{"id":17506,"date":"2018-04-01T00:00:00","date_gmt":"2018-03-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/04\/der-fall-der-moria35-auf-lesbos\/"},"modified":"2020-06-18T10:19:46","modified_gmt":"2020-06-18T08:19:46","slug":"der-fall-der-moria35-auf-lesbos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/04\/der-fall-der-moria35-auf-lesbos\/","title":{"rendered":"Der Fall der Moria35 auf Lesbos"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Situation f\u00fcr Gefl\u00fcchtete in Griechenland hat sich in den letzten Jahren generell gr\u00f6\u00dftenteils verschlechtert.Die Lebenssituation der Menschen in Griechenland ist gepr\u00e4gt von der menschenverachtenden Austerit\u00e4tspolitik der Europ\u00e4ischen Union. Nun sitzen nach der Militarisierung und gewaltsamen Schlie\u00dfung der Balkanroute 2016 zus\u00e4tzlich \u00fcber 60.000 Menschen in Griechenland fest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die auf Abschottung zielende Migrationspolitik der EU und der griechischen Syriza-Regierung kommt es zu einer zunehmenden Militarisierung und Repression gegen Gefl\u00fcchtete und Aktivist*innen. Mehrfach wurde das Asylrecht versch\u00e4rft, in den \u00fcberf\u00fcllten, griechischen Camps fehlt es meistens an medizinischer Grundversorgung, Versorgung mit Allt\u00e4glichem wie Nahrungsmitteln, sowie sanit\u00e4ren Anlagen. Viele Lager bestehen aus abgelegenen, ehemaligen Industriehallen oder Zeltst\u00e4dten, die in keinster Weise f\u00fcr den Winter ausgelegt sind. Hinzu kommt die gewaltvolle Behandlung durch Polizei, Milit\u00e4r und Securities. Viele Camps gleichen mittlerweile Gef\u00e4ngnissen. Besonders stechen die sogenannten \u201eHot-Spots\u201c auf den Inseln Chios, Lesbos und Samos heraus, die seit dem EU-T\u00fcrkei-Deal f\u00fcr Gefl\u00fcchtete zu einer Sackgasse geworden sind. So sitzen aktuell \u00fcber 15.000 Menschen auf den Inseln fest \u2013 allein \u00fcber 6.000 unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen im Camp Moria auf Lesbos, das f\u00fcr 1.500 Personen ausgelegt ist. Teilweise sind die Menschen seit \u00fcber zwei Jahren dort. Immer wieder protestieren die dort Inhaftierten u.a. mit Hungerstreiks gegen die Bedingungen in diesen \u201eoffenen Gef\u00e4ngnissen\u201c und f\u00fcr eine Weiterreise. Diese Proteste werden durch Polizei und Milit\u00e4r gr\u00f6\u00dftenteils gewaltsam beendet, die Beteiligten monatelang inhaftiert oder abgeschoben.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Der Fall der Moria35<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den zweiten Tag in Folge hatten Protestierende am 17. Juni 2017 vor dem \u201eEurop\u00e4ischen Unterst\u00fctzungsb\u00fcro f\u00fcr Asylanfragen\u201c im Camp Moria auf Lesbos einen friedlichen Sitzstreik abgehalten. Sie protestierten gegen die unmenschlichen Bedingungen im Camp und forderten Bewegungsfreiheit f\u00fcr diejenigen, die schon mehr als sechs Monate auf der Insel festgehalten wurden. Nach diesem Protest kam es zu Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen einigen Protestierenden und der griechischen Polizei. Einen Tag sp\u00e4ter, am 18. Juli 2017, st\u00fcrmte die Polizei einen Teil des Camps und verhaftete 35 Gefl\u00fcchtete. Bilder und Videos zeigen, wie brutal die Polizei dabei vorging und gefesselte Menschen mit St\u00f6cken und Stiefeln schlug. Viele der Verhafteten waren beim Protest am Tag vorher gar nicht anwesend, was darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass die 35 Menschen aufgrund ihrer Nationalit\u00e4t, ihres Aussehens und des Aufenthaltsortes im Camp w\u00e4hrend des Polizeieinsatzes verhaftet wurden \u2013 34 der 35 Verhafteten waren schwarz. Viele der Verhafteten berichteten von Polizeigewalt w\u00e4hrend der Verhaftung und im Polizeiarrest, eine Person musste ins Krankenhaus, andere ben\u00f6tigten medizinische Versorgung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Anh\u00f6rungen am 21. und 22. Juli wurden gegen 31 der 35 Verhafteten Vorw\u00fcrfe von Brandstiftung, versuchte K\u00f6rperverletzung, Widerstand, gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzung, Besch\u00e4digung privaten Eigentums und St\u00f6rung der \u00f6ffentlichen Ordnung erhoben. Aufgrund dieser Vorw\u00fcrfe drohen den Angeklagten nun hohe Haftstrafen und der Ausschluss vom Recht auf internationalen Schutz. Drei\u00dfig der Angeklagten wurden trotz ernsthafter k\u00f6rperlicher und psychischer Probleme in Untersuchungshaft genommen und in Gef\u00e4ngnisse in Athen und auf Chios gebracht.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Der aktuelle Stand<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den darauffolgenden Monaten wurden im Lager Moria weitere zwei Personen festgenommen, gegen welche die gleichen Vorw\u00fcrfe erhoben werden. Ihr Verfahren soll mit dem der anderen 35 Angeklagten zusammengelegt werden. Am 13. Dezember 2017 wurde die Untersuchungshaft der Angeklagten um weitere sechs Monate verl\u00e4ngert. Sieben Angeklagte wurden unter Auflagen freigelassen, sie d\u00fcrfen Lesbos aufgrund der Anklage allerdings nicht verlassen. Da ihr Asylantrag endg\u00fcltig abgelehnt wurde, haben sie kaum Zugang zu medizinischer und humanit\u00e4rer Versorgung. Der erste Prozesstermin wurde nun auf den 20. April 2018 festgesetzt. Das Legal Center Lesbos hat eine Crowdfunding-Kampagne zur finanziellen und anwaltlichen Unterst\u00fctzung der Angeklagten gestartet und ruft mit anderen Gruppen u.a der No Border Kitchen Lesbos zur Solidarit\u00e4t auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Kampagne: Die \u201eYou can`t evict Solidarity\u201c-Kampagne besteht aus unterschiedlichsten Menschen aus Griechenland und Deutschland und organisiert finanzielle Unterst\u00fctzung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu Prozessen und Repression aus antirassistischen K\u00e4mpfen entlang der Balkanroute.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>\u201eYou can&#8217;t evict Solidarity\u201c-Kampagne-Aktivist*innen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aktuelle Infos zum Fall und Kontakt auf dem Blog unter <span lang=\"zxx\">www.cantevictsolidarity.noblogs.org<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Spendenverbindung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rote Hilfe e.V.\/ OG Hannover<br \/>\nIBAN: DE42 4306 0967 4007 2383 57<br \/>\nBIC: GENODEM1GLS<br \/>\nBetreff: Cant evict Solidarity<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Situation f\u00fcr Gefl\u00fcchtete in Griechenland hat sich in den letzten Jahren generell gr\u00f6\u00dftenteils verschlechtert.Die Lebenssituation der Menschen in Griechenland ist gepr\u00e4gt von der menschenverachtenden Austerit\u00e4tspolitik der Europ\u00e4ischen Union. 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