerung blieb, an dem Hunderte Protestierende vom Regime umgebracht und gefangen genommen wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Lage auf den Stra\u00dfen zunehmend gef\u00e4hrlicher wurde und dies viele Risiken f\u00fcr AktivistInnen nach sich zog, begann die Gruppe damit, Versammlungen zu organisieren, auf denen Aktionsstrategien geplant wurden. Dabei konzentrierte man sich auf Aspekte der Kommunikation untereinander und bot Workshops f\u00fcr Frauen an, die Ver\u00e4nderungen in ihrem Land forderten und vorantreiben wollten. Diese Workshops zogen wieder andere an, die sich nicht auf die Demonstrationen wagten, aber ihre eigenen Wege finden wollten, um der Bewegung zu helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Versammlungen f\u00fchrten zu einer gewissen Professionalisierung der Arbeit der Frauengruppe. Es wurden Aufgaben verteilt, wie etwa Kommunikation und \u00d6ffentlichkeitsarbeit, eine Abteilung f\u00fcr die Fotodokumentation der Ereignisse, eine Arbeitsgruppe f\u00fcr humanit\u00e4re und psychologische Betreuung sowie die Dokumentation der Gruppenaktivit\u00e4ten auf der guppeneigenen Website.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als das Regime den Druck auf die Stadt Darayya erh\u00f6hte, auch bekannte gewaltfreie Aktivisten wie Ghiyath Matar festnahm und einen Belagerungsring um die Stadt zog, um den Widerstand zum Schweigen zu bringen, setzten Die freien Frauen Daryyas ihre Arbeit fort. In der Weihnachtszeit dekorierten sie einen Baum mit den Namen der Gefangenen in syrischen Gef\u00e4ngnissen. Sie sammelten au\u00dferdem Briefe von Angeh\u00f6rigen der Gefangenen, um sie auf einem gro\u00dfen Stra\u00dfentransparent zu befestigen. Sie beteiligten sich an vielen weiteren Aktionen auf Graswurzelebene, sie organisierten humanit\u00e4re Hilfe und ver\u00f6ffentlichten die lokale Zeitung Enab Beladi <a href=\"#u4\">((4))<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gruppe lud au\u00dferdem Frauen aus anderen St\u00e4dten ein, wie zum Beispiel aus Saidnaya, sich zu solidarisieren und gemeinsam gegen die Versuche des Regimes vorzugehen, die syrische Bev\u00f6lkerung zu spalten und das Sektierertum innerhalb ihrer vielf\u00e4ltigen und kulturell reichhaltigen Gesellschaft zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Darayya ab dem November 2012 belagert wurde <a href=\"#u5\">((5))<\/a>, waren die meisten Frauen dazu gezwungen, die Stadt zu verlassen. Viele kamen nach Monaten zur\u00fcck, um ihre Stadt verw\u00fcstet und ihre BewohnerInnen massakriert vorzufinden. Doch auch dies verhinderte nicht, dass sie ihre Arbeit wieder aufnahmen und dabei ihren Schwerpunkt auf die vielen Menschen legten, die Nahrungsmittel und medizinische Betreuung ben\u00f6tigten, w\u00e4hrend andere Mitglieder der Gruppe in Haft sa\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute [2013] sind die meisten dieser Frauen entweder im Gef\u00e4ngnis oder waren dazu gezwungen, aus dem Land zu fliehen. Trotzdem arbeiten sie weiter f\u00fcr Frauenrechte, sei es in \u00c4gypten oder in den Gef\u00e4ngnissen des syrischen Regimes &#8211; und warten auf den Zeitpunkt, an dem sie nach Darayya zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen, der Stadt, welche die Tyrannei mit den Mitteln der gewaltfreien Aktion bek\u00e4mpfte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darayya ist ein Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus ((1)), in dem bekannte Friedensaktivisten wie Ghiyath ((2)), Matar und Yahya ((3)) Shurbaji geboren wurden. Die Stadt ist zum Symbol der gewaltfreien Bewegung in Syrien geworden. 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