{"id":17482,"date":"2018-03-01T00:00:00","date_gmt":"2018-02-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/03\/im-jahrhundert-der-woelfe\/"},"modified":"2022-01-28T12:01:53","modified_gmt":"2022-01-28T10:01:53","slug":"im-jahrhundert-der-woelfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/03\/im-jahrhundert-der-woelfe\/","title":{"rendered":"Im Jahrhundert der W\u00f6lfe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Erstmals legt der Berliner Autor Hans Christoph Buch mit seinem Bild-Text-Band &#8222;Pablo Neruda&#8220; ein literarisches Portrait vor, das Fotos, die nicht von ihm stammen, mit einf\u00fchlsamen Texten unterlegt, wobei die Bilder f\u00fcr sich selber sprechen. Er erinnert an den gro\u00dfen, ungemein belesenen und sch\u00f6pferischen Dichter und Nobelpreistr\u00e4ger Pablo Neruda, der 1904 in Chile als Sohn eines Lokomotivf\u00fchrers mit dem Namen Neftali Reyes Basoalto geboren wurde. Neruda wurden sp\u00e4ter sein Pseudonym. Entscheidende Impulse verdankt Neruda seinem Aufenthalt als junger Konsul in S\u00fcdasien (Birma und Sri Lanka), wohin ihn die chilenische Regierung geschickt hatte. Er besuchte Rangoon, Singapor, Ceylon und Batavia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hans Christoph Buch begab sich f\u00fcr seinen biographischen Essay auf Spurensuche nach Chile, getreu dem Goethe&#8217;schen Motto aus West\u00f6stlicher Diwan: &#8222;Wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Band macht eindrucksvoll deutlich: Pablo Neruda verlieh dem s\u00fcdamerikanischen Kontinent Stimme und Gewicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch sein Werk machte er auf ein bis dahin fast unbekanntes Universum weltweit aufmerksam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem schon von der Aufmachung her beeindruckenden Bildband verfolgt H.C. Buch die Lebensstationen des Dichters, in allen Facetten, kenntnisreich und akribisch. Er verweist auf den Einfluss der spanischen Barockdichtung und des franz\u00f6sischen Surrealismus, die metaphernreiche Gestaltungsweise bis hin zu seinem Sp\u00e4twerk, die Modernit\u00e4t und Qualit\u00e4t seines umfangreichen Werks.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es beinhaltet Geschichte, Politik und Utopie, die Vor- und Fr\u00fchgeschichte, Natur, Fauna und Flora des s\u00fcdamerikanischen Kontinents, den antikolonialen Befreiungskampf und den Spanischen B\u00fcrgerkrieg. Im Auftrag der chilenischen Regierung sollte Neruda \u00fcbrigens 1939 republikanische Spanier, die nach der Niederlage nach Frankreich gefl\u00fcchtet waren, aus Lagern und Bedrohung ins Asylland Chile bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gelang ihm tats\u00e4chlich, rund 3000 spanische Fl\u00fcchtlinge, darunter viele Schriftsteller und Intellektuelle, zu retten. Nerudas Texte enthalten auch zahlreiche, die F\u00fclle des Lebens feiernde Oden und Liebesgedichte. Buch unterschl\u00e4gt dabei nicht die dunkleren Seiten Nerudas, wenn er ihn in einer bestimmten Zeit auch als &#8222;Homer im Parteiauftrag&#8220; bezeichnet, der Stalin-Hymnen schrieb und sich der Partei in einer Zeit der Tyrannei andiente, die den einzelnen gedem\u00fctigt und erniedrigt hat, in diesem &#8222;Jahrhundert der W\u00f6lfe&#8220; (N. Mandelstam).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der litauisch-polnische Dichter und Nobelpreistr\u00e4ger Czeslaw Milosz schrieb dazu: &#8222;Mag der gro\u00dfe Dichter Lateinamerikas, Pablo Neruda, getrost f\u00fcr sein Volk k\u00e4mpfen. Es w\u00e4re aber schlimm um ihn bestellt, wenn er alle Stimmen, die ihn aus Mittel- und Osteuropa erreichen, f\u00fcr Manifestationen eines \u00fcberholten Nationalismus und f\u00fcr das Wehgeschrei einer grollenden Reaktion halten wollte. Augen, die gesehen haben, d\u00fcrfen sich nicht verschlie\u00dfen; H\u00e4nde, die ber\u00fchrt haben, d\u00fcrfen nicht vergessen, wenn sie zur Feder greifen.&#8220; (Aus: Verf\u00fchrtes Denken).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neruda singt ein Loblied auf die ohnm\u00e4chtige Macht der Poesie, wenn er zur Dichtkunst bemerkt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Der Dichter, der nur irrational ist, wird lediglich von seinem eigenen Ich und seiner Geliebten verstanden, das ist ziemlich trostlos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Dichter, der nur rational ist, wird sogar von den Eseln verstanden, und auch das ist reichlich trostlos. Gott und Teufel f\u00fchren in der Poesie einen unabl\u00e4ssigen Kampf, und die Schlacht gewinnt mal der eine, mal der andere &#8211; aber die Poesie selbst darf niemals unterliegen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor seinem Haus in Isla Negra, inzwischen ein Museum, liegt er begraben. Mit Meeresblick.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstmals legt der Berliner Autor Hans Christoph Buch mit seinem Bild-Text-Band &#8222;Pablo Neruda&#8220; ein literarisches Portrait vor, das Fotos, die nicht von ihm stammen, mit einf\u00fchlsamen Texten unterlegt, wobei die Bilder f\u00fcr sich selber sprechen. 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