{"id":17522,"date":"2018-05-01T00:00:00","date_gmt":"2018-04-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/05\/libertaere-spurensuche\/"},"modified":"2018-09-27T14:39:01","modified_gmt":"2018-09-27T12:39:01","slug":"libertaere-spurensuche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2018\/05\/libertaere-spurensuche\/","title":{"rendered":"Libert\u00e4re Spurensuche"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>&#8222;Leichen, Verwesung, Anarchie&#8220;, so betitelte die Bildzeitung am 19. April 2018 einen Artikel \u00fcber &#8222;Apokalyptische Zust\u00e4nde in Haiti&#8220;. &#8222;Gewalt und Anarchie&#8220; ist eine Schlagzeile der Baseler Zeitung vom 20. April 2018. Untertitel: &#8222;Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskr\u00e4ften ersch\u00fcttern S\u00fcdafrika.&#8220;<\/p>\n<p>Der Anarchiebegriff wird bis heute von BILD bis taz und RTL meist gleichgesetzt mit Chaos und Terror. Das ist aus anarchistischer Sicht frustrierend. F\u00fcr uns ist Anarchie eine gewaltfreie, klassen- und herrschaftslose Gesellschaft, die nach den Prinzipien der Gegenseitigen Hilfe und freien Assoziation organisiert ist. F\u00fcr Anarchist*innen gibt es einen anderen Weg jenseits von Staat, Macht und Gewalt. Wir wollen weder Kapitalismus noch autorit\u00e4ren Staatssozialismus. Die permanente Diffamierung des Anarchiebegriffs durch die Massenmedien ist f\u00fcr uns bedrohlich.<\/p>\n<p>Umso erfreulicher ist, dass es auch Beispiele gibt, die darauf hoffen lassen, dass das seit Jahrhunderten von den Herrschenden in die K\u00f6pfe gepflanzte Zerrbild &#8222;Anarchie ist Chaos und Terror&#8220; durch Aufkl\u00e4rung gerade ger\u00fcckt werden kann. Ich habe mich sehr gefreut, am 11. April auf 3sat den gro\u00dfartigen Dokumentarfilm &#8222;Oasen der Freiheit &#8211; Anarchistische Streifz\u00fcge&#8220; sehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Film begibt sich der aus Bulgarien stammende Schriftsteller Ilija Trojanow auf Spurensuche nach freiheitlich-sozialistischen Oasen in Europa. Er findet sie &#8211; in der anarchistischen Gegenwart, Geschichte, Literatur und im Internet. Der sympathische Anarcho besucht die Bakuninh\u00fctte (vgl. GWR 426) und selbstverwaltete Projekte wie das spanische Dorf Marinaleda, wo die Uhren anders ticken und die Bewohner*innen dem Kapitalismus trotzen. Und die Insel Ikaria, wo Uhren kaum eine Bedeutung haben, die Menschen zeitlos leben und \u00e4lter werden. &#8222;F\u00fcr mich ist Anarchismus einerseits eine Schule des kritischen Denkens, andererseits des widerst\u00e4ndigen Handelns. Diese zwei Momente sind sehr wichtig, weil sie einander gegenseitig nat\u00fcrlich bedingen, motivieren&#8220;, so Trojanow.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie dieser Film, macht sich auch die Zeitschrift Graswurzelrevolution auf Spurensuche nach anarchistischen Lebensweisen, und das mittlerweile schon seit 46 Jahren.<\/p>\n<p><b>Blick ins Blatt<\/b><\/p>\n<p>In der Euch vorliegenden Ausgabe 429 erinnert die britische Feministin Natasha Walter an ihren anarchistischen Vater Nicolas und sein Wirken als &#8222;Spion f\u00fcr den Frieden&#8220;. Katja Einsfeld stellt lebensnah ein Thema zur Diskussion, das auch in anarchistischen Zentren und WGs f\u00fcr Konflikte sorgt: &#8222;Putzen, als w\u00e4r&#8216; schon Anarchie&#8220;.<\/p>\n<p>Mit anarchistischer Lebenspraxis hat auch die Frage zu tun, die Mathias Schmidt auf die Tagesordnung setzt: Welche Feiertage wollen wir in der Anarchie begehen?<\/p>\n<p>In zwei Nachrufen erinnern wir an unseren Freund und Genossen Johannes Sternstein.<\/p>\n<p>Thematisiert werden in der GWR 429 auch der antifeministische Backlash in Frankreich, der Feminismus in Polen, der Krieg im Jemen, Antimilitarismus, Klimak\u00e4mpfe und vieles mehr.<\/p>\n<p><b>Ausblick<\/b><\/p>\n<p>Aber es fehlt auch einiges. So erscheint ein Bericht von Michael Wilk \u00fcber die Selbstverwaltung in Rojava und die Situation seit der t\u00fcrkischen Invasion in Afrin erst in der Sommernummer 430.<\/p>\n<p>Der Arzt und Anarchist Dr. Michael Wilk war seit 2014 oft im umk\u00e4mpften Nordsyrien und leistete dort medizinische Hilfe. Auf Einladung der GWR und der Soligruppe &#8222;Perspektive Rojava&#8220; berichtet er am 26. Mai ab 20 Uhr in der ESG-Aula (Breul 43) in M\u00fcnster \u00fcber die Zusammenarbeit mit dem &#8222;Kurdischen Roten Halbmond&#8220; und die Basisdemokratie in den kurdischen Gebieten Syriens.<\/p>\n<p>Ein weiteres Thema, \u00fcber das wir in der GWR 430 ausf\u00fchrlicher berichten werden, ist die ZAD-R\u00e4umung in Frankreich. Vom 9. bis 15. April kam es im besetzten Gebiet (ZAD &#8211; verteidigenswerte Zone) von Notre-Dame-des-Landes und danach in Nantes zu Protesten gegen die R\u00e4umung der 200 verbliebenen, f\u00fcr &#8222;illegal&#8220; erkl\u00e4rten Besetzer*innen des ZAD-Gebietes. &#8222;Mehr als 10.000 DemonstrantInnen kamen im Verlaufe der R\u00e4umung aus Solidarit\u00e4t zur Unterst\u00fctzung in die Region um den inzwischen verhinderten Gro\u00dfflughafen. 2500 franz\u00f6sische Gendarmerie- und Polizeieinheiten waren im Einsatz, ihr Vorgehen war \u00e4u\u00dferst brutal&#8220;, so Lou Marin. ((1))<\/p>\n<p>F\u00fcr die GWR 430 planen wir einen Schwerpunkt &#8222;50 Jahre 68&#8220;. Redaktionsschluss: 15. Mai.<\/p>\n<p><b>&#8222;Atomrisiko jetzt beenden! AKW abschalten &#8211; 30 Jahre sind 30 Jahre zu viel!&#8220;<\/b><\/p>\n<p>So lautet das Motto einer bundesweiten Anti-Atom-Demo am 9. Juni in Lingen. &#8222;Im nieders\u00e4chsischen Lingen wird das Atomkraftwerk Emsland das &#8217;neue&#8216; AKW genannt. Dabei wird es am 20. Juni 30 Jahre alt! Dieser Atommeiler, einer der &#8218;j\u00fcngsten&#8216; in Deutschland, hat eine Betriebsgenehmigung bis Ende 2022. Das Risiko einer so langen Laufzeit k\u00f6nnen wir nicht zulassen, weder in Lingen noch an anderen Standorten! Es gibt keine &#8217;sichere Atomkraft&#8216;, und je \u00e4lter ein Reaktor wird, desto gef\u00e4hrlicher ist er. Allein durch Materialerm\u00fcdung und Verschlei\u00df steigt die Anzahl der St\u00f6rf\u00e4lle dramatisch an, auch im AKW Emsland. Gleichzeitig entsteht t\u00e4glich Atomm\u00fcll, der weder jetzt noch in Zukunft sicher gelagert werden kann. Die Atommeiler &#8211; ebenso wie Braunkohlemeiler &#8211; &#8218;verstopfen&#8216; die Netze und blockieren den Ausbau Erneuerbarer Energien.&#8220; ((2))<\/p>\n<p>Die GWR k\u00e4mpft f\u00fcr die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit und ruft zusammen mit anderen Gruppen und Organisationen zur Teilnahme an der Demo in Lingen auf.<\/p>\n<p>Li(e)bert\u00e4re Gr\u00fc\u00dfe, Anarchie und Gl\u00fcck,<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke (GWR-Koordinationsredakteur)<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leserinnen und Leser, &#8222;Leichen, Verwesung, Anarchie&#8220;, so betitelte die Bildzeitung am 19. April 2018 einen Artikel \u00fcber &#8222;Apokalyptische Zust\u00e4nde in Haiti&#8220;. &#8222;Gewalt und Anarchie&#8220; ist eine Schlagzeile der Baseler Zeitung vom 20. April 2018. 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